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	<title>Raúl Krauthausen, Autor bei Im Aufzug</title>
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	<description>Der Podcast von Raul Krauthausen</description>
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		<title>Im Aufzug mit Kevin Kühnert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jan 2023 14:07:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>In der heutigen Folge habe ich einen Gast, den ich schon lange aus der Ferne beobachte. Mittlerweile ist er der Generalsekretär der SPD &#8211; mit gerade einmal 33 Jahren. Die Rede ist natürlich Kevin Kühnert. Im Aufzug spreche ich mit ihm über seine Leidenschaft fürs Autofahren, wie er es schafft nicht abzuheben und wie er [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">In der heutigen Folge habe ich einen Gast, den ich schon lange aus der Ferne beobachte. Mittlerweile ist er der Generalsekretär der SPD &#8211; mit gerade einmal 33 Jahren. Die Rede ist natürlich Kevin Kühnert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug spreche ich mit ihm über seine Leidenschaft fürs Autofahren, wie er es schafft nicht abzuheben und wie er es aushält derart viel zu arbeiten. Denn wer die Doku „Kevin Kühnert und die SPD“ gesehen hat (die ich übrigens sehr empfehlen kann), der kann im Ansatz nachvollziehen, was einem das Politikerdasein abverlangen kann. Ich freue mich, dass er heute die Zeit gefunden hat, mit mir eine Runde Aufzug zu fahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf, für Kevin Kühnert!</p>



<div class="wp-block-kadence-accordion alignnone"><div class="kt-accordion-wrap kt-accordion-wrap kt-accordion-id_6c634f-92 kt-accordion-has-2-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-arrow kt-accodion-icon-side-right" style="max-width:none"><div class="kt-accordion-inner-wrap" data-allow-multiple-open="false" data-start-open="none">
<div class="wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-1 kt-pane_f0826e-4e"><h2 class="kt-accordion-header-wrap"><button class="kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show"><span class="kt-blocks-accordion-title-wrap"><span class="kt-blocks-accordion-title">Transkript</span></span><span class="kt-blocks-accordion-icon-trigger"></span></button></h2><div class="kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden"><div class="kt-accordion-panel-inner">
<p class="wp-block-paragraph">00:00:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Bevor es heute losgeht. Ihr wisst, was jetzt kommt. Wie immer der Hinweis auf Steady. Mit Steady könnt ihr diesen Podcast nämlich ﬁnanziell unterstützen mit einem kleinen monatlichen Beitrag. So helH ihr mir und dem Team, den Podcast SchriJ für SchriJ unabhängig zu produzieren. Jetzt unter raul.de/aufzug informieren und Unterstützerinnen werden. Unterstützerinnen erhalten vorab Zugang zu neuen Folgen und werden namentlich im Podcast genannt. Diese Woche geht also der Dank an die Unterstützerinnen Beate, Karin, Gundhild, Bodo, SebasUan und MaJhias. Vielen Dank! In der heuUgen Folge habe ich einen Gast, den ich schon lange aus der Ferne beobachte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">MiJlerweile ist er der Generalsekretär der SPD mit gerade einmal 33 Jahren. Die Rede ist natürlich, wer hat es geahnt, von Kevin Kühnert. Im Aufzug spreche ich mit ihm über seine LeidenschaH fürs Autofahren, wie er es scha\, nicht abzuheben und wie er es überhaupt aushält, derart viel zu arbeiten. Denn wer die Doku Kevin Kühnert und die SPD gesehen hat, die ich übrigens sehr empfehlen kann, der kann im Ansatz nachvollziehen, was einem das PoliUkerdasein abverlangen kann. Ich freue mich, dass er heute die Zeit gefunden hat, mit mir eine Runde Aufzug zu fahren. Aufzug Tür auf für Kevin Kühnert. Die Tür geht auf. Und wer kommt rein? Ich fasse es nicht. Kevin Kühnert. Cool, dass du da bist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:43</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ich danke dir für die Einladung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Sag mal, gab es mal einen awkward Moment bei dir in einem Aufzug, den du erlebt hast?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:50</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Huh? Ich glaube nicht. Nicht mehr awkward als Aufzüge halt immer awkward sind mit an die Decke gucken, keinen Blickkontakt suchen und manchmal auch komischer Fahrstuhl Dudelmusik, die ich in Hotels, in denen ich bin, gelegentlich hören kann. Ne, aber sonst nichts, was mir besonders in Erinnerung geblieben wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ich war mal im Bundestag oder Reichstag Gebäude, da war irgendeine Veranstaltung zum Thema Inklusion und dann wollte irgendein AfD PoliUker auch in den Aufzug, in dem ich schon drin war. Das war sehr unangenehm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:22</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, das sUmmt. Und ich bin ja, ist jetzt meine erste Wahlperiode im Bundestag. Insofern kenne ich es ja leider nur mit AfD, muss man sagen. Aber es ist echt blöd, weil das steht denen ja nicht immer auf die SUrn geschrieben, dass sie AfD Leute sind. Und wenn du permanent damit rechnen musst, AfDler um dich herum zu haben und das nicht so genau weißt, macht das nicht so richUg Freude. Und manchmal hat man auch so eine Ahnung. Dann erwischt man sich bei seinen eigenen Vorurteilen. Aber häuﬁg ist die Treﬀerquote recht hoch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:49</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das ist eine super Frage, die mir gerade einfällt, weil wenn du also du hast auch das Problem, dass du manchmal nicht genau weißt, wer ist das mir gegenüber? Hast du eine Technik, wie du damit umgehst?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:00</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nein, ich. Also ich bin erst mal freundlich. Also das, was ich so an normalen Freundlichkeit Form im Alltag habe, zum Beispiel wenn jemand im Aufzug kommt, zumindest einmal so zu nicken oder irgendwas grummeln. Das mache ich erst mal, weil wenn sich dann herausstellt, dass er von der AfD ist, dann muss ich mich dafür jetzt auch nicht verﬂuchen, sondern ich konnte es ja nicht wissen. Und in der Annahme, dass es in unserer GesellschaH auch Rechtsradikale gibt, jetzt keinen mehr zu grüßen ist ja nun auch nicht der richUge Umgang mit der Realität. Ja, also ich gehe da recht entspannt glaube ich mit um.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:32</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber tendenziell ist es wahrscheinlich bei uns beiden so, dass uns mehr Leute wiedererkennen als wir sie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:37</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, das ist so, ähm, manchmal. Vielleicht kennst du das auch so lusUge SituaUonen, wo Leute anfangen zu sagen Ach, wir haben uns schon mal irgendwo getroﬀen und dann fangen sie an zu überlegen, Skatgruppe, Fußballverein oder so. Und dann weiß ich, ich habe bis heute nicht den Weg gefunden, ihnen letztlich zu sagen, Ich glaube, sie kennen mich, aber ich kenne sie nicht. Und das klingt ja doof, aber so ist es halt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:59</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ein Tipp für mich. Felix Lobrecht hat mir mal erzählt, das am schnellsten geht diese SituaUon vorbei, wenn man das macht, was sie wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:07</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Fotos und …</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:09</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Fotos und Gramm. Ja, weil wenn du da anfängst zu diskuUeren, das dauert alles länger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:13</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, absolut. Genau. Einfach machen. Ich habe da so einen Tacker- Photolächeln. Das kann ich anknipsen, wenn es gebraucht wird. Ja, absolut. Und bei mir ist immer die Gefahr. Man darf sich als PoliUker dann nicht in so eine. Ach, wo ich Sie gerade treﬀe. Ich häJe da mal eine Frage Diskussion verwickeln lassen, weil dann kommen manchmal Leute und wollen mit einem über die Sondermüll Richtlinie diskuUeren, weil sie ihnen da letztens was aufgefallen ist. Und zwei Stunden später ﬁndet man sich in einer wüsten Diskussion wieder. Das sollte man, sollte man tunlichst verhindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>In der PoliUk reden wir auch noch ganz, ganz ausführlich. Ich habe ähnliche SituaUonen bei bei mir als jemand, der sich für Inklusion einsetzt, dass ich ganz oH von Menschen mit Behinderungen gefragt werde Sag mal, wie mache ich das mit dem Behindertenparkplatz vor meiner Tür, wo ich dann denke so, weiß ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>&nbsp;Kühnert:&nbsp;</em>Ja, ja, ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:02</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Überall woanders, das ist überall anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:04</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:05</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ähm, ist ja auch föderal gelöst, oH. Und also mir tut es dann auch so leid, weil ich will ja helfen, aber gleichzeiUg keine Ahnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja klar, du bist dann auch nicht der Universal Experte für alles. Nein, Lars Klingbeil, mein Parteivorsitzender, häJe mir das mal erzählt in der Zeit, als er noch DigitalpoliUker im Bundestag sind die Kolleginnen und Kollegen immer gekommen, wenn das iPhone nicht mehr gegangen ist. Du bist doch DigitalpoliUk. Erkennst du, dass man irgendwie in Ordnung bringen kann?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:27</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>So wie an Weihnachten, wenn man zur Familie kommt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:30</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Kurz dabei der General kummerkasten, bei dem alles abgeladen werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:33</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Okay, du kommst auch aus Schöneberg, habe ich gelesen. Und witzigerweise sind wir beide Schöneberger Pﬂanzen sehr gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ich habe meinen Kaﬀee damals immer im Double abgeholt, in der Akazienstraße, hab sehr viel Zeit meines Lebens in einem Kaﬀee Bilderbuch verbracht, weil es eines der wenigen heute gerechten Cafes ist und habe diese Wohnung nur gefunden in der Belzig erstraße damals, weil das eine leerstehende LadengeschäH war, wo sich eigentlich nur Dönerbuden beworben haJen, aber die Hausverwaltung nicht wollte, dass da das Haus dann nach nach Essen riecht und meine MuJer denen dann angeboten hat okay, wir mieten willst und da bist aber ne Wohnung und kein Gewerbe. Wie hast du denn deine Wohnung gefunden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:19</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Die die WG, in der ich bis heute bin, Haben wir, die habe gar nicht ich gefunden, sondern die hat einer derjenigen, mit denen ich damals eingezogen bin, gefunden. Wir waren so lose im Freundeskreis verabredet, dass wir uns vorstellen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zusammenzuziehen und waren alle auf der Suche. Und es galt so ein bisschen das Prinzip Jeder hält halt die Augen oﬀen und sagt, wenn er was ﬁndet. Und die meldeten sich irgendwann und sagten Hm. Wir sind durch Schöneberg gelaufen und da war irgendwie, da war, sind wir an einem Haus gewesen und da waren Bauarbeiter und die haben gerade an irgendeiner Wohnung was umgebaut und wir haben einfach mal nachgefragt, ob die schon vergeben ist. Die Wohnung und war sie nicht und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:56</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Das geht noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:57</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja gut, das ist jetzt auch schon viele Jahre her miJlerweile. Und irgendwie hat das dann alles glücklich funkUoniert. Und ein paar wenige Wochen später saßen wir bei dem Vermieter im Büro und haben alles unterschrieben. Und ein Glück, was glaube ich heute so noch unwahrscheinlicher wäre, als es damals schon der Fall war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:14</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ja, total. Wir haben ja das Thema Wohnungsnot. Glaubst du wirklich, man liest da ja auch so einiges? Glaubst du wirklich, dass Neubauten die Lösung sind?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:24</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Also ich mache ja WohnungspoliUk, also von allen Seiten BaupoliUk, aber auch mit Bestand und so im Bundestag. Und wenn ich in den ganzen Jahren, wo ich mich jetzt damit beschäHige, eins gelernt habe, dann es gibt nicht die eine Maßnahme, die das Problem löst, sondern es ist ein Mix aus Maßnahmen. Wenn wir über Berlin konkret reden oder auch viele größere Städte in Deutschland, dann ist es einfache MathemaUk. Berlin ist eine Zuzugstadt. Das kann man an den Zahlen seit vielen Jahren sehen. Und wo mehr Menschen hinziehen, muss auch mehr Kapazität geschaﬀen werden. Ansonsten werden Leute verdrängt, und zwar nach Marktmechanismus. Das heißt, die, die am wenigsten Kohle haben, ﬂiegen raus und die, die mehr haben, greifen sich dafür die Wohnung. Das ist glaube ich nicht das, was die meisten von uns wollen und deswegen muss man dagegen auch auch anbauen. Aber die meisten Menschen haben ja glücklicherweise heute in der Stadt schon eine Wohnung und deren Frage ist eher wie bleibt meine Wohnung noch halbwegs bezahlbar, Wie werde ich nicht mit fadenscheinigen Gründen wegen einer Eigenbedarf skündigung da rausgedrängt usw.. Und deswegen gilt es das alles gleichzeiUg zu machen, also das eine tun, ohne das andere zu lassen. Nur so kann das funkUonieren mit der Bezahlbarkeit, mit den Kapazitäten und auch mit der Durchmischung, die wir brauchen. Und da haben wir noch gar nicht über Klimaschutz im Gebäudebereich gesprochen, da haben wir noch nicht über Barrierefreiheit als Baustandard gesprochen. Also wir wollen ganz viel von den Wohngebäuden in Deutschland, und das ist gar nicht so leicht, das alles hinzukriegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:08:54</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ich habe mich neulich gefragt Ja, wir haben jetzt den Bauminister Gallwitz, die jetzt auch gesagt hat, dass sie einen Großteil dieser Wohnung barrierefrei machen will. Warum sie nicht sagt, alle Wohnungen müssen barrierefrei sein, Weil eigentlich macht es ja gar keinen Sinn, wenn dann nur die Behinderten ihre Wohnung haben, aber niemanden besuchen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:13</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das sUmmt. Und deswegen wollen wir es im Neubau auch wirklich als als absolut weitreichenden STANDARD. Wir haben. Also wir fördern ja nicht nur Neubau, sondern wir fördern ja auch Umbauten und da haben wir es einfach zum Teil mit sehr alter Gebäudesubstanz in Deutschland zu tun, altes Fachwerk und Ähnliches, was wir natürlich aus guten Gründen nicht abreißen wollen. Das ist ja auch prägend für viele Städte. Und nicht jedes dieser Gebäude kriegst du wirklich. Da kriegst du zum Teil Barrieren abgebaut, aber du kriegst sie nicht barrierefrei in dem Sinne, wie Barrierefreiheit deﬁniert ist heutzutage. Aber</p>



<p class="wp-block-paragraph">wenn ein Gebäude jetzt neu entsteht, dann muss das sowohl zum drin wohnen als auch zum Besuchen, also für die Nutzung, wofür es nun mal da ist, barrierefrei gemacht sein. Und mir ist das auch noch mal wichUg zu sagen, damit das dann nicht immer aus der Community selber so quasi so beJelnd eingefordert werden muss. Das ist auch gar nicht teurer, das sagen auch die Leute. Ich bin gerade diese Woche in Marzahn Hellersdorf bei einem Neubauprojekt einer städUschen WohnungsbaugesellschaH gewesen, die sagen, das sind Peanuts am Ende. Was? Was das schlussendlich bedeutet? Manche haben ja dann vor Augen und denken dann, das sind dann Wohnungen, wo die, die die Waschbecken weiter unten sind, zwingen usw. Darum geht es ja erst mal gar nicht, sondern es geht darum, dass man mit einem Rolli rangieren kann da drin, dass die Schwellen, wenn es in die Wohnung reingeht und auf den Balkon raus, dass die maximal zwei ZenUmeter betragen, dass man drüber kommt. Und das ist etwas, das können alle Bauherren in Deutschland problemlos leisten, ohne dass eine Luxuswohnung draus wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Das heißt, wenn jetzt in den Medien gesagt wird, Frau Geiwitz will</p>



<p class="wp-block-paragraph">400.000 neue Wohnungen schaﬀen, meint es auch den Altbestand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:51</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Ja, also was wir damit meinen, ist, wir zählen alles dort rein, wo eine neue Wohneinheit entsteht, die vorher so nicht da war. Das kann zum Beispiel. Du hast von deinem Weg damals in Schöneberg erzählt. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass ein vormaliger Gewerberaum in Wohnraum umgewandelt wird. Das ist in vielerlei Hinsicht gar nicht abwegig, denn wir haben europaweit mit die meiste Einzelhandelsﬂäche in Deutschland pro Kopf und wir lieben alle unseren inhabergeführte Einzelhandel um die Ecke. Aber die StaUsUk spricht eine klare Sprache, nämlich dass dieser Einzelhandel weniger Raum brauchen wird in den nächsten Jahren. Und das heißt, da wird zum Teil was frei. Und natürlich kann da auch Wohnraum rein. Homeoﬃce wird dazu. Führen, dass manche Bürogebäude nicht mehr als Bürogebäude gebraucht werden, sondern auch innen umgebaut werden können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:11:40</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und dann leer bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:11:41</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Absolut genau. Man kann aus bestehenden Gebäuden, die bisher nicht Wohnraum waren, auch Wohnraum machen. Sie übrigens auch sehr klimaschonend, weil man muss nicht von Grund auf mit viel Beton das neue Haus hochziehen, sondern etwas vereinfacht gesagt man macht ein bisschen was am Trockenbau, man zieht die Wände anders, man baut eine Nasszelle rein und dann geht es los.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:00</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Hast du schon im Gebälk gewohnt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nein, nicht immer in Schöneberg, aber im direkten Umfeld. Also heute ist das ja Tempelhof. Schöneberg. So ist ja der Bezirk, so ein Fusionsding. Und mein Leben hat sich aber genau in diesem Bezirk immer abgespielt. Ich bin im St. Josef Krankenhaus geboren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schöneberger Wissen Das ist ein Steinwurf rüber. Auf der anderen Seite der S Bahn Trasse es zwei S 25, dann gab es einen kleinen. Dann waren die ersten Jahre in Marientorf, dann kurzer</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ausﬂug nach Steglitz, rüber nach Lankwitz, dann ging es nach Lichtenrade mit meinen Eltern und die erste eigene Bude, die war dann halt in Schöneberg. Also das ist wie bei so vielen in Berlin, man ist das ja, man ist das Kind einer besUmmten Stadt Ecke und bei mir war es eben der Berliner Südwesten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:43</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Fühlst du dich auch manchmal so unsicher, wenn du dann plötzlich in Ostberlin stehst? Also ich kenne zum Beispiel Straßenbahn, also ich fühl U Bahn, ich weiß ungefähr okay, die U2 fährt, da lagen, die U1 fährt da lang, aber wenn da steht miiii, keine Ahnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:56</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Hm, das sUmmt. Also dieses sich zu Hause fühlen und wirklich wissen, wie alles genau funkUoniert, das habe ich so halt in Westberlin und vor allem im Südwesten. Aber ich fühle mich nicht unwohl und auch nicht unsicher. Ich bin ja Jahrgang. Es ist ganz lusUg bei uns in der Familie. Ich bin Jahrgang 89, also Mauerfall Jahrgang und meine Eltern sind Jahrgang 61, also Mauerbau Jahrgang. Das heißt, die sind in ihrem eingemauerten Westberlin großgeworden. Und auch wenn ich im im vereinigten Berlin großgeworden bin, bin ich natürlich wie jedes Kind in den Bewegungsräumen meiner Eltern groß geworden. Die sind natürlich weiterhin in den Straßen einkaufen gegangen, wo sie vorher waren, in die Restaurants usw. und so fort. Aber es gab ein paar Sachen, die mich rausgeholt haben, nämlich zum Beispiel, dass ich Vereinssport gemacht habe. Ich habe 15 Jahre Handball gespielt, und das war ein echter Beitrag zum Zusammenwachsen der Stadt in. Der Verband war so klug, dass die Ligen nicht in Staﬀel, Ost und Staﬀelwest geteilt waren, sondern wir mussten berlinweit unterwegs sein. Und so sind wir an den Wochenenden zum Handballspielen nach Hellersdorf oder so gefahren, wo ich sonst nie hingefahren wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich, und bin von klein auf damit groß geworden, dass die ganze Stadt mein Bewegungsradius ist. Und das prägt eigentlich so meine Sicht auf Berlin bis heute.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:10</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ja, ich meine jetzt auch nicht unsicher im Sinne von Gewalt oder so, sondern einfach so im Sinne von ich muss dann halt auf den Plan gucken oder Google Maps oder was auch immer ausbauen, um zu wissen, wo hält die ein 13 eigentlich?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:20</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das sUmmt. Also ich glaube, ich könnte bei den S und U Bahn Strecken im Berliner Westen mit ein klein bisschen Nachdenken würde ich glaube ich alle StaUonen auch in der richUgen Reihenfolge hinkriegen. Das kann ich jetzt bei der U5 am Ende nicht mehr genau sagen. Was vorher genau jetzt da genau kommt, muss ich passen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:38</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber wenn du jetzt sagst Marzahn Hellersdorf, da hast du jetzt irgendwie Wohnungen besichUgt bzw. Häuser gesehen, ist es so, wie man sich das vorstellt. Also PlaJenbau ist relaUv trist, wenig los oder gibt es irgendwie dann. Also wie macht man diesen Bezirk schmackhaH für Leute, die alle immer in Schöneberg gewohnt haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:58</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Gegenfrage Muss das überhaupt sein? Weil da wohnen ja auch vorher schon Menschen und nach meinem Eindruck nicht nur gezwungenermaßen, sondern viele fühlen sich da sehr wohl. Und das ist ja wie fast immer im Leben Der Mensch ist ein</p>



<p class="wp-block-paragraph">GewohnheitsUer, er wird mit irgendwas groß und ﬁndet das erst mal normal. Also da so wie das Wort es sagt. Es ist für ihn die Norm. Man hat es so kennengelernt und das ist das normalste der Welt. Und insofern ﬁnden dort viele PlaJenbauten jetzt auch erst mal per se, also weder unzweckmäßig, sie sind sehr zweckmäßig und auch gar nicht zwingend hässlich. Und auch ich muss zum Beispiel sagen, ich würde, wenn ich es mir aussuchen könnte, mal lieber in einen Neubau als in den Altbau einziehen. Stuck an der Decke gibt mir persönlich jetzt nicht so wahnsinnig viel. Ich habe es lieber funkUonal und quadraUsch, prakUsch, gut und insofern gibt es da schon schon eine Nachfrage für. Es geht halt um wie immer um die Qualität. Eine PlaJe kann so und so sein, eine PlaJe kann seit 40 Jahren nicht gemacht sein, da pfeiH es zum nicht erneuerten Fenster durch. Es kostet Schweine viel Geld bei den Energiekosten, es ist kalt, das ist ungewöhnlich. Oder Die PlaJe ist gemacht worden oder neu gebaut worden und ist auf dem neuesten STANDARD. Da gibt es Gebäudetechnik, da kann man Heizung zentral steuern usw.. Also PlaJe ist nicht gleich PlaJe, so wie nicht jeder Altbau eine schöne 120 Quadratmeter Wohnung beinhaltet, sondern manchmal auch ganz schön runtergerockt sein kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:24</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ich habe vor ein paar Jahren mal ein Gespräch gehabt mit Fan Bowle Menzel. Ich weiß nicht, ob du den kennst, der er wohnt auch in Berlin und der beschäHigt sich sehr intensiv mit Tiny Houses. Mit diesen Holzhäusern, die dann teilweise auf Anhängern gebaut sind. Und der hat gesagt, wir haben in Deutschland oH die Fehlannahme, auch stadtplanerisch, dass je mehr Quadratmeter, desto glücklicher die Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:46</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>SUmmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:47</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und er sagt Das sUmmt aber eigentlich gar nicht, weil Wohnglück kann man auch anders messen. Und er hat dann total schöne Kriterien entwickelt, zum Beispiel ein Kriterium ist Kann ich da, wo ich bin, so sein, wie ich bin? Ja. Oder Eine andere These war Kann ich meine Freunde fußläuﬁg erreichen? Es Pantoﬀelnähe nannte er es. Und dass diese Kriterien sehr häuﬁg gar nicht berücksichUgt werden beim Bau von Häusern oder Wohnungen oder Stadtplanung, weil man denkt, viel ist viel, hilH viel. Es gibt Menschen, die sind todunglücklich im Schloss und super glücklich im Zelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:17:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Absolut. Das ist das Gleiche wie in der Forschung zum Thema Einkommen. Es gibt irgendwann eine Grenze, ab der steigt das Wohlbeﬁnden nicht mehr mit noch mehr Einkommen, sondern da geht es dann um die Frage Was mach ich denn mit den Möglichkeiten, die mir gegeben sind? So ist es mit dem Wohnraum tatsächlich auch. Wir haben auch in Deutschland, speziell auch in Berlin, staUsUsch zu viel Wohnraum verbraucht. Muss man ganz klar sagen. Wir gehen hart auf die 40 Quadratmeter pro Nase miJlerweile zu. Und das ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:17:49</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Vielleicht verdoppelt in den letzten 50 Jahren, habe ich gelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:17:52</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja. Jetzt muss man fairerweise dazu sagen das liegt ja nicht immer daran, dass die Leute so maßlos sind und das unbedingt wollten. Ich meine, das hat ja dann, man muss</p>



<p class="wp-block-paragraph">das ja auch sauber halten, alles und bezahlen, sondern das sind eher die Merkmale eines Mangel Wohnungsmarktes, wie wir es jetzt in Berlin haben und auch deshalb so gefragt ist vorhin nach Neubau. Auch deshalb ist in einer wachsenden Stadt Neubau so wichUg. Nicht nur damit alle irgendwo unterkommen, sondern damit das permanente Bäumchen wechsel dich spiel, was ein Wohnungsmarkt nun mal ist. Familien werden größer, Familien werden kleiner, Kinder ziehen aus, Partnerinnen und Partner lassen sich scheiden oder versterben. Das alles gehört zum Leben dazu und verändert unseren Wohnraumbedarf. Aber ein Wohnungsmarkt, der kompleJ leer gefegt ist, wo ich nichts mehr ﬁnde, führt halt irgendwann dazu, dass immer mehr Leute in unpassendem Wohnraum sitzen. Verwitwete ältere Frauen sitzen in 120 Quadratmeter Altbauwohnung, die sie mal mit Mann und zwei Kindern bewohnt haben und Familien, die mal als Studibärchen in einer Anderthalb Zimmer Wohnung eingezogen sind, leben da heute mit zwei Kindern zusammen, weil sie nichts ﬁnden. Und das alles sind Merkmale von einem Wohnungsmarkt, der keine LuH zum Atmen lässt. Wir sagen immer, wir brauchen auf einem gesunden Wohnungsmarkt eine Leerstandsquote von drei, vier, 5 % ungefähr. Dann kann munter durch getauscht werden. Berlin ist bei 0,7 0,8, je nach Betrachtung. Das ist viel zu wenig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:19:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Du bist VollblutpoliUker, hast also bisher 33, wenn ich das richUg recherchiert habe. Seitdem du poliUsch akUv bist, glaube ich, habe ich dich auch wahrgenommen. Gibt es eine Frage, die du wirklich nicht mehr hören kannst? Oh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:19:37</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das wiederum ist jetzt eine gute Frage. Ähm, dass mir spontan nichts einfällt, spricht erst mal dafür, dass es noch nicht so eine kompleJe Nervfrage gibt. In letzter Zeit ist es ein bisschen die Frage geworden, wie es mit meiner Wohnungssuche aussieht. Da habe ich aber selber dafür gesorgt, dass die Frage andauernd gestellt wird. Ja, ja, das ist weiterhin so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:19:56</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:</em>Aus dem goldenen Tipp. Nee, wahrscheinlich nicht. Sonst häJest du eine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:19:59</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nein. Genau. Also es ist einfach ein Drama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:02</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Was ich an deiner Person so faszinierend ﬁnde. Ich habe auch, glaube ich, halb Deutschland die Doku gesehen in der ARD Mediathek. Sechs Teile, wo einfach deine Karriere innerhalb von drei Jahren nachgezeichnet wird oder einfach du begleitet wirst. Wie schaﬀst du es, bei all dem ganzen Rummel nicht abzuheben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:22</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das also Danke, wenn du das so wahrnimmst. Ich selber bin ja da total befangen und kann das wahrscheinlich mit am schlechtesten bewerten. Natürlich ho\ man, oder Ich hoﬀe, dass ich nicht abheben und dass ich so geerdet, wie es irgendwie geht, bleibe. Aber natürlich haben sich in meinem Leben auch Sachen verändert. Das wäre jetzt naiv zu sagen, dass das nicht der Fall ist. Das Dasein als Bundestagsabgeordneter bringt einfach gewisse Rahmenbedingungen mit sich. Die habe ich mir jetzt nicht ausgesucht, sondern die sind gegeben. Angefangen von der Frage, was man da an Einkommen irgendwie hat und auf welche Privilegien man so zurückgreifen kann. Das ist natürlich nicht das, was dem</p>



<p class="wp-block-paragraph">gesellschaHlichen DurchschniJ zur Verfügung steht und insofern gibt es immer eine gewisse Verzerrung. Aber ich versuche einfach so wenig wie möglich in meinem Alltag zu ändern, ob das jetzt die WohnsituaUon ist. Also dann habe ich eben schon gesagt, daran würde ich jetzt gerne mal was ändern, Aber ich ﬁnde es jetzt erst mal überhaupt nicht unpassend, dass ein Bundestagsabgeordneter vom Grundsatz her in einer WG wohnt. Und da habe ich auch gar kein Problem mit. Ich nutze weiterhin ganz normal die öﬀentlichen VerkehrsmiJel in der Stadt. Ich bin so in meinem. Unterwegs, wie ich es immer gewesen bin. Ich gehe weiter in meine Stammkneipe. Ich versuche mir möglichst viel davon weiterhin zu bewahren. Vor allem, weil ich dort Leute treﬀe, von denen ich glaube, dass sie so ganz gut einfach den gesellschaHlichen DurchschniJ meiner Stadt widerspiegeln. Und das ist ja die größte Gefahr, dass du dich irgendwann nur noch mit Leuten umgibst, von denen du glaubst, das ist die GesellschaH. Aber das ist überhaupt gar nicht die GesellschaH.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Wenn man die Doku sieht, dann merkt man Da stelle ich mir zumindest die Frage Wie viele Stunden am Tag arbeitest du eigentlich? Es sind besUmmt 60 Stunden die Woche. Das ist doch nicht untertrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:13</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nein, das ist also das ist eher noch deutlich mehr. Insbesondere jetzt. Also die Doku endet ja am Wahlabend der Bundestagswahl 2021. Danach ist ja noch mal ein bisschen was passiert. MiJlerweile bin ich jetzt Generalsekretär der SPD und darf so im Nebenjob die Parteizentrale mit 200 BeschäHigten noch leiten. Das macht das alles nicht einfacher. Ich kann es nicht so genau beantworten, weil ich bin ja. Also ich bin ja zur PoliUk als Hobby gekommen. Und eigentlich ist bei mir das passiert, was die Leute immer so als Ideal beschreiben. Ich habe ein Stück weit mein Hobby zum Job machen können, zumindest mal für eine Zeit. Und insofern geht Freizeit und Arbeit irgendwie auch ineinander über. Ich kann sagen, wie viel am Tag ich im SchniJ mit PoliUk beschäHigt bin. Ich will aber eigentlich nicht sagen, dass das alles Arbeit ist. Wenn ich weiterhin zu meinem. SPD Ortsverein, so heißt das bei uns die kleinste Gruppe vor Ort gehe, dann ist es für mich keine Arbeit, sondern das ist, da gehe ich als demokraUscher Mensch und als Sozialdemokrat hin, weil ich davon überzeugt bin, dass das ein Teil von Willensbildung in unserer GesellschaH ist, dass ich mit Menschen in meiner NachbarschaH mich zusammen setze und dass wir über die Dinge unseres Viertels und des täglichen Lebens rede. Und dafür musste ich nicht Abgeordneter werden, um das zu machen. Anderes im Plenum des Deutschen Bundestages sitzen oder bei Anne Will abends. Ja, das ist Arbeit. Da würde ich so als einfaches SPD Mitglied nicht sitzen. Insofern die Woche ist voll mit PoliUk, aber vieles davon wäre auch ohne den Job der Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:23:52</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Da sieht man, dass du sehr viel Auto fährst und also selber fährst, nicht nur gefahren bist, sondern du fährst meistens selbst. Und ich habe mich gefragt und das ist auch der Grund, warum ich keinen Führerschein will. Ich will gar nicht selber fahren müssen, weil das macht ja auch müde. Und wenn du dann keine Ahnung vier Stunden im Auto sitzt, von einer Sitzung zur nächsten fährst und dann abends noch zu Anne Will fährst, selber fährst. Also das saugt doch auch unfassbar viel Energie. Oder bedeutet Autofahren für dich auch irgendwie abkapseln? Du bist dann erst mal bei dir allein für dich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:24</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Witzigerweise ist das manchmal so, also ich. Manche wundern sich immer,</p>



<p class="wp-block-paragraph">wenn man als Berliner sagt, man hat überhaupt einen Führerschein oder fährt gelegentlich Auto. Ich bin halt am Stadtrand, lange Jahre, dann unten in in Lichtenrade, du kannst das einordnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:35</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Ja, da braucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:36</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Man halt großgeworden. Genau das ist jetzt nicht Berlin MiJe, sondern da gibt es auch eine S Bahn Verbindung und die fährt auch schnell in die Innenstadt. Genau. Aber sobald man am Stadtrand sich so quer bewegen will, ist es dann durchaus schwierig oder was transporUeren will. Also es war schon sinnvoll und nöUg, einen Führerschein zu haben. Ich habe aber nie ein Auto besessen. Ich habe immer. Ich habe immer so Carsharing mit meiner MuJer quasi gemacht. Meine MuJer ist unter der Woche zur Arbeit gefahren mit dem Auto und ich habe es mir halt abends oder am Wochenende fürs Ehrenamt für die PoliUk geschnappt, um das zu machen, was ich dann gemacht habe. Und jetzt, mit der Zeit, ist es echt so geworden, dass ich zum Leidwesen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die mich eigentlich immer davon abhalten wollen, dass ich manchmal sehr gerne auch selber auch mal eine längere Strecke Auto fahre, weil ich das total genieße, dann die Tür hinter mir zuzumachen und dann mal kurz durchzuatmen und diese Ruhe wirken zu lassen, Weil um den ganzen Tag ist um mich herum Gewusel, immer will jemand was, immer begleitet jemand. Und so neJ es gemeint ist, aber das ist ja auch Stress, wenn immer Leute anwesend sind. Es gibt immer eine Erwartungshaltung und einfach mal zu wissen, die nächsten drei Stunden sind jetzt für mich und ich kann jetzt hier, wenn ich Lust drauf habe, mal jetzt Schlager Radio an und singe Schlager mit. Und wenn ich schweigen will, dann schweige ich einfach. Das ﬁnde ich Luxus durchaus auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:25:55</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und manchmal können sie auch gefahren werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:25:58</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, das passiert auch. Ich kann. Als Abgeordneter kann ich. Im Stadtgebiet von Berlin kann ich die FahrbereitschaH des Deutschen Bundestages nutzen. Also jetzt nicht für die Freizeit, aber dienstlich sozusagen. Und manchmal ist das auch einfach nöUg, weil der Tag ist super durchgetaktet und auch die, die Wege müssen einfach zack, zack gehen. Es gibt aber übrigens auch die Wege, die deﬁniUv mit den Öﬃs einfach schneller sind. Also da kokeuere ich dann auch nicht mit. Hoher Herr Kühnert fährt U Bahn der feine Herr, sondern das ist einfach, wenn ich vom Willy Brandt Haus in Kreuzberg unten am. Tor in den Bundestag rüber fahre. Eine Strecke, die ich sehr häuﬁg in die eine wie in die andere Richtung mache. Dann sind es mit der U6 vier StaUonen und das ist viel, viel schneller. Oder mit der S Bahn zwei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:45</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>StaUonen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:46</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Oder M 41, und das ist viel schneller, als sich zu fast jeder Tages und Nachtzeit mit dem Auto durch den Stadtverkehr durchzuquälen. Und auch das gehört halt zur Berlinkompetenz dazu. Man muss wissen, auf welcher Strecke welches VerkehrsmiJel am Ende das andere aussUcht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:02</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Ich bin ja seit 15 Jahren im, sagen wir mal mehr oder weniger gesellschaHspoliUschen Bereich unterwegs. Das Thema Inklusion ist ja eines meiner großen Themen. Und ich frage mich, ob Macht etwas Gutes ist. Meine MuJer sagt Wenn man Geld und macht, wir haben den Charakter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:18</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Dann sollen wir mal als Gast in einem Podcast ist nicht mit Gegenfragen arbeiten. Aber hier kann ich jetzt nicht anders. Wenn du sagst du, stellst du die Frage, zu welcher Antwort kommst du denn bisher?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:26</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Also manchmal wünschte ich mir, ich häJe Macht. Und dann und da käme auch gleich noch eine Frage hinterher Macht macht ja auch was mit an und irgendwann ist vielleicht auch zu viel Macht wieder da kannst du nur noch scheitern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:39</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, also ich. Ich rede es mir vielleicht ein Ticken schön, aber das, was mich immer beruhigt, ist In unserer GesellschaH vergeben wir Macht ja auf Zeit, das ist DemokraUe. Also wir wählen und dann haben auch Leute Macht. Das ist zweifelsohne so, ich bin einer von Was sind wir? 736 Bundestagsabgeordnete. Auf jeden Fall sind wir ein paar zu viel und wir sind für vier Jahre gewählt. Und so lange sind wir der Gesetzgeber in Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:28:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Und natürlich Markus Söder Heißt oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:28:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, genau. Und natürlich ist das demokraUsche Macht. Also das gibt uns eine sehr einﬂussreiche PosiUon, aber die haben wir nicht durch Blutsrecht, nicht, weil wir in die richUge Familie geboren wurden oder weil wir über Grundbesitz verfügen oder was es halt so in der Geschichte für Spielregeln gab, nach denen Macht vergeben wurde, sondern wir haben das demokraUsch erlangt durch Leute, die uns gewählt haben. Und wenn die ﬁnden, dass wir mit der Macht Unfug machen, dann können sie uns beim nächsten Mal abwählen und jemand anderem die Macht geben oder sich selber darum bewerben. Und das ﬁnde ich unter allen Versuchen, die man bisher in der Geschichte unternommen hat, das Gemeinwesen zu organisieren, ist das ja erst mal der zivilisierteste, der uns so eingefallen ist. Ich würde nicht ausschließen, dass der Menschheit noch mal was OpUmales einfällt, aber es ist schon, es ist schon ganz gut. Aber es gibt auch Machtmissbrauch da so auch Parlamentarierinnen und Parlamentarier sind ein QuerschniJ durch die GesellschaH. Das heißt, auch bei uns gibt es Arschlöcher und Egozentriker und Gewinnmaximierer. Also alles, was es in der GesellschaH gibt, gibt es bei uns auch. Das sieht man dann, wenn irgendwelche Masken, Skandale oder so gibt ja Leute, die das Privileg haben, im Bundestag zu sein und dann und echt gutes Geld auch verdienen und trotzdem der Versuchung erliegen, noch richUg Reibach daneben machen zu wollen. Das, da würde ich sagen, das macht nicht die Macht, sondern das ist ein Charakter, der vorher schon angelegt ist, der ja den Charakter hat man oder man hat ihn nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:29:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber wenn man ich weiß ja, das hat mein PoliUklehrer auch gesagt, ja, die</p>



<p class="wp-block-paragraph">DemokraUe ist die beste, zivilisierteste Form, blablabla. Und dann denke ich so Ja, was ist eigentlich egal, wenn ich gewählt habe? Trotzdem habe ich oH als Bürgerin das Gefühl, es ändert sich ja doch nichts. Und hier steht auch wieder eine Frage Hat die PoliUk überhaupt noch die Macht, die sie gerne häJe?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:04</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Da würde ich diﬀerenzieren, weil die PoliUk sind sehr unterschiedliche Akteure. Und wenn ich jetzt mal als rein als Parlamentarier spreche, kann ich als solcher jetzt auch ein großes Klagelied singen und sagen, Parlamentarier in Zeiten der Krise zu sein. Und wir sind ja seit Jahren in unterschiedlichsten Krisen. Genau. Zeiten der Krise sind für Parlamentarier nicht die besten Zeiten, weil das, was eigentlich unser Business ist, nämlich einen Sachverhalt von Grund auf durchdringen, sich erschließen, sich langsam Gedanken machen, mit vielen Akteurinnen und Akteuren sprechen, Argumente abwägen, zu einem Kompromiss kommen, Gesetze machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:45</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Dafür Zeit zu haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:46</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Die Zeit haben wir häuﬁg gar nicht. Wir arbeiten im Krisenmodus, nicht bei jeder Frage, aber bei vielen. Also jetzt allein dieses Jahr Preisbremsen, Entlastungspakete, alle wollen richUgerweise, dass es schnell geht. Genau. Und dann hat man eben nicht die Zeit zu sagen Ich würde jetzt gerne einfach mal eine Nacht drüber schlafen oder eine Anhörung im Ausschuss machen, um mal möglichst viele Expertenmeinungen dazu zu hören. Und das ist eine schwierige Abwägung, weil ich kann im Einzelfall erklären, warum das Entlastungspaket zackig gehen muss, weil die Leute haben jetzt Geld, Not und brauchen das Geld nicht in einem Jahr, sondern sofort. Aber natürlich laufen wir dabei Gefahr, dass sich das so ein pﬂegt. Als neues Normal Gesetzgebung wird halt zack zack auf dem Verordnungsweg aus dem Ministerium den. Vor die Füße gekippt und dann gilt Friss oder sUrb. Du hast einen halben Tag Zeit. Oder noch weniger. Guck es dir halt an. Und wenn du nicht mit sUmmst, dann verwerst du den Leuten die dringend notwendigen Reformen oder so. Das ist auf Dauer kein guter Zustand für für die DemokraUe. Insofern Wir müssen den Umgang von mit DemokraUe in Zeiten der Krise und der des digitalen InformaUonszeitalter. Es sind ja alles Beschleuniger für für unser Leben. Das müssen wir als Kulturtechnik eigentlich erst noch erschließen. Ich würde mir manchmal fast so eine Enquetekommission im Bundestag wünschen, die sich genau mit dieser Frage mal beschäHigt Wie machen wir eigentlich DemokraUe in Zeiten extremer Beschleunigung und KrisenhaHigkeit?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:32:17</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Also, weil das ist, das wird ja sich nicht ändern. Also seit keine Ahnung, seit Nine Eleven, da habe ich zum Ersten Mal bewusst miterlebt, was es bedeutet, wenn Dinge nicht mehr so sind wie du. Immer geglaubt, dass das sie bleiben. Und seitdem sind wir in der Krise, habe ich das Gefühl, zumindest irgendeine Krise. Und nein, das wahrscheinlich auch mit dem Internet immer beschleunigter geworden. Da gebe ich dir total recht. Erste Hoﬀnung, dass wir das kulturell, technisch gelernt bekommen, kulturtechnisch gelernt bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:32:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Ja, dass also die Menschheitsgeschichte ist ja eine Geschichte der</p>



<p class="wp-block-paragraph">permanenten Anpassung auch an Gegebenheiten. Und mal gibt es dann irrtümliche Anpassungen, die müssen korrigiert werden. Aber ich bin kein Kulturpessimist. Also meistens fällt der Menschheit dann doch auch irgendwann was Gutes ein, wie sie mit Herausforderungen umgeht. Und wir im PoliUkbetrieb müssen. Wir können schon an manchen Stellen auch auch schneller werden, ohne dass es problemaUsch wird. Also zum Beispiel redet jetzt bei uns der GeschäHsordnungsausschuss gibt ja für alles ein Ausschuss in Deutschland über die Frage, ob wir nicht auch mal zu stärker digitalen AbsUmmungen im Bundestag kommen. Weil ganz ehrlich, wir verplempern in einer Sitzungswoche schon wahnsinnig viel Zeit damit, dass wir an irgendwelchen Wahlurnen stehen und da so kleine PlasUkkärtchen reinwerfen, dass wir im Plenum Hände heben und zum Teil dann sogar noch mal aufstehen müssen für SchlussabsUmmung. Und das können andere Parlamente anders, digitaler, ohne dass die Qualität der Entscheidungen darunter leidet. Also wir können. Wir haben schon auch noch OpUmierungsmöglichkeiten in unserer Arbeit. So ist es nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:33:55</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Gibt es eine Entscheidung, die du oder sagen wir mal ein ein Thema, wo du zuletzt deine Meinung geändert hast?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:34:02</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, ganz oﬀensichtlich in diesem Jahr beim Thema Waﬀenlieferungen in ein Kriegsgebiet, also Ukraine, da galt in der deutschen PoliUk über Jahre der Grundsatz In Kriegs und Krisengebiete sollte man keine Waﬀen liefern. Auch ziemlich pauschal. Also da hat jetzt auch meistens niemand dazugesagt. Also nicht in solche Kriegsgebiete, wo komische Leute Krieg machen, sondern das war ein allgemeiner Satz, den fast alle, nicht alle in der PoliUk in Deutschland so vertreten haben. Und so waren ja auch die Umfragen. Noch wenige Tage vor der PuUnschen Invasion in der Ukraine gab es eine Umfrage, wo fast 80 % gesagt haben Nein, keine Waﬀenlieferung. Die DebaJe gab es ja schon. Soll man die Ukraine prävenUv sozusagen bewaﬀnen, damit sie sich wehren kann? Naja, und dann kam die Invasion. Wir sahen und da sieht man die Stärke des mulUmedialen Zeitalters. Wir sahen alle die Bilder. Es war nicht nur irgendwie das, man hörte da ist jetzt Krieg, sondern wir haben gesehen, wie Bomben einschlagen, wie verzweifelte Menschen in Kellern sitzen, dass es Tote gibt, dass dieser endlos lange Militärtross auf Kiew zufährt. Und das macht ja was mit Menschen, weil die halt sagen okay, meine Haltung ist eigentlich, das sollte es nicht geben, so einen Krieg und man sollte den auch nicht mit Waﬀen unterstützen. Aber jetzt sehe ich, dass da leiden Menschen schuldlos, die haben nichts falsch gemacht und werden überfallen, werden gefoltert, werden getötet. Und was bleibt mir jetzt als Handlungsmöglichkeit, um das zu verhindern? Was habe ich kurzfrisUg in der Hand, um deren Leid zu lindern? Und wenn mir dann nichts einfällt, was ich kurzfrisUg für sie tun kann, dann muss ich hinterfragen, ob das, was ich bis gestern für falsch gehalten habe, nicht doch erst mal sein muss. Und da haben wir geändert die Einschätzung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:35:47</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber in diesen Zeiten ist es super schwer geworden, Paziﬁst zu sein. Also zu sagen ich bin grundsätzlich aber eigentlich gegen Waﬀen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:35:54</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, ich bin nie Paziﬁst gewesen, deswegen habe ich den Schmerz in Anführungszeichen sozusagen nicht. Ich will aber eine Lanze auch brechen für Leute, die wirklich dezidiert sich als Paziﬁsten begreifen, weil ich das eine völlig legiUme PosiUon ﬁnde,</p>



<p class="wp-block-paragraph">über die man sich auch nicht lächerlich machen muss. Und wer in dem konkreten Fall jetzt eine paziﬁsUsche Grundhaltung aufrecht erhält, dem ﬁnde ich, sollte man auch nicht vorwerfen, der Ukraine gegenüberstehe. Nein, der ist kein PuUnversteher und der ist auch nicht unsolidarisch mit irgendwem konkret, sondern in einer in einer Dilemma SituaUon. Also der Bruch von internaUonalem Recht. Das eine Dilemma SituaUon, weil man ihn eigentlich nur damit beantworten kann, selber zu MiJeln zu greifen, die man eigentlich für falsch hält. In so einer DilemmasituaUon, sich dem Dilemma zu verweigern und zu sagen Ich bleibe bei der Grundhaltung, ist eine eine PosiUon, die ich jetzt konkret in dem Fall nicht einnehme, die ich aber für vollkommen vertretbar und diskutabel halte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:36:54</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Gibt es eine Illusion, die du aufgeben musstest, seitdem du in der PoliUk akUv bist? Hm, dann kann ich mal ein Beispiel geben. Ich habe vor ein paar Jahren mal Ursula von der Leyen getroﬀen und damals war sie noch Arbeitsministerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:37:09</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das ist schon eine Weile her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:37:10</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und sie meinte das erst in ihrem Amt, wenn sie verstanden hat, dass wir eigentlich eine Art Gender Quote brauchen, also Frauenquote brauchen im Unternehmen, weil mit Freiwilligkeit und das, was immer gesagt wurde, wir müssen appellieren und bla. Das einfach nie geholfen hat und sie das aber lange geglaubt hat, dass man durch Eigenleistung es schaﬀen kann. Und das war für eine CDU PoliUkerin schon, sagen wir mal, da hat sie vielleicht sogar auch die Kanzlerinnenkandidatur gekostet, im Laden mit dieser PosiUon Arbeitsminister genannt zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:37:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das sUmmt. Es gibt. Es gibt so schöne Momente. Gut, jetzt haben wir gerade über die Waﬀenlieferung gesprochen. Das ist. Das ist natürlich vergleichbar. Und wie bei Ursula von der Leyen auch Es ist die Realität am Ende, die einen dazu häuﬁg bringt, doch noch mal etwas anders zu beleuchten, weil weil dann etwas prakUsch wird. Und wenn man dann Verantwortung trägt, kann man sich nicht nur zurückziehen auf eine grundsätzliche Überlegung, sondern man muss dann ganz konkret in der Sache sagen, was das jetzt in diesem Fall bedeutet. Wenn ich es in meinen Themenbereich beim Bauen und Wohnen übersetze, dann würde ich sagen, spreche ich heute sicherlich diﬀerenzierter über, zum Beispiel über Wohnungseigentümer, als ich das früher gemacht häJe, weil ich mehr über die Unterschiedlichkeit von Eigentümern miJlerweile weiß. Also ich habe keine andere Sicht darauf, wie den Wohnungsmarkt idealerweise sein sollte, aber mir ist schon sehr daran gelegen, dass wir nicht zum Beispiel alle in einen Topf werfen und so tun, als sei jeder, der privat Wohnraum besitzt, automaUsch dadurch ein Halsabschneider und wäre quasi geneUsch darauf gepolt, sich jetzt irgendwie mieterfeindlich zu verhalten. Das ist nachweislich nicht der Fall und da bin ich deutlich diﬀerenzierter in meiner ArgumentaUon miJlerweile unterwegs, als ich das vielleicht noch vor ein paar Jahren gewesen wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:06</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ja, gleich geht’s weiter. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, dann kannst du das mit einem kleinen monatlichen Beitrag tun. Im Gegenzug kannst du aktuelle Folgen vorab hören. Und du wirst, sofern du das möchtest, hier im Podcast auch</p>



<p class="wp-block-paragraph">namentlich genannt. Alle Infos ﬁndest du auf Raoul de. Aufzug. Ende der Service Durchsage. Viel Spaß beim zweiten Teil der Folge. Da gibt es ein poliUsches Erfolgserlebnis, dass du gemacht hast. Oder sagst du Ja, gell?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:45</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, also ich glaube, es gibt immer das eine, woran man sein ganzes Leben zurückdenkt. Und das ist das erste, das erste Mal, wo man richUg einen Unterschied selber gemacht hat. Und ich habe, als ich bei den Jusos angefangen habe, bei den Jusos in Berlin und da im Landesvorstand gewesen bin, da haben wir uns mit, wie man das in der SPD damals viel gemacht hat, mit Hartz IV und den Auswirkungen von Hartz IV und der SituaUon von Menschen in Hartz IV beschäHigt. Und dann haben wir irgendwann uns auch mal genauer angeguckt, Was ist eigentlich in diesem Regelsatz drin, den die Leute kriegen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wofür ist denn dieses Geld so vorgesehen? Und dann sind wir gestoßen auf den Anteil für Mobilität. Der lag bei irgendwas, 25 € um und bei. Und dann stellten wir fest Moment mal, das Ticket, was in Berlin vom öﬀentlichen, von den öﬀentlichen Verkehrsbetrieben verkauH wird für Menschen, die Grundsicherung bekommen, das ist ja teurer als das, was die eigentlich für Mobilität vom Staat zugebilligt kriegen. Wie kann denn das sein? Das ist ja eine Milchmädchenrechnung. Und dann haben wir, wie man das dann in so einer Partei macht, haben wir einen Antrag geschrieben. Also wir haben auf Papier geschrieben, was sich daran ändern sollte, haben das bei den Jusos in Berlin beschlossen, haben das auf den Parteitag der Berliner SPD geschickt. Das ist dort beschlossen worden. Die Berliner SPD ist damit in Wahlkampf gezogen, hat das in die KoaliUonsverhandlungen eingebracht. Der Senat hat das so auf den Weg gebracht und dann wurde es irgendwann Gesetz. Und dann ist der SozialUcket Preis von, ich glaube davor 36 € auf 27,5 €. Das war dann der Anteil für Mobilität gesenkt worden und das werde ich nie vergessen. Ich bin dann auf einen S Bahnhof in Berlin gegangen, auf meinem Weg zu keine Ahnung wohin und habe auf diesen Automaten an dem Tag, als es losging geklickt. Und auf dieses Feld mit dem Berlin Ticket hieß das dann und dann stand da 27,5 €. Und das ist ein ganz besonderer Moment zu wissen, das steht da jetzt, weil ich mich mit anderen zusammen dafür eingesetzt habe. Das ist, glaube ich, das, was die WissenschaH Selbstwirksamkeit nennt. Und das ist ein ganz, eine ganz erfüllende Angelegenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:41:50</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Super. SUchwort Selbstwirksamkeit. Ich habe neulich ein Wikipedia ArUkel gelesen über Sankos. Also versunkene Kosten und versunkene Kosten gibt es ja sehr, sehr viele, die wir auch im Alltag kennen. Keine Ahnung. Wir haben jetzt so lange in unserem Leben LoJo gespielt und nie gewonnen. Aber jetzt muss ich dranbleiben, oder? Also es gibt ja viele solcher versunkenen Kosten und das gleiche mache ich die ganze Zeit. Die Beobachtung mit Hartz4 oder vielleicht demnächst Bürgergeld, das wir. Wir erhöhen dann ja den Hartz IV Satz um 5 € und es kostet dem Staat Milliarden. Aber alle wissen alle, sowohl die kein Hartz4 bekommen als auch die PoliUker innen als auch die, die es bekommen, dass 5</p>



<p class="wp-block-paragraph">€ nichts sind und gerade in Zeiten von InﬂaUon usw. Aber es war am Ende Arsch teuer und alle sind unzufrieden. Und das ist mit dem Bürgergeld was jetzt 53 € mehr sind, vielleicht sogar noch mit ähnlich schlimmen, ähm sagen wir mal Dingen, die die man Bürger ihnen aufzwingen kann, weil Friedrich Merz dagegen ist. Das wird jetzt auch keine RevoluUon werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:55</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nie eine RevoluUon nicht, aber das Bürgergeld ist deutlich mehr als nur plus</p>



<p class="wp-block-paragraph">53 € im Monat. Dann wäre es auch keine Reform, dann wäre es halt eine Preisanpassung. Aber die Bürgergeld Reform ist schon auch eine Strukturreform, bei der wir versucht haben, sehr genau zuzuhören, was uns die Leute aus der Praxis gerade in den Jobcentern gesagt haben. Als Beobachtung aus den letzten Jahren nämlich. Also zum Beispiel haben sie immer darum gebeten Lasst uns unseren Job machen, nämlich in Arbeit vermiJeln und hört auf, dafür zu sorgen, dass wir die Wohnungen von Menschen ausmessen müssen, um festzustellen, ob da zwei Quadratmeter zu viel sind. Und lasst uns also hört auf, uns Kontoauszüge sorUeren zu lassen, um zu gucken, ob da zu viel Vermögen auf dem Konto ist, sondern gebt uns die Möglichkeit, alles dafür zu tun, dass die Leute wieder in ihn in Arbeit kommen können, nachhalUg in Arbeit kommen können. Denn das ist häuﬁg aus dem Blick geraten Wofür machen wir das alles? Das Ziel ist, dass Leute, die in die Erwerbslosigkeit gerutscht sind, dass die wieder auf eigenen Beinen stehen können. DauerhaH. Das wollen ja auch fast alle Betroﬀenen selbst. Das ist ja Erwerbslosigkeit ist eine Macht, Leute, kreuzunglücklich ist eine ganz beschissene SituaUon im Leben. Und das WichUgste ist, erst mal da wieder rauszukommen. Und dieses System, Jobcenter und alles drum herum, da muss jeder SchriJ sich die Frage stellen lassen, was tut dieser SchriJ dazu, dass das wahrscheinlicher wird, dass die Leute wieder in Arbeit kommen. Und deshalb sagen wir beim Bürgergeld dieser Vorrang, das zum Beispiel in irgendwelche Saisonjobs vermiJelt wird, anstaJ zu gucken, wie kann ich jemanden, auch wenn es ein bisschen länger dauert, weiter qualiﬁzieren, weil das, was die. Einmal gelernt hat, wird vielleicht nicht mehr gebraucht, weil der technische FortschriJ das übernommen hat. Dass da die Qualiﬁzierung den Vorrang jetzt künHig hat und die Leute nicht gedrängt werden, möglichst schnell in einer Maßnahme zu sein. Das ist schon ein wichUger Systemwechsel. Aber ja, wir müssen uns da nichts vormachen. Leute, die lange raus sind, um wieder auf den Arbeitsmarkt zu bringen und sie auch wieder zur Teilhabe an der GesellschaH zu bringen. Das kostet an Energie, aber auch an Geld deutlich mehr, als einfach nur jeden Monat 502 € jetzt zu überweisen, sondern das ist ganz viel Arbeit. Wir machen das ja in einem Programm, das sich in vielen Programmen aber das prominenteste, das prominenteste ist der soziale Arbeitsmarkt. Und da ﬁnanziert der Staat über mehrere Jahre quasi den Lohn von Langzeiterwerbslosen, die in einem Unternehmen wieder arbeiten, weil sie so lange raus sind und noch nicht so leistungsfähig am Anfang sind. Zahlt der Staat am Anfang bis zu 100 % des Lohns und dann auch nach ein, zwei Jahren immer noch 80 70 %, bis irgendwann eine Leistungsfähigkeit da ist, bei der der Arbeitgeber sagt jetzt kann ich das kompleJ übernehmen, jetzt ist das ein ganz voll funkUonsfähige Arbeitnehmer, so wie das hier bei uns nöUg ist. Und klar, das kostet. Wenn man es rein volkswirtschaHlich betrachtet oder eher betriebswirtschaHlich betrachtet, kostet es erst mal wahnsinnig viel Geld. Aber volkswirtschaHlich betrachtet ist das natürlich die beste InvesUUon, die wir machen können, weil in die Selbstständigkeit von Leuten zu invesUeren ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:46:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber ich verstehe. Also klar habe ich schon auch damals verstanden. Was mich nur an der Sache stört, ist, dass man jetzt schon das Gefühl hat, das Bürgergeld wird keinen InﬂaUonsausgleich haben. Das heißt, die Preise werden teurer, aber 53 € sind dann wahrscheinlich wieder InﬂaUonsausgleich gerade mal. Und dann haJe ich vor vier, fünf Jahren ein Gespräch mit jemandem vom Deutschen InsUtut für WirtschaHsfragen und der sagte, der Mindestlohn müsste eigentlich bei 14 € liegen. Das hat er vor fünf Jahren gesagt, um nicht in Altersarmut zu leben. Das heißt, wir verschieben das die ganze Zeit, kosten in die ZukunH, weil wir genau wissen Menschen, die so und so viele Jahre Mindestlohn bekommen</p>



<p class="wp-block-paragraph">haben und so viele Jahre Bürgergeld bekommen haben, altersarm leben. Und das müssen wir auch einlösen, dass man für sich selber sorgen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:46:58</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>SUmmt. Es gibt ja eine klare ArmutsdeﬁniUon, auch wissenschaHlich, nämlich dass wenn bei 60 % vom sogenannten Medianeinkommen alles was darunter geht, ist, ist die armutsgefährdete Zone. Was ist ein Medianeinkommen, wenn man quasi alle Einkommen in Deutschland der Größe nach in so eine Reihe nebeneinander stellt und den ganz in der MiJe rausnimmt, dass es der Medianlohn oder das Medianeinkommen und davon 60 % das ist die Grenze zur Gefährdung runter. Das ist sozusagen, ich sage es jetzt in meinen Worten, das ist dann sozusagen die Streuweite. Wir wollen ja nicht den Normlohn in Deutschland haben, dass alle das Gleiche kriegen. Das wäre auch ein bisschen komisch. Das heißt, man sagt das, was der DurchschniJslohn ist, da kann man mit ein bisschen mehr gut leben, da kann man auch mit ein bisschen weniger durchaus gut leben. Aber wenn es zu weit davon abweicht nach unten insbesondere, dann sind Dinge des täglichen Bedarfs usw. nicht mehr gewährleistet. Dann wachsen einem die Wohnkosten über den Kopf, dann geht es in VerschuldungssituaUonen staUsUsch gesehen häuﬁg rein. Und das ist ein ziemlich hoher Anteil von Menschen in Deutschland von über 15 %, die im zumindest armutsgefährdeten Bereich unterwegs sind, vielfach auch wirklich Armutsbetroﬀene. Und der Lohn alleine verrät noch nicht zwingend, ob, ob das der Fall ist oder nicht. Da muss man gucken, Vollzeit oder TeilzeitbeschäHigung. Also man kann mit Vollzeit Mindestlohn sicherlich keine großen Sprünge machen, aber in besUmmten KonstellaUonen, wenn es vielleicht auch Double Income Haushalt ist, geht das schon. Aber in anderen geht es eben auch nicht. Deswegen gibt es ja zusätzliche ergänzende Leistungen wie Wohngeld, Kinderzuschlag und anderes, weil wir genau wissen, dass wir unter ErwerbstäUgen auch viele in Deutschland haben, die trotzdem nicht gut damit über die Runden kommen. Aber die sollen ja einen Mehrwert von ihrer Arbeit wirklich spüren. Am Ende soll mehr möglich sein, als wenn sie einfach sagen würden Leck mich, ich bleib zu Hause. Das ergibt so alles keinen Sinn. Und deswegen ist das immer so ein so ein Austarieren, was wir da machen. Und was die Rente angeht, haben wir ja ein bisschen auch ein paar Behelfsbrücken gemacht, weil wir ﬁnden, wenn jemand lange gearbeitet hat, selbst wenn es häuﬁg zu sehr niedrigen Löhnen war, was fürchterlich ist, dann soll daraus keiner keine, keine Grundsicherungsrente am Ende werden. Deshalb haben wir zum Beispiel die Grundrente eingeführt, bei der die Spielregel lautet Wer 35 Jahre gearbeitet und oder Kinder erzogen und oder Angehörige gepﬂegt hat, der kann. Auf jeden Fall eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:40</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>35 Jahre arbeiten. Da musst du mit 25 angefangen haben zu arbeiten, wenn du Kinder großgezogen hast. Wenn Leute pﬂegen, muss das in der Familie. Also ich habe manchmal das Gefühl, das sind dann so Zahlen, die dann im Idealzustand funkUonieren, aber oH einfach nicht die Realität. Zumindest von Leuten, die ich kenne, die Job wechseln, mein halbes Jahr arbeitslos sind. Das sammelt sich ja an mit der Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:50:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Das sUmmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:50:02</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Erst mal, das auch eher unrealisUsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:50:03</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ist. Ja, also ich will jetzt nicht zu Uef ins Detail reingehen, so was ist schon berücksichUgt. Also das ist jetzt nicht einfach nur die AddiUon von jedem Erwerbsmonat, sondern zum Beispiel Arbeitslosengeld I Zeiten oder so sind auch berücksichUgt mit da drin. Also das ist jetzt nicht mit der Stechuhr alles festgehalten. Aber klar, die Biograﬁen werden immer bunter, aus unterschiedlichsten Gründen und aus total legiUmen Gründen. Und EinzelfallgerechUgkeit ist in der PoliUk etwas super schwer zu erreichen. Das heißt also, ich glaube, gute PoliUk beschäHigt sich immer wieder mit neu, muss sich immer wieder konfronUeren mit UngerechUgkeiten und dann das Regelwerk weiter anpassen, um möglichst viele davon auszumerzen. In dem Wissen, dass wir das. Das ist wieder der Esel, dem man die Möhre vor die Nase hält. An so einer Angel. Genau. Er wird nie zubeißen können, aber er bewegt sich zumindest in die richUge Richtung. Und das ist das, was wir, was wir zumindest auch versuchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:03</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Du hast gerade über den Median gesprochen von Einkommen haben. Ich als Mensch mit Behinderung, der auf Assistenz angewiesen ist, bin auch vom Median betroﬀen, mehr oder weniger, weil die Assistenz ja vom Amt bezahlt wird, quasi. Und solange ich arbeite, da habe ich ein besUmmtes Vermögen nicht überschreiten und Einkommen und das ist der Median arm, wenn ich das richUg sehe und ich kann davon leben, das ist auch alles okay, aber alles, was ich da drüber verdienen würde, würde eingezogen werden zu einem sehr großen Prozentsatz. Und ich darf nicht sparen. Mehr als 50.000 €, glaube ich. Wenn ich arbeitslos wäre, dann würde dieses Sparvermögen auf 25.000 € fallen. Und ich verstehe die ArgumentaUon dahinter. Aber es haben uns viele Leute in Behörden gesagt, das zu prüfen. Ja ist teurer als das, was wir erstens ﬁnden. Und zweitens es wird man gleichgesetzt mit jemandem, der arbeitslos ist. Was, wie du selber sagst, ein temporärer Zustand sein soll, habe ich ja mein Leben lang behindert bin, hat die aktuelle KoaliUon vor diesem Zustand zu ändern?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:52:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ganz ehrliche Antwort. Da bin ich gar nicht Uef genug im Thema drin, um es dir genau sagen zu können. Also ich weiß, für manche ist es dann immer schwer verständlich, aber wir sind nicht alle in der PoliUk in allen Themenbereichen gleich gut drin. Und ich kann dir jetzt sagen, ich höre dir zu und verstehe die SituaUon und ﬁnde erst mal, dass mein GerechUgkeitsempﬁnden verletzt ist bei dem was du sagst, weil ich das so nicht logisch ﬁnde und weil für Dinge, für die Menschen nichts können, sondern die schicksalhaH uns gegeben sind, sollte es keine staatlichen RestrikUonen oder Bestrafungen oder wie auch immer man es nennt geben, weil das hat sich ja niemand ausgesucht. Arbeitslosigkeit hat sich übrigens auch in der Regel niemand ausgesucht, weshalb wir ja jetzt auch sagen, zumindest in den ersten Jahren gibt es auch sehr große Schonvermögen usw., nämlich genau aus den genannten Gründen, also weil die Leute in den Jobcentern uns gesagt haben, das ist zu kompliziert, das alles zu prüfen, haltet uns den Rücken für die VermiJlung frei, haltet den Betroﬀenen den Rücken frei, dass sie sich auf das Finden von Arbeit konzentrieren können und setzt sie nicht unter Druck. Und übrigens und es hat also am Ende geht es um Menschenbild. Immer. Das darf man nicht vergessen. Wir diskuUeren immer drüber in so einer in so einer Einzelfallbetrachtung, dann kommen anekdoUsche Sachen. Ich kenne einen Arbeitslosen und der hat sich nicht angestrengt oder der ﬁndet das ganz geil oder so. Darum geht es ja gar nicht. Es geht darum, dass niemand von uns und das gilt übrigens für</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeitslosigkeit wie für eine Behinderung davor gefeit ist, auch betroﬀen sein zu können. Und unser Sozialstaat sollte so gestaltet sein, dass für den Fall, dass einem etwas passiert, man dann nicht ins Bodenlose fällt, sondern dass man sich auf ein festes Netz verlassen kann und dass das dann nicht in Frage gestellt ist und dass man nicht im Einzelfall jemanden nachweisen muss, dass man sich tüchUg angestrengt hat und hier kein übler Nutzniesser von sozialstaatlichen Leistungen ist. Und das ärgert mich, dass wir diese, diese diese Menschenbild und GesellschaHsbild Ebene häuﬁg verlassen und abgleiten in so ein sehr revanchisUsches. Jetzt zahlen wir es dem Florida, Rolf und seinesgleichen quasi mal zurück und zeigen den Arbeitslosen, wie man sie ordentlich zum Arbeiten triezen kann, als wüssten sie nicht selber, wie blöd die SituaUon eigentlich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:54:30</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ja, und dass Menschen mit Behinderung ähnlich wie Arbeitslose immer als Kostenfaktor gesehen werden und nicht. Auch als Menschen, die vielleicht beitragen können zur GesellschaH. Was mich zum Thema PoliUk bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:54:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Darf ich da nur ganz kurz. Ja, weil das ﬁnde ich. Also man stößt ja dann manchmal erst selber über ArUkel oder so drauf, wenn man, wenn man ganz persönlich aktuell nicht auf den Abbau von Barrieren, also ganz egoisUsch betrachtet, jetzt nicht darauf angewiesen ist, dann muss man sich ja häuﬁg einfach mal konfronUeren, um zu wissen, was passiert eigentlich drumherum. Und ich war echt schockiert, als ich zum Beispiel mitgekriegt habe, dass er im. Dass wir zwar über die Vereinten NaUonen völlig zurecht darauf verpﬂichtet sind, dass der öﬀentliche Nahverkehr in Deutschland seit diesem Jahr barrierefrei zu sein hat. Und dann kommt das Sternchen mit dem großen Aber. Es gibt aber Ausnahmen davon, nämlich wenn quasi eine WirtschaHlichkeitsprüfung ergibt, dass sich das nicht rechnet, weil da nach allgemeiner Auﬀassung nur alle Jubeljahre mal jemand mit einem Rolli vorbeikommt. Und dafür muss ja dann kein Aufzug oder so gemacht werden. Also das ist ja nun, das ist ja schon einfach zu sagen, eine Struktur steht einem eigentlich zu, aber wenn die Betroﬀenen nicht quasi Schlange vor Ort stehen und deutlich machen, dass es viele von ihnen gibt oder sich die ZukunH bei uns meldet und uns verrät, wie viele Betroﬀene es wohl in ZukunH geben wird, was wir ja gar nicht wissen, Dann machen wir es nicht. So funkUoniert PrävenUon und so funkUoniert Gemeinwohl und Daseinsvorsorge natürlich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Was glaubst du denn? Sind gerade wir Menschen über ein Thema gesprochen? Probleme, die Menschen mit Behinderung in Deutschland gerade haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Kommt darauf an, natürlich, über welche Form von Behinderungen wir sprechen. Also klar, der Abbau von physischen Barrieren im Alltag ist ein ein Dauerbrenner Thema. Übrigens haben Menschen mit einer mit einer körperlichen BeeinträchUgung gemein. Mit ganz vielen, mit kleinen Kindern, mit Seniorinnen und Senioren, die nicht mehr so mobil sind usw.. Also es ist eine riesen Gruppe in der GesellschaH und das tri\ uns im Baubereich. Also bei Gebäuden nicht nur Wohngebäuden, sondern zum Beispiel öﬀentliche Gebäude usw. sind die zugänglich oder nicht? Das betri\ den Straßen und Verkehrsbereich. Ich habe ein paar Jahre KommunalpoliUk gemacht und weiß um Fragen von Bordsteinabsenkung und ähnlichem mehr. Also das sind die sind die Klassiker. Natürlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann geht es um Teilhabe am Arbeitsmarkt. Arbeitgeber sind ja zum Beispiel in Deutschland</p>



<p class="wp-block-paragraph">dazu verpﬂichtet, größere Arbeitgeber einen besUmmten Anteil ihrer Arbeitsplätze ﬁx auch an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:07</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Ab 20 Mitarbeiterinnen 5 %.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:10</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Genau an Menschen mit Schwerbehinderung auch zu vergeben. Sie können sich aber davon. Ja, ich glaube, man muss es so sagen freikaufen. Sie können eine monatliche Abgabe bezahlen und dann darauf verzichten, das durchzusetzen und unterlaufen damit unseren Anspruch, den wir eigentlich verfolgen, nämlich einen inklusiven Arbeitsmarkt, also nicht einen separaten Arbeitsmarkt für Menschen mit BeeinträchUgung, sondern einen wirklich inklusiven Arbeitsmarkt zu schaﬀen. Und das ist für einen Sozialdemokraten Kern Spielfeld natürlich auf dem Weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:41</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber was ist zum Beispiel, dass, wenn Volkswagen eine WerkstaJ für behinderte Menschen beauHragt, dann Dreiecke zu verpacken, die das zu 50 % auf ihre BeschäHigtenquote im eigenen Laden anrechnen können?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:52</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nein, das wusste ich tatsächlich nicht. Das heißt, die eine Zulieferung sozusagen, verschieben Sie in eine WerkstaJ. Und das können Sie auf Ihre StammbelegschaH anrechnen lassen. Ja, das ist das nicht, dass in.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:58:04</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Den WerkstäJen kein Mindestlohn verdienen. Das ist ja auch ein riesiges Problem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:58:09</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ich habe wirklich vorher jetzt nicht nachgeguckt, Wie stehst du zu dem Thema Mindestlohn? Weil. Also natürlich diese Taschengelder, die in WerkstäJen gezahlt werden, da brauchen wir keine Sekunde drüber diskuUeren. Das hat mit dem Anspruch, jeder nach seinen Möglichkeiten, jeder nach seinen Fähigkeiten nichts zu tun. Mein letzter Kenntnisstand war, dass die WerkstaJräte, da gibt es ja Zusammenschlüsse auch in Deutschland, Leute, die für WerkstäJen, also Betroﬀene, die für WerkstäJen sprechen, die dort arbeiten, dass die sich für ein anderes Modell mehrheitlich ausgesprochen haJen, nämlich für das Basisgeld. Ja, genau so heißt es. Wie siehst du.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:58:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das? Also es ist ja noch völlig unklar, was Basisgeld eigentlich genau bedeutet. Ich habe den Eindruck, dass die Leute, in denen WerkstaJräten sitzen, das dann letztendlich auch eingeredet bekommen. KämpH lieber alle für das Basisgeld, ohne gleichwerUg informiert zu werden über mögliche AlternaUven, die es bereits schon gibt. Also es gibt ja zum Beispiel das Budget für Arbeit, wo man ja letztendlich die gleichen Gelder, die eine WerkstaJ bekäme, theoreUsch einsetzen könnte, um jemanden direkt bei Volkswagen anzustellen, auch anzustellen und nicht nur zu beschäHigen. Und wir wissen jetzt zum Beispiel in Berlin Brandenburg, dass viele BeschäHigte in WerkstäJen gar nicht informiert werden über ihre Rechte und AlternaUven, weil es intrinsisch nicht moUviert ist, in den WerkstäJen Wohlfahrtssbetrieben Unternehmen ihre besten Mitarbeiterinnen an den</p>



<p class="wp-block-paragraph">allgemeinen Arbeitsmarkt abzugeben. Aber die ja nur, wenn sie ausgelaufen. Quasi funkUonieren und ja auch untereinander irgendwie in Konkurrenz stehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:59:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das ist also, als ich da das letzte Mal drüber gehört habe über diese Frage Mindestlohn, WerkstäJen ja oder nein? Und von diesem Basisgeld gehört habe, ist mir genau der Gedanke, den du gerade ausgesprochen hast, in den Sinn gekommen. Ich häJe mich gar nicht getraut, ihn auszusprechen, weil also einerseits fragt man sich, werden Menschen instrumentalisiert und wird ihnen was eingeredet? GleichzeiUg denkt dann irgendwie, dass das Engelchen auf meiner linken Schulter in mir. Warum traust du denn denen jetzt gleich erst mal wieder nicht zu, deinen eigenen Gedanken zu haben, sondern dass sie sich was haben einﬂüstern lassen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:12</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Bekomme auch sehr viel Ärger von den Leuten in den sowohl WerkstaJräten, von WerkstäJen selbst, aber auch sehr viel Zuspruch von Menschen, die es dann einmal raus gescha\ haben. Hm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:22</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, also ich. Ja, ich, ich tue mich, tu mich ganz schwer damit, weil wer bin ich sozusagen aus meinen Also ich muss eine Haltung dazu haben. Das verlange ich mir poliUsch einfach von meinem Menschenbild herab zu sagen, so wie es ist, ist das deﬁniUv nicht gerecht. Wir alimenUeren Leute, die ganz regulär einer Arbeit nachgehen und ja, auch Werte schaﬀen, die andere dann auch zu Geld machen und die in den allgemeinen WirtschaHskreislauf reinﬂießen. Ganz klassisch, so wie der Weg raus daraus aussieht, dass das. Da tue ich mich echt schwer mit die die richUge Antwort darauf zu ﬁnden. Aber es zeigt eben, was für komische Konstrukte wir manchmal in der GesellschaH bauen. Wir müssen ja eh den Lebensunterhalt von Menschen bestreiten. Das heißt, was wir im Moment machen ist, wir zahlen ihnen ein symbolisches Taschengeld und demüUgen viele von ihnen einfach auch, weil wir dadurch ja zum Ausdruck bringen, dass wir das irgendwie doch nicht als richUger Arbeit ansehen, um ihnen dann im zweiten SchriJ noch mal deutlich mehr Geld an anderer Stelle obendrauf zu geben, damit sie dann wirklich die Kosten der UnterkunH usw. bestreiten können. Also das ist die doppelte DemüUgung. Erstens einen schlechten, eine schlechte Vergütung für die geleistete Arbeit und dann noch später zu zeigen, Na ja, und jetzt gibt es noch eine sozialstaatliche Leistung, damit ihr exisUeren könnt am Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:01:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das ist halt Outsourcing, also dass dann letztendlich auch die Betriebe wie WerkstäJen, die eigentlich dafür zuständig wären, mit den Geldern, die sie bekommen, dafür zu sorgen, dass Menschen arbeitsfähig werden oder da, wo es nicht geht, die AlternaUven zu überlegen, letztendlich dann sagen ja, die verdienen ja bei uns so wenig, jetzt muss der Staat wieder herhalten. Also ich ﬁnde es auch problemaUsch und ich haJe mal ein Gespräch vor ein paar Jahren mit Jens Spahn. Damals war der noch im Finanzministerium und der sagte mir, dass er als FinanzpoliUker schon auch beobachtet, dass sehr viel Geld ausgegeben wird, in dem Bereich aber gefühlt nicht mehr bei den Betroﬀenen ankommt und er die Frage stellt Wer proﬁUert gerade? Und das ﬁnde ich eine spannende Frage, weil ich sehr häuﬁg auch beobachte, dass sie aus Unternehmen, Entscheider innen, GeschäHsführung, Projektverantwortliche alle nicht Behinderte sind in diesen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wohlfahrtsunternehmen. Und die Behinderten sind dann nur die BeschäHigten ganz unten. Und es gibt sehr wenig Durchlässigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Ich überlege gerade, wer die wer die Einﬂuss also wo wirklich an einﬂussreichen poliUschen oder Behördenstellen in Deutschland Menschen sitzen, die mir bekannt sind als als Menschen mit Behinderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:52</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und Olaf König als SPD Mitglied Cheﬁn der Lebenshilfe, spricht über Behinderung, teilweise wie über Kinder. Und das ﬁnde ich persönlich, muss ich ganz ehrlich sagen, das weiß ich auch von mir problemaUsch. Und warum sprechen nicht Betroﬀene für sich selbst? Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Nein, danke für die PerspekUve. Ich bin merkt, ich bin ich bin wir in einem. Ich weiß, was ich falsch ﬁnde, aber ich bin mir noch nicht an allen Stellen so sicher, was das gerade für richUg zu ﬁnden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:22</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Du hast gerade öﬀentliche Gebäude genannt als Thema Barrierefreiheit. Das war mir noch wichUg. Ich spreche da echt mal als AkUvist, der.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:29</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:29</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Kurz ausreden. Aber öﬀentliche Gebäude sind ja nach jurisUschen DeﬁniUonen, Schulen, Bibliotheken und Rathäusern, aber nicht McDonalds, Starbucks und das Kino. Und wir verbringen aber 90 % unseres Lebens in privaten Unternehmen, die in Deutschland nicht verpﬂichtet sind, zur Barrierefreiheit. Außerdem Sie haben eine Website und die Website muss dann barrierefrei sein. Und das hat dann so Blüten getragen, jetzt mit dem Barrierefreiheit stärkungsgesetz, dass er verabschiedet wurde, dass der Bankautomat bis 2035 für blinde Menschen, weil ein Automat und Digitales barrierefrei sein muss. Aber ob der Bankautomat in einem Bankgebäude steht mit Stufen am Eingang, das muss nicht barrierefrei sein. 2035. Ich weiß nicht, ob wir überhaupt noch Bankautomaten brauchen. Ja, das ist die erste Frage. Aber die zweite Frage ist Warum tut sich Deutschland so schwer, die PrivatwirtschaH zu verpﬂichten, barrierefrei zu werden? Andere Länder haben das hinbekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:27</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Da teilen wir den gleichen Schmerz, weil ich auch glaube, dass dahinter ein Missverständnis steht, nämlich dass etwas, was privatwirtschaHlich betrieben wird, die öﬀentliche. Gar nichts anzugehen hat. Das ist aber nicht der Fall. Weil, und jetzt argumenUere ich mal als BaupoliUker mit dem Themenbereich, den wir da bearbeiten und kommen auf einen ganz ähnlichen Punkt wie du. Wir stellen erst mal einem Unternehmen, was irgendwo ein LadengeschäH oder so hat. Wir stellen denen erstmal Grund und Boden und einen öﬀentlichen Raum zur Verfügung. Das heißt, wir lassen sie in unsere Innenstädte, damit sie dort, was ihr gutes Recht ist, wirtschaHlich täUg sein können und auch gewinnorienUert wirtschaHlich täUg sein können. Aber es ist völlig legiUm und geradezu</p>



<p class="wp-block-paragraph">geboten, dass wir eine Gegenleistung erwarten. Das sieht man daran, dass wir von ihnen Steuern abverlangen, zumindest wenn sie nicht Amazon oder so was am Ende sind. Das kriegen wir dann aber auch noch mal irgendwie hin. Und wir sollten als sie auch als Teil, also mit verpﬂichtet sehen, was zur öﬀentlichen Infrastruktur beizutragen, zum Beispiel Zugang auch zu ihren sanitären Anlagen zu lassen. Ist mir völlig egal für wen. Weil sie nutzen den öﬀentlichen Raum. Sie sind darauf angewiesen und wollen geradezu, dass viele Leute mobil sind, zu ihnen kommen. Und dann muss man im Gegenzug natürlich auch was anbieten. Und dafür muss das Gemeinwesen vertreten durch die demokraUsch gewählte PoliUk und die Verwaltung, die dahinter steht, Spielregeln schaﬀen. Und daher sollten wir uns überhaupt nicht zurückhalten und glauben, wir pushen da irgendwie der PrivatwirtschaH mit rein, sondern es ist geradezu unser Job, ihr Vorgaben in einem gewissen Rahmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:09</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber wir haben also die SPD haJe so viele Gelegenheiten, das zu tun. Wir haJen das Behindertengleichstellungsgesetz, wir haJen das Barrierefreiheit stärkungsgesetz, demnächst kommt das Bundesteilhabegesetz und demnächst kommt die Reform des AnUdiskriminierungsgesetzes. Und ich fürchte, es wird dort wieder versäumt werden, die PrivatwirtschaH zu verpﬂichten. Zur Barrierefreiheit Und in Österreich haJe man eine 10- jährige Übergangszeit, bis die letzte McDonalds Filiale irgendwas zu tun hat. Und wenn wir da nicht mehr über diese zehn Jahre sprechen, dann dauert es 20 Jahre, bis überhaupt was passiert. Mindestens. Und ich mache mir große Sorgen, ob wir hier letztendlich auch wirklich dem Trugschluss auﬂiegen, dass das einem ja nur ein paar Behinderte sind. Weil du hast ja gesagt, wir wissen nicht, was die ZukunH bringt. Die GesellschaH wird immer älter. Das ist das Problem. Wovor haben wir Angst?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Genau. Aber dass wir das nicht abtun oder dass unsere Haltung zumindest nicht ist, das sind ja nur ein paar Behinderte, Ist nicht so wichUg. Sieht man ja an den Entscheidungen, die wir für den Neubau jetzt ja getroﬀen haben. Das Problem ist nur natürlich Der Großteil unserer Gebäude werden nicht in den nächsten 123 Jahren gebaut, sondern sind die, die schon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:19</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>100 Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:19</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Da sind, mit denen wir arbeiten müssen. Und klar, ich häJe natürlich, ich könnte jetzt fünf Minuten lang Beispiele bringen, wo das dann in der Praxis Folgefragen aufwirH. So wie bei jeder Mietwohnung. Wer trägt denn bauliche Veränderungskosten eigentlich? Also der das GeschäH, was drin ist, ist ja nicht immer der Eigentümer des Gebäudes, sondern das ist vielleicht irgendeine Immobilienholding. Zahlt die den Umbau oder muss das GeschäH das machen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Wird das auf die Kreditplanung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Oder wird das auf die Miete dann am Ende umgelegt? Das darf nicht das Problem der Betroﬀenen am Ende sein. Das darf nicht die Ausrede sein, es nicht zu machen. Aber natürlich hängen da Folgefragen dran, die, die durch durchdacht werden müssen. Aber</p>



<p class="wp-block-paragraph">was ja schon mal oﬀensichtlich ist und das ﬁnde ich echt sehr bemerkenswert. Der Markt, wenn man so will, funkUoniert ja hier überhaupt nicht, weil ein logisches Marktdenken würde ja bedeuten, dass Unternehmerinnen und Unternehmer, Eigentümerin und Eigentümer sich die schiere StaUsUk angucken und erkennen, wie viele Millionen Menschen jetzt und in ZukunH darauf angewiesen sind, dass Barrieren abgebaut werden, um zu parUzipieren und damit auch einkaufen zu können beispielsweise. Und dass sie da trotzdem für sich keine Schlüsse oder viele keine Schlüsse daraus ziehen, zeigt ja, dass sie anscheinend bereit sind, auf einen ganz erheblichen Teil auch potenzieller KundschaH und damit Umsatz und Gewinn zu verzichten. Und das ﬁnde ich auf eine schaurige Art bemerkenswert, dass der Markt hier nicht so funkUoniert, wie er gerne sich selber immer preist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:47</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Hoﬀen wir, dass in der aktuellen KoaliUon, die sich das ohne Beteiligung der CDU CSU vielleicht verbessert. Aber wenn nicht, glaube ich, dass sehr viele Menschen sehr poliUkverdrossen machen lassen. Zumindest die mit Behinderung, weil da viele Hoﬀnungen auch drauf liegen. Und auch angekündigt wurden in dem KoaliUonsvertrag, dass man sich besUmmte Dinge angucken will und da strenger werden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:12</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ich nehme die Hoﬀnung sehr ernst, aber ich bin nicht fürs Hoﬀen da. Das wäre als PoliUker eine komische PosiUon, jetzt hier die Daumen zu drücken und mitzuhoﬀen. Sondern manches, was du mir heute gesagt hat, war mir so konkret nicht bewusst. Und insofern ist das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:29</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Liegt vielleicht auch daran, weil es insgesamt zu wenig behinderte Menschen in der PoliUk gibt. Also mir fällt jetzt ein aus deiner Partei. Den Frosch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:37</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Den ich gerade kürzlich im Wahlkampf in Niedersachsen besucht habe und der jetzt direkt gewählter Landtagsabgeordneter im niedersächsischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:45</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Landtag ist der Schwerbehindertenvertreter der SPD. Jemand ohne sichtbare Behinderung?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:50</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Hm. Ja und? Also natürlich. Also wenn man erst mal den Anspruch hat, dass die GesellschaH halbwegs oder das gesellschaHliche Gruppen halbwegs anständig vertreten sind. Wir wollen das nicht auf die NachKommastelle. Genau. DemokraUe ist keine StaUsUk, Aber da kann man erst mal sagen Ganz oﬀensichtlich sind Menschen mit Behinderung unterrepräsenUert in der PoliUk. Und was ich aber auch erlebe, ist, dass diejenigen, die dann da sind, halt auch häuﬁg in eine blöde PosiUon gebracht werden, weil sie haben eigentlich einen ganz anderen poliUschen Hintergrund. KonstanUn zum Beispiel macht MobilitätspoliUk, und zwar nicht nur durch eine inklusive Brille, sondern ganz generell natürlich für alle. Da ist der Aufsichtsrat in seinem kommunalen Verkehrsverbund vor Ort und wird dann gleich in diese Ecke reingesteckt. Jetzt sag doch du mal, wie inklusive PoliUk aussehen kann. Natürlich kann er dazu was beitragen, aber ich möchte ja auch als schwuler Mann in der PoliUk nicht, dass ich darauf festgelegt bin, QueerpoliUk am Ende im Bundestag machen zu müssen, sondern ich möchte mir schon gerne selber aussuchen, was ich mein</p>



<p class="wp-block-paragraph">Arbeitsschwerpunkt am Ende ist. Es ist die doppelte ProblemaUk, wenn Gruppen nicht ausreichend vertreten sind und daneben eben auch ein allgemeines Bewusstsein einfach fehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:10</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ja, total. Ich haJe neulich ein ganz interessantes Gespräch mit und das heißt neulich vor ein paar, anderthalb Jahren Oh GoJ, mit dem Bundespräsidenten. Und ich habe dem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>AmUerenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Genau. Und ich habe ihn gefragt, Was sind denn eigentlich Themen, die dich jetzt gerade beschäHigen vor anderthalb Jahren? Und er meinte die soziale UngerechUgkeit im Sinne des Klimawandels und dass jetzt Maßnahmen gemacht werden müssen, die vielleicht unpopulär sind usw.. Da gibt es ein Thema für dich, wo du sagst, das sind die größten poliUsch gesellschaHspoliUschen Aufgaben, die uns bevorstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:46</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Also die größte. Das ist schwer, das ist schwer zu sagen. Aber ich, also geprägt jetzt von den Erfahrungen der letzten Monate, glaube ich schon, dass die, dass die Energiefrage eine so allumfassende ist, weil da alles mit drinsteckt. Da steckt die Komponente des Klimaschutzes drin. Also was sind die Energiequellen, auf die wir zurückgreifen? Da steckt globale GerechUgkeit, GeopoliUk mit drin. Wer verfügt über Energie, wer handelt mit Energie? Was machen die Leute, die damit handeln? Tun sie es auf eine demokraUsche Art und Weise ihre MachtposiUon nutzen oder nicht? Da steckt die Frage konkret für Deutschland drin, ob wir IndustrienaUon bleiben, was mit einem hohen Energiebedarf, was für die Frage von Arbeitsplätzen, Einkommen, Steuerauxommen und letztlich einfach Wohlstand eine ganz entscheidende ist. Also Energie ist wahnsinnig entscheidend für den Weg, den unsere GesellschaH in den nächsten Jahren gehen wird. Aber ich tue mich schwer, eine Sache so zu priorisieren, weil natürlich anderes mindestens genauso entscheidend für für die FunkUonalität ist ja, alleine Frieden so zu nennen. Es klingt immer nach so einer Nacht. Nach so einer. Nach so einem billigen Begriﬀ. Dann sagt man halt, alle sind für Frieden. Aber das sehen wir ja jetzt in den letzten Monaten. Was für eine existenzielle Voraussetzung das eigentlich dafür ist, dass wir uns auch mit anderen Fragen beschäHigen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:18</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Wenn man jetzt die aktuellen PoliUkerinnen beobachtet der aktuellen Regierung habe ich mir schon immer öHer die Frage gestellt Kann man ab einer besUmmten PosiUon eigentlich nur noch verlieren? Also Robert Habeck hat wahrscheinlich mit ganz anderen Idealen gestartet, als er jetzt am Ende rausgekommen ist. Olaf Scholz Auch das ist wahrscheinlich für alle PoliUkerinnen so. Warum macht man das dann noch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Na ja, man macht es ja. Man macht es ja vielleicht gar nicht, um zu gewinnen in dem Sinne, was die Öﬀentlichkeit als gewinnen. BegreiH. Also häuﬁg werden ja dann Urteile oder zwischen Urteile über Personen der PoliUk gesprochen auf Grundlage von aktuell schlechten Umfragewerten. Jemanden, der wirklich als Überzeugungstäter oder</p>



<p class="wp-block-paragraph">Täterin in der PoliUk ist, müssen Umfragen oder auch persönliche Beliebtheitswerte, noch dazu miJen in der Wahlperiode, bis zu einem gewissen Grad egal sein. Nicht, weil wir uns abschoJen sollen von der Wirklichkeit und sagen Es interessiert mich nicht, wenn Menschen KriUk an meiner Arbeit äußern. Doch, doch, das muss uns interessieren und auch beschäHigen. Aber wenn ich von meinem Handeln überzeugt bin und glaube, das, was ich beauHrage, was ich tue, wo ich Prioritäten setze und auch anderes nicht mache, das ist vom Ende her gedacht, nach meiner Überzeugung richUg für unsere GesellschaH. Dann muss ich durchhalten, das auf dem Weg dahin erst mal Leute sagen, die Veränderung stört mich, vor der habe ich Angst. Ich glaube nicht daran, dass dein Versprechen sich einlösen lässt, wenn. Wenn Willy Brandt seine OstpoliUk nach dem Prinzip Finger in die LuH und mal gucken, von wo der Wind weht gemacht häJe, HäJe es keine OstpoliUk gegeben, dann häJe der Eiserne Vorhang vielleicht noch viel länger gehangen, wenn nicht Leute für GleichberechUgung der Geschlechter oder so eingetreten wären. Zu einer Zeit, als man noch nicht Preise dafür verliehen bekommen hat, sondern wo man verspoJet und ausgelacht wurde. Wo würden wir heute stehen? Also ich glaube, wenn man eine Überzeugung wirklich Uef in sich drin hat, dann ist es immer noch unangenehm, Shitstorms zu bekommen und runtergeschrieben zu werden. Aber dann kann man das aushalten, weil man es ja, weil man eine so Uefe Überzeugung hat, dass die einem Energie geben sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:35</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Was nervt dich kolossal?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:37</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Och, ich bin eigentlich ein ziemlich relaxter Typ. Schlechter Kaﬀee nervt mich und ansonsten bin ich eigentlich nicht so aus der Ruhe zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:47</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das merkt man aber. Du hast gerade gesagt, Fähnchen in den Wind hängen bzw. Finger in die LuH halten und gucken, von wo der Wind weht. So jemand, der das so oﬀensichtlich macht, ist Markus Söder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:58</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:58</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und ich frage mich sind wir so vergesslich als Menschen, dass wir dem alles durchgehen lassen? Also der mal ist, dafür WindkraH, dann ist er dagegen, dann ist er irgendwie für Bienen reJen, dann ist er dagegen und wieder zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:12</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Und Markus Söder kann man ganz viel über PoliUk lernen und nicht und das meine ich nicht im Sinne von so sind alle in der PoliUk und wir sind alle schlimm und Wendehälse, sondern man lernt anhand von Markus Söder und seinen Beliebtheits und zwischendurch auch immer wieder Beliebtheitswerten, wie die MehrheitsgesellschaH auf PoliUk guckt, nämlich sehr kurzfrisUg und sehr sprunghaH. Tatsächlich, auch das ist manchmal zum Schmerz von Leuten wie mir. Aber es ist ja wichUg, das zu wissen. Wir in der PoliUk gehen häuﬁg von einem viel, viel, viel zu hohen Grad an Vorwissen aus. Wir gehen davon aus, dass viel mehr Leute Zeitungen lesen, Tagesschau gucken und sich in der Tiefe mit Themen beschäHigen, als es der Fall ist. Wir in der PoliUk gehen oH davon aus, wenn wir ein Argument bei Anne Will am Sonntagabend gebracht haben, dann hat es die NaUon</p>



<p class="wp-block-paragraph">mitbekommen. Aber eigentlich haben es nur die mitbekommen, die schon recht gut informiert sind. Wir machen uns lusUg über Nachrichten bei RTL II, ohne zu realisieren, dass, wenn man dort mit seiner Nachricht vorkommt, es vielleicht wirklich mal bei Leuten ankommt, die noch nicht sich schon seit Jahren mit diesem Gedanken beschäHigt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und Markus Söder, über den ich viel Schlechtes sagen kann, hat glaube ich auf eine auf eine schlumpyaHe Art verstanden. Dass die GesellschaH so ist. Und was man ihm vorwerfen muss, ist, dass er es auf eine völlig egozentrische und poliUsch banale Art und Weise sich zunutze macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:48</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Und dass es weh tut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:49</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, er macht PoliUk, also er macht Entertainment. Ja, guck dir seinen InstagramauHriJ an. Hashtag Söder ist. Aber das ﬁnden Leute interessant und. Und dass wir das ein AkUvist und ein BerufspoliUker sich darüber mokieren und lusUg machen, das kann er gut ab, weil wir häJen den auch sonst nicht gewählt. Das heißt, wir sind gar nicht sein Zielpublikum. Aber dass Normalos in Anführungszeichen in Bayern sagen, das ist einer vom Volk, der geht irgendwie ins Bierzelt und ist ne Haxe und trinkt eine Maß Bier und isst gerne auch Volksfesten. Und zwischendurch macht er halt ein bisschen PoliUk. Und was der da genau macht, das ist mir eh zu kompliziert. Hauptsache irgendwie in meinem Leben ändert sich nicht so viel. Das ist halt ein weitverbreitete Genügsamkeit und Vorstellung und das triggert er auf eine ziemlich unnachahmliche Art und Weise. Und insofern muss man ihm handwerklich fast ein bisschen auch können. Ja, muss man. Muss man können. Da gehört eine Menge eine Menge dazu. Das sage ich nicht mit besonders großem Respekt, weil wie gesagt, der setzt das nicht für die gute Sache ein. Aber wie sagt man in Bayern so schön A Hund ist er scho.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:03</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:</em>Ich häJe noch so viele weitere Fragen. Wir haben schon so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:05</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Hart, aber wir können jetzt nicht mit Markus Söder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:07</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Auyören und Markus Söder auyören. Aber lass uns vielleicht zum Ende hin noch mal darüber sprechen Was machst du, wenn du von diesem ganzen poliUschen Betrieb keinen Bock mehr hast und abzuschalten? Ich gucke dann gerne dann eine Serie oder treﬀe mich mit Freunden. Kann man überhaupt. Also du hast gar kein Leben. Du hast ein Hobby zum Beruf gemacht, Das heißt, deine Freunde sind PoliUk, akUv in der PoliUk akUv?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kann man in der PoliUk überhaupt Freunde haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:35</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, das kann man auf jeden Fall. Das also nicht. Es ist wie immer im Leben. Nicht jede FreundschaH ist dann immer von Dauer und manchmal werden FreundschaHen auch enJäuscht. Aber das ist nicht nur in der PoliUk so, sondern das kommt halt vor. Aber natürlich geht das. Vor 20, 30 Jahren hat man das anders gesehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:54</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Lars Klingbeil Ein Freund oder ein Kollege?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:56</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Ja, das ist ein Freund, also auch ein Kollege. Aber wenn wir keine Kollegen mehr wären, wären wären wir immer noch Freunde. Und das ist ja der feine Unterschied. Also unsere Beziehung beruht nicht darauf, dass wir uns alle paar Tage im Bundestag oder im Willy Brandt Haus sehen, sondern auf einer persönlichen Verbindung, die wir zueinander aufgebaut haben und die wir, die wir pﬂegen und die wir auch dort pﬂegen, wo die Öﬀentlichkeit mal nicht zuguckt. Und das ist schon schon ganz wichUg. Aber ich brauche, um wirklich rauszukommen. Ich brauche dann einfach auch mal Orte, wo ich nur für mich bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich mache das beim Fußballgucken und am allerliebsten mache ich es in den Bergen, weil die Berge so der maximale Kontrast zu meinem PoliUkalltag sind. Da bin halt ich mit der Natur und in den meisten Fällen ist da weit und breit sonst niemand. Das heißt, ich selber kann mich gedanklich mit was anderem beschäHigen und es kommt auch so schnell niemand um die Ecke und sagt Ach Mensch, Herr Kühnert, dass ich Sie hier treﬀe, was ich Sie schon immer mal fragen wollte, sondern da ist einfach Sendepause und das ﬁnde ich ganz toll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:04</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Gibt es eine OrganisaUon, ein Thema, für das sich unsere Hörerinnen und Hörer interessieren könnten, das du besonders wichUg ﬁndest?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:14</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Das ist jetzt eine privilegierte SituaUon, dass ich irgendwas Highlight sein kann. Ich bin ja, ich mach es jetzt einfach mal ganz, ganz ad hoc aus der aus der aktuellen SituaUon heraus. Jetzt ist ja fängt gerade die es läuH die FußballweltmeisterschaH und alle alle Welt redet über Katar und die MenschenrechtssituaUon usw.. Ich unterstütze jetzt schon eine ganze Weile eine OrganisaUon mit dem Namen Liebe kennt keine Pause, die sich insbesondere gegen Homophobie und Queerfeindlichkeit in Katar, aber generell auch rund um solche Großereignisse einsetzt, die dafür eintriJ, dass nur weil große Events in fragwürdigen Umfeldern stazinden, dass deswegen nicht Grundstandards unseres Miteinanders ausgesetzt werden dürfen. Und wenn das nicht gewährleistet werden kann, dass man dann eben dorthin solche Events, ob sie Olympia oder Fußball, WM oder sonst was heißen, nicht vergeben darf. Und dafür würde ich schon gerne gerne werben. Und ja, freue mich der der Erﬁnder dieser ganzen AkUon, Bernd Reisig, ist jetzt auch gerade mit der Innenministerin, die auch Sportministerin ist, in Katar gewesen. Fand ich auch eine super Entscheidung, ihn auch selber als queeren AkUvisten mitzunehmen, sodass die Kataris das auch wissen, wer da kommt. Und das ist natürlich eine wohl gesetzte diplomaUsche ProvokaUon gewesen und so was schätze ich sehr. Und ich ﬁnde, so ein Engagement verdient Unterstützung. Gerade da, wo wir nicht uns in der Komfortzone eines CSDs in Berlin bewegen, sondern wo für queere Rechte zu kämpfen wirklich ein Kampf um Leib und Leben im Alltag auch bedeutet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:59</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das doch mal ein schöner Gedanke. Vielen Dank, lieber Kevin, für deine Zeit. Der Aufzug kommt an. Die Tür geht auf. Wo geht es jetzt für dich hin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Jetzt geht es tatsächlich nach Hause. Da freu ich mich drauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Sehr gut. Dann wünsche ich dir einen schönen ResJag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:15</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin Kühnert:&nbsp;</em>Dir auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:16</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Dankeschön.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:16</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Kevin</em><em>Kühnert:</em>Bis bald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:17</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Bis bald. Danke fürs Mi{ahren, wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat. Bewertet diese Folge bei Apple, Podcast, SpoUfy oder wo auch immer ihr zuhört. Alle Links zur Folge. So wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, ﬁndet ihr in den Shownotes. Schaut da gerne mal rein. Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady MitgliedschaH bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zweimal im Jahr persönlich zu treﬀen. Im Aufzug ist eine ProdukUon von Schönleinmedia. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>



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<div class="wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-21740382"><h2 class="uagb-heading-text">Erwähnte Links:</h2></div>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.ardmediathek.de/sendung/kevin-kuehnert-und-die-spd/staffel-1/Y3JpZDovL25kci5kZS80NzI4/1" class="ek-link">Kevin Kühnert und die SPD (Doku)<br></a></p>



<div class="wp-block-uagb-advanced-heading uagb-block-01513637"><h2 class="uagb-heading-text">Kevins Herzensangelegenheit:</h2></div>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="http://liebekenntkeinepause.de" class="ek-link">Liebe kennt keine Pause<br></a></p>



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		<title>Im Aufzug mit Neven Subotić, Ex-Fußballprofi und Stiftungsgründer</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 15:28:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Ich gebe zu, mit Fußball habe ich nichts am Hut. Deshalb fällt es mir auch nicht besonders schwer, auf die WM in Katar gänzlich zu verzichten. Einer, der das ganz ähnlich sieht &#8211; aber Ex-Fußballprofi ist – ist Neven Subotic. Mittlerweile hat er seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt und konzentriert sich auch andere Dinge. [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Ich gebe zu, mit Fußball habe ich nichts am Hut. Deshalb fällt es mir auch nicht besonders schwer, auf die WM in Katar gänzlich zu verzichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einer, der das ganz ähnlich sieht &#8211; aber Ex-Fußballprofi ist – ist Neven Subotic. Mittlerweile hat er seine Fußballschuhe an den Nagel gehängt und konzentriert sich auch andere Dinge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neven arbeitet mit seiner Stiftung der <a href="https://nevensuboticstiftung.de/">Neven Subotic Sitftung</a> in Ost-Afrika und baut Trinkwasser-Systeme und Sanitäranlagen &#8211; und das schon seit über 10 Jahren. Den ganzen Verwaltungsapparat zahlt er aus eigener Tasche. So kommt jeder gespendete Euro auch wirklich da an, wo er dringend gebraucht wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug unterhalten Neven und ich uns über seine Vergangenheit bei den Top-Clubs Europas, die Probleme des Profi-Sports und wie man nachhaltig Gutes tut.</p>



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<p class="wp-block-paragraph">00:01:53</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Gut. Vielen Dank für die Einladung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:55</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das ist eine große Ehre. Ich habe noch nie in meinem Leben mit einem so berühmten bekannten Fußballer gesprochen. Oder Fußballerinnen. Weil, ehrlich gesagt, in meinem privaten Umfeld und auch in meinem privaten Leben so gut wie kein Fußball staeand bisher. Aber du bist mir natürlich sofort bekannt gewesen, als wir uns überlegt haben, wenn wir heute in den Podcast einladen könnten und dass ich schon immer mal einen Fußballer fragen wollte. HaJest du schon einmal eine merkwürdige AufzugssituaTon? Ich meine, du hast wahrscheinlich in super vielen Hotels übernachtet und ganz viele verschiedene Hotels weltweit gesehen. Gab es irgendeinen Oh GoJ, Moment, in einem Aufzug?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Äh, besTmmt einige davon. Allein, wenn ich mich daran erinnere, dass wir ja auch internaTonal täTg waren und unter anderem auch mal mit der NaTonalmannschaF. Und da sind dann ja Fußballer nicht mal zwingend die Wilden. Ich weiß, wir waren noch einmal in London zu einem FreundschaFsspiel und da war noch die Rugby WM. Ja, und die Ich weiß nicht, welche Rugby MannschaF NaTonalmannschaF in unserem Hotel war, aber die eine oder andere war da noch. Und da haben Kollegen unter anderem im Fahrstuhl uns gefragt, ob wir denn ihren Kollegen gesehen haben, der irgendwie verloren gegangen ist. Wir sind einfach runter gefahren mit denen auf die Etage, auf der die nun mal waren, wollten weiter runter in die Lobby und die haben dann ihren Kollegen direkt vor dem. Als das Fahrstuhl geöﬀnet hat, hat man den Kollegen da auf dem Boden liegen sehen davor. Die haJen gut gefeiert, waren zum Glück nichts schlimmes, sondern das war bei uns sozusagen das Frühstück. Das war für die dann ein spätes Abendessen nach dem Feiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:49</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Wow. Warum wir dich in diesen Podcast eingeladen haben, ist ja, dass du</p>



<p class="wp-block-paragraph">eine ganz besondere PerspekTve auf Fusballast, aber natürlich auch auf die Zeit nach Fußball. Da kommen ja auch im Laufe des Gesprächs noch darauf zu sprechen. Was ich aber wirklich schon immer mal wissen wollte so ein, so ein Leben als Fußballer, wie sieht da so ein Alltag aus? Also du fängst an, wann steht man auf und und und wann geht’s los und wie viel Zeit verbringt man mit Fußball?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:19</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Hm, ich kann mal so einen sehr beispielhaFen MiJwoch nehmen. Vor allem in der Hochphase, wo wir erfolgreich waren, wurde das dann so aussehen. Vielleicht aufstehen, 8:00 morgens, 8:30, los zur Arbeit, 9:00, AnkunF, 9:00, dann direkt auch frühstücken gehen bis 9:30. Dann hat man da noch zwischen 9:30 und 10:01 bisschen Zeit für sich. Also man kann ein bisschen dehnen, ein bisschen Stabi machen, sich aufwärmen oder einfach gammeln. Auf Deutsch gesagt, um 10:00 geht mir dann raus auf den Platz, trainieren, dann gemeinsam als MannschaF, geleitet vom Trainer und das Ganze ist dann Tor. Das ist um 12:00 vorbei, das geht nicht viel länger und danach kommen wir wieder rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">12:15 bis ich sage mal 13:00, 13:15. Da hat man dann noch mal eine Stunde, um etwas für sich zu machen, also persönliche Arbeit zu leisten. Wieder StabilkraF, Erholung, Massage, Therapie. Und 13:15 13:30 dann eben noch duschen, 13:30 MiJagessen, das wir dann auch noch serviert. 14:00 bist du dann wieder zu Hause und hast den Rest des Tages.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:35</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Okay, also ich dachte das geht dann irgendwie von neun bis 18:00 oder so mit irgendwelchen Zusatzgesprächen und Therapie und Massagen. Aber das scheint ja dann ein halber Tag zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Nein, das ist ein halber Tag. Dafür umso intensiver, weil das Interessante am Fußball oder generell am Sport ist. Ja, wir arbeiten ja jeden Tag darauf hin, dass wir am Wochenende lediglich 90 Minuten Fußball spielen können. Deshalb Training über vier oder fünf Stunden zu halten. Wer nicht im Kontext des Angewandten, sondern das wäre dann total außerhalb. Dementsprechend sind Trainingseinheiten eigentlich so konzipiert, dass man da sich auch auf diese Dauer gewöhnt. Also 90 Minuten Vollgas. Da ist man voll fokussiert, da ist es auch sehr anstrengend und man ist schon nach gut einer halben Stunde ja, ja, ja, völlig ferTg. Oder zumindest so, man arbeitet sich dahin, dass man sich pusht und pusht und pusht und pusht. Naja, aber so kannst du halt nicht vier Stunden trainieren oder fünf Stunden trainieren. Das könntest nur dann nur du dann machen, wenn eben auch das Pensum verteilt wird über die ganzen Stunden. Wir haJen aber oder ich haJe zumindest. Trainer. Die wollten Vollgas, Fußball. Und da ging es einen her, dass die Trainingszeiten, Trainingseinheiten und die Trainingszeiten auch angepasst wurden. Es gab dann auch natürlich, dass wenn so ein beispielhaFer Tag, es gibt auch manchmal Tage oder gab welche, wo wir auch zweimal trainiert haben. Aber auch da wurde dann das Trainingspensum angepasst, weil zwei richTg intensive Einheiten am Tag kriegst du nicht hin, weil wie gesagt, am Samstag ist wichTg am am Spiel und da spielst du halt nur 90 Minuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und ist es dann so, dass man dann auch noch Zeit für andere Dinge ﬁndet, außer Fußball, also ab 14:00 oder an den anderen Tagen, außer miJwochs oder samstags. Ja klar, ist halt, dass die ganze Zeit immer nur Fußball.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Das ist eine sehr gute Frage. Also das Fußballspielen tut man nach 14:00 dann nicht mehr. Zumindest kenne ich kaum jemanden, der danach noch irgendwie Fußball spielen wollen würde, weil man das einfach so hart und intensiv dann am VormiJag gemacht hat. Die Zeit darüber ist dann für die freie Gestaltung ist dann Privatzeit und da ﬂießt sehr viel von diesem Fußballding rüber. Das bedeutet manche Spieler, ich war auch so einer, der haJe eigentlich persönlich für sich nichts anderes aufgebaut als nur diese Spielerpersönlichkeit. Das bedeutet, ich bin dann auch zurückgekommen nach Hause und habe Videospiele gespielt, unter anderem auch die Fußball Videospiele, weil irgendwie lag das nahe. Und abends war ich dann noch Essen und dann bin ich wieder nach Hause und habe wieder Videospiele gespielt. Und dann bin ich wieder schlafen gegangen und das wurde dann unter dem MoJo Erholung gemünzt. Und später, als ich älter wurde, also dann 21, 22, wurde für mich deutlich, dass dieser Lebensweg halt für meine persönliche Entwicklung total schädlich ist, weil ich quasi verblöde, in dem ich den ganzen Tag mir das Recht rausnehme zu sagen, Ja, ich erhole mich ab 14:00, damit ich am nächsten Tag wieder ﬁt bin, weil eigentlich ja ich sage mal acht Stunden am Tag mir frei zur Verfügung stehen würden, mit denen ich auch etwas sehr produkTves, Sinnvolles tun könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und da hat man dann als Fußballer ich was? Ja, relaTv jung, Wenn du deine Karriere begonnen hast, hat man dann als Fußballer Berater, die einem dann sagen so und so läuF es hier und so und so muss man es machen oder ist man wirklich da völlig auf sich allein gestellt und lernt von anderen Fußballer, wie die das gemacht haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:26</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Mhm. Es gibt mindestens zwei Faktoren. Also es gibt diesen Berater Faktor und es gibt den Spieler Faktor. Der Berater Faktor ist sicherlich einer der von außen missverstanden wird bzw. der variiert auch sehr stark, weil ein Berater an sich ist jemand eigentlich, der reine sportliche Beratung macht bzw. eigentlich nur sportliche Verträge abschließt für den Spieler, mehr nicht. Ja, dann gibt es natürlich Berater, die viel mehr tun, weil sie noch befreundet sind mit dem jeweiligen Spieler oder manchmal familiär verbunden sind usw. Aber im Grunde genommen machen Berater eigentlich nur die sportlichen Verträge, miJlerweile auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:13</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Mit den Vereinen oder mit den.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:15</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Vereinen, genau im Namen des Spielers oder mit SportarTkelhersteller. Genau, weil ein Spieler, der 18 Jahre alt ist. Wenn der zum Verein geht, dann sagt der Verein Ja, hier ist ein Deal für quasi nichts. Dann sparen sie sich das Geld und kaufen einen anderen Spieler, der halt einen besseren Berater hat. Dann hat man eben zumindest jemanden, der sich um die eigenen Interessen der Person kümmert. Im besten Fall also da ist die, die die persönliche Beratung ähm ab 14:00 irrelevant bzw. im Alltag sieht man eigentlich nicht den Berater, sondern ich glaube, in den häuﬁgsten Fällen sind das Leute, die ein Fußballspieler vielleicht zweimal im Jahr seht oder einmal im Jahr, weil es eben darum geht. Ist man glücklich im Verein, möchte man wechseln oder gibt es irgendwelche anderen Angebote oder oder. Deshalb habe ich mir da wenig abgeschaut. Dann gibt es noch die den Faktor zwei ältere Spieler, an die man sich wendet, weniger in einem formellen Konstrukt, sondern eher</p>



<p class="wp-block-paragraph">in einem informellen, das so ungefähr so ist. Ich sehe, was die tun, bekommen mit, worüber die sprechen und denke mir ja, das sind so meine großen Brüder und entsprechend nimmt man da auch ein paar Sachen mit. Beispielsweise Markus Feulner war so einer, das war ein herausragender Spieler, ehrlicher Typ, den habe ich immer wertgeschätzt, der hat sich auch so krass ernährt. Dass der kaum KörperfeJ haJe. Der war mit einem acht Pack unterwegs. Und immer gesund, immer ﬁt, immer voller Energie. PosiTvität. Und von Ihnen habe ich mir dann einfach abgeschaut, wie ﬂeißig der war. Der hat sich nicht nur dann im KraFraum gezeigt, als jemand, der immer an sich arbeitet, sondern auch bei der Wahl zum Buﬀet war er sehr achtsam zu das was er holt. Und so pickt man so die paar Sachen eben auch von den Kollegen eher ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:20</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und wenn du jetzt, sagen wir mal so, Werbedeals gemacht hast mit Autoherstellern oder alkoholfreien Biermarken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:26</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven</em><em>Subo4c:</em>Das würde, dann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:27</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Heißt das dann Manager oder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:29</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Das würde genau das würde dann der Berater tun, der sozusagen Manager ist. Das ist halt so diese Ambivalenz mit diesen Begriﬀen, sie bedeuten alles und damit auch entsprechend nichts. Aber eigentlich wäre der Berater derjenige, der das dann tut. Ich haJe aber so diese Standardverträge. Ich bin kein deutscher NaTonalspieler. Damit ist man in Deutschland schon als WerbekraF eher so an zweiter Stelle. Zu dem war ich auch nicht der herausragende Fußballer. Ich war in meiner MannschaF okay, aber da waren die anderen einfach auch viel besser und zudem auch deutsche NaTonalspieler. Die haben dann eher solche Möglichkeiten gehabt, größere Werbedeals zu gestalten. Ich haJe dann so diese Standardsachen mit Adidas beispielsweise, die dann Betrag X pro Jahr zahlen, wenn ich da Kickschuhe trage. Und ja, für mich war immer entscheidend damals auch ist mir gab ich für die Zahlen solange der Schuh passt, trage ich den Schuh weil ob Nike oder Adidas, die zahlen das gleiche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:13:35</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber das Geld bekommst du dann oder die MannschaF.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:13:37</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Das Geld. In dem Fall bekomme ich ja, weil es um Kickschuhe geht. Die sind dann freigestellt von den Verträgen, weil man schließt den Arbeitsvertrag, da triJ man auch Markenrechte ab, beispielsweise sein Gesicht. Das gehört dann sozusagen dem Verein, weil der Verein kann dann sagen, ich mach morgen Werbung für alkoholische Getränke mit deinem Gesicht, und du hast außer du bist CrisTano CrisTano Ronaldo, und du kannst irgendwie dikTeren, was du in deinen Verträgen haben möchtest. Kannst du da nichts tun, sondern der Verein Verein entscheidet darüber, was dann und wo das Ganze eingesetzt wird. Also bei dem Ganzen ist so dein Image gemeint, also deine, deine, die Rechte auf dein Gesicht und idealerweise in der Regel halt dein Gesicht im Kontext dieses Arbeitsvertrags am besten gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:33</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber jetzt ist es ja so, dass die beteiligten Vereine auch untereinander verhandeln, wer welche Spieler kauF oder verkauF. Und dann hast du gerade gesagt, dein Gesicht gehört eigentlich auch dem Verein. Ist das so eine Art, so ein hartes Wort, aber so eine Art privilegierter Menschenhandel?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:52</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven</em><em>Subo4c:</em>Hm, das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:54</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ist nicht dagegen wehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:55</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ähm, Menschenhandel ist es ist glaube ich auch ein Begriﬀ, der nur ja ist, ein hartes Wort. Man hat gewisse Möglichkeiten auch selbst zu entscheiden. Niemand hält eine Knarre ein, deinen Kopf an den Kopf und sagt Du musst jetzt das unterschreiben oder nicht. Zumindest nicht in Westeuropa.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:18</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber es kann halt Karriereende bedeuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Es kann Karriere Ende bedeuten. Also die Vereine können enorm viel KraF ausüben, die auch meiner Meinung nach und ich von den Rechtsexperten, mit denen ich auch gesprochen habe, die teilen diese Meinung, die ja auch noch illegal ist. Was ist so ein konkretes Beispiel davon? Also wenn ein Trainer entscheidet, diesen Spieler, den möchte ich nicht mehr haben, Auch wenn der gestern ein Fünpahresvertrag unterschrieben hat, dann kann der Verein sich mit dem Spieler unterhalten und sagen Guck mal, der Trainer, der will dich nicht. Wir würden dir keine Wege, keine Steine in den Weg legen, wenn du den Verein verlassen wollen würdest. Nee, also sie sind da sehr geschickt in der Rhetorik. Und wenn der Spieler sagt Nee, ich habe hier ein Fünpahresvertrag unterschrieben, das war mein Vertrauensvorschuss an euch, das ist nicht woanders hingegangen bin, sondern hier geblieben bin. Das Gleiche erwarte ich dann auch von euch, dass ich hier hier eine Pferdechance bekomme und mich einarbeiten darf in die MannschaF und dann eine Chance bekomme, halt abhängig vom Trainer. Dann kann der Verein sagen okay, wir haben dich erst mal gebeten, jetzt bauen wir langsam dann den Druck auf, Dann kann das dahin führen, dass dieser Spieler halt nicht mehr mit der ersten MannschaF trainiert. Die können ihn in die zweite MannschaF schicken und werden nach außen deuten, dass dieser Spieler. Wer sich nicht richTg verhält oder dass dieser Spieler nicht mal die Qualität hat, die er mal haJe, obwohl alles sich jetzt in diesem ﬁkTven Beispiel von einer Woche abspielt, also wo all diese Sachen nicht zutreﬀen würden. Und naja, wenn die dann noch einen SchriJ weitergehen, dann und das habe ich auch schon gesehen, dann ist das so, dass die bei einem Kollegen nicht auf das Stadiongelände zugelassen haben, sondern die haben dann Security gerufen, um ihn davon zu tragen. Und naja, das ist echt krass, weil du vorstellst du hast einen Arbeitsvertrag, du sollst arbeiten sollst du Und im Arbeitsvertrag Vertrag steht auch, dass nur dein Arbeitgeber dir einen Stuhl, ein Tisch und ein Computer stellt, damit du arbeiten darfst. Und die erlauben dir noch nicht mal auf dem Parkplatz zu parken und das Gebäude zu betreten. Dann ist natürlich die Frage, ob das gerecht ist. Und das ist es halt nicht. Und diese Beispiele gibt sie sind halt unschön und deshalb ist man auch in der in dem Sektor leider</p>



<p class="wp-block-paragraph">noch nicht so weit, dass man oﬀen über diese Beispiele spricht und diese dann auch entsprechend durch poliTsche Maßnahmen auch löst. Damit das nicht zu solchen Vorfällen erneut kommt. Das ist momentan noch so gang und gebe, dass es sage ich auch das, was das in Deutschland sehr regelmäßig ähm noch immer abspielt und in anderen Fällen andere Länder, ist das noch mal ein bisschen schwieriger.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:18:20</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das ﬁnde ich so krass, weil du bist einer der wenigen Fußballer, die ich so mitkriege, die so oﬀen über die Probleme im Fußball reden, also auch moralischer Natur. Du bist ja unter anderem auch KriTker der FußballweltmeisterschaF in Katar und auch die super krassen Bedingungen, die dann eben Fußballer oF auch haben. Ist es so ein so ein Ding, dass man da so den Deckmantel des Schweigens drüber legt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:18:47</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, mir wird auch vorgeworfen von besTmmten FunkTonären, dass ich in die Suppe spucke, von der wir alle trinken oder essen. Ich weiß, kenne den Begriﬀ nicht. Was sehr schade ist, weil tatsächlich ich ja versuche, durch die Aufmerksamkeit die Probleme, die da sind, ganz klar anzusprechen, damit wir uns darum bemühen können, diese zu verbessern. Weil es ist im Interesse des Vereins und auch der Fußballer bzw. Fußballerinnen, solche Probleme nicht mehr da zu haben, weil dafür ist es geht in der Regel nicht um Leben und Tod, aber gefühlt wird der Verein. In diesem Beispiel, den ich genannt habe, behandelt er den Spieler, als würde der Verein morgen aufgelöst werden, wenn es nicht eine ResoluTon zu diesem Konﬂikt gibt. Und das ist ein fundamentales Problem. Nicht nur, dass es diese Probleme gibt, sondern viel mehr, dass es noch nicht eine Bewegung sich etabliert hat, die dieses Versuch tatsächlich anzugehen, sondern die Frage im bei der Liga oder im DFB ist eher auf sich selbst gerichtet Wie können wir mehr Geld aus diesem ganzen Produkt schaﬀen, was auch gerechrerTgt deren primäre Zielsetzung ist. Doch es ist schade, dass dann sehr viel von der ich sage mal von den Grundwerten, dem Sport oder generell auch zu einem Arbeitsvertrag und Arbeitspartner entsprechend dann auch gehört, dass diese dann liegen bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Du hast in einem Interview gesagt, dass du Teile deiner Fußballvergangenheit auch als vergeudet betrachten würdest oder zumindest siehst du die Vergangenheit sehr kriTsch. Du bist dann ausgesTegen. Und wie hat sich seitdem dein Alltag verändert? Also wie, wie ist es im Vergleich zu damals? Du hast jetzt wahrscheinlich viel mehr Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:44</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Naja, schön wäre es. Ich habe viel mehr Freiheit, die ich dann aber auch gänzlich nutze, um die Arbeit meiner STFung und miJlerweile auch anderen Unternehmen noch mit Leben zu füllen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:57</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber hast du dir diesen Rhythmus beibehalten? 8:00 aufstehen, zwei Stunden arbeiten, dann ein bisschen Pause machen Und so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:21:04</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Schön schön wäre es, wenn ich bis 8:00 ausschlafen könnte. Sagen wir, es war so, ne? Ist es tatsächlich so, dass ich jetzt weniger Zeit habe als zu meiner professionellen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fußballerkarriere? Das magister auch logisch klingen, aber die Tatsache ist die, dass als ich Fußball gespielt habe, gab es gewisse ﬁxe Punkte im Tag. Also Training ist von dann bis dann, das ist ﬁx und da rüJelt man nicht dran. Ja, das kann man auch nicht beschleunigen oder verschieben oder, oder. Entsprechend war ich ja gebunden an einen Ort. Momentan ist es so Ich kann viel mehr von den Möglichkeiten, die es in den Sektoren gibt, in denen ich mich bewege, wahrnehmen. Allein nächste Woche ist jetzt der Kongress des Fundraisingverbands. Das ist der Deutsche STFungstag. All das ist in einer Woche. Das häJe ich vorher, als ich Training haJe, gar nicht wahrgenommen. Weil ich kann da sowieso nicht hin. Ich muss ja hier in Dortmund bleiben, jeden Tag. Und jetzt auf einmal gibt es Möglichkeiten dazu, sich zu vernetzen. Mit anderen STFungsmanager, mit anderen Experten im Fundraisingbereich. Und das ist sehr wertvoll. Und diese Chancen nehme ich halt wahr. Zusätzlich dazu, dass ich natürlich jetzt auch mehr Termine wahrnehmen kann und obendrauf einfach mehr Möglichkeiten für meine Arbeit bei der STFung entstehen. Und dass das völlig mit dem gleichen Ehrgeiz wie ich vorher diese zwei Stunden auf dem Trainingsplatz gemacht habe, nur jetzt mit einer anderen Art von Arbeit Fußball auf zwei Stunden limiTert ist. Sehr schnell. Entscheidungen werden innerhalb von Millisekunden gemacht, man ist sehr präsent und man muss entscheiden innerhalb von einer Sekunde. Es gibt nicht viele Sachen, viele, viele SituaTonen, wo man noch überlegen kann, wie möchte man das machen? Nein, aber jetzt in meinem Arbeitsalltag bedarf halt eine Entscheidung vielleicht zwei Wochen Arbeit. Ich muss Grundlagenforschung machen, ich muss gucken, was, welche Evidenzen habe ich für eine gewisse SituaTon, bevor ich überhaupt eine Entscheidung treﬀen kann. Und das bedarf entsprechend mehr Zeit, weil die Bedeutung auch eben enorm hoch ist. Also es sind weniger Entscheidungen als im Fußball, wenn ich alle drei Sekunden Entscheidung kommt. Dafür müssen die sorgfälTger vorbereitet werden, und das nimmt viel Zeit ein. Ja, so viel wie ich möchte. Aber ich bin jemand, der sehr gerne 100 % gibt und deshalb, dass ich dann im Ergebnis dazu gebracht hat, dass ich sehr dankbar werde, wenn ich mal bis 8:00 ausschlafen könnt. Ist schon eine Weile her.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:01</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber er wird gesagt, dass das einen Fußballer mit so viel Engagement eigentlich nur einmal gibt. Also so jemanden wie dich. STmmt das? Siehst du das auch so? Oder ist das einfach nur wieder eine ReprodukTon des Klischees der Fußballer, die da nicht die Nerven haben und alle nur FIFA zocken oder auf geile Partys gehen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:23</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Hm. Ich glaube, im Bereich des Engagements ist ja auch eine Rolle, die ich auf jeden Fall füllen möchte. Ist es, ein Vorbild zu sein für so die nächste GeneraTon? Weil wir merken ja jetzt auch, die Jugend ist ein bisschen ein bisschen sensibler mit sich um. Die Liga macht sich zum Ersten Mal Gedanken um NachhalTgkeit, was das überhaupt ist, bevor man irgendwann mal auch ein Verständnis dafür schat. Und auch die das sind konkrete Maßnahmen gemünzt und da versuche ich schon aufzuzeigen, was möglich ist, weil ich eben ja mit meinem gesellschaFlichen Engagement schon einer derjenigen bin, die am meisten Zeit invesTeren. So das seit zehn Jahren. Das ist, glaube ich, kein Geheimnis. Ich bin eher so ein Typ, der, wenn er was macht, dann macht er das so voll. Dafür mache ich von zehn Sachen, die möglich wären, mache ich nur eine. Das heißt, neunmal bin ich auch der Typ, der sagt Kann ich nicht, will ich nicht. Keine Zeit. Und ich ﬁnde auch, es hat eine gewisse. Also es ist auf jeden Fall wert, Menschen in der GesellschaF zu haben, die so sind wie ich. Es hat auch einen hohen Wert, wenn Menschen genau anders Tcken. Wir leben ja von Diversität,</p>



<p class="wp-block-paragraph">auch nicht nur in HerkunF oder Haurarbe oder Religion, sondern auch in dem Mindset, das wir entwickeln. Und naja, ich. Ich bin wie ich bin und ich würde. Ich würde schon. Also da wird es den ich will mehr, mache es. Aber ich würde halt schon jemand sehen, der noch viel härter arbeitet und auch Fußballer ist, weil geht schwierig, also geht echt schwierig. Ich bin da, ich bin da schon ein ein Streber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:15</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Aber birgt das nicht auch die Gefahr des Burnouts, wenn man, sagen wir mal, keinen Trainer hat, der dann sagt wir machen das und so lang und wir machen das so und so? Also ich habe, ich bin ja auch selber Gründer einer OrganisaTon, gemeinnützigen OrganisaTon und da macht mir das Gefühl die die Welt ist halt das Feld, das man bearbeitet und die ReJung der Welt. Aber man ﬁndet da ja auch gar nicht so leicht einen Schlusspunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Nee, ähm, ich bin da total bei dir. Ich glaube, dass wie man es sieht. Das Entscheidende ist also Du und ich haben dann das Glück, dass wir etwas sehr Wertvolles und Sinnvolles und Relevantes leisten und uns in diesem Kontext bewegen, wo man eigentlich, egal was man tut, es nie genug sein kann. Weil, ob du oder ich am Ende, wir arbeiten unser ganzes Leben. Dann gucken wir zurück und merken bisschen was hat es gebracht. Ja, und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Da kannst du den STF fallen lassen. 19:00.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:15</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Wenn es sein muss. Wenn es sein muss. Nein, ich versuche schon, Gas zu geben, auch abends. Aber ich glaube, dass der Punkt, den ich eigentlich machen wollte, ist, dass es für mich sehr hilfreich ist, in einem anderen Musterrahmen zu denken als jetzt. Ich bin im Fokus von allem. Dann, wenn ich mir Gedanken mache, wie schwierig etwas ist, muss ich mir immer wieder vergegenwärTgen, wie schwierige SituaTonen, wie schwierig die SituaTon ist von anderen Menschen, die momentan so wirklich existenziellen Problemen sich beﬁnden. Weil wir neigen dazu, Wenn wir uns immer nur nach oben orienTeren, dann denken wir, wir haben’s so schlimm, wir haben so schlimm. Und dann irgendwann glaubt man das ja auch. Auf der anderen Seite, wenn man das ganze mal das größere Bild sieht, dann merkt man ja, es ist nicht leicht. Ja, ist es manchmal auch Kopfzerbrechen? Ja, es ist manchmal auch vielleicht an einem Punkt, wo man denkt, jetzt müsste das mal anders sein oder jetzt müsste mal sich ja was GroßarTges ändern. Aber man sieht, dass die Welt viel zu kompliziert ist, als dass weder du noch ich von heute auf morgen etwas wirklich GroßarTges verändern, was nicht den Einsatz, den wir leisten, schmälern sollte. Nur vergegenwärTgen, wie schwierig es ist und deshalb auch wie wertvoll, dass man versucht, an dem Dreher ein bisschen was zu tun. Weil, wenn wir das tun, sind andere Leute, die uns dabei unterstützen, die das auch ein bisschen drehen werden, dann schon vor uns gedreht haben und wir können nur ein bisschen was tun. Und dieses Muster, das hilF mir sehr, denn ich bin jetzt in den letzten zehn Jahren, obwohl ich teilweise zwei oder mal auch drei Jobs haJe, hat mich immer davon gereJet, mich selbst jetzt im Fokus zu sehen. Damit möchte ich auch nicht vielleicht, das sollte man auch vorweg schieben nicht schmälern, dass es Burn out gibt und dass Leute total überlastet sind und gar nicht mehr können. Ich glaube, das kommt am häuﬁgsten in SituaTonen, wo man gezwungen ist, eine Arbeit zu machen, mit der man sich so gar nicht idenTﬁziert. So in meinem Fall. Ich könnte theoreTsch sagen, ich mach jetzt Feierabend. Ja, und nur diese Freiheit zu haben und auch das ﬁnanzielle Puﬀer, um eben</p>



<p class="wp-block-paragraph">nicht jeden Tag arbeiten zu müssen, selbst wenn man, wenn man das nicht nutzt, ist schon eine Freiheit an sich, die das Leben einfacher gestaltet. Und einige von diesen Freiheiten, glaube ich, genießt du und genieße ich, die uns eben auch so durch den durch den Tag bringen, die für andere Menschen sicherlich sehr schwieriger wären, wenn sie eben nicht diese Freiheiten und Puﬀer häJen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:13</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Wenn man sich so deine Biographie durchliest und die Interviews mit dir verfolgt, dann ist es ja immer so eine richTg Bilderbuchkarriere eines Menschen, der verstanden hat, dass er seine Privilegien als Proﬁfußballer auch nutzen kann und auch nutzen will. Gibt es trotzdem etwas in deinem Fußballleben als Proﬁfußballer, das du vermisst?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:39</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, ich vermisse auf jeden Fall, im Stadion zu spielen vor 80.000 Leuten, dass ist, um mich dabei mit den Besten in der Welt zu messen. Das ist in meinem Blut drin. Ich, ich, ich werde das auch niemals rausbekommen. Will ich auch nicht, weil diesen Ehrgeiz, den ich nun mal habe, den wende ich jetzt nur anders an, nur jetzt habe ich halt nicht die Möglichkeit, innerhalb von zwei Sekunden eine tolle Tat zu machen. Und 80.000 Leute ﬁnden das total cool und jubeln mich an, das ist jetzt, sondern jetzt ist halt das eher Realität, realitätsnäher in der Hinsicht, als dass ich viele Wochen, Monate und Jahre arbeite. Und am Ende passiert etwas draus, was auch sehr wertvoll ist. Aber es jubeln jetzt nicht mehr 80.000 Leute. Und dieses Messen mit anderen, wo man auch voneinander lernt, an sich wächst usw. Das ist jetzt auch nur in einer gewissen abstrakten Abstrahierung noch möglich, dass da beispielsweise der STFungstag, da lernen STFungen voneinander und wir dürfen. Auch unsere Erfahrung dort präsenTeren. Und das ﬁnde ich an sich wertvoll. Aber das haben wir jetzt nicht jedes Wochenende. Und dann kommst du wieder auf den Prüfstand. Und das ist etwas, was ich eben 15 Jahre professionell gemacht habe und davor eben im Amateurbereich. Und somit gehört das auch zu meiner Psyche einfach dazu, das zu zu, dass das wertzuschätzen für diese posiTven Aspekte, die es nun mal hat, weil ja das ist einfach wunderschön wenn man wenn man etwas tut und gefühlt die ganze Stadt dahinter ist und man das nicht nur sich vorstellen muss, dieses Gefühl, sondern es manifesTert sich dann im Gesang und Jubel und Klatschen und nicht nur dann im Stadion, sondern auch danach in den Wochen. Das ist schon ein sehr besonderes Gefühl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:32:43</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Und gleich geht’s weiter. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, dann kannst du das mit einem kleinen monatlichen Beitrag tun. Im Gegenzug kannst du aktuelle Folgen vorab hören und du wirst, sofern du das möchtest, hier im Podcast auch namentlich genannt. Alle Infos ﬁndest du auf de. Aufzug. Ende der Service Durchsage. Viel Spaß beim zweiten Teil der Folge. Jetzt hast du natürlich auch eine sehr bewegte Zeit, bevor du Fußballer wurdest. Deine Eltern sind mit dir geﬂohen aus dem ehemaligen Jugoslawien und nach Deutschland gekommen. Hat es große Herausforderungen bzw. deine Eltern hier überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu bekommen? Seid dann in die USA. Dort hast du dann das richTg verstanden? Habe deine Fußballkarriere Angefangen hat diese Erfahrung als als junger Mensch sagen wir mal den Grundstein gelegt für dein jetziges Engagement der STFung, über die wir das reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:33:53</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ich muss ja sagen, weil mein Leben so war, wie es ist. Und dann ist es so geworden, wie es nun mal geworden ist. Ich weiß nicht, wie es anders gewesen wäre. Darauf versuche ich auch wenig bis gar keine Zeit zu verschwenden, weil es zu theoreTsch ist. Ich glaube, was jedenfalls sehr hilfreich war, war zu sehen, was Engagement bedeutet. Meine Eltern damals, als sie in Deutschland angekommen sind, Anfang der 90er Jahre geﬂüchtet von dem Krieg in Jugoslawien, haben halt mehrere Jobs gehabt und eigentlich glaube ich, häJen wir super komfortabel wohnen können, haben das aber nicht getan. Wieso? Na ja, weil meine Eltern das Geld, was sie erwirtschaFet haben, in Hilfsgüter invesTert haben, damit die Leute in der Kriegsregion eben Nahrung haJen und auch Medizin. Das ist bis heute bei mir so imprägniert als etwas, was sehr nicht nur richTg ist, sondern auch in einem besTmmten Ausmaß gelebt wird. Nee, das mal verglichen mit so dieser Charity Szene, in der ich zum Teil war. Wenn man als Fußballer irgendwie agiert, dann gibt es viele Möglichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:35:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Hospize eröﬀnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:35:09</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, dann geht man irgendwo hin, macht ein Foto und das ist dann also wird beTtelt als das größte Engagement überhaupt, ultra vorbildlich usw.. Und diese Diskrepanz war etwas, was ich in mir getragen habe. Das war ein Bauchgefühl da. Dann hat sich eben auch gezeigt, dass irgendwie Engagement ja nicht nur das ist, wofür ich jetzt hier gefeiert werde, sondern eigentlich auch vor allem, dass das, was meine Eltern getan haben und das hat mir auf jeden Fall die PerspekTve gegeben, Begriﬀe anders zu verstehen wie Engagement, soziales Engagement und auch die Formen, ähm, aufzuzeigen, wie man das mit Leben füllen kann und auch die Gefahr, die einhergeht, wenn man sich in ein gewisses System bewegt, das eigentlich so ein WeJlauf nach unten ist, also wo fast schon gar nichts als was GroßarTges gefeiert wird und man dann also schon weniger macht beim nächsten Mal das aber dann genauso gefeiert wird und das eigentlich gar nicht dazu animiert, wirklich sich inhaltlich und intensiv mit irgendwas auseinanderzusetzen. Und diese Gefahr wurde mir dadurch bewusst, da ich ja diese beiden beide PerspekTven haJe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:36:36</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Da hast du mit der Neven SuboTc STFung dich darauf fokussiert, dass ihr sagt, ihr wollt Brunnen bauen. Vor allem wenn ich es richTg verstanden habe in Äthiopien. Ähm, wie, wie seid ihr auf die Idee gekommen, in Äthiopien Brunnen zu bauen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:36:54</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Also bei uns hilF es auch, da noch mal so ein bisschen diﬀerenziert auf so ein Projekt und Fang zu schauen. Also es sind tatsächlich Wasseranlagen miJlerweile die mehrere Kilometer auch das Wasser speisen bis hin zu den Gemeinden. Hinzu kommt auch eine ManifestaTon Sanitärkomponente, also ToileJen, die dann auch zusätzlich gebaut werden an den Schulen, gekoppelt mit Hygiene und Wartungs und ManagemenJrainings, für eine richTge Anwendung und auch für ein systemaTsches Management und Wartungssystem. So, und ursprünglich haben wir begonnen im Norden von Äthiopien, in der Tigray Region, wo momentan leider Krieg ist seit knapp zwei Jahren. Ich glaube, miJlerweile sind es 22 Monate her. Ähm, vor zehn Jahren war das noch noch friedlich dort im Norden und für uns war eben wichTg oder? Für mich irre ich mich persönlich, da ich ja die STFung gegründet habe damals zu gucken. Wenn ich mir die Frage zu stellen, wenn ich 1 € am Ende</p>



<p class="wp-block-paragraph">des Jahres habe, wo kann ich den am besten invesTeren, wenn es um Menschenrechte geht, wenn es um wirklich lebenswichTge Grundlagen geht, ähm, wo ist es dann am besten? Also als Folge musste ich mich erst mal mit globalen Problemen auseinandersetzen und da gibt es leider enorm viele. Einige davon sind aber sehr realisierbar und in dem Fall von Zugang zu Trinkwasser ist es nun mal so, dass das Grundwasser ja unter den Füßen der Menschen ist. Also die Lösung ist eigentlich unter den Füßen. Problem ist, dorthin zu gelangen, weil das Grundwasser in einer besTmmten auch Trinkqualität ist, dann 40, 50, 60 Meter Tef oder in anderen Fällen bei den größeren Systemen knapp 200 Meter Tef. Aber es ist da. Es ist schon seit Jahrhunderten, seit Jahrtausenden, seit Millionen von Jahren ist es da. Und das anzuzapfen ist ist eine sehr konkrete, greivare Lösung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:07</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Gehen wir aber nochmal zurück zum Anfang. Da sitzt dann also der DLF in Dortmund und hat Zeit. Gründet eine STFung wie, wie, wie kommt man auf Äthiopien? Also das Thema Wasser ist ja nicht nur in Äthiopien wahrscheinlich ein brennendes Thema und es gibt ja auch ständig andere Probleme in anderen Ländern, die man häJe bearbeiten können, die vielleicht auch für dich zur Auswahl standen. Was? Was war denn dann am Ende der ausschlaggebende Grund zu sagen Äthiopien? Weil du bist ja weder Äthiopier noch hast Wasser, dann dein, dann deine Karriere irgendwie groß beeinﬂusst oder geprägt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:43</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, tatsächlich Recherche. Also es war entscheidend, Partner zu haben, die sehr kompetent sind, die auch eine Erfahrung haben. Äthiopien hat eine besondere Historie. Es ist eigentlich das einzige Land auf dem afrikanischen KonTnent, das noch nie kolonialisiert wurde, außer quasi bei sich selbst. Und somit ist auch eine eigenständige Hilfskompetenz aufgebaut worden. Also unser Partner vor Ort beispielsweise ist nicht Regierung, aber sind quasi Regierung, weil sie mit über 1000 Mitarbeiter innen nun mal sehr viel in dieser Region abdecken. Von Wassermanagement nicht nur im Falle von Trinkwasser, sondern auch von Wassermanagement für Agrikultur, von Auﬀorstung bis hin zu Unterstützung von Lively goods, also die Bauern und Agrikultur, Technik und neue Möglichkeiten. Und wieso ist der Partner jetzt in diesem Fall so kompetent und so groß? Ja, weil dort internaTonale OrganisaTonen sich nicht einbauen konnten. GroßarTg, weil dieser Partner das übernommen hat, weil sie nicht kolonialisiert wurden. Wie viel? Also alle anderen Ländern, ja, alle anderen Länder, bis auf Libyen. Aber das war ein anderer Zweck. Na ja, und Äthiopien hat auch komplementäre Maßnahmen, die sehr stark unseren invesTerten Euro unterstützen, weil das sind Sachen, die laufen parallel, die, mit denen haben wir vielleicht wenig zu tun an sich, aber die zahlen auf unsere Programm und Projektziele. Ein konkretes Beispiel ist In Äthiopien gibt es Gesundheitsmitarbeiterinnen, die sind dann in den ländlichen Regionen permanent staTonär staToniert. In anderen Ländern ist es so, da kommt die Gesundheit Mitarbeiter und vielleicht einmal in der Woche zu einer Gemeinde und versucht dort gewisse PrakTken besser zu gestalten durch Auwlärungsarbeit. Konkretes Beispiel da vielleicht auch viele, viele MüJer. Viele schwangere MüJer möchten nicht in der Klinik ihr Kind zur Welt bringen, weil sie und alle Geschwister und alle Großeltern und Eltern ja immer in der Gemeinde geboren wurden, so in Äthiopien. Aber die Gesundheit Mitarbeiter, die sind direkt in der Gemeinde, die leben dort jeden Tag, die werden Teil der Gemeinde. Und das ist ein sehr vorbildliches Programm, weil das Vertrauen, das dort geschaﬀen wird, vielleicht nicht in den ersten sechs Monaten oder im ersten Jahr, aber spätestens danach. Und vor allem, wenn man mal 345 Jahre nach vorne schaut und man so eine Gesundheitsmitarbeiterin eben als festen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bestandteil der Gemeinde versteht, dann kommt die große Entwicklung, wo in einem konkreten Beispiel es so war, dass bevor diese Gesundheitsmitarbeiterin begonnen hat in der Gemeinde wurde kein Kind in der Klinik geboren. Ich glaube, da war es bei ihr. Vier Jahre oder fünf Jahre später ist jedes Kind in der Klinik zur Welt. Gebracht worden und das haJe viel bessere Konsequenzen für die Neugeborenen. So wie für die MüJer, die dann unter professioneller Hilfe ihr Kind zur Welt bringen konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:43:26</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Mein Großonkel, der hat früher auch in vielen afrikanischen Ländern Brunnen gebaut. Und als neulich Sarano bei mir zu Gast war, die ja auch in Äthiopien ein Projekt macht, mit mit Kaﬀee auf der einen Seite, aber auch mit More Women, so eine Art Mikrokredite vergibt an FrauengemeinschaFen, die dann da ihre eigenen Business auvauen können. Und der habe ich erzählt, dass mein Großonkel in vielen afrikanischen Ländern Brunnen gebaut hat und kurz nachdem er in Rente ging. Er hat die Schweiz eine Studie gemacht, dass man festgestellt hat, dass die Kindersterblichkeit gesTegen ist, nachdem die Brunnen installiert wurden, und man hat versucht herauszuﬁnden, woran das lag. Und es stellte sich heraus, dass die Kinder ihr ganzes Leben lang sauberes Wasser tranken. Aber sobald der Brunnen kapuJ ging, wurde er nicht repariert. Die haben dann also wieder dreckiges Wasser getrunken und ihr Körper konnte kein Immunsystem auvauen. Und dann sind sie halt gestorben und dann hat man versucht, das zu beheben, diesen Fehler. Und hat dann versucht, dafür zu sorgen, dass die Brunnen nicht kapuJ gehen, dass es Ersatzteile gibt, dass man die Leute vor Ort ausbildet, die Schmiede usw., wie man die Dinger repariert und auch Materialien geschickt. Und es stellte sich dann wiederum heraus, dass der Schmied lieber Messer mit dem Stahl und Metall gebaut hat als ein Pumpen. Und das ist natürlich auch biJer, wenn wenn, wenn dann so was passiert. Aber auf der anderen Seite ist es vielleicht auch vermessen. Das hat dann mein Onkel sich gefragt, ob man als als weißer Deutscher so eine Art White severism Macht Brunnen dort installiert und und vielleicht besTmmte SituaTonen nicht berücksichTgt, die eben dazu führen können, dass man lieber Messer bauen möchte mit dem Material als Pumpen. Habt ihr so Mechanismen, dass ihr so was überprüF und und vielleicht auch vermeidet, dass da was passiert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:33</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, das ist eine sehr wertvolle Geschichte und auch vielen Dank, dass du sie erzählst, weil da liegt ja einerseits unsere Kompetenz und andererseits etwas, was sehr häuﬁg überschaut wird. Deshalb bin ich auch selbst kein Fan. Wenn jetzt irgendjemand sozusagen nach Afrika geht, wo sich ein Land dann etabliert und dort ein Projekt realisiert und sich dann wundert, dass fünf Jahre später die, also die Eﬀekte negaTv waren, wenn überhaupt. Ja, das ist eine sehr große Gefahr, dass sehr viele, glaube ich, übersehen möchten, weil es sehr einfach ist, ein Brunnen zu bauen. Das kriegt man mit links und rechts hin. Das ist hat auch seine KomplikaTonen, aber das geht. Die Schwierigkeit ist, dass es wirklich auch langfrisTg funkToniert und dafür braucht es professionelle Strukturen, weil das schat man nicht eben so im Ehrenamt nebenbei. Das ist die Realität, mit der sich eben heutzutage noch viele noch nicht wirklich konfronTeren. Aber es gibt zunehmend mehr OrganisaTonen, die sich auch wirklich mit Mitmitwirkungen auseinandersetzen, mit der LangfrisTgkeit. Und bei uns ist es beispielsweise so Wenn wir mit einem Partner zusammenarbeiten, dann fahren wir mit mindestens fünf Jahre lange Strategien. Die sind dann gezielt nicht auf ein kompleJes Land, sondern in der Regel ein Bundesland und nicht nur ein Bundesland, sondern in einem gewissen Kreis oder vielleicht in einem zweiten Kreis</p>



<p class="wp-block-paragraph">auch noch, weil sonst kann man das nicht abbilden. Es klingt zwar toll, in zehn Ländern zu sein, aber das kriegst du nicht hin. Also da geht QuanTtät über Qualität und bei uns zählt vor allem die Qualität. An erster Linie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:19</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Liegt dann darin auch eure NachhalTgkeit? Also ich meine, je mehr Brunnen ihr baut, desto mehr müsst ihr ja auch, sagen wir mal begleiten und betreuen und evaluieren und reparieren. Das wird dann mit der Zeit immer teurer. Liegt dann ökologische NachhalTgkeit darin, dass wir dann die Projekte später direkt an die Regierungen übergibt, dass die das dann weiterführen und auch ﬁnanzieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, im Idealfall möchte man das NGO nicht für immer und ewig das ﬁnanzieren, weil das auch so Abhängigkeiten führt, die nicht für niemanden gut und wertvoll sind. Deshalb wird schon am Anfang eines Projektes Input von der Gemeinde eingefordert. Das ist vor allem dann physische Arbeit, dass sie sich auch an den gewissen Arbeiten beteiligen. Das ist auch überschaubar und auch wertvoll und bindet sie an das Projekt, weil es ist was anderes, wenn. An etwas zusammenarbeitet, wie beispielsweise an einem Haus, als wenn irgendeiner das Haus einfach darauf baut und dann ist es da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:48:21</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Genau das ist so interessant, ﬁnde ich an deiner STFung, dass du sagst, dass 100 % der Spenden, die eingehen, dort vor Ort ankommen und dass ihr letztendlich den bürokraTschen Anteil, den er durch seine Arbeit auch hat, dass du diese bürokraTschen Kosten prakTsch persönlich übernimmst und zahlt, damit die Spendengelder dafür nicht verbraucht werden. Das ist ja ein sehr guter Ansatz und unser Team schat ja auch sehr viel Vertrauen. Und dein Buch heißt Alles geben, warum der Weg zu einer gerechteren Welt bei uns selbst anfängt. Jetzt habe ich mich gefragt und auch aus dem eigenen Engagement heraus ist es wirklich so einfach? Also es ist wirklich so, dass wir sagen können Du musst bei dir selber anfangen, dann wird die Welt ein besserer Ort. Weil eigentlich sind doch diese ganzen oder größere Konﬂikte auf der Welt durch PoliTk und Verantwortliche entstanden, wo es egal ist, ob ich jetzt mal, wie Luisa Neubauer sagt, eine Bambuszahnbürste kaufe oder nicht. Das ändert jetzt nichts an den Kreuzschiﬀfahrten, die den Meeren die Umwelt verschmutzen. Und genauso ändert es nichts. Sagen wir mal, hier vor Ort eine kleine Maßnahme zu machen, wenn wenn die Verantwortlichen oF die die Probleme erzeugen wie Machthabende, KorrupTon usw..</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:46</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, das ist ein sehr guter Punkt und ich glaube auch, dass es da viele FaceJen gibt, in die wir uns verTefen können. Also eine, die das Beispiel mit der Bambuszahnbürste verbunden ist, ist sicherlich diese. Ich würde es fast schon so Verblendung von NachhalTgkeit darstellen. Also wenn man denkt, das reJet die Welt, dann ist man weit davon enrernt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb heißt auch das Buch alles geben, dass man sich eben nicht an solchen Kleinigkeiten orienTert, dann dann auch gewissermaßen schockiert ist oder und oder enJäuscht oder zumindest kein gutes Gefühl hat, dass man wirklich engagiert ist, weil man orienTert sich immer nach unten, man orienTert sich an den Nachbarn und sagt Ah ja, ich habe jetzt aber hier nicht mit einer PlasTktüte eingekauF, mit so ner Stotüte und das ist jetzt die große Tat. Und naja, das sTmmt auch nicht ganz. Das, glaube ich, ist sehr wichTg, sich zu fragen wie Inwiefern kann ich mich ganzheitlich für GerechTgkeit oder für die Welt umsetzen? Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">wenn man sich diese Frage stellt, kommt man zu ganz anderen Antworten, die dann in Summe eher ein Gefühl davon geben, dass man ja doch tatsächlich ein wichTger Akteur ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:09</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ich habe vor ein paar Monaten ein Buch geschrieben Wie kann ich was bewegen, wo ich mit vielen AkTvisTnnen aus Deutschland vor allem über die Frage gesprochen habe, der, der Selbstwirksamkeit und und auch der Wie misst man eigentlich den eigenen Erfolg, wenn, wenn wir das eigentlich die ReJung der Welt als Ziel haben? Plagen dich manchmal so auch Selbstzweifel? Also ist es das RichTge, was du tust? Oder blickst du grundsätzlich opTmisTsch auf das Thema?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:42</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ähm, ja, habe ich auch. Ich versuche diese dann aber in das ObjekTve hineinzutragen, weil es ist ich glaube völlig normal, egal was man tut. Also ich habe einen Nachbar, der hat wenig mit Engagement zu tun, aber selbst der läuF ja jeden Tag mit 10.000 Zweifel durch den Tag. Und wenn man das dann noch andere Dinge widmet, dann kann das dazu führen, dass man sich sozusagen das Recht auf Ignoranz rausnimmt. Und zwar zu sagen, das ist mir egal, zu viele Zweifel am Ende, ähm, ja, tut’s nix und deshalb mache ich nichts, weil wie gesagt, auch so eine Entscheidung hat Konsequenzen, die man dann vielleicht ja akTv ignoriert, was auch falsch ist. Ich versuche staJdessen wirklich Sachen zu verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt sehr nichtssagend, zum Teil. Zum anderen Teil ﬁnde ich es für mich sehr wertvoll, weil andere Leute haben, andere Gedanken und andere Ideologien und andere Muster und andere in Anführungsstrichen Fakten, mit denen sie sich orienTeren. Und ich bin dann so zielorienTert, dass ich mir dann denke ich, ich, ich muss die verstehen, dass ich entweder meine PosiTon revidieren revidiere oder dass ich darauf eingehen kann, um eben das zu erklären mit aus einer neuen. Oder mit einer zusätzlichen InformaTon, damit sie es auch neu bewerten können. Also so immer ein bisschen lösungsorienTert. Und bei dem ganzen ja, bin ich alles weitere als andere, als glaube ich opTmisTsch, weil ich weiß, du wirst oder ich werde nicht alle Leute überzeugen oder eine Mehrheit überzeugen. Schön wärs, wenn es so wäre. Das geht aber nicht. Das ist leider die Realität. Und diese. Ich glaube, wenn man sich dann versucht eben weg zu orienTeren von ja, so sollte es sein oder so müsste es sein zu einem Ja, so ist es und in diesem so ist es agiere ich ja dann ja feiert man jeden weiteren, den man überzeugt, anstaJ sich zu ärgern über jeden der nicht mitzieht, Weil davon gibt es leider auch genug Leute und reichlich WissenschaF und trotzdem sind wir kaum voran. Für mich ist immer das beste Beispiel, das ich, das ich sehr gerne sehr häuﬁg bringe, weil es sehr greivar ist, dass wir wissen beispielsweise auch in Deutschland, wie wichTg Gemüse essen ist. Trotzdem ist keiner Gemüse und so geht das einher auch mit anderen Sachen, die nicht mal uns selbst betreﬀen, sondern auch uns betreﬀen. Aber noch andere Dinge hinzu, wie die Umwelt, wie unsere Mitmenschen. Und trotzdem treﬀen wir die falschen Entscheidungen, obwohl die InformaTon ganz klar ist. Also Brokkoli ist gesünder als Chips, aber trotzdem essen die meisten Chips und wir wissen, woher das kommt. Das Lösen ist leider ein bisschen schwieriger, als es als Problem zu idenTﬁzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:07</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Jetzt leben wir in sehr schwierigen Zeiten. STchwort Krieg von Russland, STchwort InﬂaTon, Klimawandel. Betrit das deine OrganisaTon auch? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass durch die InﬂaTon vielleicht auch STFungsvermögen nicht mehr so viel wert sind, wie sie mal waren usw..</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:28</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven</em><em>Subo4c:</em>Äh, ja. Mit Sicherheit befassen wir auch mit dem aktuellen Kontext, in dem wir uns bewegen sozial, poliTsch, wirtschaFlich. Das ist nicht wegzudenken. Und man muss auch ganz klar zur Kenntnis nehmen, dass vor allem Spenden von Zivilpersonen und der ZivilgesellschaF nun mal freiwillig sind. Das heißt, wenn gespart wird, dann eher an Sachen, die man sich sozusagen leisten kann. Das ist uns bewusst, ja. Nichtsdestotrotz wir versuchen unsere Unterstützer jetzt nicht nur rein als Spender zu sehen, sondern als Unterstützer und werden Möglichkeiten schaﬀen, dass sie trotzdem mit anderen Möglichkeiten zu auf die Ziele einzahlen können. Durch Auwlärungsarbeit beispielsweise, die kostenfrei betrieben werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:23</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Jetzt verlinken wir natürlich deine STFung auch in den Shownotes und eine Frage, die ich immer den Gästen hier im Aufzug stelle Gibt es unabhängig von dem eigenen Engagement oder der eigenen OrganisaTon noch eine andere OrganisaTon, die du empfehlen kannst? Du hast, glaube ich, vorhin was genannt, wo man vielleicht auch mal sich anschauen kann, was die so leisten, weil du steckst ja super Tef in der Materie drin, der würde ich jetzt eher vertrauen, als wenn ich irgendjemanden fragen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:58</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, ähm, also in unserem Bereich eine OrganisaTon oder in einem anderen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:02</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Bereich zum Beispiel. Oder eine, die dir über den Weg gelaufen ist. Oder sagst du, die machen auch coole Arbeit? Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ich glaube, sehr wertvolle Arbeit macht beispielsweise auch so was wie das Goethe InsTtut. Einfach Bildung, Sprache, Kultur teilen, näher bringen. Das ist etwas sehr Schönes, wenn es in Nairobi oder in Daressalam oder oder. Möglichkeiten gibt, dass das deutsche Kultur geteilt wird und das auch die Kultur aus dem jeweiligen Land oder der jeweiligen Stadt eben auch prominent aufgeführt wird. Weil dadurch schaﬀen wir menschliche Verbindungen zueinander. Umso schöner, wenn es vielleicht auch das Pendant dazu bald in Deutschland geben würde. Momentan sind das eher sehr kleine Vereine, die mit sehr wenig MiJeln relaTv wenig umsetzen können. Doch die Hoﬀnung ist tatsächlich auch die, dass sich das auch weiter etabliert. Vielleicht auch in PartnerschaF mit dem Wie, mit so was wie dem Goethe InsTtut, weil ich persönlich das schön ﬁnde. Ich glaube Kultur. Ist etwas zum Teil universell EinzigarTges. Alle haben ihre Kultur, alle sind einzigarTg und dadurch auch Wertschätzung füreinander zu ﬁnden, ist enorm wertvoll, weil wir noch bis heute damit zu kämpfen haben, dass einige Leute denken Afrika ist ein Land, alle Leute sind da gleich und eine Geschichte gibt es da nicht, sondern das ist eigentlich ein Land voller Tiere und Naturparks. Denn dieses Gedankengut ist eben eins, das auf das koloniale Alter und Rassismus, das daraus etabliert wurde, zurückzuführen ist. Und das müssen wir auvrechen, weil dann könnten wir auch ganz anders mit den Menschen umgehen, aber auch mit der Tatsache, dass diese wirtschaFliche Ausbeutung, die schon seit Jahrhunderten exisTert, ja mit uns nicht ganz un verbunden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:59:08</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Das war ein großarTges Schlusswort. Ich bin nicht mal die HälFe der</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fragen, durch die wir noch vorbereitet haJen, weil das super spannend ist. Auch wie reﬂekTert du an diese Arbeit ran gehst, was man ja, sagen wir mal erst mal, wenn man sich mit dem Bereich noch nicht so viel auseinandergesetzt hat, wie ich auch erst mal verstehen muss, was da auch für Komplexitäten dahinter stecken. Ich danke dir sehr, sehr für deine Zeit und würde mich unglaublich freuen, wenn die Hörerinnen und Hörer sich die STFung vielleicht im Web doch mal anschauen. Neven SuboTc STFung de. Und dann vielleicht sogar die eine oder andere Spende täTgen. Und ich würde mir gerne mal die Arbeit anschauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war ich auch. Ich habe. Es gibt einen Kurzﬁlm, habe ich auf ihrer Facebookseite gesehen wie die. Die Arbeit ﬁnde ich auch ganz schön bebildert, wo ihr den Film ﬁnanziert. Wenn ich das richTg verstanden habe. Ubuntu hieß der Ja richTg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:11</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Wir haben einmal zwei Unterstützer auf ihrem Weg dorthin begleitet, um zu sehen, was macht das mit Ihnen und das ist frei verfügbar. Das waren erste Projekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hoﬀentlich. Beim nächsten Mal können wir auch Protagonisten von beispielsweise Ingenieuren oder Partnern oder aus der Gemeinde vor Ort machen. Das war jetzt ein erster Versuch und beim zweiten Versuch nehmen wir eine andere Protagonisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:34</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl</em><em>Krauthausen:</em>Da bin ich sehr gespannt. Ich hoﬀe, wir bleiben in Kontakt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:38</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Sehr gerne. Also fühl dich frei, wenn du in Dortmund bist, einmal bei uns vorbeizuschauen. Gerne auch spontan. Wir haben ja hier unser Büro nicht. Ich weiß nicht, wie häuﬁg du in Dortmund bist, aber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:48</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Ich war letzte Woche erst in Dortmund. Da bin ich gestrandet, weil ein ICE nicht weiterfuhr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:53</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Neven Subo4c:&nbsp;</em>Ja, siehst du? Anrufen können dann wir sind. Wir sind nicht so weit, daher. Ja, cool. Vielen Dank auch. Von meiner Seite aus. Hat viel Spaß gemacht und ich haJe das Gefühl, dass du vor allem auch mit der Erzählung von deinem Opa einen Bezug haJest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Onkel Sorry, Onkel, das ist sehr wertvolles, darauf einzugehen, weil wir sehen, das ist zum Teil auch einer, der Witze ist. Jeder hat einen Onkel, der in Afrika Brunnen gebaut hat. Wie viele davon machen das noch immer und wie viele setzen sich so inhaltlich damit auseinander, dass sie beispielsweise auch Studien lesen oder Wirkungsberichte oder überhaupt Befragungen durchführen, vorher und nachher. Diese professionelle Struktur, die braucht es, weil auch in Deutschland, Wenn du ein Wassersystem aufrechterhalten möchtest, dann geht das nicht einfach durch ein bisschen Geld einmalig zusammenlegen und dann wird es irgendwie schon funkTonieren. Und deshalb gehe ich da sehr, sehr gerne drauf ein und habe das auch sehr gerne getan, weil ich hoﬀe und denke, das für die Zuhörer innen auch der Wert drin ist, wenn man nicht Sachen wiederholt, die man schon zehnmal gehört hat, sondern ein bisschen mal Tefer reindrängt und dann was neues mitnimmt. Eine kleine neue PerspekTve. Ach so, so habe ich das noch nicht gesehen, weil ich noch nie so Tef in eine gewisse Frage reingegangen bin. Und hoﬀentlich hat das dazu gedient. DeﬁniTv super. Auf jeden Fall schön. Vielen Dank, Raul. Dann liebe Grüße. Wie gesagt, fühlt sich frei, wenn du in Dortmund bist, einmal bei uns vorbeizuschauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:33</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Raúl Krauthausen:&nbsp;</em>Sehr gerne. Auf bald. Ja. Danke fürs Mirahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat, bewerte diese Folge bei Apple, Podcast, SpoTfy oder wo auch immer ihr zuhört. Alle Links zur Folge. So wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, ﬁndet ihr in den Shownotes. Schaut da gerne mal rein. Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady MitgliedschaF bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zweimal im Jahr persönlich zu treﬀen. Im Aufzug ist eine ProdukTon von Schönleinmedia. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Hier findest du mehr über Neven:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://nevensuboticstiftung.de/">Nevens Stiftung</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/neven-subotic-sonja-hartwig-alles-geben-9783462002331">Nevens Buch Alles geben</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.instagram.com/subotic4/?hl=de">Nevens Instagram</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://nevensuboticstiftung.de/obuntu-jetzt-frei-abrufbar">Obuntu Film</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Nevens Herzensangelegenheit</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.goethe.de/de/index.html">Goethe Institut</a></p>



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		<title>Im Aufzug mit Jasmina Kuhnke &#8211; Teil 2</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 15:24:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Wie letzte Woche versprochen, folgt schon heute Teil 2 mit der Autorin und Aktivistin Jasmina Kuhnke. Unser Gespräch haben wir einige Wochen nach dem ersten Teil aufgenommen – dieses Mal sprechen wir über ihren Boykott der Frankfurter Buchmesse 2021 und was sich danach geändert hat, oder auch nicht geändert hat. Außerdem will ich von ihr [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Wie letzte Woche versprochen, folgt schon heute Teil 2 mit der Autorin und Aktivistin Jasmina Kuhnke. Unser Gespräch haben wir einige Wochen nach dem ersten Teil aufgenommen – dieses Mal sprechen wir über ihren Boykott der Frankfurter Buchmesse 2021 und was sich danach geändert hat, oder auch nicht geändert hat. Außerdem will ich von ihr wissen, ob wir einfach verlernt haben, miteinander zu diskutieren oder es gar nie konnten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf für Jasmina Kuhnke!</p>



<div class="wp-block-kadence-accordion alignnone"><div class="kt-accordion-wrap kt-accordion-wrap kt-accordion-id_49ae06-b0 kt-accordion-has-2-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-arrow kt-accodion-icon-side-right" style="max-width:none"><div class="kt-accordion-inner-wrap" data-allow-multiple-open="false" data-start-open="none">
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<p class="wp-block-paragraph">01:02:04:09 – 01:02:31:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch in dieser Woche wieder der Hinweis, dass Sie im Aufzug mit einem kleinen monatlichen Beitrag unterstützen. Dadurch hätte ich mir diesen Podcast noch lange weiterzumachen. Alle Infos wie immer unter Raul.De/Aufzug. Diese Woche bedanke ich mich bei den Unterstützerinnen Dorothea, Martina, Lissy, Beate, Julia, Nelly und Matthias. Danke für eure Unterstützung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:35:22 – 01:02:46:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie letzte Woche versprochen, folgt schon heute Teil zwei mit der Autorin und Aktivistin Jasmina Kuhnke. Unser Gespräch haben wir einige Wochen nach dem ersten Teil aufgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:48:26 – 01:02:57:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Mal sprechen wir über Ihren Boykott der Frankfurter Buchmesse 2021 und was sich danach geändert hat oder auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:00:04 – 01:03:11:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Außerdem will ich von ihm wissen, ob wir einfach verlernt haben, miteinander zu diskutieren oder es gar nie konnten. Also Tür auf. Wieder einmal für Jasmina Kuhnke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:22:04 – 01:03:46:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jawohl. Zweiter Teil Jasmina Kuhnke wieder im Aufzug getroffen. Welch ein Zufall. Wie geht es dir heute? Mir geht es gut. Das Wetter ist wunderschön. Aber kennst du das? Wenn die Umstände total gut sind und du trotzdem irgendwie. Matschig. Bis. Weil es noch ein bisschen gefühlter Montag ist. Ein bisschen unausgeglichen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:48:10 – 01:04:19:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hab irgendwie das Gefühl, seitdem ich an Corona erkrankt bin, also bin dann wieder negativ getestet. Aber es war auch gar nicht schlimm, der Verlauf war total. Nee, das ist total müde. Die ganze Zeit bin. Ich komme morgens nicht aus dem Bett, ich will super früh ins Bett und tagsüber bin ich so halb da. Krass. Also mein. Mann, der Björn, der hat. Er auch. Schon an, auch den Verlauf. Und da. Zu einem Zeitpunkt, wo noch niemand Corona hatte. Und auch. Total mir den Verlauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:20:19 – 01:04:53:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der hat bis heute, der ist bis heute. Es ist wirklich so 19:00 Bordkarte. Stempeln und ich meine dann irgendwann oh. Gott, geheiratet, also da ist. Das einfach. So platt. Das ist total krass. Ich weiß auch nicht, das macht mir echt ein bisschen Sorge. Hast du jetzt die Pressekonferenz mit Margarete Storkowski und Karl Lauterbach gesehen? Ja, ja, klar. Also ich meine das mit Margarete wusste man ja, dass sie erkrankt ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:53:19 – 01:05:22:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das war so zu hören. Das hat mich schon auch echt getroffen. Also ich war ja mit ihr im. Austausch schon vorher und. Selbstverständlich aufgrund meiner Vorerkrankung mal mehr. Und ich habe das. Bei. Margarete verfolgt und ich habe das auch bei Vis a vis verfolgt, der wirklich. Im Anschluss an die Erkrankung schwer an Diabetes erkrankt ist und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:24:00 – 01:05:35:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der alle einen relativ. Milden Verlauf erst mal hatten und im Nachgang dann. Richtig eingeschenkt. Bekommen haben. Und das ist schon echt</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:37:16 – 01:06:14:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">sehr besorgniserregend. Und dann. Liest man, dass eine eine Person, die man über. Über. Social Media kannte, ganz plötzlich ganz jung. Verstirbt. Zwei Kinder hinterlässt. Die auch. Zweimal erkrankt war. Darf sagen. Und es ist schon beängstigend, wenn nicht. Was ich also mein Verlauf war wie gesagt total mit dem, was ich total irritierend fand, dann zu erleben, wie alle Ratschläge haben alle, also online, vor allem, die oft auch widersprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:14:23 – 01:06:44:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich kann selber als jemand, der da nicht betroffen war, auch gar nicht mehr wusste wem glauben. Ja, also die einen. Die anderen raten davon ab. Die eigenen Ärzte raten an mir davon abgeraten, das zu nehmen. Wissenschaftlerinnen sind sich auch nicht einig und die Politik sowieso nicht. Ich habe das Gefühl, ich war noch nie so desorientiert wie sonst, wenn ich krank bin. Ja, total. Also das ist. Ich kenne. Das ja nun. Dadurch, dass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:45:20 – 01:07:05:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei mir immer die Diagnosen so waren, dass. Es sehr. Ich hatte. Immer. Das Glück, dass ich realisiert hatte. Also das. Sind Erkrankungen, die eine eine geringere. Häufigkeit aufweisen, die, die selten vorkommen. So ein. Dementsprechend kenne ich dieses, dieses</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:06:24 – 01:07:11:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spiel auf Glück. Und das kenne ich auch in der Behandlung meines Kindes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:12:23 – 01:07:44:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ist es. Dann insofern. Etwas. Herausfordernder, wenn ich. Überlege okay, was ist. Wenn. Wenn mein Kind. Oder auch ich. Daran erkranken mit unseren Vorerkrankungen, was machen wir dann? So wie du dann auch. Sitzen wir. Da, müssen abwägen, müssen überlegen und haben aber auch das. Gefühl, dass wir da. Keine. Zuverlässigen. Informationen bekommen. Na also. Wusstest du zum Beispiel, dass es dieses. Nasenspray.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:44:17 – 01:08:15:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibt. Das ein das, dass man prophylaktisch nehmen kann. Das gegen. Infektionen an Corona. Hilft? Und das habe ich dann. Ich bin ja an so. Mehreren Gruppen, wo. Es um. Risiko. Patient und Kinder geht. Insbesondere und da ist es so, dass. Viele schon seit einiger. Zeit. Dieses Nasenspray nehmen, Das ist in. Israel gibt es das wohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:15:10 – 01:08:50:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schon länger. Und das ist jetzt auch frei verkäuflich. In Deutschland. Irgendwie. Und. Ich wusste das auch nichts, kostete einfach 26</p>



<p class="wp-block-paragraph">€. Nun ist. Irgendwie. So mindestens zwei Hübe am Tag nehmen. Also du wirst halt tatsächlich die ganze Zeit nicht. Nur irgendwie allein gelassen, wirst auch noch. So zur Kasse gebeten, um dich selbst zu schützen. Es ist richtig heavy. Ja, man wird auch so im Unklaren gelassen. Man erwartet dann nichts mehr von dem Gesundheitsminister, außer dass er dabei ist, gesund zu werden oder zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:51:03 – 01:09:22:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, komplett. Aber selbst da ist ja irgendwie keine Ahnung, kein Rat zu finden. Also ich habe. Am Anfang gedacht. Weil er so. In. Opposition war, war. Lauterbach ja immer sehr. Sehr stark und sehr durchsetzungsfähig. Und natürlich. Hatte ich die. Hoffnung. Dass das auch so bleibt. Deswegen war ich ja erst mal hellauf begeistert, dass er Gesundheitsminister. Wurde. Und jetzt schwimmt er halt so oft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:23:03 – 01:09:55:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass ich da sitzt und so was. Junge, Junge, Junge, jetzt sag mir doch einfach, was ich machen soll. Jetzt darüber reden. Also weißt du, dann tu doch wenigstens. So können wir doch wenigstens das Gefühl, dass du Ahnung hast. Aber woran liegt das? Ich habe mir das ja sogar als Frage aufgeschrieben. Du bist ja nicht aus der SPD ausgetreten. Ja, wegen. Wegen Olaf Scholz, der zum Kanzler wurde, als er den polizeilichen Einsatz von Brechmittel gebilligt und bis heute nicht wirklich von dieser Entscheidung abgewichen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:55:21 – 01:10:11:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir nennen ihn auch liebevoll Brechmittel. Scholz. Also, was passiert eigentlich mit deiner Meinung in der Politik gerade? Aber sobald man an Machtpositionen kommt, dann man doch das Gegenteil tut von dem, was man vorher gesagt hat. Na ja, nicht unbedingt das Gegenteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:13:21 – 01:10:35:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Scholz war. Immer schon mein. Ratschlag. Ganz. Klar. Ich habe natürlich. Völlig. Naiv. Gehofft und geglaubt, dadurch. Dass ich im Austausch mit vielen. SPD Politikerinnen. Gewesen bin oder auch immer noch zwischendurch bin, dass man. Gewisse gewisse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dinge. Vielleicht durch. Aufklärung eine Einwirkung haben kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:37:12 – 01:11:15:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und für mich war klar, dass. Wenn Scholz Bundeskanzler würde. Ich austrete. Ich hatte. Einfach nur. Es war nur den Umständen geschuldet. Dass das noch nicht eher. Passiert ist. Und gerade in der. Politik, also wenn jetzt Wahlen. Wären. Wüsste ich tatsächlich überhaupt nicht, was ich. Tun würde und würde das erste Mal sehr verständnisvoll für die Menschen sein, die sagen Ich. Ich wähle nicht, weil ich weiß nicht wen. So, also das. Was man ja oft. So sieht rechten rechter Wählerschaft vorwirft, dass Leute die AfD wählen, dass sie sagen, so wie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:16:01 – 01:11:46:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es keine Partei. Ist für uns da. Ich glaube, dass das ja jetzt auch. Zuerst mal hier sitzt und dass keine Partei irgendwie bei. Der ich. Sagen würde. You go. Dennoch würde ich halt. Nicht hingehen und irgendwie eine AfD oder ähnliches wählen, als aus. Der.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verzweiflung heraus. Oder aus dem Gefühl heraus, unverstanden zu. Sein. Oder dass sich niemand für unsere Belange und Bedürfnisse einsetzt. Ich bin auch ziemlich ratlos.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:46:23 – 01:12:13:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Selbst die Linkspartei, mit der ich öfter mal sympathisiert habe mich auch. Frage Jesus, da, das ist ja, da ist er auch ein kein Talent in Aussicht. Zerfleischen sich gegenseitig. Das ist so schade, Das passiert nur in der linken Welt. Ja, also das ja. Ich möchte. Jetzt keine keiner einzelnen Parteien hier. Bashen, weil. Da letztendlich you name. It.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:15:07 – 01:12:46:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist. Kein leider kein einziges Phänomen. Gerade. Es ist wirklich gemerkt. Ich glaube, die Politiker schwimmen wie. Wahnsinnig aufgrund der Umstände. Aber Leute, also dann. Brauchen wir den Politiker in. Ihm mehr denn je, die sich für unsere. Belange einsetzen als in einer, in einer in einem. Wandel, wie jetzt gerade. Äh, und es ist ja jetzt nicht so, dass das alles absolut unvorhersehbar war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:47:23 – 01:13:18:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hab aber auch gleichzeitig das Gefühl, dass eigentlich seitdem ich wähle jetzt auch schon ein paar Jahre immer gesagt wird Ja, in besonderen Zeiten wie diesen können wir jetzt das und das nicht machen. Wie das auch so eine Erzählung, die ich immer höre. Ja, ich weiß auch nicht. Alles albern. Es Das alles ist Glaube, dass Politik viel zu wenig radikal ist, gerade. Und. Auch lebt. Also ich hatte das ja. Glaube ich im. Letzten Podcast auch gesagt. Radikale Solidarität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:19:14 – 01:13:51:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist etwas. Was unsere Gesellschaft. Abgeht. Und es geht. Hoch bis zu den. Politikern und. All das, was die. Da gerade von sich geben, langweilt mich so dermaßen, weil ich das. Gefühl habe ja. Schon 150 mal gehört. All die Jahre. Und ihr. Vertröstet uns einfach. Immer noch. Die Welt brennt und ihr vertröstet uns. Die ganze Welt. Brennt und haben so. Ein Deckchen, ein Deckchen, das sie immer wieder auf neue Stellen werfen kann und der Flächenbrand breitet sich einfach unaufhaltsam aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:52:08 – 01:14:22:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe mir für die heutige Folge die Frage gestellt Du hattest im ersten Podcast gesagt, dass du ein ganz schönes Rock’n Roll Leben hattest. Früher, da hatte ich vergessen, dich beim letzten Mal zu fragen, was genau das bedeutet. Stellt man sich das so vor wie Udo Lindenberg oder die Rolling Stones, die irgendwie einfach leben? Oder was meintest du damals damit? Also was. Halt leider gar nicht so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:22:26 – 01:14:39:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut funktioniert, ist bei mir Drugs and Roll. Das liegt an meinen Vorerkrankungen. Das war damals schon so, also leider ist. Es bei mir, bei mir nur Rockn Roll ohne ohne Drugs. So ging</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:41:10 – 01:14:41:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:43:14 – 01:15:17:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich glaube, dass ich innerlich auch heute noch viel radikaler. Bin, als. Ich das nach. Außen hin zeigen. Würde. Und ja, ich weiß nicht, ich. Habe schon gerne Party gemacht, aber. Ich war auch auf diversen Demos. Und so weiter. Und so. Fort. Also ich sage mal so es herrschte schon. Eine Grundausstattung, um mich zu. Wehren. Gab es dann schon mal Situationen, wo man mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist? Ich quatsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:17:03 – 01:15:40:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Niemals. Ein. Instrument, ob ich. Vorstrafen habe. Ne schon mal Stress bekam? Das mit der Polizei muss ja nicht gleich Strafe bekommen. Weil ich bin schwarz. Natürlich habe ich was mit der Polizei. Also das ist ja egal aufgrund deiner politischen Einstellung vor dem Wasserwerfer. Keine Ahnung. Oh ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:42:09 – 01:16:17:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich habe viel zu viel Schiss. Ja, auch um meine eigene Gesundheit. Aber ich glaube, im Herzen sympathisiere ich schon mit bestimmten, sagen wir mal, zivilem Ungehorsam. Oh, also habe ich, glaube ich, wenig. Es ist natürlich, es. Waren. Andere Voraussetzungen. Ich hatte. Keine Kinder. Und es war auch nicht. Gefühlt 150. Jahre alt. Aber wirklich. Scheiße. Ich könnte ja heute, also wie soll ich mich anstrengen? Ich bin, glaube ich, viel radikaler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:17:23 – 01:16:23:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im. Kopf, also in. Bismarck Kunst und. Widerstand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:25:05 – 01:16:57:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also man kann ja all das, was ich mache, sehr. Kritisch. Sehen und sagen Ja, sie ist irgendwie so eine Couch Aktivistin. Aber es ist doch. Funny, wenn ich von der. Couch. Aus einfach. Sachen bewege, bei. Denen niemand weiß. Dass ich sie bewege, oder? Ja, ist einfach. Eine Diskussion oder einen. Diskurs lostreten. Und dann dem Menschen. Weitergeben, was die ja das vielleicht dann noch viel besser umsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:57:12 – 01:17:35:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kann. Also damit meine ich jetzt nicht. Irgendwelche. Straftaten anzetteln, sondern. Tatsächlich die dann diesen Diskurs weiterführen, die die. Beine kurz aufflammenden Gedanken Fürze. Der irgendwann irgendeine Duftnote entdecken. Mit der man arbeiten kann und in eine. Streitkultur gehen. Twitter ist ja tatsächlich das Medium, über das ich auf dich zum Ersten Mal aufmerksam wurde. Vor Jahren auch mal gesagt, dass du mehr oder weniger aus Versehen benutzt hast, Twitter und Facebook verbunden war, du auf Facebook die Sachen gepostet hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:36:06 – 01:17:47:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja und schreib, schreibst selbstbewusst, deine Beine kämen dann ins Netz rein und ich finde das unglaublich</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:49:08 – 01:18:21:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">erhellend. Auch weil manchmal denke sogar man genau so besser. Also nur du kannst das so geil ausdrücken. Und dann frage ich mich aus meiner eigenen aktivistischen Arbeit heraus Erreichen wir überhaupt noch Menschen, die nicht so sind wie wir im Guten, also nicht geprägt werden, sondern dass die da sagen Ach krass, habe das noch nicht gesehen. Also die Rückmeldungen bekomme ich tatsächlich oft. Was ich nicht mache, ist, dass zu veröffentlichen, weil ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:22:11 – 01:18:52:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Immer das Gefühl, es hat ein bisschen was von Eigenlob und Selbstlob. Es gibt ja total. Man könnte mir. Vorwerfen, dass ich mich nur auf das Negative. Fokussiere und immer nur negative. Sachen zeige. Das ist aber tatsächlich. Ein bisschen unangenehm, wenn wenn mir jemand. Also dass zu veröffentlichen. Nicht unangenehm, wenn mir jemand schreibt. Das finde ich total. Herzerwärmend und hinreißend. Wirklich ganz. Ganz schöne, offene. Respektvolle. Nachrichten und auch Nachrichten von Menschen, die sagen Pass auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:52:24 – 01:19:24:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das überhaupt nicht. So gesehen und das Buch gelesen und. Geerdet. Oder ich Krass. Ich habe deinen Tweet gelesen. Und ich habe eigentlich erst gedacht so, da müsste man gegen sein. Und dann habe ich. Etwas los gelassen, habe darüber nachgedacht und du hast recht, das ist. Unangenehm und es tut. Auch weh. Da hinzugehen. Aber du hast recht und mir geht es. Tatsächlich nicht mehr ums Rechthaben, sondern mir geht es ja wirklich nur darum, so einfach das Einfachste im Miteinander aufzudröseln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:24:15 – 01:19:42:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dein Buch, das du gelernt hast, ein schwarzes Herz. Das war. Ein Jahr und. Einen Tag alt. Übrigens. Genau. Es ist letztendlich das Buch, das auf der letzten Buchmesse hätte auftreten werden können und haben sein dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:43:17 – 01:20:13:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und du hattest dich damals verweigert, weil aufzutreten. Zu Recht. Und du auch, weil der die Frankfurter Buchmesse am rechten Verlagen nicht nur eine Bühne gab, sondern auch eine gar nicht mal so prominente Bühne gab. Exakt jetzt mit der aktuellen Buchmesse, die ja gerade war, etwas in deinen Augen getan oder sind wir einfach überhaupt nicht weitergekommen? Also ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glaube, ich muss fort und. Muss auch vorab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:13:28 – 01:20:45:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erzählen. Was da alles im Vorfeld schon passiert ist. Du kennst ja. Becky, Du weißt, wie. Gewissenhaft Becky. Arbeitet, dass. Mein. Auftritt. Wäre. Man wäre die einzige Lesung zu dem Buch gewesen aufgrund meiner Bedrohungslage. Und da. Ist ein Dreivierteljahr Planung. Draufgegangen. Ein Dreivierteljahr. Zusammen mit der Buchmesse und meiner. Seekuh, Das war. Ganz. 30-jährige. Genau das war ganz doll durchgeplant.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:45:29 – 01:20:55:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die wussten so und so ist die Einschätzung. Und die Einschätzung. Der Security, die wirklich. Auch noch ganz andere Prominenz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:57:08 – 01:20:57:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:59:16 – 01:21:31:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">War der Meinung, dass das für mich brisant ist. Dieser Auftritt also wurde da wirklich ein Dreivierteljahr. Hin und her geplant und. Ich konnte. Ja auch nicht angekündigt werden. Das war also selbst selbst die Die Leute. Die mit mir im Panel. Sitzen sollten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mussten halt. Quasi. NDA unterschreiben, dass sie auf gar keinen Fall irgendwo mitteilen, dass. Ich da. Sein werde. Das war. Riesenaufwand. Ich habe mich wahnsinnig drauf gefreut. Wahnsinnig. Weil ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:31:11 – 01:22:02:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum einen. Nie gedacht hätte, dass ich ein Buch schreiben würde und es gemacht werden würde. Ist total absurd. Und das, dass ich in. Diesem Rahmen auftreten darf. Hat mir sehr viel bedeutet. Tatsächlich. Und das Schlimme. Fand ich vor allem. Dass obwohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Planung stattgefunden hat. Uns und der Security. Nicht mitgeteilt. Wurde, dass diese Verlage dort. Ausstellen werden. Ich habe das zufällig. Am zwei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:02:09 – 01:22:24:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tage vorher erfahren. Und das, obwohl wir im engen Austausch waren. Und das geht gar nicht. Also auch allein auch meine. Security. So einer Gefährdung. Auszusetzen. Ist halt auch ein Ding der Unmöglichkeit. Absolut unverantwortlich. Und daraufhin habe ich dann. Kurzfristig dieses. Statement zusammengeklappt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:26:19 – 01:22:27:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:28:28 – 01:22:59:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">mein Gedanke war. Dass. Vor allem Nichtbetroffene boykottieren. Ich habe. Nie gewollt, dass Betroffene. Boykottieren. Aber die sollen diese Räume erhalten. Die sollen dort stattfinden. Darum geht. Es ja. Mir war wichtig, dass nicht. Betroffene. Die bürgerliche Mitte oder die. Vertreter in der. Bürgerlichen. Mitte. Die die Bücher für die bürgerliche Mitte schreiben. Sich hinstellen und sagen Nazis haben in unseren Reihen keinen Platz. Dass sie bei. Uns keinen. Platz haben, ist doch klar. Dass sie bei dir und mir keinen Platz haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:00:09 – 01:23:31:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ja logisch. Es geht ja gar nicht. Ja. Ja, sollte so sein. So funktioniert ja nicht, weil wir sind nun mal diejenigen. Die dran. Wären. Genau. Und das war das, was ich wollte. Und das war das. Warum ich. Ach so, ja, Warum ich auch keine Diskussion mit der. Buchmesse. Geführt habe. Na, ich werde mich mit Sicherheit nicht mit dem. Direktor dort. Zusammensetzen und darüber.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:31:14 – 01:23:40:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diskutieren. Ob Faschismus eine Meinungsfreiheit. Darstellt und. Abwertet, weil genau das. Erzählt er. Und jetzt ist es so. Dass es eine. Vielzahl</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:42:22 – 01:23:47:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">an realistischen durch die Buchmesse aufgestellt wurde mit vier</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:49:07 – 01:24:19:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuständigen. Dass, wenn man sich auf der Buchmesse diskriminiert fühlt, man dort hingehen kann. Aber auch genau das Gegenteil richtig verarscht. Ja, genau das Gegenteil. Ist wirklich albern. Also das ist sowas von fucking unfassbar albern. Also tatsächlich so, als. Würde man einer, einer einer. Frau. Die missbraucht. Wurde, die sagen Oh, der Minirock in dir trägst die Hose, dann passiert das nicht mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:21:02 – 01:24:52:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist ohne dagegen fassbar. Also das ist ja dann auch wieder eine Täter Opfer Umkehr. Komplett. Und es ist ja auch so, dass das der Würde. Wer sich diskriminiert fühlt. Ich fühle mich nicht diskriminiert. Nee, du. Das ist kein Gefühl. Ich kann. Das. Man kann das. Belegen. Ja. Das ist kein Gefühl. Wir reden hier von Tatsachen. Wir reden von Fakten. Aber die letzte Konsequenz, den Rücktritt der Geschäftsführung der Presse zu fordern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:53:06 – 01:24:57:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das wurde gestern. Tatsächlich durch die.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:59:23 – 01:25:33:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Miriam Mann. Gefordert. Ja. Und ja, ich finde, das ist eine Konsequenz aus der Inkonsistenz. Resultiert aus der Inkonsequenz. Bei dieser Erzählung. Und es hat mir in der letzten Folge mal kurz angesprochen, dass das Meinungsfreiheit ist. Dann das Also was ich nicht verstehe ist, dass wir damit nach 20 Jahren Rassismus Debatten, die ich persönlich miterlebe, haben. So knapp davor war ich aber nicht besonders aware.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:33:06 – 01:25:35:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer also. Damals wirklich niemand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:36:16 – 01:26:07:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf 20, aber die, dass wir da nicht weiterkommen. Das ist doch das eigentliche Problem. Na ja, das größte. Problem ist halt immer das, dass. Das. Betroffenen Gefühle. Zugesprochen werden. Dabei sind die Betroffenen. Diejenigen mit den Fakten und einer Buchmesse. Und Chef. Argumentiert. Auf Basis. Von. Gefühlen, von. Gefühlter. Meinungsfreiheit, von gefühlter Abbildung eines eines Spektrums,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:09:01 – 01:26:12:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">von gefühlter Gerechtigkeit und gefühlter Moral.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:14:04 – 01:26:45:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich ist es so, dass verfassungswidrige. Inhalte und Antisemitismus und Rassismus und behinderten Feindlichkeit trans. Feindlichkeit bemerkbar. Sind. Da geht es nicht um Gefühle. Niemand von uns. Fühlt sich. Diskriminiert. Fakt? Ja. Und wenn wir diese. Diskussion oder. Diesen Diskurs nicht auf Augenhöhe. Führen können und immer irgendwelche. Also aus der, aus der ich weiß, gar nicht ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:45:12 – 01:27:12:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist das Ignoranz? Ist das? Ist es Opportunismus? Man weiß es nicht. Aber auf dieser. Ebene können keine. Diskurse. Stattfinden, wenn es. Nicht möglich ist, sich an und das ist ja auch alles wissenschaftlich belegt, sich damit wissenschaftlich auseinanderzusetzen. Wenn es nicht möglich ist. Dass jemand in so einer Funktion. Sich Beraterinnen. Hinzu. Holt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:14:12 – 01:27:21:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">die wissenschaftlich. Argumentieren, dann frage ich mich, was man in dieser Position macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:22:28 – 01:27:53:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor allem von Jahr zu Jahr. Und die Debatte bei der Presse gibt es ja nicht erst seit zwei Jahren. Immer mit der gleichen Erzählung sich da raus windet. Also Meinungsfreiheit ist eine Erzählung, oder wenn wir die rausschmeißen, dann können sie sich ja einklagen usw Da. Sagen sie. Doch genau, sollen sie doch. Es wäre doch immer, aber dann. Wäre es ein Zeichen. So, und russische. Stände wurden ja. Auch Gelegenheit gegeben. Genau, und da funktioniert es ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:53:21 – 01:28:00:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also es ist da ist auch. Es ja auch damit nicht sagen, dass das. Falsch wäre oder sonst was. Ich erlaube mir da kein Urteil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:02:20 – 01:28:27:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber da funktioniert. Das heißt, das ist interessant. Also es ist leichter, andere Marginalisierte bzw andere Menschen, die nicht deutsch sind, von Buchmessen auszuschließen. In dem Fall Russinnen als Deutsche. Ja. Also ich glaube, dass der Nationalstaat ich. Habe keine Ahnung. Es blickt da auch ehrlich gesagt mich durch. Und ich bin mir auch. Nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:29:23 – 01:28:34:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dadurch, dass ich ja gar nicht ich. Habe kein. Weiteres Buch jetzt. Vorzustellen. Aktuell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:36:14 – 01:28:57:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen muss ich halt das. Zepter da in dem Moment auch weitergeben. Und er hat. Noch mal. Sehr deutlich. Gemacht. Dass ich die Buchmesse weiterhin boykottieren werde. Auch weiterhin. Auch wenn. Das zweite. Buch irgendwann erscheinen. Sollte, nicht dort stattfinden werde, solange rechte Verlage da sitzen. Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:59:19 – 01:29:31:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich kann nur immer. Wieder. Daran appellieren, dass. Nicht. Betroffene sich ihres. Privilegs bewusst. Sein sollten. Dass sie dort sich frei und sicher. Bewegen können und. Dass sie tatsächlich ein viel größeres Zeichen. Setzen würden. Wenn sie als. Nichtbetroffene sich hinstellen würden und. Ganzheitlich. Boykottieren würden. Ansonsten lesen Sie eben an der Seite von Nazis. Vor allem, wenn man direkt neben dem ZDF stand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:32:19 – 01:30:03:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Egal. Und selbst wenn sie auf dem. Klo sind. Tatsächlich und tatsächlich bräuchtest. Du dann. Nazis. In deinen Reihen. Aber wo kann man diese Diskurse, die, die wir anscheinend in dieser Gesellschaft aber irgendwie brauchen, jeden überzeugen, dass die Menschen, die momentan die Macht innehaben? Wo kann man denn diese Diskurse am besten noch nach vorne bringen? Anstatt dass wir die ganze Zeit auf der Stelle treten? Ich glaube gar nicht, dass wir so dolle auf der.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:03:20 – 01:30:22:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stelle treten, wie wir es wahrnehmen. Nein. Das macht Hoffnung. Ich glaube das. Also ich habe das Gefühl, dass die Stimmen. Lauter denn je sind. Ja. Ich glaube, also ich weiß nicht, ob es vor zehn. Jahren möglich gewesen. Wäre. Dass ein. Boykott. Durch eine Einzelperson. Der jetzt auch. Also es ist ja jetzt nicht so, dass. Ich</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:23:22 – 01:31:04:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">keine Ahnung. Habe. Ja, also ich bin jetzt nicht, ich bin kein Superstar, dass das so weit geführt hätte, dass eine Washington Post drüber berichtet, dass weißt. Du, was ich meine? Dass das tatsächlich so eine Tragweite hat oder bekommt oder so eine Aufmerksamkeit bekommt. Ich glaube tatsächlich, dass der Kulturkampf gerade so hart geführt wird wie selten zuvor. Was ja besorgniserregend ist. Auf der einen Seite, wenn wir hier von Kampf reden, weil Kämpfe da in den vergangenen Kämpfen haben wir eigentlich immer erst dann beendet werden, wenn es mal richtig geknallt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:04:25 – 01:31:07:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glaubst du, wir kriegen noch die Kurve? Nein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:09:07 – 01:31:45:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein. Also, es sind ja so viele Kämpfe, die wir gerade führen, neben den Wagners Kampf, den Kampf Haram, genau den. Die USA. Und dann. Das Schlimme ist. Ganz ehrlich, liebe. Leute, das muss ich mal ganz, ganz kurz sagen. Es ist erst einmal was los. Noch. Wo kam das? Nach vorne? Try try harder. Ganz ehrlich, warum seid ihr so unlustig dabei? Jesus, gucken wir mal, was ist denn mit euch? Jetzt aber haben wir verlernt zu diskutieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:45:24 – 01:31:49:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Konnten oder konnten wir das gar noch nie? Ich glaube nicht, dass wir das konnten,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:51:04 – 01:32:02:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">sondern dass auch die. Bereitschaft zu lernen. Das ist eine gefühlte Wahrheit. Ganz ehrlich Wer hat denn früher diese Diskussionen geführt und wie. Wurden sie. Geführt. Und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:04:08 – 01:32:40:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie. Anschlussfähig waren sie für die weiße Mehrheitsgesellschaft? Und das ist jetzt noch mal anders. Jetzt geht es ja, jetzt. Werden ja. Diskurse. Oder Wir haben einen Weg an Diskursen teilgenommen durch Personen, die eben nicht der weißen Mehrheitsgesellschaft angehören, und schon ist die Anschlussfähigkeit hinweg point. Und das heißt neben dem Kampf um WordPress oder gegen WordPress, der identitätsstiftend zu sein scheint, für viele Menschen prinzipiell erst mal dagegen zu sein, Denn für andere Kämpfe arm und reich, marginalisiert, nicht marginalisiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:40:16 – 01:33:12:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir hatten letzte Mal kurz über das Thema auch Klassizismus gesprochen und die Wechselwirkung, die dann oft auch mit dem Klassismus einhergehen. Also viele Menschen mit Migrationshintergrund sind von Klassismus betroffen, auch viele Menschen, die von Klassismus betroffen sind, aber einen Migrationshintergrund, was sich auch gegenseitig bedingt. Bebilderung sind auch arm. Wir haben also echte Gelegenheiten bekommen, haben sich nicht zu entfalten, zu entwickeln, auszubilden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:12:07 – 01:33:35:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich beobachte gerade in dem Aktivistinnen Umfeld vor allem die. Gegen ihre eigene Marginalisierung einsetzen. So ein Burn out Phänomen Aktivist Burn out nennen das einige. Es gibt es auch im Klimaschutz. Den gibt es garantiert auch in deinem eigenen Erleben, oder? Ja, natürlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:37:07 – 01:33:50:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja. Klar hast du da einen guten Umgang mit gefunden. Ich weiß. Selbstschutz In meinem, meiner, meiner persönlichen, meinem persönlichen Dasein gibt. Es glaube ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:53:02 – 01:34:25:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe aber viele Freundinnen. Denen es. Zwischendurch sehr, sehr schlecht auf. Grund ihres Aktivismus geht. Und ich bin mal total genervt. Oder habe auch. Situationen, in denen ich. Vor Wut oder Frustration geweint habe. Oder wo mir das alles. Zu viel wurde. Stichwort Buchmesse. Das war tatsächlich. Gar nicht mal so. So toll, wie es nach außen. Hin gewirkt. Hat. Also das war für mich schon klar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:25:19 – 01:34:52:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es war ja quasi ganz schwierig. Es war der Höhepunkt eines Buches quasi oder Auftakt. Ja, ich habe. Einen Tag später mein Buch. Veröffentlicht. Und es ging dann in keinem Beitrag mehr um mein Buch. Mein Buch wurde nicht mehr genannt. Und was sehr schade ist, weil das Buch sehr gut ist. Ich weiß. Also ich kann wirklich schreiben beneidenswert. Und ich hasse schreiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:54:26 – 01:35:20:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das hat. Das war natürlich. Also es ist für mich, dann sagen Leute, ja, das war, das. War irgendwie. Doch eine total gute PR. Ja, das Mag sein, aber ich kann nicht. Abstreiten, dass das nicht auch keinen Effekt hatte. Aber auch nichts verkaufen. Ich wollte einmal. Ich wollte. Einmal für. Das stehen, was ich kann. Und das ist das Schreiben und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:23:02 – 01:35:56:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich blieb nicht. Mehr viel von mir. Also das ist ja. Auch eine Entscheidung. Der ich. Ich war mir dessen bewusst, dass das passieren wird. Und deswegen war auch kurze Überlegung Mache ich das überhaupt? Mache ich das bei? Und deswegen habe ich auch ein Statement geschrieben. Ich weiß, dass. Es zu meinem. Nachteil. Sein wird. Und das ist bei ganz. Vielen Entscheidungen, die ich. Treffe. Die sind dann nach außen hin für manche irgendwie. Stark oder oder auch zu kurz gedacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:56:26 – 01:35:57:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kann. Sie denn? Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:59:19 – 01:36:29:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">da ist nichts kurz gedacht. Und das ist manchmal einfach. Das ist, das ist manchmal für mich frustrierend oder, oder oder. Seht, dass. So viele Dinge, die ich mache, dann zu meinem Nachteil sind. Aber sie müssen halt trotzdem gemacht werden. Ja, vielleicht nicht durch mich. Aber irgendwie. Hatte ich da zum Beispiel auch das Gefühl, dass. Es sonst niemand gemacht. Hätte. Ich hätte mir auch gewünscht. Das wäre jemand anders gewesen und ich hätte mich einfach nur anschließen. Müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:32:01 – 01:36:36:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hätte vielleicht nicht auf die Art und Weise dieses Rampenlicht gehabt, weil das ist mir zu viel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:41:29 – 01:37:08:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieser Etage. Stoppen wir kurz für eine kleine Service Durchsage. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, dann kannst du das mit einem kleinen monatlichen Beitrag tun. Im Gegenzug kannst du aktuelle Folgen vorab hören und wirst, sofern du das möchtest, hier im Podcast namentlich genannt. Alle Infos findest du auf bild.de. Schrägstrich Aufzug. Okay. Ende der Durchsage. Viel Spaß mit dem zweiten Teil der Folge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:13:08 – 01:37:45:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du bist ja die Verkörperung. Das fand ich so, so spannend. Zumindest in meiner Social Media Bubble. Natürlich neben einigen anderen. Aber du bist für mich der Prototyp der Intersektionalität. Also, du hast eine unglaubliche Intersektionalität, trittst nicht nur für die Rechte von People of Color. Du schreibst auch viel über deine Klassismus erfahrungen mit und redest viel über Menschen die davon betroffen sind. Engagierst dich für für Transmenschen sehr stark.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:45:25 – 01:38:19:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kriegen wir überhaupt als Bewegung die Intersektionalität selbst noch besser hin? Kannst du da von deinem Erfahrungsschatz an was teilen? Austausch Also ich habe so viel. Gelernt auf Twitter und das ist. Ja Twitter ist. Babylon. Aber Twitter kann auch Heaven sein, weil ich so viel lernen durfte. Also es ist ja überhaupt. Kein Geheimnis, wie wahnsinnig problematisch ich. Durchaus bin. So meiner gesamten Persönlichkeitsstruktur und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:20:16 – 01:38:23:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie oft ich auf den. Deckel bekommen habe. Zu Recht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:25:03 – 01:38:30:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich dachte so viel Lernen. Von anderen Betroffenen und dann</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:32:09 – 01:38:39:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">ist es für mich. Selbstverständlich einfach. Einfach, weil ich vielleicht auch ein. Schisser bin, dann in dem Moment gar. Kein Bock habe, ständig auf die Schnauze zu kriegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:41:12 – 01:38:48:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">So, okay, dann besser try and dann mach Platz. Also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:50:00 – 01:39:15:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, also gerade da ist gerade meine Erfahrung, wenn ich, wenn ich Scheiße gebaut habe und das ist durchaus. Einige Male passiert. Stelle, sagt Ach fuck, Aber jetzt haben nicht nur ich mitbekommen, dass ich Quatsch gemacht hab oder irgendwas total Problematisches gesagt habe. Dann lass doch mal jemand anders. Auf meinem Account war dann. Jemand, der mich gerade.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angemahnt hat. Und gesagt. Hat Frau, Nein, so geht es. Nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:16:24 – 01:39:17:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damit es mehr mitkriegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:19:19 – 01:39:56:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also nur weil ich das nicht die Intention nicht boshaft ist. Das ist ja wie beim Rassismus, auch wenn die. Intention nicht. Boshaft ist, es sich. Im Effekt. Scheiße für. Mein Gegenüber. So wenn ich Missbrauch. Das heißt du nutzt das Internet bzw Twitter für dich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ehrlich? Ja, also man kann ja nicht von außen sehen, wie du Twitter nutzt. Man kann nur sehen, was du auf Twitter postest. Das ist bei mir auch und ich lese unglaublich viel, viel mehr, als dass ich selber was was schreiben würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:56:14 – 01:40:21:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann gibt es so Accounts zu empfehlen. Würde man ja auch in Deutschland vielleicht Chat geben können. Ja klar. Also ich würde. Jeden. Wenn es um Intersektionalität. Geht, würde ich tatsächlich. Frau mal empfehlen. Ja. Die ist wahnsinnig gut, wahnsinnig pointiert. Die hat. So viel. Im Blick.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:24:10 – 01:40:54:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich bin wahnsinnig. Begeistert darüber, wie sie die Dinge. Sieht, wie sie sie einordnet. Ist ein unfassbar kluger. Warmherziger Mensch. Aber auch krass, wie viel sie tragen muss. Also tragen im Sinne von auch mit Kriegen Zusammenhänge sehen, das ist ja, das ist ja alles gedankliche Arbeit, die macht ja niemand, für. Die müssen. Wir. Gehen. Genau. Also das. Ding ist. Das ist etwas, was ich ja auch gelernt habe, über Twitter oder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:55:07 – 01:41:32:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über meine, meine. Tätigkeit auf Twitter. Oder mein. Mein Junge. Twittere, dass ich. Viel mehr bedenken. Muss. Und viel mehr versuchen muss. Ganzheitlich zu denken. Und dass es ich verstehe, dass das für viele total herausfordernd ist. Und anstrengend. Ist es. Für mich. Auch. Aber mir das ist, glaube ich, ja und das ist halt. Auch so ein bisschen. Dieses, dieses. Inwieweit lässt man denn, inwieweit ist man denn nahbar, wenn man.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:32:18 – 01:41:52:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt ja ganz einige große Accounts, die würden ja nun reagieren. Wenn du denen irgendwas. Schreibst. Ja. Selbst wenn man sich selbst man mutual ist und sich gegenseitig folgt, ist da oft die, die der Austausch überhaupt nicht da. Und ich glaube, dass. Ich</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:54:03 – 01:42:19:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">da schon in einem guten. Austausch bin. Werden natürlich einige sagen ja. Sehr begrenzt ihre Kommentare. Und bleibt. In ihrer Bubble. Es ist aber tatsächlich so, dass das. Irgendwann gar nicht mehr anders. Ging. Ja, das auch. Ja. Genau, und. Das überfordert mich halt auch. Also da ist es. Da ist es noch nicht mal so, dass es nur. Um den Hate. Geht. Sondern auch eine Überforderung an!</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:21:24 – 01:42:42:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche schon sehr. Vielen Menschen gerecht zu werden und. Da ist. Meine eigene Anspruchshaltung so hoch an mich, dass. Mich das stresst und ich das aus Gründen. Deshalb dann ein bisschen runterschrauben. Muss. Ein bisschen auf mich aufpassen muss. Genau das meine ich mittlerweile.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:44:00 – 01:42:58:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich finde, bei dein Buch gab es in Auszügen gelesen. Ich bin dabei beim Hörbuch gilt auch als lesen für mich schon gar nicht so sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:01:21 – 01:43:33:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich schaffe eh nur Hörbücher nicht mehr zu lesen. Es funktioniert. Leider. Hörbuch fern deswegen ja gut. Ja, ich habe so viele Hörbücher, dass es. Ich habe das Gefühl beim Hören des Hörbuchs, dass das Buch das Das kam so aus dir raus, dass das nicht so wie bei meinem Buch eine Anfrage war vom Verlag Hast du nicht mal Lust, ein Buch zu schreiben, sondern dass das einfach aus dir raus musste? Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:33:29 – 01:43:45:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zufällig ein Verlag gefunden, aber Oder war das andersrum? Nee, Tatsächlich war die Geschichte so, dass ich ein größeres. Schreiben wollte und über die Serie. Festgestellt habe. Es war eigentlich eine Comedy Serie. Wäre</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:47:28 – 01:43:51:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">es wohl einfach. Lustig. Was</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:53:08 – 01:44:11:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">man kennt. Ich weiß ja. Wie man lustig schreibt und wie man. Anders ist. Das ist so ein Thema. Da gibt es schon Werkzeug für uns. Es war also in Wahrheit. Irgendwann grotesk und das gefiel mir nicht. Und dann habe ich entschlossen okay, schreiben. Und dann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:14:10 – 01:44:30:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">War es so, dass. Ich ein. Echtes. Sebastian Fitzek. Geschickt habe. Irgendwie über einen Kontakt. Und oder oder. Einen Freund, der auch zu meinem Podcast. Das. Cover gemacht habe. Und der rief dann am selben Tag an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:32:26 – 01:45:03:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das muss gemacht werden. Und es war nicht nur so 20. Seiten oder. So eine war. Total begeistert. Und eigentlich. Wollten wir da zusammen. Kommen. Es hat nicht funktioniert. Wir sind aber nach wie vor gut miteinander. Also das. Ist jetzt nichts. Kein kein, kein Drama. Er hat einen fertig und dann. War die Erzählweise. Von anderen Autoren. Auf. Jeden Fall ein Literaturagent. In und ich waren so angesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:05:15 – 01:45:22:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und alle waren so Ja, aber dann kannst du. Du kannst kein Buch. Machen ohne. Literaturagenten. Ja, so. Und wir haben es halt gemacht. Becky danke noch mal. Hat das dann. Wahnsinnig gut geklappt und wir haben einige Anfragen von einigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:23:25 – 01:45:29:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verlagen und. Großen Verlagen gehabt. Und da ist das Verlagen. Verlagen, Verlags. Häusern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:31:22 – 01:46:06:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die dieses Manuskript gelesen haben. Und weil das alle machen und ich habe mich dann. Für Rowohlt. Entschieden. Weil ich habe, da ging es auch nicht. Um um das Finanzielle oder irgendetwas, sondern es ging einfach irgendwie. Darum, wer für das Buch. Da so. Um wem ist. Wem ist. Überhaupt bewusst. Was ich da mache, warum ich eben einfache Sprache benutze, warum ich einfache Bilder benutze, einfache Metaphern. Was ja. Im Feuilleton. Zerrissen wurde. Ja, das ist das der fucking point..</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:06:19 – 01:46:27:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Musstest du Rassismus auf die harte Tour erleben? Oder hattest du Leute, die dich schon vorzeitig gewarnt haben, im Leben vorbereitet haben, dass das passieren wird? Ja. Oh ja. Ich glaube. Darauf kann man niemanden. Vorbereiten. Drei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:29:25 – 01:46:37:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sehe es ja gerade selbst an der nächsten Generation. Man kann das echt versuchen und ich glaube, sie haben da eine Mutter an ihrer. Seite, die das sehr</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:38:25 – 01:47:13:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">leicht erfahren ist oder oder auch aware ist. Aber du. Kannst niemanden darauf vorbereiten und mein Umfeld. War ja auch komplett weiß. Das heißt, das ist. Gar nicht. Möglich gewesen. Das heißt dein. Buch und ich habe es auf die harte Tour gelernt. Das heißt, das Buch adressiert auch genau die weißen Menschen in deinem Umfeld. Das Buch adressiert alle. Genau wie vorhin gesagt, dass du versuchst, das auf der einfache Metaphern und einfache Sprache zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:14:03 – 01:47:44:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, aber dass das tatsächlich gar nicht auf. Mein Umfeld bezogen, sondern das ist. Tatsächlich. Also als bestes Beispiel. Ich kriege ganz. Viele Rückmeldungen von Personen, die sagen. Dass sie. Ganz wenig lesen. Und dass ihnen das schwerfällt und dass sie. Mein Buch innerhalb von zwei Tagen durchgelesen haben und wahnsinnig mitgenommen sind und. Es gefühlt haben und aber auch einfach diese Freude darüber haben, dass sie es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:45:01 – 01:48:15:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lesen konnten. Dass es ihnen nicht schwer. Gefallen ist, es. Zu lesen, weil sie vielleicht nicht den Bildungsweg, das Bildungsniveau haben. Gewisse Sachen nachvollziehen zu können. Oder. Eben. Nicht die Zeit. Haben, weil sie einen harten Job haben oder alleinerziehend sind oder. Oder oder oder oder so oder wie ich mit CFS. Haben und. Dass es. Anstrengend ist, Dinge nachzuvollziehen in Reinform hast. Mir ging es darum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:15:15 – 01:48:42:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Möglichkeit. Einzuräumen, dass. Jede und jeder es. Verstehen kann und einer emotionalen, emotionalen Ebene. Aber auch tatsächlich durch das Wording. Genau. Und da wollte ich gerade sagen, das kann man definitiv nachvollziehen, ohne dass man vielleicht selber das erlebt haben muss. Dann zumindest so nachvollziehen, wie es geht. Und es hat glaube ich durch deine Arbeit mit deinem Buch, sondern auch</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:44:19 – 01:48:50:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">online den Unterschied verstanden zwischen kein Rassismus und Antirassismus,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:52:25 – 01:48:58:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">also kein Rassist sollte der STANDARD sein. Und Antirassismus ist quasi</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:00:01 – 01:49:16:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">der Einsatz gegen Rassismus und nicht einfach nur nicht rassistisch zu sein. Einfach zu früh auf. Also sagen wir einfach, wir glauben mit kein Rassismus. Sind wir schon Antirassisten. Ja. Ganz, ganz klar. Also. Dass</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:17:18 – 01:49:41:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich glaube, dass. Viele denken, dass wenn sie. Nicht rassistisch. Sind, sie damit auch Rassismus bekämpfen und. Dass der Antifa, das ist nicht wahr und das geht auch. Also der Fakt ist ja. Fakt ist ja. Dass. Es also es gibt. Niemanden, der nicht. Rassistisch ist und das. Funktioniert ja nicht so. Weil das. System nun mal so ist. Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:42:29 – 01:50:13:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">natürlich. Ist es. Bequemlichkeit. Bequemlichkeit und aber auch die. Die mehr davon, dass ein bisschen Haltung reicht, ein bisschen, ein bisschen gegen Nazis sein reicht. Oder so eine schwarze Kachel auf Instagram posten. Ja. Ich weiß noch, wie viele. Meiner Freundinnen nein, auch damals. Du haben. Denen das meine ich nicht. Aber wie viele? Ich habe ja geschrieben, dass ich mich dagegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:13:17 – 01:50:44:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Habe gesagt Eure. Sachen bedeuten mir. Nichts. Genau das. Na und? Und dann waren einige meiner Freundinnen tatsächlich auch persönlich angefasst und waren ganz. Traurig. Und haben das. Überhaupt nicht. Verstanden, dass es dann in einem privaten Austausch ging. Und ich sagte so Ja. Also das ist halt nichts. Wenn du es einmal machst. Das hilft halt nichts, mit mir befreundet zu sein. Das hilft. Nichts. Wenn du mir dann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:44:14 – 01:51:15:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Privat bei. Stehst, aber nicht. Öffentlich. Siv was du tust. Wir müssen aktiv werden. Und das ist das, das ist das. Woran. Klimakatastrophe scheitert. Das ist das. Woran hier unser. Soziales System gerade scheitert, unser Gesundheitssystem. Und das kannst du auf alle. Ebenen. Übertragen. Solange wir nicht aktiv. In die Veränderung. Gehen. Wie Luisa, wie Luisa diese Woche sagte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:15:08 – 01:51:23:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">In die Selbstermächtigung. Genau. Schaut auch an Frau Flaßpöhler. Die mir. Vorwarf, ich. Würde mich nicht selbst ermächtigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:25:04 – 01:52:03:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist leicht gesagt. Ich mache in drei. Fucking dreist sitzt er auf. Der Bühne und sagt irgendwas von Selbstermächtigung. Wow! You don’t know me. Was denn los? Also egal was sich als aus der Perspektive von behinderten Menschen aber oft als sehr schmalen Grat empfinde, ist, wenn du dann mit alles zu tun, was die vielleicht nicht nur Nichtbehinderten feindlich sind, sondern sich auch engagieren gegen behinderten Feindlichkeit, dann doch manchmal das Phänomen eintritt, dass man als Token benutzt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:03:21 – 01:52:20:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">O wann beginnt für dich Token sein und du? Erkennst du das rechtzeitig oder bist du sogar selber mal in die Falle getappt, auf der Bühne zu merken? Aber ich bin total. Ich war token number fucking one.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:22:20 – 01:52:25:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also nicht auf der Bühne, sondern im Leben. Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:27:04 – 01:52:34:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">ganz lange auch umsonst. Anders wäre ich gar nicht in diesem Beruf und in diesen Beruf geraten, als.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:35:25 – 01:52:39:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine. Sisters und Brothers zu verraten. Ich</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:41:24 – 01:52:57:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">hatte da also auf eine gewisse Art und Weise so. Und es ist auch. Nicht so, dass ich den. Den. Das. Nicht irgendwie nachvollziehen kann, dass der Wunsch da. Ist, gemocht zu werden. Nicht aufzufallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:59:29 – 01:53:30:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zu glauben, Akzeptanz führt darüber. Das verstehe ich, wenn ich es auch lange gedacht habe. Ich habe lange gedacht okay. Man muss nur nett genug sein oder man muss nur irgendwie sich ganz, ganz dolle anpassen. So aber hast du natürlich so Sicherheitsmechanismen, die du vorher abklopft, bevor du dich irgendwo auf eine Bühne stellst oder irgendwas beteiligst. Ich glaube, das passiert. Mir überhaupt nicht mehr. Vielleicht, weil ich einfach grundsätzlich so viel absage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:31:20 – 01:54:13:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich. Sage ja 99,9 %. Der. Anfragen ab, die. Ich bekomme. Also nicht. Ich, sondern. Becky und Rabea. Machen das. Ding. Trotzdem habe ich das Gefühl in meinem Aktivismus, dass es immer wieder Situationen gibt, wo ich selber dann verunsichert bin. Bin scheinbar niemand, der anderen meine Ansichten nachvollzieht oder oder Werte teilt und ich mich frage okay, bist du jetzt vielleicht übers Ziel hinausgeschossen? Ich kann Aktivistinnen, die dann das Gaslighting, also das die eigenen Gefühle dann von der Mehrheitsgesellschaft negiert oder relativiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:13:24 – 01:54:49:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber diese Unsicherheit, ich habe das, ich glaube, ich brauche die auch nicht völlig durchzudrehen. Ja. Aber ich kommuniziere das dann. Okay. Ich sage dann, dass sich das gerade irgendwie schwierig finde oder mich nicht. Wohlfühle oder das Gefühl habe, dass ich gerade als Token. Fungiere. Und oder mich auch dazu selbst gerade. In so eine Position bringen. Weil wir haben ja, glaube ich, als Gesellschaft, da nehme ich mich nicht aus gar nicht gelernt, mit Kritik umzugehen, die vielleicht unbeabsichtigt gemacht wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:49:25 – 01:55:23:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also keine Ahnung von Rassismus oder so mir immer gleichen oder Verteidigungshaltung gehen. Um. Gegen Angriff. Gegen. Mich. Da kann ich. Mich natürlich auch nicht rausnehmen. Also das wäre das wäre ja Quatsch zu behaupten, dass mir das nicht passiert. Dass wenn ich. Kritik erhalte, die durchaus auch gerechtfertigt sein kann. Ich erst mal eine Verteidigungshaltung gehe. Das ist total klar. Weil wir in. Deutschland, glaube ich, so sozialisiert. Sind, dass wir keine Fehler machen dürfen. Genau. Es ist ja so oft so, dass dass ich dann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:24:01 – 01:55:56:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja mein Gott. Dann hast du. Doch. Scheiße. Aber wenn wir uns alle mal. Selbst wenn ich Kritik. Bekommen, dann auch mal nehme. Aber alle anderen sind. Dann auch Auswege. Aber dass alle Menschen zu einem sagen Da liegst du falsch, das gilt für alle. Und so weiter. Wie vergewissert du dich deiner eigenen Realität? Zum Glück ist. Es. Das ist etwas, was auch wieder. Twitter und und Ähnliches bei mir losgelöst haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:57:06 – 01:56:23:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin ja nicht umsonst in diese Token Schiene geraten, weil mein Umfeld ja immer gesagt. Hat du stellst dich. An. Oder die das. Anders gesehen. Weil ich aber auch. Gar nicht die Möglichkeit hatte, mich mit anderen. Betroffenen auszutauschen. Und das kann ich jetzt. Das heißt, ich tausche. Mich mit anderen. Betroffenen. Aus und frage natürlich. Wie siehst du das?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:24:25 – 01:56:58:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie empfindest du. Das? Und so weiter und so fort. Und? Wenn die Rückmeldung da ist wir sehen das genauso und uns ist das genauso widerfahren, dann weiß ich, dass es kein Phänomen ist. Es gibt eine Floskel, die mich als behinderter Mensch wirklich nicht mehr hören kann. Und das ist die Floskel Wir müssen die Barrieren in den Köpfen senken, die eigentlich nichts anderes meint, als bevor wir irgendwas machen. Dass wir erst mal alle Menschen aufklären, dass es behinderte Menschen gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:58:24 – 01:57:32:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich glaube, das ist falsch. Ja, natürlich. Ich glaube, das ist grundfalsch, weil wenn wir da davon ausgehen, dass das andere Menschen aufklärungs bedürftig ist, dass es behinderte Menschen oder schwarze Menschen gibt, dann ist das schon der grundfalsche Ansatz. Also es ist halt einfach so. Albern, dass. Allein diese These, diese Position ist so albern. Ja. Was soll das? Ich muss. Also wir müssen uns doch jetzt nicht für unsere Existenz rechtfertigen oder unsere Existenz erklären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:34:00 – 01:58:05:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern wir wollen diese Begegnung da und da, wo sie unterbunden wird, dann intervenieren. Da muss man einfach stattfinden. Genau. Und das selbstverständlich. Und das ist das Problem. Nicht wir sind das Problem. Nicht wir müssen erklären, dass. Wir selbstverständlich existieren. Sondern es muss selbstverständlich sein, dass. Wir. Existieren. Genau. Genauso wie ich bin. Manchmal hilft dann der Vergleich mit Männern und Frauen. Wir müssen ja eigentlich Männer auch nicht erklären, dass es Frauen gibt. Wir müssen ihnen nur erklären, dass sie sich nicht scheiße benehmen sollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:07:09 – 01:58:16:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also, es ist. Ich weiß nicht, ich finde das alles. Ich habe tatsächlich ganz lange gedacht, wir werden weiter. Ja, und?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:18:07 – 01:58:42:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss echt sagen, ich finde. Es wahnsinnig albern, wie. Wie wenig weit wir sind, dass es. 2022 und wir sitzen. Hier sitzt schwarze Frau, Ihr sitzt zu Hause und Sie müssen darüber reden, ob wir existieren dürfen. Oder wie wir am. Besten erklären, dass wir existieren. Das so traurig was war, zu erleben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:43:23 – 01:59:15:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ja auch eine Lebensaufgabe. Also du bist ja auch nicht fertig. Nein, und es. Ist auch so, also es ist so ganz ehrlich. Leute, meinte wir haben. Bock darauf. Wir haben Bock aktivistisch zu sein. Meint ihr ihr habt wir haben Bock. Auf diese Kämpfe? Ich meinte. Wir haben uns mit, mit, mit, mit den Menschen auseinanderzusetzen, die komplette Arschlöcher sind, die uns das Existenzrecht absprechen. Und das auch noch von uns erwarten. Also fast niemand von uns hat Bock darauf und es soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:15:14 – 01:59:20:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdammt noch mal nicht unser. Job. Sein. Genau das. Der Aufzug ist langsam angekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:22:15 – 01:59:27:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach zwei wie heute. Geschimpft hatte. Ich. Ich war sicher knapp. 01:59:29:03 – 01:59:53:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich dachte mir, jemand ist bei euch, im Umfeld, in der Familie das Thema Inklusion präsent. Also an die Kinder in einer Klasse. Auch andere Kinder mit Behinderung als Freundeskreis? Oder kennst du andere Menschen mit Behinderung in echt? Also in die Inklusion. Sagen wir mal Thema in eurem Leben? Ja, ist es.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:55:22 – 02:00:26:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bedingt sich durch die familiäre Situation. Bedingt sich dadurch, dass ich selbst mit. Menschen mit Behinderungen aufgewachsen bin. Oder? Und das denkt. Sich in unserem Umfeld. So, meine Tochter wusste auch direkt, wer du bist. Oh Gott, von total. Einer. Total. Werde sie. Das sage ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:27:07 – 02:00:37:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okay. Aber sie ist alt. Genug, um alt genug. Um vieles zu verstehen. Okay. Ja. Liebe Grüße an meine Tochter. Ja, richtig. Sie wird sich sehr freuen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:39:21 – 02:00:41:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Macht auch ein Screenshot von uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:43:29 – 02:01:15:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich finde, das ist wirklich nett gewesen, das fortzusetzen. Zweite Folge Die werden jetzt auch nacheinander erscheinen. Ich freue mich sehr, dass du einen Gast warst. Ich freue mich sehr, dass du trotz. Der Umstände gerade und trotz kurzer. Müdigkeit dir die Zeit. Genommen hast und mir. Zugehört hast. Sehr, sehr gerne, wenn ich irgendwas tun kann. Du hast ja meine Daten. Sam. Sam. Sehr gut. Dann willst du einen erfolgreichen Vortrag fortschreiten, des Tages.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:15:14 – 02:01:47:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie auch immer. Erfolgreich ist, Wenn ich. Gleich noch den vierten. Kaffee geballert habe. Und ziele setze ich mir heute. Ich glaube, das ist super. Ich finde, wir haben heute schon genug gearbeitet. Wir beide. Absolut. Und bitte alle Hörerinnen und Hörer, kauft euch das Buch Schwarzes Herz von Jasmina Gugel als Hörbuch und oder digital und oder als Print. Er erschien im Rowohlt Verlag vor ziemlich genau einem Jahr und es ist wirklich eines der besten Bücher gelesen habe bzw noch dabei bin zu lesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:48:01 – 02:01:54:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielen Dank. Ich danke. Dir. Das bedeutet mir sehr viel. Vielen Dank. Auf bald. Tschüss. Tschüss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:59:09 – 02:02:18:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat. Bewerte diese Folge bei Apple, Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Alle Links zur Folge, so wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, findet ihr in den Shownotes. Schaut ja gerne mal rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:21:08 – 02:02:33:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zwei Mal im Jahr persönlich zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:36:02 – 02:02:43:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug ist eine Produktion von Schønlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Hier findest du mehr über Jasmina Kuhnke:</h2>



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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.rowohlt.de/buch/jasmina-kuhnke-schwarzes-herz-9783498002541">Jasminas Buch: Schwarzes Herz</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://twitter.com/fraumalonda?ref_src=twsrc%5Egoogle%7Ctwcamp%5Eserp%7Ctwgr%5Eauthor">Frau Malonda</a></p>



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<p>Der Beitrag <a href="https://im-aufzug.de/im-aufzug-mit-jasmina-kuhnke-teil-2/">Im Aufzug mit Jasmina Kuhnke &#8211; Teil 2</a> erschien zuerst auf <a href="https://im-aufzug.de">Im Aufzug</a>.</p>
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		<title>Im Aufzug mit Jasmina Kuhnke &#8211; Teil 1</title>
		<link>https://im-aufzug.de/im-aufzug-mit-jasmina-kuhnke-teil-1/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 15:20:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute spreche ich mit Jasmina Kuhnke. Jasmina ist Comedy-Autorin, roasted Felix Lobrecht und ist mir das erste Mal vor Jahren auf Twitter mit ihrer Aufklärungsarbeit zum Thema Rassismus begegnet. Jasmina ist als schwarze Frau, die lange Zeit mit 4 Kindern alleinerziehend war, in vielerlei Hinsicht marginalisiert. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch namens „Schwarzes [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Heute spreche ich mit Jasmina Kuhnke. Jasmina ist Comedy-Autorin, roasted Felix Lobrecht und ist mir das erste Mal vor Jahren auf Twitter mit ihrer Aufklärungsarbeit zum Thema Rassismus begegnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jasmina ist als schwarze Frau, die lange Zeit mit 4 Kindern alleinerziehend war, in vielerlei Hinsicht marginalisiert. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch namens „Schwarzes Herz“ geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie erhält in trauriger Regelmäßigkeit Morddrohung von Rechts und ihre private Adresse wurde sogar im Internet veröffentlicht, worauf sie mit ihrer Familie umziehen musste. Unser Gespräch im Aufzug war so intensiv, dass schon nächste Woche Teil 2 folgt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf für Jasmina Kuhnke</p>



<div class="wp-block-kadence-accordion alignnone"><div class="kt-accordion-wrap kt-accordion-wrap kt-accordion-id_94b02b-8f kt-accordion-has-2-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-arrow kt-accodion-icon-side-right" style="max-width:none"><div class="kt-accordion-inner-wrap" data-allow-multiple-open="false" data-start-open="none">
<div class="wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-1 kt-pane_cb5b2b-89"><h2 class="kt-accordion-header-wrap"><button class="kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show"><span class="kt-blocks-accordion-title-wrap"><span class="kt-blocks-accordion-title">Transkript</span></span><span class="kt-blocks-accordion-icon-trigger"></span></button></h2><div class="kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden"><div class="kt-accordion-panel-inner">
<p class="wp-block-paragraph">01:01:50:29 – 01:02:18:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor es losgeht. Wie immer der Hinweis, dass ihr im Aufzug mit einem kleinen monatlichen Beitrag unterstützen könnt. So helft ihr mir, diesen Podcast noch lange weiter zu betreiben. Alle Infos findet ihr unter Raul.De/Aufzug. In dieser Woche geht der Dank an die Aufzugs Unterstützerinnen Josephine, Nelli, Esther, Jutta, Felix, Gio, Josef und Jan. Danke für euren Support.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:22:10 – 01:02:35:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute spreche ich endlich mit Jasmina Kuhnke. Jasmina ist Comedy Autorin, roasted Felix Lobrecht und ist mir das erste Mal vor vielen Jahren auf Twitter mit ihrer Aufklärungsarbeit zum Thema Rassismus begegnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:39:01 – 01:02:51:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jasmina ist als schwarze Frau, die lange Zeit mit vier Kindern alleinerziehend war, ist in vielerlei Hinsicht marginalisiert. Über ihre Erfahrungen hat sie ein Buch namens Schwarzes Herz geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:55:11 – 01:03:12:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;Sie erhält in trauriger Regelmäßigkeit Morddrohungen von rechts und ihre Privatadresse wurde sogar im Internet veröffentlicht, sodass sie umziehen musste. Unser Gespräch war so intensiv, dass schon nächste Woche Teil zwei folgt. Aufzug Tür auf für Jasmina Kuhnke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:23:07 – 01:03:54:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tür geht auf und wer kommt rein. Es ist Jasmina Kuhnke. Welch eine Ehre. Die Ehre ist ganz meinerseits. Danke, Homeboy. Bevor wir anfangen, Alles Gute nachträglich zum Geburtstag. Dankeschön. Das heißt nicht zu vergessen, ich bin jetzt in so einem Alter, da vergisst man das ganz gerne. Ja. Aber hast du gefeiert? Ich habe ganz klein gefeiert. Ja. Immerhin. Ganz, ganz. Ja. Also. Ja. Was? War total schön.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:54:20 – 01:04:24:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe irgendwann an Weihnachten, dann an ein paar Jahren schon viele Jahre irgendwann die Erkenntnis gehabt. Du bist dann erwachsen, wenn du mehr Geschenke verschenken musst, als du bekommst. Das ist tatsächlich so, tatsächlich und das sieht. Return on Invest nimmt ab.&nbsp; Ja, und das Ding ist, ich finde es auch ein bisschen kacke, weißt du dann kommen meine Kinder geben mir so gemalte Sachen. Also, weißt du, wenn du so vier hast, dann kriegst viermal gemalte Sachen über sehr viele Jahre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:24:29 – 01:04:35:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann denkst du dir Ja, okay, ich habe es verstanden. Wie schön, dass ihr basteln könnt. Wo ist jetzt die Patte? Genau. Wann schenkt ihr mir Geld?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:35:25 – 01:05:01:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann schenkt ihr mie Gucci Täschen? Ich habe meine Mutter irgendwann dabei erwischt, dass sie die Bilder weggeschmissen hat. Na ja, die böse Mutter. Das macht man nicht. Nein, nein, Würde. Ich würde mir nie einfallen. Eine riesige Kiste habr ihr im Keller von selbstgemalten Bildern. Ein Keller extra nur für Bastel Sachen. Ein ganzes Museum für deine Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:01:26 – 01:05:11:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gab es schon mal eine merkwürdige Situation, die du in dem Aufzug erlebt hast. Ich muss grad nachdenken. Au ja. Oh ja, ich habe sogar eine richtig gute Story.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:13:08 – 01:05:39:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich mein Mann hat in Leipzig gearbeitet und damals waren wir noch relativ frisch zusammen und ich hab ihn besuchen dürfen. Und er war in so einem sehr, sehr edlem, teuren Hotel und das kannte ich nicht. Und ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich angekommen bin, wurden meine Koffer getragen. Das habe ich schon komplett überfordert. Da habe ich meine letzten 0,50&nbsp;€ zusammengesucht,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:40:21 – 01:05:59:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">dem Portier mein Geld zu geben und wusste aber das ist in diesem Hotel ein Spa gibt. Extra im Bikini eingepackt und habe mich wahnsinnig gefreut, weil ich noch nie ein in einem Spa war. Also das weiß wer wie ich mal Armutsbetroffen war, weiß das. Das kennt man nur aus dem Fernsehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:01:17 – 01:06:32:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und während mein Mann arbeiten geht. Machst du dir so einen richtig tollen Tag im Spa. Ich war damals noch alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Das ist ja einfach ein wahnsinniges Highlight. Er hat mir den Bademantel übergezogen, über den Bikini. Bin in diesen Schluffen, ab zum Aufzug und runter. Unten hält der Aufzug und eine Gästin will zusteigen. Guckt mich an und fragt Entschuldigen Sie bitte, gehören Sie zum House Keeping Service.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:32:06 – 01:06:42:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Or Aha. Im Bademantel? Nein, ich bin der&nbsp; Escort Service für Ihren Mann. Ja, sie ist da und es wird weitergefahren. Die ist ausgestiegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:43:21 – 01:07:13:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ne Geile, schlagfertige Antwort. Ja, aber ich weiß auch nicht, wo die herkam. In dem Moment. Wahrscheinlich einfach, weil ich so resilient schon bin. Ich habe mich auch jahrelang für diese Antwort sehr gefeiert. Das ist jetzt nicht Usus, dass ich sofort so eine schlagfertige Antwort treffe. Also das muss man echt können. Ich hab Einmal einen Polizisten gesagt, als er mich ermahnt hat, weil ich bei Rot über die Ampel fuhr. Es gab weit und breit kein Auto, da meinte er ja, Sie sind kein gutes Vorbild.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:14:08 – 01:07:27:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann habe ich zu ihm gesagt Sie tragen eine Waffe. Sie auch nicht. Oh, und da musste er lachen. Echt? Ja, okay, da hat er wenigstens cool reagiert. Es hätte ja auch echt im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten losgehen können. Aber hallo?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:29:28 – 01:07:48:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, da sitzt der schuss dann gerne mal locker. Kriegt er Aber diese Schlagfertigkeit hast du dir, Die ist es. Also wenn man deine Twitteraccounts liest bzw deine Tweets liest, da kommen wir auch später noch zu. Dann hat man das Gefühl, du hast auf jede Situation ne geile Antwort. War das schon immer so?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:50:14 – 01:08:12:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahrscheinlich nicht. Ich war ja als Kind ganz ganz schüchtern und musste. Aber was du wahrscheinlich kennst, relativ schnell irgendwie mit den Gegebenheiten umgehen, weil ich gemerkt habe, ich werde natürlich anders behandelt und die Menschen trauen sich auch schon mal komische Dinge zu sagen in unserer Gegenwart.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:13:25 – 01:09:02:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wo wir wahrscheinlich einfach nie auf die Idee kämen, dass das machen manche aber einfach. Und weil mir das so wahnsinnig unangenehm war. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Ich war auch nicht so Mittelpunkt orientiert. Ich fand das total unangenehm. Aber ich war halt immer im Mittelpunkt. Und ich habe also mit der. Mit der Schüchternheit war das schwieriger und schlimmer auszuhalten. Und ich habe auch das Gefühl gehabt, dass die Menschen sich viel mehr rausgenommen haben deswegen. Ja, und dann habe ich sehr hart daran gearbeitet, dass das, dass ich da so eine Antwort drauf habe, dass wie im besten Fall die Frau sofort merkt okay, mit der nicht und steigt aus und ich habe meine Meinung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:03:09 – 01:09:35:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich würde tatsächlich. Also natürlich gibt es auch Situationen oder so, aber ich würde glaube ich nie einer fremden Person einfach so krumm kommen. Das liegt mir einfach gar nicht. Aber trotzdem ist ja Jede Situation, wo man dann so ein schlagfertig Antworten irgendwie so ein Mikrostich. Also man kann, das ist ja nicht ganz weg. Und ich glaube tatsächlich, es gab eine Phase, da bin ich viel entspannter damit umgegangen, zumindest für mein Umfeld entspannter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:35:27 – 01:10:01:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, ob das für mich entspannter war. Es hat halt ganz lange meine, meine Emotionen wirklich stark unterdrückt. Also ganz so, dass ich tatsächlich auch mich in Lebenssituationen befunden habe, wo ich heute sagen würde Das war nicht ich selbst und das ist überhaupt nicht diese lebensfrohe</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:02:20 – 01:10:34:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Person, die ich eigentlich bin. Und ich war dann lieber still und zurückhaltend und habe es lieber komplett isoliert, als dass ich mich der Gefahr aussetze, diese Mikro Stiche zu erhalten. Und heute?&nbsp; kommuniziere ich das. Und sag den Leuten auch wenn es du weißt selber, es ist nicht immer bös gemeint, aber es tut halt ja trotzdem weh. Und dann sage ich das auch genau so aus, als ob. Eh, ich weiß, du meinst das überhaupt nicht böse und wertet es auch nicht als Angriff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:35:13 – 01:11:07:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber klar ist es verletzend. Als ich in der Schule war, da wurde mir immer gesagt, ich wäre der Klassenclown und meine Mutter meinte Du musst nicht immer witzig sein. Und ich hab wirklich erst sehr spät, Anfang 20 oder so realisiert, dass das eigentlich auch eine Art Abwehrstrategie war. Und wenn ich schon auffalle, dann auch was darzubieten oder irgendwie um gemocht zu werden, weil ich auch als behinderter Mann angewiesen darauf war oder bin, dass man mir hilft und dass man mich mag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:08:17 – 01:11:40:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sodass dann ich auch erst spät realisiert habe, wer ich eigentlich wirklich bin, vom Charakter her und gleichzeitig aber auch wahrscheinlich mein Humor so geschärft habe und internalisiert habe, dass ich das auch gar nicht mehr immer ablegen kann. Ja, ja, ich glaube, da sind wir beide uns sehr, sehr ähnlich. Also ich muss auch sagen, ich war ganz viele Jahre genau diese Person, die ich heute wahrscheinlich auch öffentlich sehr hart kritisieren würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:41:10 – 01:11:45:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wahnsinnig problematisch, Token, absolut Token also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:47:23 – 01:12:20:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und natürlich würde ich da wesentlich anders von meiner Umwelt eine ganz andere Wertschätzung erhalten oder wurde leichter gemocht, als das heute der Fall ist. Es ist eine bewusste Entscheidung. Mache ich mich in dem Moment angreifbar und unbeliebt oder bin ich dieser Pausenclown, der ich auch warund gehe mit und bin genau diese eine, die sich vielleicht auch nicht in dem Job der Comedy Autorin landet, die all diese Gags mitmacht und es auch noch vorantreibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:22:29 – 01:12:59:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist bei mir gar nicht wahr. Ich glaube vier oder fünf Jahre maximal. Ich würde so viele Sachen, so viele Gags nicht mehr machen, die ich vor drei, vier Jahren noch gemacht habe. Ich habe neulich einen ganz spannend Podcast mit dir und Till Reiners gehört. Ich glaube, es war vor zwei Jahren, da warst du bei ihm zu Gast. Und was ich wirklich super angenehm fand, war, dass wir mal wirklich über die Arbeit geredet habt und erst später über das was, was dich gesellschaftlich sagen wir mal vor allem aufregt, sondern eben einfach rein über die Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:59:11 – 01:13:34:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da war ich mir am Ende nicht mehr ganz sicher. Arbeitest du noch als Comedy Autorin oder ist das Vergangenheit? Also ich mache nicht mehr viel als Comedy Autorin, auch relativ bewusst, weil also ich weiß nicht, ob ich weiß, du hast einige Comedians, mit denen du auch gut befreundet bist. Es weiß nicht inwieweit. Einen Job der Comedy Autorin hast . Gar nicht so viel. Gar nicht. So viel. Es gibt tatsächlich so eine Handvoll Comedy Autorinnen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:36:16 – 01:13:38:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">die so ziemlich alle Jobs machen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:40:02 – 01:13:55:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">in dem Bereich. Und dementsprechend ist die Humor Färbung. Und wenn ich gewisse Anfragen bekomme und schon im Vorfeld sehe pass auf, die haben sich einfach null Gedanken gemacht und wissen gar nicht,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:57:21 – 01:14:32:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">dass die Strukturen, die sie da aufbauen oder der Sketch oder ähnliches da und da problematisch ist. Und dass man sich Gedanken machen muss wie kriege ich, dass man es funny hinbekommt, aber eben einfach nicht wieder dieselbe Story erzählt. Und ab da bin ich meist schon raus, weil ich dann schon gesagt habe okay, ist problematisch. Und es ist dann oft so, dass ja die Produktionen dann auch sagen so, ja, das ist aber dann egal und man macht den naheliegenden einfachen Gag und da habe ich persönlich einfach keine Lust mehr drauf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:32:23 – 01:14:36:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben die Gags doch einfach schon zig Jahre gehört</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:37:24 – 01:14:59:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">und für mich ist dann auch kein Spannungsbogen und keine Überraschungsmomente da. Denn wenn Comedians aber Comedy Autorinnen haben, heißt das, dass sie selber gar nicht lustig sind. Doch, safe. Also ich glaube, es gibt also es gibt also die, die ich auch gar nicht lustig finde, die sind wahrscheinlich auch im Real Life nicht lustig. Aber</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:01:01 – 01:15:07:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">die meisten, für die ich geschrieben habe, sind sehr, sehr funny. Und da ist es dann ja auch. Man arbeitet zu oder</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:09:09 – 01:15:35:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">man, man schreibt eine Sendung für die einen, bei der die Sendungen haben live Touren. Und so weiter Programme. Wir haben ja wahnsinnig viel zu tun und du hast ein bisschen einen Writers Room und arbeitest mit denen zusammen, arbeitest den zu. Das ist schon, das ist schon viel, was Comedians leisten. Tatsächlich ist diese Arbeit, die man dann als Comedy Autorinnen gemacht hat oder macht</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:37:07 – 01:16:09:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kann man das gleichsetzen mit Ghostwriting schon? Ja, also ich würde sagen, schon. Und das ist dann daheim oder kann man das erzählen? Mal so, mal so. Steht es in den Verträgen drin. Ja, es gibt natürlich NDAs wie zum Beispiel bei bei Musikern auch die Autorinnen dazuholen gibt es ja auch oft NDAs, sodass also dann nicht über die Zusammenarbeit groß sprechen und so krass und ich mache das auch nicht gerne, also ich trenne diesen Job tatsächlich gerne auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:10:11 – 01:16:40:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also es gibt viele Kollegen, die auch sehr viel posten, was sie machen. Und ich habe das am Anfang natürlich auch gemacht, weil ich stolz wie Bolle war als als Quereinsteigerin ohne jegliche Ausbildung. Und so weiter, weil ich einfach wahnsinnig viel Glück hatte und einen Kollegen, der mich empfohlen hat. Sonst wäre ich in dem Job gar nicht gelandet. Da habe ich das auch noch gemacht. Aber mittlerweile ist es so Ich denke, nee, ich mache. Ich bin stolz auf mein Buch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:40:20 – 01:17:11:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">So heute, das ist meine Arbeit und alles andere ist so, ich freue mich, aber es ist halt ein Job. Klar, ich mache das gerne, aber es ist halt ein Job. Und ich finde, weißt du, du gehst ja auch nicht hin und seid jetzt ein Pflegedienst, arbeitest auch nicht hin und machst Fotos vor Ort und sagst Du hast so, weil mein Alltag und das ist jetzt richtig toll und die leisten einfach krasse Sachen. Da hat sich Comedy verändert in den letzten Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:12:14 – 01:17:33:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, dass Comedy gerade noch diesen Wachstumsschmerzen hat und dass es jetzt bald so sein wird, dass sich das verändert. Und es kann auch die Kolleginnen verstehen, denn das schwerfällt, die wirklich Wachstumsschmerzen haben, die plötzlich sagt Man darf ja gar nichts mehr. Und so aber sind. Männer, die das sagen? Nein, nein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:35:02 – 01:18:08:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich habe jetzt gestern Bully Herbig das Sagen lesen und dachte so okay, wundert mich jetzt nicht, dass du auch das denken Männer. Aber tatsächlich sind es auch alte, weiße Frauen. Also das ist okay, das ist ja. Ich bin auch nicht so, dass ich sage, das alles der alte weiße Cis-Mann ist, sondern dass ich weiß, Frauen können durchaus auch alte Cis- Frauen sein. Also klar, die Haltung kann da ähnlich sein. Und gerade in der Comedy ist es oft so, dass es auch Frauen betrifft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:09:01 – 01:18:42:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt nicht die, die wir sowieso schon als progressiv wahrnehmen und wo man merkt, okay, sie haben es vielleicht noch nicht ganz verinnerlicht, aber sie versuchen es immerhin. Ja, und ich versteh das ein bisschen, weil wenn du dir vorstellst, du hast dein Leben lang. Applaus für etwas bekommen und Bestätigung für ein Verhalten und dafür sogar das als Alleinstellungsmerkmal. Irgendwie gehabt. Ja, irgendwie. So ein Comedian ist ja was Besonderes, ist eine Person des öffentlichen Lebens und alle haben immer gesagt, dass es mehr toll ist, was du machst. Und plötzlich ist da ist das so eine? Sind da so Leute, die sagen Ja, das geht gar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:43:14 – 01:19:16:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also du stellst dein ganzes Weltbild plötzlich in Frage und das dann. Dann ist es natürlich viel leichter zu sagen, diese ganze Situation gerade und diese Bewegung passt mir überhaupt nicht, weil die nehmen mir die Lebensgrundlage. Aber andererseits muss ich halt auch sagen, dass dieser Job das ist. Das ist, glaube ich, eine Ehre, das machen zu dürfen. Es ist, glaube ich, eine wahnsinnige Ehre, dafür so viel Anerkennung und Liebe und und Beifall zu bekommen, was viele bereits schon gegeben haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:17:16 – 01:19:57:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dafür, finde ich, kann man auch ein bisschen bereit sein, etwas zu tun. Das ist Arbeit. Und wenn man jetzt Forscherin ist, dann kann man auch nicht sagen ich habe jetzt das und das erforscht und dann ist fini. Sondern wenn du dann merkst, oh, da ist noch eine neue, noch irgendwie ein wenig neues Wunder aufgetan, da machst du doch da weiter. Ich finde es ganz interessant, weil an Ich habe mich wenig mit Comedy auseinandergesetzt, aber so Phänomene wie Laurel März, die sind ja neu dazugekommen in dieser ganzen Wagnis Debatte, wenn es um Comedy geht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:57:05 – 01:20:32:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und mir fällt schon auf, dass es auch eine neue Form von Comedy ist, die da passiert. Also dann einfach Machtverhältnisse mal umgedreht werden, hinterfragt werden. Und ist das, was du gerade sagst, Wachstumsschmerzen? Ist es dann vielleicht auch einfach auch ein Betreten einer neuen Welt, wo ganz viel Comedy Potenzial wieder drinsteckt? Total. Also für mich total. Aber eben für diese Person, die wir jetzt meinen, ist es wahrscheinlich genau das Gegenteil, dass sie da sitzen und sagen Oh Gott, das ist wahrscheinlich auch das, was Sie meinen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:32:20 – 01:21:09:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der darf man ja gar nichts mehr sagen, weil Sie merken, sie sind exkludiert aus diesen Themenfeldern. Also solange eine gewisse Gleichberechtigung Gleichstellung noch nicht erreicht ist, ist es halt schwierig, als nicht schwarze Person, als Hetero cis&nbsp; normative Person, als nicht behinderte Person über diese Comedy zu machen, weil die Ebene noch nicht erreicht ist, dass man merkt, dass das ein Gag auf Augenhöhe. Also haben Sie das Gefühl, ihnen wird etwas weggenommen, ihnen wird ein Feld weggenommen und dann bleibt ihnen ja nur noch ihre Lebensrealität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:09:09 – 01:21:47:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da ist es dann so, dann müssten Sie ja hingehen. Und das ist etwas, was in Deutschland in der Comedy auch nicht noch nicht, also nicht so gelingt, ist dieses immer sich selbst lustig machen, sich selbst nicht so ernst zu nehmen. Unsere Comedians nehmen sich selbst also schon auch sehr ernst. Also zum Beispiel, wenn es um die Dimensionen Behinderung geht. Über behinderte Menschen gelacht haben wir ausreichend, denke ich auch. Und auch viel zu viel. Aber diese, diese Abgeordnete, die ja die ganze Zeit nicht Behinderte haben im Umgang mit dem Thema Behinderung, wenn die aus meinen Augen ist super humorvoll, da kann man super viel machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:48:00 – 01:22:19:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder die absurden Momente, die behinderte Menschen erleben, weil Barrieren einfach existieren und man dann durch den Flughafen keine Ahnung geheim Bereich wo die ganze Dreck Wäsche gewaschen wird eingeführt wird, weil das der einzige barrierefreie Weg ist. Dann denke ich, sondern das ist ein unglaubliches Comedy Potenzial. Ich kann dir einfach kostenlos ein First Class Essen klauen , weil es einfach hier steht, was sonst kein anderer sieht und da so viel Comedy Potenzial.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:19:10 – 01:23:00:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber da blicken natürlich die Nichtbehinderten gar nicht hin. So was gibt es garantiert auch im Bereich Rassismus. Ja, total. Also es gibt natürlich diese Stellen, die niemand. Also es gibt ganz viele Situationen, wo vor Leute vor bis jetzt Oh Gott, ist es wie krass, wie absurd ist das? Und ich sage ja, aber Part of my life und thats funny und dann gucken die betreten. Und ich bin aber in dem Moment und es ist weiß, ich habe 1234 kurze Stand ups gemacht und ich hab wirklich gesehen, wie wahnsinnig überfordert das Publikum gewesen ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:00:25 – 01:23:20:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">War das, weil das sehr harte Punchlines waren, sehr rough so, aber es war meine Lebensrealität. Können Sie dir vorstellen, selber Comedian zu werden? Also ich habe ja ein paarmal Stand up gemacht und mir macht das schon Spaß. Ich bin aber immer noch schüchtern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:22:18 – 01:23:27:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist. Also es muss, glaube ich, eine richtige,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:29:14 – 01:23:49:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">richtiges Verhältnis zu meiner Schüchternheit und den Punchlines finden. Die sind ähnlich wie bei Twitter. Wenn ich denn dann mal zynisch werde oder Sätze zurück schieße, sind die schon ziemlich rough. Und das. Also ich bin dann die Person, die das sagt und sich selber aber schreckt das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:52:28 – 01:24:06:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist dann auch auf der Bühne echt schwierig. Man merkt mir diesen Konflikt an, dass ich eigentlich innerlich total lache, aber andererseits auch denke Oh Gott, oh Gott, hoffentlich war das nicht zu krass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:08:08 – 01:24:47:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">So was klingt so ein bisschen danach, als müsse man einfach üben. Also mehr Gelegenheiten wagen auf kleinen Bühnen. Vielleicht will ich auch einfach keine Rampensau. Das ist ja auch okay. Es ist so ein Muster, vielleicht sogar auch von Comedy Autorinnen, dass sie sagen, sie schreiben lieber für andere, als es selber zu machen. Na ja, also es gibt schon auch Comedy Autorinnen, die ganz klar das Rampenlicht suchen in ihrem, in ihrem, in ihrer Beruflichkeit. Wird man das in ihrem Job. Das habe ich ja am Anfang auch, weil ich mich natürlich auch darüber identifiziert habe, weil ich einfach noch mal wahnsinnig happy war, etwas zu einem Job machen zu dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:47:22 – 01:24:57:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kann. Arbeiten. Also okay, es ist Arbeit, aber es ist jetzt auch nicht Arbeit. Also ich habe vorher in Pornokino geputzt und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:59:25 – 01:25:08:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">auch in der Pflege gearbeitet. Also es ist wirklich ein anderer Schnack und es ist wirklich so okay. Und das ist aber nice &nbsp;.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:10:05 – 01:25:38:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist aber eigentlich nice. Also ich kriege für Quatsch Geld . Also es gibt wirklich einige, die das Rampenlicht suchen. Ich weiß es bei mir tatsächlich nicht. Ist, glaube ich. Wenn, dann brauche ich etwas. Also, ich glaube, es braucht ein bisschen Zeit. Bei mir ist auch einfach total viel passiert. Die letzten drei Jahren. Arbeitest du im Moment oder bist du noch so mit der Organisierung deines Lebens beschäftigt? Ich arbeite immer</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:40:20 – 01:25:51:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">und organisiere und organisiere neu und bin einfach total schlecht in Orga. Und denkst du ja okay, geil, dass ausgerechnet du ihr genau so genau die richtige dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:53:29 – 01:25:54:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:56:17 – 01:26:07:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich arbeite immer und bin immer im Chaos. Und dann darfst du darüber reden, was du arbeitest oder es ist privat, okay? Das darf ich nicht. NDAs.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:07:13 – 01:26:12:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">wenn du jetzt die letzten Jahre der Comedy Entwicklung quasi miterlebt hast,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:13:17 – 01:26:27:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich höre immer wieder von Comedians, Schlecky Silberstein, Christian Ulmen, Felix Lobrecht , dass gute Comedy nach. Oben die Männer aufgezählt. Ja, ist mir auch gerade aufgefallen. Ja, zu den Frauen komme ich gleich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:28:28 – 01:27:01:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und diese drei Männer Gute Comedy tritt nach oben, auch wenn sie selber manchmal auch nach unten treten. Es stimmt, das kann man es so sagen Gute Comedy tritt nach oben. Guter Gag ist ein guter Gag. Das voraus. Ein guter Gag. Es hat bei mir mit Fallhöhe zu tun, Mit Überraschungsmoment. Und nach oben definitiv. Oder gegen sich selbst gerichtet. Was dann nicht unbedingt nach oben ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:01:20 – 01:27:34:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">In unserer Situation ist ja kein nach oben Treten, wenn wir uns über uns selbst belustigt. Der dann nach senkrecht treten. Genau so und es weiß nicht. Also wenn ich wenn ich jetzt schauen würde, welche Comedians ist, in der Vergangenheit wahnsinnig gut finde fand und wo ich jetzt über die Entwicklung so ja fast genervt bin, weil ich von diesem Comedy einfach sehr viel mehr erwartet habe, ist Dave Chapelle zum Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:35:26 – 01:27:36:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also das war</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:38:09 – 01:28:10:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">der Typ ist einfach ein Genius gewesen. Und wenn ich mir jetzt deine neuen Sachen angucke, du hast aber auch da einfach jetzt gerade ein Ding am Laufen. Und das möchtest du jetzt aber auch mit wirklich allem, was du hast, hier irgendwie durchbringen. Und auf so krampfhaft ist auch nichts mehr mit irgendeiner Augenhöhe oder Scham zu tun hat, it’s just not funny. Sorry to say, ich habe mega enttäuscht, war mega boring. Und Hazel Brugger hat mal gesagt, auch in dem Podcast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:11:01 – 01:28:27:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das fand ich auch ganz interessant, dass eigentlich fast alle Künstlerinnen eine gewisse Halbwertszeit haben, aber dass dann irgendwann die auch über ihren Zenit sind. Und dann. Ja damit plötzlich betroffen werden, weil man sie kritisiert. Dieter Nuhr zum Beispiel?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:29:18 – 01:28:45:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau. Und da fand ich ganz interessant, dass du für den Podcast von Till Rainers gesagt der Ariane Alter mal geschrieben hast, wo ihr dann gemeinsam Karrieren ist, wenn ich falsch liege. Ich Ja, das Ding habe ich geschrieben. Komplett. Genau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:47:17 – 01:29:21:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wo du einen Sketch für sie gemacht hast, um Alice das solidarisch zur Seite zu stehen. Denn wenn sie so ein kritisiert hat. Genau. Ich habe halt Sketch. Kann man das nicht nennen. Ich habe einfach die Gegenposition aufgeschrieben, undHasters habe Dieter Nuhr mit einer Zeile aus Alices Buch Geantwortet. Also alles, was er gesagt hat, habe ich im Grunde genommen mit Zeilen aus Ihrem Buch widerlegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:25:08 – 01:29:33:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war jetzt nicht irgendwie. Das war jetzt nicht so, dass man da gesessen hat und sich auf die auf die Waden gehauen hat vor Lachen. Aber es</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:35:17 – 01:29:56:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">war quasi ein sehr smarter Raus. So groß gab es da Feedback, also dass ich wusste, was passiert. Ich weiß es gar nicht. Also ich glaube schon. Was ich aber auch ganz wichtig. Also ganz ehrlich, ich kann die auch nicht. Kann ja auch nicht immer alles</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:57:24 – 01:30:33:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">beobachten, was die alles so über mich erzählt hätte. Ich hätte ja gar kein Hobby mehr. Wenn du sagst, Comedy, gute Comedy ist gute Comedy, ist gute Comedy. Ähm, da hatte Felix Lobrecht In einem Podcast mit dir. Ich hab da was bei ihm zu Gast. Oder bei dir. Bei dir? Genau. Dann meinte er, er hatte aus den USA einen Witz gehört. Wenn jemand sagt, er hat einen Obdachlosen gesehen mit seinem Hund und der Hund sagte oder er hat sich gefragt, was der Hund wohl denkt und der Hund dachte Wann hat dieser Spaziergang endlich auf? Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:34:28 – 01:30:44:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich musste lachen. Ja, erzählen. Tja, also wenn man hat, wenn man die Ebene ist ja nicht, dass man sich über den Wohnungslosen Heimatlosen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:46:07 – 01:31:37:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">belustigt, sondern tatsächlich sich in die Position des Hundes begibt. Das ist ja die Fallhöhe. Es ist ja nicht irgendwie so Wir machen uns hier über einen Menschen lustig, der in einer schlimmen Situation lebt, sondern wir versetzen uns an ihn in den Hund. Das ist aber auch ähnlich, wie Bill Burr gemacht hat. Da ging es auch um Hunde irgendwie. Und da sagte er so, da hat er dann Zwiegespräch zwischen Gott und Hund und er zählt, dann Labrador auch Hey, du bist für den ersten Menschen der, der die ganze Zeit den Ball holt und irgendwann kommt es zum Rhodesien Ridge Back und du? Du jagst Löwen, und der Rhodesian Ridgeback so What the fuck..</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:38:05 – 01:31:54:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, na klar. Klar. Es ist okay. Cool. So, und das ist auch eine Ebene. Das fand ich. Das mochte ich. Und das als Fan. Also, das ist jetzt auch. Ich hoffe, dass irgendwelche Tierfreund in jetzt böse sind. I’m a Fan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:55:19 – 01:32:26:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich zum Ersten Mal dich auf Twitter erspäht habe, da hat es relativ lange gedauert, bis ich also ja, lange Stunden ich trage, bis ich realisiert habe, dass hinter dem Twitter Handle Quattro Milf du steckst. Ähm, der Name ist, der in sich eigentlich schon ein Witz ist Comedy. Wie wichtig ist es, dass man über sich selbst lachen kann? Also mir gelingt das total gut. Was glaube ich, ganz, ganz viele Menschen. Fehleinschätzungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:27:18 – 01:32:42:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, wenn man mich nicht kennt und nur mein Twitter wahrnimmt. Ich glaube, da denkt man, ich finde wahnsinnig ernsthafte Person und würde Spaß verstehen und könnte mich über mich, über mich selbst belustigen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:43:27 – 01:33:14:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">weil ich. Also es gäbe Elfmeter ohne Torwart. Wirklich. Also jemand, der so ätzt, sich auch so seltsam im Leben anstellt. Und diese Schicksalsschläge und all das sind. Also wenn ich da nicht mit Humor reingehen würde, es glaubt, dann könnte ich mich sagen, ich glaube, dann müsste ich. Also ich glaube, dann könnte ich nicht mehr leben, das würde nicht funktionieren. Ja, das. Das klingt gut. Nicht mehr leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:14:12 – 01:33:36:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es klingt gut. Ich habe mich in den letzten Wochen gefragt, als diese merkwürdige Winnetou Debatte auftauchte. Dass er wie immer mal wieder in anderen Formen und Farben die gleichen Dinge diskutieren. Also was darf man denn noch? Was stellt er immer so über allem? Und ohne jetzt diese frustrierte</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:38:03 – 01:34:09:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Perspektive zu meinen, sondern ich will einfach müde, dass wir immer wieder von vorne diskutieren, irgendwas diskutieren, was immer das gleiche meint. Bin aber für jede Änderung bereit. Ja, total. Das heißt die Frage, die ich mir stelle. Können wir irgendwas aus anderen Ländern, die vielleicht schon weiter sind, in dem Diskurs irgendwas lernen? Ich glaube nicht. Also ich glaube, dass wir gerade weltweit in einer Situation sind, in der es ich weiß nicht, ob das das richtige Wort ist und man das sagen darf. Da bin ich mir tatsächlich gerade nicht sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:09:24 – 01:34:44:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Form Kulturkampf, darf man das sagen? Oder es fühlt sich so an. Wie in einer Art Kulturkampf weltweit sind. Aber es kann ja auch so, also es, glaube ich, tatsächlich, es gibt Dinge, bei denen haben wir Menschen das Gefühl, wir haben nichts in der Hand und es ist für uns unveränderbar. Das ist die Klimakatastrophe, die uns überfordert, sowohl emotional als auch intellektuell. Es ist eine Pandemie, die uns emotional, intellektuell, auf allen Ebenen überfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:44:07 – 01:35:15:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Daraus resultierend Kriege, Hungersnöte. Also diese ganz großen Felder, die uns tatsächlich überfordern. Und dann gibt es diese Form von Kulturkampf, wo eine Mehrheitsgesellschaft denkt, das könnte sie noch, weil sie es gewohnt ist, mitbestimmen. Das hätte sie in der Hand. So also wird sich darauf gestürzt haben, statt jetzt einfach mal an das große Ganze zu gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:15:22 – 01:35:46:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gemeinsam? Ja, weil das ist das Gefühl, wo sie denken, da kann selbst die, die die Inge mit 90 Jahren kann noch mal sagen aber ich hab ja noch das N-Wort gesagt, weil sie hat selbst sie hat das Gefühl, sie kann da teilhaben und auch noch mal sagen Ich verstehe überhaupt nichts mehr und kann in diesem Moment ihren ganzen Frust über alles, was sie nicht mehr versteht. Was wir by the way auch nicht verstehen, weil es so groß ist, dass sich das da entlädt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:47:05 – 01:35:57:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">So und aber was anderes dadrin. Es ist doch ein anderer Frust, den sie eigentlich meint in sich spürt. Na ja, also dann kommt ja noch diese</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:59:12 – 01:36:27:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">The Great Replacement Erzählung, also die Erzählung vom großen Austausch. Wir wissen und du wirst es selbst auch wissen. Wir wissen, dass diese Erzählweise bereits vor der NS Zeit begonnen hat in der NS-Zeit und das hat uns über Bande nämlich auch betroffen. Also so für dich als auch mich, also unsere Vorfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:29:14 – 01:37:02:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wir wissen, dass die Erzählweise sich über Jahrhunderte aufgebaut hat. Und tatsächlich ist es so, dass dadurch, dass nie eine anständige Entnazifizierung, anständige Entkolonialisierung keine keine. Also der Dialog läuft ja schon komplett falsch, dass das alles nicht passiert ist und immer noch oben auf neue Erzählweisen wie da gab es die Gastarbeiterinnen, die auch nicht wirklich willkommen geheißen wurden und immer neue</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:04:12 – 01:37:36:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Probleme geschaffen wurden. Damit meine ich nicht die die Migration als Problem, sondern tatsächlich die Herangehensweise und die mangelnde Bereitschaft des Staates und der Gesellschaft zu integrieren. War, dass es immer hieß Ihr kehrt zurück. Genau. Und dann sagen die jetzt wieder natürlich, Hubertus Heil sagt jetzt gerade wieder ganz aktuell Ja, wir müssen jetzt irgendwie den Fachkräftemangel mit Zuwanderung lösen und dann bekommen die so eine Art Chancen Karte, wo sie dann ein paar Jahre hier bleiben dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:37:03 – 01:38:06:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr denkt so, alle. Machen immer wieder dieselben Fehler. Nichts gelernt? Überhaupt nicht. Dann kam Sarrazin mit seinem Buch und dann? Dann kam das war dieser Punkt, wo es gekippt ist, weil eine breite Gesellschaft wieder diese Erzählweise von Great replacement, also dem großen Austausch, wieder als Narrativ mitgegeben hat. Das wurde den mitgeben und sie tatsächlich glauben, dass der weiße Hetero cis, Mann, Frau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:08:11 – 01:38:26:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die jetzt marginalisiert werden. Das ist der Punkt, dass wirklich Nichtbetroffene das Gefühl haben, sie wären jetzt die Marginalisierten, weil sich eine vermeintliche. Minderheit, die als Übermacht wahrgenommen wird und hochstilisiert wird,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:28:17 – 01:38:29:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">ja sich äußert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:35:01 – 01:39:01:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dieser Etage. Stoppen wir kurz für eine kleine Service Durchsage. Wenn du diesen Podcast unterstützen möchtest, dann kannst du das mit einem kleinen monatlichen Beitrag tun. Im Gegenzug kannst du aktuelle Folgen vorab hören und wirst, sofern du das möchtest, hier im Podcast namentlich genannt. Alle Infos findest du auf bild.de. Schrägstrich Aufzug. Okay. Ende der Durchsage. Viel Spaß mit dem zweiten Teil der Folge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:05:29 – 01:39:10:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kommt so also als die Pandemie anfing oder auch schon davor eigentlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:11:29 – 01:39:50:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da kommen dann Politikerinnen, egal welcher Partei. Im übrigen die dann, die dann sagen ja, wir müssen den, den. Den Menschen, die sich abgehangen fühlen vom gesellschaftlichen Wandel. Wir müssen den zuhören. Und dann habe ich mich gefragt Angenommen, es gäbe jetzt weniger Armut in Deutschland. Angenommen, die Schere zwischen Arm und reich wäre nicht so schlimm, wie sie jetzt ist. Wäre unsere Gesellschaft dann tatsächlich toleranter gegenüber Menschen mit einer anderen Hautfarbe oder oder mit mit einem Migrationshintergrund? Das ist das ist eine gute Frage, weil tatsächlich glaube ich das nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:50:12 – 01:40:19:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich glaube, ist, dass dadurch, dass ich selbst betroffen war, weiß ich, dass man dann auch nur ein gewisses Kontingent an Kapazitäten hat. Das heißt, allein deshalb war ich schon auch längere Zeit Token und habe einfach versucht, irgendwie zu überleben, weil ich sowieso schon so einen wahnsinnigen Überlebenskampf hatte. Ja, also wenn du nicht weißt, wie wir jetzt am nächsten Tag das Brot bezahlen, dann denkst du nicht darüber nach. Irgendwie irgendwas, was jetzt kulturell irgendwie los ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:21:20 – 01:40:29:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die da oben labern eh alle so können die nicht mal anständig mit uns reden. Muss das ja die ganze Zeit hier Gymnasial Sprache sein. Ich verstehe kein Wort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:31:20 – 01:40:32:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:33:12 – 01:40:43:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">das ist ein Punkt. Aber es wäre fatal zu glauben, dass zum Beispiel Rassismus eine eine Sache der Bildung wäre oder dass</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:45:16 – 01:40:48:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rassismus auch immer mit Klassismus einher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:50:29 – 01:41:12:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dafür gibt es einfach einen viel zu großen Haufen sehr, sehr schlauer Nazis. Ja, das wäre total fatal, das zu unterschätzen und auch zu unterschätzen, dass es eigentlich keine bürgerliche Mitte mehr gibt. Ne, weil das ist, das ist ja meist die bürgerliche Mitte. Es sind ja meist die, die</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:14:15 – 01:42:02:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">ja wahrscheinlich der Mittelschicht angehören und den Mittelstand gut sich gut versorgt wissen. Und so weiter. Und wenn du dir die ganzen Liberals anschaust, dann sind die halt safe rechts. Das hättest du früher ohne mit der Wimper zu zucken dazu gesagt Du bist einfach rechts. Felix Lobrecht, weil du gerade das Thema Klassismus angesprochen hast, fand ich ganz interessant, gerade in einem Interview bei SRF Philosophie Die Stunde der Philosophie ja ganz interessanten Punkt angesprochen, wo er gesagt hat, dass wir Comedy, überhaupt diese ganzen gesellschaftlichen Diskurse über Ungerechtigkeiten, viel zu selten aus der Perspektive des Klassismus beleuchten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:02:03 – 01:42:40:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und er sagt, dass da auf der einen Seite natürlich auch Comedy Potential drinsteckt, aber unabhängig davon ganz viele Probleme, die wir gesellschaftlich haben, mindestens auch klassistisch&nbsp; begründbar sind und nicht automatisch sexistisch oder rassistisch. Und oft gibt es dann Intersektionalität und wenn ich es richtig erinnere, plädierte dafür, dass wir vielleicht erst auf Klassismus schauen und dann später auf Sexismus und Rassismus, komme er als weißer Mann das natürlich auch und. Kann sagen Also natürlich sagt er das, weil er weder Rassismus noch Sexismus tatsächlich erlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:41:17 – 01:43:15:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine mehrfach Marginalisierung und dass ich sowohl von Sexismus, Klassismus als auch Rassismus gleichermaßen betroffen bin, dass ich das aber natürlich nehme, was mich im Alltag mehr und Nerven kostet, das ist nun mal begründet in meiner Äußerlichkeit, meine Hautfarbe. Und das ist das Erste, was mir begegnet. Und im zweiten Schritt ist es dann oft Klassismus und dann Sexismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:17:03 – 01:43:20:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">So, und ich verstehe, was er sagen will,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:27:21 – 01:43:36:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">but he’s wrong. Er muss es ja auch nicht, er muss es ja auch nicht auf dem Schirm haben. Es ist ja auch also da will ich es ja jetzt auch nicht. Der Jüngste, mehr kann sich jetzt nicht mehr in Sunnyboy verstecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:37:26 – 01:44:09:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was ja ganz gut war bei ihm, fand zumindest. Oder findet er das, dass er darüber nachdenkt und jetzt nicht alles automatisch abtut, weil er jetzt mal kritisiert wurde? Ja gut, aber fürs barenMinimum loben ist halt auch fürs bare Minimum loben. Also nicht, dass ich das jetzt ganz auf ihn bezogen, sondern tatsächlich ist es so, dass wir aus der betroffenen Perspektive dadurch, dass das meint, dass wir die Menschen und ich kenne es. Und dass man dazu neigt, dann zu sagen, dass man schon über das Minimum einfach happy ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:09:27 – 01:44:28:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber tatsächlich ist das ja jetzt nichts Innovatives, was da gesagt wurde. Nicht? Mir fällt auf zwei, zwei neue Phänomene, ein Phänomen das Anti Wokeness. Also jetzt lese ich Winnetou erst recht. Oder die Veganerinnen essen in meinem Essen das Essen weg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:30:15 – 01:45:02:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder warum soll ich glückliche Tiere essen oder lieber unglückliche Tiere? Das ist auch so eine Art Identitätsstiftung. Ja, ist für viele Menschen und das ist ja dann aber auch wirklich Luxus Eben. Das ist es, muss ich aufpassen, dass ich nicht irgendwas Fieses sage? Ich muss mal kurz nachdenken. Also, es ist tatsächlich albern. Also es ist einfach albern, weil es ist tatsächlich so, es sind ausgerechnet die, die sagen ganz andere Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:03:07 – 01:45:26:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, richtig. Genau das ist der Punkt. Wir haben andere Probleme. Uns wäre total schön, wenn du da jetzt nicht doch mehr draus machen würdest als Genau, Du machst es größer als es ist. Und das andere Phänomen, das mir auffällt und ich würde mich da auch echt nicht frei von machen, weil jeder fand, ich trägt irgendeinen ismus mit sich rum. Mindestens ein, dass</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:27:27 – 01:45:42:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">es Menschen gibt, die sich selbst, sagen wir mal bescheinigen, dass sie total Woke sind und dann teilweise Debatten lostreten, die gar nicht ihr Kampf sind. Ja, Stichwort</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:44:07 – 01:46:08:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Blogs. Ja, ja oder Winnetou. Also Ja, also tatsächlich. Also ich glaube, es ist auch, es ist auch echt so, Sie wissen ja auch nicht, was du machen sollst. Einerseits wollen sie wollen sie Allies sein, andererseits schießen sie. Dann haben sie dann wieder die Deutungshoheit für sich. Du hast ja durchaus wahrscheinlich meine letzten Auseinandersetzungen Twitter Auseinandersetzungen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:10:21 – 01:46:11:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:12:26 – 01:46:18:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">es tut mir so leid, weil es teilweise ist, wie ist, wie sie es richtig machen, sondern dass ich da glaube,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:20:19 – 01:46:50:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich weiß es schwer, aber das war wirklich komplett scheiße. Also ich würde keine Band ausladen und ich gehe auch nicht auf eine Person zu und sage ich will rasiere dir jetzt die Haare ab like. Das würde ich, das würde ich lebendig tun. So, warum machen das dann irgendwelche Nichtbetroffenen, wo ich dann das wäre? Es hat ja dann auch bei dieser Blogs Nummer habe ich ja auch geschrieben, ist so Entschuldige, also ich habe von keinem Betroffenen hier war keine betroffene Person irgendwas dazu gelesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:51:18 – 01:47:21:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wollen da nicht mehr drüber reden. Es ist und es ist wie Winnetou. Ist es wirklich so? Ich habe irgendwann getwittert So Hey, ich dachte, das hatten wir schon. Ich habe echt gedacht, wir hatten das. Schon und ich habe das mal so schön zusammengefasst. Sie hat auch gar keine Lust mehr, die intellektuelle Putzkraft zu sein, die die ganze Zeit dann gefragt wird Ja, was soll ich denn jetzt tun, wenn andere Mist anstellen? Also ich krieg’s jeden Tag, wirklich jeden Tag Nachrichten mit. Heute, jetzt in der Schule.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:21:27 – 01:47:56:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das und das passiert und das wollte ich mal fragen. Meine Kollegin hier hat im Büro das und das gesagt. Was soll ich da jetzt antworten? Also Leute, bitte da, also das ist jetzt euer Leben. Leben soll so funktioniert leider nicht. Ich kann, ich kann nicht ständig an die Hand nehmen, funktioniert nicht. Ich habe hier auch noch. Andere Freiheit gegen Bezahlung, kann ich sagen Ja. Und ich habe auch Menschen, die wirklich auf meine Hilfe hier in real Life angewiesen sind, die ich an die Hand nehmen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:56:13 – 01:48:16:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist schon maximal, also nicht belastend, aber herausfordernd. Aber wenn ich jetzt auf so einer Veranstaltung von Fridays for Future eine Band ausgeladen wird, weil die Sängerin Dreadlocks trägt, zerlegt sich dann quasi das linke Spektrum der Gesellschaft selbst. Gerade das weiße linke Spektrum. Ja,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:18:18 – 01:48:48:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">also nicht im Sinne wie sage ich das? Also wir haben tatsächlich das Problem, dass das linke Spektrum ja diese Erzählweise von Gutmenschen will und wir sind die Guten schon auch sehr verinnerlicht hat. Also es wird von mir nie hören, ich habe das alles voll auf dem Schirm und ich mach alles richtig gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:48:22 – 01:49:18:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sage immer ich habe Problematik, man ich krieg überhaupt Scheiße so, aber ich versuch’s. Und ich kriege halt auf den Deckel und dann kriegt ein Shitstorm, sagt Ja, Fuck, du hast recht verkackt, weißte. Aber es. Gibt schon ein linkes Spektrum, das ich weder weder auf dem Schirm hat, dass es sich oftmals sehr rassistisch verhält, dass es für sich die Deutungshoheit gepachtet hat. Das ist ableistisch, ist es oft ist, was sie äußern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:18:29 – 01:49:25:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also auch diese Erzählweise. Ja, die dummen Nazis. Das funktioniert ja seit, also seit. Das machen wir ständig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:27:09 – 01:50:01:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entschuldigung, doesn’t work Also es ist nicht hilfreich und die geht mir echt ziemlich auf die Nerven. Ich Ganz ehrlich. Du hast gerade gesagt, dass du, abgesehen davon, das wir jetzt auch nicht den Leuten da draußen helfen. Willst du bei dir zu Hause auch genug dem Menschen deine Unterstützung und dein Support brauchen, weil es einfach Kinder sind? Jedes Kind verdient Begleitung. Wie was gibst du deinen Kindern mit auf den Weg? Schwierig ist Glaube</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:03:10 – 01:50:04:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">zu wissen, wer sie sind,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:06:10 – 01:50:07:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">was sie können, was sie nicht können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:09:27 – 01:50:13:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gut mit ihren Mitmenschen umzugehen, aber auch auf sich selbst zu achten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:14:29 – 01:51:02:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist die Liebe über alles. Schön. Ja, ich habe, wenn man sich so deine Interviews durchliest, Podcasts anhbört, dann ziehst du auch manchmal über deine Kinder, dass sie dann einfach auch mal werfen und so und ich glaube, das macht eine gute Mutter aus. Also liebe Eltern, macht es aus, dass die einfach mal sagen Sorry, Kinder, echt ätzend sein. Es ist nicht immer alles geil voll. Also ich möchte sie auch nicht auf dieses Podest heben. Ich beobachte das auch immer gespannt bei vielen anderen, weil ich glaube, wenn man diese kleinen Personen auf so ein wahnsinniges Podest stellt, dass sie tatsächlich vielleicht irgendwann verinnerlichen, dass ganz viele Dinge selbstverständlich ist und dass sie Dinge auch einfach von vornherein verdienen, was sie von vornherein verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:02:24 – 01:51:19:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine gute Auseinandersetzung, ein gutes Miteinander. Aber es gibt viele Dinge, die muss man sich erarbeiten und auch miteinander erarbeiten. Also auch eine Beziehungsarbeit, oft auch eine Beziehung zwischen Mutter und Kind ist Arbeit für beide Seiten. Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:21:09 – 01:51:47:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich glaube, viele Menschen wären ebenfalls sehr erstaunt, wenn sie den Umgang hier wahrnehmen würden. Meine Kinder ist wahnsinnig geile Humorebene&nbsp; und feier ich total. Die sind wirklich funny und die haben dadurch das, dass ich eben auch ganz klar formuliert habe auf den Sack gibt. Es geht mir auf den Sack, was da echt scheiße wäre. Darüber lachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:50:09 – 01:52:20:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">So eine ganz, ganz gute Fehlerkultur. Und ich glaube, die sind ganz zufrieden. So. Kennst du zufällig die Netflix Serie Raising Dion? Nee, das ist eine Kinderserie. Es handelt von einer Familie und da kennt die, wo die Mutter alleinerziehend ist und er der der Dion ist, der Sohn, der hat Superkräfte, die ja gerade entdeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:20:28 – 01:52:53:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und im Laufe der Geschichte erfährt man, warum er die hat. Weil der verstorbene Vater selber gar Superkräfte hat und die Mutter versucht, ihn dabei zu erziehen, mit diesen Kräften gut umzugehen und zu haushalten und sie richtig einzusetzen. Und zwar weiß aber auch nicht genau, welche Kräfte er genau noch entwickeln wird und so und ist auch gnadenlos überfordert. Und in der zweiten Folge, ähm wird der Schüler in der Schule vom Hausmeister streng behandelt und auch diskriminiert. Und dann kommt er nach Hause und ist frustriert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:53:02 – 01:53:27:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann sagt die Mutter zu ihm Ja, das liegt daran, weil du schwarz bist und alles ist eine Superhelden Serie. Ja und gleich in der zweiten Staffel bei einer Kinderserie und es so sagen wir mal eiskalt präsentiert zu bekommen, dass ich lernen muss mit Rassismus umzugehen und dass das einfach scheiße ist und dass er manchmal verlieren wird. Das hat mich richtig umgehauen in dem Moment. Aber diese Gespräche finden wir hier durchaus auch. Ja, genau, weil ich gerade Fragen und. Auch schon sehr früh diese Situationen schon sehr früh gab und gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:27:27 – 01:53:59:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann auch da. Und das ist eben ein Themenfeld, wo ich hinschauen muss. Auch mir fällt das nicht leicht, weil ich natürlich ganz lange verdrängt habe, dass wie es bei mir war und es war wirklich nicht schön und schön zu sehen, dass sich das wiederholt. Ist schon ganz schön. Also vielleicht bin ich auch deshalb plötzlich, weil mich gab es ja überhaupt nicht. Vor vier, fünf Jahren bin ich ja 345 Jahren bekannt. Niemand. Vielleicht bin ich deshalb so laut geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:59:15 – 01:54:29:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war wahnsinnig erschrocken und traurig. Wir führen dieses Gespräch regelmäßig. Situation lebt. Kriegen deine Kinder mit, was du auf Twitter erlebst? Und so weiter. Die sind schon im Alter, wo die es mitbekommen, ja eh ganz sicher auch jetzt nicht vermeiden. Durch die Situation bei dem Dorfi. Wir mussten ja schon auch offen und ehrlich mit ihm umgehen. Ja, das wissen Sie. Ein Kind folgt mir sogar heimlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:31:25 – 01:54:55:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was sagt man denn seinen Kindern, wenn so viel Ungerechtigkeit passiert, dass sie dachten, dass sie damit umgehen können? Also da spielt ja ganz viel mit auch Schuldbewusstsein, obwohl es natürlich rational weiß ich sehr wohl, dass das also ich persönlich würde das nie machen. Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:58:04 – 01:55:10:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich glaube auch zu wissen, dass sowohl meine Follower innen als auch alle anderen, die mich so wahrnehmen, wissen, dass ich mich immer gegen Gewalt ausspreche und</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:12:07 – 01:55:15:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">dass das meinem Naturell total fern liegt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:17:14 – 01:55:20:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war nicht einfach. Es ist auch nicht einfach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:22:22 – 01:55:31:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich mich total schuldig gefühlt. Und du weißt ja um die Umstände, wie das öffentlich geworden ist und warum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:33:09 – 01:55:57:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und anders als die Erzählweise, dass ich da irgendwas selbst im Internet gemacht hätte. Und so weiter. Es war nicht sehr schön. Es war eine Verkettung sehr, sehr unschöner Situationen. Und die Kinder aus ihrem Umfeld zu reißen, war auch kein gutes Gefühl. Und ist es auch heute nicht. Natürlich ist Twitter als Plattform also</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:59:01 – 01:56:35:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">ein Arbeits Werkzeug. Aber auch für mich ist es definitiv für mich. Nicht. Okay. Aber wenn dann irgendwelche Polizistinnen, Anwältinnen, Politikerinnen, die dann sagen Ja, da macht doch das Internet aus. Abgesehen davon, dass es eine Täter Opfer Umkehr ist. Stelle ich mir dann schon aber auch die Frage Ist Twitter vielleicht einfach kaputt? Ja und? Also ich glaube, das ist. Also ich glaube auch da ist es total vereinfacht zu sagen, dass es nur Twitter ist. Ich weiß nicht, ob ich mehr Ruhe hätte, wenn ich nicht mehr twittern würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:35:12 – 01:56:49:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß es nicht. Ich werde es wahrscheinlich irgendwann mal ausprobieren, weil es bei mir auch der Spaß vergeht. Also jetzt nicht, weil so viele Sachen irgendwie passiert sind oder es einfach aus mir heraus mit mir einfach nicht mehr so viel Spaß, mich mitzuteilen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:51:05 – 01:57:26:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich kann es für mich sagen. Ich weiß, dass es schon sehr, sehr früh diese Bewegung gab und reichte schon sehr früh, also um die 2000er da schon angefangen haben, in Foren und auf Mailboxen sich auszutauschen. Und so weiter und Kampagnen fahren, Fangt an, vielleicht sind diese Menschen kaputt und das meine ich gar nicht. Ich meine das gar nicht böse. Es ist nicht so, dass ich jetzt irgendwie hass, die noch nicht mal besser ja versteht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:26:27 – 01:57:58:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist halt echt so eine Ratlosigkeit, so ey! Bloß hat dein Thema mein Thema. Offenkundig bist du in ganz vielen Dingen ein Menschenfeind, weil das betrifft ja nicht nur mich. Das ist ja wirklich bei jeglicher Marginalisierung und ich frage mich wann. Also warum man nicht an den Punkt kommt zu sagen ich guck mal bei mir, was da los ist und stattdessen machen es halt anderen Menschen, anderen Menschen das Leben schwer.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:58:02 – 01:58:03:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war dein Leben nicht cool und das tut mir total leid. Also, du hast mein Mitgefühl dafür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:06:23 – 01:58:14:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch jetzt, selbst wenn jetzt rauskommen würde, wer diese Personen waren, es wäre die letzte, die jetzt einen Rachefeldzug starten würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:16:07 – 01:58:49:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da verstehe ich jetzt, wo du, sagen wir weshalb. Lange auf Twitter. Vier Jahre? Fünf Jahre? Ich habe jetzt, wie gesagt, ich weiß es nicht, weil ich ja diese Facebook Verknüpfung hatte und getwittert habe, ohne es zu wissen. Richtig klug. Sagen wir viele Jahre setzt dann da so eine gewisse Also ich stelle das fest eine gewisse Altersmilde ein, dass man einfach den Leuten auch mehr durchgehen lässt. Weil du kannst ja nicht immer hinterher fegen, es geht ja nicht. Und ich weiß halt auch tatsächlich nicht, ob das so sinnvoll ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:51:26 – 01:59:22:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das Gefühl, dass es also ich glaube, bei der letzten Auseinandersetzung habe ich dann so sehr gehofft, dass die betroffenen Personen das bei dem Klick macht, dass sie verstehen, was ich meine und dass sie verstehen, dass es mir nicht darum ging, sie anzugreifen, dass es mir nicht darum ging, sie zu zerstören, so wie es formuliert wurde, sondern tatsächlich habe ich immer gehofft, dass dieses Moment kommt, oder? Ja, da muss ich jetzt mal hingucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:23:03 – 01:59:55:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war scheiße von mir. Tut mir leid, ich guck dahin. Es macht besser. Aber dann kann ich auch die Arbeit wieder ernst nehmen, weißte? Aber so und ich glaube, das hat mich so auch emotionale Federn gekostet. Egal wie oft und wie auch wie zurückgenommen ich mittlerweile Dinge erkläre. Na also, früher hättest du, hätte halt die Fresse irgendwann bekommen. Aber ich gehe wirklich in diesen Austausch. Ich ich versuche zu erklären und ich erkläre es auch hundertmal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:56:08 – 02:00:29:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn immer diese Abwehrhaltung kommt und ich immer wieder einen von Latz kriege und diese diese Abwehrhaltung so so stark greift, dass man wirklich alles an Gefecht, auf diese Art alles an Waffen auffährt, wird das, was da, was da verbal gegeben ist und emotional. Es ist dann denke ich, okay, dann weiß ich nicht, wo das hilfreich sein soll, weil für mich ist es einfach nur sehr zu. Und es ist schade, weil ich es einfach nicht mehr erwartet, sondern mehr erhofft habe, mehr gewünscht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:30:10 – 02:00:42:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie viele Stunden am Tag verbringst du auf Social Media? Nicht viel. Ich twitter was dazu? Ach, krass. Also das ist auch so ein Zerrbild, das man über Menschen entwickelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:43:26 – 02:00:55:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin die ganze Zeit nur im Internet. Dabei sind es auch nur ein paar Stunden am Stück, dann aber auch konzentriert. Und dann mache ich es aus. Ach so, nee, das bin ich nicht. Ich bin nie am Stück konzentriert irgendwo.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:58:01 – 02:01:22:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das schaffe ich nicht. Also, ich bereite auch vor, ich mache jetzt nicht alles, was online geht. Live zum Beispiel. Ja, okay. Aber du meinst jetzt bei. Bei Instagram oder bei Twitter? Bei Twitter auch. What? Ich habe noch nie einen Tweet vorbereitet. Ach, das hast du schon mal probiert? Ja, klar. Wenn die scheiße war, dass man da ist. Also, da ist wirklich eine große Dichte an Scheisse .</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:25:29 – 02:01:37:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, klar. Ich lösche Tweets und ich verhaspelt mich auch und hab Rechtschreibfehler. Aber tatsächlich haben. Rechtschreibfehler, finde ich, machen sympathisch. Also</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:38:29 – 02:01:41:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich sehe es auch überhaupt nicht so anders.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:43:07 – 02:02:03:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum glaubst du, die Antwort wird einfach sein? Aber ich finde das die richtige Frage, die wir uns immer öfter stellen sollten. Warum glaubst du ahnden Social Media Plattformen Copyright Vergehungen Strenger als Hass? It’s all because of the money. Hm. Das ist immer also Kapitalismus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:13:12 – 02:02:42:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir tun sehr, sehr nachlässig, dass das Social Media Plattformen Hass monetarisieren können, weil es Emotionen weckt und weil die Emotionen. Da einfach. Nicht jemand mehr nutzt. Und so weiter und so fort. Das heißt, man müsste Counter Speech monetarisieren. Ja. Ja, dann. Das gibt. Anreize. Man müsste Anreize schaffen, dass die Menschen versuchen, sich ein bisschen zu benehmen. Weil wenn es Geld geben würde, würde selbst ich schreiben. Sehr geehrte Damen und Herren…</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:46:09 – 02:03:17:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du hast gesagt und das fand ich ganz bemerkenswert, dass du letztendlich eigentlich alle Marginalisierung, fast alle Marginalisierung in dir trägst. Also es war ein wie es wie sexistisch behandelt zu werden, rassistisch, dann klassizistisch. Und dann habe ich gelesen krank. Genau jetzt gerade gelesen, dass er mit MECFS dich begleitet. So komisch das jetzt klingt, aber du bist davon betroffen. Ist das,</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:03:19:23 – 02:03:27:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">als würdest du auch sagen, du bist ja behinderten feindlich, also bist du betroffen von ableismus? Ähm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:03:30:14 – 02:03:41:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also tatsächlich war es schwierig. Also zum einen ist es ist es gar nicht oft ein Unterschied, ob die Behinderung sichtbar ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:03:43:26 – 02:04:22:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin ja schon sehr, sehr lange krank. Also wirklich sehr, sehr lange. Und es gab auch Situationen, wo man mir angesehen hat, dass ich schwer krank bin und ich auch unterstützende Geräte an meinem Körper getragen habe, weil ich sehr krank bin. Wobei ich dafür auch sehr gut gelebt habe, alles an Rock’n’Roll mitgenommen hat. Also es kann keiner so tun, als wäre ich in irgendeiner Art und Weise vernunftbegabt und würde so leben, wie es meinem Körper zustehen würde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:04:23:08 – 02:04:56:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder dieser diesen Erkrankungen sehr viel Raum geben. Tatsächlich ist es aber so, dass dadurch, dass ich in der Jugend so schwer krank war und als Kind, dass es gewisse Erzählweisen gab, von Ich wäre faul über der Frustration von Gleichaltrigen, weil dann plötzlich hieß ich hatte halt ganz einen Event Recorder. Ich weiß nicht, ob du weißt, was das ist, Verkabelung fürs Herz und so und ich hab dann aber trotzdem diese Babys über.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:04:56:26 – 02:05:17:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe dann trotzdem irgendwie ein top getragen. Und dann hieß es so: Damit will sie sich jetzt auch wieder in den Mittelpunkt spielen. Ja und das ging dann soweit, dass sie echt gedacht habe, dass ich halt so tue. Und das sind natürlich Erzählweisen, die sind schon ein bisschen ableismistisch glaube ich. Klar, ich war voll. Das Frausein und</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:05:18:23 – 02:05:29:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">im Mittelpunkt oder nicht verstehen das. Hilfebedürftig bin. Und das habe ich. Ich habe das und das habe ich auch bei meinem erkrankten Kind,</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:05:31:23 – 02:05:54:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">das auch durch die Hautfarbe wiederum an dieses Medical Gap aufgeht. Also wenn wir zum Beispiel&nbsp; Sauerstoffmangel haben, dann sieht es bei unserer Haut natürlich anders aus. Es ist ein anderes Blau als bei Weißen oder dass man die nicht Venen trifft usw.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:05:56:06 – 02:06:26:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da sind durchaus sowohl Ableismus als auch Racism. Und immer dann, wenn wenn man auf auf Hilfe angewiesen ist, insbesondere dann. Ja, mir ist aufgefallen, dass die Community der mit MECFS Betroffenen, also wenn ich es richtig verstanden habe, ist ein chronisches Fatigue Syndrom Oder es ist. Das das hat was mit Maßzahlen zu tun. Das hat was mit ganz vielen Sachen zu tun. Ich hab obendrauf noch POTS. Also</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:06:27:26 – 02:06:32:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">wenn ich zum Beispiel auch stieg, ein Puls sehr sehr hoch ist,</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:06:34:02 – 02:07:07:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">schwere Herzrhythmusstörungen undsoweiter. Das ist aber die Community. Die Community, der MECFS Betroffenen ist online unfassbar gut organisiert, wie mir irgendwie auffällt. Ich finde es total interessant, wie viele Leute mir aus dieser Community Mails schreiben, weil ich dann je wieder eine Aktion geplant oder da und da geht es darum, dass irgendwie mehr Forschungsgelder investiert werden sollten in die Forschung. Wie keine andere Community, die ich bisher noch nicht mal die Glasknochen-Community, der ich angehöre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:07:07:13 – 02:07:26:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich Ja, so oder so. Das ist so, glaube ich. Also ich habe das Gefühl, also das liegt natürlich natürlich an dieser, dieser Longcovid Geschichte, an Covid und soweiter, weil diese Erkrankung ja wohl aus Long Covid auch entstehen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:07:28:12 – 02:08:01:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da ist es natürlich so, dass das für die Community in diesem worst case sehr trotzdem noch was gutes bewirkt, weil sie über das Thema eh gerade auf ist und man sagen kann okay, passt auf, ihr wollt das nicht. Und ich ganz ehrlich, ich wünsche es niemandem und deshalb alleine glaube ich, es ist jetzt gerade im Moment, weil auch Ärztinnen plötzlich wesentlich sensibler sind. Und ich glaube, ohne diese Community wäre ich selbst nie darauf gekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:08:02:07 – 02:08:36:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn ich habe ja noch durchaus weitere chronische Erkrankungen, die ich jetzt nicht öffentlich benennen könnte. Auch schwere Vorerkrankungen, die ich öffentlich nicht benenne, weil da gibt es kein need, das zu tun, weil es die sind erforscht das es kein weiter so und ich habe keine Lust alles von mir mitzuteilen. Gibt es hätte ich, hätte ich sehr gerne für mich und wäre die Situation mit MECFS nicht so wie sie es wäre ich auch niemals damit rausgegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:08:36:17 – 02:09:08:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hätte gesagt erfährst du den Support denn den du brauchst in deinem Alltag. Durch mein Umfeld auf jeden Fall. Ja, weil du wirkst unglaublich engagiert für andere und ich kenne das aus unserer Arbeit. Zumindest, dass sehr häufig die Menschen, die sich sehr stark engagieren, dann gleichzeitig oft auch sich selbst, sagen wir mal vergessen, dass das Wort Netzwerk für sich selbst nicht aufgebaut haben. Das tue ich aber das darauf passt mein Umfeld sehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:09:09:04 – 02:09:49:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">So hmmm. Also von von Familienmitgliedern, von Mann bis Kinder bis Freundin bis wirklich alle. Und das ist wahrscheinlich, weil ich das Glück habe, dass ich so spät in diesem Job gelandet bin, es zu spät ist. Eine kleine Öffentlichkeit ist es jetzt auch nicht. So oder so oh oh, keine Öffentlichkeit habe und dass sie sehr wohl mich sehr gut kennen, als auch wissen, dass ich trotz dessen, trotz all dem, was ich erlebt habe, bin und was mich begleitet und was auch mein mein gesundheitlichen Status betrifft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:09:49:24 – 02:10:01:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist für mein Umfeld nicht neu. Dass ich das mache. Und das ist, glaube ich, ein Riesenglück. Das ist jetzt nicht so, dass ich ein Morgen aufgewacht bin und festgestellt habe Oh, ich bin krank,</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:10:03:17 – 02:10:20:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott sei Dank, sondern ich habe wirklich. Und deshalb fällt es mir auch relativ gut und leicht, damit umzugehen. Ich wusste ja immer, dass ich krank bin. Es ist ja also ich bin mit einem Herzstillstand geboren. Es war immer Drama und nicht so!</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:10:22:05 – 02:10:52:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Organisation, die du bist. Ein Fund, den du mitgegründet hast, ist der Shero&nbsp; Fund, wo du zusammen mit der Amadeu Antonio Stiftung einen Fonds aufgemacht hast, wo du, wenn ich es richtig verstanden habe, Opfer von Hass und Gewalt im Netz Supporter ist. Ja nicht nur im Netz, auch im Alltag. Also tatsächlich ja. Wie sieht diese Hilfe aus? Dann ist es dann erst mal monetär oder auch Anwältin. Auch, aber es geht auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:10:52:29 – 02:10:58:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau. Es geht auch um Vernetzung und es geht auch einfach darum, dass diese Personen eben nicht alleingelassen werden, dass sie</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:11:01:07 – 02:11:43:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ansprechpartnerinnen haben, aber auch monetär. Ich habe ja auch wahnsinnig viel Geld sammeln dürfen können und an Ja, ich freue mich sehr, wenn es anderen Betroffenen helfen kann. Bist du da weiterhin noch engagiert? Dieser Fonds, Was kann man denn noch tun? Der Fonds geht weiter und wir haben auch Leute, die regelmäßig spenden. Und es gibt natürlich viele Betroffene, die man auch kennt, deren Namen ich jetzt nicht nennen werde, die durchaus profitiert haben, dass es diesen Ort gibt und die ja von Also ich möchte gar nicht die Bandbreite erzählen, weil das ist für die Betroffenen auch wichtig, dass das sicher bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:11:44:00 – 02:12:16:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber tatsächlich gab es einige, die denen so geholfen werden konnte. Und die haben dir auch geholfen. Der war ja ursprünglich mal für dich gemacht worden. Nein, der war von vornherein für alle. Deswegen habe ich mit habe ich meine Bedrohungslage überhaupt erst öffentlich gemacht. Ich habe das andersrum. Ich hätte sonst auch anonym Spenden sammeln können und ich habe mich relativ schnell entschieden. Ich habe kurz, aber sehr genau darüber nachgedacht, weil wir alle wissen, welche Erzählweise daraus entsteht, dass ich</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:12:17:23 – 02:12:25:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spenden gesammelt habe. Oder. Welche Erzählweise daraus entstanden ist. Genau, und dass man das auch vorwirft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:12:27:13 – 02:12:42:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Fakt ist aber Ich sehe nicht ein, dass wenn ich nicht geschützt werde und ich keine Unterstützung durch den Staat erhalte, ich Juristin von meinem verdienten Geld bezahlen sollte oder die Security bezahlen sollte,</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:12:43:29 – 02:12:52:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">während die Täterinnen geschützt werden, indem sie eben nicht weiter ermittelt wird. So, und das war einfach</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:12:54:06 – 02:13:45:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">keine bewusste Entscheidung. Ich habe wir haben das innerhalb von 48 Stunden das ganze Ding gestemmt, inklusive Logo inklusive allem dann wahnsinnig tolles Team, die mich unterstützt haben. Und von vornherein war klar okay, das hier, also in dem Moment, als ich da saß, ist ja noch in der Bedrohungslage selbst gewesen. Dass diese Entscheidung getroffen habe, war mir klar. Ich möchte, dass anderen, die in dieser Situation sind, geholfen worden ist, glaube ich, dass das eine Charaktereigenschaft von mir ist, die schon sehr hervorsticht oder die, wie ich finde, darauf einigen kann, dass ich in wirklich schlimmen Situationen oder oder schlechten Situationen hingehen kann und trotzdem etwas Gutes das kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:13:46:04 – 02:14:13:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist mir mit diesem Fund da gelungen, glaube ich glaube, das hat gut funktioniert. Dass weil ich will mit, dass du sehr stark für andere nicht dann auch einsetzt und engagierst und ich das unglaublich stark fand, dass das dann auch gleich so gefragt wurde, von deiner Seite aus zu sagen okay, es geht nicht um mich. Das ist ein grundsätzliches strukturelles Problem in diesem Land. Wir werden es mit deiner Erlaubnis gerne auch in den Shownotes</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:14:15:04 – 02:14:36:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">unterstützenswerte Organisation nennen. Gibt es noch eine andere Organisation, von der du überzeugt bist, die man unterstützen kann? Es gibt wahnsinnig viele gute Sachen. Ich habe eine persönliche Geschichte zu Leave no one behind, die finde ich auch sehr unterstützenswert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:14:37:22 – 02:15:09:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich habe ja letztes Jahr tatsächlich diesen Moment gehabt, wo ich an Es gibt diese Momente auf Twitter, wo du denkst krass, das kann Twitter auch sein, wo ich quasi mit einem Tweet einer einer Journalistin eine Journalistin aus Afghanistan noch rausholen konnte. Es ist schon alles dicht war. Und die lebt jetzt in Deutschland. Und ich glaube, dass es so viele Helden gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:15:09:23 – 02:15:39:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube tatsächlich, und das da muss ich sagen, das hat Deutschland wirklich gut drauf, diese ganzen freiwillig engagierten Menschen. von keine Ahnung. Altkleidersammlung, bis also Leute irgendwie sich hinsetzen und alles suchen und machen und tun und das bis Lebensmittel Ausgabe an, das ist etwas, das haben wir ziemlich gut drauf, das da ich glaube, da funktioniert Solidarität ganz gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:15:41:15 – 02:16:14:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das macht Hoffnung. Liebe Jasmina, Ja. Ja, total. Ich glaube, dass die Menschen oder wir Menschen nur begreifen müssen, Es gibt viele Dinge, die uns unterscheidet. Aber das ist total okay so und nur weil diese Dinge und Lebensrealitäten uns unterscheiden, heißt das aber nicht, dass wir uns nicht gemeinsame Ziele stecken können, für die wir gemeinsam auch aus unterschiedlichen Lebensperspektiven arbeiten können füreinander, miteinander. Wir könnten auch über so viele Themen reden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:16:15:18 – 02:16:50:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">aber wir sind schon weit, weit über einer Stunde. Ich würde vorschlagen, vielleicht halten wir den Aufzug mal an. Paternoster. Genau. Oder Etage 1278. Aber ja, ich schlage vor, wenn es unsere Zeiten erlauben, von deinen. Wahrscheinlich, dass wir gleich das Gespräch fortsetzt. Ich bin unglaublich gern mit dir über Klassismus zum Beispiel sprechen. Leihe. Da ich schon auch wirklich merke, bin ich ich und informiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:16:51:11 – 02:17:36:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es findet es auch in meinen Nachrichten Konsum gar nicht Thema als Thema statt. Aber es ist glaube ich eines der brennenden Probleme unserer Gesellschaft. Ich glaube sehr wohl, dass das stattfindet, du’s noch nicht weißt. Genau. Aber so in den Medien meine ich jetzt also es findet gar nicht so Berichterstattung statt. Alle reden immer von niedrigen und mittleren Einkommen, aber niemand redet von denen, die bereits Transferleistungen bekommen. Und das finde ich schon interessant. Ja, es ist ja auch Scham, also Schamgefühl, oder es ist ein ist auch nur geschrieben, dass das betroffene Armuts Betroffene oft eine große Scham empfinden, weil die Gesellschaft ja dieser dieses Narrativ erzählt, dass gleichzusetzen ist mit Unfähigkeit und Faulheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:17:36:19 – 02:17:51:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau. Und dem entgegenzuwirken erfordert dann so viel Kraft, dass man dann wieder Burn out haben kann. Natürlich auch. Auch gesundheitlich ist es natürlich. Also du wirst das. Bei dir wird es auch ein Thema sein, weil Behinderung</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:17:53:15 – 02:18:25:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">oft eben auch Armut zur Folge haben. Einmal, weil es Dinge gibt, die man selbst leisten muss, von speziellen Medikationen, bis es vielleicht mal einer irgendwas, etwas Besseres, etwas bequemeres oder sonstiges haben. Du sofort alles draufzahlen. Das ist wahnsinnig teuer. Genau. Oder du arbeitest in einer Werkstatt. Und wie gestern Dieser Tweet verdient 2&nbsp;€ am Tag und 2&nbsp;€ für Blumenkohl ohne alles ausgeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:18:25:29 – 02:18:57:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Essen sieht aus wie im Krankenhaus. Wie schlimm das eklig wird. Das ist. Das ist also das. Sorry, das ist. Armut ist ein Riesen. Eine riesige Stigmatisierung. Das ist und und ganz viele Menschen sind Armuts Betroffene. Eben auch nicht so gleichwertiges Leben. Knallhart formuliert. Aber es ist tatsächlich so, also sei doch froh das so zu essen, das sei doch froh, das brauchst doch nicht so groß an Kultur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:18:57:07 – 02:19:22:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber was soll ich dieses große, nicht jenes? Also es ist ja da, wird dir jetzt. Mit einem abgesprochen. Ja, ja und diese auch, diese Geschichte. Du hast ja selbst mit mit Felix darüber gesprochen, auch diese diese Geschichte von tun. Bei ihm heißt das ja, dass diese Erzählweise vom Tellerwäscher zum Millionär, diese Ausnahme die es dann schafft. Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:19:25:04 – 02:19:32:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">das ist, wie sich das dann auch manifestiert, dass man immer wieder sitzt und denkt Ich habe das gar nicht verdient, obwohl man hart dafür gearbeitet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:19:34:06 – 02:19:48:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder diese Relation von dass, dass man dann sagt ja, also hier so Managerinnen, die haben das ja auch verdient, so viel Geld bei Arbeiten hat ja Wort dafür. Geh bitte im Krankenhaus Frühschicht putzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:19:50:22 – 02:20:05:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ja. Das schreit nach einer eigenen Freiheit. Ja, ist klar. Was machen wir? Das machen wir ja gerne. Liebe Jasmina, danke dir für deine Zeit. Ich danke dir. Ich fühle mich sehr geehrt. Die Luft im Aufzug war gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:20:07:00 – 02:20:37:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Angenehm ist Parfum getragen. Steigst du aus? Ich steige Etage sechs aus. Und total. Und da erwartete ich was. Meine Frau. Sehr schön. Und jetzt musst du mir sagen, wo du steigst. Und wer erwartet dich? Ich steige aus im Erdgeschoss und muss jetzt ganz, ganz schnell mir einen Kaffee besorgen. Weil du liebst Ja, so lecker in allem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:20:37:18 – 02:20:46:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich denke ja. Verdammt, wo habe ich mein gelassen? Dann werde ich mir das besorgen. Super. Dann lass ihn dir schmecken. Mach ich. Dann auf Bald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:20:51:03 – 02:21:10:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat. Bewerte diese Folge bei Apple, Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Allerdings zur Folge. So wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, findet ihr in den Shownotes. Schaut auch gerne mal rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:21:13:02 – 02:21:25:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zwei mal im Jahr persönlich zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:21:27:26 – 02:21:34:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug ist eine Produktion von Schønlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Hier findest du mehr über Jasmina Kuhnke:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://mobile.twitter.com/ebonyplusirony">Jasminas Twitter Account</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.instagram.com/quattromilf/">Jasminas Instagram Profil</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.rowohlt.de/buch/jasmina-kuhnke-schwarzes-herz-9783498002541">Jasminas Buch: Schwarzes Herz</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Jasminas Herzensangelegenheit:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/ihre-spende-fuer-den-sheroes-fund/">Der Sheros Fund</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.google.com/search?client=safari&amp;rls=en&amp;q=leave+no+one+behind&amp;ie=UTF-8&amp;oe=UTF-8" class="ek-link">Leave no one behind</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/felix-lobrecht---der-glaubwuerdige-provokateur?urn=urn:srf:video:7ce036e3-9c14-495a-8f87-20be4a7930ed">Felix Lobrecht: Sternstunde Philosophie</a></p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group has-ast-global-color-4-background-color has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h2 class="wp-block-heading" id="h-podcast-abonnieren">Podcast abonnieren</h2>



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<div class="inherit-container-width wp-block-group has-ast-global-color-4-background-color has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h2 class="wp-block-heading" id="h-hier-findest-du-mehr-uber-mich">Hier findest du mehr über mich:</h2>



<ul class="wp-block-social-links has-visible-labels has-icon-color is-style-logos-only is-layout-flex wp-block-social-links-is-layout-flex"><li style="color:var(--ast-global-color-0)" class="wp-social-link wp-social-link-chain has-ast-global-color-0-color wp-block-social-link"><a href="https://raul.de" class="wp-block-social-link-anchor"><svg width="24" height="24" viewBox="0 0 24 24" version="1.1" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" aria-hidden="true" focusable="false"><path d="M15.6,7.2H14v1.5h1.6c2,0,3.7,1.7,3.7,3.7s-1.7,3.7-3.7,3.7H14v1.5h1.6c2.8,0,5.2-2.3,5.2-5.2,0-2.9-2.3-5.2-5.2-5.2zM4.7,12.4c0-2,1.7-3.7,3.7-3.7H10V7.2H8.4c-2.9,0-5.2,2.3-5.2,5.2,0,2.9,2.3,5.2,5.2,5.2H10v-1.5H8.4c-2,0-3.7-1.7-3.7-3.7zm4.6.9h5.3v-1.5H9.3v1.5z"></path></svg><span class="wp-block-social-link-label">Webseite</span></a></li>

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		<title>Im Aufzug mit Dr. Mark Benecke, Kriminalbiologe</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 15:14:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die Medien nannten ihn mal Dr. Made &#8211; natürlich ein sehr reißerischer Titel. Die Rede ist von Dr. Mark Benecke &#8211; von Beruf Kriminalbiologe mit Fachgebiet forensische Entomologie &#8211; also Insektenkunde zur Aufklärung von Kriminalfällen. Mark ist ein kurioser Typ &#8211; er liebt nicht nur allerlei Kriechgetier (er hat in seinem Büro ein Terrrarium mit [&#8230;]</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Die Medien nannten ihn mal Dr. Made &#8211; natürlich ein sehr reißerischer Titel. </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Rede ist von Dr. Mark Benecke &#8211; von Beruf Kriminalbiologe mit Fachgebiet forensische Entomologie &#8211; also Insektenkunde zur Aufklärung von Kriminalfällen. Mark ist ein kurioser Typ &#8211; er liebt nicht nur allerlei Kriechgetier (er hat in seinem Büro ein Terrrarium mit Fauchschaben, eine davon heißt Bus32), außerdem ist er Vorsitzender der deutschen Dracula Gesellschaft, hat Hitlers Kiefer untersucht und setzt sich mit dem Verein White Unicorn für autistische Menschen ein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ihr könnt euch vorstellen: Ich hatte jede Menge Fragen! Aufzug Tür auf für Dr. Mark Benecke!</p>



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<p class="wp-block-paragraph">00:00:01<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Die Medien nannten ihn mal Dr. Made. Natürlich ein sehr reißerischer Titel. Die Rede ist allerdings von Dr. Mark Benecke, von Beruf Kriminal Biologe mit Fachgebiet forensische Entomologie, also Insekten Kunde zur Aufklärung von Kriminalfällen. Mag es ein wirklich kurioser Typ. Er liebt nicht nur allerlei Getier, er hat immerhin in seinem Büro ein Terrarium mit Fauchen, Schaben und eine davon heißt Bus 32. Nein, er ist auch Vorsitzender der Deutschen Dracula Gesellschaft. Er hat Hitlers Kiefer untersucht und setzt sich mit dem Verein White Unicorn für Autistinnen und Autisten ein. Ihr könnt euch vorstellen, ich hatte jede Menge Fragen. Aufzugtür auf für Dr. Mark Benecke. Die Tür geht auf. Und wer kommt rein? Oh, mein Gott. Ist es Mark Benecke? Der international respektierte und anerkannte Kriminal Biologe und Experte für Insekten und Insektinnen. Herzlich willkommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:18<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, das finde ich gut, dass du das auch mal betonst. Dass es natürlich auch bei Insekten alles Mögliche an queeren und Homosexuellen, heterosexuellen und sonstigen Handlungsweisen wir wissen ja nichts über die persönliche Identität, aber Handlungsweisen gibt. Das ist nämlich tatsächlich so, dass im Tierreich halt auch alles ausgeweitet und ausdifferenziert ist und nicht nicht so, wie manche konservative Menschen sich das vorstellen, dass da also nur Pärchen sich lebenslang bilden. Und die sind alle hetero oder so, das ist nicht so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:51<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wir sind doch hier im Gebäude von deinem Labor und und hier sieht alles so ein bisschen so aus wie wie bei Harry Potter. Und dieser Aufzug, der erinnert mich so ein bisschen an an auch so Harry Potter Aufzüge, wo jederzeit der Boden unter uns sich öffnen kann und was auch immer passieren könnte. Aber es ist schon mal eine schräge Situation in einem Aufzug passiert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:13<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, also. Unser Aufzug der, der ja nur in unseren Gedanken hier lebt, der ist tatsächlich magisch. Der hat alle Eigenschaften, die man auch bei Harry Potter sehen kann. Der Raum, in dem ich in Wirklichkeit gerade sitze. Ups, jetzt habe ich es verraten. Da sind sogar Harry Potter Zauberstäbe drin. Das ist tatsächlich so, dass unsere Bibliothek hier unsere Labor Bibliothek mit den Zeitschriften für Kriminalistik. Und schräge Situationen in magischen Aufzügen habe ich insofern schon erlebt, als dass natürlich die Fälle genau so sind, wie du es gesagt hast. Da geht der Boden auf einmal weg und es stellt sich was völlig anderes da oder was die Spuren zeigen was ganz anderes oder was auch überraschend sein kann, dass die Spuren genau das zeigen, was die betreffenden Personen schon immer gesagt haben. Aber niemand hat ihn geglaubt. Also das wäre die, die sozusagen magische und falsch artige Aufzugs Komponente. Und in echten Aufzügen bin ich schon mal öfter stecken geblieben. Das ist leider so, ich meide Aufzüge, wenn es geht, nicht aus Energiekosten, sondern weil ich steckengeblieben bin. Einmal in Frankfurt an der Oder mit vielen anderen Leuten am Bahnsteig. Da hat sich Polizei dann geweigert zu kommen, weil die gesagt haben, es ein Problem der Aufzugs Firma und die Firma hat gesagt Ja, warten Sie doch erst mal ein bisschen, aber wir kommen dann schon irgendwann und wir waren quasi in so einem Glaskasten und alle Leute konnten uns anglotzen. Also das war, das war meine schrägste Aufzugs Erfahrung, war aber nicht die einzige, wo ich mal stecken geblieben bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:34<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wie lange musstest du da warten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:36<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Das hat echt richtig lang gedauert. Also ich würde mal, ich glaube so, also echt, so wie eine Dreiviertelstunde, weil das hat halt keiner richtig ernst genommen. Und das Problem war, da war eine sehr aufgeregte polnische Frau dabei. Also das ist ja Frankfurt an der Oder ist ja nah an Polen, die aber auch nur polnisch sprach. Und ich kann nur ein paar, nur so ein paar nette Sachen auf Polnisch. Also ich liebe dich oder mein Schatz. Guten Tag, auf Wiedersehen und solche Sachen. Also so, so Phrasen, die man im Alltag schon mal anwenden kann. Und das andere war ein sehr alter Mann, der hat überhaupt nicht geredet. Und dann habe ich das zweite Mal bei der Polizei angerufen, habe gesagt Passen Sie auf, ich will kein Drama machen, ich bin nicht so ein Drama Spinner, Aber hier ist wirklich ein alter Mann drin. Und die polnische Frau wird auch immer aufgeregter. Und während der alte Mann immer ruhiger. Also wenn man das, wenn man das überhaupt sagen könnte, also der war die ganze Zeit ruhig wird vielleicht rein aus menschlichen Gründen. Vergessen wir mal den Aufzug. Wär das jetzt vielleicht irgendwie sinnvoll, wenn sie da nur mal erscheinen würden? Einfach damit die beruhigt sind oder so? Aber ich denke, da passieren halt schlimmere Sachen da in der Ecke als blöder Aufzug stecken bleibt und am Ende hat dann interessanterweise, als der Techniker kam, hat er dann von außen so einen Schlüssel gedreht und konnte dann die Türen von Hand öffnen. Und als ich das gesehen habe, habe ich mir natürlich gedacht Das ist aber schade, dass das niemand im Bahnhof wusste. Vielleicht sollte man das über den Bahnhof mal sagen, weil das würde vielleicht dann ich weiß es nicht, ich weiß nicht. Jetzt, wo ich das gerade sage, fällt mir ein Ganz schlecht wäre natürlich, wenn sich das jetzt rumsprechen würde durch unseren Podcast. Die Tür von außen mit diesem, mit diesem mehr kann Schlüssel geöffnet würde und dann in dem Moment der Aufzug abstürzt, wo man gerade rausgeht, dann wird man wie im Horrorfilm natürlich zweigeteilt. Also es ist alles sehr schwierig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:16<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, das wollte ich gerade sagen. Ich meine, in dem Podcast hast du mal gesagt, dass du immer eine Taschenlampe dabei hast, weil man weiß ja nie verberge, dass du jetzt ein Werkzeug, dass du in Zukunft mit dir führst. Diesen Schlüssel für die.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:28<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Tür habe ich, solange ich meinen Kopf oder ich habe immer. Ich habe immer ein dreikant und ein Vierkant Schlüssel dabei in meinem Gepäck im Koffer. Aber wenn der Aufzug natürlich brechend voll ist, kriegst du den blöden Koffer nicht auf, weil er relativ groß ist. Du hast recht, dann sollte ich vielleicht besser an meine Hose wie die Taschenlampe dranhängen. Stimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:46<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wir kommen auf jeden Fall zu deinen unzähligen Aktivitäten und großartigen Vorträgen, die du hältst ja noch im Laufe unserer Aufzugs Fahrt. Aber was ich wirklich super amüsant fand, war deine Emails. Wenn wir mit Dir kommuniziert. Dann bist du sehr, bist du sehr schnell, mit sehr klaren Worten unterwegs. Und du redest sehr schnell, was es für mich sehr günstig macht, weil wir dann ganz viele Fragen beantworten können innerhalb dieser Zeit. Und für die Hörerinnen und Hörer da draußen. Das würde sich jetzt wahrscheinlich, wenn man das auf zweifacher Geschwindigkeit abspielen würde, was man ja manchmal macht bei Podcasts, dann wäre das quasi wie vierfach abgespielt. Richtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:30<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ich mach das übrigens nicht. Das hat mir meine Frau erst vor ein paar Tagen verraten. Dass man sogar YouTube Videos dort mit doppelter Geschwindigkeit abspielen lassen kann, habe ich noch nie gemacht, wollte ich auch mal sagen. Also es ist ja September 2022 hier. Ich bin also aus der Vergangenheit und habe das noch nie getan.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:45<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ich habe einen Kollegen mit Behinderung, der spielt das auf acht facher Geschwindigkeit manchmal. Da verstehe ich dann nichts mehr. Er aber schon.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:53<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, vielleicht hochbegabt oder irgendwie so was kann schon mal sein. Gewöhnung oder Gewöhnung Oder beides.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:59<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Auch bei dir merkt man das Thema Behinderung in der Arbeit auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:03<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja klar. Ich bin ja Botschafter für einige Organisationen, die sich dann entweder als behindert oder nicht bezeichnen. Das kommt immer drauf an, also bei dem Verband, das ist eher so ein Forschungsverbund weit Unicorn. Da bin ich auch im Vorstand für Autismus Spektrum Erkrankungen. Da geht es eigentlich hauptsächlich darum, wie man mit den Kindern umgeht in der Schule, sodass sie sich nicht ständig gestört fühlen. Also sagen wir mal, du sitzt im Rollstuhl, Dann wird ja auch keiner sagen die ganze Zeit, du musst die Treppe hoch gehen, weil wenn du nicht gehen kannst mit deinen Beinen. Aber bei den Leuten im Autismus Spektrum, da sagt man halt immer Reiß dich mal zusammen, jetzt stell dich nicht so an, es ist doch alles nicht so schlimm. Also das ist etwas da. Allerdings. Manche sehen es als Behinderung, andere nicht. Es fällt natürlich unter die UN Behinderten Konvention, ganz klar. Aber manche von den besonders wenn sie ein bisschen schwächer ausgeprägt im Spektrum sind, haben sich da noch nie Gedanken drüber gemacht, dass man das auch als Behinderung verstehen kann. Dann bei den seltenen genetischen Krankheiten, da habe ich einen eigenen YouTube Channel, wo ich immer Leute Interview mit seltenen genetischen Erkrankungen, die sagen nie das ist eine Behinderung. Das finde ich ganz verblüffend, besonders bei den Leuten. Diese ganz, ganz schweren, nennen wir es mal Ermüdungserscheinungen haben, die teilweise überhaupt nicht mehr aus dem Bett kommen. Und das ist, finde ich total interessant, weil die sind häufig auch sehr, sehr wütend und sehr, sehr enttäuscht, dass ihnen keiner hilft oder auch helfen kann. Und da wäre ja eigentlich ein Dreh, den man machen könnte, zu sagen Ja, aber es ist eine Behinderung. Ich gehe jetzt auf die UNO unbehinderten Konvention. Ich verlange jetzt, dass mir geholfen wird, aber das habe ich von denen noch nie gehört. Also es ist sehr. Es ist sehr, sehr breit gespannt, ab wann jemand sich als behinedrt bezeichnet, Ich habe eine Freundin, mit der habe ich auch ein Interview auf dem Kanal die Janine, die ist zum Beispiel Autistin, auch ein bisschen stärker im Spektrum und gleichzeitig hat sie aber auch so eine körperliche Einschränkung, die sie in die meiste Zeit an den Rollstuhl bindet. Da hat sie erst neulich mal, nach vielen Jahren hat sie gesagt, sie würde das gerne mal getrennt betrachten. Also das eine hat ja mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. Und so gesehen sehe ich da also sehr viele Ausformungen von diesem behindert. Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:11<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Bist du selber Autist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:13<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Sagen die Autisten alle und Autistinnen. Aber ich habe es nicht testen lassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:18<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also würdest du letztendlich da eher als deren Alliierter dich bezeichnen oder würdest du sagen, du bist selber betroffen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:25<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Spielt keine Rolle bei mir. Also ich habe. Ich habe. Also das ist vielleicht ein bisschen schwer verständlich, aber ich habe viele Freunde und Freundinnen, die Künstler und Künstlerinnen sind und die natürlich auch sehr häufig Persönlichkeitsstörungen haben und dergleichen. Und manchmal auch psychische Erkrankungen, insbesondere Depressionen, manchmal aber auch was anderes. Und irgendwie, die sagen eigentlich, die meisten von denen sagen, das ist uns egal, wir brauchen da kein Label für. Ich fand das am Anfang ein bisschen komisch, weil ich mir dachte, wieso es doch hilfreich, um Unterstützung zu bekommen. Aber die sind halt der Meinung, ändert auch nichts da dran. Wir sind halt wie wir sind und deswegen habe ich das so ein bisschen aufgesogen und sag mir halt, okay, ich stimme zu, dass diese Züge vorhanden sind und vielleicht auch diagnostiziert wären, aber letzten Endes fasse ich Menschen als als gesamt Mensch auf. Und wenn die sich selber da nicht labeln möchten oder labeln lassen wollen, dann lasse ich es halt. Und bei mir ist es halt so, dass es im Alltag eh keine Rolle spielt, weil ich eh machen kann, was ich will. Deswegen ist das so ein bisschen offener in meiner Umgebung und bei meinen Freunden und Freundinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:29<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und wie bist du auf dieses Engagement gekommen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:32<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Das Ja, die Autisten Autisten haben mich angesprochen. Also es gibt auch eine Kollegin. Ich will das mal aus einem anderen Feld sagen, Um das kurz zu erklären Für Leute, die jetzt überhaupt nichts mit Behinderungen oder irgendwelchen Einschränkungen, Persönlichkeitsstörung, psychischen Kranken irgendwas zu tun haben. Ich war mal beim Kongress von einer Kollegin, die heißt Marsha Linhan und die ist die erste, die sehr, sehr stark mit deutlich ausgeprägten Borderline Erkrankten gearbeitet hat. Und der Kongress war wirklich sehr, sehr interessant, weil es eine ganz krasse Trennlinie gab zwischen den Selbsthilfe Vereinigungen die da da waren und den Forschern und Forscherinnen. Die haben eigentlich die waren zwar da, aber die haben sich gegenseitig nicht wahrgenommen, außer dass sie vielleicht zufällig aneinander vorbeigelaufen sind. Und dann eines Tages hat die sich geoutet und dann hat die erzählt, denn ich glaube, der New York Times hat sie das erzählt. Das kam daher, weil die Patienten und Patientinnen, die sie hatte, gefragt haben Bist du eine von uns? Und dann hat sie ein paar Jahre überlegt und hat dann irgendwann gesagt Ja, okay, ist so, und das hatte ich im Hinterkopf, dass man also quasi auch erkannt oder angesprochen werden kann von Menschen, die etwas, was nach außen nicht so sichtbar ist wie jetzt zum Beispiel Hautausschlag oder so, den wird es sehr viel leichter sehen, dass man darauf mal reagieren sollte und sich da Gedanken drüber machen sollte. Und so kam das. Und als die dann ich habe dann Interviews mit denen gemacht und ein bisschen gearbeitet und als sie dann aber zunehmend ankamen und mich gefragt haben, ob ich mal eine Diagnose bekommen hätte, habe ich gesagt Nein, habe ich nicht, aber wir können da gerne mal drüber reden und dann könnt ihr mir sagen, warum ihr denkt, dass das eine Autismus Spektrum Sache wäre und so so kam das also ich habe. Ich habe einfach zugehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:05<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Interessant finde ich, wenn man sich ein bisschen mit dem Thema Autismus beschäftigt, dass da ja auch sehr viel in der Vergangenheit auch wissenschaftlich und medizinisch begründet, ja auch wie viele Autistinnen sagen, Misshandlung stattfand in Form von dieser ABA der Applied Behavior Analysis, wo man letztendlich Menschen, die Autisten sind, gezwungen hat, bestimmte Verhalten sich anzutrainieren und das von Kindesbeinen an und das dann als erfolgreiche Methode gesehen wurde. Wissenschaftlich. Aber viele erwachsene Autist*innen sagen, dass das Quälerei für sie war, als als Kinder ganz, ganz fest daran liegen, dass man daher vielleicht auf solchen Kongressen so wenig miteinander geredet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:50<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Das ist eine gute Frage. Also ich meine, du wirst ja nicht – du wirst ja in die ABA nicht so richtig rein gezwungen, das ist ja eher was. Ehrlich gesagt, ich kann jetzt nur vom Stand heute reden. Ich rede jetzt nicht über die letzten 100 Jahre oder irgendwie noch länger, wo natürlich auch noch ganz andere Sachen passiert sind. Also heutzutage ist das so, dass eigentlich die Eltern ehrlich gesagt diejenigen sind, die, wenn die selber nicht Autisten oder Autistinnen sind oder oder das nicht wissen, dass die eigentlich durch den Umgebung Ausdruck also der Leidensdruck entsteht ja durch die Umgebung. Ja, genau, dass die dann sagen, diesem Leidensdruck, den wir auf die Familie jetzt erleben, dem möchten wir ausweichen, indem wir die Kinder in die ABA schicken. Es ist ja auch so, dass es ja auch durchaus scheinbare Erfolge gibt. Wenn dann eben zum Beispiel im Supermarkt die Autisten Autistinnen nicht sich so auffällig verhalten und und dergleichen mehr. Und dann ist das für die Familie glaube ich eher so eine Art sich selbst erfüllende Erleichterung auf Kosten der Autisten und Autistinnen. Und das Problem sehe ich ehrlich gesagt weniger bei den Anbietern von ABA, sondern tatsächlich daran, dass es zu wenige Ansprechpartner für Eltern gibt und oder Organisationen für Eltern gibt, die sagen, sie müssen das aber gar nicht machen und sie können auch mit ganz anderen Techniken ein glückliches und erfülltes und freies Leben für Autisten Autistinnen ermöglichen, indem sie beispielsweise denen halt einen Job geben, wo sie ihre Ruhe haben, wo sie ganz geregelte Abläufe haben, wo alles vorher besprochen wird und keine Überraschungen passieren. Und so und so weiter. Also das ist glaube ich eher der der Mangel. Ich würde jetzt nicht so sehr sagen, dass Autisten Autistinnen sich nicht trauen, eine Diagnose zu kriegen oder mit den Wissenschaftlern Wissenschaftlern zu reden, weil sie dann Angst haben die ABA zu kommen. Also das ist nicht meine Erfahrung, dass man da so gezwungen wird, sondern es liegt wirklich an der schlechten Beratung der Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:42<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Was ja auch Bände spricht für unsere Gesellschaft. Du hast ja vorhin gesagt, dass es seltene Erkrankungen das Wort gebraucht. Ab wann ist denn Erkrankung selten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:53<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Also da gibt es verschiedene Sichtweisen. Also ich würde mal sagen, das ist jetzt aber eine private Meinungsäußerung. Das ist jetzt nicht für ein Wikipedia Eintrag oder so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:03<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also ich habe ja Glasknochen – davon gibt es ungefähr 8000 in Deutschland. Genau, selten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:09<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja genau, genau. Also meine persönliche Meinung dazu ist, die Krankheit ist immer dann selten, wenn sie kein wirtschaftliches Interesse in der Industrie hervorruft. So würde ich das mal sagen. Also in dem Moment, wo keine Pharmafirma, keine Rehabilitation Firma, vielleicht auch sogar die Kassen oder sonst was. Aber auch das vergisst man sehr, sehr oft wissenschaftlich, das eben nicht dazu führt, dass du dann eine Professur kriegen kannst oder irgendwas. Also es nützt niemandem wirtschaftlich und strukturell, sich damit zu beschäftigen. Dann ist meiner Meinung nach die Krankheit selten. So würde ich das sagen. Und das kann auch bei technisch gesehen häufigen Sachen der Fall sein, wie bei Glasknochen. Ich meine, 8000 Leute, das ist ja jetzt schon. Stellen wir uns mal ein Musikfestival vor. Also für 8000 Leute veranstalte ich das Konzert, da habe ich Geld verdient. Naja, also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:58<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber nicht Rock am Ring.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:59<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ne, nicht. Ja, genau. Es ist nicht Rock am Ring, aber ich kenne also jede Menge Clubs, die sehr, sehr gerne für 8000 Leute Veranstaltungen machen würden, weil sie dann echt Geld verdient haben. Und das finde ich, das ist die die unsichtbare, gläserne Grenze, die wirtschaftliche Grenze. Ab wann lohnt sich damit zu arbeiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:18<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Du hast so viele Themenbereiche, für die du dich engagierst und ich habe mir gedacht, vielleicht fangen wir diesen Podcast einfach mal mit der Frage an Womit beschäftigst du dich gerade?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:31<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Jetzt gerade habe ich einen Artikel durchgesehen, Also jetzt bis zwei Minuten, bevor wir angefangen haben über Menschen, die zu uns kommen, seit 20 Jahren. Die denken, dass sie Insekten unter der Haut haben, die da leben und die sie also peinigen und quälen. Und die haben eine, die machen eine interessante Erfahrung, die gehen früher oder später landen die in eine Hautklinik oder eine Psychiatrie oder irgend so was. Und dann wird denen immer gesagt, das was sie da eingesammelt haben an Spuren, das ist Einbildung. Und dann sagen die Leute Ja, aber ich habe es doch jetzt hier in früher, in Streichholzschachteln. Deswegen heißt das auch Matchbox Syndrom auf Englisch, manchmal oder heutzutage als in so Tütchen oder oder Plastik Säckchen alles mögliche oder auch große Säcke. Ich hatte auch mal eine, die kam mit einem riesigen Müllsack an, mit lauter Spuren und dann wird denen gesagt das ist das bilden sie sich ein. Und das ist für uns interessant gewesen, weil wir gesagt haben, wieso, also, die Spuren sind ja da. Lasst uns doch lieber mal die Spuren angucken, anstatt zu sagen, die bilden sich das ein, weil die Erkrankung bilden sie sich durchaus ein. Aber die Spuren sind ja echt. So, jetzt muss man sich mal vorstellen, ich würde sagen wir mal, ich hätte den schon genannten Hautausschlag und ich gehe jetzt mit dem Hautausschlag zum Arzt oder zur Ärztin und die sagen zu mir Nee, da ist aber nichts. Und dann würde ich sagen Ja, aber sehen Sie das denn nicht? Aber die sagen Nein, sehe ich nicht. Na, dann würde ich ja denken Hä? Der Rest der Welt kann das sehen, nur mein Arzt nicht. Ich meine, da stimmt doch was nicht. Und dann wechsle ich den Arzt, und dann sagt der nächste Arzt Nee, da ist nix. Und das ist ja klar, dass das dann nicht besser wird. Also man muss schon die Spuren untersuchen und sagen Nein, passen Sie auf das, was Sie da an Spuren einsammeln. Die Spuren sind da nur die haben nichts mit dem zu tun, was sie da berichten, mit dieser Erkrankung. Aber das stimmt auch nicht immer, denn es gibt zum Beispiel allergische Reaktionen auf Insekten, Bestandteile, die sehr wohl dazu führen können, dass das zwar Tiere sind, die nicht unter der Haut leben. Die habe ich aber jetzt irgendwie an irgendeiner feuchten Stelle in meiner Wohnung oder aus dem Garten eingeschleppt oder sonst was. Ich habe trotzdem eine Allergie. Das heißt, Ursache und Wirkung sind jetzt nicht ganz so lose oder gar nicht verknüpft, wie man meinen könnte. Und da haben wir gerade eine lange Veröffentlichung mit den also wir ist meine Mitarbeiterin, die Tina und ich geschrieben mit Erfahrungen und Spuren, die wir untersucht haben aus den letzten 20 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:18:36<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wo hat sich eigentlich deine Arbeit geändert als Kriminologe? Durch die Digitalisierung? Kannst du deinen Job vom Computer aus machen oder musst du immer Dinge genau unter die Lupe nehmen, Obduktionen, an den Tatort fahren oder reicht es, ein PDF zu lesen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:18:54<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Sehr coole Frage. In der Tat das. Unser Job ist tatsächlich immer zwingend davon abhängig, dass wir mindestens die Akten haben. Am besten auch ausgedruckt, ehrlich gesagt, weil wir natürlich sehr viel reinschreiben. Und so weiter und umblättern. Das kannst du digital gar nicht so machen. Häufig, weil die Akten bilden sich bei uns auch im Kopf ab. Also besonders bei der Tina und mir. Das wissen wir, weil wir mal in einem Knast waren und die falschen Akten dabei hatten. Und dann haben wir die richtigen Akten aber noch im Kopf gehabt. Also bei uns bildet sich das auch räumlich und inhaltlich im Kopf ab. Da könnte man sagen na gut, dann müsst ihr euch halt an digitale Akten gewöhnen. Okay, gut. Aber das Zweite ist tatsächlich, dass viele Spuren bei uns ja vermischt sind mit anderen Spuren. Also ich sage mal ein Beispiel aus dem Bereich der Sexualdelikte. Also jemand sagt uns okay, ich habe an mir wurde eine sexuelle Handlung durchgeführt gegen meinen Willen und ich habe noch Spuren davon, weil das keinen interessiert hat und jetzt kommt also jetzt haben wir nur die Information, die digitale per Email oder so was. Ja, da sind meinetwegen jetzt vielleicht Sperma Spuren an der Unterwäsche. Wir wissen aber nicht, wie viel Sperma, wo das Sperma genau ist, an welcher Unterwäsche und was da sonst noch ist. Zum Beispiel Blut. Es gibt ja auch Sexualdelikte, bei denen dann Blut austritt. Nicht durch Menstruationsblut, sondern durch Gewalteinwirkung, da Gegenstände verwendet werden oder sonst irgendwas oder oder Risse im Gewebe entstehen. Alles mögliche kann da passieren. Und dann, wenn du dann wirklich den Karton oder den Umschlag hast und den öffnest, dann ist das wie als ob du das erste Mal in diese echte Situation hinein guckst, wie eine Zeitkapsel. Also du, du machst jetzt eine Zeitreise zurück in den Moment, als die Spuren entstanden sind. Und das ist ein Gesamtzusammenhang und der fehlt im digitalen Bereich wirklich sehr, sehr stark ein zum Beispiel auch was Tasten und Geruch angeht. Du kannst nämlich Sperma tasten, das wird so ein bisschen fest und hart und wenn das sehr wenig ist, dann natürlich nicht. Oder du siehst zum Beispiel, dass das muffig riecht. Das könnte dann zum Beispiel durch falsche Lagerung geschehen, was wiederum erklärt, warum keine DNA gefunden wurde. Weil, wenn etwas. Etwas muffig sozusagen schimmelt gelagert wurde, dann kann auch die DNA dabei zerstört werden. Wenn er Pech hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:21:06<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Gelagert von der Polizei ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:21:08<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Oder von den oder von den Leuten selber, weil die Polizei gesagt hat, wir glauben ihnen nicht, sie können ihre Unterwäsche behalten und dann haben die mal im Fernsehen gesehen, man tut das in Tüten, dann nehmen die so ein Sieb, Block, Beutel. Jetzt ist die Unterwäsche aber feucht und dann fängt das darin an, sich sozusagen unsichtbar zu zersetzen. Das heißt, du kriegst unheimlich viele Informationen, die sich wie wenn man sich so ein 3D Science Fiction Ding vorstellt, wo sich also super viele Bezüge in ganz viele verschiedene Richtungen auf einmal auftun. Also deswegen, du musst auf jeden Fall mit den echten Spuren arbeiten. Das einzige, wo es manchmal geht, sind Blutspuren. Da kannste, wenn du Glück hast, mit sehr guten Fotos arbeiten. Aber das ist auch das Einzige.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:21:47<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wie viele Dr. House oder Navy CIS oder Miami. CSI steckt in deiner Arbeit? Also, ich habe manchmal das Gefühl, dass – meine Mutter ist Ärztin – und sie hat gesagt, inzwischen kommen Patienten und erwarten, dass man sie behandelt wie Dr. House.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:04<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, das ist bei uns auch so. Ist das der sogenannte CSI Effect, dass die Jury in den Ländern, wo es Jurys vor Gericht gibt, dass die tatsächlich erwarten, dass alle technischen Untersuchungen wie in dieser Fernsehserie aus den 90 er Jahren CSI gemacht werden? Ja, ja, das gibt es wirklich. Ich muss sagen, ich selber kenne die Serien nicht, also ich habe sie jetzt ein oder eine Folge mal gesehen in den Neunzigern, das ist auch im Netz noch da habe ich für die Zeitschrift Stern, die damals sehr, sehr bekannt war, habe ich mal über diese eine Folge was geschrieben, weil die, weil ich da in USA gearbeitet habe, in New York und da haben die gesagt, so der, der der Deutsche in den USA, der in der Rechtsmedizin in New York als Biologe arbeitet, der soll also mal, der soll das mal beschreiben. Und da, da waren sehr viele totale so klassische Logik und Dramaturgie, Fehler drin zum Beispiel. Da haben sich Leute in einem Tresor eingeschlossen, weil ein Tsunami kam, und dann war der Tsunami aber auch zwei Minuten später wieder vorbei. Und dann sind die aus dem Tresor an der Bank wieder rausgegangen und haben weiter ermittelt und weiter Spuren untersucht. Also das ist halt völliger Bullshit. Natürlich. Ist halt ein Märchen. Und dann habe ich gesagt Na gut, ich meine nichts gegen Märchen. Ich meine, Marvel Cinematic Universe ist auch Märchen, was soll’s. Also da schreibe ich ja auch keine Rezension und sage Menschen können nicht zaubern. Also was soll das? Also wenn das jetzt Dr. Strange ist oder so was, also das ist mir egal. Dann zu Dr. House, da ist das wohl so, der der ist wohl nach Sherlock Holmes nachgebaut, soweit ich das gehört habe. Und Sherlock Holmes wiederum. Die Figur ist ja nachgebaut nach einem Arzt aus Edinburgh, also aus Edinburgh, und der aus heutiger Sicht, aus spurenkundlicher Sicht und und aus meiner Sicht als jemand, der mit mit Autismus Spektrums Leuten arbeitet, der war wohl einfach Asperger. Dieser Arzt, der da die Vorlage war für Arthur Conan Doyle. Also ich denke mal so, also Dr. House über Sherlock Holmes über diesen Arzt ist hat halt eine klassische, ist halt eine klassische Figur, der sich halt nicht so von Gefühlen leiten lässt, sondern von den Spuren. Und das könnte. Also ich habe die Serie nicht gesehen Dr. House, aber das könnte dann, was den diagnostischen Teil angeht, nicht um nicht von den Gefühlen reden, sondern von den messbaren Daten. Das könnte einfach so eine typische Aspi-Faszination sein. Sherlock Holmes ist ja auch Naturwissenschaftler, der ist ja nicht Polizist, der ist ja Chemiker. Also der wendet ja auch klassische Techniken an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:24<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber würdest du jetzt, wenn du keine Ahnung, gerufen wirst, entsteht dann auch so eine Erwartungshaltung dir gegenüber, dass du jetzt irgendwie mit so einem Neonlicht alles abläuft ist und und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:35<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ich glaube, bei uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:36<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Weiß du was ich meine?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:37<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, ich verstehe. Nee, bei uns sind die Leute sehr offen. Also die haben extrem schwere Probleme. Das Kind ist getötet worden, aber alle denken, das wäre ein Suizid gewesen. Das ist ein Sexualdelikt, was irgendwie nicht geglaubt wird. Jemand sitzt im Knast, war es aber nicht und dergleichen mehr. Oder die Leute mit dem Insekten waren der, der zwar durchaus wahnhaft ist, aber trotzdem halt echte Spuren vorhanden sind, die auch Insekten Spuren sein können, die halt nur nichts mit der mit der möglichen Erkrankung da zu tun haben. Also ich denke bei uns haben wir das Glück, dass die Leute wie bei Sherlock Holmes sehr offen sind. Also bei Sherlock Holmes gibt es ja immer diese Szene, der sitzt dann da in seiner winzigen Wohnung, ihm ist langweilig und dann kommen die Leute rein und sagen halt, keine Ahnung, das und das es passiert. Und so ist das bei uns auch. Also die Leute bleiben sehr oft bei dem, was passiert ist. Also meinetwegen, ich bin wegen Mord lebenslang verurteilt, ich war’s aber nicht und danach überlassen die das eigentlich uns, das wir dann sagen okay, welche Spuren haben Sie dann? Sagen Nee, die Spuren hier, die sind, die haben nichts mit Ihrer Frage zu tun, die sie jetzt hier im Einzelnen stellen. Zum Beispiel Warum wurden meine Hautzellen auf der Leiche gefunden? Und dann sagen wir Ja, dann müssten Sie ja da in der Nähe gewesen sein, da sagen die Nein, war ich nicht. Aber ich habe einen Gegenstand meinem Nachbarn übergeben und der Nachbar ist dann getötet worden. Können die Hautzellen über den Gegenstand übertragen worden sein? Das ist mehr so ein gemeinsames Überlegen. Vom riesigen Problem her. In der Klinik haste das natürlich mehr, so dass die Patienten und Patientinnen also bei deiner Mutter, die haben natürlich deutlich gezieltere Erwartungen. Zum Beispiel Ich habe nehmen wir jetzt zum Dritten Mal den Hautausschlag, ich hab nen Hautausschlag, Sie müssen den wegmachen. Dafür bezahlt die Krankenkasse Sie oder so. Das ist bei uns nicht so, weil wir sind. Wir sind so mehr so die. Wir sind die Seltsamen. Wir sind die die letzte Tankstelle vor der Autobahn. So ist das eher bei uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:32<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ich verstehe. Ich hatte mal ein sehr spannendes Gespräch mit einer Staatsanwältin und die hat mir erzählt, dass so doof das jetzt klingt. Aber die meisten Straftaten werden nur deswegen aufgeklärt, weil es immer irgendeinen Verwandtschaft oder Freundschaftsbesuch gab. Also wenn ich jetzt random jemanden auf der Straße töten würde, völlig beliebig in einer anderen Stadt, in der ich nicht wohnen, wo es keinen Bezug zu gibt, ist die Wahrscheinlichkeit gefunden zu werden ziemlich niedrig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:04<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Das ist völlig richtig bei Tötungsdelikten. Es geht jetzt nur um Tötungsdelikte, da hast du recht. Das ist aber gefährlich. Auf, auf, aus zwei Sichten, weil es haben sich zwei Sachen geändert in den letzten Jahren. Das erste ist, du hast Massendaten. Das heißt, falls sich jemand für das Tötungsdelikt interessieren sollte, was ja auch nicht immer der Fall ist, leider. Je nachdem, in welcher Gegend der Welt du dich gerade aufhältst, dann kannst du über Massendaten gehen. Es gibt mittlerweile so viele Kamera, Handy und sonstige Daten, dass man darüber gehen könnte. Das war vor paar Jahren nicht möglich. Also das ist das eine, wo man sagen müsste, das hat sich ein bisschen geändert. Und das zweite ist, es gibt auch Fälle, wo der persönliche Bezug nicht klar ist. Also da darf man auch, da muss man auch sehr vorsichtig sein. Wir haben also regelmäßig Fälle, wo sich hinterher rausstellt, es gab einen persönlichen Bezug, den hat aber niemand gesehen in dem Moment. Also deswegen. Das stimmt, was die Staatsanwältin erzählt hat. Aber die Welt hat sich ein klein bisschen geändert und ich würde mich da als Täter jetzt oder als Täterin nicht mehr so drauf verlassen, dass das wie vor zehn Jahren dann tatsächlich untergehen würde, das Delikt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:28:15<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, das hat sicherlich auch gesagt, dass das Problem oder soll ich sagen, ist es jetzt ein Problem oder einen Vorteil? Also wenn du als Täter dich in Sicherheit wiegst und dann der Wiederholungstäter machst, dann entstehen ja sehr schnell Muster. Man fängt an sich sicher zu fühlen als Verbrecher. Also gerade bei Einbrüchen ist das wohl sehr häufig der Fall und dann wird es immer leichter, sie zu finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:28:37<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, aber das stimmt auf jeden Fall. Ich würde aber, wenn wir bei den Tötungsdelikten mal bleiben, kurz noch mal Da ist es so, dass tatsächlich auch schon aus den genannten Gründen wenn du wirklich ein Ermittlerteam hast, was Bock hat, damit zu arbeiten, dass die schon sehr, sehr schnell und sehr früh dadurch, dass die Gruppen bilden und dann jede Gruppe arbeitet eine verschiedene Möglichkeit ab, dass da zum Beispiel der unbekannte persönliche Bezug dann erkannt werden könnte, weil da je nachdem, wenn ein großer Ermittler und Ermittler Gruppe hast, dann könnten, dann wäre es zum Beispiel erlaubt, dass einer nehmen wir an, das wäre ich ja jetzt bei der Polizei, dann würde ich sagen Wisst ihr was? Es gibt super geile Spuren hier in dem Fall. Es gibt auch schöne technische Spuren, es gibt soziale Spuren, aber ich persönlich glaube, da steckt der unbekannte Vierte dahinter. Oder der unbekannte fünfte Und dann würden die sagen Okay, Mark, weißt du was? Geh da hinten in das Büro, dann machst du das jetzt. Und deswegen könnte das passieren, dass man dann eben auch schon beim ersten Delikt, ohne dass man sich in Sicherheit wiegt, über die Tatsache oder oder über die falsche Annahme stolpert, dass dadurch, dass es eine völlig unbekannte Person war, dass ich dadurch irgendwie geschützt bin oder so, Also das also also was du in Krimis heutzutage liest und siehst, ist noch sehr – also ich gucke ja keine Krimis und lese auch keine. Aber ich, ich werde ja oft gefragt von Autoren und Autorinnen und das, was darin vorkommt, ist eigentlich auf dem Stand der 90er. Also das stammt noch aus dieser CSI Phase, was in Wirklichkeit heute polizeilich gemacht wird. Das also das ist meiner bisherigen Erfahrung nach unbekannt. Gerade die Massendaten Auswertung und viele andere Techniken, weil das so langweilig ist. Wenn du das im Krimi erzählen würdest, würden die Leute das sofort weglegen und würden sagen Nee, also.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:17<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Echt, als jemand hat am Computer Daten eingegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:20<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, ja und vor allen Dingen, wie die auch ausgewertet werden, das ist halt echt langweilig. Ich habe da eine eigene Erfahrung, weil ich habe ja. Also es gibt ja zwei Krimis, die sozusagen von mir stammen, weil das, weil das Publikum das unbedingt wollte, mit starker Unterstützung des Verlages natürlich, weil ich Krimis eigentlich für banal halte. Und da haben wir auch sehr, sehr schnell gemerkt, als ich dann gesagt habe, hier können wir mal ausführlich mal beschreiben, wie das funktioniert. Labor mäßig, haben die sofort gesagt Nee, Mark, ist schon gut, das war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:50<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Der Christian Drosten hat in seinem Podcast mal ganz am Anfang, ja in der ersten Folge gesagt, dass er grundsätzlich, wenn er in eine Kneipe geht, nur aus der Flasche trinkt und nicht aus dem Glas, weil er weiß, wie die sauber gemacht werden. Und er weiß, was Wehren anrichten können. Das fand ich schon bis auf eine gewisse Art nervig. Gibt es denn so was wie eine Berufskrankheit, die du für deinen Beruf angeeignet hast?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:31:16<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, ich bin sozusagen die andere Seite der Münze vom vom Kollegen Drosten. Weil es ist so, er hat völlig recht. Gerade bei Novo. Das haben vielleicht viele der Hörerinnen und Hörer auch schon mal erlebt. Du machst, du hast an dem Tag überhaupt nichts gemacht, Du hast nichts Dreckiges angefasst. Du bist meinetwegen als Tourist oder Touristin durch irgendeine Stadt gelatscht, hast vielleicht mal eine Türklinke angefasst oder so, aber du hast dir danach auch nicht ins Auge gerieben oder mit der Hand dann ein Sandwich gegessen, sondern halt nur mit Messer und Gabel. Also du hast keine Ahnung und auf einmal ist es 20:00 und du hängst über der Kloschüssel und erst musst du dich erbrechen und dann kommt dünnflüssig Kot und dann musst du dich wieder erbrechen, dann kommt wieder dünnflüssig Kot. Das ist so eine klassische Sache, die du dir natürlich überall jederzeit einfangen kannst. Wenn du auf einen Knopf von der Straßenbahn gedrückt hast oder sonst irgendwas. Aber natürlich erst recht in jedem Restaurant. Wie der Kollege schon richtig sagt da kannst du sowieso nichts gegen machen. Und deswegen bin ich die andere Seite der Münze. Ich mach das so, dass ich Oberflächen durchaus reinige. Mit, mit, mit weiß ich nicht. 60 % Alkohol oder 70 % Alkohol, das kannst nur du sehen, die Hörerinnen und Hörer nicht. Das ist das Fläschchen, was ich immer dabei habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:32:23<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Das heißt, bevor du in der Straßenbahn den Knopf drückst, hinterher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:32:27<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Nee, da mach ich hinterher. Also im Zug reinige ich die Oberfläche vorher den Tisch, aber bei der Straßenbahn hinterher dann einfach die Finger. Und da, da gehe ich davon aus, dass das nur eine Keim Minderung ist. Also ich gehe jetzt nicht davon aus, dass das wirklich sauber ist, weil das wissen jetzt glaube ich alle seit Corona, wir haben jetzt ja September 2022, früher oder später kriegst du Corona. Ob das merkst oder nicht ist eine andere Frage. Aber du wirst es kriegen. Und das ist die Erfahrung von den Virologen und Virologen. Ich komme aber aus einer Welt, in der es nicht nur um die Viren geht, sondern auch um Bakterien, Insekten, Bisse und Stiche, weil ich auch in den Tropen arbeite oder gearbeitet habe. Und da ist es so, da kannst du eh immer nur eine Minderung der Gefahr machen. Also der Klassiker ist, nehmen wir mal, das mache ich zum Beispiel nicht. Ich benutze keine Tropen Netze gegen gegen Moskitos, aber ich reibe mich ein mit Anti Brumm forte, das heißt wirklich so und dann bin ich aber der Einzige. Das heißt, alle Studierenden lachen sich tot. Dass der bleichhäutige Typ jetzt wieder stinkt nach Anti Brumm Forte und kein anderer macht das. Nur die gehen halt leichter auf mich als auf die Leute, die dort vor Ort leben. Warum auch immer. Kann an Ernährungsgewohnheiten oder sonst was liegen. Ich habe keine Ahnung, aber am Ende des Tages fange ich mir trotzdem irgendwas. Und das ist jetzt kein Witz. Und sei es nur, dass ich der Idiot bin, der sich auf die Tarantel draufsetzt, ist mir schon passiert. Ich sitze im Urwald, also wirklich im Urwald. Und dann sagen die also im echten Urwald, dann sagen die zu mir Mark, ich glaube, du sitzt da drauf. Da sage ich so wie Das würde ich doch merken, es müsste doch knack gemacht haben oder so, dann sagen die Ja, nee, aber der Boden ist ja total weich und hier liegt alles mögliche rum, die sitzt einfach unter dir. Also du hast sie nicht platt gequetscht. So, dann saß ich halt auf der Tarantel und ehrlich gesagt, ich bin da ein bisschen offener, weil das stimmt schon mit den Viren, da hat er vollkommen recht. Aber ich lebe in einer Welt, in der du es sowieso nicht vermeiden kannst. Das heißt, ich mindere nur die Belastung. Aber wenn mir jetzt einer irgendwo im Urwald, sagen wir mal einen, klassischerweise einen Rum, dann trinke ich den halt aus, egal welchem Gefäß. Wenn das jetzt normalerweise trinkst du den ja aus der Flasche. In Kolumbien und Peru. Und so weiter. Aber wenn mir denn jetzt jemand in Glas gießen würde, würde ich mir sagen Guck mal, das ist rum, der hat 40 Umdrehungen, die Geheimzahl ist gemindert, das Glas ist garantiert nicht sauber gewaschen worden im Urwald. Fuck it. Ist auch egal. Also weißt du deswegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:34:45<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Die Berliner Verkehrsgesellschaft hat mal einen Instagram Post gehabt. Wo stand Kind Leckt an der Haltestelle im Bus. Wenn es heute Nacht überlebt, wird es uns alle überleben. Dann kann es auch sein, dass wenn wir uns dann sagen wir mal in dem Alltag mit Viren dann doch durch das Drücken von Knöpfen und so weiter infizieren, wir aber auch gleichzeitig unser Immunsystem ausbauen und stärken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:35:10<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Das ist auf jeden Fall so, nur es gibt halt Sachen, die da ist es besser, auch zum Schutz von Leuten, die halt ein schwächeres Immunsystem haben, einfach zum Beispiel weil sie schwer krank sind. Zum Beispiel die Leute, die ich erwähnt habe, die den ganzen Tag zu Hause hocken, weil sie nicht mehr aus dem Bett kommen oder liegen. Ich meine, die haben natürlich ein super schwaches Immunsystem, weil die kaum äußeren Reizen ausgesetzt sind. Die atmen halt kaum verschiedene Luft ein, die passen eben keine Knöpfe an und so und um die zu schützen, ist es dann halt schon besser sich zu impfen oder eben bei Bei mir ist das so, ich bin auch gegen alles geimpft, kannst du wirklich sagen. Weil dadurch, dass ich zum Beispiel früher noch in Regionen war, wo es Gelbfieber gab, Cholera und so und da will ich halt nicht erst den langsamen Immunisierung durchmachen, wenn ich da nur vier Wochen arbeite, weil wenn ich dann drei Wochen davon im Bett liege mit Cholera oder Diphterie oder sonst irgendwas, dann nützt das keinem was. Das heißt, dann lasse ich mich halt lieber impfen. Zum Vorjahr. Also so gesehen denke ich, dass mit Impfen schon besser dran bist. Es gibt auch noch ein Problem, was in deiner Frage drinsteckt. Es gab ja mal einen sogenannten Challenge, dass man die den Griff von der Rolltreppe ablecken sollte und das haben ein paar Leute gemacht und die haben dafür so bitter bezahlt. Das kannst du dir gar nicht vorstellen, weil was du dir da anfängst, wenn du den Griff von der Rolltreppe ablegst. Das dagegen ist dein Körper durch egal welches Immun Training niemals geschützt. Also das darf man wirklich nicht ausprobieren, das darf man nicht ausprobieren. Du wirst danach tatsächlich in die Situation kommen, die du gerade geschildert hast. Das dauert ja ein bisschen, das dauert ja ein, zwei Tage, drei Tage, bis das richtig losgeht. Aber was du dann erlebst, ist halt ein Sturm, den das beste Immunsystem nicht mehr so abpuffern kann, dass du hinterher sagst Haha, war lustig, jetzt habe ich mich immunisiert, sondern da wirst du sagen okay, das war eine scheiß Idee, das werde ich nie wieder tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:36:55<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Scheiße, das ist so, was gibt es noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:36:57<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Doch Challenges gibt es reichlich. Es leider, leider auch solche, die leider Suizid Challenges sind. Also wo du auf jeden Fall stirbst. Am Ende gibt es leider auch. Da wird zum Glück nicht viel berichtet in den Zeitungen, weil das natürlich dann auch leider Ideen in die Köpfe der Menschen pflanzen könnte. Aber damit haben wir leider auch zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:37:19<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Gibt es etwas, was du als Wissenschaftler aus der Corona Pandemie gelernt hast?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:37:24<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, wir hatten ja den größten. Also der der Kollege Drosten hatte ja den bekanntesten Podcast und wir hatten den größten, meine Frau und ich, weil wir da Fremdwort frei gesprochen haben und immer die neuesten Studien ohne Fremdworte vorgestellt haben. Und ach, das ist auch noch ein Unterschied und nur auf Fragen der Leute eingegangen sind. Virus online de heißt ja, der ist auch noch online und da habe ich gelernt, dass du mit Wissenschaft leider nicht weiterkommst. Du musst den sozialen und politischen und kulturellen Zusammenhang verstehen. Beispiel Wenn Leute ängstlich sind, dann werden die ängstlich bleiben. Da kannst du dir noch so oft sagen, die Impfung hilft oder sonst irgendwas. Du musst halt auch auf die Ängste eingehen. Natürlich nicht jetzt psychologisch oder psychiatrisch. Das ist nicht mein Job, aber du musst sie ernst nehmen. Das heißt, wenn die sagen Ich habe aber jetzt so fürchterliche Angst, einen Brief an meine Oma zu schicken, weil ich glaube, dass meine Oma dann Corona kriegt, weil ich irgendwie immer Corona hatte, dann musst du halt drüber reden. Wie? Es übertragen sich Corona Viren über Briefe. Ist deine Oma? Wie alt ist deine Oma? Hat die irgendwelche fortbestehenden Erkrankungen? Zum Beispiel? Anfangs war das ja besonders bei übergewichtigen Leuten hat ihn Lungenerkrankung, hat ihn Immunschwäche und dann musste das halt alles abarbeiten. Also das habe ich gelernt. Da kommst du mit reinen wissenschaftlichen Das ist zwar immer noch wissenschaftlich, aber du musst zunächst mal verstehen, dass das jetzt eine sehr ängstliche Person ist, die fragt und dann muss da halt die einzelnen Angst Inhalte mit der Person durchgehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:38:48<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber hast du nicht auch als zumindest als Bürger das Gefühl gehabt, dass diese diese dieser Satz Wir müssen die Sorgen und die Ängste der Bürger ernst nehmen oft dann auch dazu geführt hat, dass man eigentlich Dinge auch gar nicht wahrhaben wollte. Also das dann keine Ahnung wird den Nazis zu viel Raum gaben für Dinge, die eigentlich überhaupt nicht wissenschaftlich und diskutabel sein dürfen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:11<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Also ich hatte mit den Nazis keine Probleme und den ganzen Spinnern, die haben halt mir ständig irgendwelche Todesdrohungen geschickt und der und und bei Telegrammen dann diese diese Stürme da angeleiert. Also dass unsere Webseiten überflutet wurden mit mit Hass und so auch einer der ganz bekannten Leute haben das mal gemacht. Deswegen gab es da wirklich sehr, sehr große Resonanz. Ich will es jetzt gar nicht Nazis nennen, sondern nennen wir sie mal Leute, die, die sich halt die, die nicht wissen, wie man Messungen bewertet, so nenne ich die jetzt mal und die auch sehr aggressiv und wütend aufgetreten sind. Und ich hatte mit denen insofern keine Probleme, weil ich halt ich meine, Todesdrohungen kriege ich öfter mal nicht, nicht oft, aber regelmäßig. Also da, das ist halt so, ich habe ja Hitlers Schädel unter anderem identifiziert in Moskau und so, und da kannst du dir vorstellen, was da los war. Also deswegen, da muss man sich halt überlegen, wie sehr man das an sich ranlässt. Dann das zweite ist die Ines hat also meine Frau, die hat eine sehr interessante Technik, die gibt am Anfang macht die das, wie ich das vorhin vorgemacht habe, mit den ängstlichen Leuten. Nazis sind ja auch nur ängstliche Leute, also die sind halt, das sind halt aggressive, ängstliche Arschlöcher. Mehr ist das ja auch nicht. Und die in der ersten Runde antwortet sie sachlich auf den sachlichen Kern der Frage Wenn ein sachlicher Kern vorhanden ist. Und erst wenn dann die Person nicht mehr darauf eingeht, sondern wieder mit irgendwas, was jetzt überhaupt nichts mehr damit zu tun hat, mit der sachlichen Antwort eingeht, dann hat sie abgebrochen. Und da muss ich sagen, das ist eine extrem erfolgreiche Technik. Ich kann jetzt nicht sagen, wie viel, aber wirklich, die große Mehrzahl der Leute wird auf einmal ansprechbar, weil auch ein ängstliches, aggressives Arschloch hat irgendeinen menschlichen Kern. Und der wird erstaunlicherweise dadurch getroffen, dass du das Du eben nicht so wie die das gerne hätten, ausflippt, besonders auch bei Trollen, sondern die, die, die freuen sich, wenn sie auch mal als Mensch angesprochen werden und ruhig und vernünftig angesprochen werden. Du darfst ja auch nicht vergessen, sehr viele von den Menschen, die so sind. Also ich sage es jetzt zum letzten Mal die aggressiven, ängstlichen Arschlöcher. Das hat ja einen Grund, warum die so sind. Und einer der Gründe dafür, dass sie so sind, ist halt häufig, dass sie erlebt haben, dass sie nur mit dieser wütenden, bösartigen, geifernden, beißenden, menschenverachtenden Tour überhaupt Aufmerksamkeit bekommen. Und wenn du das jetzt unterläufst, wofür du natürlich sehr starke Nerven brauchst, dann kann das manchmal auch funktionieren. Also insofern das also ich kann dir nicht sagen, ob irgendwem zu viel oder zu wenig Aufmerksamkeit gegeben wurde. Das kann ich dir nicht beantworten. Aber ich kann dir sagen, dass wir extrem gute Erfahrungen damit gemacht haben, bei der Sache zu bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:41:58<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Das ist vielleicht ein ganz guter Rat, den man auch an die Politik weitergeben kann. Das ist es, was mir so ein bisschen zumindest jetzt nach dem dritten Jahr Corona so abhandengekommen zu sein scheint, was so Maßnahmen angeht, die vielleicht jetzt, wenn der Winter kommt, wir hätten machen müssen, So was wie Masken, Pflicht oder Homeoffice, Pflicht oder so, siehst du? Positiv in die Corona Welle entgegen. Oder glaubst du gern die Lage im Griff? Oder glaubst du das knallt noch mal richtig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:30<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Also wir haben grundsätzlich auf der Erde überhaupt nichts im Griff. Nie. Wir sind ja – also alle Kulturen, die ausgestorben sind, sind ja durch veränderte Umweltbedingungen und mangelnde Anpassung ausgestorben. Das wird auch mit unserer jetzigen Kultur so passieren. Das ist ja also das ist überhaupt gar keine Frage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:45<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Die Frage ist nur, wann genau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:47<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Die Frage ist wann. Und das ist im Grunde genommen auch kein Problem, weil wir haben halt die Zeit, die wir haben und in der Zeit können wir das machen, was wir tun können. Und das war schon immer so und das gilt für alle Lebewesen. Also das ist halt so, also im Griff haben wir, eigentlich haben wir gar nichts, sondern wir. Wir arbeiten in dem Spielraum, den wir haben, so und reagieren im Grunde genommen, weil wir ja eh nicht wissen, wie sich die Welt ändert in Zukunft wirtschaftlich von der vom Klima und von vielen anderen Dingen her oder von Infektionen, Erkrankungen. Und hier die multiresistenten Keimen, die demnächst kommen. Und so weiter. Also das kann ja eh keiner wissen. Aber ich muss sagen, ich war ja die gesamte Zeit unterwegs als einer der wenigen, weil ich, weil ich dienstlich halt häufig was erledigen musste. Ich habe auch viele Fotos gemacht von den leergefegten Städten Frankfurt am Main, Amsterdam, alles mögliche. Und in letzter Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass viele Maßnahmen rein kulturell und politisch sind. Zum Beispiel in England ist es ja so, oder jetzt in New York, wo ich gerade herkomme, ist also in New York, ist ja seit einer Woche keine Pflicht und dergleichen mehr und in London schon länger. Und die Anzahl der Corona Erkrankten, die du auf der Straße ja sehr leicht bemerken kannst, wenn du so ein bisschen auf die heisere Stimme achtest und auf die, auf das, auf das Husten oder auch auf die laufende Nase. Also wenn man da ein bisschen drauf achtet, merkt man das ja sofort. Besonders wenn man wie ich und die Ines wir sind ja sehr, sehr oft im Zug und in großen Menschenmengen und in der Ubahn. Und so weiter. Also da, da merkst du das ja schon alleine deswegen, weil du dich da wegbewegen willst von den Leuten und die Städte. Nehmen wir mal New York und London, wo gar keine Pflicht mehr ist oder auch schon länger war. Die haben auch nicht mehr. Corona erkrankte auf der Straße. Also insofern muss ich sagen, ich bin da sehr ja, wie ich das vorhin schilderte, mit ich bin da die andere Seite der Medaille, wie beim Draußen, beim Kollegen draußen. Ich habe gelernt zu verstehen, dass das am Ende des Tages politische und kulturelle Maßnahmen sind. Und der Unterschied ist nicht so groß, wie man meinen würde. In Deutschland ist ja zum Beispiel noch zwei Masken Pflicht, eigentlich im Zug. Es halten sich aber auch nicht alle Leute dran und haben dann teilweise eben je nachdem wie voll der Zug ist, kann das Personal auch nichts mehr machen. Haben dann eben die OP Masken an, die eigentlich nichts bringen bei Corona und viele Leute mittlerweile husten auch nicht mehr in die Armbeuge. Das ist zum Beispiel auch jetzt seit ungefähr einem Monat so, dass die Leute wieder anfangen einfach in die Luft zu husten oder so so so, die Hand so einen halben Meter vom Mund weghalten und dann so tun als ob sie da rein müssen. Also ich bin da entspannt geworden und denke, das ist eine gesellschaftliche, kulturelle, politische Sache und in der Welt lebst du dann halt gerade und dann hat sich die Sache im Griff, ist kein ist, kein es ist keine Formulierung, die ich mittlerweile noch verwenden möchte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:33<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Du hast in einem anderen Interview in einem Vortrag mal von Todesengel gesprochen, die letztendlich in der in der Pflege früher zumindest sehr häufig anzufinden waren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:46<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Immer noch immer noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:48<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau auf das Thema wollte ich gerade kommen. Vielleicht kannst du kurz erzählen, was für dich ein Todesengel ist, was du damit meintest und warum es dieses Phänomen immer noch gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:58<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, Todesengel sind Pfleger und Pflegerinnen, die die Patienten und Patientinnen oder zu pflegenden Personen, die müssen ja gar keine Patienten sein, die können ja auch in der Pflegeeinrichtung, es gibt so Pflegeeinrichtungen, da kannst du einfach hingehen sagen okay, mir ist es jetzt egal, ich bin jetzt 708090, irgendwas, ich habe jetzt keinen Bock mehr, ich kann mich nicht richtig bücken und ich esse auch kaum noch was und so, ich gehe jetzt in so einer Einrichtung mit anderen Leuten, wo ich dann den ganzen Tag ein bisschen Programm und Unterstützung habe und dann kannst du langsam, wenn du dann pflegebedürftig wirst, im selben Haus, in dem du jetzt schon alle Leute kennst, in die Pflegeeinrichtung gehen. Und wenn du noch schwerer krank wirst, dann quasi in so einer Hospiz artigen Umgebung dann am Ende landest, kannst du auch da bleiben. Das gibt es also. Und in egal welcher Umgebung, also im normalen Seniorenheim, Seniorenheim in so einer Art, wie ich das gerade geschildert habe oder in irgend so einer Umgebung, wo Pflege stattfindet, auch häusliche Pflege. Sehr oft scheint also ein sehr starker Reiz zu bestehen, nicht nur die Leute zu bestehlen. Das ist sehr, sehr häufig oder zu betrügen, dass es auch sehr, sehr häufig, also denen das Geld abzuluchsen, Testamente umschreiben zu lassen, sondern eben auch die zu töten. Und das sind Todesengel, die das dann also heimlich machen, sodass das die so, dass das keiner merkt. Da gibt es sehr viele Abstufungen von es gibt welche, die kombinieren alles, also Betrug und töten, weil sie zum Beispiel nach der Testaments Änderung dann einfach sehr schnell meistens ein Haus oder so was haben wollen oder irgendwelche irgendwelche Geldwerte. Es gibt aber auch welche, die nur Spaß am Töten haben. Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe. Das sind die, die Spaß an der Aufregung haben. Das ist wie Feuerwehrleute, die Scheunen anzünden, weil sie einfach mal wieder schön was löschen wollen. Das ist ja auch sehr, sehr verbreitet. Nicht sehr häufig, aber sehr regelmäßig, so muss ich sagen. Und das gibt es dann eben auch im Pflegebereich. Also die können sich dann auch als Retter aufspielen, Also die sorgen dafür, dass jetzt eine lebensbedrohliche Situation entsteht, was ja bei pflegebedürftigen Personen dann sehr leicht ist und sind dann gleichzeitig mitten im Geschehen, finden das sehr aufregend. Plus Sie sind auch die Retter, weil sie das sofort entdeckt haben oder Retterin. Dann gibt es aber auch die, die Spaß dran haben, dass die Patienten Patientin wirklich sterben. Also das ist so ein Machtgefälle, was die da auskosten und ausnutzen. Und die sehen halt gerne Leute sterben, weil sie weil sie halt innerlich total schwach sind und nach außen aber als liebevoll und fürsorglich auftreten möchten. Da kriegst du ja auch sehr viel Aufmerksamkeit für, ne? Und dann haben sie also das Beste aus allen Welten. Sie haben Aufregung, Tötung und gelten als besonders sozial und freundlich. Also mehr geht ja schon gar nicht mehr. Und da suhlen die sich also drin. Und diese Todesengel sind halt, wenn sie das. Wenn die das selten machen, sind die extrem unauffällig, weil die Pflegeeinrichtungen selber die Tendenz haben, solche Leute, wenn der Verdacht besteht, die heißen auch fast immer, die haben intern so Spitznamen. Ja, der schwarze Engel, der Todesengel. Da gibt es ganz viele Spitznamen, die, die häufig schon haben, eigentlich fast immer. Die werden dann weggelobt. Also da sagt man dann ja, passen Sie auf, die sind da irgendwelche Einsparungen, Umstrukturierung, irgendeine blöde Ausrede. Aber wir haben. Wir würden Ihnen also eine sehr gute Bewertung schreiben, wenn sie in andere Einrichtungen gehen oder so was. Und man kann ja dann auch eigentlich, man kann ja sogar dann auch zwischen also komplett in andere Einrichtungen gehen, beispielsweise aus dem alten Bereich in Krankenhausbereich oder so, und dann fällt das natürlich noch weniger auf, weil Pfleger und Pflegerinnen natürlich extrem gesucht sind. Und die, die sind also echt eine Plage, diese Todesengel wirklich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:21<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber du meintest in dem Vortrag mal, dass es dann mit der Anschaffung von neuen Dekubitus betten bzw Betten, die sich dann eben die dabei helfen, dass man weniger Dekubitus bekommt dadurch, dass sie sich bewegen und dann letztendlich die Druckstellen am Körper von Menschen, die sich nicht so gut bewegen können, reduziert werden. Dass dadurch aber auch diese Todesengel Zahl abgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:45<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Hat, nee, dadurch hat, dadurch hat die Anzahl nee, das ist was anderes. Das sind zwei Sachen gewesen im Altersheim. Ja, ich ja, ich habe so ich ich habe so Vorträge über Altersheim oder Pflege bezogene Fälle, da hat was anderes abgenommen. Da hat die Anzahl der Beschwerden der Angehörigen abgenommen. Wenn die Insekten auf den Wunden, also auf den von dir genannten Druckstellen wahrgenommen haben. Das war früher ein sehr, sehr großes Problem, weil das konnte durch Vernachlässigung passieren, also durch absichtliche oder schlampige Vernachlässigung oder eben auch dadurch, dass die Leute einfach mit Druckstellen gestorben sind, die nicht zu verhindern waren. Das kann man sich heute nicht mehr so vorstellen, aber früher war das so, dass beispielsweise man dann gesagt hat okay, also wir müssen diese Druckstellen verhindern. Die Leute sind aber nicht kooperativ, das heißt, sie werden jetzt einmal pro Stunde aufgeweckt, nachts, und dann drehen wir die, ob die das wollen oder nicht. Und dann hat man irgendwann gesagt Nee, also das Pflege, das geht nicht mehr, das, das ist ja kein Verhalten, wie man sich einer anderen Person gegenüber verhalten soll, dass man die einmal pro Stunde weg das ist ja wie Folter, wenn wenn die Person nicht geweckt werden möchte, dann müssen wir uns was anderes einfallen lassen, wie wir die Druckstellen verhindern. Und bevor das sowohl dieses zwangsweise drehen als auch diese. Von dir genannten Betten und dergleichen eingeführt wurden. Da gab es das, dass man diese Fälle hatte, wo dann sehr, sehr schnell Schmeißfliegen Larven auf den Druckstellen waren, bei den verstorbenen Leuten im Altersheim. Und das hat natürlich massive Beschwerden nach sich gezogen. Aber die Tiere können halt sehr, sehr schnell Eier ablegen und besonders wenn es warm ist und man auf die Angehörigen wartet, die dann Abschied von der Oma, dem Opa oder sonst wem nehmen wollen. Dann haben sich die Larven, dann sind die da schon sichtbar, weil weil die halt sehr schnell schlüpfen aus den Eiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:24<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Das ist jetzt vielleicht noch ein größeres Thema, was wir da obendrauf jetzt legen. Wenn wir über Corona sprechen, dann habe ich mich in Form von zwei verschiedenen Vereinen und sehr stark dafür eingesetzt, dass wir in Deutschland über die Triage reden, also wie letztendlich bei Mangel von Hilfsmittel, Kapazitäten wie Atem, Geräten und oder Krankenbetten intensiv betten, wie da verteilt wird, wer dieses Bett bekommt. Und da gab es ja Empfehlungen von den Intensivmedizin erinnern, wo dann eben viele Menschen mit Behinderungen auch mit Verfassungsbeschwerde dagegen sich gewehrt haben, weil sie gesagt haben, das diskriminiert behinderte Menschen, wo einfach von vornherein davon ausgegangen wird, dass sie keine große Überlebenswahrscheinlichkeit hätten, auch wenn das vielleicht gar nicht stimmt und dann letztlich der Wert des Lebens eben letztendlich einfach anders bewertet wurde. Und was mich wirklich schockiert hat jenseits dieser Triage Frage war die Thematik der sogenannten versteckten Triage und das und das hat wirklich in mir etwas ausgelöst, wo ich dachte Oh mein Gott, wie oft passiert das, wie oft passiert ist das in Pflege oder Altersheim letztendlich? Das Pflegepersonal entscheidet, wer ins Krankenhaus auf das Intensivbett kommt, noch bevor ein Facharzt, der sich damit auskennt, diese Entscheidung trifft. Also diese versteckte Triage scheint viel häufiger vorzukommen und das ist auch kaum erfasst wissenschaftlich erfasst worden. Und das das so salopp in der Pressemitteilung, wo ja die restlichen wurden palliativ versorgt und palliativ versorgt bedeutet, die bleiben im Altersheim und sterben dann dort an Corona. Und das hat wirklich also waren für mich der intensivsten da sagen wir mal Thematiken, die ich in den letzten Jahren für mich erlebt habe, auch wenn ich nicht betroffen war. Kannst du das bestätigen oder mache ich da etwas größer als es vielleicht ist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:53:24<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ich würde es ein bisschen ausweiten, so würde ich eher sagen Also ich glaube, das Problem stellt sich so dar, wie du es geschildert hast. Aber wesentlich, wie soll man sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:53:37<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Nicht nur bei Corona.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:53:38<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, ja, klar. Ja, ja. Also das ist ein größeres Feld, würde ich mal ungefähr sagen, wenn man sich so eine Blumenwiese vorstellt. Also wir haben jetzt über wir haben jetzt über die gelben Blumen auf der Wiese geredet, aber jetzt gibt es noch ganz viele andere Farben, so würde ich das mal sagen. Also wenn du mit also ich, ich arbeite ja auch manchmal mit Pfleger und Pflegerinnen und unterstütze die, dass sie halt bessere Arbeitsbedingungen haben und mehr Geld verdienen. Und so weiter. Aber auch, dass sie mal Ansprechpartner haben, wenn sie was Schlimmes erleben in der Pflege, weil weil dieses Sterben für sie ja auch oft unerwartet ist, für die jüngeren Pfleger und Pflegerinnen, Die machen sich das gar nicht klar, wie viel natürlich logischerweise gestorben wird in Pflege und Krankenhaus und Altersbereich und so und es ist also das ist so eine ganz verrückte Mischung. Es gibt, ich sage mal ein paar Beispiele, einfach um jetzt einfach so ein paar Blumen Farben da noch rein zu streuen in unsere Wiese. Also erstens, es gibt die sehr sozialen und sehr freundlichen und sehr menschenfreundlichen Pflegerinnen und Pfleger, die aus ihrer Sicht auch vielleicht medizinisch und wissenschaftlich richtig einschätzen, dass die Person tatsächlich so schwer krank ist, dass sie das nicht überleben kann, was da jetzt auch immer als Infektion kommt, das könnte auch nur sein, worüber wir vorhin schon geredet haben, oder egal war es, oder eine Lungenentzündung oder so und die dann aus aus einer langjährigen persönlichen Beziehung heraus mit dieser Person, die Sie zum Beispiel in so einem Langzeit Seniorenheim erlebt haben, wissen, dass die jetzt erkrankte Person das eigentlich lieber in diesem jetzt nahezu häuslichen Umfeld lieber versterben würde. Mit starker Morphin Pflastern meinetwegen oder sonst irgendwas, sodass sie da keine Schmerzen haben. Aber die, die wollen nicht mehr gerne auf die Intensivstation, wo auch eine geringe Überlebenswahrscheinlichkeit tatsächlich besteht. Jetzt würdest du natürlich, wenn ich das richtig verstehe, sagen Ja, aber das muss doch ein Arzt oder eine Ärztin entscheiden und nicht der Pfleger oder die Pflegerin. Und da, da muss ich sagen, das kann man so nicht wissen, weil es kann sein, dass ein langjährig persönlich gebundener Pfleger oder eine Pflegerin eine menschlich gesehen richtigere Entscheidung trifft als jetzt der Wissenschaftler oder die Wissenschaftlerin das treffen würde. In dem Fall, weil da, sagen wir mal, wir würden jetzt Wahrscheinlichkeit festlegen, Wir würden sagen Ja, wenn jemand eine 20 Prozentige Überlebenswahrscheinlichkeit hat, kommt er auf die Intensivstation. Wenn wir, wenn wir jetzt anfangen würden mit reagieren oder Wissenschaft oder so was, während der Pfleger oder die Pflegerin würde sagen, ich würde sagen, die Überlebenswahrscheinlichkeit ist fifty fifty. Sogar noch viel besser als aus meiner pflegerischen Erfahrung. Die Person bleibt aber trotzdem jetzt hier zur Palliativpflege. Soweit das jetzt in der pflegerischen Handlungs in dem Handlungsspielraum ist, was ja was ja passieren kann. Also das heißt, das ist sehr, sehr kniffelig und wie du schon gesagt hast, also du hast ja das, also das hast du nicht gesagt, sondern du hast von Wissenschaft geredet. Aber nehmen wir mal an, wir würden das jetzt rein wissenschaftlich angehen, dann besteht darin ja die große Gefahr. Je wissenschaftlicher du das prüfst, umso stärker lieferst du Zahlen für eine wissenschaftlich fundierte Tradierung. Weil wenn der Tag kommt, wo es keine Intensivbetten mehr gibt. Und den Tag haben wir jetzt alle erlebt, je nachdem, wo man auf der Welt war. Während Corona aber einige der zuhören Zuhörerinnen haben das vielleicht mitbekommen, dann stehst du ja so oder so vor der Entscheidung, ob du jetzt jemanden, wen du in das Bett legst oder nicht. Also das hast du dir nicht ausgesucht, Du hast an dem Tag Dienst und jetzt musst du dir überlegen, wen in deinem Bett rein legst. Und in solchen Fällen, das wissen wir aus anderen kulturellen Umgebungen, ist es natürlich jetzt bequem zu sagen Ja, ich habe hier eine wissenschaftliche Studie, ich ich muss es jetzt entscheiden. Das habe ich mir nicht ausgesucht, aber ich bin jetzt der, der es entscheidet. Also nehmen wir jetzt die wissenschaftliche Studie, die sagt bei dieser und jener Vorerkrankungen, Überlebenswahrscheinlichkeit, Altersstufe, Immunsystem, Zustand, Laborwerte. Entscheiden wir das jetzt. Und das ist eine faire Entscheidung. Und wie du ja, ja richtig andeutest, es gibt natürlich keine faire Entscheidung. Es gibt eine volkswirtschaftlich und betriebswirtschaftlich faire Entscheidung. Ja klar, aber ja. Aber menschlich gibt es dann keine richtigen Entscheidungen mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:29<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber es gibt ja Leute, die dann vorschlagen, man könnte ja das Zufallsprinzip anwenden, dass man würfelt. Das wäre für alle Menschen gleich ungerecht oder gerecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:38<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Genau. Genau. Also das ist da sind wir wieder bei dem Punkt, den ich hier schon während des ganzen Podcasts dankenswerter Weise durch deine, durch deine freundlichen und gut vorbereiteten Fragen eben öfter mal anbringen kann. Es ist am Ende eine kulturelle Entscheidung. Also ich muss mir überlegen, wie möchte ich sein, in welcher Gesellschaft möchte ich leben? Wie soll die Welt funktionieren? Und danach entscheiden wir das dann? Ich kann da mal ein Beispiel aus der Vaterschaft Untersuchung sagen. Ich komme ja aus der Zeit, als die Untersuchung einer Vaterschaft noch geklärt wurde durch Gesichtsmerkmale, ob du irgendwann zu einer bestimmten Zeit überhaupt warst und Geschlechtsverkehr haben konntest. Solche Sachen. So wurde das gerichtlich festgelegt. Und dann kam die genetischen Fingerabdrücke und ab da wusste man mit hundert Prozentiger Sicherheit, wer der genetische Vater ist, da brauchte man das andere überhaupt nicht mehr. Und jetzt war das Problem, dass man, wenn man jetzt diese Untersuchungen ins Kriminalistische ausweitet und nicht ins rein Partnerschaftliche, muss man eine andere Mathematik anwenden, weil bei einer Vaterschaft Untersuchung hast du ja nur die Frage Ist dieser Mann der Vater? Ja oder nein? Bei einer kriminalistischen Untersuchung hast du eine Zigarettenkippe vom Fundort oder vom Tatort. Da musst du ja fragen, wer außer der Person, die wir in Verdacht haben, falls wir überhaupt eine Person im Verdacht haben, oder aus dieser Gruppe von Leuten, die wir Verdacht haben, vielleicht 100 Leute, wer kommt sonst noch in Betracht? Und dann hat man damals entschieden bei der Festlegung der mathematischen Formel, deswegen erzähle ich das rechtlich. Es war eine rechtliche Entscheidung, dass wir als Gesellschaft im damals bestehenden Deutschland nicht annehmen wollen, dass jeder Mensch in Deutschland ein Täter oder eine Täterin werden kann. Dann haben wir als Kriminalisten und Kriminalisten gesagt Aber das ist doch totaler Schwachsinn. Wir wissen, dass jeder Mensch Täter oder Täterin werden kann. Das wissen wir aus 5000 Jahren Kriminalgeschichte. Du kannst jeden Menschen an den Punkt bringen, wo er wo eine kriminelle Handlung begeht. Und dann hat man gesetzlich gesagt La la la la la, das ist nicht so! Wir nehmen jetzt als Gesellschaft an, dass die meisten Menschen niemals Täter oder Täterin werden können, wollen, dürfen und sollen. Und dann wurde das in die mathematische Formel mit eingebaut und dann war das so, also da siehst du schon dran. Das Würfeln wäre eine Möglichkeit zu reagieren, wäre eine Möglichkeit. Wissenschaftlich basierte Blutwerte und dergleichen wären eine Möglichkeit. Ignorieren ist eine Möglichkeit. Also du kannst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:59:59<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber in welcher Welt willst du leben? Als Mark Benecke, in der gewürfelt wird oder nicht lebt, nicht alles genau seziert wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:08<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Nein, es ist noch anders. Also dadurch, dass ich in so vielen verschiedenen Ländern arbeite. Also passe ich mich an die Umgebung an, in der ich da lebe. Weil die Gesellschaft besteht aus sehr vielen Menschen und sehr vielen Meinungen. Und diese Meinung, dieses Meinungsbild ist nicht von mir persönlich alleine abhängig. Ich kann dir mal ein Beispiel dazu sagen. Zum Beispiel bin ich in Thüringen gerne und oft und das ist ja das Bundesland, wo du jetzt äußerst konservative bis rechte gesellschaftliche Ausprägungen erleben kannst oder auch in Sachsen. Ich bin zum Beispiel auch sehr gerne in Sachsen und im Laufe der Jahre hat diese Technik, die ich gerade geschildert habe. Ich nehme hin, dass ich in einer gesellschaftlich kulturell politischen Umgebung da arbeite und lebe und sein möchte, wie du gefragt hast. Gerade gegeben ist. Und jetzt kann ich meinen Mikro Spielraum nutzen, um einfach nur vorbildlich zu handeln. Aus. Aus dem, wonach du mich jetzt gerade fragst wie möchte ich sein? Das heißt ich möchte maximale Menschenfreundlichkeit, maximale Offenheit, maximale Ehrlichkeit und dergleichen. Und das mache ich einfach vor. Und das hat dann dazu geführt, dass zum Beispiel in Thüringen zu meiner völligen Verblüffung die Polizei, also eine Polizeigewerkschaft, mich da zum Ehrenmitglied ernannt hat. Ausgerechnet in Thüringen, wo die wissen Also ich bin der tätowierte Liberale, der eigentlich gegen alles steht, was man so der Thüringer Polizei vielleicht nachsagen würde als aus Mensch von außen. Aber so sind die halt gar nicht. Das stimmt halt gar nicht. In Wirklichkeit gibt es da sehr viele demokratische, offene, liberale, freundliche Kräfte. Und das ist, das ist die der der Kraterrand, auf dem ich sein möchte, nämlich vorbildlich handeln in einer Umgebung, die jetzt nicht von mir erschaffen wurde, weil ich habe die Gesellschaft und das Bundesland und Deutschland und Peru und Kolumbien und Vietnam und die Philippinen und Kanada und die USA habe ich nicht erschaffen. Ich bin nicht der ich bin nicht der Boss oder der Babo da, sondern ich kann halt nur meine kleine, meine kleine vorbildliche Handlung durchführen. Das war’s.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:08<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Bist du mit der Einstellung auch nach nach Russland gegangen, um den Schädel von Hitler zu untersuchen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:15<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Nee, da war das sogar noch weniger. Da habe ich überhaupt gar keine. Da habe ich nur gedacht Lass dich mal überraschen, was da passiert. Also, da war ich völlig offen. Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:25<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Warum untersucht man denn den Fehler von Hitler? Was war dein Erkenntnisinteresse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:30<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Also mein Erkenntnisinteresse war zunächst mal, dass ich einfach nur wie ein neugieriges Kind gesagt habe. Ach ja, prima, lass das mal angucken. Der Kollege Prokop, dessen Biografie ich geschrieben habe, das war der Leiter der Rechtsmedizin in Ostberlin. Der hatte dir mal ein paar Fotos angeguckt, und der hatte mir schon so ein paar dunkle Andeutungen gemacht, dass das da immer politische Probleme gibt bei jeder kriminalistischen Untersuchung, die mit irgendwas Politischem zusammenhängt. Und ich habe dann später auch gelernt, wie bitter er dafür bezahlen musste, weil er hat nämlich versucht, sich rauszuhalten. Und das wurde ihm dann aber zum Verhängnis. Ich habe seine Biografie geschrieben. Wenn das interessiert, der kann sich die kostet nicht viel, kann sich das Büchlein kaufen mit ganz vielen Bildern. Aber da war ich also schon ein bisschen vorgewarnt. Und deswegen habe ich mir gedacht Och, das machst du mit kindlicher Neugier, bereitet sich nicht vor, erwartest nichts, trägst da auch gar nichts groß mit rein, außer der Tatsachenfeststellung Halt. Ist das Hitlers Schädel oder nicht? Und als ich dann da war, ist was Überraschendes passiert. Dann sind die Leute vom FSB, also vom vom russischen Geheimdienst gekommen. Und ich hatte auch Unterlagen bekommen vom britischen Geheimdienst und es war ein US amerikanisches Team da, Fernsehteam von National Geographic und die alle zusammen haben dann kamen irgendwann zu getrennten Zeiten zu mir und haben irgendwann gesagt Sag mal, unter uns, ist das jetzt wirklich Hitlers Schädel? Und dann habe ich gesagt Wo, mal langsam, Wenn die Journalisten, die das recherchiert haben, wenn die Geheimdienste und wenn alle Leute jetzt ernsthaft das nicht wissen, dann ist also jetzt tatsächlich mal ausnahmsweise so, dass du auf jeden Fall mit der wissenschaftlichen Messtechnik ganz alleine auf jeden Fall was Sinnvolles bewirken kannst. Das habe ich aber erst vor Ort gemerkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:05<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Was für eine Verantwortung auf dir lastete.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:08<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Genau, aber das wurde, das habe ich erst vor Ort gelernt. Also das würde ich für alle, die jetzt vielleicht gerne wissenschaftlich arbeiten wollen, so wie ich in allen Bereichen der Welt, also kulturellen Bereichen und auch räumlichen Bereichen, denen kann ich nur raten Ihr müsst da in das Wasser springen, was da gerade ist. Anderes Wasser ist da nicht. Es ist halt warm oder kalt oder voller Blutegel oder voller glitzernder Meerjungfrauen, die euch in den Abgrund reißen können. Das erfahrt ihr erst vor Ort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:36<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber, aber ist es jetzt Hitlers Schädel gewesen oder nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:40<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Die Zähne sind auf jeden Fall echt. Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:43<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Man weiß es nicht. Nur die Zähne. Okay, ja, gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:46<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Aber das läuft dann halt ohne Zähne rum und ohne Gebiss und ohne Kiefer. Also daran wird man ihn dann leicht erkennen, dass der untere Teil des Kopfes fehlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:54<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber wie ist das, wenn man keine Ahnung wo? Wo liegt er denn in so einer? In so einem Reagenz der nicht Reagenzglas, in so einem? In so einem Einmachglas?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:08<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Nee, also der die Leiche an sich, der also der. Der Rest der Leiche war ja in Magdeburg begraben. Dann ist ja in den 70er Jahren haben die das hat der KGB damals das ausgegraben und dann zu Asche verbrannt und dann haben die den da an den Flüsschen gestreut. Der war ja vorher schon ziemlich, also so angeschmiert von von weil die dann am Führerbunker da mit Benzin übergossen hatten und ein bisschen angezündet haben. Also dass der da, der ist der Großteil des Körpers weg, aber der, der das Schädel Stück das seitliche Schädel Stück liegt in so einer alten Disketten box. Also früher gab es so Datenspeicher, das waren Disketten und da hat man so eine alte Disketten Box genommen, da liegt das Schädel Stückchen drin und die Zähne liegen in so einem. Ich glaube das ist so eine alte Juwelier Schachtel oder sowas würde ich mal sagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:48<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber einer überwacht von 400 Kilometer äh FSB Geheimdienst Mitarbeiter mit mit Maschinengewehr, oder?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:55<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Nö. Also als wir da waren. Wir waren ja während einer freundlichen Zeit da. Jetzt sind ja keine freundlichen Zeiten mehr. Aber wir als als das da saß unten saß da so ein 18-jähriger Typ, so ein Soldat, der da unten einfach den Eingang so, also der saß da an so einer Sperrholz Theke. Also das war jetzt nicht irgendwie, da waren keine Waffen oder Überwachungskameras oder so, nur du kommst halt sonst auch nicht rein. Du kannst da trotzdem nicht rein latschen, weil ich meine, egal ob der 18 ist oder nicht, der wird, der war auch jetzt nicht durchtrainiert oder so, aber der, der wird schon sagen tschuldigung mal, also sie dürfen hier nicht rein und im FSB selber, Du siehst keine Überwachung, aber ich meine, da kannst du auch nicht einfach rein latschen. Also ich glaube, das muss man sich so vorstellen. Du kannst auch nicht nachts um 3:00 in den Rewe rein latschen, da ist eine Glastür und die Glastür ist zu. Also wenn du nachts um drei einen Rewe willst, musst du halt mit einem Vorschlaghammer die Glastür einschlagen und das wird dann Aufmerksamkeit nach sich ziehen. Aber es ist jetzt nicht so, wie man sich das in einem Krimi vorstellt, dass das irgendwelche Beton Räume sind, die mit riesigen Riegeln verschlossen sind oder Überwachungskameras oder Maschinengewehre, das ist nicht so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:01<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Unser Aufzug ist fast da. Wir werden es auf einen weiteren Teil, wenn du möchtest, gerne erweitern können. Ja, war ja klar, ein ganzer Fragenkomplex noch gar nicht bearbeitet wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:15<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Und dann müssen wir da Teil zwei machen. Das machen wir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:17<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Nein, ich würde die Gelegenheit nutzen, einen Cliffhanger hier einzubauen und mit dir letztendlich eigentlich nur noch eine Frage beantwortet Wollen wissen. Und zwar gibt es eine Organisation, für die du dich engagierst bzw für die sich andere im Bereich engagieren können, die du empfehlen kannst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:38<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Nö, es ist persönlicher Geschmack, also muss jeder selber wissen. Das ist das, was ich vorhin auch meinte. Ich bin nicht der Boss von irgendeinem Land oder von irgendeiner Untersuchung oder von irgendeiner kulturellen Entscheidung. Und deswegen muss jeder selber wissen, ob er oder jede, ob sie sich beteiligen möchte oder nicht. Ich habe da ich habe da keine Hoffnungen, dass Menschen jetzt wirklich auf einen guten Rat hören oder so, Das muss aus den Menschen selber kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:03<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und über Hoffnung und wie wir die Welt noch retten können und ob überhaupt, darüber reden wir dann gerne. Vielleicht im zweiten Teil, wenn du Zeit hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:11<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ja, sehr gerne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:12<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Vielen Dank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:13<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ich danke dir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:14<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wo steigst du jetzt aus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:16<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Haben 250 Etage im Glitzer Labor mit blauem Licht und ganz vielen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und tollem Funding und Einhörnern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:29<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Sehr gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:30<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Jawohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:31<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Dann vielen Dank.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:32<br><em>Dr. Mark Benecke:&nbsp;</em>Ich danke dir. Bis bald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:34<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Auf bald. Ja. Da. Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat. Bewerte diese Folge bei Apple, Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Alle Links zur Folge, sowie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, findet ihr in den Shownotes. Schaut doch gerne mal rein. Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zweimal im Jahr persönlich zu treffen. Im Aufzug ist eine Produktion von Schönheit Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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		<title>Im Aufzug mit Louisa Dellert</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 15:08:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Aufzug Folge 13 &#8211; mit Louisa Dellert! Ich wollte nie Dachdecker werden &#8211; sie stammt aus einer richtigen Dachdecker-Familie. Doch handwerklich, so sagt sie selbst, ist bei ihr Hopfen und Malz verloren. Was Louisa Dellert aber dafür umso besser kann: Mit Menschen über Nachhaltigkeit und Politik auf Augenhöhe sprechen. Auf ihren Social Media Kanälen [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug Folge 13 &#8211; mit Louisa Dellert!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte nie Dachdecker werden &#8211; sie stammt aus einer richtigen Dachdecker-Familie. Doch handwerklich, so sagt sie selbst, ist bei ihr Hopfen und Malz verloren. Was Louisa Dellert aber dafür umso besser kann: Mit Menschen über Nachhaltigkeit und Politik auf Augenhöhe sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf ihren Social Media Kanälen klärt sie über diese Themen auf. Das macht sie so sympathisch und nahbar, dass sie mittlerweile auch beim NDR eine Talkshow namens Deep und Deutlich moderiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie gestaltet sich der Alltag als (Sinn-)fluencerin? Wie haben sich Social-Media-Plattformen in den letzten Jahren entwickelt? Wird der Ton immer rauer?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf für Louisa Dellert!</p>



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<p class="wp-block-paragraph">00:00:01<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wisst ihr noch, wann ihr euer Abi gemacht habt? Meine heutige Gästin weiß es ganz genau, denn sie ist zur letzten Abiturprüfung nicht erschienen. Sie weiß, wie man Dächer deckt. Denn ihr Vater hat einen Dachdecker Betrieb. Mein Buch heißt Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Uns verbindet unter anderem auch, das Louisa Dellert, meine heutige Aufzuggästin Influencerin ist. Inzwischen klärt sich vor allem über Nachhaltigkeit und Politik auf. Angefangen hat sie aber mit Fitness Influencing. Warum sie das nicht mehr macht und wie sie mit Shitstorms im Alltag umgeht, erzählt sie mir im heutigen Aufzug Talk. Tür auf für Luisa Dellert. Die Tür geht auf. Und wer kommt rein? Das kann doch nur die Luisa Dellert sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:02<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Hallöchen!</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:03<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Hallo. Schön, dass du da bist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:05<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich freue mich mega. Wir haben uns ja tatsächlich, glaube ich, noch gar nicht live kennengelernt. Und deswegen umso schöner, dass es mal digital wenigstens klappt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:12<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Und dann auch noch im Aufzug begegnen. Das ist ja etwas, was man auch nicht alle Zeiten tut. Wir kennen uns vor allem über Social Media.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:22<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja tatsächlich schon. Ich seh dich da immer und auf Twitter tatsächlich. Du twitterst ja auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:27<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Genau. Sehr, sehr regelmäßig, sehr fleißig. Aber du ja auch. Wahrscheinlich noch viel regelmäßiger, noch viel fleißiger und noch viel strategischer als ich. Aber dazu kommen wir sicherlich später noch. Wir sitzen ja hier im Aufzug. In welcher Etage steigen wir ein? Und wo musst du nachher raus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:01:46<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Das kann ich mir aussuchen. Wir steigen jetzt in, wir steigen in Etage eins ein, weil ich noch mal ein Stockwerk hochgegangen bin. Und wir steigen ganz oben aus, weil wir da dann aufs Dach kommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:00<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Sehr gut. Hattest du schon ein merkwürdiges Erlebnis im Aufzug oder ein denkwürdiges?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:07<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Hmm, Aufzugs Momente finde ich immer ein bisschen strange. Du kennst das ja wahrscheinlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:10<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Super strange!</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:11<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, total. Weil alles ist dann immer so ruhig. Und wenn du dann mit einer Person da drin bist, mit der du dich unterhältst und alle anderen sagen gar nichts. Es ist auch schon vorgekommen, dass jemand gefurzt hat und ich das dann halt mitbekommen habe. Also so was ist alles schon vorgekommen. Ja. Deswegen also du bist mir natürlich der liebste, der liebste Mitfahrer jetzt hier im Aufzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:31<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Danke das freut mich sehr. Ich habe über dich gelesen und da habe ich mich kurz gefragt Wie funktioniert das? Du hast nach deinem mündlichen Abitur, ne du bist zu deinem mündlichen Abitur nicht erschienen und hast es trotzdem geschafft. Waren die Noten so gut, dass es egal war? Oder hattest du einen Nachtermin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:02:51<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Hm. Schön, dass du das hier aufgreifst. Ich habe mein Abitur Durchschnitts Abschluss ist 3,4. Das heißt, ich habe es wirklich gerade so geschafft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:00<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Mein Durchschnitt ist 2,9. Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:05<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Und ich sage mal so aus uns ist trotzdem was geworden. Ja, ich hatte total Bammel damals vor meiner mündlichen Prüfung, weil ich nicht gerne geredet habe und ich mir dachte Ach, komm auf der anderen Seite, ich meine, du willst eh eine Ausbildung machen und dein Abi brauchst du eh nicht. Und dann bin ich da nicht hingegangen und die anderen Noten waren dann aber so in Ordnung, dass tatsächlich meine Lehrerinnen noch mit mir Erbarmen hatten und ich irgendwie doch auf dieser Abitur Liste dann letztendlich stand und ein Bierchen mit meiner Bio Lehrerin dann auch auf dem Abschlussball getrunken habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:03:39<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Sehr cool. Das heißt wir haben nicht nur ähnlich gute Noten Abschnitte am Ende der Schule, sondern wie kriege ich jetzt diese Kurve? Du hast nämlich deine Ausbildung angefangen in einem väterlichen Betrieb an Dachdecker und Photovoltaik. Und mein Buch heißt Dachdecker wollte ich eh nicht werden. Bist du Dachdeckerin geworden?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:02<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich stand tatsächlich schon sehr oft mit auf Dächern. Ich habe sehr oft mitgearbeitet, auch in den Ferien. Und nicht nur mein Vater, sondern auch meine Oma hat einen Dachdecker Betrieb deswegen, ich komme wirklich aus einer reinen Dachdecker Family und da brauch ich auch nicht gendern, weil tatsächlich hatten wir bisher auch noch keine Dachdeckerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:23<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und es ist doch richtig, wie man das aus dem Kinderbuch kennt mit auf Walz gehen. Und so weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:04:30<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also ich würde, ich würde mal sagen, das wird vielleicht auch immer so ein bisschen romantischer dargestellt, als es ist. Damals, als mein Papa noch jünger war und ich vielleicht gerade mal ein paar Jahre alt war, da gibt es noch Fotos, da sind die wirklich noch mit so einer Kluft aufs Dach gegangen und hatten so eine richtige Dachdecker Kluft an und hatten dann auch ihr Schieferhammer irgendwo in der Innentasche und das sah alles total toll aus. Heute stratzen die da hoch in ihren Klamotten wie sie möchten und was aber damals tatsächlich so war, dass man sich immer am Freitag dann ab mittags dann getroffen hat und sich dann halt zusammengesetzt hat und dann so Handwerker mäßig noch mal eine Bratwurst gegessen hat. Und ich weiß noch, dass ich damals als kleines Kind denen dann auch immer die Bierpullen gebracht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:17<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Mit voller Stolz natürlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:19<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, damals schon. Heute würde ich die nicht mehr hinbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:23<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Natürlich nicht. Aber das heißt, in dir steckt dann schon ein handwerkliches Talent?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:30<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ne. Tatsächlich nicht. Das nimmt man bestimmt an, aber ich glaube, da ist bei mir Hopfen und Malz verloren. Ich gucke mir zwar regelmäßig YouTube Videos an und ich habe auch schon den einen oder anderen Nagel in die Wand gehauen, aber ich habe auch schon ganz viele Sachen einfach total verkackt. Also es ist wirklich so, dass ich mir für handwerkliche Sachen immer noch Hilfe hole.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:05:53<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ich gucke unglaublich gerne HandwerkerInnen Videos, weil ich mir denke ah ist das cool, dass man das kann und wie man das machen würde. Und da habe ich eine Regel gelernt von einem befreundeten Handwerker, der gesagt hat, es ist das Allerwichtigste, dass man das Werkzeug danach wieder da hinlegt, wo man es hergenommen hat. Sonst findet man es nie wieder. Bist du ein ordentlicher Mensch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:15<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, also da habe ich auch immer wirklich Lack zu Hause gekriegt, wenn ich irgendwo die Sachen nicht zurückgelegt habe, bei meinem Papa in die Werkzeugkiste, wo es herkam. Aber ich bin generell ein sehr ordentlicher und sehr minimalistischer Mensch. Also ich mag es, wenig in meiner Wohnung zu haben, weil ich dann das Gefühl habe, dass ich mich auch mit weniger beschäftigen muss und dass so eine so eine Last ist, die von mir abfällt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:06:39<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Mit Minimalismus habe ich mich auch vor ein paar Jahren mal beschäftigt und irgendwie ist es dann ja bei mir dann doch irgendwie eingerissen dieser Ehrgeiz, aber einen ganz tollen Minimalismus Trick, den ich gelernt hatte, war Wenn du unbedingt etwas kaufen willst, dann und du musst darauf hin sparen, dann leg das Geld in den Umschlag und wenn du das Geld zusammen hast, dann öffne diesen Umschlag und sieh dir diesen Betrag an und fragt dich, ob das wirklich brauchst. Und das fand ich eine ganz schöne psychologische Art und Weise, um um noch mal so ein Verhältnis auch zu Geld zu entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:20<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Hast du es aber durchgezogen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:23<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also ich habe es anderthalb Jahre versucht. Ich bin jetzt ganz gut im Ausmisten und Wegschmeißen. Also eher so a la Marie Kondo. Macht es Freude, ja oder nein. Und dann auch noch mal zu überlegen Die Profiteritis. Das kennst du vielleicht auch. Wenn du mit irgendetwas mit einem neuen Hobby anfängst, dann musst du nicht gleich das Profi Werkzeug benutzen, sondern es reicht, wenn du mit Fotografie anfängst. Nimm deine scheiß Handykamera, die du eh noch nie ausgereizt hast und lerne erst mal damit die Basics.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:07:54<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, total. Man hat immer das Gefühl, man muss die neuesten und krassesten Sachen haben, damit man dann irgendwie auch schnell gleich ans Ziel kommt. Aber du hast halt voll recht. Man muss ja erst mal die Basics können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:08:04<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau das ist so wie diese North Face Jacke, die alle kaufen, wenn sie einmal kurz wandern gehen wollen. Aber das waren so die Minimalismus Ausflüge, die ich gemacht habe. Fand ich aber ganz interessant, dass mal zu reflektieren, ob man die Dinge wirklich braucht. Tue sie in die Kiste und wenn du sie nach einem Jahr nicht vermisst hast, kannst sie wegschmeißen. Fand ich super Tipp.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:08:25<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, aber ist es ist auch genau, das ist auch wirklich so. Und ich habe auch jetzt immer noch Sachen, die ich wahrscheinlich schon ganz schön lange nicht mehr benutzt habe. Und ich bin schon aus meinem ganzen Freundeskreis die minimalistischste und will trotzdem noch sagen hier geht noch ein bisschen was. Aber so wie es jetzt ist, fühle ich mich eigentlich ganz wohl.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:08:45<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Du hast gerade erzählt, dass du früher bei deinem Abitur Angst vor der mündlichen Prüfung hattest und vor Leuten sprechen. Das ist ja schon ein harter Entwicklungsschritt, den du jetzt machst, dass du seit zehn Jahren Influencerin geworden bist und dich letztendlich auf Social Media ein Virtuos in allen Kanälen bewegst. War das für dich so eine Art Challenge?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:09:09<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, war es auf jeden Fall. Und ich wollte das ja. Also ich will nur ganz kurz mal erwähnen Ich wollte erst nie, also ich wollte nie Influencerin werden. Ich habe bei meinem Papa gearbeitet und habe mit dem die Photovoltaikanlagen aufs Dach gebaut und habe das geschmissen und nebenbei Sport gemacht. Und damals war das dann einfach so ich wollt abnehmen, habe mich auf dieser Plattform angemeldet und dachte, jetzt zeige ich meinen Freundinnen mal, dass ich richtig abnehmen kann und hol mir ein bisschen Motivation. Und aus irgendeinem Grund war ich damals einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort und dann hat sich das ja so entwickelt. Ich wusste nicht mal, was ein Blogger ist damals. Und ich weiß noch, dass die ersten Male, die ich vor der Kamera stehen musste und was erzählen musste. Ich habe geschwitzt ohne Ende nach drei Sätzen, Die habe ich irgendwie so verkackt, dass ich da irgendwie dann eine Stunde dafür gebraucht habe, das richtig auszusprechen. Also das hat super lange gedauert und es ist auch, glaube ich, ganz normal. Und heute ist es für mich das Einfachste der Welt, würde ich sagen, wenn es Themen sind, über die ich Bescheid weiß und mich da auch sicher fühle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:15<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Hast du noch deine allerersten Posts?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:18<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Nein. Ja, ich hatte mal irgendwann so einen Rappel, dass ich wirklich alles tatsächlich fast gelöscht habe. Ich habe aber auf YouTube, glaube ich, noch so ein paar Videos aus den Anfangszeiten, die ich aber, ich weiß nicht, ich finde es mega cringe, mich vor zehn Jahren zu sehen und mir zuzuhören. Ich ertrage es nicht. Ich finde das, kannst du gut und gerne von dir alte Videos angucken?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:10:41<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Auf keinen Fall Und ich kann auch Gegenwart kann ich nicht. Und was ich auch richtig schlimm finde es gibt Videos von mir, wo ich 14 oder 15 bin und ich bin so ein arrogantes Arschloch. Als Kind, als Teenager, wo ich dachte So, wer ist dieser Typ, der muss da weg vom Fernsehen. Aber das war richtig gruselig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:11:05<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, also ich. Ich fühle es auf jeden Fall komplett. Deswegen werde ich auch unseren Podcast, wenn wir hier unser Gespräch in unserem Aufzug beendet haben, wahrscheinlich nicht noch mal anhören, weil ich höre mir nicht mal, ich höre mir nicht mal eine WhatsApp Nachricht von mir noch mal an! Geht nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:11:20<br><em>Raúl:&nbsp;</em>WhatsApp Nachrichten zu verschicken, das ist auch so anstrengend ist. Also dann ruf mich an, aber WhatsApp Sprachnachrichten. Ich finde das ist für mich ist es übergriffig. Sendest du die lieber oder schreibst du lieber?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:11:33<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also meine Freundinnen wissen, dass sie mir tatsächlich Sprachnachrichten schicken sollen, weil ich habe halt wenig Zeit am Tag auch zu telefonieren. Und zum Glück kann man die ja jetzt auch schon irgendwie schneller abspielen. Das heißt, ich nehme mir dann irgendwie beim Laufen oder wenn ich auf dem Klo bin, Zeit, um mir das dann anzuhören. Also das, wo ich es ein bisschen übergriffig finde und auch verstehe, dass andere das nicht cool finden, wenn ich das gemacht habe, ist auf Instagram. Ich finde auf Instagram, was, heißt übergriffig ist vielleicht auch das falsche Wort. Ich finde es ein bisschen schade oder anmaßend zu glauben, dass wenn man mir irgendwie fünf Minuten Sprachnachrichten da schickt, dass ich die dann auch wirklich immer alle sofort abhören kann. Dafür fehlt mir einfach die Kapazität. Dafür fehlt mir voll die Kapazität. Und das mache ich nicht, weil es mich nicht interessiert, sondern bei Instagram ist es eher so okay, dann kann ich einmal kurz durchleuchten, was steht in der Nachricht? Brauche jemand Hilfe? Hat jemand ein Anliegen oder möchte einfach nur sagen, dass ich scheiße bin? Dementsprechend kann ich das dann irgendwie aussortieren. Aber bei einer Sprachnachricht ist es halt nicht so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:35<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Bald soll es ja die Funktion geben, dass das transkribiert wird, automatisch. Darauf freue ich mich auf die Funktion voll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:12:42<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Sehr gut und sehr wichtig und hätte ja schon viel, viel länger auch letztendlich da sein sollen. Ich weiß gar nicht, wie ist es bei Bei Videos ist es ja schon so auf Instagram, dass du da inzwischen ja den automatischen Untertitel auch eingeben kannst. Aber in der Reel Funktion ist es da auch so?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:13:00<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Da glaube ich noch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:13:01<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Nein, da ist es nämlich auch noch nicht. Genau. Das wäre halt auch schön, wenn so was einfach schneller geht oder halt dementsprechend direkt mitgedacht wird. Wenn es ein neues Tool gibt, man sich die Frage stellt Können das jetzt auch alle benutzen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:13:14<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, aber ich finde das halt so krass. Man entwickelt dann auch so ein so ein Spezialwissen. Ich meine, wenn ich meiner Oma erzähle, dass es bei Instagram in der Reel Funktion keine Untertitel Buttons gibt und dann zeigt di mir auch einen Vogel. Man eignet sich auch so einen Spezialwissen an, wo ich nicht sicher bin, ob man in zwei Jahren das noch braucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:13:35<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Das wäre es, wäre ja schön, wenn man das nicht mehr braucht, oder? Das wäre schön, weil dann würde es ja bedeuten, dass es automatisch funktionieren würde. Und ich glaube, du und ich, wenn ich das jetzt mal so behaupten darf, folgen ja vielleicht schon derselben Gruppe Menschen auf Instagram. Das heißt, wir haben ja da so unsere Themen und bestimmt auch so einige Aktivistinnen. Und nur durch diese Menschen habe ich zum Teil überhaupt für mich so verinnerlichen können, dass ich immer noch mal hinterfrage Ist das gerade barrierefrei? Kann das vielleicht eine Person gerade dementsprechend nicht konsumieren? Also die Fragen stelle ich mir, das habe ich damals nie gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:13<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also man lernt dazu. Ich auch bis heute. Das ist nie fertig, glaube ich. Ich finde es auch manchmal ein bisschen herausfordernd, weil das ja dann doch am Ende zumindest bei mir eine One Man Show ist und ich wenig Unterstützung habe. Also inzwischen schon ein bisschen, aber nicht so viel wie vielleicht Influencer in deiner Größe oder jetzt zu sehr ins Detail zu gehen. Wie organisierst du das? Machst du das alles selbst oder hast du eine Redaktionsplanung, Sitzung, Team?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:14:42<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also für mein Podcast habe ich Hilfe für alles, was ich auf Instagram sonst mache an Videos. Heute war ich zum Beispiel unterwegs, habe Videos gedreht, habe Interviews geführt. Das mache ich alleine. Bzw. Habe ich jetzt inzwischen immer mal Hilfe, dass mir der Luis einfach hilft, um zu filmen. Aber alles was das Schneiden angeht Untertitel, Captions und und und Nachrichten beantworten Community Management das mache ich alles alleine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:10<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Oh, das ist aber auch ein Vollzeitjob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:12<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Es ist richtig und das tut mir auch mental gar nicht mehr so gut, weil du kannst dir vorstellen, je größer man wird und je öfter man auch in der in der Öffentlichkeit steht, desto mehr gemeine Nachrichten kommen auch zum Teil rein. Und ich habe einfach für mich festgestellt, das letzte halbe Jahr, dass das mental ziemlich beschissen rein kickt, wenn man selber immer lesen muss, wie scheiße man doch ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:37<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Du bist jetzt seit fast zehn Jahren Influencerin. Wie hat sich denn Social Media seitdem für dich insgesamt verändert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:15:44<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also damals, als ich angefangen habe, war es ja für mich so der Bereich Fitness. Da gab es halt viele Fotos. Du hast dich irgendwie motiviert, hast tolle, tolle, tolle Sachen gezeigt. Ich habe mein Sixpack gezeigt, wenn ich im Urlaub war. Die letzten Jahre ist Instagram bzw generell Social Media viel politischer geworden. Viel gesellschaftskritischer. Das finde ich auf der einen Seite gut und auf der anderen Seite finde ich merkt man aber auch besonders seit Corona, wie viel Frust da abgeladen wird, dass man, man schafft es einfach nicht mehr, dass die Leute noch miteinander reden. Jeder ist sein eigener Pressesprecher und jede Person weiß am besten, wie jetzt was zu deuten ist. Und das ist echt schwierig, weil ich finde, dass oft Gespräche nicht mehr stattfinden. Und das halte ich für eine gefährliche Entwicklung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:38<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Was glaubst du, ist da der größere Einfluss? Ist der große Einfluss, dass wir einfach größere Reichweiten generieren? Also ich habe jetzt knapp 100.000 Follower auf Instagram. Du bist weitaus größer. Kriegt man dadurch einfach mehr ab oder hat sich auch die Kultur verändert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:16:56<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also ich glaube mal erst mal, dass Influencer per se schon mal und dann auch Frauen mehr abbekommen als andere Personen in der Öffentlichkeit als zum Beispiel Schauspieler. Das merke ich einfach. Und dieser Hass, der lädt sich irgendwie so auf, dass da so voll viel Frust dahinter steckt und gar nicht mehr so richtig unterschieden wird. Okay, was macht die Person jetzt eigentlich? Und deswegen weiß ich gar nicht, ob es jetzt nur an der Reichweite liegt. Aber ja, ich würde schon sagen, mehr Reichweite bedeutet ja auch mehr Aufmerksamkeit und mehr Aufmerksamkeit bedeutet mehr Leute gucken dir zu. Und das wiederum kann natürlich auch bedeuten, was ja auch legitim ist, dass auch da Leute zugucken, die dich nicht so cool finden. Nur ist halt die Frage Kann man, muss man das überhaupt immer sagen oder. Also weißt du, wenn wir beide jetzt auf einer Party sind, wir steigen jetzt oben irgendwie auf dem Dach aus und da ist eine Party und da sind mega viele Leute und wir unterhalten uns mit den Leuten. Dann denke ich mir doch, wenn ich eine Person nicht sympathisch finde, komm, dann gehe ich mal zur nächsten Person und quatsch da einfach weiter. Sagt noch Tschüss, schönen Abend und sag doch nicht der Person, die ich nicht kenne Ey weiß du was, ich find dich richtig beschissen. Du bist eine Fotze oder Du bist ein Stück Scheiße und ich finde dich so kacke mit dem, was du machst. Ich will nicht mehr mit dir reden und dann gehst du weiter. Also, man, du weißt, was ich meine. Also, man macht es doch auch nicht im Leben ohne Internet. Und dann verstehe ich immer nicht, warum man das im Internet so machen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:18:28<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ist das das anstrengendste in deiner Arbeit?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:18:30<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ähm, geht so und da würde ich gerne mal auch wissen, wie es bei dir so ist und wie es dir damit geht. Bei meiner Arbeit ist es erst mal immer voll gut, dass ich auch andere Aktivistinnen und andere Influencer kennenlerne, die wichtige Arbeit leisten, weil nur so kann ich mich selbst auch reflektieren und verstehe auch, dass ich bestimmt noch lange nicht da bin, wo ich vielleicht sein sollte mit all meinem Tun und Machen. Aber mir geht es tierisch auf die Nerven, dass in der in der wie soll ich sagen eher linkeren Bubble ständig Leute out-gecalled werden, wenn sie probieren, was richtig zu machen, aber es nicht 100 % richtig machen. Und das ist, das es das macht, für mich ist das super ermüdend, weil ich mir denke Leute, redet doch mit mir. Euer Ansatz muss es doch sein, dass wir miteinander sprechen und nicht, dass wir jetzt hier diese Aufmerksamkeitsökonomie durchgehen und ihr Leute in die Story verlinkt, damit ihr da einmal eure, euren Frust und eure Hassrede ablassen könnt und dann aber eure Leute noch auf die Seite der Person gehen, die da out-gecalled wurde. Also weißt du, wo ich darauf hinauswill? Das ist das, was ich anstrengt finde und schade finde, weil ich glaube, dass viele Themen in der linken Bubble besprochen werden müssen und richtig sind. Aber wie sie das tun, kann ich aus einer Perspektive verstehen, weil sie einfach auch langsam genervt davon sind, dass ich vielleicht nicht so viel so schnell ändert. Auf der anderen Seite denke ich Leute, ihr werdet nie mein Vater oder keine Ahnung Rainer von nebenan vom Dorf damit erreichen, wenn ihr die Art und Weise angeht, um Dinge verändern zu wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:13<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, ich beobachte das auch mit großer Sorge und bekomme das auch ab, wenn wir ehrlich sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:20<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Du bekommst es auch ab? Das hätte ich garnicht gedacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:20:25<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja klar. Man ist ja nie woke genug. Das geht immer nach oben. Und ich glaube, ich schaue mir das schon an und habe mir auf jeden Fall abgewöhnt, darauf zu reagieren im Sinne von Du hast mich missverstanden oder so, so war das nicht gemeint, sondern ich lass dann mal 24 48 Stunden auch für mich Zeit, um darüber nachzudenken, ob da wirklich was dran ist. Also ich meine, wir kennen das ja, wenn wir mal ertappt wurden. Man fühlt sich auch ertappt, man will es ja nicht falsch machen, bewusst. Und dann schaue ich mir noch mal die Kritik an und überlegt dann Wie wurde sie mir eigentlich zugetragen? Wurde ich da öffentlich an den Pranger gestellt oder hat man mir eine DM geschickt? Und dann versuche ich da entweder eine Strategie mir zu überlegen. Also ich habe inzwischen Sensitivity Reading als Routine. Bevor ich etwas poste, wird da noch mal mit Sensitivity Reading drüber gegangen, wo dann Leute mir von außen helfen zu gucken, ob ich aus Versehen irgendein Fehler gemacht habe. Aber das findet eben alles hinter den Kulissen statt. Es wird nicht öffentlich zur Schau getragen. Und dann, finde ich, glaube ich, kann man mich verantwortlich machen, wenn ich den Fehler wiederhole. Aber beim ersten Mal finde ich es auch schwierig. Damit fahre ich jetzt seit einem Jahr ganz okay, aber wenn ich jetzt noch kritisiert werde, das tut dann richtig weh. Weil ich gebe richtig viel Geld aus für Sensitivity Reading, für Format Entwicklung, Recherchen und so und das ist Geld, das sehen die Leute ja nicht. Das ist ja bei dir wahrscheinlich ähnlich. Du verdienst ja nicht nur Geld, sondern du investierst ja auch Geld. Und das ist, Inhalte zu produzieren ist manchmal gar nicht so nebenbei gemacht. Und ich finde auch, dass man unterscheiden muss, ob man eine Marke wie wie Netflix oder Adidas kritisiert oder eine Privatperson.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:27<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Sehe ich genauso. Tatsächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:29<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Da glaube ich, muss man noch mal genauer hinschauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:31<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Darf ich dich mal fragen, wie es dir aber dann geht? Also Du wirst jetzt, wenn du öffentlich, also hinter den Kulissen was heißt beschissen? Also ist es dann wirklich so, dass das voll dein Alltag dann auch beeinträchtigt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:22:44<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, voll. Es ist auch so, dass ich dann erst mal bei Freunden, bei Leuten, denen ich vertraue, noch mal eine zweite und dritte Meinung einholen. Es geht super viel Zeit drauf, das zu besprechen und zu diskutieren. Und ich habe da natürlich, je nachdem, ob ich die Kritik berechtigt oder unberechtigt finde, entweder Wut oder ich bin einfach traurig, weil ich einen Fehler gemacht habe und weiß dann nicht genau, wie ich mich entschuldigen kann, weil auch das Entschuldigen ist oft nie Entschuldigung genug. Also ich finde es zum Beispiel problematisch, wenn Leute mir vorschreiben, wie ich mich zu entschuldigen habe. Das fühlt sich manchmal nicht gut an, also am besten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:23:25<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Da gibt es also Unterschiede. Aber da gibt es ja, was ich gelernt habe und was ich auch einsehe, ist zum Beispiel es gibt ja die Unterscheidung zwischen Es tut mir leid, wenn ich dich verletzt habe und es tut mir leid, dass ich dich verletzt habe und das wusste ich zum Beispiel damals, dass das Ich hatte das nicht auf dem Schirm. Ich war da einfach nicht sensibel genug. Und dann habe ich mich mal für etwas entschuldigt und habe geschrieben Ey Leute, wenn ich damit jemand verletzt habe, dann tut mir das wirklich leid, das wollte ich nicht und das meinte ich aus dem Herzen so, ja. Und dann habe ich dafür aber auch wieder einen auf den Deckel gekriegt, weil ich geschrieben habe wenn. Und da meinten die Leute Alter Louisa, es geht hier nicht darum, wenn du jemanden verletzt hast, sondern du hast jemanden verletzt. Man muss halt schreiben, dass du jemand verletzt hast. Und das habe ich dann auch gelernt. Aber mir wurde das so respektlos irgendwie zugetragen, dass ich mir denke, man sag es mir doch normal und dann danke ich dir auch dafür, dass du mir das sagst. Und ich verspreche, ich gebe mein Bestes, das in Zukunft anders zu machen. Aber lass doch mal auf Augenhöhe miteinander reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:24:28<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Und ich glaube, das ist jetzt eine Theorie, die ich schon öfter gelesen habe und ich bin noch nicht ganz sicher, ob ich dem zustimme oder nicht. Diese Kritik an Leuten, die eigentlich aus der eigenen Reihe kommen, die ist natürlich leichter zum Erfolg zu führen. Also, dass du dich entschuldigst, dass du was dazu machst, dass du was postest und dieses Erfolgsgefühl, dass die Person, die dich kritisiert hat, das #erfolgsgefühl hat, dass du reagierst. Dieses Erfolgsgefühl gibt es nicht mehr, wenn du einen Nazi kritisierst. Der Nazi, der wird nur zurückschlagen. Und das heißt, es geht, das ist ja nur die Theorie um das Gefühl des Erfolgs und das Gefühl der Selbstwirksamkeit der Person, die dich kritisiert, genauso oder ähnlich stark, wie dass es wirklich um die Sache geht. Und das fand ich eine interessante Theorie. Die, über die ich immer noch nachdenke. Was nicht heißt, dass Leute, die einen kritisieren, immer Unrecht haben, sondern es einfach nur heißt, dass das auch was mit denen macht, wenn sie die Belohnung bekommen, dass du dich entschuldigst, eine Millionenschwere Influencerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:25:43<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Hmmm, ja, stimmt schon, es ist ja auch, also ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mich zu entschuldigen für Fehler, das ist für mich total in Ordnung und wichtig. Ich konnte das früher nicht. Früher konnte ich überhaupt nicht gut mit Kritik umgehen und konnte mich auch nicht gut entschuldigen. Das habe ich tatsächlich über die letzten Jahre, die ich hier auch auf Instagram auch tolle Gespräche führen durfte und konstruktive Gespräche. Das habe ich gelernt, aber früher konnte ich das überhaupt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:11<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, ich glaube, wir lernen alle dazu immer. Aber ich fand das einen interessanten Gedankengang, weil das auch für uns ja Neuland ist. Ich habe, es gibt ja niemanden, der das vor uns mal so versucht hat oder so gemacht hat und wir vielleicht dann in der Hinsicht auch wenig Leute haben, die wir um Rat fragen können. Wie gehst du in so einer Situation um? Ich will kein Mitleid. Also das ist schon, wir sind ja auch privilegiert, aber auch wir machen Dinge zum Ersten Mal.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:26:42<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Dass zum Beispiel auch so was ich inzwischen ich sage das vor jedem Satz extra nochmal dazu, dass ich weiß, dass ich weiß bin und privilegiert bin. Und mir hat letztens mal jemand gesagt Lou, es ist gut, dass du das weißt und das ist auch wichtig. Und so müssen wir alle denken. Und es ist auch gut, das mal zu erwähnen. Aber du sagst es in jedem Interview und vor jedem Satz, als würdest du dich dafür rechtfertigen, jetzt noch etwas hinterher zu sagen. Und das hat mich so ein bisschen zum Nachdenken gebracht, weil ich, also was sagst du dazu? Wo ist da die Balance?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:27:18<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wahrscheinlich hängt das auch so ein bisschen vom Gesprächspartner ab oder der Gesprächssituation. Ich glaube, wenn also man sieht ja, dass du weiß bist und man sieht, weiß, dass du eine Influencerin bist, aber du bist halt trotzdem eine Frau und wirst vielleicht in der Gesellschaft anders diskriminiert als weiße Männer, die Influencer sind, sodass das sicherlich nicht jedes Mal erwähnt werden muss. Das mache ich ja auch nicht, aber ich versuche schon, das immer dann im Kontext zu erwähnen, wenn ich entweder anfange meine eigene Diskriminierungs Blase zu verlassen. Also wenn ich nicht nur über Behinderung spreche, sondern dann vielleicht über People of Colour oder so, das ich dann vorweg schicke. Aber eigentlich sollte ich darüber nicht sprechen, sondern es sind vielleicht andere Menschen, die das besser können. Und mir ist auch klar, dass ich als Mann selbst mit Behinderung gesellschaftlich mehr Privilegien habe als als Frau mit Behinderung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:28:16<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Wie ist es denn in eurer aktivistischen oder ich sage mal jetzt also in der in der Bubble, wenn es um das Thema Inklusion oder auch Behinderung geht, da seid ihr ja auch ihr, damit meine ich auch andere Aktivistinnen sehr präsent und das ist ja auch gut. Aber seid ihr euch sozusagen da auch immer bei eurem Thema und Aktivismus einig oder gibt es da dann auch Unterschiede?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:28:38<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also da gibt es natürlich auch Unterschiede. Ich glaube es gibt jetzt relativ wenig hundert Prozentige Meinungsverschiedenheiten, sondern da geht es dann oft so um die Frage Darfst du als behinderter Mensch eigentlich sagen, dass du leidest? Oder könnte das andere vielleicht so empfinden, dass du letztendlich die ganze Arbeit, die sie leisten, die sagen, es geht hier nicht um Leid, wieder mit dem Hintern einreißt. Aber es gibt ja Menschen mit Behinderung, die leiden zum Beispiel. Das kann man ja nicht ganz wegmachen. Dann die Frage Bist du behindert oder wirst du behindert? Da gibt es ja auch so Debatten drum. Es ist sicherlich beides. Es gibt Menschen, die aber auch ihre Behinderung als Problem sehen und nicht unbedingt die Barrieren. Und das immer zu ignorieren finde ich auch gefährlich. Ich glaube, dass es vielleicht auch Programme geben muss und Prozesse geben muss, wo wir auch behinderte Menschen mitnehmen in diese Diskurse und Debatten und sie nicht auch out callen, wenn sie mal aus Versehen was falsch sagen. Genau. Da wünsche ich mir auch ein bisschen mehr Achtsamkeit und weniger, also zumindest nicht öffentlich an den Pranger stellen. Es gibt ja auch Influencer mit Behinderung, die dafür auch viel Kritik ernten. Wo ich denke so, ja, er hat es eigentlich auch wissen können. Oder sie. Tut es jetzt aber zum wiederholten Male falsch machen und ich würde ihn trotzdem nicht öffentlich an den Pranger stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:16<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Aber weißt du, was mich da interessiert? Inwiefern, ich meine, du hast ja gesagt, die einen fühlen sich oder sagen, sie werden behindert. Die einen sagen sie, sie sind behindert. Wie definiert man denn da jetzt den Konsens? Also ich kann ja niemandem seine Gefühle oder seine Art und Weise, wie er sich artikuliert und selbst beschreibt, absprechen. Also wo ist denn da dann der Konsens, was gesagt werden darf und was nicht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:30:46<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau da, wo der Konsens ist, dass wir es nicht wissen, wenn wir ihn nicht im Kopf, Körper oder Kopf des anderen stecken und dann wahrscheinlich fragt Wie erlebst du das für dich? Anstatt jetzt zu sagen Ja, aber man darf ja nicht behindert sein, sondern behindert werden sagen und also ich bin manchmal auch ganz schön am Rudern, gebe ich zu, ja. Aber ich glaube, dieses meine Welt ist meine Welt, Deine Welt ist deine Welt. Ich kann nicht urteilen, wie du fühlst. Aber wir können darüber reden, ob es nicht auch so sein könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:31:22<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich finde es halt ein bisschen schwierig. Als nichtbetroffene Person möchte ich ja auch irgendwie Unterstützerin sein und alles richtig machen und niemand vor die Füße treten. Und denke mir dann aber gleichzeitig, wenn manchmal in einem Aktivismus Teil sich die Leute untereinander nicht einig sind, die von etwas betroffen sind. Wie kann ich denn darüber reden, ohne überhaupt jemanden auf die Füße zu treten? Das funktioniert ja letztendlich gar nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:31:50<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Total. Wir sind mitten drin, wir sind mitten drin in dieser Klärung dieser Konflikte. Aber ich meine, Männer können ja auch über Frauen reden. Vielleicht haben wir es gesellschaftlich gelernt. Aber auch nicht jeder Mann kann über Frauen reden. Zum Beispiel Mario Barth. Also das ist dann schon auch, wahrscheinlich wird immer ein Konflikt bleiben. Aber ich finde, und da muss ich auch zugeben, habe ich eine Menge gelernt aus der Black Lives Matter Bewegung zum Beispiel. Relativ spät auch wenn wir ehrlich sind, was ich da gelernt habe, dass es auch nicht mehr die Aufgabe der Betroffenen ist, ständig zu erklären. Also es wurde schon super viel gesagt und ins Internet rein gebrüllt und geschrieben. Man kann jetzt auch von den nichtbehinderten Menschen genauso wie von Männern oder Weißen verlangen, dass sie sich im Vorfeld informieren und dass man keine Ahnung bei Germany’s Next Topmodel einfach die Frauen, die dort mitmachen, nicht Mädchen nennen sollte. Das ist einfach nicht okay. Ja, und ich habe den Eindruck, dass sagen Sie jetzt auch weniger, aber nur mal so ein Beispiel zu nennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:32:57<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, ja, es ist spannend. Also wenn du sagst, wir sind da gerade mitten drin, das fühle ich halt auch total. Es wäre schön, wenn man irgendwann halt mittendrin dann auch diesen Konsens findet und es halt einfach aufhört, sich dann immer wieder gegenseitig an den Pranger zu stellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:33:14<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wenn du jetzt mit Fitness angefangen hast, auf Social Media, wie leicht oder wie schwer war es denn, das Thema zu wechseln?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:33:25<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Das war erst mal gar nicht schwer, weil Thema wechseln heißt einfach. Also was viele immer so ein bisschen denken, ist Okay, du hast jetzt so ein Thema im Internet, also stecken wir sie auch mal in die Schublade. Aber im Grunde wollte ich von Anfang an immer nur Lou sein und das bin ich auch zu 100 % geblieben. Das heißt, als ich aufgehört habe, viel Fitness zu machen, hatte das halt ein Grund. Das war meine Herz OP damals und ich konnte dann einfach nicht mehr Sport weitermachen. Und ich habe ja mein Leben einfach oder teile ja mein Leben irgendwo im Internet und habe dann halt die Leute auf dem Weg mitgenommen zu akzeptieren, dass ich eben nicht mehr jeden Tag dreimal Sport machen kann und dass ich auch ohne Sixpack total in Ordnung bin. Und das war dann so diese Übergangsphase. Und irgendwann kam halt das Thema Nachhaltigkeit im Urlaub bei mir privat dazu. Da gab es noch keine Greta. Also doch, da gab es die schon. Aber da war Greta Thunberg noch nicht irgendwie aktiv, da war Fridays for Future noch nicht aktiv. Und das habe ich dann natürlich auch auf Instagram gezeigt, weil ich es in meinem Privatleben gemacht habe. Und deswegen finde ich es voll schwierig zu sagen, ich stehe halt für ein Thema oder so, weil es immer Lou und Lou interessiert sich halt für viele Sachen und die möchte ich halt gerne im Internet einfach besprechen mit den Leuten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:34:39<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wie privat muss man denn sein? Seit kurzem gibt es ja auch deinen Freund, der ab und zu mal auftaucht, wie ich gesehen habe mit einem witzigen Titel. Der heiß nämlich Ehrlich mit Nachnamen. Ja, und auf Instagram heißt er glaube ich maehrlichjetzt Ja, und das fand ich einen witzigen Wortwitz. Aber wie ist es, würdest du sagen, er ist jetzt auch Influencer oder teilt ihr, also wie privat ist gut und wie und privat soll das sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:35:08<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also äh, der Markus macht sich schon manchmal darüber lustig, wenn er auch was postet und dann so sein Möchtegern Influencer Gehabe da raushängen lässt. Und er hat mich ja auch so kennengelernt und also ich würde mal so sagen, ich hatte damals lange einen Freund, der auch dann angefangen hat Influencer zu werden, auch ein Fitness Influencer. Und wir haben damals nur noch für das Außen wirken gelebt zusammen. Also weißt du was ich meine? Wir waren dann irgendwie wir sind ins Bett gegangen und haben für Instagram uns noch mal einen Kuss gegeben. Wir waren am Spazierengehen und haben den Sonnenuntergang angeguckt. Den haben wir nicht genossen, sondern für Instagram noch mal ein Pärchen Bild gemacht. Und wenn das nicht geklappt hat, dann haben wir es noch zehn Mal wiederholt und das habe ich halt, als wir dann gemerkt haben, okay, diese Beziehung geht auch einfach nicht mehr. Das habe ich halt voll für mich hinterfragt und das ist etwas, was ich nicht noch mal machen würde. Das heißt Markus muss mit mir kein Sonnenuntergangs Foto machen und wir küssen uns auch nicht zum ins Bett gehen. Aber klar, wenn wir im Urlaub sind oder mal was witziges zu erzählen haben oder wir haben jetzt letztens eine Podcastfolge zusammen aufgenommen und was zu bequatschen haben, dann machen wir das. Aber es gibt doch einfach Wochen, da zeigen wir nicht, was wir gerade in unserem Alltag machen. Und ich glaube, diese Distanz, die ich mir wieder ein bisschen aufgebaut habe, ist einfach wichtig und tut mir gut und unserer Beziehung auch gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:36:38<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Na klar. Also ich kann mir das auch vorstellen. Ich habe auch andere InfluencerInnen, denen ich natürlich folge und ich finde es manchmal auch ein bisschen cringey, ehrlich gesagt. Wenn man dann so bestimmte Dinge sieht und erfährt und sich fragt Wie oft habt ihr diese Szene wohl gedreht? Und wenn dann Leute keine Ahnung, den ganzen Urlaub ständig posten, dann weiß ich nicht, wie viel Urlaub die wirklich hatten. Ja und ich erwische mich aber auch selbst dabei, wie ich denke Oh, lass mal da lang gehen, da können wir ein geiles Instagram Foto machen, wo ich denke so ah, das ist schon hart übergriffig auch in meinem Privatleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:37:16<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, fühle ich komplett. Also wir waren jetzt Anfang des Jahres für eine Woche in Südtirol und da habe ich Markus wirklich gesagt, alles klar, ich packe mein Handy, also mein, mein Social Media packe ich vom Handy runter und ich mache wirklich eine Woche nichts. Und natürlich haben wir trotzdem mal ein Foto zusammen gemacht. Aber das ist nicht sofort auf Instagram gelandet, sondern wir haben es in dem Moment gemacht, weil wir eine Erinnerung haben wollten. Und nach dieser Woche habe ich entschieden okay, zeige ich noch mal was und wenn, was zeige ich? Und ich glaube, man sollte jetzt nicht irgendwie kritisieren, dass Leute im Urlaub Fotos machen oder das auch posten wollen. Ich glaube einfach, der eigene Konsum damit und wie man damit umgeht, nämlich, dass ich nicht irgendwie, wenn ich gerade Skifahren bin oder oder im Schnee einen Schneemann oder eine Schneefrau baue, dann sage Leute, hier guckt mal, der Schneemann, richtig cool, wir machen den grad, sondern da macht man halt mal ein Foto und dann kann man das irgendwann eine Woche später auch noch mal zeigen, sodass diese Momente, die man hat, nicht so zerstört werden. Von Ich muss es noch posten und einen Hashtag da drunter knallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:38:23<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also Hashtags stressen mich auch so krass und ich habe auch ich habe auch gesagt, also wenn ich was poste, ja, dann gibt es einen Versuch, also ein Versuch dieses Foto zu machen. Aber ich will jetzt nicht 100 davon machen und das Beste davon raussuchen müssen, weil ich finde das ist doch auch authentisch. Dann ist es halt Finger im Bild oder aus Versehen schief oder so, aber das ist halt mein Leben und ich bin auch kein Fotograf. Und habe auch nicht die Geduld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:38:52<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ein Versuch ist mutig. Respekt an dich, finde ich gut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:38:56<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber ich poste auch relativ wenig Fotos. Also da kannst mal sehen wie schlecht der Ausschuss ist. Aber so diese ich ich bin einfach, ich finde dieses Fotografieren irgendwie lästig und ich wollte unbedingt mit dir über Tiktok reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:09<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Oh Gott.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:09<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau! Genau das Ding. Tiktok ist das ganze Jahr exponentiell auf Speed. Also, du musst ja nicht nur ein Foto machen, Du musst ein Video machen und das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:22<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Du bist da ja voll, du bist da ja voll dabei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:24<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ja, aber weißt du, was wir gemacht haben? Das verrate ich eigentlich nicht. Aber wir haben an einem Tag 40 Videos gedreht und dann jede Woche eins raus geballert. Und dann war bis Ende des Jahres so, bis Ende des Jahres war Ruhe auf meinem Kanal. Ich musste mich damit nicht beschäftigt, ich habe einen Tag acht Stunden Videos gemacht und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:43<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Das ist krass.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:44<br><em>Raúl:&nbsp;</em>So, aber nur so konnte ich es für mich auch akzeptieren. Aber wenn es jetzt heißt Raul, wir brauchen mal wieder ein Tiktok Video, dann denke ich so Oh nee, muss das sein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:39:53<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich verstehe es total und ich frag mich halt, muss man auch letztendlich wieder alles mitnehmen? Klar, wenn man halt ja, wenn man irgendwie das auch weiter verfolgen will und Reichweite aufbauen will. Bestimmt. Ich habe es auch. Oder ich probiere es immer mal wieder so in Tiktok rein zu gucken und auch mal einen Tiktok zu machen. Aber ich merke einfach, dass mir dann die Zeit, die ich im Podcast höre und spazieren gehe hier in meiner Berliner Hood hier, dass sie mir dann wichtiger ist. Und ich bleibe so hängen auf dieser App. Und ich finde den Umgang miteinander auf dieser App ganz schlimm. Ich finde, da werden auch ganz viele Inhalte gezeigt, bei dem ich denke Leute, geht’s eigentlich noch? Und von daher die App setzt mich einfach noch mehr unter Druck.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:40:36<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber selbst, welche Plattform hast du aufgegeben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:40:39<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Twitter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:40:40<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Twitter? Ah, okay. Und machst du noch Facebook?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:40:44<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Nee, Facebook gar nicht da. Da gibt es einen Account von mir, aber da ist schon seit was weiß ich. Mit Facebook habe ich ganz früh aufgehört.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:40:52<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber hast du dich dann verabschiedet oder einfach aufgehört?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:40:55<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich habe einfach aufgehört. Das war so, das ist irgendwie weggefallen. So, das war mir auch nie wichtig, muss ich sagen, Facebook. Und LinkedIn ist finde ich halt super, weil der Umgang da miteinander, der Ton einfach noch ein sehr respektvoller ist und man tauscht sich aus. Man kann auch mal konstruktiv kritisieren, man hilft sich Netzwerk aufbauen. Da bin ich sehr gerne unterwegs, weil das ja auch im Großen und Ganzen die Leute sind, die ich erreichen will. Weil Hebel können oft umgelegt werden bei den großen Unternehmen, besonders im Bereich Nachhaltigkeit zum Beispiel. Und ja, mit Twitter habe ich aufgehört, weil ich finde Twitter das aller toxischste und schlimmste Medium.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:41:37<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber es geht am schnellsten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:41:39<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Es geht am schnellsten. Aber diese Plattform ist für mich, also du brauchst einfach nur eine Stunde zugucken und siehst sofort, dass Menschen mit Absicht etwas falsch verstehen, damit sie sich empören können und damit sie ein Tweet absetzen können. Und da geht es gar nicht darum, dass inhaltlich was kritisiert wird oft. Also ich finde die App einfach ganz, ich finde es ganz, ganz schlimm und ich habe da auch schon bestimmt so drei große Shitstorms durch und die waren alle so unfair und so gemein, dass ich mich dann abgemeldet habe und gesagt habe, ich will mit dieser Plattform nichts mehr zu tun haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:12<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Das heißt, du bleibst auf Instagram und LinkedIn. Setzt dich LinkedIn zum Beispiel oder Instagram, setzt sich Instagram dann unter Druck. Also wenn du die App aufmachst und dann siehst du da keine Ahnung 4000 Likes, 40 Kommentare und 200 Direct Messages.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:32<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, die App setzt mich aber eher unter Druck, dass du natürlich guckst, was andere machen. Performen deine Videos gerade? Wie sind deine Story Views? Hast du genug Kommentare? Diese ganzen…</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:42<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ich guck mir das alles gar nicht an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:42:44<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Das ist sehr gut, das ist sehr gut. Ich habe nur halt niemanden, der es für mich macht und im Moment muss ich es mir noch angucken, zum Teil. Aber das setzt mich auch unter Druck und mein Ziel ist es ja, dieses und nächstes Jahr dafür zu sorgen, dass ich wirklich unabhängig bin. Und deswegen habe ich ja zwei Firmen gegründet und gehe einfach in andere Richtungen und möchte irgendwann Instagram nur noch benutzen, um zu zeigen Heute trinke ich mein Pina Colada oder morgen gehen wir zusammen alle Leute auf eine Demo. Aber ich will einfach nicht mehr abhängig davon sein, da Werbung schalten zu müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:43:19<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Kann man auf Instagram Urlaub machen oder bestraft dich der Algorithmus, wenn du lange nichts gepostet hast?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:43:26<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich glaube, man kann Urlaub machen und wenn man wiederkommt und dann von seinem Urlaub ein bisschen was erzählt oder einfach wieder anfängt, ist das voll okay. Und vielleicht bestraft der Algorithmus ein bisschen. Aber mir persönlich ist das Latte Macchiato. Also ich brauche ein bisschen meine Auszeit. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich brauche das. Und wenn ich jetzt noch darüber nachdenke Oh, ich muss aber im Urlaub auch was posten, weil der Algorithmus. Also dann. Dann gute Nacht, Marie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:43:54<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und was für Firmen hast du gegründet? Was bieten die an?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:43:58<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich habe mit Markus tatsächlich und einer Kollegin von Markus eine Produktionsfirma gegründet und zum anderen eine Beratungs Agentur. Also für Social Media Analysen, Workshops und die Kommunikation im nachhaltigen Bereich und das läuft auch schon sehr gut an und da haben wir schon relativ viel zu tun und jetzt muss das alles nur erst mal sich so finden und einpendeln, dass ich halt sagen kann Alles klar, Tschüssikowski Instagram, ich mache hier mein Ding.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:44:30<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ist das die Antwort auf die Frage Was machst du heute in fünf Jahren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:44:34<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Nee, weil wer Luisa Dellert kennt, persönlich und privat, der weiß, dass ein Motto von mir ist Was interessiert mich mein Geschwätz von vorgestern und gestern und von morgen. Und ich weiß es einfach nicht. Ich Ich finde es ganz, ganz schwierig zu sagen, was in fünf Jahren ist. Ich hoffe einfach, ich darf in fünf Jahren noch das erleben, was da auf mich zukommt. Ich hätte super gerne bis dahin einen Berner Sennenhund und wenn ich es mir aussuchen könnte, dann würde ich gerne in Norwegen an einem Fjord leben und Orcas beobachten. Aber ich glaube, das bleibt erst mal ein Traum und wird nicht in fünf Jahren realisierbar sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:14<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Bleiben wir doch in der Gegenwart. Wie sieht ein perfekter Tag für dich aus?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:17<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ein perfekter Tag sieht so aus, dass ich aufstehe und erst mal mir meinen Lieblings Podcasts morgens anhöre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:29<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Der da wäre?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:31<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Apokalypse und Filterkaffee mit Micky Beisenherz. Den höre ich sehr gerne. Dabei gehe ich eine Runde durch mein Kiez, habe ein Hafermilch Cappuccino in der Hand und fange dann ohne Stress an zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:42<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wie viel Uhr ist es dann?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:44<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich stehe immer um sechs auf, das heißt, ich gehe so bis so um 7:30 bin ich immer so spazieren und um acht fange ich an zu arbeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:52<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Boah, krass. Um acht stehe ich auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:45:54<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, geil! Herzlichen Glückwunsch. Ich kann es, finde ich super. Das ist halt bei mir so drin, weil ich mir denke okay, morgens stressen mich noch nicht Leute. Wenn ich jetzt mein Handy aufmache, sind da wirklich bestimmt 52 WhatsApp Chats offen. So, dann irgendwie noch Mails und ich kriege das alles nicht so geregelt. Und ich brauche morgens diese Zeit, in der ich das Gefühl habe, niemand will was von mir und ich kann jetzt einfach mal kurz erst mal für mich die Zeit nutzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:46:20<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Aber bist du normalerweise eine Langschläferin?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:46:24<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Nee, war ich noch nie so, aber mit dem Alter muss ich dir ehrlicherweise sagen, dass es mir schwerer fällt, früher aufzustehen. Ich merke schon am Wochenende, wenn ich nicht aufstehen muss, dass ich dann auch mal tatsächlich bis um neun oder 09:30 schlafe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:46:38<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Okay, das heißt, du bist dann um 8:00 wieder am Rechner. Und wie geht es dann weiter?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:46:43<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ganz, ganz unspektakulär. Viele Termine, Emails, Koordination, Recherchen, Podcasts Aufnahme, Interviews, also all den Bums, den man so irgendwie dann macht. Und wenn der Tag ganz perfekt zu Ende geht, dann treffe ich mich dann mit Freundinnen oder mit Markus. Und wenn wir bei Markus sind, dann machen wir die geilste vegane Bolognese der Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:04<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Nice! Mein Lieblingsessen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:07<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, wirklich? Ey, Hiermit bist du herzlich eingeladen, dass wir für dich einmal die geilste vegane Bolognese der Welt kochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:15<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und wir machen das ohne Social Media.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:17<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja. Bitte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:18<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Sehr gut. Wann ist denn Feierabend bei dir?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:24<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Schwierig. Also, ich habe mir vorgenommen, dieses Jahr, dass Feierabend bei mir so 17:00 ist. Aber auch, dass ist jetzt die letzten Tage hat das schon wieder gar nicht geklappt. Heute ist Feierabend um 21:00.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:39<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und du verbringst dann tatsächlich die ganze Zeit am Rechner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:42<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, nicht nur.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:43<br><em>Raúl:&nbsp;</em>So ist es bei mir. Ich stehe um acht, also auf und bin um 18:00 mit meinem Laptop fertig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:48<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, das heißt, du bist. Du bist wirklich den ganzen Tag, na gut, okay du kannst ja auch die Interviews und alles über einen Rechner machen, richtig?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:55<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Ich habe relativ wenig Videoproduktion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:47:58<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Na ja, gut. Bei mir ist es schon so, dass wenn ich Interviews führe, im Bundestag zum Beispiel, dass ich dann auch hingehe oder so wie heute, dass ich, wenn ich Organisation vorstelle oder wen interviewe, dass ich dann halt auch einfach vor Ort sein möchte und dann geht halt schnell mal ein halber Tag drauf. Aber an diesem halben oder während diesem halben Tag kommen halt noch 30 Mails rein und die müssen dann halt auch irgendwie noch bearbeitet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:48:21<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Na klar gibt es Tage, an denen du keine Social Media App aufmachst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:48:27<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Na ja, das letzte Mal war tatsächlich die Woche, als wir da in Südtirol waren. Ansonsten gibt es keinen Tag, an dem ich nicht eine App aufmache. Hast du einen App freien Tag? Also einen Social Media App Tag?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:48:41<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Überhaupt nicht. Aber ich habe jetzt meinen Kolleginnen bzw auch meinen Tag so strukturiert, dass ich ab 14:00 keine Termine mehr mache, sondern das ist dann meine e Zeit und ich habe gleichzeitig meinen Tag in drei Einheiten geteilt. Also einmal die private Time, die ich Zeit, dann die mit Time, also die Zeit für Meetings, die geht bis 14:00 und ab 14:00 mache ich bis 18:00 meine Mails. Und seitdem habe ich das Gefühl, habe jetzt einigermaßen im Griff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:13<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, mega. Und ab 18:00 kannst du dann machen, was du machen möchtest.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:17<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Also so zumindest die ideal Version. Also auch bei mir gibt es viele viele Ausnahmen, aber ich hab auf jeden Fall das Gefühl weniger gestresst zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:26<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Fühle ich sofort und muss ich tatsächlich auch bei mir probieren. Vielleicht musst du mich mal coachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:32<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Oh Gott, ich hab’s auch nur aus dem Internet mir mir mal zusammengeklaubt. Da gibt es schon bessere Coaches. Welche Aspekte der Social Media Arbeit des Influencer Innenlebens machen dir Mut? Welche Erfolgserlebnisse konntest du beobachten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:48<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Erfolgserlebnisse bei mir? Oder meinst du im Generellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:52<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Generell vielleicht auch?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:49:54<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also generell finde ich es schön zu sehen, dass Menschen mit Reichweite in Situationen den anderen Menschen Hilfe brauchen, immer mehr verstehen, dass sie diese Reichweite auch abgeben. Auf der anderen Seite möchte ich gerne aber auch sagen, dass das trotzdem noch jede Person für sich entscheiden darf und. Wenn man zu einem Thema dann irgendwie seine Reichweite nutzt, um worauf aufmerksam zu machen, heißt das nicht, dass man den nächsten Tag natürlich für jede Person in diesem Land irgendwie jede Organisation und jeden Spenden Link posten kann. Das ist immer schwierig, da die Waage zu halten. Aber generell finde ich es schön, dass viel mehr Menschen mit Reichweite inzwischen einfach helfen. Das finde ich, ist eine schöne Entwicklung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:50:41<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Eine nicht so schöne Entwicklung. Die haben wir ja auch schon kurz angerissen. Ist das Thema Hass im Netz, wo wir wahrscheinlich beide schon auch Erfahrungen mitgemacht haben. Und im Fall von Renate Künast, das haben wir alle mitbekommen, gab es dann sogar auch erfolgsversprechende Urteile. Ich frage mich manchmal Bringen solche Urteile etwas? Was, was sagst du?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:05<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ich glaube, dadurch, dass es ja so ein Urteil dann gibt, steht es ja in der Presse, wird besprochen, gelangt wieder an andere Menschen, Einmal an betroffene Menschen, die sich denken Hey, da passiert was. Also wenn ich das nächste Mal auch das ganze anzeigen oder zur Polizei gehen. Und ich glaube auch, dass es vielleicht ein kleiner Warnschuss für einige ist, die denken, sie sind die Rambos des Internets und dürfen da machen, was sie möchten. Und von daher ist es vielleicht ein bisschen mehr denken. Oder denkt man, man ist mehr? Das ist mehr symbolisch. Aber ich glaube, das kann wirklich da helfen, dass Leute einmal Mut fassen, was zu ändern, und die anderen aber denken Okay, Scheiße, vielleicht passe ich doch mal dreimal mehr auf, was ich im Internet sage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:51<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wer hat denn deiner Meinung nach den größeren Hebel? Das Rechtssystem, die Plattformen oder dann doch die Nutzerinnen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:51:58<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also ich glaube, es gibt nur den einen Hebel, den wir alle gemeinsam umlegen können. Und wer da aber gerade noch viel zu wenig dran dran zieht, sind meiner Meinung nach die Plattform. Also ich. Ich wünsche mir da einfach noch mehr Sicherheit und noch mehr Support zum Beispiel von Instagram und auch auf Tick Talk. Also die müssen einfach verstehen, dass diese digitale Gewalt einfach zunimmt, dass die auch mentaler Abfall für die Menschen ist und dass man da einfach noch mehr Support braucht. Und ich hoffe, da kommt einfach noch mehr.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:52:36<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Ich habe mich sehr viel mit dem Thema auseinandergesetzt. Ich bin ja auch unter anderem mit Ideen, die wir von der Platform Hate Aid und habe auch mit den Leuten von Hass melden und so mich ausgetauscht, weil ich finde diese Entwicklung unglaublich spannend und ich frage mich bis heute, warum Plattformen eigentlich es nicht erlauben, die Kommentarfunktion nach zwei Stunden einfach zu schließen. Nein, ich mach die Beobachtung, wenn ich was poste, dann ist die Debatte eigentlich nach zwei Stunden auch durch. Dann ist nach zwei Stunden jede Information auch geteilt worden. Also es ist unwahrscheinlich, dass 48 Stunden später noch irgendjemand eine neue Erkenntnis einbringt. Und ich fände es glaube ich mega erleichternd, wenn man einfach sagen könnt okay, hier könnt ihr zwei Stunden kommentieren. Ich habe jetzt zwei Stunden Zeit, um das zu monitoren. Aber rückblickend Posts von vor einer Woche zu checken ist einfach auch je größer der Account wird unmöglich voll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:53:38<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Hast du total recht. Also ich kann mir vorstellen, Ich meine, es gibt natürlich auch Leute, die drei Tage mal nicht im Internet stattfinden und dann natürlich aber gucken wollen, was du so machst und geschrieben hast und dann natürlich noch gerne ihre Meinung sagen wollen. Ich glaube da, das wäre so ein Ding. Da würde ich sagen Hey, dann müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:53:56<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Wir sie ja nicht direct Message schicken da drauf oder so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:54:00<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, ja, ja, hast du recht. Aber gut, da gibt es zumindest mal die Möglichkeit, dass du halt generell die Kommentarfunktion einfach aufstellst und dann einfach benutzerdefiniert schaust, für welchen Beitrag das nicht gilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:54:13<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau, Aber es gibt entweder nur an oder aus, aber nicht. Das stimmt. Zeitliche Begrenzung und ich glaube Hass im Netz verbreitet sich dadurch so gut, weil wir überall die Möglichkeit geben, was zu sagen. Und wenn ich also wenn wir, wenn wir Social Media Kanäle mit mit uns beschmierten Wänden vergleichen würden, je mehr unbeschwerte Wände du hast, desto mehr werden sie beschmiert. Und wenn das nicht sauber gemacht wird oder so, dann dann wird halt weiter geschmiert und ich glaube, wir müssen die Flächen reduzieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:54:45<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, da gebe ich dir total recht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:54:47<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Und ehrlich gesagt, wir kennen das ja auch. Du arbeitest ja auch beim Norddeutschen Rundfunk, bei DiB und deutlich, was die öffentlich rechtlichen Sender für einen Schmerz haben, weil sie nach zwölf Monaten die Inhalte löschen müssen. Das wäre doch viel einfacher, wenn man sagt, dieser Beitrag bleibt einfach auch nur zwölf Monate und dann zerstört er sich von selbst. Also wenn Wenn die Plattformen solche Services anböten, glaube ich, könnte man eine Menge, eine Menge Probleme lösen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:14<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Aber hast du es mal probiert reinzugehen? Also gehst du dann aktiv auch mal auf die Plattform zu und sagst Hey, lass mal reden, Ich habe da eine Idee.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:20<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Klar, Aber in Deutschland sitzt ja nur Marketing von Facebook, Instagram und Co. Das heißt, du musst irgendwie den Leuten in den USA das sagen. Und wenn da jemand aus Deutschland kommt und eine Idee hat, dann wirst du auch eher belächelt als ernst genommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:36<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, ja, das gilt für leider so viele Sachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:40<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Unser Aufzug ist fast da.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:41<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Also gehen wir gleich auf die Party.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:55:43<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Wir gehen gleich auf die Party Corona konform natürlich. Aber eine Frage, die ich unheimlich gerne allen Gästen stelle Gibt es eine Organisation oder eine Stiftung, für die du dich engagierst, die du für unterstützenswert hältst und die vielleicht unsere Hörerinnen auch unterstützen könnten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:02<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Tatsächlich ist es bei mir genauso wie bei dir, weil du es halt schon erwähnt hast. Mir ist Hate ganz ganz wichtig. Ich finde Hate Aid eine super Anlaufstelle um sich darüber zu informieren, um sich Hilfe zu holen, um sich beraten zu lassen und alles was ich so an Auftritten habe, wo ich irgendwie eine kleine Gage bekomme, gebe ich alles weiter an Hate Aid und probiere mich da immer so gut es geht mit einzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:27<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Konnten die dir schon helfen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:29<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ja, die haben mir schon oft geholfen. Also sei es mit einfach nur zuhören, als ich geheult habe wie am Spieß. Die haben Anzeigen rausgebracht, die haben mir geholfen, als es mal darum ging, dass ich nicht mehr möchte, dass meine Adresse im Internet zu finden ist. Also die haben ja in den unterschiedlichsten Fällen schon super geholfen und ich finde, das ist ein ganz tolles Team und ich glaube, leider wird das in Zukunft sogar noch wichtiger sein, dass es Anlaufstellen wie Gated gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:58<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Trauriges Ende.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:56:59<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Eigentlich. Na ja, Susi Nee, nee, kommt, das bleibt nicht traurig, weil wir machen jetzt ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:06<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau der machen wir jetzt Party und wir haben uns auf eine Pasta Bolo WG verabredet. Super. Gut. Schreib mir, wenn es bei euch passt. Und dann essen wir gemeinsam Pasta. Bolo, Ich bring dann Wein mit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:19<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Finde ich super. Und jetzt schlürfen wir erst mal einen Gin Tonic.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:21<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Genau. Danke, dass du da warst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:24<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Danke dir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:25<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Auf bald.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:26<br><em>Louisa Dellert:&nbsp;</em>Ciao.</p>



<p class="wp-block-paragraph">00:57:31<br><em>Raúl:&nbsp;</em>Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat. Bewerte diese Folge bei Apple, Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Alle Links zur Folge, sowie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützten, findet ihr in den Shownotes. Schaut da gerne mal rein. Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zweimal im Jahr persönlich zu treffen. Im Aufzug ist eine Produktion von Schönheit Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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		<title>Im Aufzug mit Philipp Möller, Autor und Kirchenkritiker</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 15:05:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Heute mit im Aufzug: Philipp Möller! Philipp ist Vorstand des Zentralrats der Konfessionsfreien und leidenschaftlicher Kämpfer für einen säkularen Staat. Denn seiner Aussage nach hat Deutschland ein echtes Kirchenproblem. Fast 360.000 Menschen sind letztes Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten &#8211; so viele, wie noch nie zuvor. Auch bei der evangelischen Kirche sieht es nicht [&#8230;]</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Heute mit im Aufzug: Philipp Möller!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Philipp ist Vorstand des Zentralrats der Konfessionsfreien und leidenschaftlicher Kämpfer für einen säkularen Staat. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn seiner Aussage nach hat Deutschland ein echtes Kirchenproblem. Fast 360.000 Menschen sind letztes Jahr aus der katholischen Kirche ausgetreten &#8211; so viele, wie noch nie zuvor. Auch bei der evangelischen Kirche sieht es nicht viel besser aus. Die Kirche verliert rapide an Bedeutung und doch sind die Kirchen ein fester Teil des Staates. Mitgliedsbeiträge werden über der Finanzämter eingezogen, es gibt ein eigenes Arbeitsrecht und rechtseigene Räume. Philipp Möller bezeichnet sich selbst als Säkular-Lobbyist und will dabei helfen, Deutschland von der Kirchenrepublik zum säkularen Rechtsstaat entwickeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie er das tun will, erzählt er mir heute im Aufzug!</p>



<div class="wp-block-kadence-accordion alignnone"><div class="kt-accordion-wrap kt-accordion-wrap kt-accordion-id_8c05e6-3d kt-accordion-has-2-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-arrow kt-accodion-icon-side-right" style="max-width:none"><div class="kt-accordion-inner-wrap" data-allow-multiple-open="false" data-start-open="none">
<div class="wp-block-kadence-pane kt-accordion-pane kt-accordion-pane-1 kt-pane_7e03da-8d"><h2 class="kt-accordion-header-wrap"><button class="kt-blocks-accordion-header kt-acccordion-button-label-show"><span class="kt-blocks-accordion-title-wrap"><span class="kt-blocks-accordion-title">Transkript</span></span><span class="kt-blocks-accordion-icon-trigger"></span></button></h2><div class="kt-accordion-panel kt-accordion-panel-hidden"><div class="kt-accordion-panel-inner">
<p class="wp-block-paragraph">01:00:00:29 – 01:00:31:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Studium der Theologie, so sagt mein heutiger Gast, ist nichts anderes als ein staatlich finanziertes Rhetorik Seminar. Begrüßt mit mir im Aufzug Philipp Möller. Er ist Autor und seit März diesen Jahres Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien. Das erste Mal ist mir Philipp Möller in einem YouTube Video begegnet. Das muss ungefähr zehn Jahre her sein. In diesem Clip spricht er auf der Konferenz Disput Berlin Warum die Welt ohne Religion besser dran wäre.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:32:21 – 01:00:51:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er tat das so unterhaltsam und mitreißend, dass ich mit großem Interesse verfolgte, was Philipp Möller seitdem so macht. Seitdem hat er sehr viele unterhaltsame Bücher geschrieben, über Religion und über Politik und warum wir das vielleicht auch voneinander trennen sollten. Und Religion wirklich nur Privatsache sein sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:00:53:12 – 01:00:58:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">So viel vorweg, reden kann der Mann. Tür auf für Philipp Möller.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:01:07:25 – 01:01:40:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tür geht auf und wer kommt rein? Der Philipp Möller. Was für eine Ehre! Weiß du eigentlich, dass ich schon seit 2000 keine Ahnung vier oder so deine Videos mir anschaue, wenn welche von dir zu sehen sind. Und ganz schön beeindruckt bin und war von deiner Rhetorik. Ja, danke, da kann ich auch nichts für. Irgendwie bin ich in einer sehr redseligen Familie groß geworden und mit einer Menge jüngeren Geschwister musste man sich immer behaupten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:01:41:01 – 01:02:12:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich quatsche außerdem gerne und ich glaube, dann ist das quasi automatisch so! Wir sind jetzt hier im Aufzug. In welcher Etage bist du eingestiegen und in welcher Etage musst du raus? Also, ich bin im Erdgeschoss eingestiegen und ich glaube, du und ich, wir fahren jetzt einfach so weit nach oben, bis es nicht mehr weitergeht, oder? Da haben wir aber eine Menge vor uns haben. Ja. Ich weiß nicht, um vielleicht dich da unserem Publikum vorzustellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:13:08 – 01:02:51:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf dich gestoßen bin ich, weil du Religionskritiker bist, und du setzt dich für ein Humanismus ein. Und dass wir uns ein bisschen religionskritischer in Deutschland auch aufstellen. Du zweifelst die Existenz Gottes an, und du hattest in London, glaube ich mal die Idee, mit einem Bus durch die Stadt zu fahren, wo draufsteht Es gibt keinen Gott oder so. Ja, so ähnlich. Also die Idee war nicht von mir, sondern wir haben diese Idee, die in London entstanden ist, nach Deutschland geholt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:52:01 – 01:03:24:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich will mal so ein bisschen voran schicken. Ich finde, Religionskritik ist voll 2010. Ich glaube, es hat sich inzwischen rumgesprochen, wie problematisch Religion ist und zwar nicht der persönlich gelebte spirituelle Glauben, an welchen oder wie viele Götter auch immer, sondern die verfasste, die Religion, der organisierte Aberglaube und vor allen Dingen die Verquickung von Religion und Politik.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:24:14 – 01:03:57:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und deswegen geht es mir heute eigentlich gar nicht mehr so stark um Religionskritik, sondern eigentlich um Staatskritik, um die Kritik an einem Staat, der es sich gefallen lässt, dass die Religion innerhalb dieses Staates rechts eigene Räume bekommt. Keine rechtsfreien Räume, aber doch rechts eigene Räume. Oh, deswegen bin ich eigentlich dazu übergegangen, nicht länger die Kirchen zu kritisieren, denn ich glaube, die Problematik der Kirchen ist inzwischen den allermeisten Leuten bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:57:13 – 01:04:30:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hat sich rumgesprochen, sondern den Staat zu kritisieren. Und deswegen wirst du mich heute eher als den säkularen Lobbyisten erleben, als den flammenden Religionskritiker. Könnte man auch sagen, dass du ein Sprachrohr der Atheisten bist? Ja gut, auch der Atheismus ist, ich finde meinen Atheismus, um das mal mit Richard Dawkins zu sagen, inzwischen so wichtig wie mein Afeeismus, weil ich genauso wenig an Götter glaube, wie ich an Feen glaube.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:30:05 – 01:05:04:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber meine ganz persönliche spirituelle Einstellung spielt in dieser politischen Frage des säkularen Rechtsstaats eigentlich gar nicht so eine große Rolle. Und Sprachrohr Ja, ich hätte jetzt fast gesagt Mein Gott, ich freue mich, wenn ich über weltanschauliche Themen reden kann und mich dazu jemand fragt. Und in der Tat werden die meisten Konfessionsfreien auch nicht religiös sein, also nicht an Gott glauben, also Atheisten sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:05:03 – 01:05:51:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber noch mal Ich finde den Atheismus eigentlich gar nicht so wichtig, sondern die Konfessionsfreihheit. Das ist inzwischen eigentlich das viel wichtigere Thema, finde ich. Das heißt, um es noch mal für mich in andere Worte zu fassen, es geht dir gar nicht so sehr darum zu sagen, diese oder jene Religion ist da und da problematisch. Sondern es ist grundsätzlich problematisch, dass es eine Verquickung gibt zwischen Staat und Religion. Und es ist auch egal welcher Religion. Ja, also ich meine unsere Verfassung und das ist ja wirklich ein kluger Schachzug dieser Verfassung, sagt ja, dass alle Weltanschauungsgemeinschaften gleich behandelt werden müssen und dass sie alle auf dem Boden des demokratisch entstandenen Gesetzes stehen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:51:21 – 01:06:25:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das heißt, es ist ja vollkommen egal, ob die Anhänger der einen Religion an den oder an den Gott glauben oder an diesen Quelltext. Sie alle sind dazu verpflichtet, sich an die Gesetze dieses Landes zu halten. Und damit gibt es in Deutschland noch das eine oder andere Problem, sage ich mal vorsichtig. Da können wir gern noch drüber reden. Aber mit dem Zentralrat der Konfessionsfreien, den wir gegründet haben, wollen wir Deutschlands Entwicklung zum säkularen Rechtsstaat begleiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:25:23 – 01:06:56:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das heißt, wir fordern, dass keine Gesetze auf religiösen Motiven beruhen, weil das dazu führt, dass sich auch Konfessionsfreie an Gesetze halten müssen, die auf religiösen Überzeugungen beruhen. Und wir wollen, dass alle Weltanschauungsgemeinschaften exakt gleich behandelt werden. Und damit ist etwa das besondere Arbeitsrecht, das wir auch gerne Arbeitsunrecht der Kirchen nennen oder aber auch der Kirchensteuereinzug, alt rechtliche Staatsleistungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:57:03 – 01:07:32:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Über all das wird zu reden sein. Und die Ampel Fraktion, die aktuelle Bundesregierung hat dazu schon ein paar, ja halbwegs mutige, aber immer noch halbwegs vorsichtige Andeutungen im Koalitionsvertrag gemacht. Darauf werden wir sie auch festnageln. Und ich glaube, wir werden in dieser Legislaturperiode mal abgesehen von den weltpolitischen Problemen sage ich mal vorsichtig, wenn in dieser Wahlperiode eine Menge Fortschritte auch sehen können, was den säkularen Staat und die wirklich freie, offene Gesellschaft angeht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:32:22 – 01:08:16:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also im Prinzip so ähnlich, wie Ruth Bader Ginsburg in den USA als Verfassungsrichterin dafür gekämpft hat, dass es keine Geschlechter Ungerechtigkeit in der Verfassung gibt. Ja, also ich meine, ich habe immer so den ganz starken Eindruck, dass diese Geschlechter Ungerechtigkeit eben auch ganz tief verwurzelt ist in den in den großen Weltreligionen. Also gerade wenn wir uns mal die drei abrahamitischen Religionen anschauen, das Christentum, den Islam und das Judentum, dann sind das alles weitgehend patriarchale Systeme, die gigantische Unterschiede zwischen Männern und Frauen aufmachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:16:09 – 01:08:48:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Männer und Frauen sind nicht gleich, aber sie sind eben gleichberechtigt. Und ich wundere mich ehrlich gesagt über jede Frau, die noch Mitglied einer solchen Religion ist. Weil gerade die Frauen haben es eben im Verlaufe der religiösen Geschichte immer schwerer gehabt als die Männer. Und das ist ein absolutes Unding. Und je weiter wir in einer modernen Gesellschaft landen, desto weiter entfernen wir uns eigentlich von der Religion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:49:06 – 01:09:21:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibt es Gesellschaften, wo du sagst, da ist es besser organisiert oder getrennt als bei uns? Na ja, also unter den westlichen, sage ich mal, sind das eine Menge. Also es wird ja gerne, die USA werden gerne als Beispiel herangezogen. In den USA herrscht natürlich das Thema, dass diese privaten Kirchen doch auch recht groß sind. Da haben wir allerdings auch den Bible Belt. Also da herrscht ja wirklich auch noch ein super crazy Vorstellung von Religion.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:21:17 – 01:09:54:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser direkter Nachbar Frankreich, da herrscht der Laizismus. Mir geht es eigentlich darum, dass Kirchen Teil der Zivilgesellschaft werden. Also im Moment sind die Kirchen letztlich ein Teil des Staates. Sie ziehen ihre Mitgliedsbeiträge über die Finanzämter ein. Man muss den Austritt aus der Kirche über die Amtsgerichte erklären oder über andere staatliche Institutionen, je nach Bundesland. Wir bezahlen die Ausbildung der Kleriker an staatlichen Hochschulen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:54:27 – 01:10:25:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt einen konfessionellen Religionsunterricht, der ganz offiziell dazu da ist, Kinder religiös zu erziehen, also nicht über Religion aufzuklären, sondern religiös zu erziehen. Wir haben diese altkirchlichen Staatsleistungen, die auf 200 Jahre alten Rechtstitel beruhen, schon längst abgelöst werden sollten, aber noch immer dazu führen, dass wir den Kirchen 500 Millionen € im Jahr überweisen müssen und mehr. Und das alles zeigt, dass wir eigentlich in einer Art Kirchen Republik leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:25:23 – 01:11:01:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das Problem daran ist meines Erachtens vor allen Dingen, dass mit dem Auftreten des Islam da natürlich die Frage aufkommt Wollen wir, wenn alle Religionsgemeinschaften, alle Weltanschauungsgemeinschaften gleichberechtigt sind, wollen wir dem Islam die gleichen Rechte zusprechen, wie wir im Moment den Kirchen zusprechen? Oder machen wir es vielleicht andersherum? Sprechen den Kirchen die gleichen Rechte zu wie dem Islam, nämlich gar keine besonderen, sondern sie sind dann ganz normale Religionsgemeinschaften, die keinen besonderen Zugriff auf staatliche Infrastrukturen haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:01:21 – 01:11:32:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist aus unserer Perspektive die richtige Herangehensweise. Also ich bin auch Atheist. Ich wurde als Kind heimlich getauft, weil ein Teil meiner Familie Mormonen Anhänger waren in Südamerika. Und als meine Eltern erfuhren, dass ich da heimlich getauft wurde, weil man Angst hatte, ich würde gottlos sterben, weil ich eine Behinderung habe, waren meine Eltern stinksauer und sind dann relativ schnell von dieser Familie wieder abgereist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:32:15 – 01:12:04:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber also ich würde sagen, ich habe auch eine bestimmte religiöse Geschichte, auch wenn ich ein Baby war. Aber ich war auch sehr skeptisch. Und jetzt, wo ich mich für die Rechte für Menschen mit Behinderung einsetze, ich sage das jetzt unter uns beiden, hört ja eh keiner zu, aber ich habe manchmal das Gefühl, dass gerade im kirchlichen Kontext Menschen mit Behinderung noch viel mehr wie Kinder behandelt werden als in nicht kirchlichen Organisationen, die behinderten Menschen helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:05:12 – 01:12:08:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kannst du das bestätigen oder denkst du, das ist jetzt eher eine subjektive Wahrnehmung?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:10:12 – 01:12:40:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich könnte deiner subjektiven Wahrnehmung eine zweite subjektive Wahrnehmung entgegenstellen, nämlich meine ganz persönliche. Ich bin ja aufgewachsen als Sohn eines Kirchenmusiker, eines katholischen Kirchenmusiker in Berlin, Westend und einer, ich sage mal, rest religiös protestantischen Mutter als Grundschullehrerin. Ich war als Kind oft in der Kirche, und in der Gemeinde meines Vaters waren auch Eltern mit ihren behinderten Kindern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:40:27 – 01:13:14:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich kann, ja, ich weiß gar nicht, ob ich das bestätigen soll. Ich, also ich weiß nur, dass mein Onkel, der älteste Bruder meines Vaters, kurz nach dem Krieg, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im katholischen Fulda geboren. Und meine Großeltern haben seine Behinderung eigentlich immer tabuisiert. Der hat, der hat bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen und ist behindert, war behindert, ist verstorben inzwischen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:14:16 – 01:13:50:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das wurde immer tabuisiert. Und ich habe immer den Eindruck gehabt, dass die es wahnsinnig schwer gehabt haben, darüber offen zu sprechen. Und sie haben ihn eigentlich, ich würde nicht sagen, behandelt wie ein Kind sicherlich auch, aber vor allen Dingen hat er so eine Art Narrenfreiheit zu Hause genossen, weil man ja eigentlich so tun wollte, als sei er nicht behindert. Ich weiß, ich müsste auch lügen, wenn ich jetzt sagen würde, das hatte unbedingt was mit der Religion zu tun. Ich glaube, dass Religion als konservative Haltung nicht so gut in der Lage ist, offen mit dem Thema Behinderung umzugehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:50:25 – 01:14:21:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt eine Menge Einrichtungen, die sich um Behinderte kümmern, aber der Umgang damit erscheint mir sonderbar. Das ist interessant. Okay, dann würde ich meine subjektive Wahrnehmung erst mal ganz subjektiv behalten. Ist ja meine auch. Ich glaube, worauf ich hinaus wollte, war, dass in kirchlichen Kontexten und ich glaube, es ist sogar relativ egal, welche Religion sehr schnell so etwas von oben herab passieren kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:21:06 – 01:14:56:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also nehmen wir doch zum Beispiel mal die Krise der Unterbringung, als Menschen Schutz suchten, als sie aus Syrien geflohen sind und in Deutschland dann diese Willkommenskultur hier gab. Das lief so lange gut, teilweise auch in solchen Einrichtungen, bis die die Menschen, die dann hier Schutz suchten, sich irgendwann auch als Bürger begriffen haben in diesem Land und eben nicht mehr ständig alles erklärt bekommen wollten, wie es hier so läuft, sondern jetzt anfingen auch Rechte zu äußern oder Wünsche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:56:21 – 01:15:28:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann das so ein bisschen ja was wollt ihr denn noch alles, entweder rüber kam oder aber wir erklären euch immer noch, wie man hier einen Bankautomaten benutzt, obwohl das schon längst klar war. Und ich habe mich dabei auch gefühlt, als ich das so mitgekriegt habe, dass es behinderten Menschen ähnlich geht, dass ihnen oft weniger zugetraut wird. Man kümmert sich ja so liebevoll um die und dieses Nächstenliebe-Ding fühlte sich manchmal sehr von oben herab an, einfach so ähnlich. Verstehst du was ich meine? Vermische ich grad zu viel?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:29:17 – 01:16:11:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nee, nee, nee. Also ich will halt nicht den Fehler machen zu pauschalisieren, weil ich aus Erfahrung der festen Überzeugung bin, dass es, dass es innerhalb der, gerade der Kirchen in Deutschland oder in Europa eine ganz große Bandbreite von von Menschen gibt. Von den super Aufgeklärten, die also gewissermaßen zu 99 % so denken wie ich, nur noch diesen letzten Funken ach, ich bin da noch so ein bisschen religiös übrig haben, bis zu solchen, die total verbohrt und konservativ sind, bis heute ein Problem mit Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:11:05 – 01:16:11:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so weiter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:13:13 – 01:16:44:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Islamophobie im wahrsten Sinne, also eigentlich sogar Antimuslimismus, also eben nicht die Angst vor dem Islam. Die habe ich teilweise auch, sondern die der der Hass auf muslimische Menschen. Da ist</p>



<p class="wp-block-paragraph">wirklich alles vertreten. Deswegen würde ich, würde ich mich ganz stark davor verwehren, das so zu pauschalisieren. Aber die Tendenz der christlichen Religionen und überhaupt der abrahamitischen mit den anderen kann ich mir jetzt nicht so gut aus</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:44:29 – 01:17:25:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">aber das hat ja immer was paternalistisches, also was Väterliches. Es gibt da auch eine starke Hierarchie. Zuerst kommt Gott, das hat Borat auch immer so schön gesagt, also Sacha Baron Cohen als Borat. First come Gott, then comes man, ganz wichtig, then comes horse and then women and then little rreepy animal. So also diese starken Hierarchien und dieses Obrigkeitsdenken, was in im Monotheismus verankert ist, kann natürlich dazu führen, dass man Menschen, denen man nicht so viel zutraut, auch herablassend begegnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:25:06 – 01:18:08:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich würde aber gerade mit Blick auf die organisierte Religion in Deutschland da ein großes Fragezeichen dran machen. Es gibt sicherlich wahnsinnig viele Leute in Caritas und Diakonie, die sich ausgesprochen gut in Pflegeeinrichtungen um pflegebedürftige und auch behinderte Menschen kümmern und die das nicht herablassend machen. Und die das übrigens auch nicht machen, weil sie glauben, Jesus hätte ihnen das vorgelebt, sondern weil das ihre Berufung ist. Und wir als Zentralrat der Konfessionsfreien stehen vor allem dafür zu sagen in Caritas und Diakonie, die zu 98 % vom Staat finanziert werden und eben nicht von den Kirchen, müssen die gleichen Arbeitsrechte wie woanders gelten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:08:05 – 01:18:41:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn wie können zwei Sozial Konzerne sich hinstellen und behaupten, sie würden sich für die Schwächeren einsetzen, aber letztlich all ihre Arbeitnehmer arbeitsrechtlich diskriminieren und zwar hardcore. Und das ist eher unsere größere Kritik an Caritas und Diakonie. Ich glaube trotzdem, dass in den Einrichtungen tolle karitative Arbeit stattfindet. Du hast das mal formuliert, dass das die größte Marketing Lüge der Kirchen ist, dass sie immer noch mit dem Argument durchkommen, sie tun ja auch was gutes.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:41:12 – 01:19:17:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es aber 98 % trotzdem vom Staat finanziert wird, sind das ja nur 2 % der Kirchen Einnahmen, die überhaupt in sowas investiert werden. Habe ich das richtig verstanden? Das ist richtig. Genau das sind sogar, um genau zu sein 1,8. Wir nennen das die sogenannte Caritas Quote 1,8 %. Denn das ist mal, haben wir mal so berechnet. Carsten Frerk, mein lieber Freund und Kollege Carsten Frerk, hat es in mühsamer Kleinarbeit gemacht, dass 98,2 % der Kosten für Caritas und Diakonie, also etwa 40 Milliarden € im Jahr, aus öffentlicher Hand kommen und nur 1,8 % von den Kirchen dazu beigetragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:18:03 – 01:19:55:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und deswegen müsste man sagen In Caritas und Diakonie wird viel Gutes getan, aber eben nicht von den Kirchen, sondern im Namen der Kirche. Bezahlt wird es aber von der Öffentlichkeit, von uns allen. Sie haben dadurch natürlich eine riesige Werbung, aber was Sie vor allen Dingen haben, ist die Möglichkeit, ja man muss es leider so nennen, so eine Art Zwangs Konfessionalisierung. Also wer in Deutschland eine Ausbildung zum Krankenpfleger, zur Krankenpflegerin macht, Erzieherin, Erzieher, alle möglichen sozialen Berufe sind vor allen Dingen außerhalb der Großstädte</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:57:10 – 01:20:30:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">wahnsinnig stark besetzt, im Arbeitsmarkt durch die Träger der Caritas und Diakonie. Und es gibt eben zahlreiche Geschichten von Leuten, die auf Jobsuche sind. Und der Sachbearbeiter im Arbeitsamt sagt, Sie sind nicht in der Kirche, sind Sie wahnsinnig? Treten Sie da sofort ein, und dann haben Sie sofort einen Job. Und der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat diese Praxis eben die, die Arbeit in einem in einer Einrichtung zu binden an die Konfessionszugehörigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:30:23 – 01:21:14:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Praxis hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte zweimalig schärfstens kritisiert und Deutschland das untersagt. Aber die deutschen Arbeitsgerichte setzen das eben noch nicht um. Allerdings ist dieses sogenannte kirchliche Arbeitsrecht der dritte Weg. Das ist auf der Kippe. Ja, da haben auch die Kirchen und auch die Parteien gemerkt, dass sich das eigentlich niemandem mehr so richtig vermitteln lässt. Also wenn es jetzt um einen Verkündigung Auftrag geht okay, dass jetzt ein Pfarrer religiös sein sollte, sage ich mal, das kann ich noch nachvollziehen, aber dass der IT Experte, die Krankenpflegerin,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:15:27 – 01:21:47:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">die Reinigungskraft, dass die Mitglied der Kirche sein muss, das ist einfach nur absurd. Das lässt sich niemandem mehr vermitteln. Und das ist meines Erachtens wird hier wirklich das Arbeitsrecht mit Füßen getreten. Da bin ich ein bisschen enttäuscht, auch von der SPD, die im Vergleich zu FDP und Bündnis 90 Die Grünen sich doch gar nicht so stark positioniert hat. Obwohl das ja eigentlich sage ich mal eine Ur Aufgabe der SPD ist, sich für die Rechte von Arbeitnehmerinnen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:48:01 – 01:22:29:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">und Arbeitnehmer einzusetzen. Also hier muss ordentlich nachgeschärft werden und hier werden wir als Zentralrat der Konfessionsfreien ganz freundlich als Service NGO die Bundesregierung dabei unterstützen, Deutschland von der Kirchen Republik zum säkularen Rechtsstaat weiterzuentwickeln. Das ist ja auch ein spannender Aspekt mit den also sicherlich mit dem dritten Weg und der ungleichen Bezahlung und unfairen Bezahlung. Das Thema gibt es ja schon sehr, sehr lange. Was mich in den letzten Jahren wirklich richtig massiv verwundert ist, warum der Rechtsstaat bei diesen ganzen Missbrauchsfällen eigentlich so still war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:29:24 – 01:23:04:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also gefühlt zumindest. Wenn so was bei der Bundeswehr passieren würde, wäre er also ein ganz anderer Zahn los. Ja, also das ist ein Riesenthema und es ist auch leicht, hier ins Fettnäpfchen zu treten oder falsch, Dinge auch falsch einzuschätzen. Aber ich glaube, was man gut sagen kann und damit würde ich mal ein Staatskirchenrechtler zitieren, dessen Namen mir vielleicht gleich wieder einfällt, der sagt Besonders auffällig ist doch eben auch, dass der Staat dabei lange zugesehen oder sogar weggesehen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:04:17 – 01:23:28:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau, mein ich ja. Genau das ist tatsächlich ja auch unsere größte Kritik. Also ich befürchte, dass der Missbrauch übrigens nicht nur der sexuelle Missbrauch, sondern dass das Ausnutzen von Verantwortung gegenüber Schutzbedürftigen in der Kirche eine jahrhunderte alte Tradition hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:30:06 – 01:24:03:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir beispielsweise in die, in die christlichen Kinderheime in Deutschland der Nachkriegszeit schauen, dass das ist der Horror. Also da sind Jungen und Mädchen eben nicht nur sexuell missbraucht worden, sondern auch als Arbeitskräfte missbraucht, in Keller gesperrt worden usw. das ist ja inzwischen alles aufgearbeitet. Deswegen ist ehrlich gesagt meine Hoffnung, dass die Kirchen sich hier bemühen, Licht in diesen finsteren Keller zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:03:23 – 01:24:40:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Hoffnung geht gegen Null. Ich will den Kirchen da auch überhaupt nicht reinreden. Ich erwarte von denen nichts anderes, als dass sie die Praxis, die sie über Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte umgesetzt haben, auch weiterhin durchführen und praktizieren. Aber es ist der Staat. Der eigentliche Skandal besteht ja darin, dass der Staat sich das gefallen lässt, dass der Staat den Kirchen, wie gesagt, rechts eigene Räume zugesprochen hat, in denen die Kirche nicht die Pflicht hatte, den Verdacht oder den belegten Kindesmissbrauch an Staatsanwaltschaften weiterzugeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:40:16 – 01:25:12:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das kommt daher, dass man den Kirchen irgendwann ein sogenanntes Selbst Verwaltungsrecht zugesprochen hat. Und die Kirchen haben es geschafft, man sagt ja, die Kirche denkt in Jahrhunderten. Die haben es geschafft, über die Jahrzehnte aus diesem Selbst Verwaltungsrecht ein Selbstbestimmungsrecht zu machen. Und dieses Selbstbestimmungsrecht haben sie dafür ausgenutzt, sich selbst eigene Räume, also rechts eigene Räume zu schaffen, in denen es möglich war, das nicht zu machen, das nicht weiterzugeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:12:27 – 01:25:57:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt kommt ja noch etwas hinzu und das du sagst richtig, in der Bundeswehr, da wäre ein ganz anderer Zahn los. Schauen wir auf Lobbygruppen wie die Pharmalobby, die Rüstungslobby oder ähnliches, die ja vollkommen zu Recht. Die Bundeswehr ist auch kein heiliger Verein, muss man dazu sagen. Ja, genau. Genau. Und diese Gruppen werden ja auch vollkommen zu Recht so, also so genau wie möglich beobachtet. Bei der Kirche, glaube ich, ist der Öffentlichkeit noch nicht vollkommen klar, dass es sich hier eben auch um eine Lobby handelt, die mit Caritas und Diakonie wahnsinnige Umsätze generieren und die natürlich über so etwas wie das eigene Arbeitsrecht dafür sorgen, dass sie nur ihre eigenen Leute einstellen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:58:21 – 01:26:29:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die, also die Zusammenarbeit aus Kirche oder aus Religion und Regierung ist so tradiert, dass man mit Rückblick auf unsere Geschichte sagen muss Religion und Politik waren ja lange ein Synonym. Und wenn wir heute in andere Länder schauen, da ist so etwas wie Trennung von Religion und Regierung überhaupt gar nicht vorstellbar. Also in der gesamten arabischen Welt ist das ist das fast gleichbedeutend miteinander. Und auch jemand wie Wladimir Putin hat seine orthodoxen Berater.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:30:08 – 01:27:01:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kirchen haben es geschafft, über die Jahrzehnte in allen wichtigen Schaltstellen und übrigens auch in allen Parteien ihre Funktionäre und FunktionärInnen zu platzieren, die dafür sorgen, dass man den Kirschen nicht so sehr auf den Leib rückt und sie ja nach wie vor schalten und walten lässt, wie man will. Aber ich glaube, Stichwort Zeitenwende. Diese Zeit ist vorbei bei 41 % Konfessionsfreien. Tendenz steigend.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:01:05 – 01:27:13:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">In absehbarer Zeit wird die Hälfte aller Menschen in Deutschland keiner Konfession angehören. Da ist das nicht mehr möglich. Wer sich heute noch als Lakai der Kirche</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:15:00 – 01:27:51:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">zeigt, der wird sehen, dass er an politischer Bedeutung verliert und zwar maßgeblich. Das führt mich zu der Frage, wenn ich als Mensch mit Behinderung kritisiere, dass unter anderem auch kirchliche Organisationen für behinderte Menschen tun, also Behindertenwerkstätten, Behinderten Wohnheime, wenig selbstbestimmtes Leben von behinderten Menschen überhaupt möglich ist in diesen Strukturen, aus anderen Gründen, hat das nicht zwangsläufig etwas mit der Religion zu tun, und ich das dann kritisiere bei der Politik,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:51:21 – 01:28:33:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">dann merke ich, dass die Politiker persönlich sehr betroffen sind, wenn man sie kritisiert, weil sie selber sagen, dass sie früher in der Kirche als Teenager wie auch immer sich so liebevoll für diese behinderten Menschen eingesetzt haben. Und es könne ja gar nicht sein, dass das problematisch ist. Und das heißt nicht die, die sachliche Kritik, die wir versuchen zu äußern, wird dann für die Kritisierten, sehr schnell zu der persönlichen Kritik, weil sie selber vielleicht auch einen Teil ihrer Jugend oder ihres jungen Lebens da verbracht haben und bis heute immer noch in Vorständen von Caritas und so weiter sitzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:34:04 – 01:29:13:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die sägen ja ungern am eigenen Ast. Das ist eine Beobachtung, die ich zumindest mache. Kannst du das bestätigen? Ja, also am interessantesten finde ich daran, diesen, diesen persönlichen Aspekt. Ich hatte mal so einen zum Auftritt Disput Berlin Das ist so ein vier minütiger Beitrag, ich sag mal, zur Trennung von Staat und Kirche, die Eckpunkte der modernen Religions und Kirchenkritik. Und darin habe ich gesagt Das Interessante an Religion ist, dass sich Religiöse durch die Kritik an Religion häufig persönlich beleidigt fühlen. Das mag der eine oder die andere von ihnen jetzt auch persönlich spüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:14:11 – 01:29:46:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da hat man richtige Betroffenheit in den Gesichtern gesehen. Also Religion ist eine wahnsinnig emotional aufgeladene Angelegenheit, gerade, ich sag mal, Menschen, die heute irgendwo zwischen 40 und 60 sind, gerade auch noch über 60, die sind ja mit der Kirche als einer mit einer viel stärkeren Präsenz aufgewachsen und die sind natürlich auch früh, ich sag’s jetzt noch mal vorsichtig</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:49:17 – 01:30:27:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">religiös unterwiesen worden. Und die erfolgreichste Indoktrination erkennt man ja daran, dass der Indoktrinierte sich nicht indoktriniert fühlt. Und wenn man, ich sage mal, gerade im Westdeutschland der 60er Jahre aufgewachsen ist, dann empfindet man das als Teil seiner Persönlichkeit unter Umständen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn jetzt jemand hinkommt und die politischen ich gehe auch nicht hin, oder du gehst ja wahrscheinlich auch nicht hin und sagst hier Religion ist doof und überhaupt an Gott glauben, das ist ja Quatsch, sondern wir kritisieren ja politische Zustände und das können viele nicht auseinanderhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:27:18 – 01:31:09:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich glaube, da besteht von unserer Seite auf jeden Fall noch viel Kommunikations Bedarf, eben ganz klar zu trennen. Wir sind nicht dafür da, die persönliche Spiritualität eines Menschen zu kritisieren oder gar in Frage zu stellen. Jeder Mensch muss glauben, was er oder sie will. Sondern es geht darum, politische Zusammenhänge zu kritisieren, übrigens auch erst einmal transparent zu machen. Und du sagtest eben so, dass ein selbstbestimmtes Leben für Menschen mit Behinderungen in christlichen Behinderteneinrichtungen oft gar nicht möglich ist, weil viel bevormundet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:09:26 – 01:31:48:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und also für uns als Konfessionsfreie steht die Selbstbestimmung wirklich im Zentrum unserer Weltanschauung und auch unserer gesellschaftlichen Vorstellungen, also dass jeder Mensch, Mann oder Frau, groß oder klein, dick oder dünn, hell oder dunkel, behindert oder nicht behindert selbst über sein Leben entscheiden kann. Das ist wirklich unser größtes Anliegen. Und wenn wir uns mal bestimmte Strukturen, vor allen Dingen Gesetzgebungen anschauen, dann ist diese Selbstbestimmung tatsächlich aus religiösen Motiven immer noch eingeschränkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:48:08 – 01:32:18:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist eigentlich ja im 21. Jahrhundert, das geht gar nicht. Also, der Fairness halber möchte ich dazu gesagt haben, dass es auch Behinderteneinrichtungen gibt außerhalb der Kirche, die problematisch sind. Also das ist jetzt kein Alleinstellungsmerkmal der Kirchen. Und solche innerhalb der Kirche, die auch gut sind. Also auch hier nochmal von mir wirklich die differenzierte Betrachtung. Ich würde nie hingehen und sagen Alles was die Kirche macht, ist schlecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:18:05 – 01:32:25:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mir hat jetzt auch jemand gesagt Mensch, Phillip, auf der Auf der Friedensdemo für die Ukraine hat die Vorsitzende der</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:26:16 – 01:32:57:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Evangelischen Kirche Deutschlands eine wahnsinnig gute Rede gehalten. Ja, das Mag ja sein. Das heißt aber trotzdem nicht, dass man die Kirchen mit einem eigenen Arbeitsrecht ausstatten oder sie von A bis Z finanziell alimentieren muss. Also da muss man eben schon einen Unterschied machen. Aber es ist ja schon erstaunlich und das beneide ich ehrlich gesagt als Atheist auch. Dieses Gemeinschaftsgefühl. Also wenn du keine Ahnung in einer Kirchengruppe als Teenager dabei warst, da, das war ich halt nie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:57:07 – 01:33:29:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder bei den Pfadfindern oder so, dann sind das so Dinge, die ich selber mir mühsam bei der Freiwilligen Feuerwehr, wenn überhaupt, hätte organisieren können. Aber die sind ja anders organisiert, die sind ja weniger gut strukturiert und organisiert. Kann es nicht auch die Gefahr beinhalten, wenn wir Kirchen noch weiter kritisieren und noch weiter vom Staat trennen, dass dann auch dieses, diese Orte der nicht kapitalistischen Begegnung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:29:24 – 01:34:00:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich meine jetzt, wir können auch in ein Fußballstadion gehen, aber das ist ja, das ist ja rein kapitalistisch inzwischen geworden. Ja, aber die Kirche doch auch. Die Kirche ist es auch. Aber da hängt ja kein Werbeplakat von Gazprom. Nee, aber da hängt ein Werbeplakat für Gott. Das ist doch. Das ist doch nichts anderes. Nochmal, der der Erfinder. Stimmt ja. Der Erfinder von Scientology hat es doch so</p>



<p class="wp-block-paragraph">deutlich gesagt Wenn du deine erste Million machen willst, gründe eine Religion. Und die Kirchen sind Sozialkonzerne, die</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:00:18 – 01:34:46:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">also die machen ja diese Jugendarbeit. Das will ich jetzt nicht jedem einzelnen Jugendarbeiter in den kirchlichen Einrichtungen unterstellen. Aber strukturell wird diese Jugendarbeit ja nicht aus reiner Nächstenliebe gemacht, sondern weil man über die Jugendarbeit sicherstellen muss, dass man auch in zehn, zwanzig, dreißig Jahren noch Mitglieder hat. Das ist doch, ist doch klar. Ich meine, das ist doch auch, warum haben christliche Kitas ganz offiziell die Funktion, Kinder eben nicht nur zu erziehen, sondern auch zum Glauben zu erziehen? Damit diese Religion weiter existiert. Und die Kirchen sehen ja auch, dass ihnen die Leute weglaufen und entsprechend geben</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:46:05 – 01:35:16:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">sie natürlich an der einen oder anderen Stelle auch noch mal ein bisschen ein bisschen Gas. Aber das, dass du sagst, dass mit den Kirchen unter Umständen nicht kapitalistische Begegnungsstätten wegfallen, das sehe ich nicht. Dass das, dass die nicht kapitalistisch sind. Die haben Aktien, die haben Immobilien ohne Ende, die gucken auch auf ihre Umsätze, die haben höchste, ja quasi staatliche Angestellte mit ihren, mit ihren Pfarrern und ihren Bischöfen und so, die verdienen ein Schweinegeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:17:00 – 01:35:48:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mal abgesehen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort, die eben genauso oder teils sogar noch tick schlechter verdienen als woanders. Aber das sehe ich nicht. Zu Betreuungsangeboten kann man natürlich nur sagen Es gibt auch nicht christliche Pfadfinder. Und ich zum Beispiel, ich habe ja eine normale staatliche Schule in Berlin Westend besucht als Grundschüler und ich kannte die Gemeinde meines Vaters und ich habe mich mit meinen Klassenkameraden immer wohler gefühlt, als ich mich in der Gemeinde meines Vaters wohlgefühlt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:48:12 – 01:36:14:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass mag jetzt, sage ich mal, auf dem Dorf oder auf dem Land oder in Kleinstädten vielleicht noch mal was anderes sein. Aber es gibt doch durchaus auch, ich sage jetzt mal, weltliche, nicht nichtchristliche, nicht religiöse Träger von Jugendeinrichtungen und auch die Möglichkeit sich zu treffen. Dass die Kids jetzt nur noch am Handy sitzen, das ist nochmal das nächste Problem. Aber das war ja das, was ich mit Freiwilliger Feuerwehr meinte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:16:08 – 01:36:47:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nur ich frage mich, wie kann man Strukturen kreieren, die eine Alternative darstellen, die auch auf dem Land funktioniert zum Beispiel, die sagen wir mal nicht kapitalistisch ist? Also da fehlt ja dann so eine Art Oberhaupt oder Organisationsstruktur die, dass die das hinkriegen kann. Also Fußball ist glaube ich, wirklich eine der wenigen Dinge, die ähnlich viele Menschen begeistern kann. Also ich sage mal Sport im Allgemeinen, wir haben drei Kinder und wenn ich mich mal hier so umschaue,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:47:27 – 01:37:26:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">die zwei davon sind auf der Grundschule, eine in der Kita. Erst mal geht da kaum jemand in die Kirche. Aber die haben vor allen Dingen ihre Sportvereine, in denen sie sind. Das muss ja nicht nur Fußball sein. Ich denke mal, Sport, das ist auch gleich noch gesund. Das hat noch einen tollen Nebeneffekt. Man lernt</p>



<p class="wp-block-paragraph">eben auch Teamgeist, große Freundschaften finden darüber statt. Oder man spielt, keine Ahnung, in einer Bigband, einer Schule oder da gibt es ja unterschiedliche Dinge. Aber um mal deinen Begriff Oberhaupt aufzugreifen, also ich sehe, dass Menschen immer weniger Bedürfnisse nach Oberhäuptern haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:27:24 – 01:38:01:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das, dass wir uns auf einer Augenhöhe begegnen, dass wir uns gleichberechtigt begegnen. Allein mit so Begriffen wie Bodyshaming sehe ich auch eine Kultur, in der zum Beispiel über über Dicke oder Behinderte viel weniger gelacht wird als noch zu meiner Kindheit. Also ich sehe da einen Fortschritt. Ich weiß nicht. Du wirst es vielleicht anders sehen, weiß ich nicht. Aber ich sehe, dass sich unsere Gesellschaft dahingehend weiterentwickelt hat, dass wir uns gegenseitig stärker so akzeptieren, wie wir sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:02:00 – 01:38:28:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da sind Oberhäupter eigentlich nicht mehr gefragt. Die Kids treffen sich auch so, sie brauchen dafür kein Oberhaupt. Und ich bin zum Beispiel als Kind viel in, also auch in so Jugendclubs gewesen. Die waren jetzt nicht von der Kirche. Das stimmt. Ja. Ja. Was soll ich sagen? Ich wollte mal hören, ob du da als Betroffener meine Einschätzung teilst, dass sich die Akzeptanz</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:30:16 – 01:38:53:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">oder ich auch mal der freundliche Umgang da verbessert hat. Ich weiß, dass in als ich in der Oberschule war, da war es gang und gäbe, dass der Kevin, hieß der glaube ich, der hatte einen starken Gehfehler, der wurde einfach ausgelacht. Da hat mir das Herz gebrochen damals. Klar. Also ich glaube, das gibt es immer noch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:55:07 – 01:39:31:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ähnlich wie meine subjektive Erfahrung mit der Kirche. Wahrscheinlich würden das die Hörerinnen vielleicht auch anders erleben. Immer mal wieder. Aber was ich an deinen Gesprächen, gibt ja ganz viele Podcasts auch mit dir, so interessant finde, ist dass du so einen Grund Optimismus hast. Ja, du sagst eigentlich so alles gut, also die Daten, also du hast jetzt gesagt, the World Facts zitierst du regelmäßig, wo dann eben gesagt wird Also statistisch gesehen geht es der Welt immer besser. Ja, und das ist ja so ähnlich, wie du gerade gesagt hast Kinder werden vielleicht weniger gemobbt als früher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:32:12 – 01:40:03:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trifft das dann also auch auf die Kirche zu? Also der synodale Weg, die Reformen, die Kirche, die katholische Kirche vor allem gerade durchläuft, fasst ja Themen an, die lange unaussprechlich für die Kirche galten wie Priester müssen nicht mehr zölibatär leben, Frauen sollen Priesterinnen werden können, Homosexualität ist keine Sünde mehr und so weiter und so fort. Ist die Kirche noch zu retten? Ach. Ich weiß es nicht. Und es ist auch gar nicht so richtig meine Aufgabe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:03:06 – 01:40:33:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich versuche mich irgendwie wirklich stärker um die Konfessionsfreiheit und um die Stärken der Konfessionsfreien zu kümmern, als um die Dinge, die da, die da in der Kirche passieren. Vor kurzem gab es ja diese, dieses Aufbegehren aus der Kirche, von Leuten, die gesagt haben Wir sind schwul, wir sind queer, wir sind trotzdem in der Kirche. Und dann bin ich gefragt worden von den Medien, was denn da in der Kirche passieren muss. Hey, keine Ahnung, das müssen die Kirchenleute wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:33:21 – 01:41:06:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich finde, vor allen Dingen müssen die Kirchenmitglieder wissen, ob sie Bock haben, Mitglied in einer Institution zu sein, die im Falle der katholischen Kirche, politisch komplett aus dem Vatikan gesteuert wird. Also demokratisch nicht legitimiert, meinst, du? Nein, natürlich nicht. Natürlich nicht, also von deutschen Steuergeldern finanziert, aber aus dem unschwer undemokratischen, geradezu antidemokratischen Vatikan gesteuert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:06:04 – 01:41:42:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich finde das wirklich, auch zum synodalen Weg, also der Kirchenrechtler, den ich vorhin zitiert habe, vielleicht fällt mir der Name noch ein im Laufe des Gesprächs, der hat eben auch gesagt, das ist eigentlich eine totale Pseudo Bewegung. Also man gibt nach außen hin vor, man würde sich öffnen, aber keiner von den Klerikern, von dem Führungspersonal, von der oberen Managementebene der Kirche ist dazu verpflichtet, diese Dinge auch umzusetzen. Also ich halte die Bemühungen der Kirche von unten und so weiter, ja das ist in allen Ehren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:43:06 – 01:42:16:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viele sagen ja dann auch, ich werde da nur was ändern können, wenn ich drin bleibe. Und ich will das eben von innen ändern. Ich glaube, die Kirche wird einfach nichts dagegen tun können, dass ihr die Leute weglaufen, weil sowohl ihre Weltanschauung mit allem, was wir heute über die Welt wissen, vollkommen inkompatibel ist, als auch ihre Politik zu dem, was wir heute unter einer freien und offenen Gesellschaft überhaupt nicht mehr passt. Und ob, ob die Kirche das noch schafft, sich da zu retten? Na ja, vielleicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:16:23 – 01:42:54:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß es nicht. Aber es, wie gesagt, es liegt mir auch ein bisschen fern, das überhaupt zu beurteilen. Ich sehe einfach die Austrittszahlen. Ich sehe, dass die Kirche ihre Glaubwürdigkeit so sieht, denn bei mir hat sie ehrlich gesagt nie so richtig gehabt. Wer seine Weltanschauung auf Wundern aufbaut, der findet bei mir einfach nicht so richtig viel Platz. Aber dass sie ihre Glaubwürdigkeit auch weitgehend verspielt hat. Und wir können das auch an Statistiken sehen, dass immer weniger Menschen den Kirchen vertrauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wir haben hier wirklich Werte im einstelligen Prozentbereich in der Frage, ob die Leute den Kirchen eben noch vertrauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:54:05 – 01:43:30:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich sehe das als eine zumindest sagen wir mal, in europäischen, westeuropäischen Ländern, auch übrigens zentral und osteuropäischen Ländern, als eine aussterbende Weltanschauung. Das sind immer weniger Menschen, die das in ihrem Leben für wichtig halten. Und es gibt auch eine Studie von dem Sozialwissenschaftlichen Forschungsinstitut der Evangelischen Kirche in Deutschland, die eben abschließt mit dem Fazit Stehen wir vor einer postchristlichen Gesellschaft? Ja. Also ich glaube nicht, dass das noch,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:31:10 – 01:44:04:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">also natürlich nicht mehr während meiner Lebzeiten, aber das wird an noch weiter, an Beliebtheit verlieren. Und vielleicht noch einen Satz Es tut mir leid, das ich so viel laber, aber noch ein Satz zu zu der Frage der immer besser werdenden Welt So, jetzt könnte man sagen, dieses Buch, was ich da geschrieben habe Isch geh Bundestag, wie ich meiner Tochter versprach, die Welt zu retten. Das ist natürlich vor</p>



<p class="wp-block-paragraph">Corona erschienen und auch bevor Wladimir Putin diesen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf den souveränen Staat der Ukraine gestartet hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:05:00 – 01:44:36:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich glaube, dass jemand wie Wladimir Putin Angst vor der Freiheit hat und dass er sie deswegen bekämpft. Und dass er merkt, dass eigentlich kaum noch jemand in dem System leben will, für das er steht, außer sagen wir mal den 1,2 % der Oligarchen, die davon tatsächlich profitieren. Aber Typen wie Putin und Lukaschenko rückt die Freiheit auf die Pelle. Sie sehen, dass sie in einem solchen System keinen Platz mehr haben und deswegen werden sie fuchsteufelswild und starten dann eben auch Angriffe. Und ich würde,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:36:27 – 01:45:11:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">es fällt mir schwer, angesichts des Angriffskriegs auf die Ukraine und der möglichen Folgen, die das hat, das zu sagen. Aber ich bin trotzdem der Meinung, dass der Fortschritt sich nicht aufhalten lässt und dass die Welt immer besser wird. Dieser Optimismus, der durchzieht sich ja durch deine ganze Arbeit, auch jetzt in den letzten Jahren. Du machst ja Gegenkritik bzw diese Staatskritik, wie du es ja am Ende sagst, schon wesentlich länger, aber woran arbeitest du momentan? Ich arbeite am Aufbau des Zentralrats der Konfessionsfreien.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:11:17 – 01:45:28:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin seit 01.10.2021 Vorstandssprecher des Zentralrats der Konfessionsfreien. Dieser Zentralrat ist hervorgegangen aus dem Koordinierungsrat säkularer Organisationen, kurz KORSO.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:30:17 – 01:46:01:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist ein Zusammenschluss von etwa zehn Verbänden, die sich zum Ziel gesetzt haben, den Wandel Deutschlands zum säkularen Rechtsstaat zu begleiten, sage ich mal. Das baue ich gerade auf. Wir bauen die Website, wir formulieren etwas, das wir säkulare Ampel nennen. Das wird eine Art To Do Liste für die Bundesregierung zum Umbau Deutschlands, zum säkularen Staat, damit wir eben auch irgendwann Bilanz ziehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:02:02 – 01:46:47:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was haben Sie alles geschafft? Und ich habe im Moment wirklich die, die die wahnsinnig befriedigende Aufgabe erstmalig in meinem Leben mich fulltime um die Konfessionsfreiheit zu kümmern, Kommunikationskonzepte dafür aufzusetzen, einen eigenen podcast übrigens auch vorzubereiten, ein Videochannel, ein Youtube Channel aufzubauen, unseren Twitter Kanal dann entsprechend zu bestücken, über Instagram vielleicht auch ein bisschen noch den Lifestyle des Ganzen herauszuarbeiten, Kontakt zu Politikerinnen und Politikern aufzunehmen, um mit ihnen darüber zu sprechen, wie sie sich dafür einsetzen, dass Konfessionsfreie und die Rechte der Konfessionsfreien stärker berücksichtigt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:47:20 – 01:47:24:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das mache ich gerade, wenn ich mich nicht gerade um eins meiner, zwischendurch auch Korona kranken, Kinder kümmere. Uns selbst hat es jetzt irgendwie im Februar komplett erwischt. Erst meine Frau, dann ich, dann das erste, dann das zweite, dann das dritte Kind. Und ich habe auch echt das Gefühl, wenn das jetzt so weitergeht, dass ich zwischen Oktober und Ostern bei jeder Rotznase meine Kinder zu Hause</p>



<p class="wp-block-paragraph">behalten muss, dann kann ich in Frührente gehen. Ich kann wirklich nur hoffen, dass wir wenigstens in dem Bereich unserer Gesellschaft irgendwie ein Stück weit zur Normalität wieder übergehen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:25:08 – 01:48:05:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, und dann werde ich mittelfristig natürlich auch wieder ein Buch schreiben wollen über die Konfessionsfreiheit und über das Lebensgefühl der Konfessionsfreiheit, weil ich finde, ähm, humanistische Organisationen, säkulare Organisationen haben das bisher sehr gut geschafft, korrekte Argumente aneinanderzureihen. Aber mit der Aneinanderreihung korrekter Argumente gewinnt man vielleicht Debatten, aber nicht unbedingt die Herzen der Menschen. Das heißt, wir wollen ganz stark daran arbeiten, das Lebensgefühl zu vermitteln, das die Konfessionsfreiheit mit sich bringt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:05:07 – 01:48:43:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das bedeutet eben Selbstbestimmung. Das bedeutet die Akzeptanz gegenüber anderen Lebensvorstellungen und Lebensmodellen. Das ist eine wahnsinnig farbenfrohe Weltanschauung, die die vollen 360 Grad des Lebens abbildet. Und dafür, damit kann ich mich im Moment den ganzen Tag beschäftigen und das ist total geil. Es macht mir ein Riesenspaß. Habt ihr als Konfessionsfreie auch so etwas wie zehn Gebote? Ja, also wenn, dann wären es Angebote, sage ich mal. Noch besser.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:44:08 – 01:49:11:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, mein lieber Freund Michael Schmidt-Salomon hat vor einigen Jahren schon die zehn Angebote des evolutionären Humanismus verfasst. Die Julis, die Jungen Liberalen, haben die zehn Gebote, warte ob ich es noch zusammen zusammenkriegen, die zehn Gebote des weltanschaulich neutralen Staats in einer liberalen Gesellschaft oder so, verfasst. Und das ist, beides, wahnsinnig gute Texte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:13:05 – 01:49:45:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sind schnell gegoogelt. Ich versuche ein anderes Wording zu finden. Also mit Geboten kann ich schon gar nicht so viel anfangen. Ich bin auch in meiner Persönlichkeitsstruktur nicht so auf Gebote geeicht, sage ich mal vorsichtig. Angebote ja sind nett und schön. Ich, also uns geht es vor allen Dingen, ich will noch mal diese To Do Liste ins Spiel bringen. Ich finde, dass wir als eine Lobbyorganisation, die wir ja sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind eingetragen im Lobbyregister,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:46:27 – 01:50:19:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">sowohl Öffentlichkeitsarbeit betreiben müssen, als eben auch die Bundesregierung mit Informationen zu versorgen. Und da geht es ja tatsächlich darum, dass viele MdBs, viele Mitglieder des Bundestags gar nicht so gut informiert sind über diese Verquickung aus Staat und Kirche. Und das wird auch unsere Aufgabe sein, die da ein bisschen aufzuklären. Und deswegen würde ich eher, wenn andere Angebote formulieren oder Gebote, dann würde ich mal so eine To Do List schreiben und die kann man dann abhaken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:19:21 – 01:50:52:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und am Ende dieser Legislaturperiode können wir dann Bilanz ziehen, wie gut es diese Bundesregierung geschafft hat, Deutschland zu einem säkularen Rechtsstaat zu entwickeln. Und das wird jetzt unsere Aufgabe sein. Gibt es Grundeinstellung, die du im Laufe deiner Arbeit an diesem Thema korrigieren musstest? Ja, auf jeden Fall. Zum Beispiel? Ja, also, ich erinnere mich an eine Situation bei Anne Will, in der mir eine waschechte arsch-katholische Abtreibungsgegnerinnen gegenübersaß.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:54:06 – 01:51:27:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die ist dann nach der Hölle gefragt worden. Dann hat sie gesagt Es gibt die Hölle, aber sie ist leer. Und da habe ich gesagt Entschuldigung, es sind schon Leute für weniger in die Klapse gekommen. Und das ist eigentlich ein Zitat von Volker Pispers. Habe ich natürlich nicht als Zitat gekennzeichnet. Anne Will musste daraufhin sagen Herr Müller, können wir uns darauf einigen, dass Sie meine Gäste nicht beleidigen? So, und ich sage mal, also wenn ich, wenn ich mich von Einstellungen verabschiedet habe, dann ist es vor allem die Einstellung, dass man</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:29:24 – 01:52:16:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">draufhauen muss. Ich habe tatsächlich mich früher wahnsinnig darüber aufregen können, wenn jemand an Gott glaubt oder an Astrologie oder so. Ich habe es ehrlich gesagt, ich weiß noch genau, wie ich meine ganze Party gesprengt habe, mich in der Küche, finde aber die besten Party Gespräche statt, in der Küche mit zwei Frauen über ich weiß garnicht mehr, ich glaube, denn über Sterne, also erst haben wir uns so nett unterhalten. Irgendwann haben die angefangen mit Sternzeichen und dann endete es damit, dass die beide heulend diese Party verlassen haben und alle mich ganz böse angeschaut haben, weil ich halt meine Position zum Thema Sternzeichen und überhaupt meinem wissenschafts orientierten Weltanschauung dargelegt habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:17:02 – 01:52:51:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das mache ich nicht mehr. Ich bin sanfter geworden, netter und ich bin vor allen Dingen, ich meine, ich meine das wirklich bierernst, wenn ich sage, ich bin dafür, dass jeder und jede ihre und seine Weltanschauung selbst wählen kann. Und wenn es dazu führt, dass jemand wahnsinnig stark an Gott glaubt, dann ist das seine oder ihre Sache. Aber, aber was sagt sie über die Leute, die an die Reptiloiden glauben, die die Weltverschwörung vorbereiten? Ja, das ist doch deren Sache.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:51:09 – 01:53:32:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wir könnten uns hinsetzen und miteinander streiten darüber, wie viel das mit der Realität zu tun hat. Das können wir mit Blick auf die Entstehungsgeschichte der Welt in der Bibel machen. Oder auch Scientology, die ganzen Verschwörungstheorien, darüber muss man streiten. Aber dass jede und jeder seine eigene Weltanschauung haben kann, das finde ich wahnsinnig wichtig. Und dafür würde ich mich auch immer einsetzen. Das heißt, wir setzen uns ja nicht dafür ein, dass hier atheistische Politik stattfindet, sondern dass ein weltanschaulich neutraler Staat entsteht, der sich aus diesen Fragen schlicht und ergreifend raushält und der den Religionsgemeinschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:32:13 – 01:54:07:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seine Infrastruktur nicht zur Verfügung stellt, um Kinder weltanschaulich zu beeinflussen. Das ist wichtig. Und da bin ich, ach, vielleicht weißt du Raul, vielleicht bin ich auch einfach, ich meine, ich bin 41, aber vielleicht bin ich ein bisschen altersmilder geworden. Ja, ich, ich war ein bisschen hitzköpfig früher. Ich habe mich da ein bisschen locker gemacht. Es sind einfach auch Sachen in meinem Leben passiert, die mich ein bisschen geerdet haben. Ich habe drei Kinder, ich habe genug Stress. Ich muss mich jetzt nicht noch mit wahnsinnig gläubigen Leuten darüber streiten, ob es jetzt Gott gibt oder nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:07:16 – 01:54:41:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist doch mir vollkommen egal. Das ist deren Sache. Ich will bloß nicht, dass Sie mit Gott Gesetze schreiben, die dazu führen, dass Konfessionsfreie oder eben Menschen anderer Religionen sich plötzlich an Gesetze halten müssen. Denn so ist das ja in einem Rechtsstaat, dass diese Gesetze dann für alle gelten, die eben auf religiösen Überzeugungen beruhen. Also wenn jemand zum Beispiel sich ärgert darüber, dass wir als Konfessionsfreie so auftreten, dann kann ich nur sagen Du willst doch auch nicht, dass ich dir meine Weltanschauung überstülpe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:41:18 – 01:55:21:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und deswegen solltest du auch verstehen, dass ich nicht will, dass du mir deine Weltanschauung überstülpst. Ich finde, wir sollten uns in dem Fragen gegenseitig in Ruhe lassen. Wenn wir Politik betreiben, dann muss diese Politik kritisch, rational, evidenzbasiert und weltanschaulich neutral sein. Weil da werden Entscheidungen getroffen, unter denen dann etwa 80 Millionen Leute unter Umständen auch zu leiden haben. Aber wenn es jetzt um persönliche Entscheidungen geht, so what? Also ich, und ich glaube, Tucholsky hat es gesagt, ich habe lieber mit einem vernünftigen Christen zu tun als mit einem durchgeknallten Atheisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:21:24 – 01:55:55:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das geht mir ehrlich gesagt auch so, ich meine, wie oft treffen wir Leute und unterhalten uns überhaupt nicht darüber, ob jemand religiös ist oder nicht und verstehen uns ansonsten super gut mit denen. Also ich habe tatsächlich auch schon im Laufe meiner Arbeit super nette religiöse Menschen getroffen und ich würde eben nie hingehen und denen ihre Religion ausreden wollen, sondern wie gesagt, uns geht es vor allen Dingen um die Politik und das muss im Zentrum stehen. Jetzt gibt es natürlich nicht nur die Politik und die Religion, sondern auch die Zivilgesellschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:56:09 – 01:56:02:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist eine Frage, die ich allen meinen Gästen, kurz bevor der Aufzug angekommen ist, stelle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:04:19 – 01:56:12:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibt es eine Organisation oder eine Stiftung, die du für unterstützenswert hältst und vielleicht an der du nicht beteiligt bist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:15:04 – 01:56:55:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo unsere Hörerinnen und Hörer vielleicht sich engagieren könnten oder Geld spenden könnten und du sie quasi empfiehlst. Also ich selber habe über eine Stiftung tatsächlich meinen Horizont so erweitern können, dass ich sie jeder und jedem empfehlen würde. Und es tut mir leid, sie gehört zum Zentralrat der Konfessionsfreien, aber ich finde, dass alle Themen, die in der Giordano Bruno Stiftung behandelt werden, alle Positionen, die dort gefunden werden, so bunt und so vielfältig und zugleich so klar sind, dass ich</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:56:02 – 01:57:35:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">und ich will jetzt, ich will jetzt gar nicht hingehen und sagen Spendet da Geld oder ist toll, wäre toll. Aber setzt euch mit den Themen auseinander und betrachtet sowohl unseren Zentralrat als auch diese Stiftung und auch andere Organisationen bei uns als so ein Ausgangspunkt, sich eben die volle Bandbreite des Lebens anzuschauen. Also ich kann nur sagen, der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, mein</p>



<p class="wp-block-paragraph">lieber Freund Michael Schmidt-Salomon ist ein Typ, den könnte man als Telefonjoker haben, weil der einfach dieses wahnsinnige Talent besitzt, sich in alle möglichen Themen reinzulesen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:36:15 – 01:58:08:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der verfasst da noch auf einmal juristische Gutachten, und ich habe am Anfang immer gedacht Ja gut, okay dafür kennt er sich dann wahrscheinlich so mit so normalen Lebensthemen nicht so aus. Nein, der hört dann noch super viel Musik, guckt die Bundesliga, kennt alle mögliche, auch Trivialliteratur und das ist einfach irgendwie ein Tausendsassa. Und die Auseinandersetzung mit Michael Schmidt-Salomon und der Giordano Bruno Stiftung, die ist, die möchte ich einfach empfehlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:08:05 – 01:58:42:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, sie gehört zu uns, aber sie ist trotzdem gut. Okay, ich könnte noch Stunden mit dir weiter reden. Wir haben einen ganzen Themen Cluster nicht behandelt. Einmal das Thema Cluster deine Kritik an Fridays For Future, zum Beispiel. Was ich auch super spannend gefunden hätte oder auch dein Isch geh Bundestag Buch wo du deiner Tochter sagst du gehst mal kurz die Welt retten. Super spannende Themen auch. Vielleicht können wir dafür noch bei einer anderen Gelegenheit, um darüber zu sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:42:24 – 01:59:00:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine letzte Frage an dich wäre Was macht der Hoffnung? Die Tatsache, dass die Welt bisher immer besser geworden ist und ich davon ausgehe, dass durch die fleißige Arbeit vieler Menschen das auch weiterhin so bleiben wird. Wir</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:01:27 – 01:59:32:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">haben es geschafft, uns aus einem Leben im Einklang mit der Natur zu befreien, was ein ziemlich grausames Leben ist. Allerdings haben wir das nur geschafft, indem wir fossile Brennstoffe dafür nutzten. Ich bin der Meinung, dass wir nicht zu viele sind, sondern bisher nur zu doof und dass wir es auch noch schaffen werden, unsere Intelligenz dafür einzusetzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, ohne sie dabei kaputt zu machen. Wir sind da auf guten Wegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:33:00 – 02:00:03:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe jetzt lange für Cradle to Cradle gearbeiteten, ein NGO in Berlin, die sagt, dass alles von der Wiege zur Wiege gehen muss, dass alles so entworfen werden muss, dass erst gar kein Müll entsteht. Und das ist zum Beispiel eine Perspektive auf die ganze Frage des Umweltschutzes, die eben nicht moralisch angegangen wird. Von wegen der böse Mensch, der den bösen Fußabdruck hinterlässt, sondern wo man sich mit, eigentlich mit Erfindungsreichtum und Ingenieurskunst eben daran macht zu sagen, dann müssen wir es halt anders machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:03:13 – 02:00:35:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass wir solche Dinge tun, dass wir gelernt haben, dass das Recht des Stärkeren nicht dazu führt, dass wir als Menschheit stärker werden. Das macht mir Hoffnung. Und alle anderen Auseinandersetzungen, die können unsere Hörerinnen und Hörer ja auch in meinen Büchern nachlesen. Lieber Phillip, wir sind angekommen. Vielen, vielen Dank für das sehr interessante und ehrlich gesagt auch aufklärende Gespräch. Ich habe eine Menge verstanden und habe eine Menge zum Nachdenken mitgenommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:35:27 – 02:01:16:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich danke dir, Raul. In welchem Stock sind wir jetzt angekommen? Sind ja eine Weile gefahren, oder? Ja, das ist wahrscheinlich so 428 oder so mit drei vier Stops dazwischen, in der Leute ein und ausgestiegen. Vielleicht haben wir auch einfach vergessen, den Knopf zu drücken und sind einfach im stillstehenden Aufzug geblieben. Genau. Vielleicht war es auch ein super langsamer Fahrstuhl und wir sind jetzt einfach im dritten Stock oder so! Du, es hat mir total Spass gemacht mit dir zu sprechen und ich freue mich auf Feedback auch von den Menschen die diesen Podcast hören und freue mich dich, wenn der ganze Corona Spuk mal vorbei ist, vielleicht auch mal in echt zu sehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:16:28 – 02:01:24:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr gerne. Auf bald. Cool. Ich danke dir. Danke dir für das Gespräch. Gerne. Ciao. Ciao. Tschüss. Tschüss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:28:10 – 02:01:47:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat, bewerte diese Folge bei Apple Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Allerdings zur Folge. So wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, findet ihr in den Shownotes. Schaut auch gerne mal rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:50:09 – 02:02:02:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zwei Mal im Jahr persönlich zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:05:03 – 02:02:12:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug ist eine Produktion von Schönlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
</div></div></div>
</div></div></div>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=9Kdqmo1pDJQ">Philipps Auftritt bei Disput Berlin<br></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://konfessionsfrei.de">Zentralrat der Konfessionsfreien<br></a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.fischerverlage.de/buch/philipp-moeller-isch-geh-bundestag-9783596298822">Buch: Isch geh Bundestag</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Hier findest du mehr über mich:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.giordano-bruno-stiftung.de/leitbild/zehn-angebote">10 Angebote des evolutionären Humanismus<br></a><br><a href="https://raul.de">Website</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Philipps Herzensangelegenheit:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.giordano-bruno-stiftung.de">Giordano Bruno Stiftung</a></p>



<div class="inherit-container-width wp-block-group has-ast-global-color-4-background-color has-background is-layout-constrained wp-block-group-is-layout-constrained">
<h2 class="wp-block-heading" id="h-podcast-abonnieren">Podcast abonnieren</h2>



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<h2 class="wp-block-heading" id="h-hier-findest-du-mehr-uber-mich">Hier findest du mehr über mich:</h2>



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<p class="wp-block-paragraph">Dieser Podcast ist eine Produktion von <a class="ek-link" href="https://www.schonlein.media">Schønlein Media</a>.<br>Produktion: Fabian Gieske , Tim Rodenkirchen<br>Schnitt und Post-Produktion: Tim Rodenkirchen<br><br>Coverart: Amadeus Fronk</p>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://im-aufzug.de/im-aufzug-mit-philipp-moeller-autor-und-kirchenkritiker/">Im Aufzug mit Philipp Möller, Autor und Kirchenkritiker</a> erschien zuerst auf <a href="https://im-aufzug.de">Im Aufzug</a>.</p>
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		<title>Im Aufzug mit Sara Nuru</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 14:50:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Die meisten von euch haben schon mal ihren Namen gehört: Sara Nuru. Schlagartig ins Rampenlicht katapultiert wurde sie durch Heidi Klums Show Germanys Next Topmodel &#8211; das war vor 14 Jahren. Heute will ich mit ihr unter anderem über diese Zeit sprechen. Wie war das, für die 19 Jahre alte Sara von jetzt auf gleich [&#8230;]</p>
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<p class="wp-block-paragraph">Die meisten von euch haben schon mal ihren Namen gehört: Sara Nuru. Schlagartig ins Rampenlicht katapultiert wurde sie durch Heidi Klums Show Germanys Next Topmodel &#8211; das war vor 14 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute will ich mit ihr unter anderem über diese Zeit sprechen. Wie war das, für die 19 Jahre alte Sara von jetzt auf gleich Deutschlandweit bekannt zu sein? Doch sie ist nicht nur ein erfolgreiches Topmodel &#8211; sondern auch Sozialunternehmerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihrer Schwester Sali gründete sie nuruCoffee &#8211; Kaffee aus Äthiopien, dem Heimatland ihrer Eltern &#8211; und nuruWomen. Ihr Verein vergibt Mikrokredite an Frauen aus den ländlichen Regionen Äthiopiens und leistet damit Starthilfe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf für Sara Nuru!</p>



<div class="wp-block-kadence-accordion alignnone"><div class="kt-accordion-wrap kt-accordion-wrap kt-accordion-id_a12e7e-82 kt-accordion-has-2-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-arrow kt-accodion-icon-side-right" style="max-width:none"><div class="kt-accordion-inner-wrap" data-allow-multiple-open="false" data-start-open="none">
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<p class="wp-block-paragraph">01:02:16:00 – 01:02:29:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die meisten von euch haben sicher schon mal ihren Namen gehört. Es geht um Sara Nuru. Schlagartig ins Rampenlicht katapultiert wurde sie durch Heidi Klums Germany’s Next Topmodel. Das war allerdings auch schon vor 14 Jahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:32:25 – 01:02:48:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute will ich mit ihr unter anderem über diese Zeit sprechen. Wie war das für die 19 Jahre alte Sarah, von jetzt auf gleich deutschlandweit bekannt zu sein? Allerdings ist sie nicht nur ein erfolgreiches Topmodel, sondern auch Sozialunternehmerin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:50:12 – 01:03:12:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit ihrer Schwester Sali gründete sie zum Beispiel nuruCoffee, Kaffee aus Äthiopien, im Heimatland ihrer Eltern. Und nuruWomen. Der Verein vergibt Mikrokredite an Frauen aus den ländlichen Regionen Äthiopiens und leistet damit Starthilfe. Was das für sie bedeutet, wie sie auf die Idee kam, erzählt sie mir jetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:14:07 – 01:03:16:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf für Sara Nuru.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:22:11 – 01:03:53:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tür geht auf. Und wer kommt rein? Sara Nuru. Welch eine Ehre. Hallo! Ja. Vielen Dank für die Einladung. Schön, dass du da bist. Darf ich fragen, von wo du gerade einsteigst und wo der Aufzug hinfährt? Ich bin in meinem Homeoffice in meiner Wahlheimat Zürich. Ich bin in meinen gemütlichen vier Wänden und ich freue mich jetzt, mit in den Aufzug zusteigen. Und wohin geht die Reise? Achso, hmm. Wohin geht die Reise? Muss ich kurz überlegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:54:12 – 01:03:55:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Instinktiv würde ich sagen nach oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:58:03 – 01:04:08:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber keine Ahnung. Ich lasse mich überraschen wo ich rauskomme. Gab es schon mal eine krasse Situation an die du dich erinnerst im Aufzug dir widerfahren ist oder eine schöne?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:10:27 – 01:04:17:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Puh Ich glaube, die Frage stellst du öfters und ich hätte mich eigentlich vorbereiten können. Habe ich nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:18:29 – 01:04:24:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss kurz überlegen. Tatsächlich steige ich selten in Aufzügen, wenn ich ehrlich bin. 01:04:26:20 – 01:05:01:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht. Es liegt nicht an Platzangst. Aber ich versuche eigentlich immer, Stufen zu geben und bin gar nicht so oft in Aufzügen. Aber doch ich erinnere mich an eine Situation, da war ich in Äthiopien und in dem ziemlich hohes Gebäude von dem Langstreckenläufer Haile Gebrselassie. Und der hat in Äthiopien gehört ihm das ganze Gebäude und ich weiß das zu dem Zeitpunkt ganz oft es zu Verstopfung kam oder beziehungsweise zu, ich weiß nie, wie man das nennt, dass ein Aufzug einfach stehenbleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:01:14 – 01:05:58:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich war nicht alleine und ich war in einer Gruppe mit unterschiedlichen Leuten. Und drei hatten wirkliche Platzangst. Und wir waren, ja und wir waren irgendwie, das war glaube ich im 25 Stock mit dementsprechend vielen Stufen und da habe ich natürlich bevorzugten einen Aufzug zu nehmen. Und dann sind wir tatsächlich kurz stehen geblieben. Also wie gesagt, ich weiß nicht, wie das richtige Wort ist, aber da sind wir steckengeblieben. Das ist es, Jetzt! Und habe in dem Moment wirklich Panik bekommen, weil ich nicht ganz auf die, ich habe zu sehr auf die äthiopische Technologie vertraut und habe in dem Moment sehr bereut, dass ich nicht die Stufen genommen habe wie die anderen und aber das konnte sehr schnell gelöst werden und war eine Sache von vielleicht drei Minuten, aber trotzdem schon mit Schrecken verbunden und seitdem habe ich ein gemischtes Gefühl mit Aufzügen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:58:29 – 01:06:04:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich, ich, ich finde es aber grundsätzlich gut und wichtig, dass es Aufzüge gibt, gerade um auch eben</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:06:07 – 01:06:37:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Barrieren zu ermöglichen für für jeden. Und genau. Das heißt dann, das war vielleicht für dich so ein traumatisches Erlebnis. Also du denkst, jedes Mal, wenn ein Aufzug siehst, an diese Situation? Ja schon. Wenn ich ehrlich bin und ich glaube, das liegt vielleicht daran, dass ich jetzt immer gern zu Fuß gehe und nicht mehr so oft in Aufzügen einsteige. Es ist dann immer natürlich dann, Ich habe sehr lange im Altbau gewohnt und hatte 66 Stufen. Ich habe immer so ein Tick, dass ich Stufen zähle.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:37:20 – 01:06:56:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da habe ich mir immer ein Aufzug gewünscht. Ich habe das gehasst. Und ich bin auch kein Fan von Getränke liefern lassen, weil ich immer so Mitleid habe mit diejenigen, die dann für einen die Arbeit leisten müssen und die ganzen Stufen hochlaufen müssen, weil man selber zu faul ist und alles mit Geld versucht zu kaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:58:02 – 01:07:28:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ja, aber in solchen Momenten wünsche ich mir eigentlich einen Aufzug. Und in welchem Stockwerk wohnst du jetzt? Jetzt im vierten Stock. Das sind aber auch nicht wenig Stufen, oder? Nein, und wir haben mittlerweile ein Aufzug, aber das ist in der Schweiz und da vertraue ich auf die Technologie und auch auf die Wartung. Also ich muss dir jetzt leider nicht weiter beunruhigen, aber in Deutschland zum Beispiel gehen ja Aufzüge auch regelmäßig und oft kaputt, vorzugsweise an Bahnhöfen, wo sie sehr häufig benutzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:28:14 – 01:07:55:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass das für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste immer wieder eine Lotterie, ob man überhaupt noch zum Zug kommt oder nicht. Dass ist eine Zumutung und in Berlin ist es wirklich ein Problem also, dass das denke ich mir ganz oft auch für ich bin jetzt Tante geworden und bei meiner Schwester, die hatte jetzt</p>



<p class="wp-block-paragraph">einen Kinderwagen. Und wenn sie, also sie ist auch sehr eingeschränkt, dann wird das einem erst bewusst so, man ist ja selbst im Alltag sehr eingeschränkt und nicht so weit,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:57:12 – 01:08:30:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">weitsichtig und vergisst man, was es bedeutet, wenn man nicht diese Mobilität hat und das wird einem erst dann bewusst, wo man selber davon betroffen ist. Und das natürlich eine Zumutung und eigentlich schrecklich. Also als wir diese Aufzeichnung hier vorbereitet haben, stechen natürlich zwangsläufig drei Themen hervor, für die du stehst. Viele der Hörerinnen kennen dich wahrscheinlich, die meisten wahrscheinlich sogar, wenn nicht gar alle. Ich habe jetzt die ganze Zeit überlegt, wie, wie, wie bauen wir unser Gespräch auf? Wir können über Germanys next Topmodel reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:31:03 – 01:09:03:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können über deine Biografie sprechen, die auch super spannend ist, und super beeindruckend. Und natürlich auch über dein, dein Business, dein nuruCoffee und nuruWoman Initiativen. Und ich habe dann überlegt, wie baut man eigentlich eine Dramaturgie auf? Und da fiel uns auf, dass deine Mutter immer mittwochs eine traditionelle äthiopische Kaffee Zeremonie macht, die in drei Stufen aufgeteilt wird in die erste Stufe der Genuss, wenn ich das richtig verstanden habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:04:08 – 01:09:38:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Genau. Dann kommt die zweite Stufe, der Aufguss. Und beim Aufguss wird dann quasi über Probleme gesprochen. Und dann der dritte Aufguss wäre dann das Lösen von Problemen. Und wenn wir unser Gespräch heute so aufteilen würden, mit welchem Thema möchtest du anfangen? Erst der Genuss. Ja, sehr gerne. Schön. Das fühlt sich wie zu Hause an! Ähm. Heute ist sogar Mittwoch. Ja, das stimmt. Also, heute wird meine Mama auch meistens um die Uhrzeit mit wahrscheinlich jetzt Kaffee aufkochen und die Zeremonie machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:39:12 – 01:10:18:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähm, ja. Also Genuss. Sehr gerne. Über das Schöne im Leben, über Positives, über Hoffnung, Potenzial. Da würde ich gerne drüber sprechen. Das ist ja in Zeiten wie diesen gar nicht so einfach. Wo wir auf der einen Seite erleben, dass der Klimawandel seit Jahrzehnten über uns lauert und uns auch wirklich zunehmend beschäftigt, dann der Ukraine Krieg und dann natürlich auch die Situation in Äthiopien, wo der WHO Chef sogar sagt, die Krise dort ist größer als die ukrainische Krise bzw. der Krieg den Russland da angezettelt hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:19:02 – 01:10:50:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was macht dir denn Hoffnung? Also ist natürlich recht. Also es gibt wenig, worüber man eigentlich, woran man sich festhalten kann, wenn man sobald man die Nachrichten aufmacht. Ich gebe ehrlich zu, dass ich momentan wenig News konsumiere, einfach weil ich merke, wie sehr mich das demotiviert und auch traurig macht. Aber ich versuche immer in Richtung Hoffnung zu blicken und bei all dem Negativen doch noch irgendwas Positives rauszuziehen. Und eben in dieser Hoffnung, in dem Vertrauen sein, dass es besser wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:50:07 – 01:11:20:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da merke ich, dass wenn ich in die, in die junge Generation blicke, ich habe eine jüngere Schwester, die ist jetzt 19 Jahre, wie aufgeklärt sie ist, wie engagiert sie ist und auch ihre Mitstreiterinnen in ihrem</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alter, das gibt mir Hoffnung. Also die neue Generation, die jüngere Generation, die, die nur diese Realität kennen, gefühlt, und die trotzdem aktiv werden, die trotzdem ihre Stimme erheben und versuchen einen Beitrag zu leisten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:20:29 – 01:12:03:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gibt mir Hoffnung. Und auch ehrlich gesagt, auch wenn wir jetzt immer von Globalisierung sprechen und dass man und auch wir haben ja diese durch die Technologie und durch das Internet, ja Zugang zu allen Informationen 24 Stunden, auf der ganzen Welt, merke ich, wie wichtig mir das ist, dass ich so mein Safe Space, also meine direkte Umgebung, Freunde, Familie, Arbeit, Umfeld noch mehr pflege. Und wenn ich schon nicht das Außen beeinflussen kann, so versuche ich so mein Inneres und auch meine Umgebung positiv mitzugestalten und da nach vorne zu schauen und das Beste draus zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:03:29 – 01:12:42:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich merke schon, dass ich sehr in mich gekehrt bin, aber auch eben, das sehr schütze und auch mehr pflege, als dass ich das vorher gemacht habe. Das finde ich total spannend, weil du hast ja gerade gesagt, deine Schwester ist 19, du selber hast mit 19 schlagartig auch Bekanntheit erlangt. Als du bei Germanys Next Topmodel 2009 glaube ich, war das, gewonnen hast als Topmodel aber auch als erstes schwarzes Model in Deutschland. Hat sich dieses Leben, was man dann da zumindest im Fernsehen präsentiert bekommt, Highlife, High Society, Luxus, Glamour, hat sich dadurch deine Perspektive auf Genuss geändert?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:44:01 – 01:13:06:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also auf Genuss, man denkt sofort bei Genuss an Essen. Also ich zumindest an Essen, Trinken, irgendwie an das. Wenn du darauf hinaus möchtest. Oder jetzt Genuss im weitesten Sinne. Genau Wellness, Spa, Hotel, Urlaub. Ja. Das hat sich, also ich bin in den Genuss der schönen Seiten,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:07:21 – 01:13:45:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">also der vermeintlich luxuriösen in Anführungszeichen, das sieht man jetzt in dem Podcast nicht, aber ich mache dieses Anführungszeichen, vermeintlich Schöne des Lebens bin ich gekommen im Sinne von teuren Hotels, lukrative Jobs, komfortables Fliegen und so weiter. Aber ich habe relativ schnell festgestellt, dass das eine schöne Außenfassade ist, aber mit wenig Substanz, also dass das ja nicht wirklich die Realität ist und dass das vielleicht eine nicht Kehrseite, aber eine Seite dieses Berufes ist, was aber nicht selbstverständlich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:45:02 – 01:13:48:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also das klassische Model Alltag ist,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:50:06 – 01:13:58:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">sieht ganz anders aus. Und dann hetzt man von einem job zum anderem zu einem casting von und ist in irgendwelchen Model WGs und hat</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:59:28 – 01:14:30:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">ja eben nicht dieses ganze komfortabel leben, das das ist. Auch mir wurde eine Welt geöffnet und suggeriert, die eher daraus resultiert ist, dass ich bei dieser Fernsehsendung mitgemacht habe. Und weil ich ein plötzlich prominente Person war, weil ich in der Öffentlichkeit war. Aber dass das eigentlich als</p>



<p class="wp-block-paragraph">Model, gerade wenn man anfängt, fängt man ganz unten an, also das ist man, hat man all diese vermeintlichen Vorteile, die hat man erst nach vielen, vielen Jahren harter Arbeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:30:20 – 01:15:05:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist dann schon so eine Illusion, die aus so einer Sendung resultiert, was glaube ich auch, um zu suggerieren für die Zuschauer, dass das so toll und erstrebenswert ist, um sich irgendwie zu rechtfertigen, warum es dieses Format überhaupt gibt. Aber, jetzt verrenne ich mich glaube ich, aber im Grunde habe ich das alles natürlich genossen. Ich fand das aufregend und toll, aber ich bin zeitgleich zu meinem Sieg auch im Landesinneren von Äthiopien gereist, in das Land meiner Eltern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:05:05 – 01:15:37:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Auftrag einer Entwicklungshilfe namens Menschen für Menschen, die mich als ihre Jugend Botschafterin wollten, dass ich Fundraising betreibe und Öffentlichkeitsarbeit für die Stiftung leiste und möglichst viele junge Menschen mit dem Thema Entwicklungszusammenarbeit näher bringe. Und diese Reisen nach Äthiopien haben wie so meine Scheuklappen geöffnet, im Sinne, dass ich außer ich habe über den Tellerrand geblickt und habe verstanden, was es bedeutet, wenn Menschen wirklich am Existenzminimum leben, was es heißt, wenn Menschen in bitterer Armut aufwachsen müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:37:09 – 01:16:27:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und gleichzeitig wurde ich auch mit meinen Privilegien konfrontiert, was dazu geführt hat, dass ich dieses neue, glamouröse Leben gar nicht mehr wirklich so annehmen konnte, weil ich verstanden habe, dass das ja nicht, das ist ja nicht die Realität und auch nicht die Norm, weder für Ottonormalverbraucher in Deutschland und noch viel weniger für die Menschen in Äthiopien oder Afrika. Aber selbst wenn so die 19-jährige oder gar 15-jährige Sarah Nuru zurück mit 15 wurde so auf einer Fußgängerzone von einer Fotografin entdeckt, wenn man so was liest, dann habe ich manchmal so einen cringe Moment, wo ich dann denke Oh Gott, das kann aber auch richtig schief gehen, wenn eine 15-jährige junge Frau angesprochen wird,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:27:02 – 01:17:06:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hey du, du hast Talent. Das kann auch ganz schnell ganz nach hinten losgehen. Also wie war das denn damals? Hast du dich da krass geehrt gefühlt und dann zu gewinnen mit 19 bei Germany’s Next Topmodel, da warst du ja wahrscheinlich gar nicht an dem Status der Erkenntnis, wie du jetzt bist. War das dein Traum? Nein. Also erst mal auf der Straße mit 15 anzusprechen, da war, da war ich erst mal geschmeichelt. Überhaupt, weil die Selbstwahrnehmung ist immer eine andere, gerade mit 15, wenn man so noch mitten in der Pubertät ist, plötzlich als schön empfunden zu werden, wenn man selber sich so gar nicht sieht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:06:13 – 01:17:43:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war ja erst mal schmeichelhaft. Und ich weiß noch, wie ich mit meiner besten Freundin Mara eben in München in der Kaufingerstraße entlang gelaufen bin und dann eben angesprochen, war ich eigentlich in dem Moment eher, nicht scham, aber mir war das so unangenehm, dass sie nur mich angesprochen hat und nicht meine Freundin. In dem Moment war ich so Oh Gott, was ist mit meiner armen Freundin? Für sie muss das jetzt gerade bestimmt irgendwie unangenehm sein, dass nur ich angesprochen worden bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kam, natürlich war ich geschmeichelt, aber bin dem Ganzen gar nicht so nachgegangen und habe mir da auch nicht so viel eingebildet, weil ich dem ja eben mein Selbstbewusstsein war noch nicht so ausgeprägt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:43:22 – 01:18:15:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich war eher so unsicher und wusste nicht, was ich davon halten sollte. Meine Eltern sowieso vorsichtig und meinten so, ob das so das richtige ist. Und dann später mit 19, als ich dann bei Germany’s Next Topmodel teilgenommen habe, auch weil mein damaliger Freund mehr in mir gesehen hat, als ich selber in mir gesehen habe und er mich angemeldet hat und der Meinung war, dass ich das kann. Ähm, was zu meiner eigenen Überraschung dann auch noch tatsächlich Realität wurde, dass ich dann auch gewonnen habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:16:08 – 01:18:52:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ähm, das war nie ein Traum. Also ich bin da so reingerutscht. Zu Beginn, ehrlich gesagt aus Neugier. Also, ich, ich wollte, ich habe auch immer gedacht Aha, das steht schon fest, die wissen von vornherein, wen sie wollen. Das ist alles so gestellt und war eher so kritisch dem eingestellt und hab mir gedacht Na ja gut, jetzt kann ich mal hinter die hintere Facette blicken und meinen Freunden von, also so Gossip hinter den Kulissen erzählen und nimm es mal mit! Und hab aber in dem Verlauf gemerkt, als ich immer wieder weiterkam, wie sehr ich das dann dann wollte, weil das war dann so,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:52:14 – 01:19:24:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">mein Ehrgeiz war dann auch angespornt da wirklich, also wenn alle um dich herum das wollen und da etwas zu gewinnen gibt, dann will man das auch und aber ich wusste ehrlich gesagt nicht, worauf ich mich einlasse. Und was ist, was dieser Sieg letztendlich für Folgen hat, dass man plötzlich dann eine Person des öffentlichen Lebens wird. Also jetzt im Nachhinein extrem naiv, ja, um nicht zu sagen dumm. Nein, Scherz, das nicht, aber sehr naiv, weil man man man denkt ja zumindest heute nach,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:24:10 – 01:19:57:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich weiß nicht, wie viel Staffeln, es jetzt gibt. 14! 14, okay, dass man weiß, worauf man sich einlässt. Und ich wusste, ich habe nicht verstanden, dass man dann so eine öffentliche Person wird. Das war mir nicht bewusst. Und das war dann schon dann schon noch mal ein eine neue Herausforderung. Kennst du zufällig die Kino Reihe Twilight? Ja. Da gibt es doch diese Vampire und die Wölfe. Und die Vampire, die leiden wegen etwas, wo man als Normalsterblicher denken würde Warum leidet ihr eigentlich? Na ja, sie werden unendlich alt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:58:07 – 01:20:04:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie haben nur ein bisschen ein Problem mit Sonnenlicht. Aber auch dagegen kann man was machen. Und selbst, wie heißt der, der</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:04:27 – 01:20:37:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Pattinson, der Schauspieler, der verkörpert. Robert Pattinoson. Genau der, der verkörpert ja auch diese Rolle. So als wäre sein Vampir Dasein so eine Art Behinderung und er würde total drunter leiden. Und ich habe als Zuschauer mich da manchmal gefragt, so ernsthaft? Ist das nicht auch geil, ewig lange zu leben? Ist so als würde ich mich bei dir fragen, bereust du das? War das wirklich alles so schlimm? Oder, hatte das nicht auch eine schöne Zeit? Am Anfang zumindest. Also ich bereue das nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:37:06 – 01:21:11:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also überhaupt nicht, weil ich weiß und ich schäme mich auch nicht für den, mein Werdegang, auch wenn ich weiß, wie sehr die Sendung Germany’s Next Topmodel mit Vorurteilen behaftet ist, berechtigten Vorurteilen ehrlich gesagt. Heute sehe ich das auch mit ganz anderen Augen. Wie noch damals mit 19.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich habe das zu dem Zeitpunkt, als ich mittendrin war, nicht eine Sekunde gelitten. Ich war ja freiwillig da, mich hatte ja niemand gezwungen. Also mein Freund hat mich hingeschickt und mich angemeldet, aber trotzdem hätte ich zu jedem Zeitpunkt aussteigen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:11:21 – 01:21:51:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ähm und ich muss sagen, es war eine sehr aufregende Zeit. Ich war noch nie alleine. Ich war vorher noch nie alleine im Ausland. Ich habe auch nicht, also das war für mich eine ganz aufregende Zeit, die Welt zu bereisen. Und ich bin über mich selbst hinausgewachsen aufgrund der Herausforderung, die so eine Sendung mit sich bringt und bin auch im Nachhinein natürlich plötzlich in der Öffentlichkeit zu stehen, nicht mehr U Bahn fahren zu können, weil man angesprochen wird unter Dauerbeobachtung ist, das ist natürlich schon eine Umstellung, aber es gibt immer so zwei Seiten, ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:51:15 – 01:22:21:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich kam zum Glück weg, gut weg in dieser Sendung. Ich habe ich muss gestehen, ich habe meine Sendung nie geguckt, in der ich jetzt teilgenommen habe. Ich wollte das nicht und habe es bis heute nicht gemacht, weil ich die Erfahrung in Erinnerung behalten wollte, die Idee, die ich als schön empfunden habe. Und ich wollte es nicht, dass das zerstört wird, indem ich diese Sendung gucke und dann auf 90 Minuten komprimiert wird und das ja nicht die Realität widerspiegelt. Wie auch immer, auf jeden Fall, worauf wollte jetzt hinaus, dass?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:22:29 – 01:23:06:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das du es nicht bereust. Dass ich das nicht bereue und ich eben gut wegkam und die Leute sehr positiv auf mich zugekommen sind. Und auch die Tatsache, dass mit meinem Sieg, es sehr vielen, gerade Menschen mit Migrationshintergrund, Hoffnung gegeben hat, dass man nicht blond und blauäugig sein muss, um als deutsch wahrgenommen zu werden oder einem gewissen Schönheitsideal zu entsprechen, sondern noch heute, viele Jahre später, ich von Taxifahrern angesprochen werde, wie sehr sie sich für mich gefreut haben, weil sie in mir ihre Töchter gesehen haben, ihre Frauen, ihre Schwestern und sich selber, weil sie sich repräsentiert gefühlt haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:06:28 – 01:23:44:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und schon allein dafür bin ich sehr dankbar, dass ich mit meiner Teilnahme auch einen Beitrag leisten konnte, losgelöst von dieser Sendung, was man davon hält. Das finde ich total spannend, was du da erzählst, weil eine Beobachtung, die ich mal gemacht habe, ich habe meine Diplomarbeit über die Darstellung von behinderten Menschen im deutschen Fernsehen geschrieben. Und das war, keine Ahnung, Anfang der 2000er. Und dann ist mir aufgefallen, dass Aiman Abdallah, der Moderator von Galileo auf ProSieben, der für mich erste Mensch und Moderator mit Migrationshintergrund war, an den ich mich erinnern kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:44:26 – 01:23:54:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich habe mich gefragt Warum sind die privaten Fernsehsender, was das angeht, eigentlich Vorreiter?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:56:02 – 01:24:26:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also weit vor ZDF, weit vor der ARD. Aber trotzdem dann oft noch so Klischee beladen. Also außer bei Aiman Abdallah ich glaube, der hat sich wirklich von seinem Migrationshintergrund frei moderiert, sagen wir mal so, also er moderiert hat Galileo. Und er muss nicht ständig wie es ewig gemacht wird, auch von ARD Moderatorinnen die Migrationserfahrung haben, dass jemand erst mal ne Doku machen müssen, wie das in ihrer heimat ist. Wenn du verstehst, was ich meine.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:27:02 – 01:24:57:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, absolut. Ja, stimmt, ist interessant. Das ist mir so nie auch nicht bewusst gewesen im Vergleich zum öffentlich rechtlichen und privaten. Aber gleichzeitig macht irgendwie Germany’s Next Topmodel 14. Staffel mit Diversity auf und am Ende gewinnt dann doch wieder die weiße, blonde, heterosexuelle Person, obwohl der Cast relativ divers war. Ja, es ist so. Ich habe das leider nicht mehr so, ich verfolge das nicht mehr. Aber ja, am Ende ist es genau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:57:10 – 01:25:38:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also es ist also letztendlich, man unterschätzt, wie wichtig Repräsentanz ist in allen Feldern und auch was für eine Wirkung, was man signalisiert, indem man eben nicht die klassischen gängigen Siegerinnen wählt oder Moderatoren und all das. Und dass, dass es jetzt langsam anfängt, also noch vor 14 Jahren war das nicht so divers. Da hieß es auch immer Oh, dass du dich getraut hast, da mitzumachen. Ja, warum nicht? Also es haben ja auch andere mitgemacht. Aber immer mit dem Tenor Ja, weil ich ja anders ausschaue.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:39:17 – 01:26:13:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist mir selber ja gar nicht so bewusst gewesen. Also ich laufe nicht durch die Straßen als schwarze Frau, sondern ich laufe durch die Straßen als Sarah. Und definiere mich nicht eine Sekunde über mein meine Hautfarbe. Und dann wird einem bewusst, dass andere das durchaus tun. Der andere Gedanke, der mir durch den Kopf schoss, als du gerade erzählt hast, dass du nicht bereust, aber trotzdem in deiner Erkenntnis weitergekommen bist, ist, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass wir so was in unserer Zeit, in unserer gegenwärtigen Zeit gar nicht mehr erlauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:13:17 – 01:26:46:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wir erlauben den anderen Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, nicht mehr Erkenntnisgewinne, sondern wir wollen, dass sie immer alle super korrekt von Anfang an und für immer sind. Und deswegen finde ich das glaube ich auch sehr wichtig, über diese Lernerfahrung zu sprechen, die man, ich mein du warst 19, da ist ja klar, mit 19 habe ich wahrscheinlich noch Lego gespielt, dass irgendwie so natürlich wir auch nicht alles wissen konnten. Und wenn man deiner Biografie folgt, dann bist du ja selber mit deiner Familie geflohen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:46:18 – 01:27:16:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bzw deine Familie ist geflohen aus Äthiopien nach Deutschland. Das heißt ich nehme an, du hattest bis zu deinem Leben nach Germany’s Next Topmodel, relativ wenig Beziehungspunkte zu Äthiopien, außer vielleicht deine eigene Familie vor Ort bzw. mit der du gelebt hast. Dann zu erwarten, dass man alles richtig macht, ist natürlich auch gar nicht so einfach. Es ist wirklich so. Gut, das ist schön, dass du es noch mal sagst. Danke. War es auch nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:16:21 – 01:27:47:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tatsächlich, Ja. Du hast ein Startup gegründet beziehungsweise eine Firma gegründet, zusammen mit deiner Schwester nuruCoffee und zusätzlich noch den Verein nuruWomen. Dazu werden wir auch gleich nochmal zu einem Gespräch kommen. Aber bevor wir in die Tiefe gehen, hab ich eine Frage. Du hast bei der Sendung NDR Talk Show gesprochen über Kaffee. Und du wirktest wie die Kaffee Expertin, du weiß, dass der Deutsche 142 Liter im Jahr trinkt oder so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:48:00 – 01:27:52:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein bisschen mehr sogar, 162 Liter. 162 Oh mein Gott, das ist so viel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:53:23 – 01:28:38:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da erinnerte ich mich an einen Sketch. Ich glaube, das war von Eckart von Hirschhausen, der gesagt hat, letztendlich ist es alles auch eine Frage der Rhetorik, wie man über Wein redet. Man muss einfach die 3-4-5 Begriffe kennen. So was wie Der Wein ist gut im Abgang und man schmeckt noch das Eichen Fass, das drei Monate länger in der Sonne lag. Und dann wirkst du schon als Experte und Expertin. Aber wenn du mir jetzt einen Nespresso Kapsel geben würdest, einen Nescafe ausgeben würdest oder einen selbst gepflückten, selbst gemahlenen und selbstgebrauten äthiopischen Kaffee von Sarah Nuru? Ich wette, ich würde den Unterschied nicht schmecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:38:15 – 01:29:12:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wirklich? Meinst du? Das ist aber schade. Ich fürchte, ich fürchte es. Oh nein. Wie viel, wie nennt man es denn, also, wie viel Unterschied steckt man da wirklich raus? Und wie viel ist aber auch einfach so Rhetorik? Hm. Das ist eine gute Frage, die habe ich, sie wurde mir so eigentlich noch nie gestellt und es ist insoweit wahr, dass auch beim Wein merkt man das ganz klar, dass das sehr viel nicht Hokuspokus, aber sehr viel drum herum und so, es wird er romantisiert und philosophiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:12:19 – 01:29:44:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und all das. Genau und der von Lidl, der ist auch nicht schlecht, vor allem der eine. Und dann denkt man so Keine Ahnung. Wobei es ist aber tatsächlich schon so, dass es einige Komponenten gibt, die wie so Merkmale sind, ob ein Kaffee gut ist oder nicht. Aber letztendlich muss ich dazu sagen, ist es ja immer sehr persönlich. Jeder hat einen anderen Geschmack. Jemand kann einen Instantkaffee lieben und ein aufgebrühten mit Filter Wasser aufgesetzten Kaffee total beschissen finden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:44:11 – 01:30:17:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also das ist letztendlich immer sehr persönliches Empfinden, was man mag und was man weniger mag. Und ich muss auch dazu sagen, ich bin keine Expertin in Hinsicht wie jetzt die Sensorik der Kaffeebohne und wie der, wie der beste das Röst Profil ist. Also da muss ich immer schon mal disclaimen. Gibt es so Kaffeesommeliere? Ja, die gibt’s. Sogar auch Teesommeliere. Ich habe, ich habe einmal eine kennengelernt, die macht das für Tee und das gibt es tatsächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:17:26 – 01:30:49:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist, die Berufe sind auch sehr berechtigt und wichtig, weil es gibt, ich will jetzt nicht wie so der Nerd klingen, aber es gibt so viele Komponente, es ei über die Bohne, es sei eine Arabicabohne. Es gibt ja zwei verschiedene Bohnen Sorten, also Arabica und Robusta. Und die zwei haben dann je nach Herkunft, Bodenbeschaffenheit, Höhe, klimatischen Bedingungen auch dann, wie beim Wein auch, ein anderes Profil und auch eine andere Beschaffenheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:49:20 – 01:31:32:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die kann man je nach Aufbereitung, wie man die pflückt, wie man die sonnentrocknet, aber dann auch weiterverarbeitet. Macht schon was. Wenn du viel Liebe hinein steckst und die die Bohne pflegst, ist das Ergebnis viel besser und hochwertiger. Aber der Laie an sich, der sich nicht damit wirklich beschäftigt, der wird es tatsächlich, wie du sagst, nicht groß merken, weil man immer aus dem persönlichen Geschmack herausgeht. Aber es gibt enorme Unterschiede im Kaffees Sektor und du kannst aber letztendlich die beste Bohne haben, aber es in der Röstung total zerstören in dem du es zu viel röstest, die ganzen Geschmack Komponenten verbrennst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:33:03 – 01:32:14:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch in der wie bereite ich das zu? Mache ich das in einer French Press, in einer Bialetti oder in einer Siebträgermaschine? Das macht auch noch mal tatsächlich was aus. Und ich sage immer, um das zu verdeutlichen, auch im Vergleich zu Wein, aktuell ist es so, als würden wir alle Tetrapack Wein trinken und wir kennen nur Tetrapack Wein und finden es okay. Aber es gibt eigentlich noch einen Riesen Wein Kühlschrank an unterschiedlichen Möglichkeiten. Das ist beim Kaffee genau so und so langsam kommt dieser, dieser, dieser Hype und auch diese ganzen Hipster Barista, die das Thema immer mehr in den Vordergrund bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:14:15 – 01:32:48:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin der Meinung, am Ende schmeckt oder schmeckt es nicht und man muss auch keine Wissenschaft draus machen. Aber uns ist halt schon tatsächlich auch, warum wir nuruCoffee gegründet haben, ist die Herstellung, die Produktion. Woher kommt der Kaffee? Unter welchen Bedingungen wird der Kaffee aufbereitet, zubereitet? Wer sind die Menschen, die das herstellen? Und da ein Bewusstsein zu schaffen ist uns wichtig, weil wir glauben, ist erst mal ein Bewusstsein, ist auch die Bereitschaft da mehr dafür zu zahlen. Und da haben wir uns verschrieben, weil also klar wir verkaufen hochwertigen Kaffee, der schmeckt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:48:23 – 01:33:19:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das tun andere auch. Da haben wir uns nicht neu erfunden. Uns ist tatsächlich eher wichtig, dass wir die Brücke zu Äthiopien, den Menschen, den Bäuerinnen und Bauern schaffen und da ein, eben ein Bewusstsein aufbauen. Und wenn sie dann zu einem anderem Kaffee greifen, aber der trotzdem auch nachhaltig ist, und dann haben wir unseren Job getan. Also das heißt nicht, unsere Arbeit erstreckt sich nicht darin, dass wir wollen, dass ausschließlich nuruCoffee getrunken wird. Das nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:19:16 – 01:33:56:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du hast dich mit deiner Schwester dann also zusammengetan, deine Schwester Sali und hast mit ihr dann nuruCoffee gegründet. Zwei Fragen dazu. Warum Kaffee? Und wie ist es, mit einer Schwester eine Firma zu machen? Wenn man Konflikte hat, zum Beispiel. Ja, dass es Puh, einige Therapiestunden gebraucht und Coachings und wir sind immer noch nicht ganz über’m Berg. Also es gibt immer noch Reibereien, aber wir haben uns für den Verkauf von Kaffee überhaupt entschieden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:57:06 – 01:34:19:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">nicht nur weil unsere Mutter immer mittwochs die Kaffee Zeremonie macht und wir mit mit dem Produkt und mit dieser Wertschätzung des Kaffees aufgewachsen sind, sondern eigentlich und ursprünglich, weil</p>



<p class="wp-block-paragraph">wir eine Alternative zum herkömmlichen Spenden Modell finden wollten. Also unser Ansatz war nicht einfach ein Business zu gründen, weil wir Bock haben, Unternehmerin zu sein, sondern weil wir</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:21:03 – 01:34:59:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">explizit nach einer Alternative suchen wollten. Ich bin, wie ich eingangs erwähnt habe, immer wieder nach Äthiopien gereist, im Auftrag einer Entwicklungsorganisation, habe sehr viel Fundraising betrieben, hat nach Spendengeldern nicht gebettelt, aber gehofft und immer im Kontext der bedürftigen Menschen in Äthiopien, die ewig Arme, die hat halt dieses Klischee bedient die armen Kindern mit Blähbauch und Fliegen in den Augen, die die Hilfe des Westens brauchen. Und du reist dann quasi als prominente Person in ein armes Land und rettest dann dort Kinder. Genau richtig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:59:24 – 01:35:36:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Äthiopier sind sehr, sehr stolz und ich weiß nicht, ob das auch daran liegt, dass sie nie kolonialisiert worden sind und diese Unterdrückung des Westens nicht so kennen, dass sie immer zu mir gesagt haben, ist ja schön und gut, dass du auf das Land aufmerksam machst, aber wir sind so viel mehr, Sara. Du, indem du das machst, zeigst du uns immer von dieser bedürftigen, unterwürfigen Seite. Und es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich das verstanden habe und ich zu dem Zeitpunkt mit meiner Schwester Sali in Prenzlauer Berg in einer WG gewohnt habe, in dem ohne Aufzug mit 66 Stufen und ich erst eine Reise aus Äthiopien zurückkam, und ich gedachte habe,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:37:23 – 01:36:21:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich würde so gern Äthiopien, das Land unterstützen, aber aus einer anderen Perspektive. Und so kamen wir langsam aber sicher auf das Konzept des Social Business, also dass man durch wirtschaftliches Handeln Gutes tut. Und habe mich dann mit dem Prinzip von Muhammad Yunus, der auch den Friedensnobelpreis bekommen hat, für seine Arbeit und auch das Konzept des Social Business auseinandergesetzt und haben dann überlegt, wie können wir dieses Konzept auf Äthiopien ummünzen? Und da kamen wir relativ schnell auf Kaffee, weil Äthiopien das Ursprungsland des Kaffees ist, der Name Kaffee aus der Region Kaffa kommt, wo der Kaffee einst entdeckt worden ist, vor Hunderten, wenn nicht sogar Tausenden von Jahren und auch gleichzeitig das größte Exportgut des Landes ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:21:06 – 01:36:52:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann war für Sali und für mich relativ schnell klar Oh, wir wollen jetzt mit dem Thema auseinandersetzen, also warum nicht wir? Sehr naiv. Wir hatten keine Ahnung, worauf wir uns einlassen und alle um uns herum, inklusive der eigenen Familie, haben uns für verrückt erklärt. Nicht nur, dass wir uns in einem, uns total fremden Feld, ausprobieren wollen, aber auch in einem so männerdominierten Feld. Der Kaffee Sektor ist sehr, sehr Männer verbreitet und vor allem auch ein sehr umkämpfter Markt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:52:25 – 01:37:23:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es hat ja kein Mensch noch auf eine Kaffeesorten gewartet und schon gar nicht von zwei Schwestern, die keine Ahnung haben. Und alle haben das gesagt Warum? Warum macht ihr das? Und erst als wir dann im Auftrag des Kaffees das erste Mal nach Äthiopien gereist sind und im Landesinneren waren und die Kaffee Produktion mit eigenen Augen gesehen haben und feststellen mussten, wie viel Arbeit eigentlich dahintersteckt, was es heißt, handverlesenen Kaffee zu trinken, dass es eben nicht so romantisch ist, wie es klingt, sondern dass es mühsame Fleißarbeit ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:23:14 – 01:38:05:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass wir als Konsumenten, die jeden Tag selbstverständlich den Kaffee trinken, überhaupt keine Ahnung haben, was es bedeutet. Und das war für uns letztlich der Anstoß, der finale Anstoß zu sagen Jetzt erst recht. Die Geschichte wollen wir erzählen, auch wenn wir keine Ahnung haben wie, auch keine Ahnung haben, wie wir das umsetzen sollen, war uns aber diese Mission total wichtig, sodass wir angefangen haben, uns wirklich da rein zu fuchsen, immer wieder nach Äthiopien zu reisen, zu verstehen Was ist der Unterschied zwischen konventionellen Kaffee, also Kaffee von großen Plantagen, Monokulturen, die meistens im Besitz von eben einer Person ist, die die Plantage gehört und Bauern und Bäuerin Tagelöhner sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:05:22 – 01:38:51:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder die Alternative Wenn wir mit Kooperativen zusammenarbeiten, was ist überhaupt eine Kooperative? All das zu verstehen, hat Jahre gedauert und hat uns, auch Sali und mich, näher gebracht. Dieses wir hatten ein gemeinsames Ziel herauszufinden und auch eine Lösung zu finden, eine Alternative zu schaffen. Und wir wurden so langsam aber sicher von Schwestern zu Partnerinnen, und von Partnerinnen zu Geschäftspartner und ähm, ja. Also es hat auf jeden Fall oft Reibungen gegeben, gerade in der Gründungsphase, wenn man selber unsicher ist, nicht weiß, ob der Weg, den man gegangen ist, auch irgendwann mal ein Ziel hat oder zu einem Erfolg führt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:53:09 – 01:39:05:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und aber wir ergänzen uns sehr gut, weil wir sehr unterschiedlich sind. Und das, glaube ich, hat überhaupt dazu geführt, dass wir das geschafft haben, dass wir uns nicht gegenseitig umgebracht haben</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:06:23 – 01:39:37:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">und dass wir trotz allem drangeblieben sind. Und ich habe ja noch zwei weitere Schwestern, wir sind zu viert und wir sagen uns immer gegenseitig Hat schon die richtigen zwei Schwestern getroffen, die sich zusammengetan haben, weil wir miteinander können und uns auch so akzeptieren, wie wir sind. Sie ist eher eher die Scheue. Die ist jetzt nicht so eine, ähm, ich wollte sagen Rampensau, aber das stimmt so nicht, ich bin es auch nicht. Aber ich bin halt, ich habe kein Problem, über das Thema zu sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:37:08 – 01:40:10:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Während sie das nicht so gern macht und lieber operativ im Hintergrund die Fäden zusammenhält und ich nach außen mehr bin, haben wir aber ganz klare Rollen und auch beide unsere gleichwertige Berechtigung. Und wo steht ihr jetzt genau mit dem Business? Man kann online Kaffee kaufen, inzwischen von eurer Marke. Und dann habt ihr noch die Organisation nuruWomen gegründet. Wie hängt das zusammen? Also wir sind jetzt ein wachsendes Unternehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:10:26 – 01:41:27:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wir haben jahrelang alles zu zweit gemacht vom Verschicken, Verpacken über Social Media und all das. Aber wir haben jetzt ein Team von acht, wir sind jetzt zu acht und wachsen organisch. Also wir sind komplett eigen finanziert, haben keine Investoren und finanzieren uns aus dem Verkauf des Kaffees. Aber 50 % unserer Gewinne, mindestens aber 1 € pro verkauftem Kilo, fließen von unserem Verein nuruWomen, den wir extra gegründet haben, um Mikrokredite, Trainingskurse und Schulungen an Frauen zu geben, die kein Zugang zum Kaffee Handel haben. Weil wir gemerkt haben, dass entlang der Wertschöpfungskette es die Frauen sind, die die ganze Arbeit machen, von der Aufbereitung, Zubereitung usw, aber die diejenigen sind, die am wenigsten verdienen und wir festgestellt haben, was ist mit den</p>



<p class="wp-block-paragraph">Frauen, die keinen Zugang zu Kaffee Handel haben? Was für eine Einnahmequelle haben die? Und um ihnen, also die Frauen, die eben keine Existenz oder unabhängige Existenz haben, wollen wir aus dem Verkauf heraus Perspektiven geben, sodass Sie sich, indem Sie sich ein eigenes Business aufbauen können, in eine Form, wie auch immer Sie sich das vorstellen, sei es Getreide, einen Kornspeicher für Getreide oder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:28:01 – 01:42:06:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das muss nichts mit Kaffee zu tun haben? Nein, überhaupt nicht. Es muss nicht mit Kaffee zu tun haben. Uns war es wichtig, dass wir wirklich eben Frauen unterstützen, die keinen Zugang haben. Weil wir gemerkt haben, weil wir in die Unabhängigkeit der Frauen setzen und auch glauben, dass also es wir uns auch für Kredite entschieden haben, es sind keine Spenden, sondern es sind Kredite, die die Frauen zurückzahlen, in der Regel innerhalb von 24 Monaten. Nicht an uns, sondern es werden, so Woman Association gegründet, Frauen Genossenschaften, wo das Geld wieder zurückfließt, also in diese Frauen Vereinigung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:07:15 – 01:42:39:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">dadurch, dass sie auch Zinsen zahlen, ist das Volumen, das sie zurückzahlen, immer größer. Und wenn Sie zum Beispiel eine Investition tätigen wollen oder expandieren wollen, ziehen Sie das Geld, das den zweiten Kredit aus diesem Topf heraus, wo viele Frauen noch eingezahlt haben, sodass wir raus sind, weil uns ist wichtig, dass wir kommen, um zu gehen. Also wir glauben daran, dass Frauen aus eigener Kraft heraus sich was aufbauen können, in Wohlstand aufbauen aufbauen und und und.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:39:02 – 01:43:09:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass es letztendlich nur eine Starthilfe braucht. In all den Frauen sehen Sali und ich nicht nur uns selber, sondern natürlich auch unsere Mutter, unsere, meine Schwester, meine Großmutter. Denn meine Mama, die ist Mitte der 80er Jahre auch nach Deutschland geflüchtet mit meinen zwei Schwestern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufgrund der Perspektivlosigkeit im eigenem Land und uns deshalb so wichtig ist, Perspektiven zu schaffen. Man spricht ja immer so gern von Fluchtursachenbekämpfung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:09:20 – 01:43:50:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist eine Sache, wenn man vor Krieg, sexualisierte Gewalt und Hunger flieht. Aber ich finde, Menschen sollten nicht fliehen, weil ihnen hier die Perspektive fehlen. Kein Mensch geht ja freiwillig, verlässt ihr Land und und Hab und Gut, sondern oft eben weil ihnen diese Perspektive fehlt. Und da wollen wir ansetzen und diese Perspektiven geben. Und das ist das, was wir tun und konnten schon über 400 Frauen mit so einem Kredit unterstützen. Und wir sind sehr stolz darauf, dass wir ein relativ kleinem Team das hinbekommen haben und gar nicht das Bestreben haben,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:50:20 – 01:44:21:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">groß, also je weniger Mitarbeiter sind, umso mehr bleibt unterm Strich übrig. Und so mehr können wir investieren in nuruWomen. Und das ist das, was wir tun. Ich war vor ein paar Jahren, vor vielen Jahren, mit der Christoffel Blinden Mission einmal unterwegs in Bangladesch und habe zum Ersten Mal mit eigenen Augen erster Hand gesehen und erlebt, wie auf der einen Seite Entwicklungszusammenarbeit funktioniert, wo sie helfen kann, aber wo sie auch Schaden anrichten kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:22:09 – 01:45:08:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich bin dann also völlig desillusioniert zurückgekehrt und habe dann ein Youtube Video gesehen von Gary Haugen, er ist der ehemalige Präsident und Chief Executive Officer von International Justice Mission, einer internationalen Menschenrechtsorganisation, die sich weltweit für die Rechte der Opfer von Menschenhandel, Sklaverei usw einsetzt. Und der hat einen TED Talk gehalten, wo er sagt, dass eigentlich Entwicklungshilfe in weltweit hochproblematisch betrieben wird, weil es erst mal, man gibt halt Geld irgendwo rein und dann wird eine Schule gebaut, dann wird ein Brunnen gebaut, damit Mädchen zur Schule gehen können, zum Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:08:14 – 01:45:40:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das klingt erst mal alles super, aber dann stellte man fest, dass die Mädchen auf dem Weg zur Schule vergewaltigt wurden. Und dann hat man als einzige Antwort von Entwicklungshilfe gesagt Okay, da müssen wir die Schulen näher an die Dörfer bauen, damit der Weg nicht so lang ist. Und er meinte, trotzdem wurden die Kinder misshandelt. Und das führte dann dazu, dass in einigen Ländern die Mädchen nicht mehr zur Schule gegangen sind. Und das gleiche mit Brunnen, das gleiche mit Arbeitsplätzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:40:28 – 01:46:22:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so weiter. Und der meinte es ist ein großes Problem weltweit, dass wir eigentlich nicht dafür sorgen, dass es Rechtsdurchsetzung gibt in Ländern, wo arme Menschen wohnen, dass wenn du arm bist, weder die Polizei noch die Anwälte, die zur Verfügung stehen, um für dein Recht zu kämpfen. Und das geht an viele Projekte, die sie jetzt machen und auch ausprobieren in Brasilien unter anderem, wo man eben versucht, vor Ort Anwaltskanzleien auch zu etablieren, auch Polizeien zu informieren, dass auch arme Menschen Rechte haben und wie man diese schützt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:22:10 – 01:46:54:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil wenn du nichts hast und jemand klaut dir deine einzige Ziege, dann ist der Schaden natürlich immens größer, als wenn du 10.000 Ziegen hast und dir fehlen 20. Und das fand ich unglaublich spannend, so eine neue Perspektive in das Thema Entwicklungszusammenarbeit zu sehen. Das ist eben oft auch eine Frage von Recht und Gerechtigkeit ist. Und dann drehte er das weiter und meinte Ja, wir glauben halt immer, das passiert in der sogenannten Dritten Welt oder in den sogenannten globalen Süden oder wie man das heutzutage nennt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:54:13 – 01:47:34:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann spielte der eine Audiodatei dabei ab von einer Frau in den USA, die bei der Polizei anruft und sagt Ja, Officer, hier will jemand in meine Wohnung rein und droht mich umzubringen. Können Sie bitte eine Streife vorbeischicken? Sagt die Frau des Sheriffs, der dann sagt Ja, leider haben wir gerade kein Benzin in unseren Fahrzeugen und der Sheriff hat Wochenende rufen sie Montag wieder an und ja am nächsten Tag war die Frau tot und ich fand das halt so krass, weil wir glauben halt immer, so schlimme Sachen passieren woanders und nicht bei uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:34:22 – 01:48:06:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wenn wir eben anfangen, die Rechte der armen Menschen, egal ob hier oder woanders und oft sind es Frauen nicht ernst nehmen, dann brauchen wir uns eigentlich auch um alles andere nicht kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Siehst du das ähnlich? Ist das doch auch eine Motivation von euch. Also es ist ein super spannendes Thema. Also ehrlich gesagt habe ich das auch nie, also von dieser Perspektive gar nicht so beleuchtet und</p>



<p class="wp-block-paragraph">durchdacht. Also ich muss mir den Link noch, verlinkst du den Link? Ich schick dir den. Ich pack den auch in die Shownotes. Okay.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:08:28 – 01:48:45:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, super, sehr gern, weil ich finde, das würde ich sehr gern mir anhören. Und aber du hast recht. Man, also ich habe, als ich mein Buch geschrieben habe, war ich auch sehr kritisch gegenüber Entwicklungshilfe. Also ich bin kein Fan von Bashing oder so, die anderen machen es falsch und du machst es richtig, weil das glaube ich nicht. Aber dass es tatsächlich so ist, dass Entwicklungshilfe weiterdenken muss und es bringt, wie du sagst, eine Schule zu bauen ist eine Sache, aber wenn die nicht wissen, wie sie lesen und schreiben, also wenn sie nicht Stift und Papier hat, bringt die Schule auch nichts.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:45:15 – 01:49:21:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und oder wenn es keine Lehrerinnen gibt, die ausgebildet werden im ländlichen Bereich, also es hört nicht nur mit dem, mit dem Brunnen oder mit der Schule auf, sondern man muss auch den Menschen beibringen, wie sie das warten können, wie sie selber unabhängig damit umgehen können, um eben nicht in diese Abhängigkeit zu geraten. Aber auf die Frage zurückzukommen mit dem, mit dem Rechtssystem, das stimmt. Und das ist etwas, das wir uns noch nicht beleuchtet haben und ich deshalb sehr, sehr gerne den Link mir angucken möchte, um auch zu schauen, wie kann man da drauf denken und wie kann man da weiter spinnen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:22:27 – 01:49:44:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber gerade für so viel für die Entwicklungszusammenarbeit im größeren Kontext, das Bundesministerium und all das, wo sehr viel Geld im Umlauf sind, dass man da den Fokus auch mit drauf legen sollte. Das ist noch wirklich, also da würde ich gerne noch drauf denken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:45:28 – 01:49:50:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und du merkst wir befinden uns schon in der zweiten Aufguss Phase. Wir reden über Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:51:28 – 01:50:43:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich finde es auch, aso ich habe immer weniger Antworten, ich habe immer mehr Fragen was Entwicklungszusammenarbeit angeht. Mein Großonkel hat jahrelang Brunnen in vielen afrikanischen Ländern gebaut und kurz bevor er in Rente ging, hat die Schweiz eine Studie gemacht, in der herausgefunden wurde, dass die Kindersterblichkeit gestiegen ist, seitdem es die Brunnen gibt. Und als man versucht hat, herauszufinden, woran das liegt. Dann stellte man fest, dass die Kinder zwar jahrelang sauberes Wasser tranken, aber als die Brunnen kaputt ging, das Wasser plötzlich verseucht war und die Bevölkerung vor Ort einfach nie Immunsysteme entwickeln konnte, um mit diesem verseuchten Wasser umzugehen und deswegen die Kindersterblichkeit stieg.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:44:11 – 01:51:17:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann hat man gesagt okay, dann müssen wir dafür sorgen, dass die Brunnen nicht kaputt gehen. Und dann die Leute vor Ort ausgebildet, wie man Brunnen repariert, mit lokalen Materialien und Werkzeugen und stellt dann fest, dass die Schlosser und Schlosserinnen, die die Brunnen reparieren sollten vor Ort, heimische, die Materialien lieber verwendet haben für andere Dinge, wie zum Beispiel Messer. Und das</p>



<p class="wp-block-paragraph">kann man natürlich von außen jetzt auch nicht bestimmen, wofür die Materialien verwendet werden müssen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:17:28 – 01:52:12:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und es ist auch vermessen, paternalistisch zu urteilen, ihr dürft das nur dafür verwenden. Aber es zeigt ja auch so ein bisschen, dass anscheinend Messer ein größeres Problem sind für Menschen vor Ort als Brunnen. Also wie kriegt man das wirklich so hin, dass man die Probleme löst, die gelöst werden müssen und schafft nicht neue? Ja, ich glaube, dass halt, was sehr wichtig ist, dass man, egal wo man hingeht, in welche Region, in welchem Projektgebiet und all das, dass man nicht versucht, die westlichen Perspektiven umzustülpen und nach Schema F überall das wiederholt, was man aus der Vergangenheit kennt, sondern dass man wirklich bedarfsorientiert je nach Region mit der Bevölkerung direkt im Austausch ist und fragt Was braucht ihr? Braucht ihr einen Brunnen? Oder braucht ihr, wie du sagst, Messer, weil ihr</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:13:03 – 01:53:11:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">ich weiß nicht, weil da der Bedarf ist, weil sie keine Ahnung jagen oder so? Keine Ahnung, ich weiß es nicht. Aber das man tatsächlich eben das Einbeziehen der Bevölkerung und auch nicht ungefragt kommt, sondern bedarfsorientiert wirklich in ein Gebiet geht. Und es ist ein sehr komplexes Thema. Ich habe auch nicht auf alles eine Antwort, leider nicht. Und ja, obwohl wir jetzt auch mit Blick auf die Uhr, auf die Lösung wie kann man, wie kann man das besser machen? Aber auch da glaube ich, dass man einfach die Hoffnung nicht verlieren darf und dass man guckt, dass es eben, es gibt dann so tolle Organisationen oder auch Menschen wie eben Gary heißt oder von dem du erzählt hattest? Gary Haugen, genau. Die genau, die mit guten Ideen kommen, die mit zuende gedachten Ideen kommen und dass man gerade solche Leuten auch unterstützen muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:11:28 – 01:53:50:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bevor man irgendwie Geld in Projekte steckt, die sowieso bereits ausfinanziert sind, lieber dann eben so kleinere Projekte unterstützt, die viel weniger Mittel haben, aber den richtigen Ansatz haben. Inwiefern spielt das Thema Menschen mit Behinderung bei nuruCoffee oder nuruWomen eine Rolle? Kommt das vor? Es kommt vor wir, das ist etwas, was wir gar nicht nach außen kommunizieren oder so, aber es ist so, dass wir mit einer Werkstatt für Behinderte mit Behinderten,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:50:21 – 01:54:30:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht, wie man das politisch richtig sagt, Menschen mit Behinderung, eine Werkstatt zusammenarbeiten, die für uns den Versand machen und da halt wir Berührung haben. Das Ziel aber sein muss, wenn man guckt, also die Werkstätte, haben ja auch einen Auftrag, dass sie für den offenen Arbeitsmarkt vorbereitet werden und nicht nur in ihren Instituten bleiben sollen. Und soweit sind wir aber noch nicht, dass wir in unseren, in unserem Office oder in unserem, wir haben gar keine eigene Logistik, da direkt mit Menschen mit Behinderung zu tun haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:30:11 – 01:54:49:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und vor Ort in Äthiopien. Wahrscheinlich ist da das Thema nochmal ganz anders gelagert. Da ist es ganz anders gelagert. Also das ist, es ist auch wirklich etwas, da spreche ich meine Mutter immer wieder drauf an, die sagt, dass es für Menschen mit Behinderung überhaupt, also die, die sind total in Vergessenheit geraten, die werden,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:51:19 – 01:55:33:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">die werden isoliert in Form von, die werden nicht sichtbar gemacht, es gibt kein, es gibt keine, oftmals, wenn die Eltern sterben, ist es die total auf sich selbst gestellt und es gibt kein Netzwerk, wo sie aufgefangen werden. Das gleiche ist auch für Menschen, die mit alten Menschen genauso. Deswegen haben die äthiopische Familien sehr viele Kinder, in der Hoffnung, dass sie versorgt werden durch die Kinder, aber es keine Stätte gibt für so Altersheime oder eben auch ja eine Stätte, wo Menschen mit Behinderung zusammenkommen, aufgefangen werden können und auch sichtbar werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:34:20 – 01:55:58:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Frage, die ich allen Gästinnen dieses Aufzugs immer stelle mit der Bitte, nicht die eigene Organisation zu nennen. Welchem Verein oder welcher Organisationen hältst du für besonders unterstützenswert? Und wohin können unsere Hörerinnen sich wenden, spenden, engagieren? Wie auch immer. Ach, da gibt es wirklich viele tolle. Ich muss kurz überlegen, um welche, es kommt auch immer darauf an,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:00:00 – 01:56:30:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">in welchen, welchem Bereich. Es gibt ja im Tierschutz, aber auch im Community Building Bereich gibt es tolle Organisationen. Ich muss mal kurz überlegen Welche will ich jetzt besonders hervorheben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht auch eine, die noch nicht jeder kennt. Also wenn du persönlich davon überzeugt ist, dass du vielleicht auch selber mal vor Ort umgesehen hast oder so. Ich habe, ich weiß jetzt ehrlich gesagt nicht, es gibt, so heißt dank Little Sand, Sun, ich bin mir nicht ganz sicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:31:19 – 01:57:03:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber ein Verein, die so kleine Sonnen Lichter, wie so eine Sonnenblume als Licht produzieren und verkaufen und die in Länder des globalen Südens verteilen, so dass sie eben nachts. Also es sind so Solarlichter, die heißen Little Sun, die fand ich ganz spannend, weil das so smart ist. Tagsüber werden die mit Sonne aufgeladen und helfen dann abends eben dann von A nach B zu kommen, weil es natürlich selten Straßenlaternen gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:04:03 – 01:57:52:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder eben, wenn Kinder frühmorgens in die Schule gehen müssen, dass sie dann eben Licht haben. Wir nähern uns dem dritten Aufguss jetzt quasi so ein bisschen um die Frage Wie lösen wir Probleme in unserer Gesellschaft? Und da bist du ja prädestiniert als Gründerin, als Unternehmerin in dem Bereich mit viel Erfahrung schon, ja, sagen wir mal, teilen kannst. Was würdest du jemandem raten, der wie du etwas starten will, auf der Sinnsuche für etwas ist. Wo fängt man an zu suchen? Hm, ich glaube, es fängt bei einem selber an, dass man tatsächlich sich mit sich selbst beschäftigt und mal in sich hinein horcht und guckt Was sind die Themen, die mich beschäftigen? Was sind die Themen, die mich umtreiben und dann versucht, wirklich so ein bisschen danach zu gehen, zu gucken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:52:23 – 01:58:26:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn mich jetzt das Thema Nachhaltigkeit interessiert, dass man an Kleinen erst mal anfängt. Man muss nicht sofort ein nachhaltiges Unternehmen gründen, sondern erst mal gucken, wie kann ich im Alltag möglichst nachhaltig leben und daraus was aufbauen oder auch sich mit anderen kurzschließen, sich austauschen. Das hat uns extrem geholfen. Als wir die Idee hatten und es zu Beginn nur ein Traum war,</p>



<p class="wp-block-paragraph">haben wir angefangen, darüber zu sprechen, also es auch bewusst auszusprechen, denn nur dann wird es zur Realität.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:26:28 – 01:58:49:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn man das immer noch für sich behält, bleibt es nur ein Traum. Aber wenn man anfängt darüber zu sprechen, man weiß nie, wem man begegnet. Wir haben, man hat immer dieses Gefühl Oh, erst wenn das in trockenen Tüchern ist, dass man darüber sprechen sollte oder dass man die Angst hat, dass jemand eine potenzielle Idee klauen könnte. Oder dass man</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:51:22 – 01:59:22:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">das ist, dass man als verrückt erklärt wird oder das einem abgesprochen wird und aber wir haben die Erfahrung gemacht, wie selbstbewusster wir darüber gesprochen haben. Also ich habe eine Zeit lang im Ausland gewohnt, als ich in der Selbstfindungsphase war und ich nicht wollte, dass die Menschen mich als das Model wahrnehmen oder mich das, ich habe nie gesagt, ich bin Model, sondern ich habe immer gesagt Ja, ich habe vor, ein Unternehmen zu gründen, ein Social Business und habe immer erzählt, wohin ich will, obwohl ich da noch lange nicht war.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:22:15 – 01:59:34:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das war immer hochspannend. Man muss nicht immer das fertige Ergebnis schon haben, sondern man kann ruhig auch darüber reden. Es gibt nicht umsonst das Sprichwort Fake it until you make it.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:34:18 – 02:00:04:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil man nie weiß, wem man begegnet, wem einem vielleicht helfen kann, welche Türen dadurch geöffnet wird. Und das kann ich eigentlich jemanden raten, wenn jemand was, was ins Handeln kommen möchte, etwas tun möchte, dass man wirklich anfängt darüber zu sprechen, was man vorhat und sich austauscht. Ich habe in der Zeit mich mit sehr viel Gründerinnen getroffen, versucht Netzwerke zu schließen, aus deren Fehlern, aus deren Wissen zu schöpfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:04:26 – 02:00:44:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das hat mir geholfen, dem den Traum immer näher zu kommen. Liebe Sarah, das macht unglaublich viel Spaß, mich mit dir zu unterhalten, weil ich das Gefühl habe, dass du unglaublich viel Erfahrung in dem Bereich hast für den du dich engagiert hast und von der Pike auf alles selber gearbeitet hast. Also gerade was nuruCoffee und so weiter angeht. Und das spürt man. Also ich spüre, dass da Tiefe drinsteckt, die viele andere Unternehmerinnen, die auch in dem NGO Bereich unterwegs sind, oft gar nicht leben und haben und auch kein Bezug zu diesem Thema haben persönlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:44:20 – 02:01:17:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist bei dir anders und das hat mir sehr gut gefallen. Vielen Dank für deine Zeit. Vielen Dank, dass du mir überhaupt deine Zeit geschenkt hast, dass wir zusammen sprechen und auch, was du gerade gesagt hast. Das freut mich zu hören. Weil man selber ist man immer so unsicher und weiß eigentlich nicht, bin ich auf dem richtigen Weg, weiß ich das alles? Eben weil man sich das so autodidaktisch angeeignet hat, ist man leider oft mit Selbstzweifeln geplagt. Aber umso mehr freue ich mich, dass du das so empfindest und ich finde, ich weiß nicht, ob ich das schon zum Ausdruck gebracht habe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:18:00 – 02:01:48:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich finde deine Arbeit und das, was du tust so wichtig und auch so so gut, dass du deine Stimme und auch es geht auch hier wieder um Sichtbarkeit und ich find’s toll, dass du so sichtbar bist und du dein Licht mit uns teilst und dein Wissen und auch mich. Wir waren ja schon mal in Kontakt. Ja, eben auch mich aufklärst und mir auch ein Spiegel vorhälst, was man besser machen kann in unterschiedlichen Bereichen. Und dafür auch noch mal danke.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:48:09 – 02:02:18:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich hoffe, wir sehen uns persönlich mal. Sehr gerne. Ja, wenn ihr Fragen habt zum Thema Werkstätten und behinderte Menschen zum Beispiel, das ist jetzt, wo ich mich einigermaßen auskenne, dann könnt ihr gerne jederzeit auf uns zukommen. Oder wir treffen uns mal auf einen nuruCoffee vor Ort, in der Schweiz oder in Berlin. Gerne in Berlin. Das steht sowieso noch aus. Das steht schon lange aus, dass wir das machen müssen. Sehr gern. Also dann die Aufzugtür geht auf. Schön, dass du da warst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:18:21 – 02:02:20:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke schön. Danke schön.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:24:19 – 02:02:44:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat, bewerte diese Folge bei Apple Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Allerdings zur Folge, so wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen, findet ihr in den Shownotes. Schaut da gerne mal rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:46:18 – 02:02:58:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zwei Mal im Jahr persönlich zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:03:01:12 – 02:03:08:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug ist eine Produktion von Schonlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
</div></div></div>
</div></div></div>



<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.nurucoffee.com/">nuruCoffee</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.nuruwomen.org/">nuruWomen</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ofsncCF9O_U&amp;ab_channel=TED">Ted Talk von Gary Haugen</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Saras Herzensangelegenheit:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://littlesun.org/" class="ek-link">Little Sun Foundation</a></p>



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<h2 class="wp-block-heading" id="h-podcast-abonnieren">Podcast abonnieren</h2>



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<h2 class="wp-block-heading" id="h-hier-findest-du-mehr-uber-mich">Hier findest du mehr über mich:</h2>



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		<title>Im Aufzug mit Prof. Dr. Maren Urner, Neurowissenschaftlerin</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 14:45:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Kann unser Gehirn in einem Angst und Panik Modus überhaupt noch funktionieren? Erinnert ihr euch noch an den März 2020, als Corona grade so richtig los ging, oder den Februar 2022, als Russland die Ukraine angriff? Ich weiß nicht wie’s euch geht, aber ich hing nur noch vor Live-Tickern und Nachrichten Apps. Die Frage die [&#8230;]</p>
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<figure style="height:450px" class="alignleft wp-block-post-featured-image"><img loading="lazy" decoding="async" width="1536" height="1920" src="https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10.jpg" class="attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image" alt="Portrait von Maren Urner, Zitattext: In einem Angstzustand ist unser Gehirn besonders anfällig für einfache Antworten." style="height:450px;object-fit:cover;" srcset="https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10.jpg 1536w, https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10-240x300.jpg 240w, https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10-819x1024.jpg 819w, https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10-768x960.jpg 768w, https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10-1229x1536.jpg 1229w, https://im-aufzug.de/wp-content/uploads/2022/11/Feed_Posts_im_Aufzug_10-360x450.jpg 360w" sizes="auto, (max-width: 1536px) 100vw, 1536px" /></figure>


<h2 class="wp-block-heading">Kann unser Gehirn in einem Angst und Panik Modus überhaupt noch funktionieren?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Erinnert ihr euch noch an den März 2020, als Corona grade so richtig los ging, oder den Februar 2022, als Russland die Ukraine angriff? Ich weiß nicht wie’s euch geht, aber ich hing nur noch vor Live-Tickern und Nachrichten Apps.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage die sich mir rückblickend stellt: Kann unser Gehirn in einem Angst und Panik Modus überhaupt noch funktionieren? Wie viele Nachrichten können wir überhaupt verarbeiten?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neurowissenschaftlerin Prof. Dr. Maren Urner ist zu Gast im Aufzug und weiß die Antwort. Und ich kann euch schon mal sagen: In dieser Folge hagelt es förmlich Aha-Momente!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Schnallt euch an, es wird ein wilder Ritt durch die Neurowissenschaften. Aufzugtür auf für Maren Urner!</p>



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<p class="wp-block-paragraph">01:01:53:16 – 01:02:13:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bevor wir heute in den Aufzug steigen, möchte ich mich erst mal ganz herzlich bei euch bedanken. Denn nach den ersten zehn Aufzugsfahrten erreicht uns großartiges Feedback via Email, Instagram und Co.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr mögt, könnt ihr diesen Podcast auch bei Spotify, Apple Podcast, oder wo auch immer ihr Podcast hört, bewerten. Das hilft mir ungemein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:15:20 – 01:02:35:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber nun zur heutigen Folge. Erinnert ihr euch noch an den März 2020, als Corona gerade so richtig losging? Oder an den Februar 2022, als Russland die Ukraine angriff? Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich hing nur noch vor Liveticker und Nachrichten Apps.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:37:23 – 01:03:13:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage, die sich mir rückblickend stellt Kann unser Gehirn in einem Angst und Panik Modus überhaupt funktionieren? Und wie lange? Wie viele Nachrichten können wir überhaupt verarbeiten? Die Neurowissenschaftlerin Professor Dr. Maren Urner ist zu Gast im Aufzug und weiß die Antwort. Und ich kann euch wirklich schon sagen, in dieser Folge hagelt es förmlich Aha-Momente. Ich wollte zum Beispiel von Maren wissen Was machen Krisen mit unserem Gehirn? Wie können wir trotz des dauer Krisenmodus konstruktiv denken? Schnallt euch an, es wird ein wilder Ritt durch die Neurowissenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:14:15 – 01:03:16:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auszugtür auf für Maren Urner.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:23:00 – 01:04:00:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tür geht auf. Und wer kommt rein? Maren Urner. Welch eine Ehre! Ja, also die Ehre kann ich nur zurückgeben beziehungsweise, die ist gegenseitig. Gibt es eine Aufzugssituation, an die du dich erinnerst, die auf jeden Fall hängen geblieben ist? Also generell muss ich ja fairerweise sagen, meine Aufzug Erfahrung ist sehr gering, weil ich natürlich immer gern die Treppen nehme als jemand, der jede Chance nutzt, sich zu bewegen. Das heißt, ich versuche Aufzüge weitestgehend zu meiden, nur dann, wenn der Koffer so schwer ist, dass ich ihn die Treppen nicht mehr hoch oder runter kriege,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:00:27 – 01:04:44:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">dann findet man mich im Aufzug. Das heißt, Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil in deinem Leben? Oh ja, sehr, sehr, sehr zentral, würde ich sagen. Ich habe sehr früh für mich festgestellt, dass Bewegung etwas ist, was mir nicht nur gut tut, sondern mir ganz viel Raum im wahrsten Sinn des Wortes, ja dann häufig, je nachdem, wie schnell oder langsam ich dann so unterwegs bin, aber ganz viel Raum gibt und ich diesen Raum auch brauche und dann ich lernen musste, Ich weiß nicht, ob der Prozess schon abgeschlossen ist, aber weiter lerne, diese Bewegung auch für mich in Anspruch zu nehmen und zu nutzen, weil ich merke, dass ich sonst anderen Menschen glaube ich auch sehr schnell auf die Nerven falle, wenn ich das nicht habe, sagen wir mal so.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:45:08 – 01:05:23:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hat diese Erkenntnis Sport zu machen oder sich zu bewegen, auch eine Entsprechung in den Neurowissenschaften. Ja, das war natürlich oder ist einer der Punkte, der mich daran sehr interessiert. Also jedes Thema schaue ich ja immer auch von neurowissenschaftliche und oder psychologischer Ebene drauf. Und das Schöne ist ja dann, wenn so die eigene Vorstellung durch die Forschungsergebnisse bestätigt wird. Und so ist das in dem Bereich tatsächlich sehr, sehr eindeutig. Also sowohl im pathologischen Sinne, also bei Menschen, die schon entsprechende Einschränkungen Krankheiten von den klassischen psychischen Leiden, wie Depressionen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:23:16 – 01:05:54:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">und so weiter bis hin aber auch zu anderen Krankheiten, Herz Kreislauf Krankheiten, Krebspatienten und so, wo immer mehr Forschungsergebnisse sich ansammeln, die die positive Wirkung von Bewegung am besten oder häufig eben auch gemacht mit anderen Menschen, also der soziale Aspekt natürlich dann auch mit reinspielt, wie positiv sich das auswirkt. Und da ist Bewegung jetzt nicht im Sinne von Hochleistungssport gemeint, sondern wirklich die, ja jeder Schritt zählt in diesem Fall im wahrsten Sinne des Wortes. Die es sich aufmachen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:54:27 – 01:06:25:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">am besten dann wie gesagt mit anderen Menschen und oder in der Natur, weil auch da sind die positiven Auswirkungen sehr gut untersucht, aber eben nicht nur, wenn quasi schon eine Krankheit vorliegt. Das was ich gerade meinte mit den pathologischen Fällen, sondern auch generell, das ist wirklich so eine der Säulen ist, der eines gesunden Lebensstils, sich regelmäßig und viel zu bewegen. Das fand ich ganz interessant, dass du das gerade so gesagt hast, dass du erfreut warst, dass es in der Wissenschaft da auch eine Entsprechung gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:25:10 – 01:06:59:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das erste, was mir einfiel, vielleicht ist es aber auch eine kognitive Verzerrung, dass du dadurch ja vielleicht auch die Information indirekt gesucht hast. Wollte ich gerade sagen. Und deshalb bin ich dankbar, dass du es ansprichst und ich guck ja dann auch immer mit der Meta oder ich versuche es nicht, auch ich bin ja nicht von diesen kognitiven biases, den kognitiven Verzerrungen, oder ich nenne sie gerne auf Deutsch auch lieber diesen kognitiven Schnellschüssen, weil Verzerrung klingt immer so negativ, das wirft immer so ein schlechtes Bild auf unser Gehirn. Und wir haben diese, diese kognitiven Schnellschüsse ja vor allem, weil unser Gehirn uns versucht am Leben zu halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:00:08 – 01:07:43:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">So auch in diesem Fall. Also ich versuche natürlich, mein eigenes Weltbild zu bestätigen, genau wie jedes andere Gehirn oder jeder Mensch, in dem so ein Gehirn drinsteckt, dann ja auch, um meine eigene Identität zu schützen. Also was würde denn das Gegenteil bedeuten? Um es einmal kurz auf dieser Metaebene zu halten. Wenn ich jetzt bei jeder konträren Information meine eigene Identität hinterfragen würde, dann würden wir ja jeden Morgen quasi damit beschäftigt, uns neu erfinden zu müssen. Das wäre ziemlich anstrengend. Und deshalb, um auf den konkreten Anwendungsfall zurückzukommen Klar freue ich mich mehr und schaue wahrscheinlich auch mehr und expliziter hin, wenn ich Forschungsergebnisse finde, die dann meine Vorstellungen von der positiven Wirkung von Bewegung und Sport bestätigen, als wenn es da negative Ergebnisse gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:44:07 – 01:08:19:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich denke trotzdem auch, weil ich diese Verzerrung oder Schnellschüsse erkenne. Denke trotzdem, dass ich eine ganz gute Einschätzung davon habe, weil ich auch versuche, mich selbst daher zu hinterfragen. Aber wie gesagt, ich bin da absolut nicht vor gefeit, gar keine Frage. Jetzt sind wir schon voll krass in das Thema eingestiegen. Ich wollte grad sagen. Was ist denn das für eine Vorstellungsrunde? Also gehst direkt hier, aber gefällt mir. Ich finde es super. Was ich eigentlich von dir als erste Frage mir für dich überlegt hatte, war Worüber denkst du gerade nach? Ich denke tatsächlich sehr viel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:19:10 – 01:08:57:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kommt ein bisschen mir aus der Pistole geschossen. Das muss ich nicht lange drüber nachdenken, worüber ich gerade viel nachdenke, weil es so prominent in meinem Kopf ist. Ich versuche es konkret zu machen. Und zwar denke ich sehr viel über einen Begriff nach, der, den wir alle kennen, fast auch alle positiv sehen. Also niemand würde sagen Nee, das ist schlecht oder Das ist eine schlechte Eigenschaft. Und wir trotzdem und wir meine ich jetzt wirklich global als Menschen uns häufig schwer mit tun. Der Begriff bzw die Fähigkeit oder die Art zu kommunizieren, ich meine ist Ehrlichkeit oder eben ehrliche Kommunikation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:57:26 – 01:09:32:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und in welchem Zusammenhang ich ganz bewusst sehr viel drüber nachdenke, ist das sicherlich auf der politisch oder gesellschaftspolitischen Ebene. Also Politik wird ja häufig dann von Menschen, die sich nicht für Politik interessieren, irgendwie so als dieses Parteien Ding nur gesehen. Deshalb sage ich die gesellschaftliche Ebene, weil wir in einer Zeit leben und da bin ich sehr, sehr auf der einen Seite dankbar, aber auch sehr, sehr demütig gegenüber, wo wir ganz, ganz vieles ändern müssen, was wir bisher dachten, was irgendwie normal sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:33:08 – 01:10:03:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klimakrise, Corona-Krise, Krieg in Europa und so weiter und so fort. Wir müssen das radikal tatsächlich, also im Sinne von an der Wurzel packen, ändern. Und darüber müssen wir ehrlich reden. Und was ich feststelle oder festgestellt habe in den letzten Jahren, ist, dass wir das noch häufig nicht genug tun, obwohl wir alle schon als Kinder lernen: Ehrlichkeit ist total wichtig. Ja, man darf nicht lügen und so weiter und es dann trotzdem ab einem gewissen Punkt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:03:17 – 01:10:35:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß auch nicht genau, wo dieser Punkt ist, vielleicht hast du eine Antwort drauf oder deine Einschätzung würd mich tatsächlich auch interessieren, geht das irgendwie verloren, weil bestimmte andere Dinge scheinbar wichtiger werden. Und dann ist fast klar so, dass gelogen wird oder zumindest nur die halbe Wahrheit gesagt wird oder andere Dinge eine größere Rolle spielen. Dein Thema, mit dem du ja sagen wir mal in Deutschland bekannt geworden ist, ist konstruktiver Journalismus. Oder vielleicht kann man das auch erweitern in konstruktive Kommunikation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:35:12 – 01:11:08:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das muss ja nicht nur den Journalismus bedienen. Wie bist du denn auf dieses Thema gekommen? Also, es ist natürlich wie alles im Leben, wenn Menschen Dinge tun, eine persönliche oder persönliche Erfahrungen und ich habe von 2009 bis 2013 in London gelebt und habe dort in Neurowissenschaften promoviert und habe natürlich sehr viel Zeit mit Forschung und der Analyse von Hirn-Daten verbracht und habe parallel aber eben auch in einer Stadt gelebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:08:24 – 01:11:50:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also London hat zu dem Zeitpunkt ich weiß gar nicht, was die genaue Zahl ist ungefähr 8 Millionen Einwohner, also einer Stadt, wo einige Länder weniger Einwohner haben, oder viele Länder, wo unheimlich viel passiert und wo unheimlich viele tolle Organisationen und Menschen an den Lösungen und Herausforderungen unserer Zeit arbeiten, also Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit arbeiten. Und ich habe mir viele Vorträge, Veranstaltungen, alles Mögliche angeschaut und man kann, das kennt man ja ein bisschen so aus Berlin, wem erzähle ich das, kann man jeden Tag im Prinzip ganz viele Dinge tun und kennenlernen und vergisst dann vielleicht auch das eigentliche Arbeiten oder das, was man auch tun sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:50:16 – 01:12:26:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wie auch immer, habe halt gemerkt, dass es so viele Menschen und Organisationen und Initiativen gibt, die wirklich an den großen Stellschrauben arbeiten. Habe dann auch mit einigen, also sowohl im journalistischen als auch so im NGO Bereich mich auseinandergesetzt und teilweise mit denen zusammengearbeitet und habe aber gleichzeitig gesehen, dass das, was medial abgebildet wird, dem überhaupt nicht gerecht wird. Also so dieser diese Disbalance, Mismatch quasi zwischen dem, was da draußen in der Welt an Lösungswille und auch Arbeit und Initiativen da ist und dem, wie wir die Welt sehen, weil sie uns medial entsprechend dargestellt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:26:28 – 01:12:59:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so dann auch der, du hast es ja richtig gesagt, der erste, sozusagen mein erster Initial Zugang zur konstruktiven Kommunikation war über den Journalismus. Und ich dann eben auch diese Bewegung sozusagen kennengelernt habe, dass es eben den konstruktiven Journalismus als solches schon gibt. Und allen voran, und das ist die Herausforderung, die mich dann auch in der Zeit in London sehr stark angefangen hat zu beschäftigen, überrannt hat, würde ich fast sagen, nämlich das große Thema der Klimakrise bzw. die Veränderung unserer eigenen Lebensgrundlage aufgrund von menschlichem Handeln.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:59:29 – 01:13:31:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass wir entsprechend diese Herausforderung und die dafür notwendigen Lösungen und Veränderungen auf individueller, gesellschaftlicher, systemischer Ebene überhaupt nicht adäquat besprechen. Und habe dann eben mir überlegt, was kann ich vielleicht als kleiner Mensch, als Puzzleteil, ich habe eben schon mal die Puzzleteile erwähnt, als Puzzleteil in diesem ganzen Geflecht aus Menschen, Organisationen und diesem großen Ding, was wir das Leben nennen, dazu beitragen, damit es ein ganz kleines Stück besser werden könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:31:27 – 01:14:08:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und habe daneben Perspective Daily mitgegründet mit einigen anderen ausreichend verrückten Menschen, die gesagt haben Wir machen das einfach mal! Und haben dieses Onlinemagazin für konstruktiven Journalismus auf die Beine gestellt. Und ich habe dann immer mehr gemerkt, deshalb bin ich sehr dankbar, dass du es gerade schon gesagt hast, Ja, dass es nicht nur, wäre auch zu schön gewesen, wenn es nur ein Problem im Journalismus ist, dass wir konstruktiver reden müssten und berichten müssten, sondern dass es eigentlich alle gesellschaftlichen Bereiche umfasst. Dass es egal ist, ob wir hier um persönliche Beziehungen, über persönliche Beziehungen sprechen, über Unternehmenskommunikation oder über politische Kommunikation.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:08:07 – 01:14:50:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das, was mich jetzt sehr stark auch umtreibt. Jetzt haben wir eine sehr komplizierte Welt, scheinbar. Frag mich, ob es nicht immer kompliziert war und wir jetzt es einfach nur auf dem Silbertablett serviert bekommen, wie kompliziert sie ist. Wir haben Klimakatastrophe, wir haben Krieg, wir haben Hunger, Migration. Heißt das am Ende des Tages, dass alles nicht so schlimm ist und die Medien uns das auch alles zu negativ zeigen? Oder glaubst du, dass wir eher eine Perspektive brauchen, die auch Lösungen aufzeigt, die dann aber natürlich eine Recherche mehr, für den oder die Journalistin bedeuten? Es bedarf einer komplexen Antwort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:50:05 – 01:15:30:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gebe mir Mühe, es möglichst nachvollziehbar auf den Punkt oder auf ein paar Punkte zu bringen. Also das erste oder meine persönliche Einschätzung dieser Komplexitäts-Frage, schon das Wort ist zu komplex für mich, ist das die Welt nicht komplexer oder komplizierter geworden ist, aber und das ist die gute Nachricht, wir mehr und mehr von der Welt verstehen, weil wir diese wunderbaren Gehirne in unseren Köpfen haben und unsere Vorfahren diese wunderbaren Gehirne haben und einfach eine unheimliche Neugier und Entdeckungsdrang unsere Spezies an den Tag legt, was uns dazu gebracht hat, dass wir so was wie Wikipedia, Smartphones, auf den Mond fliegen, Impfstoffe entwickeln,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:30:21 – 01:16:08:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß nicht was, Zahlen messen, auswerten, all das tun können und auch sehr erfolgreich machen. Und damit natürlich und daher auch meine Aussage mit Die wertvollste Ressource ist unsere Aufmerksamkeit oder die Zeit so viel mehr Informationen zur Verfügung haben, dass eine Lebenszeit nicht ausreicht, um all das zu tun. Da gibt es ja dann diese schönen Grafiken, die zeigen, wie kurz an Zeit sich jeweils die Informationen, die in der Welt sind, verdoppeln, verdreifachen ver-x-fachen. So, das heißt, die Welt an und für sich ist nicht komplexer geworden, aber unser Zugang dazu, weil wir so viel mehr entdeckt haben schon, ist komplizierter und damit natürlich auch komplexer geworden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:09:00 – 01:16:48:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt ist ja die große Frage Wie schaffen wir es als Menschheit, also die ganz große kleine Frage für unsere gemeinsame Fahrtzeit heute Wie schaffen wir es denn eigentlich, ein gutes Leben zu führen? Und das eben nicht nur jetzt und hier, sondern vielleicht auch, wie wir es klassisch kennen, nachhaltig im Sinne von für die Folgegeneration. Und da sehen wir auf ganz, ganz vielen Ebenen, dass es halt positive Entwicklungen gibt, nicht nur bei der Masse an Informationen, zu dem wir einen Zugang haben, sondern wenn wir zum Beispiel so große Dinge anschauen wie Lebenserwartung, die hat sich innerhalb von sehr, sehr kurzer Zeit, also kurz jetzt bezogen auf die Menschheitsgeschichte bisher, total erhöht, in den meisten Ländern sogar verdoppelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:48:22 – 01:17:19:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das sind alles riesige Fortschritte, Kindersterblichkeit und so weiter, riesige Fortschritte, wo ja auch Menschen wie Hans Rosling oder Max Rosa Factfulness Our world in Data für die Leute, die ein bisschen weiterschauen wollen, im Nachgang oder ihr das auch in den Shownotes entsprechend vielleicht verlinken wollt. Schauen wollen dieses ja, die meisten Menschen heutzutage, geprägt durch ein mediales Bild in unserer in Anführungsstrichen westlichen Welt, haben ein zu negatives Bild von der Welt. Punkt. Das ist faktisch sehr, sehr gut untersucht empirisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:19:17 – 01:18:06:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das bedeutet nicht, wie du ja auch richtig gesagt hast, dass wir keine Herausforderungen haben. Ich habe sie selber eben geschildert, die Klimakrise, die planetaren Grenzen, 6/9 planetaren Grenzen sind aktuell überschritten. Also wir sind auf dem besten Wege dahin, unsere eigene Lebensgrundlage dauerhaft sehr stark zu beschädigen bis hin zu zerstören. Das heißt, wir brauchen große, und das habe ich ja anfangs auch schon ganz kurz erwähnt, große Verhaltensänderungen, um dem Herr und Herrin zu werden und das wieder besser zu machen. Das heißt jetzt und das der letzte und wichtigste vielleicht Aspekt wie gehen wir jetzt damit um? Brauchen wir mehr Doomsday Szenarien? Brauchen wir mehr Schreckensnachrichten, die uns sagen wie schlimm alles ist? Oder brauchen wir mehr na ja, Lösungen und nehmt mal die Beine in die Hand und schafft mal was.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:06:18 – 01:18:43:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da spreche ich in dem Zusammenhang ganz gerne von einem Korridor. Und zwar einem Korridor, der, wenn wir uns jetzt die beiden extremen Punkte vorstellen, auf der einen Seite so den Wert stehen hat, ja es alles nicht so schlimm und lass mal machen. Also Laissez-faier und wir fahren halt noch mal zwei Mal nach Mallorca und das Schnitzel will ich mir jetzt auch nicht nehmen lassen und so weiter. Um das mal so ein bisschen plakativ runterzubrechen. Alles nicht so schlimm. Und das andere, der andere Extrem-Punkt: Panik. So, beide helfen uns nicht weiter. Warum? Weil natürlich ganz klar bei dem einen Extrem wird Machen wir einfach nichts und kommen nicht zu den Verhaltensänderungen die wir brauchen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:43:17 – 01:19:15:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und bei dem anderen und da kommt jetzt die Neuroperspektive auch mit zum tragen, sind wir gar nicht mehr in der Lage gute langfristige Lösungen zu machen, weil unser Gehirn in Angst und Panik Modus nicht mehr in der Lage ist langfristig zu denken, sondern nur direkt überleben möchte. Das heißt, wir brauchen diesen Korridor oder müssen den Korridor medial und auch gesellschaftlich konstruktiv bespielen, wo wir die Dringlichkeit ganz klar vor Augen haben, erfahren, begreifen. Die deutsche Sprache ist ja so wundervoll. Wir müssen das begreifen, müssen das erfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:15:09 – 01:19:58:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen erleben, wie die Herausforderungen sind, was bedroht ist und was das bedeutet und müssen aber gleichzeitig auch kommuniziert bekommen und selbst wirksam erleben und erfahren, was wir selbst zu einer besseren Zukunft beitragen können. Jetzt versuche ich mal eine große Klammer aufzumachen. Beim Thema Klimaschutz, da wird uns ja bis heute von großen Ölkonzernen gesagt Ja, wir müssen alle auf unseren eigenen individuellen CO2 Fußabdruck achten und dann findet ja so eine Art Derailing statt, wo wir nicht mehr über Öltanker reden und Kreuzfahrtschiffe und Flugzeuge, sondern eben jetzt über die Bambus Zahnbürste bei uns zu Hause.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:59:02 – 01:20:38:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn jetzt aber Neurowissenschaftlerinnen und konstruktive Journalistinnen wie du kommen und sagen Ja, wir müssen alle über unseren Medienkonsum nachdenken, ist es da ähnlich. Also wer hat jetzt die größere Verantwortung? Der/die Konsumentin oder der/die Medienmacherin. Ich muss kurz wieder meine Mimik übersetzen für die Menschen, die jetzt den visuellen Input nicht haben. Ich habe ein leichtes bis deutlich ausgeprägtes Lächeln/Grinsen im Gesicht. Warum? Weil das für mich genau diese Fragestellungen oder Debatten ein wunderbar, wunderbar im Sinne von anschauliches Beispiel dafür sind,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:38:22 – 01:21:09:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">und jetzt schlage ich wieder den Bogen zur Ehrlichkeit, was in gesellschaftlicher Kommunikation häufig fehlt, damit es von mir und das geht es nicht um mein Label das Prädikat konstruktiv bekommen würde. Was meine ich damit? Die Frage sollte nicht sein Wer hat die größte Verantwortung? Wer ist schuld?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern die Frage sollte sein Wo wollen wir eigentlich hin? Und dann ehrlich zu fragen Was brauchen wir dafür? Und das fasse ich gerne zusammen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:09:17 – 01:21:43:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe in meinem letzten Buch Raus aus der ewigen Dauerkrise, um hier mal zwei Sekunden Werbeblock einzubauen. Ganz, ganz, ganz, ganz unoffensichtlich habe ich das Konzept des dynamischen Denkens entwickelt und die erste Zutat von diesem dynamischen Denken umschreibe ich mit der Kernfrage Wofür statt wogegen? Und das ist ein wunderbares Beispiel dafür, denn wenn wir hingehen und fragen Was wollen wir eigentlich erreichen? Wollen wir eine gut informierte Gesellschaft? Und das klingt ja fast so wie so ein Träumchen. Dann wird man ja fast nur ausgelacht und als naiv im negativen Sinne abgestempelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:43:21 – 01:22:15:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wollen wir eine gut informierte Gesellschaft, die in der Lage ist, die großen Herausforderungen, allen voran die Klimakrise, anzugehen und konstruktiv zu behandeln? Ja, da wird ja fast gesagt Ja, Mädchen, geh mal zurück und spiel mit den Ponys. Aber um bei einem Punkt zu bleiben, dann brauchen wir natürlich beides. Also, wenn wir es auf die konkrete Fragestellung anwenden. Wir brauchen RezipientInnen, die verantwortungsvoll mit ihrer Zeit, der Aufmerksamkeit, ihrer wichtigsten Ressource umgehen, ihren Medienkonsum kritisch hinterfragen und immer wieder sozusagen gegenchecken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:15:14 – 01:22:49:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch das, was ich meinte öffentlich Menschen wie du das diskutieren und diese Fragen anregen. Und gleichzeitig nicht auf der anderen Seite ganz wichtig, sondern gleichzeitig mit zusammen eine konstruktivere Berichterstattung, Medienhäuser, Verlage, was auch immer. Ja, die sagen, was ist eigentlich unsere Aufgabe in diesem Puzzle? Welche Puzzleteile wollen wir wie einfärben? Welche Berichterstattung liefern wir? Was sind unsere Incentives, was sind die Belohnung Strukturen? Und dann sind wir natürlich ganz schnell auch bei der Finanzierungsfrage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:50:21 – 01:23:32:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz große andere ist fass was in dieser Klammer, die du aber gerade aufmachst, natürlich ein ganz, ganz wichtiger Faktor. Also ein großes Puzzleteil, um bei dem Bild zu bleiben ist und genauso dann hin zu gehen und ehrlich zu kommunizieren. Was brauchen wir dafür? Statt zu fragen Wer hat die größte Verantwortung bzw noch schlimmer wer ist Schuld an der Misere? Welche Rolle spielt dabei Naivität?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also müssen Medien naiver einfach auch drum herum blicken? Oder müssen wir als Konsumentinnen vielleicht auch naiver andere Medien mal ausprobieren, die dann vielleicht auch nicht die Medien sind, die wir kennen? Ja, ich würde sagen ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:32:18 – 01:24:13:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Naiv heißt nicht unkritisch. Das ist ganz wichtig. Naiv heißt auch nicht Ich mache es jetzt tatsächlich mal mir selbst widersprechen. Ich habe ja gerade gesagt, wir sollen wofür statt wogegen. Aber ich muss</p>



<p class="wp-block-paragraph">gerade den Naivität Begriff, denke ich ein bisschen abgrenzen, weil er so gerne missverstanden wird, als eben dieses dümmlich, unkritische, naive Kindchen, was irgendwo drauf guckt. So, das heißt es alles nicht. Was es aber stattdessen heißt, um jetzt zu dem Wofür zu kommen, mit einer frischen, neuen, fachfremden, noch unbeschmutzten, im wahrsten Sinn des Wortes, Perspektive auf Fragen, auf Meinungen zu schauen</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:13:27 – 01:24:43:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">hat eben auch was mit Ehrlichkeit zu tun, weil ich mich ehrlich mit einer anderen Perspektive auseinandersetze. Und das klingt so einfach ist es überhaupt nicht. Ja, wer das mal versucht und ich arbeite da selbst, ich würde sagen täglich dran, zumindest versuche ich es ja, mich anderen Perspektiven eigentlich auch ganz bewusst auszusetzen, mich damit zu beschäftigen und versuchen aktiv zuzuhören.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:44:00 – 01:25:20:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ja ein Begriff, der sowohl im therapeutischen als auch generell in der Psychologie sehr stark benutzt wird und auch absolut wichtige, zu Recht wie ich denke, wichtige Rolle spielt. Weil dieses aktive Zuhören ist eben alles andere als passiv, wie der Name schon sagt. Und ist etwas eine Fähigkeit, eine Eigenschaft oder neudeutsch ein Skill, den wir lernen müssen und der, um noch mal kurz vielleicht auch den Bogen noch weiter zu schlagen, Stichwort Bildung, weil da wird ja dann viel über Medienkompetenz und so weiter gesprochen bei unserer Thematik, die wir hier grad haben, aber der eben auch in der Bildung bisher noch zu kurz kommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:21:06 – 01:25:28:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das bedeutet nicht ganz wichtig, weil das natürlich dann häufig Tür und Tor offen macht für</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:29:19 – 01:26:07:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">die Verwechslung, wie es auch immer gerne sagen zwischen Meinung und Fakten. Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung, aber nicht auf seine eigenen Fakten. Das bedeutet nicht, dass wir uns jeden Schmuh anhören sollten oder uns mit jedem wissenschaftfeindlichen oder auch menschenfeindlichen, verachtenden Dingen auseinandersetzen sollen. Ja, aber eben mit Perspektiven, die auch wofür statt wogegen fragen, aber vielleicht erst mal von unseren unterschiedlich sind. Kann man diese, diese Naivität oder diese Neugier? Kann man das lernen? Ja, das ist eine total schöne Forschungsrichtung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:07:12 – 01:26:47:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mittlerweile kann ich sagen, die Neugier Forschung. Ein Freund von mir, der auch Neurowissenschaftler ist und der aktiv auch jetzt seine eigene Forschungsgruppe mittlerweile in Wales hat zum Thema Neugier und was macht das in unserem Gehirn? Vielleicht ganz kurz es gibt einen Unterschied zwischen State und Trade Sachen. Also State heißt in dem Zustand. Also ich bin jetzt hier gerade neugierig, weil du mir vielleicht was spannendes erzählst oder wir eine gute, spannende Unterhaltung haben und dann den Trade, also die Eigenschaft oder Persönlichkeitsmerkmal zu haben, dass es eher eine neugierige oder nicht neugierige Person und was jetzt da aktiv erforscht wird und untersucht wird ist:</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:47:25 – 01:27:28:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inwieweit kann man diese Persönlichkeitseigenschaften trainieren? Zum Beispiel indem man Menschen häufiger in den Zustand der Neugier versetzt, also quasi dadurch, dass man die Summe an im State, im Zustand neugierig zu sein, erhöht, führt das dazu, dass man dann auch ein neugieriger Mensch wird? Und</p>



<p class="wp-block-paragraph">die kurz Antwort ist Tatsächlich kann man das ein Stück weit lernen und warum ist auch schon wissenschaftlich, zumindest in ein wenig untersucht, und lässt sich ganz gut so zusammenfassen Wenn wir neugierig sind und das Bild hat der der Freund von mir ganz schön gezeichnet, finde ich, dann ist unser Gehirn in so einem Art Strudel Modus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:28:24 – 01:28:14:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also dann sind wir nicht nur auf die Sachen, die wir gerade spannend finden und die wir mit Neugier untersuchen, anschauen, erforschen, wie auch immer neugierig, sondern dann sind wir automatisch für alles, was uns begegnet, neugieriger. Also es kreiert quasi einen anderen Modus in unserem Kopf. Ein bisschen so das Wollensystem, wie es auch manchmal beschrieben wird, wird angeregt. Und das hängt natürlich zusammen mit unserem Belohnungssystem. Also deshalb funktionieren zum Beispiel auch diese Clickbait Überschriften, weil wir ja die Neugier Lücke füllen wollen. So, wenn wir jetzt also mehr Menschen in diesen Neugier Zustand bringen, indem wir sie das ausleben lassen, was sie sowieso schon spannend finden, dann führt das tatsächlich langfristig oder kann langfristig dazu führen, dass sie generell neugieriger unterwegs sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:14:26 – 01:28:44:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das am Ende des Tages sorgt dafür, dass wir generell als Gesellschaft neugieriger unterwegs sind und hoffentlich auch die Verhaltensänderungen, die wir ohnehin brauchen leichter an den Tag legen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du hast gerade Clickbaiting gesagt. Dann könnte ja ein super Titel für diese Podcastfolge sein Sieben Tipps, wie du neugieriger wirst. Tipp Nummer sechs wird dein Leben verändern. Richtig, richtig. Genau. Und dann würden wir garantiert die Zugriffsraten erhöhen und dafür sorgen das ganz, ganz viele. Wir können es ja ausprobieren. Wir können ja ein A/B Test draus machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:45:07 – 01:29:17:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kannst du ja vielleicht an die Redaktion weitergeben. Aber als du jetzt quasi deine Neugier geschult und trainiert hast und naiv, sagen wir mal dich mit good news aktiv beschäftigt hast. Welche good news hat dich zuletzt beeindruckt? Na ja, da muss ich eine kurze Einschränkung machen. Ich sage ja nicht, wir brauchen mehr good news. Ich sage ganz klar Wir brauchen mehr constructive news. Und da gibt es tatsächlich einen wichtigen, fachlichen, sachlichen Unterschied. Also good news oder wie der Subbereich des Journalismus da ist,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:18:00 – 01:29:50:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">der positive Journalismus ist ungleich, wenn man es als Gleichung oder ich als Gleichung aufstelle constructive oder konstruktiven Journalismus, weil es bei den guten Nachrichten oder den positiven Journalismus eben darum geht, wirklich, wie du sagst, hauptsächlich einfach nur das abzubilden, was gut läuft in der Welt. Der konstruktive Journalismus aber fragt oder übergeordnet immer fragt Was jetzt? Wie wollen wir weitermachen? Also dieses Wofür statt wogegen? Im Zentrum steht, das heißt, es kann über jedes Thema, über jeden Inhalt konstruktiv berichtet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:50:28 – 01:30:18:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich ja immer die Was jetzt Frage stellen kann positiver Journalismus, aber natürlich einen ganz großen Teil an Themen oder Zusammenhängen einfach per Definition ausblendet, weil eben nur über das Positive berichtet werden soll. Sondern das heißt, wenn du mich jetzt fragst, also falls du die Frage entsprechend modifizieren wollen würdest, im Sinne von Welche constructive news oder welche konstruktive Geschichte… Hat mich zuletzt beeindruckt? Beeindruckt, ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:20:13 – 01:30:52:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich denke tatsächlich die Berichterstattung, das war ein Artikel bei Perspective Daily, geschrieben von Benjamin Fuchs, der in Wuppertal verschiedene zukunftsorientierte Wohnformen, also im Sinne von Häuser, von den unterschiedlichen Ländern oder unterschiedlichsten Ländern ein bisschen wie so eine Mini Expo für zukunftsorientiertes Wohnen besucht hat und die dann auch, wie ich fand, sehr anschaulich und sehr eindrücklich dargestellt hat mit Ideen, die mir neu waren teilweise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:52:09 – 01:31:26:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also einige Sachen kannte ich und das war ganz schön, weil ich mich nicht komplett dumm, naiv, sozusagen gefühlt habe, sondern an ein paar Sachen anknüpfen konnte, aber ich auch ganz viel Neues dazugelernt habe und ich gedacht hab Ja, wir können das tatsächlich schaffen, wir müssen da einfach so ein bisschen unsere, ja, die default Parameter ähnlich wie bei so Smartphones, es gibt ja immer Standardeinstellungen und die müssen wir einfach ein bisschen neu justieren. Und dann ist es nicht nur etwas, was irgendwie nachhaltig und öko und irgendwie umweltschonend sein kann, sondern ist das was, was sich auch tatsächlich richtig gut anfühlt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:26:26 – 01:32:16:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil da gibt es total tolle Ideen und Ideen, jetzt im Sinne von die auch schon anwendbar sind. Als Aktivistin für Inklusion und Barrierefreiheit bin ich in den letzten Jahren zu einer Erkenntnis gekommen, wo ich wirklich mal von einer Expertin wie dir, sagen wir mal, eine Bestätigung oder eine Ablehnung abholen wollte. Und zwar gibt es beim, also im Bereich Behinderung oder wahrscheinlich auch im Bereich Migration, wird sehr häufig gesagt Wir müssen die Barrieren in den Köpfen abbauen. Und wenn man dann konkret fragt die Politikerinnen oder die Sozialunternehmen wie Aktion Mensch, was das konkret bedeutet im Handeln. Also was das, was heißt das? Was machen Sie jetzt mit dieser Information, dass Sie die Barrieren in den Köpfen abbauen wollen? Dann ist die Antwort immer Aufklärung, also Werbespots, Plakate, Broschüren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:16:28 – 01:32:47:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und du schüttelst grad den Kopf, was mir Hoffnung macht, weil ich auch nicht mehr an Aufklärung glaube im Sinne von Wir müssen die Leute davon überzeugen, dass behinderte Menschen auch Menschen sind, weil das ist ja eine Binsenweisheit. Also es ist ja klar, dass behinderte Menschen auch ein Recht auf Bildung haben, auf Mobilität, auf Wohnen, wie auch immer. Und dass mit Aufklärung überhaupt nicht gelöst wird das Problem, dass behinderte Menschen aber in ihrem Alltag erleben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:47:24 – 01:33:18:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das einzige, was ich mir vorstellen kann, was wirklich zu einer Bewusstseinsänderung führen kann, ist die Begegnung. Und das hast du in einem Interview auch mal gesagt mit Tilo Jung. Supergeiles Interview, zweieinhalb Stunden lang, richtig gut, kann man sehr weiterempfehlen. Und ich hab zum Thema constructive news vor kurzem ein Buch gelesen aus Kanada von Al Etmanski und es heißt The Power of Disability.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:19:02 – 01:33:50:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und der sagt, dass wenn wir mal schauen, rückblickend auch was Gesellschaftlich verändert hat, dann sind das nicht Gesetze und Regeln und Rechte, sondern es ist Kultur. Also Kultur der Begegnung, die</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kultur der Wertschätzung. Und dass wir auch neugierig sind auf das, was ich noch nicht kenne und nicht, dass wir sagen, trotz der Behinderung malt er oder sie ein Bild, sondern er oder sie malt ein Bild und zufällig ist er oder sie behindert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:50:12 – 01:34:24:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja. Ich, also du hast es schon gesagt und man hört es an meinem Stottern. Ich habe ganz viel genickt, ich habe ganz viel, was ich dazu potenziell sagen könnte. Ich versuche, ein paar Sachen zu sagen und ich sage parallel auch Ich habe eine Gänsehaut gekriegt bei dem, was du gerade gesagt hast, weil es mich berührt hat. Und das ist vielleicht der perfekte Startpunkt für meine Antwort. Du hast das Wort Bewusstseinsänderung geschaffen, gesagt und das ist natürlich ein Wort, was als für mich als Wissenschaftlerin ganz, ganz starke Bedeutung hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:24:26 – 01:34:59:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe vielleicht zum Hintergrund in der Promotion in der Forschungsgruppe gearbeitet, die Aufmerksamkeit und Bewusstseins Forschung gemacht hat. Und der Begriff des Bewusstseins oder des bewusst werdens ist natürlich für mich ganz ganz stark geprägt. Also ich habe da eine sehr unnaive Sicht drauf, versuche aber trotzdem immer auch wieder neue Perspektiven damit reinkommen zu lassen. Und mit Blick auf deine Frage ist es, ich will nicht sagen die Antwort auf alle Fragen, weil das wissen wir ja erst 42, aber ist die Antwort auf wie du schön gesagt hast, auf wirkliche Veränderung besteht in der Bewusstseinsänderung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:59:15 – 01:35:33:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Slogan ist ja auch Alles beginnt in unserem Kopf. Und mit Kopf meine ich eben nicht den vermeintlich rationalen Denkapparat, sondern den für Denk und Menschseins Apparat, der uns. Ich hatte eben schon mal so auf dieses Erfahren und Begreifen hingewiesen, der unser erleben vielleicht, um noch einen anderen Begriff zu nennen, erleben lässt, der Begegnung schafft. Das war ein Begriff, den du auch gerade erwähnt hast. Weil nur das lässt uns wirklich Dinge ändern. Um es noch plakativer zu machen. Ich habe zu Anfangszeiten von Perspective Daily, als ich mich mit dem Thema Klima Leugnung beschäftigt habe, einen Artikel geschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:33:07 – 01:36:11:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er hatte die Überschrift Fakten, Fakten, Fakten? Nein. Wo ich genau das eben geschildert habe, dass Fakten natürlich wichtig und zentral sind. Wir brauchen die Information, wir brauchen den Zugang, aber es reicht halt überhaupt nicht aus, um eine Bewusstseinsänderung, jetzt greife ich dir noch mal ganz bewusst auf den Begriff, zu schaffen, weil wir einfach nicht so funktionieren. Noch mal, unser Gehirn und damit wir sind kein Computer, da gibt es nicht ja und jetzt haben wir hier eine neue Information Mach mal eben ein System Upgrade, Update oder lösch das alte, sondern wir erleben die Welt, wir nehmen die Welt wahr, wir interpretieren die Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:12:11 – 01:36:47:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da spielen Begegnung und Erfahrung und das persönliche Begreifen die zentrale, die wichtigste Rolle. Und jetzt schließe ich den Bogen ganz groß zum Thema Ehrlichkeit und der so entscheidenden Rolle von Emotionen. Weil da haben wir uns ja im Prinzip in unserem Gespräch auch schon ganz viel drum gedreht oder drüber gesprochen, obwohl wir das Wort nicht erwähnt haben. Ja, Vertrauen oder zu sagen wie, wie, wie spreche ich über bestimmte Menschen, was macht das mit mir? Ich habe meine</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gänsehaut erwähnt. Du hast erwähnt, wie du 20 Jahre lang aus deiner jetzigen Sicht falsch auf ein bestimmtes Thema geschaut hast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:47:10 – 01:37:24:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es dann anders begriffen hast, dein Bewusstsein geändert hast. Na ja, nur über die persönliche Erfahrung. Und darum ist es so wichtig, dass wir diese Räume schaffen. Und jetzt ein letzter wichtiger Punkt, den, der mich auch zum Lächeln gebracht hat, als du gesagt hast Kultur ist die Veränderung. Ich hatte, mache ich auch deine vielleicht halb persönliche Geschichte, also halt persönlich im Sinne von Sie ist persönlich, aber soll jetzt irgendwie nicht hier so meine Homestory sein. Ich habe eine Wanderung gemacht mit deiner besten Freundin im Harz und wir haben das Thema Kultur aufgegriffen und ich habe lange Zeit Kultur als etwas gesehen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:24:26 – 01:38:06:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">na ja, Film, Fernsehen und Co. Ja, und in dieser Unterhaltung haben wir immer mehr gemerkt, wie sehr Kultur eigentlich das komplette menschliche Zusammenleben meinen könnte oder vielleicht auch meint. Ja, und warum es deshalb so zentral ist, dass wir darüber sprechen, dass wir genau diese Räume anders schaffen, damit wir diese Bewusstseinsänderung schaffen. Und dazu dann die letzte, muss ich natürlich, möchte ich natürlich als Wissenschaftlerin auch eine Studie zitieren, der letzte Datenpunkt hier an dieser Stelle meiner Antwort. Es gibt eine wunderbare Studie, die weltweit geschaut hat, in welchen Gruppen, Kulturkreisen usw Stereotype am geringsten ausgeprägt sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:06:24 – 01:38:37:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil das knüpft auch an deine Frage an, das war die Studie in meinem Kopf hoch gepoppt, als du das deinen Schilderungen gemacht hast und natürlich aus Sicht der Neurowissenschaft und genau dieser dieser Darstellung total logisch. Da, wo wir diversesten, die diversesten Gruppen haben, also wo die welt am buntesten ist, im wahrsten Sinn des Wortes, sind die Stereotype am geringsten ausgeprägt. Weil meine normale Vorstellung von dem, wer oder was wie dazugehört, einfach viel breiter ist. Und das ist doch die riesen positive Botschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:37:16 – 01:39:07:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Super, super spannend. Weil das nämlich jetzt mich jetzt zu der nächsten Frage bringt. Ich habe mich vor ein paar Wochen mit einem Filmregisseur unterhalten und Drehbuchautoren und an der hat gesagt, der hatte ein großes Problem damit, wenn Dinge, egal ob es Festivals, Straßenfeste, Veranstaltungen, Partys, Discos oder Filme sind, wo im Titel schon gesagt wird, was von dir als Rezipient oder Konsument erwartet wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:08:06 – 01:39:55:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also Beispiel das Mittendrin Festival oder keine Ahnung, Gesundheit für alle oder so, denn dann wird ja schon suggeriert und von dir erwartet, dass wenn du dir das anguckt oder hingehst, dass du mitten drin bist, sein willst, das gut findest, was auch immer. Das würde jetzt aber einen Skeptiker vielleicht gar nicht erreichen. Das heißt, wir würden die ganze Zeit in diesem Festival sowieso nur Eulen nach Athen tragen, wo wir sowieso schon alle bekehrt sind. Das heißt, wir müssen wahrscheinlich schon im Titel von solchen Veranstaltungen darüber nachdenken Würde das jemanden, der kritisch oder skeptisch ist, überhaupt abholen und einladen? Würde ich mich mitten drin fühlen? Wenn, wenn, dann das mittendrin heißt, wenn ich ein Skeptiker bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:55:19 – 01:40:34:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, wenn ich eigentlich gar nicht mittendrin sein will. Weil ich definiere mich nicht darüber, dass ich links, rechts, oben, unten oder sonst wo stehe. Genau. Total wichtiger, spannender Punkt, weil, wir jetzt, als hätten wir uns abgesprochen, was wir nicht getan haben, bei der zweiten Zutat des dynamischen Denkens gelandet sind. Also das ist das, was in meinem Kopf als erstes hoch ploppt. Wie definieren wir eigentlich Gruppen? Weil genau das ist das, worüber ich nachdenke, wenn nicht, wenn ich dir da aufmerksam zuhöre. Die Frage Ja, wen will ich anziehen bzw interessieren für, ich das jetzt mal ganz so theoretisch oder abstrakt wie möglich, für eine bestimmte Thematik Fragestellung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:34:23 – 01:41:06:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da sind wir natürlich auch bei der Kraft der Rolle der Kommunikation. Wörter, in diesem Fall, Bilder können das entsprechend dann ja unterstützen und so, aber bleiben wir vielleicht mal bei der verbalen im Sinne von wirklich die Wörter als Kommunikation und dann sind die natürlich total stark, weil ein einzelnes Wort und du hast ja schön anschaulich Beispiele genannt dafür sorgen kann, dass Menschen dann sagen Nee, das will ich ja genau nicht, also gehe ich auch nicht dahin hin. Und Gruppierung, die Diskriminierung, diskriminieren, heißt ja nichts anderes als unterscheiden ja genau dann schon stattfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:06:11 – 01:41:36:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da komme ich dann, ich weiß nicht, als Neurowissenschaftler, als Mensch daher und sage, wir können halt Gruppen auch differenzieren oder denken, in dem wir nicht primär, was wir häufig heutzutage oder aus meiner Sicht, ich weiß nicht, ob es da statistische Analysen zu gibt, aber in den meisten Fällen es machen, dass wir schauen, was unterscheidet uns, also wo ist die Trennung? Wir könnten ja zum Beispiel jetzt hier zwischen uns ganz viele Gruppen aufmachen. Mann vs. Frau. Du hast eine Brille, ich habe Kontaktlinsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:36:24 – 01:42:14:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so weiter und so fort. Du hast einen großen Kopfhörer. Ich ein kleines Headset. Ja, keine Ahnung. Ich denke ist klar, worauf ich hinauswill. So, oder wir können hingehen und sagen. Was ist der kleinste gemeinsame Nenner? Was ist eine Sache, die uns verbindet? Und da sind wir jetzt bei dem Stichwort der Kommunikation und natürlich auch der politischen Kommunikation und dem Stichwort Ehrlichkeit und Vertrauen wieder angekommen, weil es natürlich eine komplett andere Botschaft sendet. Wenn ich zum Beispiel über eine bestimmte Partei Interesse gehe, über ein Mittendrin, wie du es gesagt hast, wo doch vielleicht einige Leute erst mal denken, sie stehen außen, links, oben oder unten. Oder ich gehe hin,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:14:26 – 01:42:46:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">was ist in diesem Kontext hier und heute, sei es ein Festival oder eine Kolumne oder ein Podcast oder was auch immer, eine Unternehmens Ansprache, hinzugehen und zu sagen was ist der kleinste gemeinsame Nenner? Die eine Sache, die uns hier gerade jetzt verbindet, die uns ein gemeinsames Ziel, eine gemeinsame Orientierung und ganz wichtig Vertrauensbasis geben kann. Und das hat nichts mit irgendwie wir müssen uns alle an den Händen halten und jetzt im Kreis Ringelreih tanzen, so zu tun.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern und auch das zeigt uns Studie um Studie. 01:42:47:02 – 01:43:17:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das führt dazu, Stichwort Vertrauen, dass Menschen, wenn sie sich einer Gruppe zugehörig fühlen, mehr und länger zuhören, dass sie der anderen, den anderen, den Quellen mehr vertrauen, dass sie sogar bereiter sind, Geld in die Menschen zu investieren. Also auch aus ökonomischer oder klassisch ökonomischer Sicht sehr, sehr sinnvoll, ja. Und deshalb eigentlich alle gesellschaftlichen Kontexte davon profitieren, wenn wir diese Neu oder Redefinitionen oder Andersdefinitionen von Gruppen vornehmen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:18:04 – 01:43:49:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das sind, das ist nicht immer trivial. Das ist nicht immer einfach, weil dieser kleinste gemeinsame Nenner natürlich gut gewählt sein muss. Das ist auch wieder super interessant, weil ich glaube, darüber denken viel zu wenig Leute nach. Also Veranstaltungs-Managerinnen oder Stadtteil, wei heißt es, Stadtteil? Förderung, Fördergruppen? Genau. Genau so was. Nachbarschaftshäuser und so. Genau. Und da kommen dann sowieso immer die Gleichen und wundern sich, warum kommen so wenige? Zum Beispiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:49:28 – 01:44:33:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist so eine Beobachtung, die ich oft mache. Absolut. Weil die sich einfach nicht, im wahrsten des Wortes, angesprochen oder abgeholt fühlen. Genau. Und du hast in diesem besagten Interview mit Tilo Jung, glaube ich war das, total gut erklärt, wo für dich dann aber auch die Grenze das diskutierbaren ist. Also du musst ja nicht jeden, wie sagen wir mal jeden Menschen bekehren, weil es gibt Menschen, die können nicht mehr bekehrt werden. Was mich einmal zu der Frage führt Wo ziehst du die Grenze? Und zweitens zu der Frage Heißt das dann die, die du nicht mehr erreichst, sind die verloren? Also die Grenze ziehe ich da, wo eine Verletzung der eigenen Wertvorstellungen passiert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:33:21 – 01:45:05:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was meine ich damit? Ich habe eben schon über die gesamtgesellschaftlichen Werte gesprochen, als es darum ging „Wie bauen wir eine Gesellschaft?“ Welche Optionen gibt es? Was ist überhaupt? Was sind überhaupt Handlungsoptionen? Als du die Beispiele mit Busfahrern und soweiter genannt hast. Also wenn das überschritten wird und das ist ja auch dieses von manchen Menschen manchmal falsch verstandene Toleranz, wo eben die Toleranz der Intoleranz, die, die das halt nicht geben, so Punkt. Da hört die Toleranz halt auf, weil sonst wird sie ad absurdum geführt und dann vernichtet sie sich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:05:25 – 01:45:18:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist auch nicht besonders schwierig zu verstehen. Und ich weiß auch nicht, warum wir immer noch Debatten darüber führen. Das ist ja keiner. Ich muss dafür nicht studiert haben, glaube ich, oder irgendwie besonders clever sein, das zu verstehen oder nachzuvollziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:20:18 – 01:45:54:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ganz klar. Ja, wenn, wenn, wenn das nicht gegeben ist, dann ist, dann ist eine Grenze überschritten. Warum? Na ja, weil sonst brauchen wir doch gar keine Wertvorstellungen und keine Gesetze und was auch immer. Dann können wir ja auch sagen okay, zurück zu der Zeit, wo der körperlich Stärkste gewinnt und alle zurück aufs Schlachtfeld und los geht’s. Ja, so, ich. Ich. Ich hoffe, ich weiß es auch, nicht in allen Teilen dieser Erde und in allen Auseinandersetzungen der Fall aber, dass wir es gesamtgesellschaftlich doch in vielerlei Hinsicht bewiesen haben, dass wir auch anders können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:54:17 – 01:46:27:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">So Stichwort Fortschritte. Und so weiter. Das heißt, da ist ganz klar eine Grenze. Und dann kommt natürlich hinzu, und das ist das Spannende, gesamtgesellschaftlich ja nicht so einfach, wie ich sie gar nicht vermeintlich darstelle. Weil natürlich kann es sein, dass deine Wertvorstellungen ein bisschen anders sind als meine Wertvorstellung. Obwohl wir im gleichen Land leben, vielleicht sogar die gleiche Partei wählen, was weiß ich. Trotzdem wir aber dann sagen okay, sorry, da hört es für mich auf und ich sage ja, nein, doch, das finde ich aber noch in Ordnung. So, und was ist dann die einzige Möglichkeit, die wir haben, darüber zu reden, und zwar ehrlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:28:04 – 01:47:03:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">So sind die Menschen verloren. Zweiter Teil deiner Frage. Ist natürlich jetzt, ohne dass ich es philosophisch oder zu philosophisch machen möchte, die große Frage des Verlorensein. Ich ich mache es mal ganz praktisch, weil das ist vielleicht hier die beste Annäherung an die Antwort oder aus meiner Sicht gerade die beste Annäherung. Es gab eine sehr gute, wie ich fand, sehr gute BBC Dokumentation zu der Fragestellung, inwieweit Menschen, die Verschwörungs Geschichten und Mythen glauben noch es ist immer so schwierig, da die richtigen Worte zu finden zurückgeholt werden können, also im Sinne von davon sich loslösen können und dem gemeinsamen Wertekanon der Gesellschaft wieder annähern können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:03:25 – 01:47:44:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sagen wir mal so, und die haben das dann sehr lang und breit verfolgt. Und was für mich? Für mich war das so ein Aha Moment, diese Doku zu schauen, was für mich einfach auch so aus Kosten Nutzen Analyse Sicht total nachvollziehbar und sinnvoll war und nach wie vor ist ist ja wollen wir die xProzent. Und das ist ein sehr kleiner Prozentanteil an Menschen, die wirklich, wirklich und auch da sind die richtigen Worte ganz schwierig zu finden, ohne dass sie mir jetzt umgedreht werden können oder jemand bewusst oder unbewusst falsch interpretiert, aber nie den Sinn für ein gemeinsames Zusammenleben, eine gemeinsam geteilte Werte und Realitäts Vorstellung verloren haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:45:02 – 01:48:16:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass wir da Geld, Ressourcen, Zeit rein investieren, oder? Und das waren halt diese zwei, drei Beispiele und sie haben es dann bei einer von vier Personen, die sie über Monate begleitet haben, geschafft. Und diese Person hat eingesehen und verstanden, was da alles schief gelaufen ist in der Zeit, dass so die Kurzzusammenfassung jetzt oder ist es nicht sehr viel sinnvoller die Größe und dieser Prozentsatz bewegt sich auf jeden Fall im zweistelligen Bereich. Große gesellschaftliche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:16:26 – 01:48:52:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Den großen gesellschaftlichen Anteil. Besser formuliert an Menschen, die verunsichert sind, die auf der Suche nach Antworten sind, die eine Selbstwirksamkeit erfahren wollen, die einfach vielleicht manchmal überwältigt sind. Angesichts, auch das hatten wir heute schon der vielen Informationen, die da sind, der Komplexität, die da überall, egal in welchem Thema und in welchem Zusammenhängen auf uns einprasselt. Ja im wahrsten Sinn des Wortes sich nach Antworten, nach Klarheit sehen, dahin zu gehen und zu sagen – Stichwort ehrliche Kommunikation – Welche Strukturen brauchen wir, um den Menschen Sicherheit zu geben? Weil das, was unser Gehirn am meisten möchte, ist Sicherheit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:53:15 – 01:49:28:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, und nicht in diesem Zustand des Kontrollverlusts zu landen. Ich habe da neulich, ich weiß gar nicht, ob ich das zusammen kriege, aber ganz viel neulich gelesen, dass man auch jetzt zum Beispiel bei dem</p>



<p class="wp-block-paragraph">Thema Impfskeptiker vielleicht auch sagen könnte okay, wir haben uns da etwas verrannt in dieses richtig/falsch geimpft, nicht geimpft, schwarz weiß Denken. Wir wissen jetzt auch wieder Anschlussfähigkeit finden für die Leute, die Angst bei der Impfung immer noch haben, was selbst nicht automatisch sie zu Gegnerinnen macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:28:26 – 01:50:02:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich verstehe was du meinst, aber das ist wirklich super kompliziert, weil wir ja schon auch beobachten. Und ich habe da neulich auf Zeit Online sehr besorgniserregenden Artikel gelesen, auf vielen Ebenen besorgniserregend, wo es um das sogenannte Cave In-Syndrom ging. Also wahrscheinlich auch mitbekommen, dass es so viele Leute gibt auf Twitter vor allem, die sich mit Studien gegenseitig beweisen und belegen, dass Corona so gefährlich ist, dass sie ab sofort immer zu Hause bleiben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:03:17 – 01:50:56:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gleichzeitig aber natürlich auch damit die Leute, die wirklich Angst und Sorge haben, sich zu infizieren, obwohl sie geimpft sind, dann sagen wir mal mitreißen und dann auch zu diesen Leuten machen, die übertriebene Angst haben, das, dass wir in so einer, in so einer Welt stecken, die gar nicht in der Lage ist zu differenzieren. Vor allem auf Social Media. Schaffen wir es überhaupt? Das ist ja jetzt meine Frage an dich schaffen wir es überhaupt, diese These, dieses Spektrum wieder aufzumachen, ohne zu differenzieren in richtig und falsch? Oder läuft das nicht darauf hinaus, dass wir uns irgendwann auf der Straße treffen und verprügeln, so wie Donald Trump es auch geschafft hat, die Gesellschaft so weit zu spalten, dass die bereit waren, das Kapitol zu stürmen, was ja vor allem durch mediale Geschichten mobilisiert wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:57:16 – 01:51:30:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also muss es darauf hinauslaufen, dass wir uns die Fresse einschlagen. Also ja. Nein, ich denke, die einzige Chance, oder ich bin davon überzeugt, nach weniger als vier Jahrzehnten auf diesem Planeten, die einzige Chance, die wir als Menschheit haben, ist zu kommunizieren, die auf den unterschiedlichsten Arten und Weisen. Das ist aber auch die größte Gefahr. Und darin besteht die Herausforderung, das Wissen, was wir darüber haben. Wie funktionieren wir? Also vor allem eben auch aus der Psychologie und den Neurowissenschaften.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:31:06 – 01:52:04:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was, was triggert und was lässt Menschen ein Kapitol stürmen? Und so weiter. Und du hast gerade ja schon Beispiele genannt, Zusammenhänge genannt, und wir haben viel auch jetzt in den letzten Minuten darüber gesprochen. Da sind wir ja genau wieder bei dieser Frage der Aufmerksamkeit. Und was macht Information in den Köpfen? Und damit einher geht einfach eine riesige Verantwortung. Wir haben dieses Wissen, wir haben dieses Wissen aus jahrzehntelanger Forschung, die uns zeigt, dass zum Beispiel Informationen, die unser eigenes Weltbild bestätigen, eher von uns integriert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:04:19 – 01:53:08:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so weiter und so fort. Das sind teilweise Informationen, die von bestimmten Unternehmen, aber auch oder und auch Regierungen entsprechend eingesetzt werden, um Ängste zu schüren, um bestimmte Verhaltensweisen zu kreieren, zu generieren. Und so weiter. Und unsere große Aufgabe, und das ist jetzt überhaupt nicht idealistisch, oder? Ich weiß nicht, was aufklärerisch, revolutionär oder so gemeint, aber ich bin wirklich davon überzeugt, unsere große Aufgabe als Individuen und als Gemeinschaft Menschheit besteht eben darin, genau diesen Spagat, wie du es ja auch so schön beschrieben hast, zwischen Komplexität Abbildung auf der einen Seite und sich öffnen für andere Perspektiven und</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wertvorstellungen, Überzeugungen und damit ja auch eine Bereicherung sein zu können und die Gesellschaft nach vorne zu bringen, nach vorne zu bringen im Sinne von eine gerechtere Gesellschaft zu kreieren, eine nachhaltigere, eine zukunftsfähige Gesellschaft zu generieren, dass wir dieses Wissen haben, also wir als Menschheit, dass wir jetzt dafür sorgen müssen, entsprechende Strukturen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu schaffen, die das fördern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:08:20 – 01:53:40:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was meine ich damit? Damit es nicht so leer klingt, sowohl medial, sowohl politisch, sowohl wirtschaftlich und natürlich auch persönlich individuell. Da kann und muss aus meiner Überzeugung jeder und jede bei sich selbst anfangen. Häufig wird gesagt Ja, Leadership und die da oben machen ja doch sowieso, was sie wollen. Ich habe doch keinen Einfluss. Weißt du, wo Leadership für mich beginnt? Also das, was in dem Wort drinsteckt Lead führen. Jeder führt ein eigenes Leben. Ich bin minimal zumindest für I eins Leadership verantwortlich, nämlich mich selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:40:17 – 01:53:51:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann kann ich mir überlegen, wie ich das führen möchte und was ich eben dazu beitragen möchte, dass es nicht daran endet, dass wir uns auf der Straße wieder die Köpfe einschlagen. Aber um wieder konstruktiv zu werden, verstehst du?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:54:09 – 01:54:15:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kann man ja. Das war also meine Frage als Podcaster in der Rolle. Kann man aus der Vergangenheit lernen? Also gab es Vergleichbares, wenn wir uns, sagen wir mal, den Nationalsozialismus nennen? Das war ein richtig großes Thema. Aufgemacht. Aber wenn man kurz nebenbei war. Kurz vor Ende. Aber wenn wir den Nationalsozialismus nehmen, dann geht es ja,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:17:06 – 01:54:51:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">auf diese Eskalation hinauszulaufen. Und wir machen jetzt gerade mit dem Thema Russland, Ukraine und mit dem Russland geführten Krieg gegen die Ukraine letztendlich ja gerade eine ähnliche Beobachtung, dass das alles auf Eskalation hinausläuft. Ja. Gab es also Vergleichbares, wo man sagen kann okay, es war kurz vor knapp, wir konnten das Ruder herumreißen und eine Eskalation verhindern, ohne dass eine Seite als Verlierer dasteht, in dem Fall die Ukraine ihr Land aufgeben musste oder der Unabhängigkeit oder oder,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:52:25 – 01:54:54:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">da man irgendwie Russland besiegen musste, also</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:56:13 – 01:55:27:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">wirklich auf der Seite der Ukraine. Aber ja. Ja, dieses die wie kriegen wir das hin? Ja und das ist das, was ich meine mit dem wir wissen, also wir jetzt wieder, die Menschheit hat das Wissen, wann Menschen wir besonders anfällig dafür sind, zum Beispiel extremen Positionen zu glauben. Wie oft hören wir jetzt hier oder wie oft höre ich und bestimmt du auch in Gesprächen Unterhaltung oder so? Ja wie können denn die das glauben? Wie können die denn davon ausgehen? Und das ist doch völlig klar, dass das eine Lüge ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:27:26 – 01:56:02:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so weiter und so fort. Ja, wenn unser Gehirn und jetzt mache ich es natürlich noch mal, hebe ich noch mal auf die neurowissenschaftliche Ebene, weil das ist natürlich die Grundlage. Also eine Gesellschaft sind ja immer ganz viele Individuen. Und wir hatten schon das Thema Aufmerksamkeit und Zeit. Wenn unser Gehirn in einem Angstzustand ist, in einem Unsicherheit Zustand, also in einem Krieg oder kurz davor, oder in einer Pandemie oder sonst was, in einem, einem Zustand maximaler oder sehr hoher Verunsicherung, dann sind wir besonders empfänglich für möglichst klare, einfache Antworten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:02:21 – 01:56:36:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist ja auch völlig klar. Ja, also weil es um das direkte Überleben geht und da ist aus evolutionsbiologische Sicht wir eine Ansage brauchen und nicht darüber anfangen nachzudenken, was in 20 Jahren vielleicht sein könnte, weil bis dahin sind wir tot. Ja, also wenn wir nicht jetzt und hier handeln so. Und deshalb besteht die zentrale gesellschaftliche Herausforderung darin. Und das ist halt das Gemeine in einer Situation, die eigentlich maximale Dringlichkeit. Wir hatten vorhin ja den Korridor mit Panik versus Entspannung, maximale Dringlichkeit, egal ob in der Kriegssituation, mit Blick auf die Klimakrise.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:36:18 – 01:57:03:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und so weiter erfordert, müssen wir trotzdem in uns die Ruhe finden und haben, um wirklich eine gute, langfristig überlegte Entscheidung unser Hirn nutzen zu können, die kognitiven Ressourcen, die wir in uns haben, nutzen zu können. Das müssen wir schaffen und das muss auch die Politik schaffen. Das müssen wir als Gesellschaft schaffen. Das ist die zentrale Herausforderung. Aber es ist uns nicht geholfen. Und das ist ganz, ganz wichtig, wenn wir jetzt uns in</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:04:29 – 01:57:28:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">ideologischen Grabenkämpfen verlieren und dann wieder, wie du es ja auch gesagt hast, die Köpfe einschlagen. Also das wäre, wenn ich jetzt mal ganz global auf der Metaebene denken möchte, wäre ja mehr als ironisch für die Zivilisationsgeschichte der Menschheit. Ja, wenn wir es nicht schaffen. Das hinzukriegen und noch depressiver zu beenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:57:29:26 – 01:58:03:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, nein, der Moment nur, wenn ich sage Stopp, bevor du sagst, ich möchte dazu noch da noch hinzufügen Ich hoffe natürlich jeden Morgen. Und ich meine, das ist der Grund, warum ich morgens aufstehe, dass es nicht so kommen wird. Wenn ich davon überzeugt wäre, dass es so kommen würde, dann könnte ich mich auch wieder auf den Rücken legen und warten, bis die Welt untergeht. Aber dieses Gefühl haben wir ja trotzdem manchmal. Also dass wir glauben, es ist, als ob die Welt brennt. Und nach einer Studie der Lancet Planetary Health sagen 56 % der Jugendlichen, dass die Menschheit verloren ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:03:28 – 01:58:53:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">75 % von ihnen sagen, sie haben Angst vor der Zukunft. Was können unsere Zuhörerinnen also jetzt tun, um ein konstruktives Weltbild zu entwickeln, zu erhalten? Ohne dass es sich wie Verzicht anfühlt. Weil ich habe dieses Ich muss mein Verhalten ändern ist sehr schnell so was wie Ich verzichte auf Dinge, an die ich gewohnt bin, aber ich könnte sie auch ersetzen, die Dinge, die besser sind. Richtig. Und da sind wir wieder bei der zentralen Frage das wofür statt wogegen? Also wegzukommen von dieser Verzichts mentalität oder diesee Verzicht diskussion ist ein ganz zentraler Aspekt dabei bei diesem wir müssen alles oder vieles anders machen, aber eben nicht mit der Brille darauf zu schauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:58:53:27 – 01:59:41:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da nimmt mir jemand etwas weg. Die Regierung oder die Reichen, die Armen, die ich weiß nicht was. Ja, nehmen mir etwas weg, wollen mir etwas nehmen von meinem Kuchen. Und so weiter und so fort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern und da sind wir wieder bei der Kommunikation und du hast, da hat es vorhin die Beispiele bei den Festivals und bei den Regisseuren genannt, ja, mit die Frage auch Welche Wörter benutzen wir an der Stelle und wie definieren wir dann, was diese Veränderung bedeutet? Was meine ich damit? Na ja, indem wir halt primär fragen Was gewinnen wir eigentlich? Worum geht es eigentlich wirklich? Was ist das Ziel dahinter? Und dann zu schauen, was ist der zusätzliche Gewinn? Und ich hatte vorhin, als du mich nach der konstruktiven Geschichte gefragt hast, die mich als letztes inspiriert hat, über die neuen Möglichkeiten des Wohnens, des Lebens gesprochen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:59:41:12 – 02:00:15:29</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich kann halt hingehen und sagen Okay, wir müssen uns alle einschränken, wir müssen alle auf weniger Quadratmetern wohnen. Und so weiter und so fort. Oder ich kann hingehen und den Fokus, unsere Aufmerksamkeit, unsere wichtigste Ressource darauf richten, was das eigentlich an positiven Nebeneffekten gar nicht, sondern Haupteffekt mit sich bringt. Gibt es denn ganz konkret für mehr gelernt als Handlungs Tipp I ein Verhalten deines Medienkonsums, von dem wir lernen können? Also wie oft guckst du Tagesschau oder Nachrichten oder so? Ja.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:16:21 – 02:00:52:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich habe keinen Fernseher. Ich gucke also nicht linear. Nur das ist, weiß ich nicht, ob gut oder schlecht, weil oder doch, ich weiß es im Sinne von für manche Menschen ist es gut, für manche schlecht. Was meine ich damit? Es geht vor allem darum, sich bestimmte Gewohnheiten zu schaffen. Und für manche Menschen ist eine Gewohnheit Reiz, eine bestimmte uhrzeit, weil du jetzt ja auch explizit nach Tagesschau fragt, das Ja zu sagen, sich feste Zeitpunkte wirklich im Tagesablauf zu schaffen, wo wir konsumieren, so Medien konsumieren in dem Fall sorgt dafür, dass wir nicht die ganze Zeit unser Gehirn in dieses ständige Abwägen bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:00:52:14 – 02:01:29:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil das ist ja der Reiz bei der Dauer Verfügbarkeit. Wie viele Menschen und nicht nur junge Menschen klagen darüber, dass sie eigentlich zu gar nichts mehr kommen, dauernd abgelenkt sind, sich nicht mal konzentrieren können. Und so weiter. Na ja, das ist genau diese über das Überangebot, die zu vielen Optionen, das ständige sich ablenken können und ständig unser Gehirn in diesen Zustand zu bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mach ich’s oder mache ich’s nicht? Gewohnheiten sind ja genau das Gegenteil. Die sorgen dafür, dass zu einer bestimmten Zeit und Zeit jetzt nicht nur im Sinne von uhrzeit, sondern das kann zum Beispiel auch so was sein, wie wenn eine andere Sache vorher passiert ist, dann mache ich das und das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:01:29:13 – 02:02:02:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also Wenn-Dann-Bedingungen funktionieren immer gut, dann eine Sache zu tun, also zum Beispiel zu sagen, mein Medienkonsum ist vor allem morgens, könnte ja dann bedeuten, du hast Deutschlandfunk erwähnt, ich mach morgens immer Deutschlandfunk Kultur an und da dann ein oder maximal zweimal die Nachrichten genau aus diesem Grund, was du sagst, also repetitiv und dann zu sagen, okay, das ist jetzt vorbei und dann kommt der nächste Schritt. Ja, also sich wirklich Gewohnheiten, Routinen zu schaffen, die einen nicht in diese ständige und damit Aufmerksamkeits verplempern Abwägung Verhalten bringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:03:06 – 02:02:51:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber jetzt ganz konkret: wie konsumierst du Medien? Also ich habe sehr starke würde ich sagen sehr starke Routinen ausgeprägt im Sinne von also das, was ich gerade schon seit ich morgens tatsächlich meistens Deutschlandfunk Kultur meistens über die App, weil ich ja auch viel unterwegs bin und ich hab auch noch so ein altes Radio, habe ich tatsächlich einen Fernseher, aber ich nicht ein Radio habe. Und dann habe ich so ein paar Newsletter vor allem thematisch orientiert, zum Beispiel zum Thema Klima, Kommunikation, Neurowissenschaften und andere Dinge, die mich thematisch sehr fokussiert interessieren, die ich dann in verschiedenen Rhythmen zugeschickt bekomme und dann mir ganz explizit eben auch Stichwort diesen Zustand, diese Routine schaffe, wo ich sage, jetzt nehme ich mir da eine halbe Stunde oder x Minuten für Zeit, genau das zu tun, damit ich nicht dieses Verhalten an den Tag lege.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:02:51:27 – 02:03:23:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber hast du zum Beispiel Notifications an oder aus? Nein, aus. Und das ist genau der Punkt. Ich lasse mich halt nicht andauernd davon ablenken, sondern ich entscheide bewusst, wann ich es nutze, weil ich genau weiß, dass jede Push Nachricht ansonsten dafür sorgt, dass ich aus dem rausgenommen werde, was ich eigentlich gerade versuche zu tun. Super, super, super, super, mega spannend. Das schreit nach einer zweiten Folge, die wir. Das machen wir. Bei einer anderen Rückfahrt mit dem Aufzug sofort verlassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:03:24:22 – 02:04:00:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Frage, die ich allen Gästen dieses Aufzugs immer stelle mit der Bitte, nicht die eigene Organisation zu nennen. Welchem Verein oder welcher Organisation hältst du für besonders unterstützenswert? Und wohin können unsere Hörerinnen sich wenden, spenden, engagieren? Wie auch immer. Wo du sagst spenden und sicher nicht vorher schon im Kopf effektiv spenden. Also das ist eine Organisation, die aufgrund von bestimmten Kriterien untersucht, welche Organisationen besonders sinnvoll ihr Geld einsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:04:00:15 – 02:04:34:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spendengelder und sinnvoll meint hier jetzt den meisten positiven Nutzen für Menschen haben und da wirklich sehr empirisch vorgehen und schauen, ob es zum Beispiel sinnvoller ist, Schulbücher zu kaufen, Entwurmung, Kuren oder Moskitonetze. Und so weiter und effektiv spenden, dass davon der deutsche Ableger dieser übergeordneten Bewegung des sogenannten Effektiven Altruismus oder auf Deutsch dann des Effektiven Altruismus. Was ich ganz vergessen habe, dich am Anfang zu fragen. Wo sind wir eingestiegen und wo steigst du jetzt gleich aus? Puh.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:04:35:00 – 02:05:05:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich bin eingestiegen aus einem Gespräch, kommt mit einem ehemaligen Masterstudenten und einem anderen Wissenschaftler hat. Wir arbeiten gerade gemeinsam an einer Publikation und jetzt geht es weiter. In welcher Etage wir jetzt sind, das musst du mir sagen. Wahrscheinlich in den Tagen 42, nehme ich an? Natürlich geht es weiter mit einem Gespräch. Ich weiß nicht, ob ich das jetzt öffentlich sagen möchte. Mit Hajo Schumacher. Ah ja, ja. Liebe Grüße Ich war neulich bei einem Podcast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:05:06:08 – 02:05:21:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das war ein nettes, sehr nettes Gespräch. Danke und ich freue mich auf eine Fortsetzung. Ich auch sehr. Danke für deine Zeit. Sehr gerne. Tschüss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:05:26:06 – 02:05:45:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat, bewerte diese Folge bei Apple, Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Allerdings zur Folge. So wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützen. Findet ihr in den Shownotes. Schaut auch gerne mal rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:05:48:05 – 02:06:00:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Stelle zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zwei Mal im Jahr persönlich zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">02:06:03:00 – 02:06:10:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug ist eine Produktion von Schønlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://perspective-daily.de/">Perspective Daily</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/factfulness-9783548060415.html">Factfulness von Hans Rosling</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://perspective-daily.de/article/2187-das-sind-die-haeuser-der-zukunft-und-ich-war-drin/probiere">Wohnen in der Zukunft</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-maren-urner-raus-aus-der-ewigen-dauerkrise-9783426278413">Buch: Raus aus der ewigen Dauerkrise von Maren Urner</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.youtube.com/watch?v=k75KUYM4UGI&amp;ab_channel=Jung%26Naiv">Jung und naiv Interview mit Maren Urner</a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Marens Herzensangelegenheiten:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.effektiv-spenden.org/">Effektiv Spenden</a></p>



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<h2 class="wp-block-heading" id="h-podcast-abonnieren">Podcast abonnieren</h2>



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<h2 class="wp-block-heading" id="h-hier-findest-du-mehr-uber-mich">Hier findest du mehr über mich:</h2>



<ul class="wp-block-social-links has-visible-labels has-icon-color is-style-logos-only is-layout-flex wp-block-social-links-is-layout-flex"><li style="color:var(--ast-global-color-0)" class="wp-social-link wp-social-link-chain has-ast-global-color-0-color wp-block-social-link"><a href="https://raul.de" class="wp-block-social-link-anchor"><svg width="24" height="24" viewBox="0 0 24 24" version="1.1" xmlns="http://www.w3.org/2000/svg" aria-hidden="true" focusable="false"><path d="M15.6,7.2H14v1.5h1.6c2,0,3.7,1.7,3.7,3.7s-1.7,3.7-3.7,3.7H14v1.5h1.6c2.8,0,5.2-2.3,5.2-5.2,0-2.9-2.3-5.2-5.2-5.2zM4.7,12.4c0-2,1.7-3.7,3.7-3.7H10V7.2H8.4c-2.9,0-5.2,2.3-5.2,5.2,0,2.9,2.3,5.2,5.2,5.2H10v-1.5H8.4c-2,0-3.7-1.7-3.7-3.7zm4.6.9h5.3v-1.5H9.3v1.5z"></path></svg><span class="wp-block-social-link-label">Webseite</span></a></li>

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<p class="wp-block-paragraph">Dieser Podcast ist eine Produktion von <a class="ek-link" href="https://www.schonlein.media">Schønlein Media</a>.<br>Produktion: Fabian Gieske , Tim Rodenkirchen<br>Schnitt und Post-Produktion: Tim Rodenkirchen<br><br>Coverart: Amadeus Fronk</p>
</div>
<p>Der Beitrag <a href="https://im-aufzug.de/im-aufzug-mit-prof-dr-maren-urner-neurowissenschaftlerin/">Im Aufzug mit Prof. Dr. Maren Urner, Neurowissenschaftlerin</a> erschien zuerst auf <a href="https://im-aufzug.de">Im Aufzug</a>.</p>
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		<title>Im Aufzug mit Hazel Brugger</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Raúl Krauthausen]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 14:37:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Podcast-Folge]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Meine heutige Aufzuggästin ist Comedian, Podcast-Kollegin, Moderatorin, Youtuberin, Medienproduzentin &#8211; die Liste scheint endlos! Dabei hat sie mit ihrem Mann Thomas Spitzer den perfekten Partner in Crime gefunden. Seit letztem Jahr spielt in Hazel und Thomas Leben ein weiteres „Projekt“ eine Riesenrolle &#8211; nämlich ein gemeinsames Kind. Ganz schön viel Verantwortung. Warum sie Anfang des [&#8230;]</p>
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<h2 class="wp-block-heading">Meine heutige Aufzuggästin ist Comedian, Podcast-Kollegin, Moderatorin, Youtuberin, Medienproduzentin &#8211; die Liste scheint endlos!</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dabei hat sie mit ihrem Mann Thomas Spitzer den perfekten Partner in Crime gefunden. Seit letztem Jahr spielt in Hazel und Thomas Leben ein weiteres „Projekt“ eine Riesenrolle &#8211; nämlich ein gemeinsames Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz schön viel Verantwortung. Warum sie Anfang des Jahres die Notbremse ziehen musste, erzählt sie mir heute im Aufzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aufzugtür auf für Hazel Brugger!</p>



<div class="wp-block-kadence-accordion alignnone"><div class="kt-accordion-wrap kt-accordion-wrap kt-accordion-id_41f8eb-2c kt-accordion-has-2-panes kt-active-pane-0 kt-accordion-block kt-pane-header-alignment-left kt-accodion-icon-style-arrow kt-accodion-icon-side-right" style="max-width:none"><div class="kt-accordion-inner-wrap" data-allow-multiple-open="false" data-start-open="none">
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<p class="wp-block-paragraph">01:02:29:20 – 01:02:45:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Meine heutige Aufzugs Gästin ist Comedian, Podcast Kollegin, Moderatorin, Youtuberin, Medienproduzentin. Die Liste scheint endlos. Dabei hat sie mit ihrem Mann Thomas Spitzer den perfekten Partner in Crime gefunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:02:48:02 – 01:02:57:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Seit letztem Jahr spielt in Hazel und Thomas Leben ein weiteres Projekt eine riesen Rolle, nämlich ein gemeinsames Kind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:01:24 – 01:03:09:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz schön viel Verantwortung. Warum sie Anfang des Jahres die Notbremse ziehen musste, erzählt sie mir heute im Aufzug.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:10:26 – 01:03:15:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Tür auf für Hazel Brugger. Herzlich willkommen, Hazel Brugger!</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:22:20 – 01:03:28:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Tür geht auf und wer kommt rein? Hazel Brugger. Hallo! Ding dong. Hallo, Ich bin’s.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:03:31:06 – 01:04:03:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wo gehts für dich hin? Ganz nach oben oder ganz nach unten? Lass uns mal nicht ganz nach oben, aber so 2/3 vom Gebäude. Da einfach mal so schauen, weil ganz oben habe ich ein bisschen Angst immer, muss ich ehrlich sagen, da wackelt es immer so sehr und ich habe auch ein bisschen Höhenangst. Und was erwartet dich in der Mitte des Gebäudes? Wahrscheinlich so ein, so eine Getränk Station, wo man so Leute kennenlernt und dann so mit denen redet und sich noch ein gratis Wasser zocken kann. Das ist eigentlich das Einzige was ich möchte, ist einfach immer, immer Zugang zu Getränken haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:03:04 – 01:04:45:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht alkoholischen natürlich. Natürlich nicht. Aber manchmal gibt es auch so awkward Moments, an so Orten, wo man gemeinsam sich an einem Automaten trifft oder in der Schlange steht. So ähnlich wie im Aufzug, wo man dann irgendwie so einen Dialog führen muss, aber auch nicht will. Wie gehst du mit solchen Situationen um?. Ja, das Problem ist echt, ich liebe ja diese awkward Moments. Also ich ich könnt mich da reinlegen, weil das so, also ich ich bin mir auch immer noch nicht sicher, ob ich extrovertiert oder introvertiert bin, aber ich glaube, ich bin eigentlich introvertiert und mach dann aber so, wenn ich, wenn ich draußen bin oder halt drinnen mit Leuten, nicht bei mir zu Hause, sondern in dem Aufzug, dann gebe ich so Vollgas. Also dann gehe ich einfach voll nach vorne und da bleibt ja dann nur die awkwardness.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:04:45:26 – 01:05:27:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wenn man, solange man nicht der ist, der es am most awkward findet, hat man ja eigentlich schon gewonnen. Man muss immer einen finden, der es noch schlimmer findet als man selber. Und dann geht’s. Aber es ist schon. Ja, also ich habe eigentlich noch nie. Das ist jetzt das erste Mal, dass ich mich wohlfühle in einem Aufzug, muss ich ehrlich sagen, mit dir. Ist dann dieser Awkwardness, diese Momente, wo man denkt Ah Gott, ist das schlimm, ist das so Inspirationsquelle für dich? Ja, also leider schon, weil es ist ja nicht etwas, was man erzeugen möchte. Oder ich möchte es halt erzeugen, aber ich bin da auch nicht besonders stolz drauf, dass mir das so viel gibt, weil es so, es ist aber unklar finde ich, wer darunter leidet, wenn was awkward ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:05:27:24 – 01:06:04:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man spricht ja auch neuerweise von cringe. Das ist ja auch so ein Wort, was ich super finde, dass es das jetzt endlich gibt. Das ist ja so der Spiritus in Deutschland ist ja cringe. Die Grundstimmung. Und endlich haben wir einen Begriff dafür. Und ich finde es immer schwer zu sagen, wer darunter leidet, weil eigentlich leiden ja nur die Leute unter awkwardness die es nicht checken. Das ist ja eigentlich dann so ein sich selbst reinigendes System, weil solange man alles checkt und beachtet und und irgendwie on top of things ist, also solange man selber am längeren Hebel ist, muss man nicht unter awkwardness leiden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:04:16 – 01:06:37:23</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder wie geht es dir damit? Ja, ganz ähnlich und manchmal habe ich dann auch, ich bin dann auch so fasziniert von dieser awkwardness, wie du und es fühlt sich an wie so ein Verkehrsunfall. Man darf nicht hingucken, aber man muss. Ja, genau. Und man kann selber entscheiden, wie lange der Moment andauert. Also weil man könnte ja dann auch die Leute erlösen und einfach sagen Du, kein Problem, alles okay. Oder man wartet halt einfach und schaut, wie sich die Menschlichkeit entfaltet. Gab es schon mal so ein awkward Moment für dich in einem Aufzug? Ähm, ja, tatsächlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:06:37:25 – 01:07:08:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das kann ich jetzt kaum sagen, ohne dass es arrogant rüberkommt. Aber eine Frau hat mich mal fotografiert in einem Aufzug und hat halt nicht gefragt, ob sie mich fotografieren darf. Und sie hat so getan, als würde sie so ganz normal am Handy rumspielen und hat ihr Handy aber so ganz klar so gehalten, dass sie in dem Winkel nichts anderes machen konnte, als einfach mich fotografieren. Und ich habe sie dann angeschaut mit einem Blick, der gesagt hat Hey, es ist okay, dass du mich fotografierst, aber es ist halt überhaupt nicht okay, dass du das im Geheimen machst. Und dann ist der Aufzug in die falsche Richtung gefahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:08:10 – 01:07:42:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also er ist nicht nach oben, wo wir hin wollten gefahren, sondern nach unten. Und es hat viel, viel länger gedauert und dann war sie mit mir gefangen und dann lag es eigentlich an mir zu sagen Alles ist okay. Willst du noch mal ein richtiges Foto machen? Aber ich habe ihr diese diese Erlösung nicht gegeben. Weißt du was ich in solchen Momenten mache? Also, ich werde aus anderen Gründen fotografiert. Eher so als ja, wie soll ich mal sagen, als Freakshow. Ja, gut, mittlerweile bist du ja schon auf jeden Fall eine Person der Öffentlichkeit, oder? Also ich denke, die allermeisten die, die erkennen dich doch auch, oder nicht? Ja, das gibt es schon, das stimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:42:14 – 01:07:55:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber früher war es auch so, dass ich einfach aufgrund meiner körperlichen Erscheinung fotografiert wurde. Und ich habe dann zurück fotografiert. Na super, mit so einer uralten Kamera, wo du dir so. Aber mit Blitz!</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:07:55:08 – 01:08:25:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sodass sie es auch wussten, ich habe zurück fotografiert. Es wäre geil, wenn du dann so eine ganz altertümliche Kamera hättest, wo du dir doch so ein Tuch über den Kopf legen musst mit so einer Glühlampe, die danach auch unbrauchbar ist. So mega offensichtlich. Ne ne, ich habe dann richtig mit Blitz zurück fotografiert und es ist dann sogar passiert, dass einige Leute sich dann sogar entschuldigt haben. Oh Gott. Und das Foto gelöscht haben, in meinem Beisein. Aber das finde ich auch richtig, oder? Wie findest du, muss man denn darauf reagieren, wenn du mit Blitz fotografierst? Also es ist ja erstens mal mega der Men in Black move, die Leute zu&nbsp; blitzdingsen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:26:25 – 01:08:57:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber eigentlich eine Einladung von dir, den Leuten eine Chance zu geben, sich noch mal irgendwie richtig zu verhalten, oder? Eigentlich schon, aber das ist dann auch sehr unangenehm. Ja. Also dann zu sehen, wie jemand, weil du das wolltest, ein Foto für dich löscht. Und du musst das ja dann auch löschen, weil du hast ja auch ein Foto gemacht. Also ich habe es zweimal gemacht und hat sich auch nicht gut angefühlt. Es ist so wie in Las Vegas, wenn man so doppelt oder nichts auf awkward setzt. Ja, genau. 200&nbsp;$ auf awkward schwarz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:08:57:24 – 01:09:27:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber du bist Schweizerin und du bist in der Schweiz geboren. Ich bin ja, genau, ich bin in Amerika geboren, aber dann wurde ich, als ich sehr klein war, noch nach, nach in die Schweiz transportiert. Und du hast eine deutsche Staatsbürgerschaft. Genau qua Blutlinie. Das ist ja auch so ein Wort, was man gar nicht gerne sagt. Aber meine Mutter ist Deutsche, hat einen deutschen Pass und da kriegt man ja dann auch den Pass mit mit in die Wiege gelegt. Bist du, bist du Weltbürgerin? Boah, das ist ein sehr großes Wort. Das Wort ist gefühlt größer als die Welt selbst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:09:28:24 – 01:10:08:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ich fühle mich schon irgendwie überall so ein bisschen zu Hause. Aber natürlich, also nein, ich würde nicht sagen, ich bin Weltbürgerin, weil es gibt schon Orte, wo ich einfach nicht leben könnte. Also selbst Amerika, da war ich jetzt zuletzt vor vier Jahren und da könnte ich ja eigentlich einfach problemlos hinziehen. Aber selbst das ist mir dann irgendwie zu weit weg von meiner, mir hier antrainierten, Komfortzone. Was ist in den USA besser als in Deutschland oder Schweiz? Dass man auch als psychisch extrem labile Person schnell eine Waffe kriegen kann! Das ist besser? Nein!</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:08:14 – 01:10:42:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wenn man zum Ziel hat, möglichst schnell eine Waffe zu kriegen ist es auf jeden Fall besser. Nein, das ist natürlich etwas, wo ich., also das ist tatsächlich ein Grund, warum ich dort gerade einfach gar nicht mehr hin möchte. Weil ich die Waffen Politik in den USA höchst problematisch finde. Aber was ich besser finde ist dieser dieser Spirit, also dass zum Beispiel die Unterhaltungsbranche, dass das so was total positives hat. Also es ist, wenn man in den USA in ein Taxi steigt und dann fragen die Was machst du beruflich? Dann sage ich sogar wirklich, ich bin Comedian. Und dann sagen die Leute Ach cool, das ist ja, das ist ja auch ein schwieriger Job.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:10:42:02 – 01:11:12:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann muss du sicher hart arbeiten. Und das ist ja auch, kann ja sicher nicht jeder. Und hier in Deutschland ist es dann eher so, dass ich dann sage Ich bin, ich arbeite bei einem, Ich bin Journalistin oder irgendwie so was erfinde ich dann einfach, damit ich nicht darüber reden muss. Weil wenn man sagt, ich bin Comedian, dann empfinden die Leute einen eher als ungebildet und du machst ja gar nix Richtiges. Und das finde ich in den USA schon cool sowie wahnsinnig positiv die Leute einfach auf alternative Lebensentwürfe reagieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:13:01 – 01:11:46:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hätte jetzt gedacht, dass es gar keinen Ort mehr in Deutschland gibt, an dem man dich nicht kennt. Ja, da irrst du dich, glaube ich. Ich glaube schon, dass es viele Leute gibt, die mich nicht kennen. Es gibt schon viele, natürlich mittlerweile auch, die mich kennen. Aber es gibt auch eine riesige Menge an Menschen, die mich zwar kennen, aber mich ganz bewusst ignorieren und irgendwie nicht nicht wahrhaben wollen, dass es mich gibt. Also ja. Mein letztes Wochenende war ganz im Zeichen von Hazel und Thomas.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:11:47:18 – 01:12:24:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, ich habe ganz viel über euch recherchiert und ich muss auch ein paar confessions heute noch loswerden. Ja, ich habe auch noch eine confession. Thomas ist nämlich heute nicht da. Also falls ihr diese Folge hört und dachtet Oh Mann, ich wollte nur Thomas hören, er ist heute nicht da, ihm geht es gerade nicht so supergut. Aber es ist, glaube ich, weder Corona noch Affenpocken. Aber man kann ja noch alles andere kriegen, was es ja schon vorher gab. Und deswegen übernehme ich jetzt beides. Aber du kannst gerne gerne sagen, was du so über uns rausgefunden hast. Also was mich wirklich zutiefst beeindruckt hat, sind eigentlich zwei Geschichten, die ihr beide zusammen macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:12:24:17 – 01:13:02:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal. Ihr arbeitet zusammen an fast jedem Projekt. Also entweder ist Thomas in der Regie, in der Kamera oder macht mit dir die Sketche, oder ihr taucht zzusammen in YouTube oder Podcast Formaten auf, was ja schon mal, sagen wir mal, wahrscheinlich verbringt ihr 24 Stunden des Tages zusammen. Also jedenfalls nach dem Wortlaut den ihr habt. Und das andere, was ich extrem beeindruckend finde an eurer Arbeit ist, dass ihr euch immer mehr aus den klassischen Medien rauszieht und anfangt, ein eigenes Medium zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:02:21 – 01:13:34:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber das ist ja auch etwas, was nicht viele schaffen. Ja. Und meine erste Frage wäre Gibt es Momente, an denen ihr euch manchmal richtig auf den Keks geht? Das ist eine sehr legitime Frage und tatsächlich erstaunlich wenig. Also klar gibt es diese Momente, es ist aber dann öfter so, also jetzt letztes Wochenende zum Beispiel war ich auf Tour und ich war zum ersten Mal drei ganze Nächte weg und Thomas war alleine mit unserer gemeinsamen Tochter, was&nbsp; ja auch ein Riesenprojekt ist, was man gemeinsam haben kann, so ein Baby.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:13:34:24 – 01:14:10:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da habe ich das Gefühl, gehen wir uns dann manchmal ab Bande auf den Keks. Also wenn man so denkt, oh man, jetzt wäre es doch cool, wenn du da wärst, oder? Oder ich denke da, jetzt wäre es doch cool, wenn ihr mit auf Tour wärt, weil alleine ist es irgendwie schwieriger. Also dann gehen wir uns eher auf den Keks, dadurch, dass wir eben nicht 24 Stunden miteinander verbringen. Und sonst sind wir aber wirklich erstaunlich gut im Koexistieren. Also ich würde sagen, wir gehen uns dann nicht auf den Keks, aber wir gehen dann so am Keks des anderen vorbei und meiden die Krumen, die sonst entstehen würden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:10:16 – 01:14:43:05</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber es gibt schon Dinge, die mich total nerven an Thomas natürlich. Also er trinkt immer seinen Espresso und stellt dann die leere Tasse ins Bücherregal, was auf dem halben Weg ist zur Spülmaschine, wo ich denke jetzt also tu es doch einfach in die Spülmaschine oder stells doch zumindest so in die Nähe der Spülmaschine, das man, wenn man die Spülmaschine aufmacht, mit dem anderen Arm dann irgendwie zur Espresso Tasse greifen könnte. Und es gibt auch Sachen, die die ihn an mir nerven. Also ich bin zum Beispiel jemand der, ich denke immer ich kann alles. Also ich kann den Kalender einfach voll zu ballern und dass ich dann da nicht darunter leide.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:14:43:07 – 01:15:20:06</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und er leidet dann natürlich auch darunter, wenn ich völlig überarbeitet bin. Also ja, es sind eher so ganz menschliche Dinge, die wir aneinander nicht mögen. Aber ich glaube, der Trick an einer erfolgreichen Beziehung ist doch, dass man diese Marotten des anderen nicht versucht zu beseitigen. Ja, ich glaube auch, dass man wirklich sich täglich wieder darauf fokussieren muss, dass man das ändern kann, was man halt ändern kann. Und das sollte man auch ändern, wenn es einen stört. Und jede Energie, die man reinsteckt in die Hoffnung andere Leute zu ändern, ist tatsächlich Verschwendung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:20:08 – 01:15:50:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also nicht unbedingt zu 100&nbsp;% Verschwendung, weil man kann es ja immer noch so, diese Misserfolge, wenn man merkt, ich kann die anderen ja doch nicht ändern, das kann man immer noch nutzen für sich selber, dass man merkt Ah ja, okay, in Zukunft werde ich anders damit umgehen. Und dann war es ja nicht ein kompletter Misserfolg. Aber man muss die Leute so nehmen, wie sie kommen. Und ich ja, ich weiß, dass also Thomas ist vielleicht nicht perfekt und ich bin auch nicht perfekt, aber füreinander wird es nicht viel perfekter.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:15:50:20 – 01:16:40:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also, wir sind wie so ein bisschen komisch. Es gibt auch bei Ikea manchmal so Inbusschlüssel, die aber nicht normale Inbusschlüssel sind, sondern mit noch so crazy so Stern Zacken drin. Und so sind wir also wir passen nicht in viele Regale, aber wenn du eine Schraube hast mit so einem Loch, dann kannst du richtig froh sein, wenn du so einen Schlüssel hast. Ihr habt ja vorher schon extrem viel zusammen gearbeitet, bevor ihr eine gemeinsame Tochter hattet oder habt. Kann das vielleicht sogar positiv auf eure Tochter an sich auswirken, dass ihr einfach gelernt habt, wie ihr in Stresssituationen einfach beide funktioniert, sodass dann einfach ein weiteres, in Anführungsstrichen, Projekt, nämlich ein gemeinsames Kind, auch nur ein weiteres ist? Tatsächlich frage ich mich oft Wie machen das Paare, die nicht schon</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:16:40:20 – 01:17:12:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">lange miteinander gearbeitet haben, weil du dich ja ganz neu dann kennenlernst plötzlich. Also wenn du, wenn du etwas hast, was dir wahnsinnig wichtig ist und der anderen Person auch wahnsinnig wichtig. Was halt bei vielen Partnern zum Ersten Mal im Kontext mit einem Kind der Fall ist, dann dann kommst du halt ganz neu an deine Grenzen und lernst die andere Person auch kennen. Und ich muss sagen, es ist zwar saumäßig anstrengend, zusammen ein Kind großzuziehen, aber es ist jetzt vom Druck her auch nicht krasser, als auf einer Pegida Demo mit Nazis zu drehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:13:06 – 01:17:59:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja gut, aber da kannst du halt irgendwann weggehen. Hoffentlich, außer du bist, außer du bist Organisator und die kommen mit dir nach Hause. Ja, das stimmt, du kannst da weggehen, aber dafür sind die Pegida Leute auch immer unangenehm. Es ist ja nicht so, dass der Pegida Mann oder Frau, ja gut, so viel Zeit habe ich mit denen noch nicht verbracht, aber also die Glücksmomente, die uns unsere Tochter beschert, die sind schon größer als die Glücksmomente, die ich auf Nazi Demos bis jetzt erfahren habe. Ihr habt ja zwei gemeinsame Podcast, einen hinter einer Paywall von Patreon und dann einen exklusiven auf Spotify, wo ihr jetzt sehr viel auch über eure Beziehung und Ehe und Partnerschaft und Elternsein miteinander redet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:17:59:27 – 01:18:38:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie sehr nervt es euch, dass dadurch vielleicht auch so viele Fremde eine Meinung zu euch haben, als Eltern, als Paar? Ja, das ist eine sehr gute Frage, weil das vor allem auch so im nächsten Umfeld gibt es so ein paar Leute, wo man denkt Hey, du kennst doch die echte Hazel, du kennst den echten Thomas. Wieso lässt du dich dann da so triggern, davon, dass wir dann vielleicht mal so zum Teil auch ein überspitztes Streitgespräch führen in einem Podcast? Weil natürlich funktioniert ein Podcast auch nur, wenn wenn das Gespräch ein bisschen mehr Höhen und mehr Tiefen hat als eine normale Unterhaltung zwischen zwei übermüdeten Eltern, die 60 Minuten dauert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:18:39:08 – 01:19:09:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber eigentlich finde ich es erstaunlich, dass nicht mehr Leute so ehrlich miteinander sind und auch so ehrlich über sich selber reden in der Öffentlichkeit, weil man sich dadurch vielleicht kontra intuitiver Weise viel weniger angreifbar macht. Weil du kannst ja, also wenn ich sage, ich bin angenommen, ich würde jetzt eine rein hypothetische Aussage machen, ich bin schlecht im Bett und dann kommt jemand zu mir und sagt Hey, du bist doch so schlecht im Bett. Dann kann ich sagen Ja, stimmt, habe ich ja auch schon gesagt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:10:07 – 01:19:46:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann ist ja die Beleidigung die, die diese Aussage mit sich führt, die kommt ja von mir und berührt mich daher gar nicht mehr. Ich glaube allerdings, dass es halt wirklich sehr, sehr viel Arbeit erfordert, dass man mit sich selber im Reinen ist und dass man selber weiß Wer ist mir wichtig, welche Meinung ist mir wichtig, was, was verletzt mich? Und dass man halt auch mit dem anderen gemeinsam dann gewisse Dinge respektiert. Und über manche Dinge reden wir natürlich auch nicht in der Öffentlichkeit. Aber grundsätzlich empfinde ich es als sehr erleichternd, wenn die Leute viel über einen wissen und man selber aber kontrolliert, was die Leute wissen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:47:00 – 01:19:49:03</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bereust du bestimmte Dinge gesagt haben?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:50:20 – 01:19:57:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich weiß, also bis jetzt nicht, vielleicht im Laufe dieser Aufzeichnung bereue ich noch gesagt zu haben Gerne komme ich in deinen Podcast Raul.&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:19:59:23 – 01:20:02:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nee, ich bereue eigentlich wirklich wenig. Also vielleicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:04:17 – 01:20:36:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, einfach so rein humoristisch bereue ich so ein paar Auftritte von mir, weil die Witze da zum Teil ja irgendwie so ein bisschen platt und auch nicht so richtig kreativ sind. Also einmal, vor elf Jahren oder so, habe ich einen Text vorgetragen, da kam einmal vor, das war noch ein Poetry Slam Text, da habe ich gesagt, ja, da ist bestimmt eine Bombenstimmung und das ist ja irgendwie gar kein lustiger Witz. Also eine Bombenstimmung in einem Bomben Kontext ist ja irgendwie einfach nicht nicht geil.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:20:37:12 – 01:21:08:08</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bereue dann eher Witze, die nicht lustig waren und wo nicht genügend Grips hinter gesteckt hat. Ich meinte aber eher so im Kontext etwas über dich preisgegeben zu haben, das du vielleicht gar nicht preisgeben wolltest. Ja, nee, tatsächlich nicht, weil ich da schon immer viel vorher mit Thomas auch im Privaten drüber rede. Wie, wie öffentlich wir wir werden wollen, mit welchen Themen? Also beispielsweise hatte ich im Januar so eine Mini Lebenskrise und da war dann irgendwie nicht sicher. Also ich war einfach wahnsinnig erschöpft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:08:10 – 01:21:46:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich war total übermüdet von einem Jahr Muttersein und Corona Termine nachholen. Und ja, es sind auch noch so, einfach so viele Sachen zusammengekommen und dann haben wir da drüber geredet. Aber halt auf so eine Art, wie ich hoffe, dass ich viele Mütter und grundsätzlich Leute damit identifizieren können. Und dadurch, dass ich das aber alles schon mit mir selber irgendwie besprochen hatte, war es dann völlig okay, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Und ich glaube, es ist wirklich einfach wichtig, dass man die Sachen erst dann öffentlich sagt, wenn man sich selber wohl damit fühlt, damit konfrontiert zu werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:21:46:26 – 01:22:19:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weil ich will nie in die Situation geraten, wo ich was sage und dann sprechen die Leute mich drauf an und dann fange ich an zu heulen, weil ich selber noch nicht bereit bin. Aber das hatte ich noch nie. Hattest du mal so was? Ja, also da denke ich die ganze Zeit drüber nach, ob das jetzt hier reinpassen würde. Aber ich hab als Teenager immer gedacht, ich muss jetzt der Klassenclown sein, damit die Leute mich trotz meiner Behinderung mögen. Also, dass du dann so eine Überkompensation gemacht hast, obwohl du dich eigentlich gar nicht richtig gefühlt hast, als würdest du,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:19:06 – 01:22:49:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">also du hattest jetzt nicht eine intrinsische Lust, der Klassenclown zu sein. Genau. Ja. Und ich habe dann meistens Witze auf meine Kosten gemacht. Und das hat dann natürlich dann in meinem Umfeld irgendwann auch legitimiert Witze zu diesem Thema zu machen. Und sie haben es dann wieder über dich gemacht, anstatt wie es ja cooler gewesen wäre, Witze über sich selber, das wäre ja die perfekte Einladung. Genau, sondern die haben immer gesagt Haha und dann habe ich irgendwas gesagt, keine Ahnung, bitte nicht zu schnell. Und dann hat irgendjemand anderes gesagt Ja Du bist halt nicht so schnell. Und die haben es ja nur wiederholt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:22:50:11 – 01:23:22:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber trotzdem hat es mich dann verletzt. Ja, ich, ich ich weiß ganz genau, was du meinst. Also, dass man dann versucht aus einer, ja, in den Augen der anderen eine Schwäche, dass man das dann so vor sich her trägt, dass die Leute es als Stärke interpretieren können, obwohl man eigentlich gar nicht unbedingt darin leben will. Aber andererseits kann man, also würdest du jetzt sagen, dass es dich im Nachhinein dann doch irgendwie stärker gemacht hat, weil du ja auf jeden Fall jetzt sehr viel Rampenlicht abbekommst und damit auch sehr gut umgehen kannst.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:22:12 – 01:23:57:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht war das ja im Nachhinein dann doch eine wichtige Übung für dich, oder würdest du das nicht sagen? Ja, wenn dann habe ich dann irgendwann verstanden, aber auch erst in den letzten zehn Jahren oder so, warum mich das gestört hat, dass meine eigene Unsicherheit mit meiner eigenen Behinderung wahrscheinlich auch eine lebenslange Aufgabe ist, das zu bearbeiten, aber nicht etwas ist, das ich in der Öffentlichkeit austragen muss als Witz, sondern ich kann halt da offen und ehrlich drüber reden. Aber es muss kein Witz sein. Genau. Ich glaube, das ist wirklich der Punkt, dass man einfach mit sich selber, man muss sich selber fragen, muss auch mal alleine Aufzug fahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:23:57:24 – 01:24:35:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht anders gesagt ja genau. Ja genau. Und sich selber fragen Was, was wünsche ich mir denn? Und auch was kann ich denn ändern? Und trotzdem gibt es aber natürlich Situationen, wo man einfach irgendwie reagieren muss. Vielleicht musst du auch, ab und zu muss man einfach einen Witz über sich selber machen, um schnell aus einer Situation rauszukommen und dann ist es auch okay, das mal geübt zu haben. Aber es ist halt immer wichtig, dass Witze auf eigene Kosten was Freiwilliges sind. Absolut. Genau. Genau das ist der Punkt. Weißt du, was ich beim Hören der letzten Folgen von euch am Wochenende so faszinierend fand? Meine schöne Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:36:05 – 01:24:36:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:24:39:06 – 01:25:12:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber wirklich, wie schonungslos, offen und ehrlich ihr über die ganzen Herausforderungen des Elternseins oder auch der Beziehung miteinander habens redet. Und das hat bei mir und das wäre meine erste Confession, es hat bei mir ehrlich gesagt die Lust auf eigene Kinder gesteigert. Was? Wirklich? Ja. Wow! Weil ich, weil ich dachte okay, es ist total okay. Es ist total normal, dass man damit hadert, wenn es dann soweit ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:12:02 – 01:25:42:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es muss nicht immer alles shiny, fancy, wunderbar sein. Wir haben mal die schärfste Currywurst der Welt gegessen und dann sieht man im Video, wie wir kotzen müssen, weil die Wurst so scharf ist. Und dann hat es auch Leute gegeben, die in die Kommentare geschrieben haben Oh, ich hab voll Bock diese Wurst auszuprobieren. Also ist jetzt deine Aussage. Ja nicht ganz so krass, aber einfach so, dass es auch okay ist, dann in dem Moment nicht mit sich zu hadern. Also das muss ja nicht gleich regretting Parenthood sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:25:43:04 – 01:26:19:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber so dieses ja, wenn das Baby kotzt, ist es auch mal kacke. Im wahrsten Sinne vielleicht sogar. Ja, also ich finde auch, dass dieses, dass das Eltern sein, hab ich grad vorher noch mit Thomas drüber geredet, als ich mir einen Kaffee geholt habe, da habe ich gesagt Das Wichtigste am Elternsein ist eigentlich einfach, dass man es ein bisschen unabhängig vom Kind macht. Also das Kind, das kommt ja einfach, du kannst es dir nicht aussuchen. Das Kind kann sich auch nicht aussuchen, geboren zu werden. Aber es ist einfach da. Und du musst dann, egal wie schwierig das Kind ist oder wie süß es ist oder wie schwierig vielleicht einfach die Gesamtsituation gerade ist,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:19:20 – 01:26:54:16</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du musst es einfach als nicht als, also Projekt klingt so abwertend, aber ich finde auch, dass wenn man es einfach als Projekt sieht, dann hilft es einem auch ein bisschen die Emotionalität rauszunehmen, die das Ganze manchmal sehr, sehr anstrengend macht. Wenn es, wenn es negativ läuft. Aber du kannst einfach sagen Hey, guck mal, ich versuche jetzt einfach so, so eine gute Mutter zu sein, wie es mir irgendwie möglich ist. Und mein Kind schuldet mir aber gar nichts und das, also ich finde, es gibt ganz viele Sachen, die kannst du nur mit einem Kind erfahren, weil dieses an Grenzen stoßen, das,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:26:56:00 – 01:27:38:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">also du kommst so oft an einen Punkt, wo du denkst, ich möchte das jetzt eigentlich nicht mehr machen, aber du musst halt weitermachen. Und das würde man sich ja freiwillig nicht antun. Also es gibt ganz, ganz viele Situationen, wo man als Eltern eigentlich gerne das Handtuch werfen würde. Aber wo willst du es denn hinwerfen? Also du bist halt da, du musst es dann selber wieder aufheben. Deswegen wirfst es lieber gar nicht erst, weil sonst musst du dich auch noch bücken. Bist ja eh schon so müde. Und dann hast du ja in der Öffentlichkeit auch, jetzt ja auch gerade, angedeutet, dass du vor ein paar Monaten eine Krise hattest, dass du mit dir darüber nachgedacht hast, dich aus der Öffentlichkeit etwas weiter rauszuziehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:27:38:20 – 01:28:18:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Frage, die sich glaube ich viele Leute stellen, ist Dazu gehört ja auch unglaublich viel Mut, einmal zu dieser Schwäche zu stehen, aber auch Nein zu sagen. Wie macht man das? Ja, also Mut würde ich das gar nicht unbedingt nennen, weil ja verglichen mit, es gibt halt so krasse Leute, die so richtig mutig sind und dieses ehrlich sein mit sich selber, dass das mittlerweile was mutiges ist, zeigt ja auch irgendwie, wie entfernt wir so von unseren eigenen Gefühlen sind und auch sein müssen in dieser sehr oberflächlichen und schnelllebigen Welt, wie sie halt leider manchmal ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:28:18:29 – 01:29:00:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber für mich war es einfach so ich konnte nicht mehr, ich konnte, ich konnte wirklich nicht mehr. Also ich bin, ich war völlig am Ende und Thomas hat mich dann auf eine Art ein bisschen gerettet, weil er einfach gesagt hat Hey, guck mal, du kannst nicht mehr. Und du hast, glaube ich, das Gefühl, du musst weiter und du musst aber nicht. Und dann habe ich gar nichts gemacht. Ich habe wirklich eine Woche lang einfach gar nichts. Thomas hat mir im Lego Shop so ein Klavier aus Lego mit 3600 Teilen gekauft und hat gesagt Du baust jetzt das zusammen. Und dann habe ich jeden Tag sechs Stunden Lego gebaut und habe erst mal wieder gemerkt, wie es mir eigentlich geht, weil ich das einfach ein Jahr lang so krass unterdrückt habe, diese ganzen Warnsignale des Körpers eigentlich, dass man viel zu gestresst ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:00:20 – 01:29:35:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also mein Kiefer war die ganze Zeit angespannt, ich hatte Kopfschmerzen, ich konnte nicht mehr schlafen, ich hatte Verdauungs Schwierigkeiten. Eigentlich alles sehr, sehr deutliche Warnsignale, die aber, wenn sie alle zusammenfallen, sehr schwer zu erkennen sind. Oder für mich zumindest. Und dann lernen, nein zu sagen, das ist das finde ich, ist wirklich das Schwierigste ist dann nicht nur zu merken, ah mir geht’s schlecht, sondern auch darum geht es mir schlecht. Und wie früh muss ich die Bremse ziehen, um nie wieder die Notbremse ziehen zu müssen? Und das Problem ist, dass es ein lebenslanger Prozess ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:29:35:09 – 01:30:06:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich glaube auch, dass ich immer irgendeine Form von Therapie machen werden muss. Also ob das jetzt eine Gesprächstherapie ist im klassischen Sinne, wie eine Psychotherapie, oder ob das wirklich einfach heißt, ich muss jeden Tag mindestens eine Stunde Sport machen oder an die frische Luft oder irgendwas halt. Es klingt ja so blöd, irgendwas für mich tun. Ich glaub halt, dass ich das nie wieder nicht machen kann. Und das ist der ganz, ganz schwierige Teil der ganzen Geschichte, dass man einfach dranbleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:06:29 – 01:30:38:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist ja auch nichts gloriöses. Es ist ja nicht cool, wenn man irgenwie sagt Ja, ich hatte eine Lebenskrise und jetzt hatte ich nie wieder eine Lebenskrise. Da klatscht ja niemand. Heißt es, dass du von Mal zu Mal bei mir sagst, du musst jeden Tag mindestens eine Stunde Sport machen oder so, dass dir im Vergleich zum Leben davor eine Stunde weniger Arbeitszeit zur Verfügung steht. Das ist eine sehr, sehr gute Frage, weil so ja oft gerechnet wird. Und ich erwische mich auch oft dabei, so zu rechnen und das absolute Gegenteil ist der Fall.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:38:03 – 01:30:58:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich merke wirklich, seit ich nur noch fünf Stunden am Tag arbeite und nicht mehr zwölf oder 13, sind diese fünf Stunden halt so viel besser. Also ich habe das Gefühl, in den letzten vier Monaten haben Thomas und ich die beste Arbeit unserer Karrieren rausgehauen und das mit so vielen freien Tagen wie noch nie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:30:59:23 – 01:31:31:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und finanziert ihr den Großteil der Arbeit durch Patreon und die Unterstützerinnen dort? Und ihr produziert unglaublich viel selber, sodass ich mich frage, ob das jetzt mehr Arbeit geworden ist als vorher, wo andere vielleicht für euch die Gelder besorgt haben und Leute einfach bezahlt haben und ihr das nur machen musstet. Oder ist es weniger Arbeit, weil ihr alles selber besitzt und vielleicht für die gleiche Arbeit mehr verdient? Ja, das ist auch eine gute Frage. Du stellst sowieso nur gute Fragen. Das freut mich sehr, weil das wäre jetzt echt super awkward, wenn</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:31:31:24 – 01:32:05:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">einem mega die scheiß Frage gestellt wird. Äh. Ja, ich ich glaube, du kannst auch relativ gut nachempfinden, weil du ja schon auch viel so hinter den Kulissen selber an packst und aufbaust. Und du weißt ja glaube ich auch dann ganz anders als andere zu schätzen, wie wie wahnsinnig schwer das halt dann ist, manchmal noch das Haus zu bauen, in dem man auftritt. Und es ist natürlich mittlerweile auch so, dass wir das nicht mehr alles nur zu zweit machen können. Also es war ja wirklich bis vor einem Jahr so, dass wir alles selber gemacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:06:03 – 01:32:43:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe auch immer alle, ich habe alles vorproduziert, sprich die ganzen Daten organisiert, mit den Leuten Kontakt gehabt, Email, diese Location angefragt und so weiter. Also für unsere YouTube Sachen. Und Thomas hat die Videos gefilmt und dann geschnitten. Mittlerweile haben wir ein Kameramann, wir haben Cutter, wir haben eine Produktions Assistentin, die uns hilft und das sind natürlich laufende Kosten für uns, die man da abziehen muss. Und ich würde sagen, unterm Strich verdienen wir wahrscheinlich ein bisschen weniger als vorher, aber dadurch, dass wir keinen mehr durchfüttern müssen, den wir nicht unbedingt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:32:43:19 – 01:33:14:13</p>



<p class="wp-block-paragraph">also was heißt nicht mögen? Aber es gibt halt oft, wenn man in so ganz großen Apparaten hockt, gibt es halt noch so drei, vier Leute, die auch noch irgendwie angestellt sind, wo man sich die ganze Zeit fragt Was macht eigentlich Ute, was macht Ute den ganzen Tag? Ute steht nur am Getränkeautomaten und wartet, bis irgendwas passiert und kriegt trotzdem ihre 3.500&nbsp;€ netto im Monat. Und diese Utes haben wir halt gestrichen. Also Ute, übrigens einfach ein Platzhalter, also keine Ahnung, falls ich eine Ute kenne No hate.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:17:15 – 01:33:47:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dadurch, dass wir die Utes reduziert haben, haben wir viel mehr Spaß an unserer Arbeit, weil wir einfach wissen, wenn wir oben was reinstecken, kommt unten das raus und dazwischen wird möglichst wenig Speck drangehängt. Und was war der Beweggrund, dass ihr gesagt habt Ihr geht mal diesen Schritt euch quasi selbstständig zu machen. Ach, es war irgendwie einfach so, dass wir jahrelang immer für andere gearbeitet haben, was ja auch total cool war. Also ich möchte das auch nicht missen und ich mache das auch nach wie vor gerne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:33:47:19 – 01:34:18:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ab und zu mache ich ja auch noch so Kooperationen oder dass ich dann zum Beispiel bei LoL Prime Video mitmache, was ja wirklich gar nicht in unserer Hand ist. Aber das macht mir schon auch Spaß, einfach um auch so neue Inputs zu kriegen. Aber was uns dazu bewegt hat, war, dass wir irgendwie gemerkt haben Immer wenn wir über Arbeit sprechen, sprechen wir negativ darüber, wie uns die Struktur missfällt. Und es wäre ja total dumm, es nicht zumindest zu probieren, ob es auch anders möglich ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:34:18:20 – 01:35:02:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und jetzt, wo wir wissen, dass es anders geht, sind wir total froh, dass wir es probiert haben. Also ich weiß nicht, es ist dieser total lame Erich Kästner Spruch Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ja, das stimmt. Aber vielen, vielen Dank für die Brücke der Überleitung, die du mir hiermit gebaut hast. Denn jetzt geht es um Pünktchen und Anton. Nein, um das deutsche Gesundheitssystem. Ah, sehr gut. Das ist nämlich auch verbesserungswürdig in vielerlei Hinsicht. Und du hast in einem Podcast mit Eva Schulz Deutschland3000 mal gesagt, dass das deutsche Gesundheitssystem eigentlich mit so wenig Schritten so viel besser machbar wäre und auch gar nicht großen Aufwand.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:02:24 – 01:35:33:12</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und du hast angefangen mit dem Krankenhaus Essen und ich habe das so gefühlt in dem Moment, weil ich vor kurzem auch im Schlaflabor war. Ah, okay. Und das Essen, also da wird man ja eher krank, als dass man gesund wird, was da ausgegeben wird. Ich glaub halt wirklich auch nicht, dass es viel teurer wäre, gutes Essen zu haben. Also ich glaube das nicht. Ich glaube, das ist sehr weit von den, dass die Leute, die davon profitieren, das halt nie selber erfahren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:35:33:14 – 01:36:06:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das ist ein grundsätzlich riesiges Problem, wenn du Geld damit verdienst mit Dingen, die wo du keine Ahnung von hast. Genau das. Und ich habe inzwischen die Beobachtung gemacht, dass es einige Orte in dieser Welt gibt und es werden leider immer mehr, die am besten funktionieren würden, ohne Menschen. Also ohne die Kundinnen. Also ein Krankenhaus, ohne Patientinnen würde super funktionieren. Dann hast du keine Kommunikationsprobleme. Dann brauchst du auch kein gutes Essen. So allerding würde das ganze System halt auch nicht funktionieren. Aber die Leidtragenden im wahrsten Sinne doppelt,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:06:06 – 01:36:11:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">die gehen ja leidend rein und leiden darin weiter, aus neuen Gründen, nämlich schlechtem Essen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:13:18 – 01:36:46:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">sind immer die Patientinnen oder die Kundinnen. Und auf jeden Fall auch das Pflegepersonal. Und ein anderer Ort, der total kaputt ist Flughafen allgemein. Also Flughäfen sind doch Orte, wo der einzige Störfaktor eigentlich nur noch der Mensch ist. Die Maschinen kommen automatisch, die Ansagen sind automatisch, die Förderbänder sind automatisch, alles ist automatisch. Und immer, wenn irgendein Fehler passiert, war ein Mensch schuld. Ja das stimmt. Und ich war neulich, bin ich nach Zürich geflogen, vom BER Flughafen, und da kann Zürich natürlich nichts für.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:36:46:20 – 01:37:22:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber Berlin kann einfach keine Flughäfen. Und ich habe die Geschichte, muss ich kurz erzählen, weil mich das so aufregt. Ich habe bei, mit meinen Rollstuhl mich anmelden wollen bei Swissair. Und das kann man dann online machen. Und so weiter und so fort. Und dann hatte ich aber das Gefühl, das ist irgendwie nicht bestätigt worden. Ich habe dann zwei Stunden in der Hotline gehangen von Swissair. Oh Gott. Swiss heißt es glaub ich mittlerweile nur noch. Oder Swiss, genau. Und habe dann mir in diesen zwei Stunden alle 20 Sekunden von einer Computerstimme sagen lassen, dass sie die Registrierung ja auch online machen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:23:10 – 01:37:57:25</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hat ja nicht geklappt. Und dann kam endlich der Callcenter Agent, der meint ja, normalerweise geben die auch kein Feedback, ob die Anmeldung geklappt hat. Und da habe ich ihn gebeten, noch mal zu gucken. Und es stellte sich heraus Es hat nicht geklappt. Oh, und darf ich mal kurz nachfragen, also wenn die Anmeldung, Du meldest an, dass du mit einem elektrischen Rollstuhl kommst und reist. Genau dann muss ich Größe, Gewicht, Länge, Breite, Tiefe und welche Akkus, welche Marke und so angeben. Ah, okay und dann stellt dir die Airline quasi jemanden am Flughafen zur Verfügung, die dir hilft? So die Theorie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:37:58:07 – 01:38:01:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Okay, gut. So die Theorie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:01:06 – 01:38:36:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dann hat er mich also am Telefon die gleichen Fragen noch mal gefragt und dann hieß es Ja, Sie müssen aber vier Stunden vorher am Flughafen BER sein. Oh mein Gott. Vier Stunden früher. Für 50 Minuten Flugzeit? Genau. Das ist ja total lächerlich. Ja. Und dann war ich am Flughafen. Und die haben sich so verhalten am Berliner BER Flughafen, die haben sich so verhalten, als wäre ich der erste rollstuhlfahrende Mensch auf diesem Planeten, der überhaupt fliegen möchte, wie ich mich überhaupt anpreisen könne, es überhaupt mal auszuprobieren. Und dann haben die mich die ganzen Fragen, die ich online ausgefüllt habe, die ich dem Typen vom Callcenter gesagt habe, dann noch mal gefragt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:38:36:23 – 01:39:10:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das heißt, du hast an dem Punkt hast du ja schon zwei Stunden in der Hotline gehangen, du hast schon sicher eine Stunde online dich damit auseinandergesetzt. Genau. Du musst vier Stunden vorher, also wir haben schon mal sieben Stunden eingezahlt für diese Reise. Genau das. Genau das. Und dann haben mich bestimmt die 20 Mitarbeiterinnen am Flughafen, die man im Laufe der Zeit so trifft, in den vier Stunden die man da wartet, haben mich alle die gleichen Fragen gefragt, wie schwer ist der Rollstuhl, wie groß, wie breit, wie tief, wie lang. Und dann ergibst du dich ja dem System. Machst dann ja was die sagen, weil du hast ja keine Wahl, hast ja auch keine Stimme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:10:28 – 01:39:41:15</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du bist ja eigentlich schon automatisch Schwerverbrecher, wenn du fliegst. Wenn überhaupt du dich anpreist, fliegen zu wollen, hast du ja erstmal eine Kalaschnikow dabei, davon wird ja ausgegangen. Also Sie reduzieren dich ja auch dann nur auf Gewicht und Volumen? Genau. Und an der Sicherheitsschleuse, also überall ein Problem. Und dann haben sie es irgendwie mich mit meinem Elektrorollstuhl zum Gate gebracht und dann sagten die letzte Person am Gate, kurz vor dem Einsteigen ins Flugzeug Sie dürfen mit dem elektrischen Rollstuhl hier nicht sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:39:41:26 – 01:40:12:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Haben Sie etwa darauf bestanden oder was? Oh, mein Gott. Und sie kann mich so nicht mitnehmen. Hä und das war eine offizielle Mitarbeiterin vom BER? Ja. Was? Ja und dann hab ich gesagt, also pass mal auf Leute, ich stehe jetzt hier seit fast vier Stunden. Er beantwortet immer die gleichen scheiß Fragen. Alles schon tausendmal gehabt. Und jetzt sagst du mir, ich darf hier nicht mitfahren, weil ich irgendwas darauf bestanden hätte. Ich habe alles gemacht, was ihr wollt, und trotzdem ist es falsch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:13:01 – 01:40:46:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und du gibst denen ja letztlich Geld. Also das, finde ich, ist auch so eine völlig, wenn man sich das dann immer mal wieder vor Augen ruft, dann wird es noch gestörter. Aber wie ist es jetzt, wenn ich jetzt auch in Berlin gewesen wäre und wir würden uns nicht privat kennen, wie wäre das dann? Würde, also ich wüsste in so einer Situation nicht, soll ich mich da einmischen? Weil ich finde so was total fürchterlich, wenn so was passiert. Aber wenn wenn ich quasi betroffen wäre, dann würde ich wahrscheinlich eher Ja und Amen sagen und sagen Ah, okay, dann warte ich halt noch mal acht Stunden. Aber wenn jemand anderem das passiert, fällt es mir viel leichter, mich dann für die Person einzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:40:47:11 – 01:41:17:24</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ist es, wäre das jetzt in so einer Situation angebracht? Wenn ich dann da auch noch hinkomme und zu der BER Frau sage Hey Lady, komm mal klar auf dein Leben oder oder lieber nicht. Ja, das hätte vielleicht geholfen, aber weißt du was wirklich geholfen hat? Das hat mich wirklich umgehauen. Meine Assistenz, also die Begleitung die ich dabei hatte, die kann türkisch. Ah, okay. Und das Personal, das mich zum Flugzeug gebracht hat, von diesem Flughafen Mobilitäts Service für behinderte Menschen, die konnten auch Türkisch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:18:02 – 01:41:48:22</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann hatten die plötzlich so eine Connection, meine Assistentin zum die vom Flughafen Personal, dass dann plötzlich Dinge möglich waren, die du glaub ich, wenn du nur Deutsch gekonnt hättest, nicht möglich waren. Wow, okay. Also du brauchst immer diese kulturelle Geheimsprache, die an diesem Ort gebraucht wird. Oh mein Gott. Was? Was lernen wir daraus? Also mehr Barrierefreiheit durch das Erlernen mehrerer Sprachen musst du jetzt einfach noch Türkisch lernen. Ich glaube, wir lernen daraus und darüber müssen wir glaub ich viel mehr reden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:41:49:01 – 01:42:31:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gilt auch für den Gesundheitssektor. Deswegen komme ich drauf. Was passiert, ist eine einzige Verantwortungsdiffusion. Niemand ist mehr zuständig, weil ständig Sub Sub Sub Dienstleister gibt. Genau. Die alle in prekären Job Verhältnissen sitzen. Und das meine ich auch mit dieser Ute. Weißt du, diese, diese Alibi Ute, die es halt gibt. Das einfach an vielen Positionen Menschen sind, die zu wenig involviert sind im finalen Produkt an dem sie arbeiten, weil eigentlich ist ja das Produkt, wenn du im BER arbeitest, ist ja nicht deine Aufgabe, klar, deine Teilaufgabe, deine unmittelbarer Job ist vielleicht, dass du den Rollstuhl wiegst oder fragst, wie viel er wiegt und was das für eine Batterie ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:42:31:12 – 01:43:04:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber dein eigentlicher Job ist es, den Herrn Krauthausen von A nach B zu transportieren. Und das haben die Leute nicht im Blick. Genau und dabei muss man auch vielleicht mal 5 Meter weiter gehen als das, was die ursprüngliche Jobbeschreibung oder Versicherungsbeschreibung definiert. Und diesen Mut haben glaube ich immer weniger Menschen. Ja, also die Leute würden halt sehr gerne einfach mit Crashtest Dummys arbeiten, die alle genau gleich aussehen, die auch nicht die, die auf jeden Fall die Klappe halten, weil sie gar keine Klappe haben. Und dann schmeißt man die einfach rein, die schnallen sich von selber an und gut ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:05:07 – 01:43:44:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und das verstehe ich nicht. Und genau das Gleiche ist mit Krankenhäusern. Man muss die Leute wirklich zu Patientinnen oder Fluggästen machen, die diese Regeln schreiben. Ja, ich verstehe das aber nicht. Ich weiß nicht, ob das was Angeborenes ist, was anerzogenes. Aber es gibt doch schon, also du kannst gerne sagen, wenn es deiner Meinung nach anders ist, aber ich habe das Gefühl, es gibt zwei Arten von Leuten. Das eine sind die Leute, die gerne arbeiten und dann halt auch gerne mal die extra 5 Meter gehen. Und die anderen sind die, die einfach den Job über sich ergehen lassen und einfach einfach warten, bis Feierabend ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:43:44:21 – 01:44:20:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich habe das Gefühl, du wärst doch egal, was du arbeiten würdest, du würdest immer versuchen, das System zu optimieren. Auf jeden Fall. Aber ich glaube, dass du den Leuten&nbsp; so enge Daumenschrauben angelegt wurden, dass dann immer es heißt, das ist aber Kompetenzüberschreitung, dass sie sich nicht mehr trauen, selbst wenn sie es würden. Also dass sie quasi bestraft werden dafür zu denken. Genau ja. Das ist schon ziemlich scheiße alles. Wen kann man denn da, also wem müsste ich denn mal einen Lapdance verabreichen, um das Gesundheitssystem zu ändern? Also aktuell wäre es ja wahrscheinlich Karl Lauterbach.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:20:16 – 01:44:50:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oh ja, das wäre ja gar nicht so unrealistisch. Der Karl Lauterbach und oder vielleicht mal so eine Geschäftsführung von Vivantes oder Helios Kliniken. Ja, ich glaube es sind wirklich eher die Geschäftsführerin, die die da was ändern können, auch ganz schnell. Du ich habe noch, der Aufzug ist bald da. Oh ja. Die Luft ist auch noch nicht dünn geworden. Ich find’s bis jetzt sehr angenehm. Ne es geht noch. Genau. Ähm.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:44:51:03 – 01:45:22:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe das Gefühl, dass ihr gerade durchstartet. Ah ja. Thomas und du. Und ich bin schon sehr lange sehr großer Fan von mindestens deiner Arbeit. Thomas habe ich erst später kennengelernt. Und hab mich dann gefragt, weil es ja auch gleichzeitig Comedians gibt, deren Zeit irgendwie vielleicht auch abgelaufen ist. Und wollte dich fragen Hat jede Künstlerin, jeder Künstler eine Art Halbwertszeit? Ja, ist auch wieder eine sehr gute Frage, weil nicht weil,&nbsp;</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:22:19 – 01:45:58:14</p>



<p class="wp-block-paragraph">aber auch stelle ich mir die selber. Es wäre jetzt geil, wenn ich deine Fragen nur nach Qualität bewerte, ob ich sie mir auch stelle oder nicht. Die könnte von mir kommen, die ist so gut. Ja, ich glaube schon, dass es, also es gibt ja Künstlerinnen, die sind ihrer Zeit voraus. Dann gibt es Künstlerinnen, die sind ihrer Zeit hinterher. Und dann gibt es manche ganz Glückliche, die sind genau dort, wo auch die Zeit ist. Und ich habe auch das Gefühl, dass jetzt gerade so ein bisschen meine Zeit ist und auch unsere Zeit. Also Thomas und meine, weil dieses ganze Wir wollen alle möglichst vor einer möglichst breiten Masse</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:45:58:16 – 01:46:41:26</p>



<p class="wp-block-paragraph">auftreten, das war mal. Das war mal vor zehn Jahren der heiße Scheiß, das man dann 20:15 bei RTL von möglichst vielen Menschen gesehen wurde. Aber mittlerweile ist Comedy derart omnipräsent und jeder Mensch ist wirklich nur noch einen Klick von einem Gig entfernt. Man kann ja einfach ein Tiktok hochladen und und durchstarten gefühlt, wenn es dann wenn man auch noch das nötige Talent und Glück mitbringt. Aber ich glaube schon, dass gerade die Kunstform Stand up Comedy eine sehr geringe Halbwertszeit hat und dass ich eher dann versuchen werde, längerfristig halt mich irgendwie anders noch in den Entertainment Betrieb einzubringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:46:41:28 – 01:47:18:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also bei Anke Engelke zum Beispiel finde ich es mega beeindruckend, dass die auch mit Mitte 50 noch extrem relevant ist, aber halt auf eine andere Art als früher. Und deswegen würde ich jetzt nicht sagen, dass die das das Gesamtkunstwerk Mensch, was jetzt zum Beispiel Anke Engelke ist, dass das eine Halbwertszeit hat, die niedriger ist als das Leben. Aber eine Sportart quasi kann man halt nicht ewig lange machen, weil die Leute dann irgendwann einfach alles gesehen haben. Also ich glaube auch so mehr als fünf gute Solo Programme will man gar nicht sehen von jemandem</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:19:23 – 01:47:28:01</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ist Comedy schwieriger geworden im Vogue Zeitalter? Also ich meine, wenn wir uns angucken von Luke Mockridge über Louis C.K.,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:29:17 – 01:47:36:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">die hatten halt alle ihren Zeiten. Und Mario Barth. Ah ich dachte es kommt jetzt, es kommt eine andere Gemeinsamkeit,</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:47:37:29 – 01:48:09:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">dass die beide mit L anfangen meine ich. Natürlich ja. Luke und Louis. Aber du weißt, was ich meine. Ja ich weiß was du meinst. Früher durfte man darüber lachen oder was heißt durfte, hat man darüber gelacht und jetzt ist es einfach überhaupt nicht mehr okay. Ja, das stimmt schon, dass das irgendwie so der der Grundtenor ist, dass Comedy oder anders gesagt, es gibt ja viele Comedians, die sich darüber beschweren, oh, man darf ja gar nichts mehr sagen. Aber das, finde ich, ist völlig die falsche Herangehensweise, weil es ist ja nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:09:20 – 01:48:40:00</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wer schaut sich denn sein Leben an und denkt sich Das darf ich nicht machen, das darf ich nicht, das darf ich nicht machen. Nein, du musst doch einfach fragen Was ist denn überhaupt noch möglich? Und das dann auch als Herausforderung sehen. Ah es ist jetzt nicht mehr lustig, rassistische Witze über Minderheiten zu machen. Oh Mann, schade. Dann fallen 30&nbsp;% von meinem Material weg. Nee, dann macht es halt nicht. Es gibt ja noch genügend andere Themen und der Mensch an sich und die menschliche Erfahrung in sich betrachtet ist ja dermaßen witzig.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:48:40:02 – 01:49:12:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also wie du auch am Anfang des Gesprächs gesagt, diese awkwardness, dieses gemeinsame sich unwohl Fühlen, das ist ja so eine unerschöpfliche Quelle von Humor, dass ich es wirklich komisch finde, wenn Leute das nicht anzapfen können. Aber es ist halt, ich habe das Gefühl, Comedy bohrt halt jetzt immer tiefer in die, in die menschlichen Befindlichkeiten und das ist eigentlich was sehr Schönes. Also das ersetzt irgendwie auch Philosophie auf eine Art. Ja, aber trotzdem beobachte ich so ein Schift, wenn Männer Witze über Frauen machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:12:13 – 01:49:53:20</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist nicht mehr okay. Wenn Weiße Witze über Schwarze machen ist es auch nicht mehr okay. Aber es wird inzwischen auch nicht mehr okay, wenn Frauen Witze über Frauen machen oder Kaya Yanar Witze über Menschen mit Migrationshintergrund macht, das fühlt sich auch immer mehr cringe an. Ja, ich glaube aber, dass das so ein bisschen wie die Dreifelderwirtschaft, dass das Feld Minderheiten als witzige Opfer bezeichnen, es ist einfach abgeerntet und vielleicht müssen wir auf dem Feld einfach was Neues säen. Jetzt säen wir es einfach um und machen den alten Weißen nicht behinderten heterosexuell cis Mann</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:49:55:06 – 01:50:27:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">zum Opfer. Ja, wir brauchen da aber noch ein bisschen catchigeren Namen für ihn. Weil sonst, sonst verlierst du mich dann bei der Beschreibung. Ne, aber ich denke, diese Opfer umkehren, also ist ja nicht Opfer umkehren, aber dass man jetzt einfach so, dass man sie jetzt, dass man sagt ja, Witze über Minderheiten, das ist nicht mehr lustig. Deswegen wird jetzt der die hohe Stimme von früher wird jetzt fertig gemacht. Das kann es ja dann irgendwie auch nicht sein. Das ist auch sehr kurzlebig. Aber ich finde, Comedy ist an einem richtig spannenden Ort gerade.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:28:00 – 01:50:57:28</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also ich, ich hoffe halt echt, dass es jetzt einfach so weitergeht und dass wir schauen, was, was da alles noch so möglich ist. Gilt nach wie vor der Spruch Lieber nach oben treten als nach unten? Ja, ja, auf jeden Fall, denke ich. Also ich denke, dass es zwar schwieriger wird zu sagen, was genau oben und was genau unten ist. Und ich glaube auch, dass immer mehr durch die einfach durch dieses Phänomen Influencertum sind natürlich ganz viele Leute, die nach oben treten, dann selber eigentlich oben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:50:58:00 – 01:51:34:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und deswegen wird es dann irgendwann auch unglaubwürdig. Also es ist ja, ja es ist halt irgendwie sehr schwer für einen sehr berühmten Comedian, Witze über Kapitalismus zu machen zum Beispiel und sich darüber aufzuregen, dass manche Leute mehr Ressourcen zur Verfügung haben als andere, weil sie ja nur aus genau diesem Grund, aus dieser im System immanenten, unfairen Umverteilung überhaupt erst berühmt geworden sind. Aber grundsätzlich ja klar, es ist immer erfrischend, wenn, wenn die Strukturen nach oben ein bisschen aufgebrochen werden und denen unten geholfen wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:35:14 – 01:51:49:27</p>



<p class="wp-block-paragraph">El Hotzo hat mal gesagt, er darf ein Witz über Olaf Scholz machen, aber wenn Olaf Scholz all diese Witze über El Hotzo macht, dann wird es komisch. Dann wird es auf jeden Fall cringe. Also weil ich glaube, ich glaube Scholz, hat nicht so eine gute Delivery.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:51:52:00 – 01:52:17:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, aber es ist eine, ist ne, also wahrscheinlich ist es eine berechtigte Aussage. Andererseits ist, wenn Olaf Scholz irgendein Witz macht, ist das ja schon in sich lustig, weil man so wenig von ihm erwartet humoristisch, dass alles erfrischend wäre. Die wandelnde Schlaftablette. Ja, aber wirklich, er hilft mir auch sehr bei meinen Schlafschwierigkeiten. Ich denke einfach an ihn. Einschlafen mit Olaf Scholz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:18:27 – 01:52:22:10</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klingt nach einem Podcast. Na, willst du mit mir einschlafen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:52:24:26 – 01:53:05:17</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hazel, wir sind fast angekommen. Allen meinen Gästinnen stelle ich noch eine wichtige letzte Frage. Ich finde die deswegen wichtig, weil ich finde, je mehr wir auch in der Öffentlichkeit auftreten, desto mehr Verantwortung haben wir ja vielleicht auch in unsere Gesellschaft rein. Welche gemeinnützige Organisation, welchen Verein findest du besonders unterstützenswert, der oder die unsere Hörerinnen auch unterstützen kann? Also ich finde tatsächlich Viva con Agua sehr, sehr cool, weil sie sich dafür einsetzen, dass Menschen Zugriff zu sauberem und gesundem Wasser haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:06:06 – 01:53:45:07</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ich finde es aber schwierig bei gemeinnützigen Organisationen, dass es natürlich so wahnsinnig viele, leider gibt es ja so wahnsinnig viele Organisationen, die unterstützenswert sind, weil es halt so wahnsinnig viele Baustellen gibt in der modernen Gesellschaft, die unbedingt ausgebügelt werden sollten. Und ich, ich bin immer so im Turnus von sechs Monaten setze ich mich für eine andere Sache ein und gerade ist es irgendwie Wasser, weil ich weiß auch nicht, irgendwie, irgendwie ist das einfach so ein derartiges Grundbedürfnis von Menschen, den Durst zu stillen, dass ohne das, wirklich gar nichts funktioniert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:53:45:16 – 01:54:27:04</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ansonsten bin ich auch ein großer Fan davon, das ist aber keine Organisation, sondern eher so eine Lebensweise, dass man versucht, in seinem aller allernächsten Umfeld auf die Probleme anderer Leute einzugehen und das Gespräch zu suchen mit dem Menschen. Weil so was, wie was du erzählt hast am Flughafen, das wäre so einfach zu lösen, wenn man einfach die Personen wahrnimmt. Und genau so ist es mit Menschen, die im selben Haus leben, mit denen man noch nie geredet hat und die sich seit Monaten über irgendwas aufregen, was einem selber gar nicht klar ist und was man selber beheben kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:27:23 – 01:54:58:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie zum Beispiel Ich habe den Parkplatz von einer Nachbarin immer mit meinem Fahrrad zugestellt, weil ich nicht wusste, dass es ihr Parkplatz ist. Und es ist zwar keine gemeinnützige Organisation, aber einfach Probleme gar nicht erst so lange brodeln zu lassen, dass die Leute sich verhärten. Da bin ich ein großer Fan von. Das ist doch ein super super Schluss Statement. Ja, es ist auch gut, dass es das Schluss Statement ist, weil jetzt geht die Tür vom Aufzug auf. Genau. Wir haben beide gar nicht gefurzt, weil das finde ich ist auch immer so</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:54:58:23 – 01:55:14:18</p>



<p class="wp-block-paragraph">wega awkward, wenn einer so ganz klar einen fahren lässt im Aufzug. Das Problem bei Aufzugsfahrten ist auch, dass sobald die Tür sich danach schließt, man noch so viele Ideen hat, die man dann auch hätte besprechen können. Der sogenannte Treppenwitz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:16:10 – 01:55:42:09</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deswegen würde ich mir gerne offen halten, dass wir eine weitere Aufzugfahrt vielleicht irgendwann mal vereinbaren. Ja irgendwann müssen wir ja beide wieder runter. Genau. Also vielleicht schaffen wir es gleichzeitig zum Aufzug. Ich halte dich auf dem Laufenden. Ja und ruf bitte vorher noch in meiner Hotline an, musst mindestens zwei Stunden dranbleiben und dann können wir besprechen, ob wir auch einen Platz für dich finden in dem Aufzug. Ja perfekt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:42:11 – 01:55:53:19</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mach es ganz gut. Danke dir, dass du mich mitgenommen hast. Sehr gerne. Grüße gehen raus an die Familie. Ja, bei dir auch. An alle, alle deine Liebsten. Mach’s gut. Danke. Tschüss. Ciao. Ja, danke dir.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:55:57:18 – 01:56:17:02</p>



<p class="wp-block-paragraph">Danke fürs Mitfahren. Wenn ihr mögt und euch diese Folge Spaß gemacht hat, bewerte diese Folge bei Apple Podcast, Spotify oder wo auch immer ihr zuhört. Allerdings zur Folge, so wie die Menschen, die mich bei diesem Podcast unterstützten, findet ihr in den Shownotes. Schaut da gerne mal rein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:19:17 – 01:56:31:21</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ihr meine Arbeit unterstützen möchtet, würde ich mich freuen, euch bei Steady zu begrüßen. Mit einer Steady Mitgliedschaft bekommt ihr exklusive Updates von mir und die Gelegenheit, mich zwei Mal im Jahr persönlich zu treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">01:56:34:11 – 01:56:41:11</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Aufzug ist eine Produktion von Schonlein Media. Ich freue mich auf das nächste Mal hier im Aufzug.</p>
</div></div></div>
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<h2 class="wp-block-heading">Erwähnte Links:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://open.spotify.com/episode/7tuYMBAq7dWaJDOVIjYMoc?si=4fb7c3d5ac9f46ee">Deutschland 3000 mit Hazel Brugger<br></a></p>



<h2 class="wp-block-heading">Hazel Herzensangelegenheiten:</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://www.vivaconagua.org/">Viva Con Agua</a></p>



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<p class="wp-block-paragraph">Dieser Podcast ist eine Produktion von <a class="ek-link" href="https://www.schonlein.media">Schønlein Media</a>.<br>Produktion: Fabian Gieske , Tim Rodenkirchen<br>Schnitt und Post-Produktion: Tim Rodenkirchen<br><br>Coverart: Amadeus Fronk</p>
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