Im Aufzug mit Jason und Mirco (Wochenendrebellen)

Wie wichtig sind Versprechen?

Auf der Suche nach einem Lieblingsfußballverein reisen Vater und Sohn seit Jahren durch Europa – und das alles wegen eines unbedachten Versprechens, das Mirco seinem Sohn Jason vor Ewigkeiten gegeben hat. Von dieser Geschichte der „Wochenendrebellen” handelt auch der Film, der jetzt in den Kinos läuft.
Bei unserer Aufzugsfahrt hat mir Jason erklärt, warum volle Fußballstadien trotz Autismus in Ordnung sind, wieso der FC Bayern keine Chance hatte und welchen hohen Stellenwert Versprechen für ihn haben. Sie erzählen mir von ihrer Familien-Demokratie und wie sie damit umgehen, wenn mal die Fetzen fliegen.
Warum der Autismus Jason beim Klimaaktivismus hilft und ob er mit seiner Besetzung im Film zufrieden ist – hört selbst in dieser Folge mit den Wochenendrebellen.

00:00:00.000 

Raul Krauthausen: Du bist Vielfahrer*in bei mir im Aufzug und hast dich schon mal gefragt, wie du mich unterstützen kannst? Mit Steady hast du jederzeit die Möglichkeit, diesen Podcast finanziell unter die Arme zu greifen und deine Wertschätzung zu zeigen. Schon ein kleiner monatlicher Beitrag hilft mir und dem Team, den Podcast Schritt für Schritt unabhängig zu produzieren. Werde jetzt Unterstützer*in, erhalte vorab Zugang zu neuen Folgen und werde, wenn du das möchtest, namentlich hier im Podcast genannt. genannt. Alle Infos findest du unter im-aufzug.de. Diese Woche geht er dank an Supporter*innen an Maylin und Alissa. Danke für eure Unterstützung. Und los geht’s mit der Folge. Auf der Suche nach einem Lieblings-Fußball-Verein reisen Vater und Sohn seit Jahren durch Europa und das alles wegen eines unbedachten Versprechens, das Mirco seinem Sohn Jason vor Ewigkeiten gegeben hat, von dieser Geschichte der Wir Wochenendrebellen handelt auch der Film, der jetzt in den Kinos läuft. Bei unserer Aufzugsfahrt hat mir Jason erklärt, warum volle Fußballstadien trotz Autismus in Ordnung sind, wieso der FC Bayern keine Chance hatte und welchen hohen Stellenwert Versprechen für ihn haben. Ich habe bei den beiden direkt eine ganz besondere Dynamik bemerkt. Sie sind zwar Vater und Sohn, irgendwie Freunde und Geschäftspartner, aber vor allem schon immer eins. Auf Augenhöhe. Sie erzählen mir von ihrer Familiendemokratie und wie sie damit umgehen, wenn mal die Fetzen fliegen. Warum der Autismus Jason beim Klimaaktivismus hilft und ob er mit seiner Besetzung im Film zufrieden ist. Aber hört selbst in dieser Folge. Die Wochenendrebellen. Die Tür geht auf und wer kommt rein? Oh wow, ich freue mich sehr. Schon seit Jahren lese ich von den beiden. Und zwar von Mirco und Jason von Juterczenka. Sie beide zusammen betreiben unter anderem das Blog “ Wochenendrebellen“. Sie sind Vater und Sohn. Mirco ist der Vater, Jason ist der Sohn. Und sie bloggen über Fußball, über Physik, über das Weltall, über alle möglichen Dinge. Und sie haben ein Buch geschrieben. Und das Buch heißt “ Wir Wochenendrebellen“, das jetzt demnächst auch in die Kinos kommt, als Kinofilm. Warum Sie zu Gast sind, was Ihr Thema ist, das erfahren wir jetzt. Herzlich willkommen Jason und Mirco. 

00:02:29.600 

Mirco von Juterczenka: Hallo und vielen Dank, dass wir da sein dürfen. 

00:02:31.320 

Raul Krauthausen: Was ich ja alle meine Gäste fragen, zu Beginn, hattet ihr schon einmal merkwürdige Situationen in einem Aufzug? 

00:02:39.360 

Jason von Juterczenka: Ich würde sagen keine merkwürdigen Situationen, aber auf jeden Fall sehr schöne Situationen. Ich hatte zu Aufzügen schon immer eine spezielle Bindung, weil auf meinem Kindergartenweg war ein Aufzug mit dem jedes Mal gefahren werden musste bevor ich in den Kindergarten ging und wenn der außer Betrieb war, dann mussten wir in den Nachbarort fahren mit der S-Bahn, mussten mit dem fahren und erst dann konnte ich in den Kindergarten oder in München gibt es zum Beispiel einen Glasaufzug an der Münchner Freiheit und Papsi hat versucht mir das Aufzugfahren auszutreiben, weil jedes Mal als wir einen Aufzug gesehen haben, musste ich mit diesem Aufzug fahren und er hat es mir versucht auszutreiben, indem wir sehr lange zusammen Aufzug und nach acht Stunden hat er aufgegeben, weil ich noch weiterfahren wollte. 

00:03:17.720 

Raul Krauthausen: Was fasziniert dich denn so an Aufzügen?

00:03:19.720 

Jason von Juterczenka: Ich kann es gar nicht so genau sagen, das war irgendwie schon immer so. Vielleicht hat das eine ähnliche Ursache wie auch meine Faszination für Züge. Es ist irgendwie eine Art abgeschlossener Raum, in dem eine gewisse Konstanz herrscht. Also man steht dort ja praktisch, ist ja etwas sehr statisch und trotzdem bewegt sich etwas. Und diese Kombination finde ich irgendwie sehr schön. Und gleichzeitig fasziniert mich irgendwie die Technik von Aufzügen. Ja, und ich mag es, auf die Knöpfe zu drücken. 

00:03:50.040 

Raul Krauthausen: Am besten alle Knöpfe nacheinander drücken, damit er überall einer gehalten hat. 

00:03:53.800 

Jason von Juterczenka: Auch schon gemacht, ja. 

00:03:55.400 

Raul Krauthausen: Das ist mir ja dann als Fahrgast immer ganz besonders lieb, wenn man genau in die andere Richtung wollte. Die Aufzugsgeschichten sind ja jetzt aber nur ein Teil dieses Podcasts. Was ich vor allem gerne mit meinen Gästen bespreche, ist, Wie sind Sie eigentlich zu Ihren Themen gekommen, an denen Sie gerade arbeiten? Und bei Euch, da müsst Ihr mir so ein bisschen weiterhelfen. Ihr seid ein Vater-Sohn-Gespann. Ihr tretet in der Regel gemeinsam auf. Ich habe zahlreiche Podcasts mit Euch gesehen und gehört. Und eine große Verbindung zwischen Euch beiden ist, dass Versprechen einen sehr, sehr hohen Stellenwert für Euch haben. Könnt Ihr das genauer beschreiben? 

00:04:37.680 

Jason von Juterczenka: Ja, natürlich. Und zwar ist es so, wir haben bei uns in der Familie, das geht eigentlich auf meine Oma zurück, aber mittlerweile haben wir jetzt in der gesamten Familie die sogenannte rechte Hand. Und wenn wir uns auf etwas die rechte Hand geben, dann dürfen wir nicht nur nicht lügen, sondern wir dürfen uns auch nicht irren. Also wir müssen eigentlich zu 100 Prozent sicherstellen, ist dann unsere Verantwortung sicherzustellen, dass diese Aussage so auch eintritt. Daher haben Versprechen einfach einen ganz großen Wert, weil ich auch denke, wenn unsere Worte ihren Wert verlieren und wir anfangen Menschen anzulügen, dann trägt irgendwann ein Wort ja keine Informationen mehr. Wenn ich dann praktisch erst noch selber entscheiden muss, stimmt das jetzt oder stimmt das nicht, was man mir sagt, dann ist dieses Wort ja mehr oder weniger bedeutungslos und es hat keinen Informationsgehalt und dann kann man das Reden auch eigentlich gleich sein lassen, dann kann ich gleich raten, was man gegenüber mir sagen will. Deswegen ist es für mich sehr wichtig, dass Menschen die Wahrheit sagen und dass es mich darauf verlassen kann, dass ein Versprechen auch wirklich eintritt. Und Papsi hat eine gewisse Tendenz zu, sagen wir mal, leichtsinnig gegebenen Versprechen oder Versprechen, deren Konsequenzen er nicht so ganz überblickt. Und davon habe ich immer sehr profitiert. Und eines der ersten Versprechen, also ich glaube das zweite war es eigentlich, das zweite Versprechen war das, worauf unsere Geschichte zurückgeht, nämlich das ein Lieblingsverein zu suchen.

00:05:55.060 

Raul Krauthausen: Magst du da zu deiner Verteidigung etwas sagen?

00:06:00.060 

Mirco von Juterczenka: Ja, also für mich war ein Versprechen sehr, sehr viele Jahre eine ähnliche Floskel, wie man zu Begrüßungen, wie geht es dir, ohne dass man das tatsächliche Interesse hat, zu wissen, wie geht es dem Gegenüber. Ähnlich achtlos bin ich wirklich vielleicht eine Zeit lang mit Versprechen umgegangen oder mit Zusagen oder irgendwie sowas, sowas gar nicht jetzt speziell meinem Sohn gegenüber, sondern insgesamt Vversprechen bei etwas, wo ich sage, okay, ich tu mein Bestes, aber nur noch heute und wenn das morgen, dann sieht das vielleicht schon wieder anders aus. Dieser Blickwinkel hat sich durch Jason ganz entscheidend verändert. Nicht weil er mir gesagt hat, du hör mal zu, so funktionieren Versprechen, sondern weil ich gelernt habe, wie wichtig ihm Verlässlichkeit ist irgendwo, dass das für ihn einfach ein ganz elementarer Bestandteil ist, auch so gut durch den Alltag zu kommen. Bei den Versprechen, die ich damals gegeben habe, ich meine da war er bei dem ersten Versprechen war er fünf und beim zweiten war er dann sechs. Das waren halt keine Versprechen, wo mir bewusst war, wie nachhaltig die sind. Also es ging einmal da um das Versprechen der Suche nach dem Lieblingsverein und ich habe ihm, ich glaube, das Jahr davor vor Ewigkeit mal versprochen, dass wir irgendwann mal zusammen mit einem Shinkansen- Zug in Japan fahren. Das ist auch ein Versprechen, was ich bis heute nicht vergessen habe, welches aber zum Beispiel noch nicht eingelöst ist. Und ich glaube aus dieser Konstellation heraus hat sich so ergeben, dass es gewisse Dinge gibt, auch wenn Jason Zweifel hat oder so an der Aussage, wo er gegebenenfalls sich immer rückversichern kann und sagt Mensch, kannst du mir darauf die rechte Hand geben, wo er dann weiß, okay, das ist tatsächlich so oder dem stimmt tatsächlich, dass das halt tatsächlich so stimmt. Und so hat sich das über die Laufe der Jahre so entwickelt, dass es nicht nur zwischen uns, sondern auch innerfamiliäre Versprechen schon einen gewissen heiligen Status haben, sag ich mal. Dann hat man aber auch vorsichtiger geworden, das mit Versprechen. 

00:07:49.420 

Raul Krauthausen: Aber heißt das im Umkehrschluss, Jason, dass du nicht lügst? 

00:07:53.420 

Jason von Juterczenka: Ich erinnere mich zumindest nicht daran. Also seitdem ich der Meinung bin, dass ich Verantwortung für das übernehmen kann, was ich sage, dass ich als Kleinkind rausgehauen habe, das weiß ich nicht mehr. Aber im Alltag, in meinem aktuellen Alter und in den letzten Jahren setze ich keine Lügen ein, nein. 

00:08:09.420 

Mirco von Juterczenka: Das kann ich so unterschreiben. Also ist mir zumindest noch nie bewusst. Ganz im Gegenteil, diese brutal offene Ehrlichkeit kann ja auch sehr schmerzhaft sein in dem einen oder anderen Moment. 

00:08:20.620 

Raul Krauthausen: Und ist das so ein Konzept, das du dir überlegt hast, Jason, oder ist das letztendlich dein Durchsleben gehen? 

00:08:28.940 

Jason von Juterczenka: Es ist eigentlich mein Durchsleben gehen, meine Einstellung, weil ich das auch von anderen Menschen so erwarte. Und weil ich auch diese Achtung vor meinem eigenen Wort habe. Ich möchte, dass mein Wort auch für meine Mitmenschen Gewicht behält und ich finde Kommunikation, der Zweck von Kommunikation ist Informationsaustausch. Informationsaustausch funktioniert durch das Axiom, dass eine Aussage, die ich tätige, wahr ist. Wenn eine Aussage, die ich tätige, nicht zwingend wahr ist, dann verliert sie ihren Informationsgehalt. Wenn man den gegenüber ja fragen muss, ist sie wahr oder ist sie nicht wahr? Und wie gesagt, dann muss ich diese Aussage gar nicht erst tätigen, dann kann ich auch einfach gar nichts sagen. 

00:09:06.140 

Raul Krauthausen: Das finde ich total interessant. In meinem Kopf geistert jetzt seit ungefähr vier Minuten eine Frage im Kopf. Wie bewertest du denn dann eigentlich Politiker*innen Aussagen? Also wenn ich jetzt ganz aktuell an, keine Ahnung, gehen wir mal Jens Spahn denke oder Christian Lindner, nehmen wir doch mal diese zwei netten Herren. Wenn ich die im Fernsehen reden höre, dann habe ich die ganze Zeit das Gefühl, die glauben nicht das, was sie sagen. Das heißt, die lügen. Hast du dann Talent, das vielleicht früher zu erkennen als andere. 

00:09:38.820 

Jason von Juterczenka: Ich glaube, ich habe tatsächlich kein Talent, das früher zu erkennen, weil ich nicht wirklich ein Gespür für die Zeichen habe, auf die ich achten muss, um zu herauszufinden, ob mir jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Aber was ein sehr zuverlässiges Zeichen ist, wo ich vielleicht dann ein Gespür für habe, ich achte dann darauf, was tatsächlich passiert, was die Taten und die Handlungen sind, und wenn diese dann nicht erfüllt werden, schenke ich diesen Worten automatisch weniger Gewicht. Das ist genau das, was mir auffällt, wenn ich zum Beispiel solche Reden höre, dass ich nicht das Gefühl habe, zuhören zu müssen irgendwie, weil ich ja eigentlich weiß, dass diese Worte relativcbedeutungslos sind. Und das ist auch tatsächlich nicht nur ein Lernprozess, weil es hat das zum Beispiel gebraucht, bis ich verstanden habe, es wurde das Versprechen abgegeben, also es war tatsächlich ein Versprechen, diese Formulierung wurde benutzt, dass Deutschland seine Klimaziele einhält zum Beispiel. Und in dem Moment habe ich erst mal gedacht, okay, ich muss mir ja keine Gedanken darüber machen, es ist ja ein Versprechen. Und wenn Papsi mir ein Versprechen gibt, heißt das, ich muss nicht mehr darüber nachdenken. Das passiert so oder so. Bis ich dann verstanden habe, Sekunde mal, so funktioniert das in der Welt anscheinend nicht. Und das scheint eher eine Flosskel zu sein. Und da ist so ein bisschen irgendwie so eine heile Welt so zusammengebrochen, als ich herausgefunden habe, dass Lügen tatsächlich relativ gängig ist anscheinend. Auch bei großen, wichtigen Themen. 

00:10:54.900 

Raul Krauthausen: Ja, das hat mich auch ehrlich gesagt ganz schön desillusioniert. Da können wir sicherlich später noch auf bestimmte Themen zu sprechen. weil ich ehrlich gesagt deine Analyse der Welt und der Lage in deinen Podcasts und auch das, was du gerade gesagt hast, ziemlich ziemlich interessant finde. Und auch so glasklar analysiert, dass man das von jemanden, mindestens in deinem Alter, aber auch natürlich von vielen anderen Menschen, so selten hört. 

00:11:22.260 

Jason von Juterczenka: Das freut mich. 


00:11:23.180 

Raul Krauthausen: Es gibt aber noch etwas anderes, das euch wichtig ist. nicht nur versprechen, sondern vor allem dir, Jason, Strukturen und Regeln. 

00:11:32.580 

Jason von Juterczenka: Ja. 

00:11:33.180 

Raul Krauthausen: Regeln habe ich meinte Lernens und dafür darum sie zu brechen. Gibt es eine Regel, die du gerne brechen würdest? 

00:11:39.700 

Jason von Juterczenka: Ja, es gibt tatsächlich auch Regeln, die ich schon gebrochen habe, nämlich Regeln, bei denen ich mich nicht daran erinnere, je zugestimmt zu haben. 

00:11:46.860 

Raul Krauthausen: Okay. 

00:11:47.340 

Jason von Juterczenka: Zum Beispiel war ich Anfang des Jahres einmal in Lützerath und habe dort einen gewissen Platzverweis ignoriert, weil ich der Meinung war, also ich habe dort nicht zugestimmt. Ich war mit dieser Regel so nie einverstanden. Dementsprechend finde ich es dann auch in Ordnung, in Ausnahmesituationen. Wenn es angemessen ist, wenn eine gewisse Abwägung zu dem Ergebnis kommt, ja, dann finde ich es tatsächlich auch in Ordnung, Regeln zu brechen. Was ich nicht in Ordnung finde, ist Regeln zuzustimmen, Regeln zu vereinbaren und sie dann zu brechen. 

00:12:14.060 

Raul Krauthausen: Aber ich meine, wir haben ja viele Regeln nicht vereinbart bzw. hinzugestimmt. Straßenverkehrsordnung, Strafgesetzbuch. Da wurden wir ja auch nicht gefragt, aber wir leben nun mal in einer Gesellschaft, die sich nach diesen Regeln halten muss. Ich glaube nicht, dass man jeder Regel zustimmen muss, um sich an sie zu halten. 

00:12:28.800 

Jason von Juterczenka: Denke ich auch nicht. Deswegen ja, wenn ich praktisch einer Regel nicht zugestimmt habe, gibt es trotzdem viele Regeln, die ich letztlich für sinnvoll erhalten, und wo eigentlich ein Verstoß dann auch komplett ablehnen würde. Es ist dann eher eben ein Abwägungsprozess. Ist diese Regel gerade sogar eigentlich schädlich? Also ist sie sogar ein Problem und muss ich sie nicht eigentlich sogar berechnen? Wäre es nicht eigentlich sogar falsch, sich an diese Regel zu halten? Und nur wenn das zutrifft, wenn es Regeln gibt, von denen wir alle profitieren und die unser Zusammenleben sicherstellen, dann ist es ja logisch. Es können nicht alle machen, was sie wollen. Und die persönliche Freiheit muss dann auch an der Stelle ja beschnitten werden, wo sie in die Freiheit von anderen irgendwie eingreift. Aber bei bestimmten Regeln sehe ich es halt sogar im Gegenteil, dass sie eigentlich unser Zusammenleben schwieriger machen. Und dann finde ich, wie gesagt, wenn ich das Ganze für mich abwäge und zum Schluss komme, diese Regel richtet gerade Schaden an. und ich muss sie brechen, um zum Beispiel Menschen zu helfen, dann finde ich es tatsächlich legitim, sie zu brechen. 

00:13:25.960 

Raul Krauthausen: Dann ist es ja im Prinzip so ähnlich wie Fragen, die sich viele Aktivistinnen stellen. Lützerath hast das ja gerade selbst erwähnt. Oder auch die Klimakleber*innen, die einfach vor lauter Verzweiflung zu dieser Tat schreiten, weil sie das Gefühl haben, sonst werden sie auch nicht gehört. Aber noch mal zurück zur Frage. Gibt es eine Regel, die du gerne brechen würdest? 

00:13:46.760 

Jason von Juterczenka: Eine Regel, die ich gerne brechen würde? Also zum Beispiel ein Gesetz oder irgendeine Regel, die ich vereinbart habe. 

00:13:52.920 

Raul Krauthausen: Genau, die du nicht vereinbart hast, wo du denkst, das macht überhaupt gar keinen Sinn. 

00:13:55.880 

Jason von Juterczenka: Achso. Da müsste ich glaube ich drüber nachdenken. 

00:13:57.720 

Raul Krauthausen: Okay. Vielleicht fällt diese Frage leichter. Gibt es denn eine Regel deiner Eltern, die du nicht gerechtfertigt findest? 

00:14:04.440 

Jason von Juterczenka: Es gibt keine Regeln meiner Eltern, weil wir eine… Also wir haben bei uns zu Hause eine Art basisdemokratisches System, wo wir die Regeln gemeinsam abstimmen. Und es gibt tatsächlich Regeln, die gegen meinen Willen beschlossen wurden. Aber dann sind es ja nicht Regeln von meinen Eltern, sondern das Regeln der Mehrheit. Und den füge ich mich dann tatsächlich auch. 

00:14:24.120 

Raul Krauthausen: Wie viele seid ihr in der Familie?

00:14:25.520 

Jason von Juterczenka: Vier. 

00:14:26.520 

Raul Krauthausen: Vier. 

00:14:27.520 

Jason von Juterczenka: Das heißt, wir müssen alle gegen mich stimmen. 

00:14:28.800 

Raul Krauthausen: Genau, was ich gerade sage. Wir müssen 3 zu 1 sein. 

00:14:31.520 

Jason von Juterczenka: Genau. 

00:14:32.520 

Raul Krauthausen: Wie geht ihr denn mit Unentschieden um? 

00:14:33.520 

Jason von Juterczenka: Es braucht eine Mehrheit für einen Beschluss. Bei Unentschieden ist der Beschluss durchgefallen. 

00:14:37.920 

Raul Krauthausen: Okay. Ich habe mal das System der… Wie heißt das? Sozokratie gelernt, wo man quasi grundsätzlich zustimmt, es sei denn jemand hat einen schwerwiegendem Einwand. Also eine Art Veto-Prinzip. 

00:14:49.640 

Jason von Juterczenka: Lustige Geschichte. Ich hab tatsächlich auch mal darüber nachgedacht, das ganze System etwas zu reformieren und praktisch beschlussfähiger zu werden, weil wir bei manchen Dingen dann sehr träge waren, weil dann halt immer nichts passiert ist, wenn man sich nicht einigen konnte, wenn es keine Mehrheit gab. Deswegen war ich natürlich auch dafür, ein paar soziokratische Elemente dort einzufügen. Daran bin ich aber zum Beispiel tatsächlich gescheitert, weil ich da keine Mehrheit für organisieren konnte. 

00:15:12.960 

Raul Krauthausen: Dann konntest du quasi demokratisch die soziokratischen Regeln nicht einführen.

00:15:16.240 

Jason von Juterczenka: Richtig. 

00:15:17.240 

Raul Krauthausen: Und wie ist es bei dir, Mirco? Gibt es eine Regel, wo du denkst, die ist nicht gerechtfertigt? 

00:15:22.480 

Mirco von Juterczenka: Also ich habe grundsätzlich erstmal gar nicht so eine große Hemmschwelle, Regeln zu brechen wie Jason. Da unterscheiden wir uns doch sehr, sehr, sehr groß sogar. Also mir fallen Dutzende Beispiele ein, wenn wir irgendwo auf Reisen sind, mit dem Zug quer durch Osteuropa, schnell zu einem anderen Zug müssen, und da ist eine rote Ampel mitten in der Nacht morgens um halb fünf und es fährt kein Auto, keine Menschen Seele. Und ich laufe rüber, damit wir noch den Bus bekommen. Ich denke, wo ist denn mein Sohn? Ja, der steht halt noch an der roten Ampel. Und ich sage, Mensch, du kannst jetzt rübergehen. Nee, die Ampel ist ja rot. Ich sage, hier ist niemand. Es ist morgens halb fünf, wir sind mitten in der Pampa. Du kannst jetzt wirklich kommen. Aber er bleibt dann stur an dieser roten Ampel stehen, selbst wenn man gegebenenfalls dann dadurch den Bus oder den Zug, der in vielen Ländern auch nicht irgendwie alle zwei Stunden fährt, sondern nur alle 24 Stunden, dadurch verpasst. Dadurch habe ich jetzt nicht so die Situation, dass mir besonders viele Regeln einfallen, wo ich sage, hm, die finde ich jetzt nicht gerechtfertigt insgesamt. Ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee war grundsätzlich, diesem System der Familienvereinbarung und diesem demokratischen Prinzip zuzustimmen, weil es natürlich in vielen Situationen um vielfaches einfacher wäre, zu sagen, der Papa sagt, wo es lang geht, und ihr habt hinterher zu folgen. Das wäre mir in manchen Situationen tatsächlich etwas lieber. 

00:16:34.040 

Raul Krauthausen: Das würde die Mama bestimmt auch sagen. 

00:16:35.920 

Mirco von Juterczenka: Das würde die Mama ähnlich sagen. An einer Stelle würde sie es wahrscheinlich ändern. Sie würde sagen, die Mama sagt, wo es lang geht.

00:16:41.560 

Raul Krauthausen: Genau, das meine ich. 

00:16:42.560 

Mirco von Juterczenka: Ja, genau. Dem ist tatsächlich so. Und bei der Tochter sieht es dann auch nochmal so aus. Die ist jetzt auch in einem Alter, wo die schon dann auch so ihre Vorstellung hat. Das macht es nicht immer einfach. Aber jetzt so, dass ich jetzt eine Regel hätte, wo ich sagen würde, die würde ich konkret brechen. Wo wir eben beim Thema Politik waren, weiß ich nicht, ob diese vier Jahreswahlabschnitte eine gute Entscheidung sind im Hinblick auf Probleme, die ja dann doch bald auf uns warten, aber jeder immer nur Entscheidungen für die nächsten viercJahre zu treffen, vermag. Das wäre vielleicht so, wenn wir so ganz grob über Regeln sprechen, zu sagen, braucht es da irgendwie einen neuen Ansatz? Aber sonst würde mir da nichts einfallen. 

00:17:20.400 

Raul Krauthausen: Hast du dadurch eine gewisse Gelassenheit gelernt? Also wenn es nun mal jetzt so ist, dass wir an der roten Ampel warten und dadurch den Zug verpassen, ja, dann verpassen wir halt den Zug. Also bist du dadurch ruhiger, gelassener geworden? 

00:17:34.080 

Mirco von Juterczenka: Also ich würde sagen, dass vielleicht sogar meine Gelassenheit schon im Ursprung etwas war, warum meine Frau sich vielleicht mit für mich entschieden hat, dass ich grundsätzlich ein Recht, recht gelassen mit Situationen umgehen kann. Das hat sich eher im Laufe der letzten 10, 15, 20 Jahre ein bisschen verändert, dass ich vielleicht nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche sehr gelassen bin, sondern auch immer wieder schon auch zwischen uns beiden sehr, sehr eskalative Momente entstehen, wo es dann auch mal explodiert. Aber insgesamt halte ich mich schon für jemanden, der sich nicht von irgendeinem kleineren Alltagsgedöns. Mir ist meine privilegierte Situation bewusst. Also es gibt ganz, ganz viele Momente, wo ich sage, es dauert schon ein Weilchen, bis ich Gelassenheit verliere. Und wenn du das bei dem Beispiel bleiben willst mit einem Zug, ja, wenn man den Zug verpasst, dann verpasst man den Zug. Das passiert. Das ist jetzt nichts weltbewegendes. Das tut natürlich irgendwo in Osteuropa, wo der Zug nur alle 24 Stunden mehr weh als in München am Hauptbahnhof, wo ich eine Stunde später in den nächsten steige. 

00:18:38.240 

Raul Krauthausen: Wobei der aktuelle Münchner Hauptbahnhof ja auch gerade eine riesige Baustelle ist. 

00:18:44.040 

Mirco von Juterczenka: Die aber zum Beispiel, und da haben wir beide ja dann auch wieder ganz ganz andere Perspektiven auf diese Baustelle, ich kann da trotzdem durch Dutzende von Eingängen völlig unproblematisch rein, raus etc. mit allem was dazugehört. Aber ich sehe natürlich schon bei diesen Baustellen auch häufig dann ist da die Rampe kaputt und da ist der Aufzug hinüber und da dies oder so. Das meine ich ja so ein bisschen mit der recht privilegierten Situation auch insgesamt. Ich kann mit sehr vielen Dingen sehr, sehr gelassen umgehen, weil sie auf mich persönlich nicht die riesigen Auswirkungen haben. 

00:19:16.120 

Raul Krauthausen: Wenn ich so euch lausche, sowohl in zahlreichen Videos, die ich gesehen habe, oder Podcasts, dann finde ich das total faszinierend, die Beziehung, die ihr beide zueinander habt. Also das ist ja eher so eine Art Freundschaft. Da hat man das Gefühl, wie ihr auch respektvoll miteinander umgeht. Ob irgendwer weniger dieses Gefälle Vater-Sohn. Wo ja oft auch Patenalismus und Hierarchie enthalten ist. Also man spürt diesen Meinungsaustausch auf Augenhöhe. Aber trotzdem hast du gerade gesagt, gibt es Situationen auch in der Woche, wo es eskaliert. Wie kommt ihr denn dann aus dieser Eskalation wieder raus? 

00:19:52.760 

Jason von Juterczenka: Es kommt ein bisschen drauf an. Wenn es eine Eskalation war, wo ein bestimmtes Streitthema vorliegt, und dieses Thema muss gelöst werden, dann ist es erstmal wichtig, eine Zeit lang abzuwarten, bis Papsi sich beruhigt hat und bis er nicht mehr so irrational wütend ist. Und dann kann man das Ganze ja auch wieder auf Fakten basiert besprechen. Wenn es tatsächlich eher darum geht, dass es kein wirklich konkretes Streitthema gab, was mir wichtig ist, wo ich der Meinung bin, das muss so umgesetzt werden, Papsi meint, das muss so umgesetzt werden, sondern dass wir uns einfach wegen irgendwas meistens dann doch relative Kleinigkeiten gestritten haben, dann bedarf das ja eigentlich keine Erklärung und dann vergeht ein bisschen Zeit und dann haben wir in der Regel auch gar keine Zeit mehr uns darüber zu streiten, weil halt wieder wichtige Themen anstehen. Oder wir machen es wie jetzt, neulich nachdem wir uns in „Jubiliane“ auf „Ainatour“, die wir gemacht haben, ziemlich gefetzt haben. Wir tragen das Ganze in der Öffentlichkeit aus und Papsi beschuldigt mich im Newsletter mit irgendwelchen wirren Hypothesen und ich kläre sie dann natürlich eine Woche später in meinem Newsletter sachgemäß auf. Das ist natürlich auch eine Version, das aufzuarbeiten. 

00:20:58.560 

Raul Krauthausen: Aber heißt das im Umkehrschluss, Mirco, dass du dann den Kürzeren ziehst? 

00:21:03.960 

Mirco von Juterczenka: Ich würde ja jetzt lügen, wenn ich sagen würde, nein, dem ist nicht so. Ich stehe da immer als der glorreiche Sieger da. Also es ist, wir haben das eigentlich nie für uns, dass wir nach einem Streit einen Sieger brauchen, sage ich mal. Dieses Gefühl kenne ich so nicht. Ich möchte, dass die Situation geklärt ist. Ich möchte, dass mein Sohn versteht, warum war ich verärgert. Und sehr, sehr häufig kommt es dann aber auch die umgekehrte Situation, dass Jason zwar dann versteht, warum ich verärgert war. Ich vielleicht dann aber auch lerne zu verstehen, was bei ihm der Auslöser für seine Verehrung oder für seinen Anlass war, so zu handeln, wie er gehandelt hat, was mich wiederum zu Verärgerung gebracht hat. Also, wir kriegen es gut hin, glaube ich, Dinge zu bereinigen irgendwo in so einer gewissen Situation. Das kriegen wir gut hin und ich glaube, davon profitieren wir ganz gut. 

00:21:53.400 

Raul Krauthausen: Das finde ich alles gerade deswegen unter anderem so spannend, weil ihr seid ja nicht nur Vater und Sohn. Wir kommen jetzt langsam, sagen wir mal, zu des Pudels Kern. 

00:22:02.240 

Jason von Juterczenka: Zu was? 

00:22:08.360 

Raul Krauthausen: Zu des Pudels Kern. Also wir kommen jetzt quasi zum Hauptthema dieser Podcast-Folge. 

00:22:08.360 

Jason von Juterczenka: Des Pudels Kern? 

00:22:10.520 

Mirco von Juterczenka: Das kennst du nicht, glaube ich.

00:22:10.520 

Jason von Juterczenka: Ne, das ist neu. 

00:22:15.800 

Mirco von Juterczenka: Ja, schön. 

00:22:15.900 

Raul Krauthausen: Das ist eine Redewendung, wo man sagt, worum es eigentlich, Wir reden jetzt die ganze Zeit, wir haben uns kennengelernt, euch beide, ihr seid Vater und Sohn und ihr habt eine interessante Dynamik miteinander. Ihr seid aber mehr als Familienmitglieder. Ihr seid ja auch so eine Art Geschäftspartner geworden. Ihr habt zusammen das Buch geschrieben, ihr macht zusammen das Blog. Und jetzt gibt es zu eurem Buch einen Kino-Film. Kino-Film heißt „Die Wochendrebellen“. Hochkarätig besetzt und hochkarätig von einem Regisseur auch umgesetzt, der unter einem bekannt ist aus dem Film „Dieses bescheuerte Herz“. Könnt ihr kurz in einem Abriss für unsere Zuhörer*innen erklären, worum es in diesem Film geht und seid ihr überhaupt Geschäftspartnerin? 

00:22:53.380 

Jason von Juterczenka: Also Teil 1 der Frage, worum es in diesem Film geht. Im Kern des Ganzen ist Papsis oder eines der größten Versprechen von Papsi an mich. Und zwar so lange einen Lieblingsfußballverein für mich zu suchen, bis ich fündig geworden bin. Und meine sehr von außen skurril wahrgenommenen Regeln, die, ja, nach denen diese Suche erfolgen muss, denn jeder Verein muss Kriterien erfüllen. Und auf unseren Reisen mit dem Zug durch die Stadien haben wir eben sehr viel erlebt, wovon dieser Film handelt. Zusätzlich geht es aber eben auch um die Perspektive auf Autismus, weil Stadien und Autismus sind natürlich eigentlich eine Kombination, wo man denken würde, das passt nicht so wirklich. Und dementsprechend geht es dort auch um Autismus und eine gewisse Rolle nimmt auch mein Wissenschaftliches Interesse und meine Forschung zum Thema Chaos-Theorie im Film ein. Also es ist ein Film mit sehr vielen Facetten, aber unsere Abenteuer und Erlebnisse als Wochenendrebellen sind der Kern des Ganzen. Und ob wir Geschäftspartner sind, da habe ich nie drüber nachgedacht. Also wahrscheinlich, wenn man die Definition nachschlägt, dann vermutlich ja, aber ich habe das nie so begriffen. 

00:24:03.660 

Mirco von Juterczenka: Da kann ich vielleicht ergänzend eingreifen. Also ja, ich würde uns auch unter anderem als Geschäftspartner bezeichnen, auch wenn wir bis jetzt eigentlich die Filmsituation entstanden ist, eigentlich nie das Gefühl hatten, dass wir ein Geschäft betreiben irgendwie, sondern eigentlich eher, dass wir von uns so ein bisschen erzählen auf unterschiedlichen Ebenen und wir das, was zusätzlich zu einem Geschäft gehört, die Einnahmensituation dahingehend immer recht charmant gelöst, lösen konnten, dass eigentlich ein Großteil dessen, was wir einnehmen, von Jason entschieden wurde, direkt weiterzuleiten an die Welfare Neven Subotic Stiftung. Und dadurch würde ich uns jetzt nicht zwingend als Geschäftspartner, aber das wird sich wohl mehr auch in die Richtung entwickeln, weil jetzt, wenn da ein Kinofilm etc. da sind das natürlich auch irgendwie alles so ein bisschen andere Rahmenbedingungen. Von daher ja, ich glaube, wir sind auch Geschäftspartner tatsächlich. Kann man so sagen. Ja. 

00:24:56.240 

Raul Krauthausen: Jetzt habe ich ein Video gesehen von Euch, das ist 5 Jahre alt, und da erzählt ihr, dass ihr seit sechs Jahren durch Fußballstadien reist. Auf der Suche nach der richtigen Mannschaft. Das heißt, nach Adam Riese sind wir jetzt bei elf, zwölf Jahren, die ihr jetzt diese Reisen macht. Das ist eine ganz schön, ganz schön lange Zeit, die ihr in der Bahn sitzt und die richtige Fußballmannschaft findet. Das ist auf jeden Fall ein Projekt, würde ich mal sagen. Ich finde es geil, wenn Leute so eine Leidenschaft für ein Thema entwickelt haben und dann letztendlich auch fachsimpeln können, die gute alte 10.000 Stunden-Regel, wo man 10.000 Stunden eine Sache gemacht haben muss. Und dann ist man Profi. Also wahrscheinlich ist es sehr, sehr schwer, euch nochmal was Neues zu erzählen, wenn es um Fußball geht oder Mannschaften und Vereine. Was ich mich die ganze Zeit gefragt habe, wie finanziert ihr eigentlich diese ganzen Reisen? 

00:25:50.520 

Mirco von Juterczenka: Da kann ich vielleicht eher ein bisschen was zu sagen, weil das auch eine sehr, sehr häufige Frage kommt. Was heißt gar nicht eine Frage, ich bin da sehr froh, du bist der Erste, der das wirklich mal direkt fragt. Sonst ist das eigentlich eher immer so ein sehr beherrschendes Thema, in den Facebook-Kommentarspalten, dass es heißt, ja na gut, wenn da die reichen Eltern mit ihrem Sohn sich das leisten können, die ganze Zeit durch die Stadien zu fahren. Also es ist so, dass ich seit jetzt noch bis zum 30.9., dann wird das leider, leider enden, aber ich bin seit über 20 Jahren für denselben Arbeitgeber tätig, in der Gastronomie und betreue Restaurants. Diese Restaurants befinden sich in Deutschland geografisch recht gut verteilt, sodass ich diese Tätigkeit auch schon immer mit der Bahncard 100 löse. Also ich bin nie groß der Autofahrer gewesen, ich bin immer sehr gerne Bahn gefahren. Die Bahn ist quasi mein Büro. Wenn ich von Kassel nach München fahre, erledige ich dort so meine Bürosachen. Und Jason war halt jemand, der sehr, sehr früh auch das Interesse hatte, mich mit der Bahn zu begleiten. 

00:26:49.360 

Raul Krauthausen: Das geht ja ab bis zu dem bestimmten Zeitpunkt auch noch umsonst. 

00:26:51.800 

Mirco von Juterczenka: Genau, bis zu dem 14. Lebensjahr ging das schon mal dann komplett umsonst. Das heißt schon mal, er ist jetzt 18, also bis vor vier Jahren haben wir eigentlich für eine Anreise zu einem Fußballspiel nie auch nur irgendwie einen Cent bezahlen müssen, weil wir wirklich immer mit der Bahn auch reisen, egal wie komplex und wie schwierig das auch gegebenenfalls ist. Das heißt, da entstehen schon mal quasi keine Kosten. Und wir haben dann die zusätzliche Situation, ja, so Bundesliga und Co., das sind Ticketpreise, da sind die Zeiten kein Zwanni für ein Steher oder was man dort viele Jahre gefordert hat, die sind vorbei. Aber wir haben A) die Situation gehabt, dass wir insgesamt bei den Spielen ja über einen sehr, sehr langen Zeitraum sprechen, das heißt runtergebrochen waren es dann in manchen Jahren vielleicht mal 25 Fußballspiele, gegebenenfalls aber auch mal weniger. Da sind es dann die Eintrittskosten für die Tickets insgesamt, die dort dann anfallen, die wiederum aber aufsummiert auch nicht mehr ergeben als ein Kinobesuch mit Popcorn und Pepsi, worauf wir viele, viele Jahre zum Beispiel dann auch verzichtet haben insgesamt. Also auch dort ist nicht so das große Kostenpaket zu sehen. Und wenn wir unterwegs sind, das ist ein großer Vorteil von uns beiden. Wir haben dort keine sehr, sehr großen Ansprüche. Wir haben eine ähnliche finanzielle Frage, könnte man stellen, bei einem großen Urlaub, den wir gemacht haben, wo wir erstmal ganz spektakulär beschreiben, wir in dem nächsten Buch, welches wir zusammen schreiben werden, da waren wir innerhalb von 20 Tagen in 10 verschiedenen Ländern, was auch erstmal nach einer sehr teuren Urlaub klingt. 

00:28:22.640 

Raul Krauthausen: Oder anstrengend. 

00:28:23.400 

Mirco von Juterczenka: Ja, und das ist es. Er ist sehr, sehr anstrengend, aber er war nicht teuer, weil Jason auch Übernachtungsmöglichkeiten für 3,50 Euro findet, wenn es darauf ankommt. 

00:28:32.000 

Raul Krauthausen: Der Vater von Greta Thunberg, der hat Greta auch jahrelang begleitet bei ihrem Aktivismus. Die waren zusammen einmal in Davos bei diesem Weltwirtschaftsforum. Greta campierte vor diesem Forum in einem Zelt mitten im Winter. Ihr Vater zwangsweise auch. Der sagte dann irgendwann zu ihr, warum hast du eigentlich nicht Fußball gespielt als Hobby? Warum muss ich dich hier hin begleiten. Und er meinte das so ein bisschen ernst und ein bisschen scherzhaft. Ich konnte das irgendwie verstehen, aber man ist ja der Vater dieses Kindes und dann geht man natürlich diesen Weg, den das Kind idealerweise gesucht hat. Gibt es bei dir auch so Momente, wo du denkst, „Oh, nicht schon wieder Fußball?“ 

00:29:17.540 

Mirco von Juterczenka: Bei dir? 

00:29:18.540 

Jason von Juterczenka: Bei mir? Nein. Bei dir nicht. 

00:29:20.740 

Raul Krauthausen: Und bei dir, Mirco? 

00:29:21.740 

Mirco von Juterczenka: Also nicht wirklich, wobei es halt auch im Umkehrschluss nicht so ist, das haben viele so ganz am Anfang unserer Geschichte immer gedacht, Da ist so der Papsi, der jetzt so seine Fußballträume mit dem Sohn versucht auszuleben. Also ich bin kein Hardcore-Fußballfan. Also kein Verein der Welt schafft es mir, das Wochenende zu versauen oder sowas. Ich durfte aber lernen, dass es ganz, ganz viele Menschen gibt, wo das ein so großer Lebensinhalt ist, dass es mich total beeindruckt hat. Ja, so auf Schalke dort Menschen zu sehen, wo du dachtest, bei denen zerbricht gerade das Leben, weil Schalke ein Tor gefangen hat oder so was. Das war schon sehr, sehr faszinierend. Ich kann mit dem Fußball auf ganz, ganz vielen Ebenen sehr, sehr viel anfangen, weil wir auch unglaublich viele sehr, sehr tolle Menschen kennengelernt haben, gerade so in den aktivistischen Fanszenen. Aber er ist natürlich schon auch, je höher die Ebenen sind, ein absolut perverses Geschäft, von dem wir wenig Gemeinsamkeiten oder Identifikationsmöglichkeiten sehen. Auch da ist ein sehr breites Spektrum, sagen wir es mal so. 

00:30:28.920 

Raul Krauthausen: Gleich geht’s weiter. Wenn Du diesen Podcast unterstützen möchtest, dann kannst Du das mit einem kleinen monatlichen Beitrag tun. Im Gegenzug kannst Du alle Folgen vorab hören und Du wirst, sofern Du das möchtest, hier im Podcast namentlich genannt. Alle Infos findest Du unter www.im-aufzug.de. Ende der Service-Durchsage. Viel Spaß beim zweiten Teil der Folge. 

00:30:57.480 

Raul Krauthausen: Das heißt erforscht ihr eigentlich Vereine oder seid ihr nicht eher Menschen-Touristen? Also da begegnen ja so viele Städte und Menschen. Also ich bin ein, da kann man gar nicht so drauf sagen, aber ich beobachte sehr gerne Menschen. Einfach so wie sie das machen, was sie machen. Das ist manchmal ein bisschen cringe, glaube ich für andere, aber ich finde es dann so, ich beobachte Leute einfach gerne. Und das ist ja bei euch wahrscheinlich um den Faktor 100 intensiver, weil ihr teilt mit denen diese eine Welt, in der sie sind, in der sie voll aufgehen. Männer, die anfangen zu weinen, also das sind ja auch Extreme. 

00:31:38.880 

Mirco von Juterczenka: Ja, also ich glaube wir haben da tatsächlich auch recht unterschiedliche Blickwinkel. Es wird ja auch versucht, das im Film so ein bisschen zu zeigen, dass Jason, wenn er ins Stadion kommt, erstmal so wirklich so ein bisschen schaut, okay, wie sieht das hier so aus? Gibt es Skurrilitäten? Was gibt es so für Vergleiche? Gibt es verrückte Werbebanden oder so? Ja, da gibt es total schöne Geschichten von irgendwelchen total verrückten Marketing-Kampagnen, die einfach völlig nach hinten losgegangen sind, irgendwie sowas. Das sind so Sachen, die ihn interessieren. Ich war tatsächlich immer derjenige, der, wenn wir in der Kurve irgendwo sind, einerseits versucht hat, sich so respektvoll zu verhalten, dass er sagt, naja, Wenn ich jetzt hier so stehe auf der BVB Südtribüne, dann ist das eigentlich das Wohnzimmer der schwarz-gelben Fanbase. Und eigentlich haben wir da gar nichts verloren, deswegen muss ich mich hier auch ein bisschen anders und vorsichtiger verhalten. Gleichzeitig guckt man aber natürlich schon so ein bisschen und sagt, okay, auch in der Fan-Kurve gibt es jemanden, der auf seinem Handy daddeln Candy Crush spielt und halt nicht im Fußballgeschehen voll drinne ist, weil er halt vielleicht das Spiel langweilig findet oder heute keinen Bock hat oder was auch immer. Also da bin ich glaube ich ein bisschen näher bei dir als bei meinem eigenen Sohn, der sich glaube ich weniger für Menschen dort interessiert, sondern eher so für das, was statisch immer da ist und sich dafür faszinieren kann, oder? 

00:32:58.520 

Jason von Juterczenka: Ja. 

00:32:59.020 

Raul Krauthausen: Also Stadien. 

00:32:59.720 

Jason von Juterczenka: Ja, genau. Ich finde Dinge oft interessanter irgendwie. Also die Anzeigetafel, wenn die irgendwie aus Holz besteht und noch manuell bedient wird, oder die Flutlichtmasten, wie sie in Babelsberg eingeknickt werden können nach Spielende, oder spezielle Eckballfahren. Das hat so irgendwie, ich weiß nicht, das interessiert mich dann sehr. 

00:33:19.960 

Raul Krauthausen: Wenn in so vielen Stadien warst, sammelst du dann auch Autogramme, so wie das, sagen wir mal, viele Teenager* innen leidenschaftlich tun würden? 

00:33:26.720 

Jason von Juterczenka: Keine Autogramme, weil mich die Spieler*innen nicht so wirklich interessieren. Also sie sind eigentlich… 

00:33:33.320 

Raul Krauthausen: Das darfst du aber nicht so laut sagen. 

00:33:35.080 

Jason von Juterczenka: Ja, also es ist tatsächlich so, ich kenne da auch gar nicht wirklich viele Spieler*innen. Also ich glaube, ich könnte jetzt keine 20 aktuellen Spieler aus der Herren-Bundesliga aufzählen. Weil, ich meine, die kommen und gehen ja in einem Verein und der Verein bleibt trotzdem der gleiche. Also können die Spielerinnen ja nicht die Personen sein, die diesen Verein wirklich ausmachen. Sonst wäre es ja alle paar Jahre ein ganz anderer Verein. Und dementsprechend kann es ja auch kein Bestandteil der Lieblingsvereinssuche sein, weil eine Entscheidung für einen Lieblingsverein sollte ja für ewig sein. Und wenn ich mich dann dort nach den Spieler*innen orientiere, dann kann sich das ja ständig ändern. Und die Dinge, die einen Verein ausmachen, sind diejenigen, die bleiben. Also die Fans zum Beispiel oder eben das Stadion oder die Geschichte. Und dementsprechend sind das auch die Kriterien für die Lieblingsvereinsuche. 

00:34:25.680 

Raul Krauthausen: Wollt ich gerade fragen, also Fans, Stadion, Geschichte, gibt es da? Also keine Ahnung, ich habe keine Ahnung von Fußball, ehrlich bin ich schon mal. Und ich hatte mal einen Mitbewohner, der leidenschaftlicher Fußballfan war und alle Mannschaften bis zur dritten Liga irgendwie auswendig konnte mit ihren Spieler*innen und genau wusste wer wann wo wie irgendeinen Transfer hatte. Der war aber so angenehm, dass er mir das nicht ständig auf die Nase gedrückt hat und es war auch nicht immer Thema, aber wenn er Fußball guckte, dann war das sein Ding. Und ich habe ihn dann irgendwann gefragt, sag mal, welche Mannschaft würdest du mir empfehlen, über die ich mich ein bisschen informieren sollte, damit ich in einem Gespräch, nach einer Veranstaltung oder so, fünf bis zehn Minuten überleben kann, ohne dass ich mich komplett zum Vollhorst mache, weil ich keine Ahnung vom Fußball habe. Also diese klassischen Stammtischgespräche. Und dann sagt er jetzt zu mir, na ja, bei dir wäre das jetzt „Eiserne Union“, würde ich jetzt mal sagen. Die haben das Stadion selber gebaut. Der Mannschaftarzt heißt „Hase“. Das Stadion ist mit Crowdfunding finanziert worden. Und die machen rund um Weihnachten immer so große Chorgesänge im Stadion. Das reicht. Damit kannst du fünf Minuten auf jeden Fall ein Gespräch überleben. Und das hat wirklich funktioniert. Ich habe trotzdem keine Ahnung von Fußball. Wenn ich jetzt also gefragt werde, welche Fußballmannschaften fallen dir ein, dann kommt natürlich immer Bayern München. Warum ist Bayern München für dich ausgeschlossen in deinem Lieblingsverein? 

00:35:52.680 

Jason von Juterczenka: Weil sie gleich mehrere Kriterien tatsächlich nicht erfüllt haben. Und da betrifft das einmal einen Spielerkreis, den sie gemacht haben, wo sich praktisch die Spieler berühren vor dem Spiel, wo wir also zu dem Zeitpunkt, wo wir da waren. Dann das Maskottchen. Maskottchen sind Tabu, also Plüschmaskottchen, weil als wir in Berlin waren bei Hertha BSC wollte mich Hetinho umarmen und ich musste vor Hetinho flüchten und seitdem sind Plüschmaskottchen Ausschlusskriterien und der sozial-ökologisch-politische weil Bayern München zu dem Zeitpunkt Sponsoren hatten, die ich für moralisch nicht in Ordnung halte und Verbindungen in Länder, in denen die Menschenrechtslage, die Frauenrechtslage inakzeptabel ist und auch das ist ein Ausschlusskriterium. Also dort ist es an drei Kriterien gescheitert. 

00:36:44.880 

Mirco von Juterczenka: Und daran, dass ich eine Verantwortung als Vater habe und ich definitiv nicht zehn Jahre durch die Weltgeschichte taddel, um dann daraus einen FC Bayern München-Fan zu machen. Also so viel Ehre und Anstand besitze ich dann doch noch das mit allen Mitteln zu verhindern. 

00:36:58.040 

Raul Krauthausen: Ja, da kannst du ja froh sein, dass du dir das selber auf die Erkenntnis gaben, dass es nicht der Lieblingsverein war. Und wie sieht es bei Eiserne Union aus? 

00:37:04.700 

Jason von Juterczenka: Union Berlin war es tatsächlich schon deutlich knapper. Und ich glaube, hier ist es tatsächlich nur am Spielerkreis gescheitert. 

00:37:11.820 

Mirco von Juterczenka: Maskottchen. 

00:37:12.320 

Jason von Juterczenka: Maskottchen auch? Stimmt, der Ritter, ne? 

00:37:14.820 

Mirco von Juterczenka: Ja. 

00:37:15.320 

Jason von Juterczenka: Richtig, der Ritter. Ja, dann waren zwei Kriterien leider. Aber die Anzeigetafel der Union, das ganze Stadion, das war definitiv ein riesiger Pluspunkt. Aber zwei Kriterien oder auch nur ein Kriterium und schon ist der Verein raus. 

00:37:28.660 

Raul Krauthausen: Zu den Regeln und wie sie entstehen, da kommen wir vielleicht gleich noch zu. Lassen wir doch mal kurz über diesen Kinofilm reden, der jetzt in die Kinos kommt. Ich frag mich immer, wie ist das eigentlich, wenn das eigene Leben mehr oder weniger verfilmt wird? Ist das irgendwie aufregend oder seid ihr ehrfürchtig demgegenüber? Ist das einfach passiert? 

00:37:50.580 

Jason von Juterczenka: Das ist auf jeden Fall erstmal cool, weil ich würde sagen, meine, also diese Fragen, wie fühlt sich etwas an? Das ist für mich immer etwas schwierig in Worte zu fassen. Oft sind das sehr einsilbige Antworten, irgendwie wenn mich jemand fragt, ist das halt entweder gut oder ist das schlecht oder ist das so mittel? Und das ist natürlich, also dort ist die Antwort, das ist sehr gut, das ist ein sehr schönes Gefühl. Natürlich Ehrfurcht hast du erwähnt, das tatsächlich auch ein bisschen. Also ich spüre eine sehr große Verantwortung wenn eben sehr viele Menschen das sehen und wenn damit eine gewisse Reichweite einhergeht, dann spüre ich die Verantwortung dafür, dass die Themen, die dort angerissen werden, dass uns da auch wirklich keine Fehler passieren, sondern dass wir dort niemanden mit Schaden, sondern vielleicht eher helfen, das kommt sicherlich noch dazu. Aber in erster Linie ist es einfach ein sehr, sehr positives Gefühl. 

00:38:38.180 

Raul Krauthausen: Und gibt es etwas, wovor du Angst hast?

00:38:40.180 

Jason von Juterczenka: Jetzt nicht mehr. Also im Entstehungsprozess ja, sogar mehrere Dinge, aber die sind alle ausgeräumt. 

00:38:46.180 

Raul Krauthausen: Was war das zum Beispiel? 

00:38:47.580 

Jason von Juterczenka: Ich hatte bevor die Besetzung bekanntgegeben wurde, sehr lange Angst davor, dass es nicht gelingen wird, mich richtig zu spielen, also mein Verhalten zu spielen, weil ich mir das nicht vorstellen konnte und ich sah dort sehr leicht die Gefahr, dass das, wenn ja praktisch eine neurotypische Person autistisches Verhalten spielt, dass das irgendwie ins Lächerliche gezogen werden könnte. Das war eine sehr große Gefahr, die ich gesehen habe, bevor ich sehr große Angst hatte. Oder eben auch das fachliche Fehler im Umgang mit Autismus passieren. Ich hab da wirklich sehr drauf geachtet und hab, hier war das sehr wichtig, hab sehr Priorität drauf gelegt, dass ich dort in dem Fall dann eben einschreite oder es erkläre, um dort sicherzustellen, dass dort nichts passiert und ich denke, das ist auch gelungen. Aber es wäre natürlich eine riesige Katastrophe gewesen, wenn ein Film, der diese Verantwortung trägt und der auch diese Reichweite hat, den so viele Menschen sehen und der die Chance hat, ja wirklich etwas für die autistische Gemeinschaft zu tun, wenn der dann dort natürlich Schaden angerichtet hätte, das wäre schwierig zu verzeihen gewesen. Aber das ist zum Glück alles nicht passiert. 

00:39:48.620 

Raul Krauthausen: Warst du bei dem Cast-Casting beteiligt? 

00:39:50.620 

Jason von Juterczenka: Also am Casting selbst war ich nicht beteiligt, aber ich habe die, also ich habe Aufnahmen von dem Casting gesehen und als ich dort den Schauspieler gesehen habe, der es tatsächlich geworden ist, Cecilio, war eigentlich sofort klar, dass er es werden muss und das habe ich dann auch den Verantwortlichen im Feedback gemeldet, dass das perfekt passt, dass diese die diese Szene so authentisch und so realitätsgetreu war. Das Casting, was ich gesehen habe, war von einer Szene, die tatsächlich eins zu eins übernommen wurde, die so wie sie im Film ist, tatsächlich stattgefunden hat. Und es war eine Konfliktsituation zwischen uns beiden. Und es war tatsächlich so, dass ich wieder wütend auf Papsi war, als ich diese Szene gesehen habe, weil sie so realitätsgetreu war. Und die Szene war über zehn Jahre her, und es kam trotzdem wieder hoch. 

00:40:34.740 

Raul Krauthausen: Und wie ist das bei dir, Marco? Fühlst du dich gut repräsentiert durch Florian? Fitz? 

00:40:40.060 

Mirco von Juterczenka: Ja meine ich hatte das letzte Woche glaube ich schon mal in einem anderen Format gesagt dass meine Frau natürlich über das optische upgrade welches sie in dem Film im Film bekommt nicht nicht traurig ist insgesamt aber es war auch tatsächlich so dass ich sehr früh. Für meine Besetzung keine großen Vorstellungen hatte wir haben zusammen mit dem Richard Kropf hatten wir. ein, zwei Namen abgestimmt, wo ich gesagt habe, das muss nicht sein. Also das wäre wirklich nicht schön, wenn der es wird. Ansonsten war ich da bei mir immer sehr, sehr offen. 

00:41:13.000 

Raul Krauthausen: Richard Kropf war der Autor, ne? 

00:41:14.680 

Mirco von Juterczenka: Richard Kropf, genau, ist der Drehbuchautor, der sich, mit dem wir quasi die Erstgespräche hatten und gemeinsam, also nicht gemeinsam das Drehbuch geschrieben haben, aber schon ein Drehbuch auf Basis der Filmvorlage gespickt mit vielen, vielen zusätzlichen Informationen von Jason hauptsächlich, aber auch von mir. Und deswegen hatte ich da auch sehr, sehr früh ein Vertrauen, dass das mit dem Film gut wird. Wir konnten halt nie einschätzen so, wie klappt das mit der Rollenbesetzung Jason, weil wir halt wussten, ah, wir haben die Herausforderung, wir müssen fünf, sechs oder sieben Jahre erzählen in 90 Minuten und das dann wiederum zeitlich verdichtet, dass das eigentlich in einem halben Jahr stattfindet. Das war also so eine große Sorge und da war immer der Fokus, wir brauchen eine gute Besetzung für Jason und da ist mit mit mit Cito Andresen einfach ein absoluter Jackpot, ein absoluter Knüller. Wir waren gestern bei der Familie, wir sind gestern Abend hier in Berlin angekommen, haben wir die Familie besucht, die ganze Familie ist ganz fantastisch, wir fühlen uns denen sehr verbunden, der Junge ist Granate und spielt halt zusätzlich den Jason noch ganz fantastisch und der hätte tausend andere Möglichkeiten gehabt und er hat immer nur gesagt, wenn ich das spiele, kann ich dann den Jason kennenlernen. Das war so sein Antrieb insgesamt. 

00:42:32.440 

Raul Krauthausen: Das heißt, ihr habt euch nie kennengelernt, oder wie? Also jetzt erst vor kurzem? 

00:42:36.680 

Mirco von Juterczenka: Ne, wir haben erst das Casting, durch die Castingszenen den Cito kennengelernt. 

00:42:42.600 

Raul Krauthausen: Okay, da habt ihr ihn kennengelernt. 

00:42:44.240 

Mirco von Juterczenka: Da haben wir ihn kennengelernt oder gesehen quasi und haben gesagt, rein schauspielerisch sagen wir, jawohl, der ist es, der oder keiner. Und haben ihn dann bei den Dreharbeiten kennengelernt. Wir waren ja selber bei Dreharbeiten vor Ort, da haben wir ihn dann persönlich kennengelernt und auch die Mama zumindest schon mal kennengelernt. 

00:43:01.600 

Raul Krauthausen: Und dann auch Briefings gegeben oder nochmal Tipps? 

00:43:05.600 

Mirco von Juterczenka: Die hatte der gar nicht so in ganz großem Umfang notwendig, weil wir haben sehr früh so in Kontext Autismus gesagt, Jungs und Mädels vom Set, von der Produktion durch alle Ebenen hinweg, haben wir mit einer großen Dropbox gefüttert. In dieser Dropbox waren einfach einmal Bild- und Videomaterial von 10 Jahren Wochenendrebellen, was wir so aufgenommen haben, aber auch Kontakte, Ansprechpartner, Blogs, Bücher. Ich glaube, es gibt in der Produktion und im Drehbuch und Co-Team niemanden, der nicht die Schattenspringer-Reihe gelesen hat, weil ich gesagt habe, wer sehr schnell, sehr einfach Zugang zum Thema Autismus haben möchte, ohne sich durch wissenschaftliches Fachmaterial kämpfen zu müssen, der kann da schon mal unglaublich viel mitnehmen. Viel, viel mehr als im Buch „Wochendrebellen“. „Wir Wochenendrebellen“ ist kein Buch über autistische Aufklärung oder irgendwie sowas. Das ist eher eine Randthematik. Aber „Schattenspringer“ von Daniela Schreiter ist da natürlich Gold wert. Alexander Knauerhase mit   seinem Buch ist dort unglaublich wichtig gewesen. Aber auch viele kleinere Blogs auch im internationalen Bereich, wo wir gesagt haben, da kann man gut recherchieren. Wir haben natürlich Mela Eckenfelds ins Spiel gebracht, wo wir gesagt haben, das sind so Menschen, denen wir nahestehen und wo, wenn ihr Fragen zum Thema Autismus allgemein habt, ihr immer davon ausgehen könnt, wenn Mela oder Alexander sagen, das ist eher so und so, dann machen wir da einen Haken dran und dann ist das für uns auch in Ordnung. 

00:44:32.920 

Raul Krauthausen: Und wurden die dafür auch bezahlt, dass sie Tipps gegeben haben? 

00:44:35.960 

Mirco von Juterczenka: Das kann ich nicht hundertprozentig sagen, wer, wie, wo, wann, in welchem Umfang dann tatsächlich einen Beitrag leisten konnte und leisten durfte. Das können wir nicht sagen. Wir waren letztendlich die, die Empfehlungen abgegeben haben und am Schluss das Ergebnis präsentiert bekommen haben. Und mit dem Ergebnis waren wir so zufrieden, dass sich A. davon ausgehe, dass sie da mit dran beteiligt waren. Aber wir standen da zu diesem Zeitpunkt nie direkt im persönlichen Kontakt. 

00:45:02.960 

Raul Krauthausen: Und es wird ja, wie immer, Leute geben, die das trotz kritisieren, dass Jason nicht von einer autistischen Person gespielt wird und wurde. Wie plant ihr dann darauf zu reagieren oder damit umzugehen? 

00:45:18.960 

Mirco von Juterczenka: Wir haben uns da im Detail, also ich zumindest, ich weiß nicht, ob es dir da anders geht, noch keine großen Gedanken gemacht, weil ich erstmal im Gesamtpaket glaube, dass was Jason gerade gesagt hat, dass diese große Verantwortung, die schon damit einhergeht, die ist ja trotzdem, hängt die ja erstmal dran an einem Film, der in erster Linie der Unterhaltung dienen soll. Gerade diese Gradwanderung ist ja immer besonders schwierig. Da sitzen halt nicht eine Produktionsfirma, die sagt, Mensch, wir machen jetzt mit euch einen tollen Aufklärungsfilm zum Thema Autismus, sondern das ist erstmal knallhartes Business. Die wollen einen Film machen, der erfolgreich ist irgendwo. diese diese Gradwanderung zu begehen, die ist uns glaube ich in ganz ganz vielen Situationen sehr sehr sehr gut gelungen, so dass natürlich die die die die Cast Situation, wenn das jetzt noch wirklich jemand aus dem Spektrum gewesen wäre, ganz fantastisch gewesen wäre. Aber in Anbetracht von Jason Zweifeln war das auch immer etwas, sowohl Mark Rotemund als auch in Richard Kropf als auch Leonhein gesagt haben, wir gucken, wen wir so was wie wo finden und wir schildern euch dann die Auswahl. Und dann hatten wir da ein entsprechendes Mitspracherecht. Und als Jason Cito gesehen hat, hat er unabhängig von seiner persönlichen, von der persönlichen Persönlichkeit, die dahintersteckt, gesagt, der muss es sein, der macht das einfach unglaublich gut. Sodass ich da, glaube ich, schon auch oder dass wir das verargumentiert bekommen. Das denke ich schon. 

00:46:48.280 

Raul Krauthausen: Jason, wie entstand denn überhaupt der Kontakt zu dem Drehbuchautor Richard Kropf? 

00:46:53.080 

Jason von Juterczenka: Das hat er mir tatsächlich erzählt. Das ist etwas ironisch, dass die Geschichte unserer Zusammenarbeit letztlich begann tatsächlich auf einem Flughafen. Also einem Ort, wo wir eigentlich nicht anzutreffen sind. Aber Richard hat dort in einer Buchhandlung unser Buch gesehen, hat es gelesen und war dann nach dem Lesen überzeugt, dass das Kino-Material ist und dass er daraus einen Film machen möchte. Dann hat er Kontakt zu uns aufgenommen und wir haben uns getroffen in Berlin und haben ein Gespräch geführt. Er hat mir ein Stadionquartett geschenkt und damit war mehr oder weniger das Eis gebrochen. Nach dem Gespräch und den Dingen, worüber wir letztlich gesprochen haben, war für mich eigentlich klar, dass ich es cool finde, wenn er das macht und dass ich ihm vertraue. Und das wurde dann letztlich immer wieder in unserer Zusammenarbeit bestätigt, weil er mich eben immer wieder angeschrieben hat. Er hat immer wieder mich kontaktiert und gefragt und hat auch alles, was ich dann gesagt habe, auch dankend hingenommen und ernst genommen. Und da wurde letztlich der erste Eindruck, also ich hab, mein erster Eindruck von Personen ist immer schwierig, weil ich ihn gar nicht so wirklich habe, sondern der baut sich immer so ein bisschen auf. Aber dort die Ahnung, die ich dort hatte, dass ich Richard eigentlich direkt vertraut habe, als wir uns kennengelernt haben, die hat sich bestätigt. Und auf diese Weise haben wir ihn eben kennengelernt hier in Berlin und haben uns dann auch öfter getroffen und standen immer per Mail in Kontakt, um letztlich auch am Drehbuch dann an der Entstehung des Drehbuchs mitzuhelfen. 

00:48:26.760 

Raul Krauthausen: Wer selbst neugierig geworden ist, wir verlosen 2×2 Freikarten für den Kinofilm Wochenendrebellen. Melde dich einfach bei uns unter aufzug@showonline.media. Die Adresse findet ihr auch in den Show Notes. 

00:48:46.080 

Raul Krauthausen: Gibt es etwas, was Ihr mit diesem Film am Erwarten verknüpft? 

00:48:53.240 

Jason von Juterczenka: Ja, ich verknüpfe erstmal… Also ich bin erst mal ziemlich sicher, dass dieser Film ein Erfolg wird und dass ihn viele Menschen sehen werden. Das ist, glaub ich, erstmal meine erste Erwartung. Und ich denke, die Erwartung, die ich eigentlich von vorn an irgendwie auch schon hatte, war dann eben, dass er der autistischen Gemeinschaft eigentlich eher nützt als schadet, sodass er einen positiven Beitrag dazu leistet und dass dann eben die autistische Perspektive in diesem Film auch so rüberkommt, dass die Menschen, die den Film gesehen haben, empathischer handeln können danach. Und dass das dann vielleicht eben auch Autist*innen hilft. Das ist eigentlich die Hoffnung und auch die Erwartung, die ich damit irgendwie verknüpfe, weil wenn der Film viele Menschen sieht, also viele Menschen erreicht, und wenn die Menschen, die den Film schauen, ihn auch verstehen, dann ist das meiner Meinung nach eigentlich relativ garantiert. Und darüber hinaus soll der Film natürlich die Menschen unterhalten. Also er soll sie glücklich machen. Er soll… Es hat absolut nichts mit irgendwie Mitleid oder Betroffenheit zu tun. Das wird auch absolut klar. Dieser Eindruck kann eigentlich nicht entstehen, wenn man diesen Film sieht. Das sind die Erwartungen, die ich mit verknüpfe und was dann alles noch daraus entsteht. Also ich habe noch viele, viele Ideen für weitere Projekte in den nächsten Jahren. Das schauen wir dann zu gegebener Zeit. 

00:50:06.440 

Raul Krauthausen: Okay, ich merke schon, da passiert was, aber du darfst noch nicht drüber reden. 

00:50:10.160 

Jason von Juterczenka: Es gibt nichts, worüber ich definitiv nicht reden darf, aber es wird wahrscheinlich erst in den nächsten Monaten einiges

konkretisiert. Mal schauen. 

00:50:16.560 

Raul Krauthausen: Okay. Gibt es denn etwas, was ihr trotzdem anders gemacht hättet? 

00:50:20.160 

Mirco von Juterczenka: Hm. Mir würde da… Ja, also natürlich… Also Filmmusik ist zum Beispiel so ein Thema. Ja, also Filmmusik ist für mich unglaublich wichtig und trotzdem projiziert man dann auch immer so seine persönlichen Musikvorlieben vielleicht da so rein, wir haben uns da vorhin so auf dem Weg hierher so ein bisschen drüber unterhalten und da wäre das ganze sicherlich in der filmischen Begleitung etwas etwas rockiger, etwas punk rockiger geworden, weil das so die Musik ist, die wir so gerne hören. Das ist natürlich in so einem unterhaltenen Familienfilm aber völlig surreal und auch nicht nicht umsetzbar. Deswegen wäre es jetzt auch kein klassischer Punkt, wo ich sagen würde, das würde ich anders machen. Es gibt in der in der Verkörperung meiner Figur gibt es ein oder zwei Sätze, wo ich sage, mit denen bin ich nicht 100% fein oder ich bin mit denen fein, weil ich verstehe, dass es die aus filmdramaturgischen Gründen braucht, die ich aber, wo ich aber vielleicht sagen würde, die hätte ich glaube ich so nicht gesagt oder das kann ich mir nicht vorstellen, dass wir in eine Situation kommen würden, wo ich das so sage insgesamt. Die würde ich nicht anders machen, sondern auch diese Situationen sind oder diese Aussagen sind alle mit uns abgestimmt, weil sie vielleicht dazu dienten, eine andere Filmsituation zu verhindern, wo ich sage, nee, das geht vielleicht gar nicht. Also ist ein bisschen schwieriger zu erklären, aber wir haben da durch den Anspruch, den wir hatten im Kontext Autismus, war es sowohl für die Produktion als auch für Mark Rotemund auch zum Teil nicht so einfach insgesamt, weil wir dann gesagt haben, ja Moment mal, also den Handlungsstrang, ihr da habt, das geht ja gar nicht, weil Jason hat doch am Anfang des Films das und das versprochen, also kann er doch nicht am Ende das Versprechen hier an der Stelle, bricht er ja das Versprechen, das passt ja gar nicht zusammen. Also so diese Situation und was wir halt definitiv verhindern wollten, das war auch lange meine große Angst, waren halt große schwere Filme, Fehler im Kontext Autismus, wo man vielleicht dann auch so in, also diese klassische Rainman-Situation, dass jeder in in jedem Autisten nur noch einen Jason zukünftig sieht und Eltern vielleicht sogar auf die glorreiche Idee kommen zu sagen, ja super, dann fahre ich jetzt mit meinem autistischen Kind ins Stadion und alles wird gut. Also so platt, so plakativ, dass es so werden könnte, war früh klar, dass es das nicht wird, eine Angst, die am Anfang irgendwo so ein bisschen da war. Aber das Ergebnis jetzt ist eins, wo wir uns zu 100 Prozent identifizieren können. Das sind wir. Und von daher würde ich auch gar nichts Großes ändern an dem Film. 

00:52:55.280 

Raul Krauthausen: Gibt es etwas, was ihr über euch gelernt habt in der Beziehung zueinander? Weil wenn man so ein Buch schreibt oder einen Blog gemeinsam über die Jahre macht und das dann auch noch verfilmt wird, da kommen dann Leute von außen auf euch zu und stellen dann nochmal Fragen, über die ihr vielleicht so noch gar nicht nachgedacht habt. 

00:53:13.640 

Mirco von Juterczenka: Also bei mir ist das sehr, sehr häufig tatsächlich so diese Situation nach der, das was du davon sagst, die Frage unserer Beziehung, die hatte ich bis bisher immer eigentlich oder all die Jahre immer als „normal“ in Anführungszeichen, wie man das immer so schön sagt. Von daher, da habe ich gelernt, dass das vielleicht doch ungewöhnlich ist und ist eins der Themen, die wir versuchen. Wir haben ja das erste Buch nicht paritätisch geschrieben, da hat Jason die Einleitung und das Ende geschrieben, Das heißt, er rahmt meine Erzählung ein, weil er halt aber auch zu dem Zeitpunkt erst elf, zwölf Jahre war, als ich angefangen habe, das zu schreiben. Wir haben jetzt ein Buch geschrieben, da ist paritätische Verteilung angesagt, wo es also auch dialogisch ganz anders zur Sache geht, sage ich mal vorsichtig. Sodass wir in dem Buchprozess tatsächlich sehr, sehr viel gelernt haben, weil Jason, wie schon gesagt, unfassbar brutal ehrlich ist und er in dem neuen Buch auch ganz konkrete Vorwürfe zum Beispiel gegen mich oder auch gegen andere Familienmitglieder erhebt, wo ich sage, über die hatte ich bis zu dem Zeitpunkt gar nicht nachgedacht. 

00:54:23.860 

Raul Krauthausen: Hätte ich das mal früher gewusst. 

00:54:26.260 

Mirco von Juterczenka: Ja, also so dieses, dieses, dieses, ich bin ja auch in diese ganze Wochenendrebellengeschichte eher so reingeraten, ja, das ist ein Versprechen gewesen, aber das war ein Versprechen auf der Rückbank im Auto nachts um halb zwölf an einen siebenjährigen, wo ich nicht dachte, das würde mich jetzt noch 15 Jahre beschäftigen insgesamt. Also diese Nachhaltigkeit, die war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar. Bin aber dann reingegangen eigentlich in die Situation, dass ich sage, so in meiner Rolle als Vater versuche ich ihm was beizubringen, ihm irgendwas mitzugeben. Letztendlich ist es, glaube ich, jetzt so eine Situation 50/50. Ich glaube, ich habe genauso viel von Jason gelernt wie er von mir. Er würde wahrscheinlich sogar sagen, ich hätte mehr von ihm gelernt. Kann auch sein. Aber das ist schon sehr ausgeglichen. Schon halt auch irgendwo immer chaotisch, aber auf Augenhöhe. 

00:55:17.540 

Raul Krauthausen: Das finde ich total interessant, dass du das aufgreifst. Du hast also diese Entscheidung, nachts um halb 12 im Auto, auf der Rückbank einem 7-Jährigen diese Versprechen gegeben. Ich will nicht fragen, ob du die Entscheidung bereust, sondern ich würde eher so was fragen wie, was für eine Entscheidung hättest du cooler gefunden, von dem du sagen wir mal 15 Jahre später sagen würdest, ja geil, gut, dass ich das gesagt habe. Oder ist das sogar diese Versprechen? 

00:55:44.060 

Mirco von Juterczenka: Also ich bereue dieses Versprechen oder ich habe dieses Versprechen, gibt es immer wieder Momente, die ich bereut habe. So wie auch bei vielen anderen Versprechen im Anschluss auch. Aber das ist mit Abstand das Außergewöhnlichste, was wir auch irgendwo so an gemeinsam haben. So dieser ganze wissenschaftliche Komplex, der dazugekommen ist. Da habe ich überhaupt keine Ahnung von. Das ist auch für mich eher schwer gewesen, plötzlich zu sehen, wie er im Forschungszentrum andere Menschen, zu denen er aufblickt, weil die ein wissenschaftliches Know-how oder ein wissenschaftliches Wissen haben, zu mir wird ja nicht aufgeblickt als Vater. Ich bin der, der das Problem lösen muss oder so in den sonstigen Situationen. Aber es ist nicht so, dass ich das A. brauche oder dass ich das Gefühl habe, dass Jason häufig zu mir aufblickt in irgendeiner Art und Weise, sondern das ist schon immer so  schon immer in sehr, sehr frühen Jahren immer so eine einforderte Gleichberechtigung gewesen, völlig unabhängig vom Alter, völlig unabhängig von einer sozialen Situation, soziales Umfeld. Das hat mich schon beeindruckt und vor allem für die, wie gut es funktioniert hat. Das hat mich beeindruckt am meisten. 

00:56:51.240 

Raul Krauthausen: Das führt mich direkt zu der Frage an Dich Jason, über Menschen im Autismus-Spektrum hört man ja häufiger, dass sie den Umgang mit großen Menschenmengen, den sozialen Kontakt oft eher herausfordernd empfinden. Jetzt ist quasi ein Fußballstadion ein Ort, wo sie nur dann Sinn machen, wenn sie voll sind. Ist das quasi für dich eine „Jetzt erst recht“-Challenge gewesen oder… Ich würde es total verstehen, wenn du sagst, Fußball ist überhaupt nicht meins, aber du machst jetzt seit  15 Jahren, 12 Jahren nichts anderes als Stadien besuchen. 

00:57:31.840 

Jason von Juterczenka: Es ist tatsächlich keine Challenge, weil ich suche ehrlich gesagt keine Challenge, um mich in irgendeiner Form, um etwas Unangenehmes zu schaffen, sondern ich versuche dann es zu vermeiden. Aber der Beginn unserer Reisen war letztlich mehr oder weniger meine Neugier. Also ich bin extrem neugierig. Ich will immer wenn irgendwie zwei Menschen sprechen, will ich wissen worum es gerade geht und wenn dann mein Papa und mein Opa zusammen ins Stadion fahren, dann wollte ich natürlich mit, weil ich wusste nicht wie es da drin aussieht. Ich hatte keine Ahnung. Ich war extrem neugierig und also wollte ich mit. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass da, also Papsi hat mir zwar gesagt, dass es voll und laut und eng ist, aber ich will jetzt auf jeden Fall erstmal mit. Und dann, als ich eben dort war, hat man die Neugierde nicht aufgehört und ich hab mich gefragt, was sind die Menschen mit den Fahnen und den Gesängen und den bunten Farben? Und ich wollte das irgendwie auch, ich wollte dann auch Fan sein. Und es ist absolut nicht so, nicht damit, dass dieses Missverständnis auftaucht, was tatsächlich auch schon oft genug passiert ist, dass mich im Stadion dann Enge und Geräusche nicht mehr stören. Also der Autismus ist im Stadion ja nicht weg, es ist eigentlich noch alles genauso wie sonst immer auch. Das ganze belastet mich genauso sehr und wie gesagt, Autismus kann dadurch ja nicht geheilt werden, also das ist Quatsch. Sondern es ist dann tatsächlich ein Abwägungsprozess. Ich weiß, dort stößt das auf mich, am Einlass werde ich abgetastet und es kann jederzeit passieren, dass es plötzlich sehr laut wird bei einem Tor. Und das alles ist dann auf der Kontra-Seite für mich eher. Und dann gibt es aber eben diese Sachen auf der Pro-Seite. Und wenn zu mir die Pro-Seite überwiegt, dann entscheide ich mich dafür, das Ganze anzugehen. 

00:59:10.040 

Raul Krauthausen: Und dann nimmst Du das quasi in Kauf? 

00:59:11.720 

Jason von Juterczenka: Dann nehme ich das in Kauf und so ist es im Stadion. 

00:59:13.840 

Raul Krauthausen: Mhm. Das finde ich total interessant. Und was ich sehr angenehm finde, weil das machen, glaube ich, viele Leute, die ihr Leben verfilmen oder das Thema Behinderung aufgreifen in dem Film, ganz oft das dann mit dem Wort „Aufklärung“ begründen. Also ja, wir klären da die Zuschauer*innen auf und so weiter. Und ich als Aktivist für Inklusion und Barrierefreiheit, der seit fast 20 Jahren in diesem Thema unterwegs ist, bin zu der, mehr oder wenige, ernüchternden Erkenntnis gekommen, dass die Aufklärung gar nicht das Problem ist. Wir können gar nicht alle aufklären. Wir werden nie fertig sein mit Aufklärung. Wir müssen eigentlich eher dafür sorgen, dass niemand mehr ausgeschlossen wird. Und das macht man wahrscheinlich am ehesten mit Infrastruktur, mit Gesetzen, mit Regeln, mit Unterstützung und so weiter. Dass ich es sehr angenehm fand, dass ihr gesagt habt, ihr wollt mir diesen Film gar nicht aufklären und auch nicht den Wahrheitsanspruch haben, so ist es mit Autismus zu leben, sondern eben auch eine Art Familienunterhaltungsfilm zu machen, der aber trotzdem authentisch ist. 

01:00:21.720 

Mirco von Juterczenka: Ja und der sich halt trotzdem an gewisse Regeln, die wir haben, wo wir sagen, das darf, also es darf halt auch hinsichtlich der Interpretation nicht in die Situation kommen, dass, ich kann es nur immer wieder wiederholen, diese klassische Rain-Man-Situation, dass man bei Autismus dann immer so dieses Bild vor Augen hat. Das war uns schon wichtig, dass wir darauf achten, dass dort keine Fehler passieren. Da war insbesondere Jason sehr, sehr viel hinterher. Das ist natürlich schwierig. Es gibt gleich ganz am Anfang eine Filmszene, die sehr nah an der Realität ist, die aber leicht verändert werden musste, weil es drehtechnisch gar nicht ging, die dadurch aber so ein bisschen diesen Ursprungsansatz verliert, warum ist das eigentlich ein Problem für Jason oder so. Ja, es gibt so eine, kommt im Trailer auch vor, deswegen kann man darüber sprechen, eine Szene, da sitzt eine ältere Dame an einer Bushaltestelle auf einem Platz und Jason wird sehr laut und auch ein bisschen aggressiv, weil die Dame  halt auf seinem Lieblingsplatz sitzt insgesamt und er eigentlich genau dort sitzen müsste. In der Realität war das ein Platz im Bus, also nicht an einer Bushaltestelle, sondern im Bus selbst. Und da haben wir natürlich erstmal eine andere Ausgangslage so ein bisschen, denn im Bus gibt’s zusätzlich für Jason die Regel, dass man sagt, okay, man muss im Bus sitzen, man darf dort nicht stehen und ich habe dort meinen Platz und wenn der besetzt ist, habe ich ein Problem. An einer Bushaltestelle würde er nie eine alte Dame aggressiv angehen, sondern er würde sagen, naja, dann setze ich mich halt nicht, sondern ich stelle mich halt irgendwo hingegebenenfalls, weil es so diese Lieblingsplatzsituationen nicht gibt. Also diese Gradwanderungen insgesamt, die alle so hinzubekommen, dass man dann am Schluss einen Film sieht und sagt, okay, wir können auch nachvollziehen, warum verhält sich Jason an welcher Stelle  so, bzw. uns ist dann ja zusätzlich auch wichtig, dass der Film Jason im Film selber Eskalationen später auch nochmal erklärt, dass er erklärt, was ist in seinem Kopf passiert, warum, wieso, weshalb, warum habe ich so reagiert. Das waren so Sachen, wo wir sagen, gar nicht wegen dem aufklärerischen Anspruch grundsätzlich, um allen zu erklären, wie ist es im Spektrum zu leben, das geht ja auch gar nicht. Aber um zu erklären, warum hat Jason eigentlich so gehandelt, warum hat er sich an der und der Stelle so verhalten, da die Zuschauer mit nicht zu vielen Fragen dort rausgehen zu lassen. Das war schon ein Anspruch, den wir hatten, der aber auch fantastisch erfüllt wurde. 

01:02:46.080 

Jason von Juterczenka: Aber falls doch noch welche übrig sind und ihr euch fragt, war das tatsächlich in der Realität so in dieser Szene, inwiefern wurde die vielleicht abgewandelt oder wieso war das so, dann könnt ihr mir auch gerne schreiben, nachdem ihr den Film gesehen habt, und dann werde ich sagen, wie das tatsächlich war und warum. 

01:03:01.080 

Raul Krauthausen: Das sagst du noch. Irgendwann werden so viele Mails sein, ich kann es ja nicht mehr bearbeiten. 

01:03:05.080 

Jason von Juterczenka: Mal schauen. Ich glaube, so viele Fragen werden es nicht sein. 

01:03:08.080 

Mirco von Juterczenka: Man wird kaum Szenen im Film finden, die jetzt so gar keinen Bezug zu uns haben. Die gibt es tatsächlich nicht. Ich denke, das kriegt man hin. 

01:03:18.080 

Raul Krauthausen: Und erzähl mir mal kurz aus deiner Schulzeit, Jason wie bist du eingeschult worden, zur Schule gegangen?

01:03:25.080 

Jason von Juterczenka: Ich komme jetzt in die 13. Klasse.

01:03:30.080 

Raul Krauthausen: Okay, du bist noch in der Schule. 

01:03:31.080 

Jason von Juterczenka: Richtig. Und ich bin eigentlich auch in der Regelschule gegangen. Ich bin bis zur 4. Klasse auf eine Grundschule gegangen mit Schulassistenz. Trotzdem waren die 4 Jahre Grundschule die die härtesten würde ich sagen, also die unangenehmsten. Dann bin ich auf den Gymnasialszweig einer Gesamtschule gegangen bis zur 10. Klasse, hatte dort dann in der 9. und 10. Klasse große Probleme mit einigen Mitschülern aus der rechtsextremen Szene, so dass ich dann nach der 10. Klasse gewechselt bin auf eine andere Schule und dort jetzt mein Abitur mache. 

01:04:02.280 

Raul Krauthausen: Und würdest du jetzt abgesehen von den rechtsextremen Schüler*innen sagen, dass deine Schulzeit, was Unterstützungsleistung anging und so weiter ausreichend war oder was würdest du dir vom Schulsystem wünschen? 

01:04:15.700 

Jason von Juterczenka: Ich würde sagen jaein, also von den, was die Lehrer*innen angeht, kann ich mich tatsächlich sehr wenig beschweren.

01:04:24.100 

Raul Krauthausen: Hört man auch selten. 

01:04:25.060 

Jason von Juterczenka: Ja, aber da hatte ich tatsächlich eigentlich durchgehend sehr großes Glück. Ich hatte in der bis zur vierten Klasse wie gesagt eine Schulassistenz. Da wären vielleicht tatsächlich die paar Dinge, die ich mir wünschen würde, weil dort dann einfach oft mit mir diskutiert wurde plötzlich, dass ich ja praktisch, wenn ich nach dem Sportunterricht meine Schnürsenkel, also meine Schuhe nicht rechtzeitig gebunden kriege und zu lange mit dem Umziehen brauche, dann soll meine Mama mich nicht von der Schule abholen, sondern dann muss ich halt länger bleiben, weil ich es ja lernen muss. Das ist einfach völliger Quatsch, als ob ich Bock darauf hätte, länger in dieser heißen Umkleide zu bleiben, aber ich habe halt meine Schuhe nicht zugekriegt und habe es dann nicht in den Bus geschafft. Und dass man dann denkt, nicht mit irgendwelchen Disziplinarmaßnahmen, das ist halt Quatsch. Aber das sind relativ, also im Vergleich sind das Kleinigkeiten. Auf der weiterführenden Schule hat sich eine sehr, sehr tolle Klassenlehrerin. 

01:05:15.080 

Raul Krauthausen: Aber keine Assistenz mehr? 

01:05:16.360 

Jason von Juterczenka: Nein, keine Assistenz mehr. War dann tatsächlich aber auch nicht mehr wirklich nötig, weil sich meine Klassenlehrerin eben komplett in dieses Thema eingelesen hat und dann tatsächlich eben, da ist zwar das Tolle, nicht mit mir diskutiert, hat sich nicht hinterfragt, warum ist das jetzt nötig, warum brauchst du das, sondern sie hat meine Aussagen so für voll genommen und hat sich dann darum gekümmert, zusammen mit meinen Eltern, mit mir, mit meiner Therapeutin, das so umzusetzen, wie ich es brauche. Und wenn ich damit zufrieden bin, wenn ich damit glücklich bin, dann ist das der Maßstab und das war wirklich sehr toll. Die Schüler*innen waren auf der weiterführenden Schule ein Problem, ganz klar. Wogegen aber auch die Lehrer*innen nur bedingt was tun können. Ja, und was ich mir vom Schulsystem dann wünschen würde, ist dann ja praktisch nichts an die Schüler*innen gerichtet ist, sondern dann wahrscheinlich eben eher an die Lehrer*innen. Ich möchte, dass eigentlich eben dieser Gedanke irgendwie, man muss ja dann praktisch irgendwie mit Bestrafung oder so arbeiten, um etwas wegzubekommen. Das ist ein absolut schädlicher Gedanke, auch ein sehr gefährlicher Gedanke. Der muss definitiv vollständig weg. Und dann ist es natürlich einfach wichtig für das Recht auch von behinderten Menschen darauf einzustehen, dort selbstbestimmen zu können und die Selbstbestimmung darüber zu haben, wie man beschult werden möchte. Und wenn ich jetzt hier vor einigen Wochen mir hier Aussagen eines Faschisten im Fernsehen anschaute, der sagte, dass eigentlich behinderte Menschen wie ich auf Regelschulen gar nicht zu suchen haben, weil sie dort letztlich die gesunde Gesellschaft belasten, dann ist natürlich klar, dass es absolut gefährlich ist und verachtenswert ist und zu bekämpfen ist und dass man dafür einstehen muss, dass es niemals niemals dazu kommt und dass dort die behinderte oder die autistische Perspektive gleichberechtigt ist mit der neurotypischen in der Klasse. Und dass es keine Rolle spielt, dass man letztlich in der Minderheit ist in dem Fall und dass es eben nicht so ist, dass man sagt, ja, man kann jetzt aber leider nicht die anderen Schüler*innen in der Klasse das zumuten, um es für mich besser zu machen, sondern die beiden Perspektiven müssen gleichberechtigt sein. Das ist das Wichtige. 

01:07:25.320 

Raul Krauthausen: Wie war das denn für euch als Eltern, Mirco? Hättet ihr euch vom System mehr oder andere Unterstützung gewünscht? 

01:07:34.320 

Mirco von Juterczenka: Ja, ich wüsste aber jetzt auch nicht und wir haben auch keine vier Stunden, um darüber zu sprechen gegebenenfalls. Vielleicht müssen wir dann eine Sonderfolge machen, irgendwann Raul. Aber ich glaube, wenn wir uns dort immer auf das System verlassen hätten, dann weiß ich nicht, ob das alles so funktioniert hätte, wie es jetzt funktioniert hat. Und dass Jason jetzt mit im Alter von 18 zurückblickt und sagt, ja, da war eine harte Zeit und da war das für sich auch so, eigentlich sauber analysieren kann. Also wir haben so die Diagnose ja relativ früh bekommen, was ja im Kontext Autismus eigentlich immer eine recht gute Ausgangsbasis sein soll. ist im Alter von vier Jahren schon diagnostiziert worden. Dank sehr aufmerksamer Erzieherinnen im Kindergarten, die gesagt haben, guckt mal da oder schaut mal dort. Dann kam dieser klassische Diagnose-Prozess, der sich, glaub ich, ein Jahr lang hinzog, bis wir dann wirklich tatsächlich eine Diagnose hatten. Und dann stehst du da halt erst mal und googelst dann so ein bisschen rum und schlägst die Hände überm Kopf zusammen und sagst eigentlich, wie willst du das jetzt alles irgendwo hinbekommen? Wir haben dann an Therapie und Unterstützungsmöglichkeiten, aber auch schulisch sehr, sehr viel versucht haben, aber als allererstes die Entscheidung getroffen. Wir haben damals in der Nähe von München gelebt und haben als allererstes die Entscheidung getroffen, dass wir zurück nach Kassel ziehen, nach Nordhessen, weil dort einfach meine Eltern gelebt haben. Er hatte immer schon eine sehr, sehr enge Beziehung zu Oma und Opa, wo wir gesagt haben, da ist dann einfach etwas mehr Nähe noch da und haben uns dann für eine Schulassistenz entschieden, wo wir aber auch gesagt haben, wir haben so ein bisschen Sorge vor Stigmatisierung. Wir würden ganz gerne dort Miteinfluss haben, wie diese Schulassistenz agieren soll und haben diese Schulassistenz eigentlich immer eher als zweite Lehrkraft innerhalb des Klassenzimmers eingesetzt. Also die saß nicht die ganze Zeit neben Jason, sondern die hat immer unterstützt, die Gesamtlautstärke der Klasse zu beruhigen und und und. Das war also die gute Situation. Wir haben Dann aber auch bei einem Schulwechsel zur fünften gesagt, okay, wie soll das jetzt weitergehen? Und Jason hat gesagt, na ja, ich brauche eigentlich keine Schulassistenz, die mir irgendwie was in Mathe oder Physik oder sonst was, da bin ich so neugierig und da interessiert mich der Stoff so sehr, da komme ich gut klar. Ich habe eher das Problem, was er eben so sagte, so Schnürsenkelbinden nach dem Sportunterricht oder dann die Hose zu finden, die ich nach dem Sport wieder anziehen muss, also so Sachen, dass wir etwas gezielter gesagt haben, vielleicht gelingt es uns auch gemeinsam mit den Lehrerinnen Lösungen zu finden und haben da auch Jason sehr früh ermutigt, deutlich zu sagen, was, wie, wo, an welcher Stelle und an Unterstützung notwendig ist. Und es gibt da ein schönes Beispiel, was so bei uns allen inklusive meiner Frau, Lehrerinnen und auch bei mir Klick gemacht hat. Jason kam mal nach Hause und sagte, da ist es fürchterlich, hat es in der Schule fürchterlich gerappelt weil er gesagt hat, ich bin heute in der Schule geschlagen und geschubst worden. Und das war sehr unangenehm. Und so wie er das beschrieb, hatte man Bilder vor Augen, dass man gesagt hat, okay, die haben unseren Sohn Gewalt angetan. Das geht so nicht, das muss jetzt geklärt werden. Und wir sind dann in die Schule dementsprechend auch mit etwas Berast ausgerüstet. Und es hat dann, ich glaube, zwei Tage gedauert, die Gesamtsituation nachzuvollziehen. Und Jason ist an dem Tag nicht geschlagen worden. Er ist auch nicht absichtlich irgendwie durch die Gegend geschubst worden, wie wir das gesehen haben, sondern es war die klassische Situation, die in tausend Klassen jeden Tag passiert. Schulgong, Unterricht ist Ende, alle drängen eigentlich Richtung Tür zum Ausgang und an diese klassischen Wandhaken, die man kennt, wo überall die Jacken hängen. Und da wollte Jason seine Jacke holen, der hat es da nicht so sonderlich eilig und alle anderen hatten es ein bisschen eiliger und haben ihn dadurch angerempelt. angerempelt und geschubst. Nicht absichtlich, aber er hat das halt anders wahrgenommen und daraufhin hat er zurückgetreten und die ganze Situation ist eskaliert. Man kann daraus dann einen mehrwöchigen Rahmen und Aula und Besprechung und alle, wir haben aber dann eine Lehrerin mitgefunden, hat gesagt, ja gut, wenn das das Problem ist, dann nimmt der Jason halt zukünftig seine Jacke mit rein in den Klassenraum, hängt die an seinen Stuhl und das Problem ist gelöst. Also die war immer auch sehr einfach lösungsorientiert, so dass Jason dann auch schnell den Mut gefasst hat und gesagt hat, na ja, ich habe morgens das Problem, wenn alle da in der auf dem Klassenhof stehen, ich muss ständig gucken, wer es hinter mir ist, wer es vor mir, so dass ihm morgens einen Raum aufgeschlossen hat, wo er, wenn er direkt an der Schule ankommt, er quasi schon so einen kleinen Rückzugsort hat. Also diese kleinen Dinge, ohne jetzt groß das Thema Nachteilsausgleich sofort per schriftlichen Antrag auf den Tisch bringen zu müssen, sondern eine Situation zu schaffen, dass Jason mit einer Lehrerin oder wir mit einer Lehrerin sprechen können und sagen können, da an der Stelle ist durch so eine Kleinigkeit ein so viel größerer großer Schritt oder Freiheit für Jason möglich, als das verstanden war, war es, ich will nicht sagen ein

Selbstläufer, aber wir als Eltern mussten uns ab Klasse 7, 8, 9 darum

eigentlich nicht mehr kümmern, weil Jason dann eigentlich direkt mit den Lehrkräften gesprochen hat, wo sind gegebenfalls Hürden, die man vielleicht für ihn beseitigen kann, dass es einfacher ist. Hätte ich mich, um auf deine Ausgangsfrage zurückzukommen, hätten wir uns dort immer auf System verlassen, das wäre schwierig geworden wahrscheinlich. 

01:12:56.500 

Raul Krauthausen: Dann wäre alles voller Diagnosen gewesen und Begründungen, Gefahren, Risiken, Versicherungen. 

01:13:02.660 

Jason von Juterczenka: Genau. Also die Jacke, das geht nicht, weil aus Versicherungsgründen ist immer so ein ganz schönes Beispiel. Also das wäre so nicht gegangen. Das ist ein bisschen schade, weil im Film ist es eigentlich ja eher umgekehrt, dass ein Auslöser für einen Streit ein Disput zwischen Jason und einer Lehrerin ist insgesamt, der auch zwar tatsächlich so stattgefunden hat, aber das war der einzige Disput, den er mit Lehrkräften hatte. Wir haben dort sonst sehr, sehr viel Glück gehabt, bekommen aber auch sehr, sehr viele Anfragen von anderen, sodass uns schon auch bewusst ist, dass wir auch dort in einer sehr privilegierten Situation sind. Dieses Verständnis ist längst nicht unter Lehrkräften oder in unserer Gesellschaft verbreitet. 

01:13:43.420 

Raul Krauthausen: Du bist bald fertig mit der Schule, Jason. Du bist ja in der 13. Klasse. Wir haben ja ganz am Anfang dem Gespräch auch darüber gesprochen, dass du natürlich auch noch andere Themen als Fußball in deinem Leben hast. Ich habe so das Gefühl, du entwickelst dich in Richtung Klimaaktivist. Ist das ein richtiges Gefühl? 

01:14:02.940 

Jason von Juterczenka: Das ist ein richtiges Gefühl. Ich denke, nach der Schule ist sicherlich erstmal einiges zu tun noch für Wochenendrebellen, was ich seit zehn Jahren aufgestaut habe, was ich einfach nicht geschafft habe. Und dieses Thema Klima ist eben nicht ein Thema von meinen ganzen Themen, sondern es ist also ohne das Thema ist ja mehr oder weniger alles. Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber davon hängt letztlich alles ab. Und ich denke, dass ich dort einiges einiges tun kann. Ich denke, dafür bin ich mehr oder weniger. Ja, es ergibt sich eigentlich relativ gut, dass ich dort etwas tun kann, einfach weil ich erstens eben das naturwissenschaftliche Wissen über die physikalischen Grundlagen des Ganzen habe und des Klimas. Ich zum Beispiel die IPCC-Berichte lesen kann und verstehen kann, gleichzeitig aber eben auch dann diese Konsequenz in Verbindung mit auch eben der Pflicht, immer die Wahrheit zu sagen. Dem Drang nach dem Einhalten von Versprechen und dem Einfordern des Einhaltens von Versprechen mit sehr viel Druck. Ich glaube, das ist etwas, was uns in der Klimapolitik momentan helfen kann. Von daher kommt das auch noch hinzu. Und deswegen denke ich, dass ich dort vielleicht einiges ausrichten kann. Mein Plan ist eigentlich nach der Schule, wenn ich alles erledigt habe, was zu erledigen ist, Physik zu studieren und mich dann eventuell auf Ozean oder Atmosphärenphysik zu konzentrieren, sodass ich vielleicht auch Klimaforscher werden kann, vielleicht eines Tages an den IPCC-Berichten mitschreiben kann, aber dann eben auch in einer Position zu sein, wo man auch Druck aufüben kann auf Entscheidungsträger*innen. Das wäre eine Position, die ich mir sehr wünschen würde. Von daher richtiges Gespür, dass es in die Richtung geht. 

01:15:55.140 

Raul Krauthausen: Glaubst du, dass dein Autismus dir vielleicht in der Perspektive auch sogar hilft? 

01:16:01.620 

Jason von Juterczenka: Ja, ich denke schon. 

01:16:01.620 

Raul Krauthausen: Warum, inwiefern? 

01:16:01.620 

Jason von Juterczenka: In mehrerlei Hinsicht. Ich würde sagen, eben, also es ist immer schwierig zu 100 Prozent zu beantworten, weil ich nicht weiß, weiß, welche Elemente meiner Persönlichkeit mit dem Autismus zusammenhängen und welche nicht. Das lässt sich nicht voneinander trennen. Aber ich würde mal vermuten, dass es, also zum einen ist es das Spezialinteresse, das ja oft mit Autismus verbunden ist, das bei mir auf dem Thema Physik liegt, dass es erheblich vereinfacht. Dann ist es ein anderer Umgang mit Zeiträumen und Distanzen irgendwie. Es spielt für mich keine Rolle, ob etwas in, ob etwas morgen stattfindet oder vielleicht in 100 Jahren, weil ich keinen logischen Grund dafür sehe, wieso man das unterschiedlich behandeln sollte. Und deswegen bin ich oft kurzfristig völlig verplant, ich weiß nicht, was in den nächsten Stunden oder Tagen passiert, aber ich hab eigentlich gelingt es mir nie so wirklich das Heft des Handelns aus der Hand zu geben, wenn es um die großen Dinge geht. Auch mit großen Rückschlägen kann ich dann relativ gut umgehen, obwohl ich kurzfristig wirklich eine der chaotischsten Personen überhaupt bin. Das ist so ein bisschen vielleicht dieses Paradox, wo Autismus hilft und eben wo Autismus sicherlich auch hilft, ist dieses Thema Wahrheit und Fakten, dass es mir auch wirklich relativ egal ist, was Personen dann irgendwie von sich geben oder behaupten oder sagen, sondern ich relativ gut den Blick für das behalten kann, was denn passiert und nicht besonders stark blenden lasse von Behauptungen und damit eben verbunden, das kann Papsi die sicherlich bezeugen, dass ich einfach sehr gut Druck ausüben kann darauf, dass Versprechen und Zusagen eingehalten werden. Und ich denke, das kann ich im kleinen Maßstab und ich glaube, das wird mir auch im großen Maßstab gelingen. 

01:17:37.740 

Raul Krauthausen: Aber wenn wir jetzt so die Nachrichten aufschlagen, dann habe ich ja inzwischen zunehmend den Eindruck, dass wir bereits volle Kanne dabei sind, den Karren ins Sand zu fahren, dass niemand ernsthaft Interesse hat, das Problem zu lösen, dass wir uns alle in der Öffentlichkeit nur noch anschreien und die Leute, die in der Opposition sind, ganz bewusst lügen. Wo schöpfst du denn da Hoffnung? 

01:18:05.740 

Jason von Juterczenka: Ich schöpfe eigentlich keine Hoffnung, weil ich die IPCC Berichte ja kenne. Und dementsprechend weiß ich, dass sich das Ganze definitiv nicht mehr aufhalten lässt. Dass sich das Ganze in Teilen verlangsamen lässt, physikalisch. Aber man muss immer trennen, was physikalisch möglich ist und was realistisch ist mit den Menschen. Also die Menschen sind, es gibt dann im Ende in der Wissenschaft viele Unsicherheitsfaktoren. Wie stark reagieren die Ozeane, wie träge ist das Ganze, wie hoch ist die Klimasensitivität. Der größte Unsicherheitsfaktor ist immer der Mensch so. Also das ist da immer, das versaut die Statistiken irgendwie so ein bisschen. Und da schöpfe ich tatsächlich eigentlich nicht wirklich eine Hoffnung. Ich glaube auch nicht, dass ich es irgendwie perfekt machen kann oder dass ich es wirklich richtig gut machen kann. Oder dass wir in irgendeiner Form in 50 Jahren noch eine Zivilisation und einen Lebensstil pflegen können, wie wir das heute tun. Aber ich glaube, dass ich es durchaus besser machen kann und dass sich noch etwas retten lässt. Und das ist ja auch durch die Wissenschaft gedeckt. Also wenn wir schnell reagieren, ich habe neulich erst eine Studie gelesen, die zeigt, dass

diese Trägheit vermutlich ein bisschen überschätzt wurde. Das heißt, wenn wir schnell reagieren und wenn die Treibhausgase sinken, dann zahlt sich das auch aus und dann werden sehr, sehr viele Menschenleben gerettet. Und was wir ja zum Beispiel auch tun, ist, dass wir Spenden sammeln auf unseren Lesungen und durch das Buch jetzt, durch den zweiten Teil, für die

Wasserversorgung in Äthiopien oder in Ostafrika allgemeine. Und das sind ja eben genau die Regionen, die betroffen sind, extrem stark von

Dürreereignissen und gleichzeitig von Flut. Und ich denke, wie gesagt, wir können das Ganze nicht retten. Das funktioniert einfach nicht. Das können wir alleine nicht. Das ist auch nicht mehr möglich. Aber wir können es besser machen und wir können, es gibt immer noch irgendwas zu retten. Und solange es noch etwas zu retten gibt, muss man das auch tun. Und ich denke, wir können dabei helfen und wir können dazu beitragen, dass eben hunderte oder tausende Menschen ihr Recht erhalten, das ihnen zusteht. Und das müssen wir tun, wenn wir es tun können. Und wenn wir in einer

Position sind, es tun zu können, dann müssen wir es auch tun. Dann ist es unsere Pflicht. 

01:20:02.580 

Raul Krauthausen: Jetzt hast du ja vorhin schon die Brunnen erwähnt, die in Äthiopien baut. Du machst das mit der Neven Subotic Stiftung zusammen. Neven Subotic war ja auch schon zu Gast hier im Podcast. Ich hatte ein großartiges Gespräch, das wir da geführt haben. Warum genau Neven Subotic? 

01:20:21.500 

Jason von Juterczenka: Weil wir darüber nachgedacht haben, wie wir am effizientesten helfen können. Und Neven Subotic, die Neven Subotic Stiftung, ich habe mich extrem gut damit beschäftigt vorher, ich habe die Stiftungsberichte gelesen. 

01:20:33.940 

Raul Krauthausen: Passt ja auch zum Thema Fußball super. 

01:20:35.740 

Jason von Juterczenka: Natürlich, das passt auch zum Thema Fußball. Aber der Hauptgrund war, dass ich der Meinung war, dass dort es am besten angelegt ist, weil wir dort den meisten Menschen helfen können, weil Wasser erstmal als Thema ist mit allem irgendwie verbunden. Wasser ist natürlich erstmal gesundheitlich notwendig, um irgendwie zu überleben. Wasser ist gleichzeitig aber auch der Grund, warum viele Kinder im globalen Süden nicht zur Schule gehen können, weil wir den ganzen Tag Wasser besorgen müssen und deswegen können sie nicht zur Schule und damit ist das Problem Bildung verknüpft. Wasser und sanitäre Anlagen sind das Problem oder sind eines der Ursachen für die Geschlechterungleichheit, die dort herrscht, weil eben nicht alle Geschlechter zur Schule gehen können, wenn es nicht die entsprechenden sanitären Anlagen gibt. Gleichzeitig ist das verbunden mit dem Ausbreiten von Krankheiten, dass beispielsweise verschmutztes Wasser passieren kann. Also alles läuft irgendwie auf das Thema Wasser zu und die Klimakrise ist auch mehr oder weniger eine Wasserkrise. Also richtig kritisch wird es dann tatsächlich, wurde es immer in der Erdgeschichte, wenn das Thema Wasser, wenn der Wasserkreislauf gestört wurde. Deswegen Wasser ist definitiv wohl das Thema, wo sich am besten helfen lässt. Und bei Neven aus dem einfachen Grund, dass auch in der Neven Subotic Stiftung zum einen 100% der Spendengelder auch tatsächlich eingesetzt werden, ohne Abzug von Verwaltungskosten. Und gleichzeitig, dass diese Nachhaltigkeit, sprich, dass nicht nur Brunnen gebaut werden, sondern dass die auch gewartet werden und dass es Schulungen im Umgang mit Wasser gibt. Diese Nachhaltigkeit in Kombination mit diesem 100% Versprechen, das war der entscheidende Grund für mich. 

01:22:01.100 

Raul Krauthausen: Jetzt haben wir ja sehr viel über Neven Subotic und seiner Stiftung auch schon in diesem Popcast gehört. Eine Frage, die ich trotzdem aber immer allen Gästen stelle am Ende, gibt es darüber hinaus noch eine Organisation, die ihr unterstützenswert haltet, die unsere Hörerinnen und Hörer vielleicht sich noch mal genauer anschauen können? Mirco, Jason, was meint ihr? 

01:22:24.300 

Mirco von Juterczenka: Ich bin immer ein großer Fan, das hat man vielleicht vorhin im Kontext der Filmvergabe etc. gehört, Ich hab mit Organisationen, bin ich, ich hab da immer sofort bei mir schrillen, immer erstmal Alarmglocken sagen, ok, wer steckt da dahinter, welche Interessen stehen da dahinter. Ich bin aber total vorsichtig. Aber wir durften im Kleineren, auch wenn wir sehr fixiert sind auf die Welfare Neven Subotic Stiftung, an ein oder anderen Stelle mit der Organisation, mit dem Verein Heimatstern aus München zusammenarbeiten. Und das ist für mich eine Organisation, die auch irgendwo zeigt, Neven macht seine Arbeit natürlich schon auch aus einer etwas privilegierteren Situation heraus. Das ist ihm bewusst, deswegen handelt er so, wie er handelt. Jason sagte ja gerade keine Verwaltungskosten etc. Das ist ja nicht ganz richtig. Es gibt Verwaltungskosten, die trägt halt Neven insgesamt, weil die ja auch wichtig sind, um Geld gezielt einzusetzen. Und bei Heimatstern ist es so, dass dort einfach Menschen sehr viel und sehr viel über lokales Engagement läuft insgesamt, die sich engagieren auch sehr vielfältig. A) in München lokal, aber auch für die Situation der Geflüchteten, insbesondere auf den griechischen Inseln in den letzten Jahren. Das wäre für diejenigen, die A) aus der Region München kommen, eine ganz, ganz tolle Möglichkeit lokal zu unterstützen, weil die auch einfach sehr, sehr häufig mal zwei Hände brauchen, die die dort unterstützen können. 

01:23:51.460 

Raul Krauthausen: Gerade jetzt wahrscheinlich, ne? Wo die Erdbeeren angemalt sind. 

01:23:53.900 

Mirco von Juterczenka: Gerade jetzt auch wieder auf unterschiedlichsten Ebenen sehr, sehr aktiv sind. Das heißt, das wäre jetzt so, wenn es so ganz spontan sein muss, wäre das so die Organisation, wo ich sagen würde, ja, die kann man sich mal näher anschauen. 

01:24:07.140 

Raul Krauthausen: Und bei dir, Jason, ist dir noch was eingefallen? 

01:24:10.020 

Jason von Juterczenka: Heimatstern hatte ich tatsächlich auch im Kopf. Ansonsten würde ich noch sagen, unterstützt eure Ortsgruppe der Klimabewegung, sei das Fridays for Future oder Ende Gelände oder auch die letzte Generation, die Aktionsform, die ihr für euch vorsehen könnt. Beteiligt euch dort oder unterstützt, weil wir müssen in eine Position kommen, in der wir Druck ausüben können. Und da sehe ich das mehr oder weniger als letzte Chance. Sprich schaut, welche Ortsgruppen es bei euch gibt und bringt euch ein, wenn ihr das könnt. 

01:24:44.060 

Raul Krauthausen: Das ist doch ein super tolles Schlusswort, Jason. Vielen, vielen Dank für das großartige Gespräch. Ich habe super viel gelernt. Ich hätte noch zig weitere Fragen gehabt, so was wie gibt es ein Buch mit all den Regeln, nach denen du lebst? Vielleicht kann der oder die eine oder andere davon etwas auch für das eigene Leben übertragen. Ich kann mir vorstellen, wenn man nach Regeln lebt, dann lebt es sich vielleicht auch, ja vielleicht nicht entspannter, aber klarer. 

01:25:12.800 

Jason von Juterczenka: Das stimmt. 

01:25:14.300 

Raul Krauthausen: Vielen, vielen Dank. Ich hoffe, wir quatschen die Tage mal wieder. 

01:25:18.380 

Mirco von Juterczenka: Sehr, sehr gerne. Vielen, vielen Dank, dass wir hier sein durften. 

01:25:20.380 

Raul Krauthausen: Ich werde mir auf jeden Fall euren Film anschauen. Ich habe gerade gesehen, es gibt eine Premiere. Ich versuche da vorbeizukommen. Ich bin sehr, sehr gespannt. 

01:25:28.820 

Mirco von Juterczenka: Vielen Dank, dass wir hier sein durften, Raul. Es ist uns eine große Ehre. 

01:25:31.260 

Raul Krauthausen: Danke für eure Zeit.

01:25:32.180 

Mirco von Juterczenka: Dankeschön. 

01:25:32.780 

Raul Krauthausen: Auf bald. 

01:25:33.380 

Mirco von Juterczenka: Bis dann. 

01:25:33.380 

Jason von Juterczenka: Tschüss. 

01:25:34.380 

Raul Krauthausen: Danke fürs Mitfahren. Wenn Ihr mögt und Euch diese Folge Spaß gemacht hat, bewertet diese Folge bei Apple Podcasts, Spotify oder wo auch immer Ihr zuhört. Alle Links zur Folge, sowie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, findet Ihr in den Show Notes. Schaut da gerne mal rein. Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady-Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit mich zweimal im Jahr persönlich zu treffen. Im Aufzug ist eine Produktion von Schönlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.

»Mein Autismus hilft mir, mich nicht blenden zu lassen.« JASON (WOCHENENDREBELLEN) - FOLGE 36

Jasons Herzensangelegenheit:

Neven Subotic Stiftung, Ortsgruppen von Fridays for Future, Ende Gelände, Letzte Generation

Mircos Herzensangelegenheit

Heimatstern

Hier findest du mehr über mich:

So kannst du meine Arbeit unterstützen!

Dieser Podcast ist eine Produktion von Schønlein Media.
Produktion: Fabian Gieske , Anna Germek
Schnitt und Post-Produktion: Jonatan Hamann

Coverart: Amadeus Fronk

4 Kommentare zu „Im Aufzug mit Jason und Mirco (Wochenendrebellen)“

  1. Guten Abend. Besten Dank Raul Krauthausen.

    Auf den teureren Sitzplätzen gibt es auch Fans, in Fankurven hätte ich mich nie gestellt. Was ich vielleicht mit Jason teile, ist das Interesse am Stadion selbst. Davon, dass Jason und Mirko auf Augenhöhe lebten, überzeugten mich weder Mirko noch Jason. Ich hätte getrennte Interviews besser gefunden, da die Themen selbst mich mehr interessieren als der Film.

  2. Pingback: Wochenendrebellen | Joanne Theisen

  3. Pingback: Neie Film: Wochenendrebellen | Joanne Theisen

  4. Pingback: Nouveau film : Wochenendrebellen | Joanne Theisen

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen